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M 225.

Dienstag den 1. Oktober 1912.

39. Jahrgang.

fuldaer

Zeitung

2. Blatt.

Druck u»i» Verlag der Fuldaer Actieudruckerei in znlda.

[1 Bauernlegerei und Fleiichnot-

Auf »inen wichtigen Punkt, der auch in der ge­genwärtigen Fleischteucrung eine Nolle spielt, weifr ein Artikel des „Bayer. Kurier" hin, der die öffent­liche Ausmerlsamkeit auf den Umfang, den die Bau- ernlegcrei in Bayern angenommen hat, hmlcnkt- Das Blatt führt folgendes Beispiel an:

t>aion v. Büsing b'OiviUe aus Zinneberg bei Älo. n hak bereits 27 bis 28 B a u er nanw esen afgekauft und füttert setzt, sage und schreibe, ganze 10 izehn) Glück Rindvieh mehr als der ,rühere Besitzer von Zrnneberg ohne die 27 bis 28 Baiiernanwesen. In der Gemeinde Glonn allem wurden bei der letzten Viehzählung um 400svierhunderll Sluck Rindvieh weniger gezählt. Die Haupt- ursache des Rückganges der Viehhaltung ist die Bauern- legerei des Herrn v. Büsing. Diese Bauernlegerei be­schränkt sich aber durchaus nicht auf die Gemeinde Gloi'n, sondern erstreckt sich vielmehr auch auf benach- barie Gemeinden, in denen die Schädigung der Vieh-

haliimg peroiß keine geringere ist"

Das Blatt berechnet dann, was die 27 Bauern- anwesen liefern könnten, und komnit zu folgendein Schluss: „ . ..

„tüt die Ernährung des Volkes würben somit mehr erzeugt auf den 2? Höfen ^66 Zentner Fielt», 25 060 Liter Milch und 26000 (Ster, und das jedes Fahr Dabei ist aber wohl zu beachten, daß aus den 'wei Hö;en 727 freie Bauernfam Heu, mitsamt den no wendigen Dienstboten, also mindestens 300 Per­sonen, außer der angeführten Produktion mit Lebens- Mitteln versorgt wären, für die jetzt anderweitig Lebensmittel produziert werden müssen

Was hier von Bayern festgestellt wird, trifft tu gleichein Blaße auch für Preußen und andere deutsche Bundesstaaten zu. Alle die Mittel, die in diesen Tagen zur Hebung der Flcischnot vorgeschla­gen und angewendet werden, find ja zumteil recht schön, aber anscheinend können sie nur vorüber­gehend helfen. Das beste auf die Dauer wirk­samste Mittel ist die Steigerung der Vieh­produktion im Jnlande durch das Mittel der inneren Kolonisation, der Vermehrung des bäuerlichen Besitzes. Hier muß immer noch mehr geschehen als bisher. Erfreulich ist es ja, zu hören, daß vom preußischen Staat auch im kom­menden Jahre das Werk der Kultivierung der Moore energisch fortgesetzt werden soll. Was hilft aber alles, trenn auf der anderen Seite genommen wird, tbas man auf der einen zufügt'? Alljährlich hören wir, daß wieder so und soviele neue Bauernstellen gegründet worden sind. Diese Fortschritte werden aber völlig binsällig, wenn man dagegen hält, wie­viel Hektar bäuerlichen Besitzes im gleichen Zeitraum vom Großgrundbesitz aufgekauft bezw fideikom- missarisch gebunden worden sind.

Ausland.

** Der österreichische katholische Schnlverein. Vor­gestern würben die Mitglieder der Zenlralleitung des katholis-öen Schuloereins für Oesterreich vom Nuntius Conles Ccapinelli empfangen. Der Nnntius äußerte seine lebhafte Beirtedigung über die großartige Wirkiamkett des Vereins. Tie Ausbildung katho sicher Lehrer, der sich der '-Bereir unterziehe, sei für die menschliche Gesells t alt vo» besonderer Wichtigkeit. Der Hl. Vater Papst Pius X. verfolge mit befonderem Interesse das Wirken diefes Vereins.

