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Fulda, Dienstag den 1. Oktober 1912.

Erstes Blatt.

225.

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letzter Zeil

eine lebhafte Korrespondenz mit seiner Regierung

führte und schließt darauf, daß er

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Katkankrise die Heimkehr beichleunigt hak. Am Montag früh traf der König mit Gefolge in Ber.in ein, von wo er nach einigen Stunden über Wien die Reiie nach Athen fortfctzie.

* London, 30. Sept. 1912, Bei den diploma­tischen jtrei|Cii ist der allgemeine Eindruck der, daß, obwohl die Lage für ernst erachtet wird, doch noch Hoffnung auf Erhaltung des Friedens vorhanden ist, insbesondere auch mit Rücksicht auf die vor­gerückte Jahreszeit und darauf, daß die Mächte sich bemühen werden, den Ballanstaalen Mäßigung an- Znempichlen.

war. Man weiß, daß der Siönig in

deutsches Reich.

♦* Berlin, 30. Sept. 1912. Prinz Heinrich empfing in Tsingtau inoffiziell den Begründer der chinesischen Republik,Dr. Sunjatsen.—Tas preußische Staatsministerium trat am Montag zu einer Sitzung zusammen. — Der deutsche Geschäftsträger in Paris und der französische Ministerpräsident haben Erklärungen unterzeichnet, welche die deutsch- französiiche Kongogrenze endgültig feftlegen.

% ' Tie Mandat-iiirdrrlegmig des RcichStagsprasi- dkicken Dr. Ka-mps soll der ,Saaiezeitung'zufolge in nächster Zeit bevorsteheu. Kaempf war in der Stichwahl am 22. Januar bekanntlich mit einer Mehrheit von nur 7 Stimmen zum Abgeordneten des ersten Berliner Wahlireises gegen den Sozial- demokraten gewählt worden. Gegen seine Wahl haben die Sozialdemokraten Protest eingelegt, und der Reichstag ist dem Beschlüsse seiner Wa'yl- prüfunzstommission beigetreten und hat eine um­fangreiche Beweiserhebung beschlossen. Das Ergeb­nis dieser Beweisaufno hme scheint nicht gerade günstig ausgefallen zu sein. Kaempf will nun einer Kassierung des Mandats durch den Reichstag zuvvr- kommen.

* Ein neuer Zusammenstoß in Teutsch-Südwest. Eine unerfreuliche Nachricht kommt aus Deulsch- Südwestasrika, da? schon so viel Opfer an Gut und Blut gekostet hat. Am Auob westlich Hunirob wurde bet einem Zusammenstoß mit Eingeborenen, über den noch die Einzelheiten fehlen, der deutsche Reiter Müller erschossen, während ein zweiter ver­mißt wird.

* Heesfeld, 80. Sept. 1912. Ter nalionallibcrale Verein beschloß, den Professor Paul Arndt aus Frankfurt als Kandidaten für die nächstjährige Landtagswahl im Wahlkreise Hersfeld-Roten- burg auszuftellen.

Zur Tkuecuug.

Tie h e ss i s ch e R e gir ru n g hat der „Darm- städter Zeitung" zufolge beschlossen, dem dem Bun­desrat vorgelegten Gesetzentwurf über vorüber­gehende Zollerleichterungen bei der Fleisch­einfuhr zuzustiumrrn. Infolge der Eisenbahngemein­

schaft werden die Tartsmaßnahmen der Eisenbahn- verlvaltung auch Hessen zugute kommen. Soweit eine Einfuhr von Vieh und Fleisch nach den Be­dingungen der an das Ausland grenzenden Bundes­staaten in Betracht kommen kann, soll sie für Mainz zugelassen werden.

Die badische Regierung wird sich dem Vorgehen Preußens in allen Teilen anschließen. Sie hat beschlossen, die Einfuhr von Fleisch aus dem Auslande für die Städte Mannheim, Karlsruhe und Freiburg zuzulassen, dem dem Bundesrat zugehen­den Entwurf eines Gesetzes über Zollerleichterungen bei der Fleischeinsuhr zuzustimmen und die gleichen Eisenbahntarifmagnahmen wie Preußen durchzu- führen.

