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Erstes Blatt»
Fulda, Montag den 30. Septemder 191L
39. Jahrgang.
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X Die Regier«rrgsnratznahureu gegen sie Aleischteuerung.
9f ‘ find die Maßnahmen bekannt ge-
aebeu wmd7n kie die preußische Regierung gegen die b Fleischteuerung vorübergchend m Kraft treten ^^^Die"Maßnahmen zerfallen in 3 Gruppen:
1. Die Vieh- und Fleischeinfuhr au« dem Auslande (Rußland, Serbien, Bulgarien, Rumänien, dtiederlande) wird durch „besondere Genehmigungen" (Dispensen) erleichtert, das Verbot der Einfuhr von frischem Rindfleisch aus Bulgarien überhaupt aufgehoben.
2. Die Eisenbahntarife für Vieh, Fleisch, Seefische, Futtergerfte und Mais werden herabgesetzt, wot-ei für Gemeinden, Organisationen und Arbeitgeber, welche zu gemeinnützigem Zwecke beziehen und den Verkaufspreis unter bchördlicher Mitwirkung festsetzen, noch weitere Frachtnachlässe eintreten.
3. Ein Reichsgesetz wird beantragt, das zu Gunsten der G e m e i n d e n, die frisches oder gefrorenes Fleisch einführeu, die Ermäßigung der Zollbelast Ung auf 18 Mk. für den Doppelzentner (statt 35 oder 27 Mk.) gestattet, und zwar mit rückwirkender Kraft vom 1. Oktober 1912 ab, so daß im Vertrauen auf die Zustimmung des Reichstages schon jetzt die kommunale Einfuhr organisiert werden kann.
Im einzelnen teilt die „Nortch. Allg. Ztg." mit:
Di« pieubuch« Elaaksregierung Hai ueid)loi|en, gegen Di« bereichende Fleischleuerung vor übergebend folgende Erleichterung der Bieh- und Fleisch, einfudr aus dem Auslande einlreten zu lassen:
1. Für große Städte, die als Märkte für die Vieh- und F'eijchpreiie ganzer Landesleile maßgebend find, toll die Einfuhr von frischem Rindt leit ch aus dem europäischen Rußland und von frischem Rmd- und Schweiueflench aus Serbien, Rumänien und Bulgarien nn Wege besonderer Genehmigung zugeiaksen werden, wenn das Fleisch z« einem unter bohärdlncherMitivirlungseftgesetzken.möglichft niedrigen Preu« an die Verbraucher verkauft wird.
2. Unter den gleichen Bedingungen soll die Einfuhr von srrsLemSchweinesleischausRußland nn Wege beionderer Genehmigung in einzelnen größeren Staaten des Osten«, bei oe.ien für eine ter» enige Versorgung e-.n besonderes Bedürfnis besteht, gestaltet werten.
3. Unter den gleichen Bedingungen soll ferner die Einfuhr von Schlachtrindern aus den Niederlanden im Wege besonderer Genehmigung in hierzu geeignete öffennich« Sch lach ti, Sie großer Städte unter den für die Sm,nhr von Schlachtvieh aus Oesterreich- Ungarn geltenden ceteiinär polizeiltchen Bornchls- «avregekn und Bedingungen gestattet weiden. Die btieuDeien Genehmigungen (1—3) feflen undeschadel ber den eben «leibenden allgemeinen Einfuhrverbote «tleilt werden.
4. Das Verbot der Einfuhr von frischem Rindfleisch au« Belgien wird aufgehor-en werden.
5. Endlich ist für den Fall de« Bedürfnisses eine voiübergehend« Lihöhung des für daS oder! Mstfche Jnouitrregebiet bestimmten Koniingents russischer Tchlachtschweine in LuS ficht genommen.
