•rfW tlüTÄw» Zbisnadm« »tt Se n*1 XittStlertoge-Otaieb iöbat*e*8t«M»^is «rtnarriotzn und vrfteLoelv'nHulöai». v-ie aurwärtr 1-50 Mit.
«ernntn». Mebfltttuvt <av »chüttri ffit Si» Anzeigen:
3. Varzeller in Znldst.
jVs 223.
L .
Kitz«-«» Utr wwM tiitt etaf». fleleirh teil«. <7 nm betf^ leMtilSPfe- Ktflcnnem Der Kaum einer tote» «eljeile, 74 nm bretfc leitet 40 Pf» Bei Di» bertjoinngen Bebati, $8r®fert-n «tutun» «„zeige, 20 Pf» eM»
Metetienbrei x. Verla- der jelHN Lctiendrvckerei t-Zxl-tz
Lentsprecher vr. »
Erstes Blatt.
Fulda, Samstag den 28. September 1912.
39. Jahrgang.
Ausland
ausgestreuten Samen reichlich "sprossen lassen!
Ans Mrchs nnd schule.
t Kloster Kreuzberg (Rhön), 27. Sept. 1912. Die Rekruten-Exerzitien, die Heuer zum
ersten Male im hiesigen Kloster tooni 22.—25. Sept, gchalten wurden, hatten einen vollen Erfolg zu verzeichnen. Es erschienen 90 junge Männer, die mit großem sittlichen Ernste und Begeisterung die front» men Hebungen mitnrachten. Leiter der Exerzitien war P. Hieronymus Hummel vom FranzisLaner- kloster Bamberg, der mehrere Jahre als Militärseel-
veutscher Keich.
; Berlin, 27. Sept. 1912. Das nächstjährige Kaiiermauöver wird nach der ,Schlestschen ttettung' de m VI. Armeekorps stattfinden. — Geh. Oberregierungrrat Hofsmann im preuAschen Minister um für Landwirtschaft tritt am 1. Oktober in den Ruhestand. Er war Dezernent für das Ftschereilcesen. — Das älteste Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, Konsul Stengel sfretkons.) in «Staßfurt, feiert am koiiimenden Sonntag feinen 85. Geburtstag. Er vertritt den Wahlbezirk Quedlinburg-Aschersleben.
*. Der Kaiser und Tirpitz. Von einem Mißverständnis zwischen dem Kaiser uno dem Slaalswkre- tär v. Tirpitz war neuerdings in einigen Blättern wieder die Rede. Dirpitz ist bekanntlich der älteste Staatssekretär des Reiches, der am 15. Juni auf sein 15jähriges Dienstjubitäum zurückblickeu konnte. Er ist schon öfters in ungerechtfertigter Weise angegriffen worden. Andererseits hat man in ihm auch schon wiederholt den künftigen Kanzler erblickt. Bon Meinungsverschiedenheiten mit dem Kaiser ist auch jetzt keine Rede, das Gegenteil ist vielmehr der Fall. Tie Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Kaiser und dem Staatssekretär v. Tirpitz sollten bei der Krupp-Feier in Essen entstanden sein. Dem Kaiser wurden dort neue Geschütze von 35 Zentimeter-Kaliber vorgeführt, die seinen Beifall fanden. Die deutsche Marine hat aber bisher nur 30 Zentimeter-Geschütze und eine Neubewafsnung ist natürlich sehr schwierig. Darüber soll es zu Verstimmungen gekommen sein, weil Tirpitz gegen das 35 Zentimeter-Kaliber war. Das alles ist aber, wie »ersichert wird, haltloser Klatsch.
** Zwischen dem Kanzler uno Freiherr« v. Hert- ling bestehen vorzügliche Beziehungen, so wird in der .Germania' »von gut informierter Seite" festgestelll.
Die schöne Hoffnung der Großblöckler, so wird weiter auegeiüi^rt, durch die Differenzen betreffs der Interpretation zum Jesuitengeietz eine dauernde Ber- fummung zwischen Herrn v. Bethmann und Freiherrn v. Heriling hervorzuruten, ist durchaus vergeblich ge- wien. Sollte der Reichskanzler gelegentlich der deulschen Museumssestlichkeiten nach München kommen, so werden die beiden Herren die Gelegenheit zu einer intimen Aussprache über alle lausenden Fragen gewiß nicht unbenutzt laffen. Wegen der Jesuitenfrage aber wird es zu einem bayerisch-preußischen Konflikt oder einer ernsten Berstimmung nt.rt komme». In diesem „Streu“ wird es keinen Sieger und keinen Besiegten geben; wer darauf hofft, hat ganz falsch gerechnet!
=• Bischof Benzler znm GeLerkschastsstreit. Zum Schlüsse der sozialen Woche, die dieser Tage in Metz staltfand, ergriff Bischof Benzler von Metz laut .Lothringer BolkSstimme' (litt. 235) das Wort und führte u. a. folgendes auS:
Ich möchte noch em Wort aus de» vielen Bor- trägen herausgreisen. Man sprach gestern von dieiem de -auerlichen Streit im GewerkschasiSlager. Gin Diskussionsredner meinte: Reuen wir tue Orthodoxie. Meine Herren, vor vier Jahren halle ich eine Audienz beim Hl. Baler. Ich legte ihm unsere Verhältnisse tu Dieter Angelegenheit auseinander. Und der Papst sagte mir: Beide Richtungen sind gestaltet. In den einzelnen Diözesen toll der Bischof enllcheiden. Run, wir haben nach reiflicher Ueberlegung uno durch wichtige Gründe bewogen, die Entscheidung getroffen. In allem waS wir hier tun, gehorchen Sie Ihrem Bischof und so zugleich dem Statthalter Christi.