Für Bayern stellte der Minister des Innern in der gestrigen Zentralversammlung des Landwirt­schaftlichen Vereins in Aussicht, daß einige der von der preußischen Regierung beschlossenen Maßnahmen auch in Bayern sofort durchgeführt werden würden. Die zeitweilige Herabsetzung der Fleischzölle würde in den Kreisen der Landwirte nicht allseitig begrüßt werden. Er teile diese Ansicht, wenn nicht beson­dere Begleitumstände damit verbunden sein würden. Wenn aber nur für kurze Zeit unter sehr westgehen­den Kontrollmaßnahmen und unter Heranziehung der Kommunen eine zeitweilige Herabsetzung des Flftschzolles geplant sei, so sei das ein Vorschlag, der sicher mindestens einer näheren Prüfung bedarf, aber unter der Voraussetzung, daß der Grundsatz des Zollschutzes unbeeinflußt bleibt.

* Kassel, 1. Okt. 1912. Wir aus Berlin gemeldet wird, x<rt der deutsche Fleischerverband sei- neu Vorstand auf heute zu einer außerordentlichen Sitzung nach Kafsel zusammenberufen, die zu den Regieruugsmaßnahmen Wege» der Fleischteuerung Stellung nehmen soll.

ihr Ehrgeiz auf dem Balkan selbst mit einer beson­ders gutgerüsteten Machst rechnen muß, die den Friedenswillen Europas zu dem ihrigen gemacht hat.

Dir KriegSbegristrrung in Vulgarien.

• Sofia, 80. Sept. 1912. Die Nachricht von der Mobilisation der gesamten bulgarischen HeerKmacht wurde in der Stadt durch Extraausgaben des Amts­blattes und der übrigen Presse bekannt gegeben und rief überall ungeheuren Enthusiasmus hervor. Wenn die Mobilmachung auch seit vierzehn Tagen erwartet wurde, so rief die Proklamation doch allgemeine lieber» raschung hervor. Allgemein wird die Anordnung der Mobilisation als Beginn des Krieges aufge- f a tzt. Die Stimmung ist kriegerisch; große Menschen­mengen durchziehen die Straßen. Vor her serbischen und italienischen Gesandtschaft kam cS zu großen Kund­gebungen der Menge, die dort unter den Rufen: „Hoch Serbien, hoch die serbische Armee, hoch Italien!" vorbei­zog. Offiziere und Soldaten wurden lebhaft akkla- miert. Vor dem Königspalast staute sich eine rtenge Menschenmenge und brachte Hochrufe auf den Stoiug und den Krieg aus. Auf den Bahnhöfen herrscht tnegerrfches Treiben. Große Menschenmengen sind dort versammelt, um die abgehenden Truppen zu begrüßen, liefet ganz Bulgarien wurde der Belagerungszustand proklamiert. Vorläufig wurden nur die Provinz-Trup­pen mobilisiert, morgen soll mit der Mobilisierung der hauptstädtischen Truppen begonnen werden. Das Par­lament wurde auf den 6. Oktober einberufen. Ge­rüchtweise verlautet, daß montenegrinische Truppen seit gestern mit türkischen Truppen im Gefecht stehen.

Die Stimmung in Serbien. >

* Belgrad, 30. Scpt. 1912. Zwei Belgrader Regimenter sind bereits mit versiegelten Marsch- vorschriften abgegangen. Man glaubt nun im­mer weniger an die Möglichkeit, den -Frieden erhal- en zu können, zumal die T ü r k e i wesentliche V r r- !,°.'.^'ngen für ihre Hecresmacht aus Asien

V r2n6t- Viele anderen Maßnahmen, dir hr.vlvf^2tISen. Seiten Platz greifen, werden von Tu" 2KTerunf1 getroffen und beweisen, zu Reastrun^berui?^,Verwicklung gekommen ist. Die S in Tt Werdern die Skupschtina nun doch veÄärst ans d^^^dentlichon Tagung rin und verstärkt auf btr.e Weise mehr und mehr die alla"- ZenÄ!^bei Krieg mit der Türk-i alJ unvermeidlich erachtet wird

* Belgrad, 30. Sept. 1912. Der Minisier- ra-t.ha.lt täglich Sitzungen ab, in denen die Ver- fcharsung der Lage auf dem Balkan Gegen­stand der Beratungen ist. Hier herrscht die Meinung vor, daß man am Vorabend großer ßreia- Nisse steht.