Ferner find aus dem Gebiete b»r Eisenbahn- tarrs« preubischerfeilS folgende Maßnahmen in Aussicht genommen:
I. Der mit Ende d. I. ablausende Ausnahmetarif für frisches Fleisch, der gegenüber den normalen Tarifsätzen wesentliche Berbrlligungen e: t- hält, wrrd dir aus ein weiteres Jahr verlängert und noch weiter verbilligt. Bo« den so ermäßigten Tarifsätze» wird au Berbern ein weiterer Frachinachlaß von 20 Br» ent gewährt: ») zugunsten vor: Gemeinden und Organisationen, bte die Sendungen tu Ausübung gemernnühiger Tätigkeit an Verbraucher oder nn Fleischer zum Verkauf zu unter behördlicher M:t- rvrrtnng festgesetzten Pr«fen abgeben: b) zugunsten gmverbticher Unternehmer, die die Sendungen zu oder unter den Selbstkosten au eigene Angestellte o?et zwecks Verkaufs an eigene Angestellte zu miler behördlicher Müwrrknng festgejetzten Preisen an Kletickier abgeben.
2. Unter den gleichen Bedingungen wird ein N rch- laifc und zwar von 30 Protent^ von den Fracht-
3m Schutze des Zauberers.
25) Euglisch.indijcher Roman von E. A. Henty
„Aber dies haben Sie ihm doch nicht etwa auch gesagt?"
.. ^Ich habe ihm nur das Notwendige gesagt, namlrch, daß Sie seine Geschichte gehört und mich deshalb befragt hätten; daß ich, der die Einzelheiten von chm ,einer erfahren, zwar die Richtigkeit einiger Punkte zugegeben, jedoch die Versicherung hinznge- sugt hatte, daß er ein Mann von ungewöhnlichem Mute sei. Er fragte nicht, wie Sie die Rcitteilung ausgenommen, und ich schwieg auch darüber; aber ich weiß, daß er über Ihr Urteil nicht im geringsten tm Zweifel ist."
„Aber wie soll ich ihm nun in Zukunft begegnen?" fragte sie ganz bedrückt.
„Run, wie man Bekannten im allgemeinen Le- flegnrt. Dian ist doch gegen viele höflich, denen man rm Herzen keinen Wert beilegt. Sie können sicher sein, daß Herr Bathurst nie eine Andeutung über das Vorgefallene machen wird. Er wird sein wie immer. Daß er von jeher unter dem Drucke einer schweren Last litt, konnte jeder sehen; vielleicht tragt er jetzt noch schwerer daran — doch das wird er mit sich selbst ausfechten. Adieu!"
,lni> unfreundlich, Herr Doktor, wie ich Sie noch nie gesehen habe." ftnn?nfSW^!“ rief der Doktor scheinbar er- stuunt. Wieso denn? Ich liebe diesen Mann. Ich hoff.e für ihn tm Herzen etwas, das er wohl kaum für sich zu begehren wagte. 9äin ist diese Hofsnunq ba^‘n- S-e verachten einen Menschen, der feige ist der^sick ’v’- Bathurst ist der letzte,
der sich einem Sletb. aufbrangen möchte. Ich habe Sie vor der Notwendigkeit bewahrt, ihm FbrI Mei. nung fdbft zu sagen. Und da7oll'Z
let>J Frau von Charakter wurde dieselbe Auffassung haben, und ich rinde das nur zu natürlich. Ja, ich will sogar zu
sätzen für lebendes Bih gewährt. Soweit gefrorenes Fleisch zur Einfuhr zugelaffen ist, gelten di« Ermäßigungen des E.sendahntaiifS auch für gefrorenes Fleisch.
3. Die SSergfinBigun ?en, die zugunsten von Gemeinden und gemeinnützigen Ciganiiattonen beim Bezug von Seefifcheu bestehen IFrachinachlaß von 20 Prozent), bleiben auch für das Jahr 1913 in KE'Die Tarife für Futtergerste und Mais werden unter der Bedingung, daß die Frachtermäßigung dem Biehhalter zugute kommt, bis Ende September 19i3 auf den Svezialtartf 3 zurückgesühit, maS eine Frachtermäßigung um fast die Hälfte bedeutet.