** Em Raub frommer Stiftungen in Höhr von nahezu 5 M r l l i o n e n M a r k. die sich in mehreren Jahrhunderten aus den Vermächtnissen von Katholi­ken ansammelten, ist von der antiklerikalen Stadt­verwaltung der italienischen Stadt P a rm a unter Beihilfe des Präfekten vorläufig vollzogen worden. Die Verwaltung der Spitäler, die in den Händen von waschechten Freimaurern ist, hat die Güter übernommen und lvird sie nach ihrem Gutdünken verwenden entgegen der Verfügung der Stifter. Es schwebt noch die Berufung an den Staatsrat, welche die Verwalter der frommen Stiftungen gegen das Dekret des Präfekten eingelegt haben. Die Ver­walter waren bereit, den rein wohltätigen Teil ihrer Mittel der Stadt zu überlassen, aber der gierige Anti- klerikalismus mar damit nicht zufrieden. Er wollte alles haben, und der Präfekt sprach es ihm auch zu. Darum großer Jubel in der radikalen Presse. Die Katholiken aber sehen mit Sorgen dem Kommenden entgegen, da auch andere Stadtverwaltungen Lust

verspüren werden, das gleiche wie Parma zu tun. Der antiklerikale Stadtrat von Parma hatte Wider­stand bei der Wegnahme der Stiftungen befürchtet und daher verkleidete Polizisten in großer Zahl auf- marschieren lassen. Aber die Vorsichtsmaßregel war nicht notwendig.

* Amerikanische Flunkerei. Präsident Taft erklärte einer Versammlung von Zeitungsbericht­erstattern in Rewhork, wo er sich mit den Vertretern der Presse über Zollfragen unterhielt, ein Drittel der europäischen Bevölkerung sei dem Hungertode (!) nahe.

2Iu$ dem Nachbargebiete.

]:[ Hunfcld, 29. Sept. 1912. Gestern nachmittag fand hier im Sitzungszimmer des kgl. Landrais- amtes unter dem Vorsitze des Herrn Landrates v. Jerin die Iahreskonierenz des Zentra ausschu-ses für^Iugendvflege im Siete Hünfeld statt. II.a. wurde von dem Vorsitzenden ein Bericht erstattet über die Entwickelung der Iugendpflegebestrebungen im Kreise mit Gründung des Zentralausschusies, ferner wurden die von dem geschäftsfübrenden Aus­schuß auSgearbeiteten Entwürfe einer Geschäftsord­nung für den Zentralausschuß und die Ortsaus­schüsse genehmigt. Dem geschäslsführenden Ausschüsse empfahl die Konferenz, in erster Linie den Orts­ausschüssen derjenigen Gemeinden Beihilfen zu be- willigen, aus denen Leute an dem diesjährigen Lpiel« und Turnkursus teilgenommen haben, der an den letzten sieben Eonnlag-Nachmitlagen von vem Herrn Lehrer Atzert abgehallen wurde. Di- Schlußübungen dieses Kursus fanden darauf au dem hiesigen städt. Turnplätze statt, worauf Herr Retlor Sondergeld im talh. Beierns!,ause vo den Kursisten und den Mitgliedern des Zentralaus schusses einen beifällig aufgenommenen Vortrag über Notwendigkeit, Ausgaben und Durchiührbarleit rei Jugendpflege hielt. Mil einem Hoch auf den Kaiser ichloß Herr Landrat v. Irr in die Konferenz und den Kurüis.

X Bieberstefit, 39. Sept. 1912. Die Güter­abfertigung Bahnhof Bieberstein ist an das Fernsprechnetz Langenbieber angeschlossen worden.

* Melsungen, 30. Sept. 1912. Mit Nückficl auf die in drei Gemeinden unseres Kreises herr.chend Maul- und Klauenseuche sind die Vichmärkl, m Mittelhof, Melgershausen, Heßlar, B new, Gensungen, Felsberg, Altenburg, Rhünda, Neder- vorsck ütz, Lobre, N'edermöllri b, Böddiger, Neuen- brunstar und Altenbrunslar verbalen morden.

* Kassel, 30. Sept. 1912. Seit längerer Zeit lvurde dieser Tage zum ersten 9)!ole wieder hier bei der königl. Regierung eine Kreis-Assisten­ten p r ü f u n g abgehalten, der sich Kreisassistent Peter aus Schlüchtern mit Erfolg unterzog. Die Prüfungskommission war gebildet aus dem C6ev< Regierungsrat "tm Wussow als Vorsitzenden, Lmd- rat von Pappenheim und Kreissekretär Wessel (Hersfeld).