Ausland.

♦♦ Die Konferenz in Balmoral hak am Sams­tag ihren Abfchtuß erreicht. Die englische Minister Siajonow und der englische Minister Grey sind von Balmoral Castle abgereift. Ssasonow wird bi« Mitte nä bster Woche in England bleiben und eine Anzahl privater Besuche abftatten. Das Reutersche Bureau erfährt offiziell, daß bet den Verhandlungen kein neues politisches Abkommen über Persien besprochen worden sei, daß auch leine Der beißen Mächte die Absicht oder den Wunsch habe, Persien zu teilen. Beide, Ssasanow und Grey seien vollständig einig in dem Wunsch, für den Frieden zu arbeiten und bei jeder diplo- malischen Aktion, die diesem Ziele günstig ist, zu- sammenzugeden.

A Französische Kulturkampsblüten. Der Kampf gegen die Religion und alles, was mit Christ rn- tum zusanimenhängt, geht in Frankreich unentwegt weiter. Wenn man irgendwo in Frankreich War­fe n h ä u f e r braucht, dann ist es die ehemalige Grafschaft Artois mit seinen Minengruben und jährlichen Katastrophen. Es braucht nicht einmal ein so schreckliches Unglück zu sein, wie das kürzlich in EourriereS, um diese wohltätigen Anstalten mit den Hinterbliebenen Kindern der verunglückten Gru­benarbeiter zu füllen. Trotzdem hat der Präfett von Pas-de-Calais den Mut besessen, dem Bürger­meister von A r r a s zu befehlen, innerhalb kürzester Zeit die Anstalt „Halluin", die 400 Waisenkinder be­herbergt, aufzuheben unter dem Vorwande, daß dies ein kongregationistisches Unternehmen sei. Viele Leute hatten gedacht, daß diese Exekutorm der gehässigen LiquidationSgesetze vor den Türen , der Waisenhäuser Halt machen würden. Sie sind eines anderen belehrt. Tas betreffende Waisenhaus wurde vor 60 Jahren von einem frommen Priester gegrün­det, der sein Vermögen für die armen Waisen opferte und von privater Mildtätigkeit den Unterhalt für das Haus züsammenbettelte. Arras, das mit Bewunderung auf diesen Heroeil im Priesterkleide blickt, hat ihm in Dankbarkeit eine Statue auf einem öffentlichen Platze errichtet. Die Erregung über das Vorgehen des Präfekten ist sehr groß und die Presse organisiert den Widerstand gegen die Ausführung des Projekts. Es ist nicht unmöglich, daß die Negierung angesichts des Unwillens der Bevölkerung zurückweicht. Wieder ein Beispiel, was die zur Macht gelangte Freimaurerei in entern katholischen Lande den Katholiken bieten zu können glaubt!

* Attentat auf einen russischen General. Auf den Gouverneur in Tschita, General Kiaschko, wurde von einer gewissen Marte Smolianinoff und ihrem Geliebten Dassilteff em Mordanschlag verübt. Es gelang den beiden, dem Gouverneur, drei Dolchstiche beizubringeu, die »aber nur den Aermel des Mantels durchbohrten. Das Mädchen wurde ergriffen und in Hast genommen.

/v Die argkntiuischt Negierung gegen die Frei- maureret. Die Freimaurer Argentiniens haben in den letzten 18 Jahren 108 neue Logen gegründet und um rund 4500 Mitglieder zugenommen. Im Bewußtsein dieser gewiß namhaften Erstarkung der freimaurerischen Position hielt man den Zeitpunkt für gekommen, um von der Regierung die öffent- Irche Anerkennung des Geheimbundrs zu verlangen. Rach sorgfältiger Prüfung der vorgelegten Bundes- satzungen verweigerte nun die Regierung die er­betene Genehmigung mit der folgenden Begründung:

Die Freimaurergesellschast hat nicht da? Wohl aller Burger ins Auge gefaßt, sondern will nur bis selbstischen Interessen der eigenen Mitglieder befür« warten, zum größten Schaden der Übrigen Bürger, c^hre Satzungen verpflichten die Mitglieder der Lehr- srecheit zu opponieren, in der Absicht, den katholisch«» Klerus und bie religiösen Genossen,chasten von Der Schule ausjuschließen. Durch ihre Konstitution ist die Republik Argentinien verpflichtet, die christliche Religion zu beschützen, und deshalb kann sie schon die Frei- maumiette nicht erlauben, bie ihr entgegengesetzt ist. Die Freimaurerei verleiht ihren Mitgliedern poliiische Freiheit und Unabhängigteit, zugleich jedoch oerpflichiet st« dieselben, für solche Kandidaten zu stimmen, die dem Freimaurerbunde «»gehören. Die Freimaurerei

MiwAlig ms br» Mm

Schneller, als manche erwartet haben, hat dak Wort des in allen Balkanfragen besonders gut* unterrichteten österreichischen Ministers des Ans- roättigen, des Grafen Berchtold, von der ,unbe» friedigenden Lage* eine unheimliche Illustration erhalten. Gestern abend gingen uns folgende Telegramme zu:

* Sofia, 30. September 1912. Tie Bulgarische „Tclegraphrn-Agentur" meldet: Infolge der in den letzten zwei Tagen eingetroftenen alarmierende» Nach­richten über die Kmizentrierung beträchtlicher türkischer etrritttiifte in der Umgebung von Adrianopel und an der bulgarischen Grenz- hat sich b'- bulgarische Negierung, um jeder Eventualität zu begegnen, genötigt gesehen, heute dir Mobilmachung zu proklamieren.

* Belgrad, 30. Sept. 1912. König Peter hat die allgemeine Mobilmachung der serbi- schen Armer angeordnet. Die Skupschtina wurde für de« 4. Oktober einberufen.

Das bringt den ganzen Balkan in Ausruhr. Der Gedanke, daß die Türkei sich wegen des Tiipoltskrieges und der inneren Wirren in einem außergewöhnlichen Schwächezustande befindet, hat alle Instinkte nationaler Lüsternheit in den Balkan- floaten aufgestachelt. Die Türkei suchte durch eine umfangreiche Mobilisierung dieser Auffassung den Boden zu entziehen. Den Drohungen der Nachbarn setzte sie ihrerseits bie drohende Faust entgegen. Dadurch läßt sich aber auf dem Balkan niemand beruhigen. Bulgaren, Serben, Griechen und die anderen alle regen sich in einer nur schwer mißzu­verstehenden Weise auf. Und nun haben Bulgarien und Serbien ihre Armeen aus Kriegsfuß gesetzt. Bisher wurde von der serbischen wie von der bulgarischen Regierung offiziell und offiziös, je nach Bedarf, eine Kriegsabsicht abgeleugnet. Auch jetzt sind die Dinge noch nicht bis zur Kriegs­erklärung gediehen, aber die Lage sieht einem fak« tischen Kriegszustand bereits verzweifelt ähnlich. Es fragt sich, was die Großmächte nunmehr tun werden. Früher bestand wenigstens in der orientalischen Frage noch leidliche Einmütigkeit, denn man wußte genau, daß, wollte eine der Großmächte hier Sonderinterejfen geltend machen, es dann nicht bloß zu einem Balkankrieg, sondern zu einem großen »uropäischen Kriege kommen mußte. Man muß nun abwarten, ob diesmal wirklich sich die Sache zugespitzt hat, daß auch bezüglich bei Orienlsrage auf der einen Sette der Dreibund, auf der anderen Seite die Tripleentente (England, Rußland, Frank­reich) sich gegnerisch gegenüberftetzen. Jedenfalls ist das AUerschtimmste zu befürchten. Es ist kaum an- ?»nehmen, daß die kleinen Balkanstaaten einen olchen Schrill der Mobilisierung ihrer Armeen unternommen haben wurden, wenn nicht irgend­eine ober vielleicht gar mehrere Großmächte hinter ihnen stänken.