Endlich ist, um die Mitwirkung der Gemeinden ft” der Fleifchbesorgung zu fördern, dem Bundesrat d/r Entwurf eines Gesetzes vorgelegt worden, der den Bundesrat ermächtigt, für die Zeit bis zum 31. März 1914 mit Wirkung vom 1. Oltober 1912 ob an Gemeinden, die friiches, auch gefrorenes Fleisch von Meh aus dem Ausland für eigene ?l‘ed)nung ein,übten, und unter Einhaltung der vom Bundesrat norzn'chret- benben Bedingungen zu angemessenen Prellen an die Verbraucher gelangen lassen, den nach Str. 1( 8 des Zolltarifs e- bobenen Eingangszoll bis auf einen Betrag zu erstatten, der sich ergibt, wenn anstatt der Zollsätze von 35 oder 27 Mark der Zollsatz von 18 Mark sür den Doppelzentner zugrunde gelegt wird.
Es wird bann weiter betont, daß der Einfuhr gefrorener Hammel, weil sie technisch möilich sei, nichts im Wege stehe. — „Weiter zu g-ben und durch eine auch nur zeitweilige Suspension des § 12 des Flersch- beschaugesetzes auch die Einfuhr von getretenen Rindern aus überseeischen Ländern zu ermö llichen, et« tchien dagegen nicht angängig. Die Einfuhr der Rinder in Hälften und mit anhaftenden Herzen, Nieren und Lungen bietet die emzine Möglichkeit, eme bei heimischen Fleischbeschau amtäh-nd gleichwertige Unler- iuchung durchzusühren und d.is Bestehen gewisser Krankheiten senziistellen. bte bas Fleisch des befallkNiU Tieres gelundhe>ts>chädlich machen. Es würde weder mit Rücksicht auf untere Boikegesiinsheit noch mti Rücksicht auf unsere heimische L inowutlchast zuiä>siz fein, au-Iäuditches Fleisch i.r den Verkehr zu lassen, 0« ff en Genußiairglichkeit nicht mit derselben Zu- oetichfigfeit fest ^stellt wird wie bei dem einheimischen Fleitch" — Zum Schlüsse heißt es: .Im übrigen ist sich die pieußiiche Regierung bar« über klar, daß btt dauernde SchetsteUung unsere, Fleischversorguiig nur durch d e Erhaltung und Ver- stäilung unserer noch ein r weiten Äusded.niwg fähiger heimlichen Biehzucht erre chl werden teitn. Diete mit allem Nachdruck zu fördern du,ch vermehrte Aus iteUung von männlichen Zuchttieren, verstärkt«« .rilltet» Mittelbau, Awegung von Vieh weid en, nameiti» lich aber durch die traiioolle Förderung der LanSes- meUotattonen, der inneren Kolonisation und der ll-barmachung der ausaeoehnt-n Moor- und Geb« 1 anbflArbeit iu.io oie vornehmste Ausgabe der nächsten Zahle ietn “
Ein ganzes Bündel von LinderungS- und Slbhilf- mitteln bietet die Regierung. Bon lir.ks ertönt sofort der Ruf: das ist viel zu wenig, diese kleinen i Mittel sind unzureichend! Von recht; dagegen kommt. die Klage: die Breschen, die da in den Seuchenschutz | und den Zollschntz gelegt werden, sind sehr gesähr- i lich und stellen das Vertrauen der Landwirtschaft zur Regierung auf eine schwere ErschütternngsProbe! — Es ist die alte Erfahrung: wer einen Mittelweg einschlägt, hat zu beiden Seiten scharse Kritiker.
Die Regierung konnte es den Liberalen und Sozialdemokraten nicht recht machen, weil sie au dem Grundsatz festhält, daß die e i u h e i ni i s ch e V i e h- ° zücht den deutschen Fleischbedarf in Friedens- und Kriegszeiten decken muß, also von einer dauernden und allgemeinen „Oefsnung der Grenzen" keine Rede sein kann. Was die Regierung zu- gesteht, sind zeitweilige Ausnahmen von der fortbestehenden Regel des Seuchenschutzes und des Zollschutzes, die nur bis zur Ueberwindung der gegenwärtigen außerordentlichen Teuerung (zunächst bis Ende 1913 oder bis 1. April 1914) eintreten soll und an besondere Bedingungen zur Sicherung ihres Zweckes geknüpft werden. Wenn man die grundsätzliche Beschränkung der Regierungsaktion aner
kennt, so muß man zugestehen, daß die Regierung in dem Angebot der Ausnahmemaßregeln weitherzig vorgegangen ist.