* Howbera, 30 Sept. 1912. D»r als Bor läut ■ "'’t dte Brzirlsobstausstellung hier veranstalten Obstiorken-Bestimmunastaa et freute fi 1 eines außerordentlich regen Zuspruchs. Eine gant Anzat l Sorten konnten mit ziemlicher S cherbet die richtigen pomoloaischen Namen erhalten. Be anderen blieb die Sache zwei'elhast. — Der Atz- tchluß der Geldsamnilung für die National- tlugspende tn unserem Kreis weist den Beira> von 2177,62 Mark nach.

X Borken, 30. Sept. 1912. Dem Ritterguts- besitzet: Deichmartn in Lembach wurde tn Pu erkennung feiner Verdienste um die Hebung d r emheimttchen Viehzucht die sicb rne Verdunstmevatlb verlieh n.

* Biedenkopf, 29. Sept 1912. Der Bursche, der, wie berichtet, in einer hiesigen Wirtschaft die Kasse geplündert hatte nud dann auf dem Festplatz der Rotviehausstellung festgenommen wurde, ist der Anstreicher Heinrich Schmidt aus Rambach. Im hiesigen Gefängnis, in das er etngeliefert wurde, unternahm er einen Fluchtversuch. Er wollte ein Loch in die Decke brechen und durch den Boden­raum entkommen. Als der Gefängniswärter hin- znkam, sprang er aus der Zelle und versuchte den Wärter einznriegeln. Ties gelang ihm jedoch nicht, und nach einer wilden Jagd wurde der Flüchtling

auf dem Gefängnishof ergriffen. Dabei stürzte er und brach den Arm, auch erlitt er einige innere Ver­letzungen. Noch am selben Abend wurde er nach Marburg gebracht. Schmidt soll mehrere andere Einbrüche auf dem Kerbholz haben.

* Eisenach, 29. Sepl. 1912. Der Ausbau der Werrabahn st recke Esienach-Memingen-Lichten- sels in e ne zweigleisige Bahn soll im Jahre 1913 Leiter fortgesetzt werden. Für den zweigleisigen Ausbau der Strecke SalzungemMeiningen werden von der Eisenbahnoerwallung im Etat für 1913 etwa 600000 Mark gefordert werden. Die Emn- bahnstrecke Eisenach-Salzungen ist bereits zweigleisig ausgebaut.

* Wiesbaden, 30. Sept. 1912. Gestern vormit­tag 10 Uhr erfolgte die Einweihung der im frühgotischen Stile erbauten Dreifaltigkeitskirche, der dritten katholischen Kirche in Wiesbaden, die als Pfarrkirche für den südlichen Smdtteil bestimmt ist. Ihr Grundstein wurde am 2. Oktober 1910 gelegt. Bischof Dr. Schmitt-Fulda nahm in Vertretung des erkrankten Bischofs von Limburg in Anwesenheit der Geistlichkeit, Vertreter des Limburger Dom­kapitels, des Regierungspräsidenten v. Meister, des Polizeipräsidenten v. Schenck, des Garnisonältesten Oberst v. Buttlar und des Oberbürgermeisters Dr. Jbeü die Weihe vor. Die Festrede hielt Dom­kapitular Kilian-Limburg. Um 11% Uhr war die Feier beendet. Um 2 Uhr sa: d ein Festmahl im Kurhause statt. Tie Kirche ist nach den Plänen des Mainzer Baumeisters Professor Dr. Becker, der damit sein 194. Kirche errichtet hat, aufgeführt und faßt 2500 Personen. Die Ausschmückung der Kirche in Malerei und Plastik ist nur zum Teil vollendet und wird nach den Ideen des Professors Dr. Meyer- Mainz hergestellt. Bemerkenswert ist, daß sämtliche Arbeiten an dem Kirchenbau ausschließlich von Wiesbadener Handwerks- und Gewerbetreihenden ersolgen.