Wir haben schon mehrfach darauf hingewiesen, oaß für die Entwicklung der Dinge auf dem Balkan die Haltung Rußlands von einschneidender Be- oeutung ist. Sind seine Frrcdensabsichten, deren Echtheit Gras Berchtold nachdrücklichst versicherte, wirklich ernst gemeint, dann dürfte es gelingen, die Ballankrisis auch diesmal noch friedlich zu löseu. Eben hat der Zar den Königvon Rumänien, das immer loyal und friedlich aufgetreten ist, zum Generalfeldmarschall bei russischen Armee ernannt. Die Ernennung gerade in diesem Augenblick ist hof­fentlich als ein Zeichen dafür aufzufasfen, daß Ruß­land den Kriegslustigen vor Augen führen will, daß

Die Stellung Oesterreichs zur Kriegsgefahr.

* Wien, 30. Sept. 1912. Die au« Sofia und ' Belgrad vorliegenden Nachrichten haben allgemein große Beunruhigung hervorgerufen, da man annimmt, daß auch O ester r e i ch - U « ga r n z u , mobilisieren gezwungen fein wird. Nach dem „Pester Lloyd" gilt der Krieg ffirunöet- merklich da Serbien, Bulgarien, Montenegro und Griechenland der Einführung einejc Autonomie für Mazedonien und Mtserbien verlangen, was sei­tens der Türken bffftnunt abgelehnt werden dürfte. Ta andererseits die Mächte keinen Einfluß besitzen, um die Türkei zumNachgeben zu zwingen, fo hält der Sofioter Korrespondent deS „Pester Lloyd" es für zweifellos, daß ein Krieg unvermeidlich .erscheine. Der private Depeschenverkehr von Sofia ist unter­brochen und auch die telephonische Verbindung zwi­schen Budapest und Sofia ausgeschaltet.

* Wien, 30. Sept. 1912. Die Lagt wird als sehr ernst betrachtet, wenngleich nicht ausgemacht ist, daß notwendigerweise ein Krieg entstehen muß. Tie Mobilisierungen Bulgariens und Serbiens ha­ben den Zweck, einen Truck auszuüben. Die Mächte werden gewiß alles aufbieten, um in letzter Stunde den tatsächlichen Kriegsausbruch zu verhindern. In hiesigen informierten Kreisen weiß man, daß vorige Woche Oesterreich, Rußland und England, jedes ge­sondert, Schritte bei der Türkei unternah. men, um die Türkei zur Beschleunigung der Refor­men und zur Absage der Mrianopeler Manöver zu veranlassen.

* Petersburg, 30. Sept. 1912. liebet London verbreitet Warschauer Meldungen über eine Probemobilisierung von sieben russischen Armeekorps in Polen find falsch. Eine derartige Anzahl von Korps ist dort überhaupt nicht vor- Händen. In Wirklichkeit wird in einigen Kreisen zweier Weichsel-Gouvernements die bereits im Früh­jahr in Aussicht genommene Pcobemobilmachung durchgeführt. Der Charakter einer Probemobilisie- rung geht schon daraus hervor, daß eine Pferde- mobilisier»«« nicht statifindet.

* Sofia, 30. Sept. 1912. Tie nach der Grenze abgehenden Truppen mache» einen vorzüglichen Eindruck. Aus Athen liegen Nachrichten vor, daß die griechische Armee jedenfalls nicht mobil gemacht wird; aber soviel steht fest, daß Bulgarien, wenn es einen entscheidenden Schritt unternehmen wird. Die Unterstützung Griechenlands gewiß ist, denn Nsnizcws wird sich eine so gute Gelegenheit, die Krctafragr zu regeln, »teilt entgehen lassen.

Rußland Hal die bulgarische Regierung daron verständigt, daß sie nicht auf die Unterstützung Rußlands rechnen tönne. Allgemein ist man auch der Uwerzeugung, daß Oesterreich-Ungarn e ne illns« Dehnung des bulgarischen Gebietes nicht zulassen wird.

* Abreise des Königs vo» Griechenland. Der König von Gltecheulano, der feit einiger Zeit in Kopenhagen weilte, ist unerwartet schnell von dort nach Athen zurückiiereist. Die Ab­reise eriolgte früher als ursprünglich beabsichtigt

ist ein Staat im Sraate, obgleich sie eine Verzerrung deS Staates ist. . . ,

Alle Anerkennung vor der Republic Argentinien!