Die Vergünstigungen erleichtern zunächst den großen Städten die Heranziehung von fremdem Fleisch ganz bedeutend. Wird in diesen Großstädten die übermäßige Preissteigerung beschränkt, so kommt das den anderen Landesteilen, die von dem großstädtischen Vieh- und Fleischmarkt abhängen, oder in den Preisen sich nach ihnen richten müssen, auch zu gute. Die Beschränkung der Begünstigungen auf die Großstädte hat den Vortell, daß die W i r- kung genau kontrolliert und in dem Falle, daß sich eine gesundheitliche Gefahr für Menschen oder Vieh ergeben sollte, schnell eingeschritten werden kann.
Das Hilfswerk der Regierung hat also das zielbewußte Vorgehen der Stadtverwaltungen zur Voraussetzung. In manchen Städten ist man bekanntlich schon ohne weiteres vorgegangen und hat auch schon gewisse Erfolge in der Fleischversorgung erzielt.
Die Groß-Berliner Bürgermeister hatten ihre jüngste Eingabe zugespitzt auf die Zulasiung des g e- fröre neu Rindfl ei sches aus Argentinien. Dazu wäre die Aushebung deS § 12 des Fleischbeschaugesetzes nötig, da die Kältetechnik den dort verlangten Anhang von Herz, Nieren und Lunge nicht mitkonservieren kann. Die Groß-Berliner meinten, man könne sich aus die argentinische Tierschau verlassen. Tie Regierung aber hat daS abgelehnt. Es wird also in gefrorenem Zustande vorläufig nur Hammelfleisch eingeführt werden können. Sollte sich die Unentbehrlichkeit des argentinischen Rindfleisches Herausstellen, so bliebe noch zu erwägen, ob wir beamtete Tierärzte nach Argentinien schicken können, die dort die deutsche Einfuhr vor der Verarbeitung prüfen.
Tie gesundheitspolizeiliche Kontrolle darf durchaus nicht auf die leichte Achsel genommen werden. Tie Regierung hat schon genug zu tragen an der Verantwortung für die Ungefährlichkeit des Fleisches und Viehes, das sie jetzt aus den europäischen Ländern in weiterem Maße einführen lassen will. Im Reichstage wird sie hoffentlich die Zulänglichkeit der veterinärpolizeilichen Einrichtungen nachweisen.
Was den Z o l l s ch u tz angeht, so erweckt jede Ilbbröckeluna Mißtrauen. Im vorliegenden Falle kann man aber anerkennen, daß es sich eigentlich nicht um eine allgemeine Herabsetzung des Zolls handelt, sondern vielmehr um eine zeitweilige Unter ft ü^ung derjenigen G e m e i n d e n, die unter eigenen Opfern der übermäßigen Preissteigerung entgegen arbeiten wollen. Es fragt sich, ob daraus ein* Preisdruck sich ergeben könnte, der für die Entwickelung der deutfchen Viehzucht gefährlich würde. Das ist aber bei der allgemeinen Biehknapp- heit in @urr * r- das nächste Jabr kaum zu erwarten, und erlischt ja die Zollvergütung von selbst.
Ter Reichstag wird die Zollvergütung in der vorgeschlagenen Beschränkung aller Wahrscheinlichkeit nach genehmigen. Ob die Sache Ersolq haben wird, hängt bann hauptsächlich an der Tatkraft der Großstädte ab. Und für die Zukunft muffen Regierung und Volksvertretung sorgen durch umfassende Maßregeln zur Hebungderdeutschen V i eh- z u ch t, zu deren Gunsten bisher mehr gesprochen als gehandelt worden ist.
ventsches Neich.