* Schmalkalden, 29. Sept. 1912. In unserem -tadtparlament kam es zu einem Zwischen- a l l. Werl eine den Maaistrai verletzende Aeußerung Stadlverorvnelen Ulenböifjer in Sachen des r orslausgieichstonds von diesem nicht in ausreichender Reise zurückgeuomruen war, verließ der MagiftrN lot Beginn der Beratung oüenlaliv den Saal. In 3611 Verhandlungen tumbe eine Erledigung des 'treitto(le§ noch nicht erzielt. — Vor einigen Tagen inb in unserer Siadt abermals eine Anzahl Typhus-Erkrankungen vorgekommen, die'au; chEchtes Wasser zurückgeführt werden.

* Würzburg, 29. Sept. 1912. Eine Versammlung ms Poly'e imtseben Z-ntralvereins unter dem Bor- >tz von Prof. Moser beschloß, eine Kunstgewerbc- • uh Baugewerbe-Ausstellung Würzburg i914 aus Anlaß der Hundertjahrfeier dr Zn- e! ör,gleit Würzburgs und Unierfranlens zu Bayern u veranstalten.

2!mt Getto und Umqebrino.

* Termbr -st, 1. Cft. 1912. Montag den 7. Ok- aber findet Ler ir.t „Sächsischen Hof" eine öfsent- liehe Sitzung des Bezirksausschusses statt. Tie Tagesordnung lautet: 1. Antrag der Gewerk­schaft Bonifatius in Buttlar auf Genehmigung zur &,'richtung einer Ehlorkalium- und Sulfatsabrik in der Flur Barsch mit Endlaugenableitung in die Werra. 2. Antrag der Gewerkschaft Sachsen-Wei- mar in Unterbreizbach auf Genehmigrrng zur Errich- ttlng einer Ehlorkalium- und Sulfatfabrik in der Flur Pjerdskopf mit Endlauaenabteilung in die Werra. 3. Ortsstatut über die Erhebung einer Ab­gabe bei GrundbesipverÄnderungen in der Gemeindr Diedorf. 4. Verwendung des der Schulgemeinde Derntbach aus der Auflösung der Schulgemeinschast mit Unlcralba zusallendett Entschädigung zur Be­gleichung von Forderungen für den Schulneubau.

* Stadtlcnssfeld, 1. Skt. 1912. Der Ausbau des vor etwa 2 Jahren entstandenen Kaliberg- Werls Heiligenmühle bei Sechsen hat in der kur­zen Zeit seines Bestehens eine erfreuliche Entwicke­lung erfahren. Im Laufe des letzten Frühjahrs und im Sommer sind eure größere Anzahl Wohnhäuser für Beamte und Betrieb, sowie eine Kantine für etwa 150 Angestellte und in dent anschließenden Niederöchsen fünf größere Villen für Beamte und außerdem der Bahnhof Sechsen entstanden. Hier­durch ist eine Erweiterung in der Postbestellung not-

3m schütze der Zauberers.

26] Englisch-indiscler Roman von E. A. Henty.

„Wie reizend solch ein Zelt ist!" rief Marie Hunter, als sie das ihre mit Isabella betrat. „Ich wünschte, man könnte während der heißen Zett im­mer in Zelten leben."

„^ie sehen allerdings lustig aus", erwiderte Jjabella; „aber wer weiß, ob sie in der Tat so kühl sind, tote die Bungalows. Aber sie sind höchst kom­fortabel eingerichtet Hier ist der Baderaum, der kommt uns nach diesem Tage sehr zu statten. Wir musten uns beeilen, denn Runzan sagte, das Mit­tageyen wurde in einer halben Stunde fertig sein Zum Gluck brauchen wir keine große Toilette zu machen." 0

Das Mahl war ausgezeichnet und die Stimmung bei Tische die beste. Wie natürlich — drehte sich die Unterhaltung um das geplante Unternehmen. Der Tiger hatte am Tage vorher eine Kuh getötet und die Dorfleute waren überzeugt, er habe sich in eine buschige Niederung zurückgezogen, um welche man den Tag über Wachen aufgestellt. Wahr­scheinlich würde er in der Nacht hervorkommen, um an der toten Kuh eine Mahlzeit zu halten. Aber es wurde beschlosseu, dies in Ruhe geschehen zu lassem denn die Jagd sollte bei Tage stattfinden.