Daran können sich verschicdeue Regierungen, beson­ders jene Spaniens, ein Beispiel nehmen. In Spanien ebnet ein republikanisches freimaurerische- Ministerium dem Umsturz der dort bestehcudrn Staatsordnung die Wege!

ZtaötverordneteA-VersakrmlMg.

-> Fulda, 1. Oktober 1912.

An der gestrigen Sitzung der Stadtverordneterwe^ samrnlung nahmen 26 Mitglieder des Kollegiuin« uni Herr Schlachthof-Direktor Dr. L e m g e n teil. D«I Magistrat war durch Herrn Oberbürgermeister Dr. Antoni vertreten. Den Vorsitz führte Herr «badt- Verordnetenvorsteher Justizrat Gegenbaur.

Den Verhandlungen wohnten auS Interesse für den Punkt 8 der Tagesordnung auch einige Mitglieder der hiesigen Metzgerinnung bei.

1. Mitteilung von Eingängen. Der Vorsitzende giat eine Einladung der Stadtverordnetenversammlung zu der am 2. Oktober ftattfinbenben Hauptübung der Pftichtfeucrwchr, sowie eine Einladung zu dem am nächsten Sonntag stattfindenden 50. Stiftungsfeste d-L Arbeiter-Fortbildungs Vereins bekannt.

2. Wahl der Mitglieder der Einkommensteuer^or» einschätzuugskommissiou und deren Stellvertreter. Aus Vorschlag der zur Vorberatung dieses Gegenstände» gebildeten Kommission wurden al« Mitglieder ge­wählt: Joseph Kircher, Gustav Henninger, Nath« Eschwege, Steuersekretär Remmert, Karl Pauli, u» Peter ©immer; als Stellvertr et er : Rtnmae Wiegand, Magnus Budenz, Wilhelm Steinhauer. Vin­cenz Wehner, Georg Ignaz Schwarz und Den«dM Trabert. __

8. Formelle Zustimmung zu eine» GrundM», »erkauf. Die Gebr. Krippendorf haben von der etaif an der Königftratze ein 11 Quadratmeter große» Grund­stück zum Preise von 6 Mark pro Quadratmeter ««. worben, wozu die Versammlung jetzt formell M« LM stimmung erteilt

4. Bildung eine» HandwrrkeranSschnffe«. em, Fleischmann: Die Sache bat schon früher iw Stadtverordnetenversammlung beschäftigt Si« Moj damals abgelehnt, weil man sich nicht Hat war, welch» Zwecke und Ziele der Ausschuß verfolgen soll«. Do» Handwerk hat vorn Staate nicht» z« erwarte«. Hm Wahrung seiner Interessen finb von der Handwerk», karnrner diese Ausschüsse ^wünscht und im ftanun«* bezirk Kassel bereit» 10 HandwerkSauSschüss« ebyw richtet worden. Der Magistrat schlägt tot, bei bet La­dung des Ausschüsse« 5 Proz. au» den MitgliS«, der Jnungen und deS Gewerbeverein» zu wählen. 'CtM, Sunkel: Ich kann mir von den Stiftungen deS Aus­schusses nicht viel versprechen. Wir haben hier einen JnnungsauSschuß, der ebenfalls nichts Bedeutende» im Interesse des Handwerk» geleistet hat Oberbütgew bürgermeister Dr. Antoni: ES steht auS, ab» w der Magistrat etwa» Reue» einführen wolle. Der L» trag ist indeö von der Handwerkskammer ausgegangen, ES ist angebracht, daß bi« Vertreter deS Handwerk», die mit den Behörden in den Ausschüssen arbeite« sollen, au» den Handwerkskreisen selbst hervorgehen. Der Vorschlag des Magistrats geht dahin, au» den to» schiedenen Gewerben eine der Größe be» jeweilige« Gewerbes entsprechende Zahl von Handwerkern zu neh« men. Im Übrigen ist die Sache vorläufig nut cf» Versuch gedacht. Stv. Jestädt: Auch ich versprech« mir von den Arbeiterausschüssen keinen großen Erfolgf Alle Organisationen nützen nach meiner Keberzeugung nichts, wenn die Beteiligten nicht selbst prattisch a» beiten. UebrigenS sind die Klagen bet Handwerke» in den letzten Iahten vielfack übertrieben worden. Bei manchen mag e» auch an der richtigen Schulung und am nötigen Sparsinn fehlen. Stv. Sunkel tetQ diese Ansicht nicht und meint, bah die Innungen, wenigstens die Metzgerinnung, bedeutende Erfolg« M verzeichnen hätte. Oberbürgermeister Dr. Antonis Der JnnungsauSschuß vertritt lediglich die JnieteskeSf der Innung, nicht diejenigen der nichtorganisterre» Handwerker. Vielleicht läßt sich der JanungSauSschusf in den HandwerketauSschutz aufnehmen. Stv. Sun« k e I erklärt sich für de» letzten Plan. Stv. Trabert! Ich verstehe nicht, weshalb man sich dagegen mehrt derartige Institutionen ins Leben gu rufen. Auch stn» etwaige schlechte Ver^iltnisse im Handwerk nicht ohnff weiteres auf das Schuldkonto der Handwerker M setzen, wie au» den Schilderungen des Herrn Jestädt hervorgehen könnte. Ich bitte, den Antrag nicht ®m rückzuweisen. Stv. Jestädt erklärt, er hab« bet seinen Ausführungen bestimmte Fälle im Auge gehabtz nicht den gesamten Handwerkerstand.