♦♦ Berlin, 28. Sept. 1912. Der Reichskanzler kann intolge anderer Bcrpstlchlungen seine für bett 2. Oktober geplante Reife nach München zum Besuch des Deutfchen Mineums unb der baye« rifchen Gewerbeschau nicht ausführen. — Der Kronprinz und die Kronprmz-ff'n traten am Samstag auf
Station Patschkau ein, wo sie vom Kardinalfürfie dischof Kopp begrüßt wurden. Die Weiterreise er» folgte im Automobil nach Janernig. Ter Kronprinz und die Krimprinzessin stiegen als Gäste be* KardinalfürstbstchofS im Schlosse Johannisberg ab.
»♦ Heber die BeiljälNüsse des Kleingewerbes fofl demnächst eine Umfrage staltfiuden. Im Reichs» lag ist der Wunsch ausgesprochen worden, man möge vor dem Abschluß der neuen Handelsverträge die Emwirkung der gegenwärtigen Tarifpolitik auf das Handwirt und den Ritttelstand in geeigneter We fe festzustellen versuchen. Wie bte »Post/ erfährt, beabsichtigt nun das zuständige Ressort der Reichs» regietung eine Kommtision zufammenziiberufen, welche die Frage erörtern soll, m welchem Umfangt eine Umfrage über di« Verhüllnisfe des Kleingewerbes notroenbig ist, und mit welchen Mitteln man in der Lage fein würde, sie durchzusühren.
* SRriningtn, 29. Sept. 1912. In Sachsen» Meiningen tagt zurzeit die protestantische LandeS- iynode. Etzirodale Sieber beantragte namen# des Ausschusses:
Die Synode wolle beschließen: Die Synode bittet bas Herzogt. SlaatSmimsiermm, den BundesraksbtvoS» rnächiigten zu ermchen, daß et im Interesse des ton» fefftontHen Friedens mit Besiimmiheit gegen die Aushebung bei Jes uiteiigefetzeS stimme. Eine nähert Schilderung deS tzeftnienordeus sei uberstüffig, be da dieser durch feine s chreckl ch e Tätigkeit ge» nugfam belaunt worden sei. Er störe den komessio» neben unb nationalen Frieden, unb nicht bloß Bte gef amte evangelischeKircye, fonbein auch baJ Baterlanb stehe auf dem Spiele".
Entsetzlich!
♦ Köln, 29. Sept. 1912. Heute nachmittag sand hier eine von Tmisenden von Katholiken besuchte Versammlung statt, die zu der Frage des Jesuitengesetzes Stellung nahm. Es sprachen Pfarrer Kaftert, Abg. Trimborn und Erzbischof Jürgen- Bombay. Sämtliche Redner bezeichneten das Je» fuitengesetz als ehr ungerechtes Ausnahmegesetz, da- die katholische Bevölkerung Deutschlands auf- schwerste beleidige. Zu sordern sei die völlige Auf» hchung des Gesetze- ober wenigstens eine Auslegung, die es den Jesuiten ermögliche, unter Aufficht der Kirche ihre Tätigkeit im deutschen Reiche zu entfalten. Eine in diesem Sinn gehaltene Entschließung wurde emstimmig angenommen. Erzbischof Jürgens von Bombay wies auf die Tätigkeit der deutschen Jesuitu, in Indien hin, die von der englischen Regierung nicht nur anerkannt, sondern auch nach Kräften gefördert werde; auch ans dem Munde eines hohen deutschen Beamten habe er laute Anerkennung für die Tätigkeit der deutsch r« Jesutten im Ausllrnde gehört. — Ter „Verband der Deutschen Krankenkassen", der auf nationaler Grundlage steht, hat sich hier konstituiert. An der Gründung beteiligten sich dir christliche« und Hirsch-Duukerschen Gewerkschaften-
• Tüstetboif, 29. s-epi. 1912 Der christlich» oziale Parteitag wurde heute durch eine gton« Versammlung in der Tonhalle eröffnet. Anwesend waren n. a. die Abgeorsnelen Bcheens, B rckoardt und 8 c. Mumm, totsie Pfarrer Wrder-Gtudbach unb Pmirer Philipps Berlin.