Erne Stunde nach der Mahlzeit ging man draußen umher. Der Doktor stellte mit den Leuten em Kreuzverhör an, untersuchte die Elefanten, traf nor9 dir letzten Verabredungen mit den Schikaris — und dann ging man zeitig zu Bett. Als der Morgen graute, wurde die Gesellschaft geweckt. Zwanzig Minuten später trank man Kaffee. Dann wurden die Elefanten vorgcführt, und eben warm .alle im Begriff aufzusteigen, als der Galopp eines Pferdes hörbar wnrde.

„Warten Sie einen Augenblick!" rief der Major, „vielleicht kommt da irgend eine Nachricht von der Garnison." Eine Minute später sprengte Bathurst heran und hielt vor den Zelten.

„Ei, Bathurst!" ries der Major; haben Sie sich doch noch besonnen? Das ist schön! Sie müssen da neben mir noch einen Platz finden".

„'Nein, deshalb bin ich nicht gekommen, Herr Major. Ich bringe einen Eilbrief, der heut morgen um zwei Uhr eingetroffen ist. Toolan hat ihn ge­öffnet und kam zu mir, damit ich ihn hierher brin­gen sollte, weil ich doch genau den Weg kannte und die Stelle, wo Sie zu finden sein würden.

„Doch nichts Schlimmes?" fragte der Major, betroffen von Bathursts Ernst. „Es muß etwas Wichtiges sein — sonst hätte Toolan Sie nicht alar­miert."

„Es ist höchst Wichtiges", sagte Bathurst leise. „Möchten Sie nicht lieber ins Zelt gehen, um zu lesen? Einige der Leute hier verstehen Englisch.

„Kommen Sie mit", sagte der Major und schritt voran ins Zelt, wo noch auf dem Frühstückstisch die Lampen brannten, obwohl draußen schon heller Tag war Voll ernster Besorgnis nahm der Major das Papier aus seiner Hülle und las es durch: der In­halt übertraf noch seine schlimmsten Befürchtungen. Derselbe lautete: „Mein lieber Major! Der General erhielt soeben entsetzlich: Nachrichten aus Meirut. Die Hindu-Soldaten haben sich empört, haben Offi­ziere, Weiber und Kinder gemordet, die Gefäncmiss’ geöffnet, die Arntsgebäiide niederaebrannt und'sind dann nach Delhi marschiert. Dort soll ein allgemei­ner Aufstand herrschen, bei dem alles, was sich Europäer nennt, hingeschlachtet wird. Auch in Luck- now soll Rebellion sein. Lawrence schreibt von dort, daß es ihm gelungen sei, die Empörer zu bändi­gen. Ich hoffe, daß unser Regiment ruhig bleibt; aber zu trauen ist jetzt keinem mehr. Ich würde Ihnen raten, irgend ein festes Gebäude zur Auf­nahme der Weißen vorznbereiten. Denn wenn bei der Meuterei auch noch allgemeines Morden be­ginnt, dann weiß der Himmel, wie es enden mag."

„Mein Gott, wer hätte das ahnen können!" stöhnte der Major. „Offiziere, Franen und Kin­der vernichtet. Und die vielen hundert Europäer in Delhi —> kann das sein?"

„Die Nachricht aus Meirut ist amtlich", sagte Bathurst. „Von Delhi ist es erst ein Gerücht; aber wenn die Empörer hingelcngt sind, ehe die Weißen gewarnt werden konnten, so ist anzunehnten, daß sie dort, wo fast gar keine englischen Soldaten am Orte sirrd, ungehindert ihr Wesen getrieben haben."

„Aber in Meirut waren doch weiße Soldaten. Was haben die nur gemacht. Doch das ist jetzt Nebensache. Wir müssen sofort zurück. Rufen Sie doch die andern, Bathurst. Sagen Sie aber den Mädchen nicht, was geschehen ist — sie erfahren es noch früh genug."

Tie Herren standen in einet Gruppe zusammen und fragten sich verivundcot, was das für eine Nach­richt sein könne, die Bathurst mitten in der Nacht herausgetrieben,habe. Ta trat dieser zu ihnen und forderte sie ans, zum Major zu kommen. „Sollen wir nicht auch komnteu, Herr Bathurst?" fragte Marie Hunter.