Die Versammlung erklärte sich sodann einstimmig für die Einrichtung eine» HandwerkerauSschusse». Be­züglich seiner Zusammensetzung äußerte Oberbürgev» meister Dr. Antoni: Durch den Ausschuß soll bei' Gemeinden ein beratendes Organ zur Seite gestell werden, das m Fragen, wo es sich um Förderung einet, Gewerbes handelt, gehört toerben soll. ES empfiehl, sich daher ein reiner HandwerkerauSschuß, in den nich unbedingt Vertreter des Stadtverordnetenkollegium» gewählt werden müssen. Stv. Fleischmann regt an, den Leiter der gewerblichen Fortbildung schule in den Ausschuß zu wählen, da Handwerk und Fortbildungsschule eng miteinander verknüpft feie», und stellt einen entsprechenden Zusatzantrag. Dieser! wie auch der Antrag des Magistrats werden einftimmt»;

angenommen. , _

5. Ordnung betr. Abänderung der Satzungen der städt. Spar- und Vorschutzlasse. Stv. Singer: E» handelt sich um den Paragraph 3 des Statuts, der! nicht die Genehmigung des Herrn Oberpräsidenten' gefunden hat. Die Kasse wird unter Aufsicht, der zuständigen Staatsbehörde durch den Magistrat, verwaltet, der durch die Becmiten der städt. Verwal./ iung die Prüfung der Sparkaffenrechnung, die Anwei-^ sung der Auszahlungen, die Verwaltung der Wert-' Papiere und dergl. besorgen läßt. Für diese Tätigkeit, zahlt die Sparkasse an die städtische Verwaltung einen Verwaltungskostenbeitrag, der Vs des Gehalts de», Oberbürgermeisters sowie der für die Besoldung bee. Beamten des Stadtsekretariats, des Rechnungsbüros und der Kanzlei entstehenden Ausgaben betragen soll.: Dieser Paragraph wird ergänzt durch die Zusatzbestim-' mutig, daß der Beitrag 5000 Mk. nicht übersteigen darf.!

6. Zwei LöschuugSurkundeu finden die Genehmigung^ der Versammlung. . ,

7. Kenntuisgabe einer vom Kuuswerlag Knoecket, gemachten Offerte. St. A d a m : Der Kunstverlag er. bietet sich, von den bedeutendsten Denkmälern Fulda» Aufnahmm zu machen. Für jede Ausnahme berechnt er 600 Mk., wofür 200 Abzüge geliefert werden. Ich finde den Preis enorm hoch. Oberbürgermeister Dr.' A n t o n i: Es ist zwar wünschenswert, daß von unseres