* Schwerin L M , 29. Sept. 1912. Die Großherzogin von Mecklenburg ist tm Schloß Ludwigs» Inst von einem Prin ien aiücklick, entb»*’bett morden.
— München, 28. Sept. 1912. Die kürzlich« Erklärung deS bayerischen BerkehrSministers von Seidlein, daß er den Eisenbahnbedieustete« und Arbeitern ein Streikrecht nicht zngestehen können entfeffelte am Samstag eine eene Streikrechtdebatte im bayerischen Landtage. Abg. S e g i tz (Soz.) griff den Berkehrsminister heftig an wegen der erwähnten Erklärung. Der Redner er» hiel. mehrere Ordnungsrufe. Berkehrsminister Dan Seidlin antwortete mit äußerster Schärfe. Er beschuldigte den süddeutschen Eifenbahnerverband, daß er überall maßlose Hetzereien getrieben habe. Auch Konsumvereme und Baugenossenschaften feen
geben, daß ?§ für Sie beide ein Gluck ist, beizeiten Klarheit erlangt zu haben."
Während er sprach, waren Isabellas Wangen mehrmals rot und wieder blaß geworden; dann preßte sie die Lippen fest zusammen, und als er g> endet hatte, sagte sie:
„Von nun an wollen wir die Sache ruhen lallen, Herr Doktor."
„Ich bin ganz einverstandrn", sagte er. „Nun also — adieu sür heute"
Nachdem er sie verlassen, war Isabella in ihr Zimmer gegangen, wo sie in leidenschaftliche Tränen ausbrach, während der Doktor aus seinem Wege in sich hineinlachte, als fei er mit dem Stande der Ding: äußerst zufrieden. —
Im Lause der vergangrnen Woche hatte der Major sich mehrmals gewundert und darüber gebrummt, daß Bathurst sich gar nicht sehen ließe
„Wahrscheinlich", meinte er einmal, ,chM er mit Forster nicht zusammentreffen. Aus Forsters Ton ging neulich schon deutlich hervor, daß sie sich gegenfeitig auf der Schule nicht leiden mochten. Ge- wiß hat nun der Doktor Bathurst gesagt, daß Forster so oft bei uns ist." Der Major sagte dies ganz aufgebracht, denn es schien ihm, als ob Isabella über die Besuche des Kapitäns mehr erfrort sei, als sie es hätte sein sollen. Und in der Tat — besonders in des Dokwrs Gegenwart zeigt: Isabella viel Interesse für Forstes Unterhaltung unb Aufmerksamkeiten.
Aber etwa nach vierzehn Tagen erschien Bathurst doch eines Abends ziemlich spät.
„Wie geht ei Ihnen denn, Bathurst?" fragt- der Major herzlich. „Wir haben Sie ja eine Ewigkeit nicht gesehen. Kennen Sie Kapitän Forster?"
„Ich glaube", sagte Bathurst ruhig, „daß wir zusammen auf der Schule Warrn. „Seitdem haben wir uns nicht wieder gesehen und werden uns wohl beide sehr verändert haben."
Drr Kapitän sah überrascht auf den kräftigen,
wohlgebildeten Mann vor ihm. Er hatte sich Bathurst immer klein und kümmerlich vorgestellt.
„Nein, ich hätte Herrn Bathurst nicht Wiedw erkannt", bemerkte er. „Gewiß habe auch ich mich ehr verändrrt, — aber bei ihm ist das sicherlich in viel höhwem Grade der Fall."
Keiner von beiden bot d-m andern die Hand. Als sie auf ihre Plätze zugehen wollten, trat Isabella in das Zimmer. Bei Bathursts Anblick flog ein jähes Rot über ihr Gesicht. Dann ging sie auf ihn zu, bot chm die Hand wie gewöhnlich und sagte: „Sir waren lange nicht hier, Herr Bathurst. Wenn jet?r so viel zu arbeit*n hätte wie Sie, wäre cs schlecht um unfern Verkehr bestellt."