„S nein, Fräulein Hunter. Ter Major hat die Nachricht von einigen Unruhen in anderen Garni­sonen erhalten, und nun möchte er mit den Herren eine Art Kriegsrat halten, ob die Jagd nicht lieber ausznaeben fei. Ich fürchte, Sie werden um das erhoffte Vergnügen kommen; denn der Major wird zu Haufe zu sein wünschen, ehe unsere Soldaten von der neuen Unzufriedenheit ihrer Landsleute gehött haben.

„Es muß eine sehr ernste Nachricht sein", meinte Isabella; „sonst würde Snkel jetzt, wo alle Vor­bereitungen getroffen sind, gewiß nicht umkehren."

In diesem Augenblick rief der Doktor aus dem Zelte nach Bathurst. Als dieser hincinkam, sagte der Major: „Wir müssen natürlich sofort zurück. Aber der Doktor meint, wenn die Jagd jetzt plötzlich ganz aufgeaeben würde, so müßte das bei den Ein­geborenen Ausregung und Verdacht erregen. Des­halb will er den Ausflug allein unternehmen, wäh­rend wir anderen umkehren. Nur Sie, schlägt er vor, solle bei ihm bleiben. Die Eingeborenen denken dann, Sie seien um der Jagd willen gekommen, und wenn diese gelingt, ist ihnen alles übrige gleich."

wendig geworden. Vom L Oktober ab findet ax den Werttagen eine zweimalige Bestellung der Ge­werkschaft Heiligenmühle nnd Niederöchsen statt.

* Tiefenort, 1. Skt. 1912. In der letzten Ge - meinderatssitzung wurde u. a. folgendes be- schlossen: Das Srtsstatut zum Ortsbebauungsplau wird den Anordnungen der Bezirksdirektion entspre­chend abgeändert. Tie Verlegung der Gemeinde­kasse nach dem Bürgermeisteramts fand die Zustim­mung des Gemeinderats. — Mit der Errichtung eines Brunnens auf dem Marktplatze erklärte man sich im Prinzip einverstanden. — Die Festsetzung eines Tariss für die Erhebung des Wasserzinses wurde der Wasierlcitungskommission' überwiesen. — Hinsichtlich der Errichtung einer Lungcnhilfsfür- sovgestelle soll der hiesige Ortsfrauenverein als Trä­ger der Einrichtung vorgeschlagen werden.

Aus Gberhessen u. den Hess. Aemtern.

# Marburg, 30. Scpt. 1912. Dem ordentlichen Honor «rprofessor Dr. Paul O st m a n n wurde der Role Ablerorben verlieben.

* Kirchhain, 30. Sept. 1912. Versetzt wurden der Bahnmeister F a s s o l d von Kirchhain nach Oberhausen-West f'oluie der llrtterassistent Keil von 'Neustadt (Kr. Kirchhain) nach Marburg.

!! Mendorf (Kr. Kirchham), 1. Ott. 1912. Zum Bürgermeister unterer Gemeinde wurde Herr Augrsittn (Sorge eir stimmig wiedetgetvählt. Da er sich in allen Kreisen der Bevölkerung einer ivohlbegrün- öeten Hochachtung erfreut, kann die Wahl nur als glücklich bezeichnet werben.

# Ziegenhain, 1. Okt. 1912. Tie Mitglieder des K r eis-S b st b au v e c ein s hatten sich am Sonntag in den städt. Anlagen zu Neukirchen zu einer Generalversammlung eingesunden. Der Vor­sitzende, Landrat v. Schwertzell, eröffnete die Ver­sammlung mit einer Ansprache und gedachte mit ehrenden Worten des verstorbenen Vorsitzenden, Landtagsabgeordneten v. Baumbach-Ropperhausen. Nach Aufnahme fünf neuer 'Mitglieder (der Verein zählt über 1000) lvurde als flellvrrtr. Vorsitzender Lehrer Schwalm-Sbergrenzebach, als wettere Vor­standsmitglieder die Herren Hauptlehrer Rosenstock- Reukirchen und Apotheker Aveuarius-Frielendorf ge­wählt. Für die Bezirlsobstausstellung in Homberg wurde eine Beihilfe von 30 Mark bewilligt. Dem unter dem Protektorat der Kronprinzessin stehenden Zentralverein für die Obstbauorganisation im deut­schen Reiche beschloß man als Mitglied mit einem Jahresbeiträge von 10 Mark beizutreten. Dann e der Bericht des Herrn Schwalm über die »ervcrsammlung des Obstbau-Vereins für den Regierungsbezirk Kassel in Hofgeismar. Er sprach it. a. über die häufigen Mißerfolge bei den Obst- Pflanzungen und empfahl verschiedene Vorbeugungs- mittel. Ferner berichtete er über die vielen Vorteile der Verwendung von Romperit-6 i«t Obstbau. Schießmeister Lange-Leuderode führte dazu Spren­gungen vor: Schießen von Pflanzlöchern, Tiefriego- len nnd Auflvckern und Ausheben eines alten Bau­mes.