Dann nahm sie Platz, ohne eine Antwort abzuwarten, und war bald in lebhafter Unterhaltung mit Forster. Bathurst verabschiedete ffch sehr bald wieder. Drr Kapitän hatte Isabellas Erröten beim Anblick Bathursts bemerkt und zog daraus seine eigenen Schlüsse. „Er hat ihr gewiß den Hof gemacht", dachte er; „und ich habe ihm nun einen Stein in den Weg gerollt. Sie behandelte chn entschieden sehr kühl."
Der April verging, nnd da alles ruhig blieb, auch keine schlimmen Nachrichten von außen einliefen, so äußerte der Major gegen Dr. Wade, er habe nun nichts mehr gegen das Unternehmen der Tigerjagd einzuwenden. Sogleich nahm der Doktor die Sache in die Hand, macht: sich nach dem Dorfe auf, in dessen Nähe der Tiger hausen sollte, beriet sich eingehend mtt den dorttgen Schikaris, nahm den Grund und Boden in Augenschein, setzte die Linie fest, auf der das Treiben sich bewegen sollte, und engagiert: für den verabredeten Tag eine Menge Treiber. Bathurst nahm es auf sich, die Elefanten zu besorgen, wovon ihm einige Besitzer in der Umgegend sechs versprochen hatten. Ter Major und Herr Hunter, der ein eifriger Freund der Jagd war, bestellten mehrere Wagen mit Ochsengespannen, dazu bestimmt, Zelte und Eßvorräle zu befördern. Bathurst selbst lehnte es ab, an dem Vergnügen teil» zunchmen, unb so bestand die Gesellschaft aus Herr»
Hunter und dessen ältester Tochter, dem Major und Isabella, dem Doktor, den beiden Leutnants und Kapitän Forster. Drr Doktor war in bester Laune, wie immer, wenn es solchen Sport gelt Er. ter» sprach jedem, sein möglichstes für ihn tun zu wob« len, betonte aber, daß es absolut nicht vorher zu berechne» fei, nach welcher Seite der Tiger aus- brechen würde. Isabella empfand bei der Aussicht auf bi: Jagd weit weniger Erregung, als sie selbst vorher geglaubt. Sie hatte mit Frau Hunter, bei» Doktor unb Runzan ausführlich zu beraten, was an Vorräten und anderen notwendigen Sachen mit- genommen werden sollte; denn auf zwei Tage der Abwesenheit mußten sie in jedem Falle rechnen. Die beiden Zelte — eins für die Herren, eins für die beiden Damen —, Schlafbecken, Kissen, Kochgerät unb alles dergleichen sollte bet Tagesanbruch vorausgesandt werden, während die Teilnehmer erst beim Nachlassen der Hitze gegen Abend folgen wollten.
„Ich bebmtere, daß Bathurst nicht mitfommt", sagte der Major, als er neben Isabella dahinritt. Er scheint sich ganz von uns lossagen zu wollen! In den letzten vier Wochen war er nur einmal bei uns. Du hast doch nicht etwa einen Streit mit chm gehabt, Isabella? Dieses Wegblnbeu fft doch fett- sam, nachdem er früher so oft kam."
„dkein, Onkel, ich habe ihn immer nur gesehen, wenn Du auch dabei warst."
„Dann mutz es dies fein, daß tt Forster nicht mag und ihn vermeiden will."
„Wohl mögllch", meinte Isabella gleichgültig und sprach von etwas anderem.
Es war dunkel, als sie ihren Bestimmungsort erreichten, so daß beim Abbiegen von der Straße ein Eingeborener mit einer Fackel voranleuchten mußte, um den Weg zu zeigen. Die Zelte waren schon ausgestellt, zwei oder drei große Feuer brannten in ihrer Nähe und innen waren die Lamp« angezündet. . i -
(Fortsetzung folgt.)