vermischtes.

* Eine große Parade der Rheinflotte wird für den 20. Oktober im Auftrag der Stadtverwaltung vom Verkehrsverein in Mannheim vorbereitet. Die Flottenparade wird mit einer Hafenfahrt ver­bunden, welche bi; Stadtverwaltung den Teilneh­mern an der Versammlung des Deutschen Schul- schiffvereins darbietet. Hierzu werden auch ver­schiedene Fürstlichkeiten erwartet.

* Entmenschte Weiber. Wie sich jetzt herausstellte, hatten verschiedene der englischen Suffragetten, die kürzlich Mr. Lloyd Georges Versammlung in Llany- slumdwy störten und dabei in rücksichtsloser Weise von der Menschenmenge behandelt wurden, sich mit einem gepanzerten Anzug ausgerüstet, der unter dem Sberstoff scharfe Nadeln enthielt, deren Spi­tzen natürlich nach oben gekehrt waren. Man konnte jie von außen nicht sehen und nur fühlen, wenn man die Franen etwas kräftig anpackte. Die Anwen- düng dieses Panzers dürfte vielleicht auch zum Teil die Wut der 'Menge begreiflich machen, die sich an den scharfen Spitzen verletzte.

„Ich bin mit des Doktors Vorschlag einverstan­den", erklärte Bathurst. „Denn wenn das Vorha­ben unterbliebe, würden in der Tat die Leute un­ruhig werden und auf die tollsten Vermutungen kom­men."

„Nun gut, dann wollen wir es also so machen."

Zehn Minuten später waren die Pferde vorge­führt, und die ganze Gesellschaft, mit Ausnahme des Doktors und Bathursts, machte sich auf den Rückweg nach Dinnugghur.

Zwölftes Kapitel.

„Wir wollen uns gleich aufmachen", sagte Dok­tor Wade zu seinem Gefährten. „Ich habe zwei Gewehre, davon kann ich Ihnen 2ins geben." Aber Bctthurst lehnte das ab; höchstens wolle er der Form halber eine Schikari-Flinte an sich nehmen und zu wirklichem Gebrauche einen Speer.

„Nun gut, so werde ich das Schießen besorgen", sagte der Doktor. Tann bestiegen die beiden Män­ner denjenigen der Elefanten, der schon am häufig­sten solches Treiben mitgemacht hatte, und wiesen die Führer der übrigen an, niit ihren Tieren zu folgen, für den Fall, daß der Tiger aus einem dichten Dschungel getrieben werden müßte. Bap waren sie in Bewegung.

„Welche entsetzlichen Nachrichten!" begann der Doktor das Gespräch. „Ich hätte es nicht sür mög­lich gehalten, daß diese Kerle, die jahrelang unser Brot gegessen haben und so fügsam und zufrieden schienen, einer solchen Schlechtigkeit fähig wären."

„Nun, ich weiß nicht", sagte Bathurst;, „mir schien schon längst irgend etwas Schreckliches in der Luft zu liegen. Ter Himmel weiß, was noch dar­aus entsteht. Diese letzte Nachricht wird wie ein Blitzstrahl durch ganz ftitbien fahren und — wir dürfen uns die Möglichkeit nicht verhehlen, haß vielleicht in sehr kurzer Zeit kein, einziger Weißer mehr im Lande am Leben sein wird. Ausgenom­men etwa in so stark befestigten Plätzen wie Agra und den Regierungssitzen, die viele englische Solda­ten haben."

<Fortsetzun» fotot).