* Die Teuerung.
Tie Bekanntgabe der Maß n ah m e n, welche die R e g i e r u n g zur Linderung der Fleischteuerung zu treffen gedenkt, wird für heute erwartet.
Berlin und 26 Vorortgemeinden haben an den Reichskanzler eine Petition gerichtet, worin sie die Einfuhr argentinischen Gefrierfleisches in großem Umfange unter Aufhebung der einschränkenden Bestimmungen des Fleischbeschaugesetzes und Herab- setznng des Schutzzolls empfehlen. — Die Frage der Einfuhr des Gefrierfleisches verdient eine gewisien- hafte Prüfung. Jnteresiiert sind hier indessen vor pllem die großen Städte. Was auch uns angeht, Las sind die weiteren Forderungen der Eingabe: Die Aufhebung der bestehenden Bestimmungen über die gesundheits polizeiliche Untersuchung des einzuführenden Fleisches und die Herabsetzungdes Schutzzolles, und zwar noch erheblicher unter den für das frische Fleisch bestehenden Vertragszoll. Tas sind. Forderungen voll ungeheurer Tragweite.
.. Die verlangten Aenderungen der Fleischbeschau wurden nichts anderes bedeuten, als den vollen Ber- zicht auf bie Prüfung an der deutschen Grenze, sodaß alles der Fähigkeit und Ehrlichkeit der argentinischen Tierärzte überlassen bliebe. Zum mindesten mußte die deutsche Regierung sich durch die Entsendung deutscher Tierärzte nach Argentinien eine Kontrolle verschaffen, die der Vergiftung unserer Bevölkerung und unseres Viehstandes vorbeugt. Zur Z o l l f r a g e führt die Eingabe aus, daß die Belastung von 17% Pfg. pro Psiind viel zu hoch ist und daß auch die Herabsetzung auf den Zollsatz gegenüber Oesterreich, 13% Pfg., noch nicht genügen würde, um dem Frostfleisch jene Billigkeit zu sichern, die es brauche, um sich neben dem frischen Fleisch Eingang zu verschafsen. Dagegen erheben sich sehr gewichtige grundsätzliche und praktische Bedenken. Wenn wir den Zollsatz zu sehr schwächen, so kommt die e i n- heimische Viehzucht in Gefahr, und deren Rückgang würde uns eine andauernde Teuerung, eine wahre Fleischnot bescheren. Ueber- dies hat die Erfahrung gelehrt, daß Ermäßigungen der Zölle in der Regel nicht den Verbrauchern zu gute kommen, sondern daß sie die E r z e u g e r und Händler zu Preisaufschlägen veranlaßen. Tie Eingabe hat überbaupt vollständig außer Acht gelassen, ob nicht in Argentinien, wenn Deutschland sich als Großkäufer einstellte, die Vieh- und Fleisch- Preise beträchtlich steigern würden. Bei ruhiger Betrachtung zeigt sich doch, daß die Sache mehr Haken hat, al? die Eingabe annimmt. Ein Versuch wäre e sehr wünschenswert, aber wir würden den
l durch Belzebub austreiben, wenn wir unsere
Gesundheit und unsere Viehzucht dabei aufs Spiel , setzten.
In München wurde auf dem Schlachthof das erste dänische Fleisch, zumeist von jungen Kühen und Rindern, in Viertelstücken an Metzger zu 76 bis 78 Mark pro Zentner verkauft. Die Abnahme war schleppend. — In Köln fand die zweite Sen- dring dänischen Fleisches glatte Abnahme, so daß die Sendung bereits in einer Stunde auf dem Schlacht- Hof verkauft war. Bemerkenswert ist, daß dort auch oie Metzger selbst einen umfangreichen Fleischimport in die Wege geleitet haben. — Die Stadt Offenbach hat mit dem Verkauf des dänischen Fleisches große Schwierigkeiten, weil die Metzger sämtlich bis auf vier den Verkauf verweigern. — In Aachen haben die Metzger den Verkauf des von der Stadt beschafften dänischen Fleisches abgelehnt. — In Hannover soll ein Versuch mit der Einführung von schwedischem Rindfleisch gemacht werden. Das Fleisch soll zu 70—80 Pfg. pro Pfund durch die Schlachter verkauft werden. Dagegen wird aus Stockholm berichtet, daß in Schweden infolge der starken Nachfrage ans Deutschland die Fleischpreise bereits sehr gef liegen sind; man plant deshalb dort die Einfuhr von argentinischem Gefrierfleisch. — Würzburg beabsichtigt die Einfuhr von dänischem Fleisch. — In Elberfeld hingegen teilte der nach Dänemark entsandte Schlachthofdirektor mit, daß dort die Preise infolge der starken Stach- frage so gestiegen seien, daß der Versand nach Elberfeld nicht mehr lohnend genug sei. — Die Stadt Solingen will versuchen, unter Mitwirkung einiger sachkundiger Metzger direkt bei den Landwirten und Viehzüchtern schiachtreife Schweine im Gewicht non mindestens anderthalb Zentner einzukattfen und sie den Metzgern zum Selbstkostenpreis zu überlassen.
So ergibt sich in den Maßnahmen gegen die Fleischteuerung große Verworrenheit. Die Haltung der Metzger zu dem Vertrieb des durch die Stadtverwaltungen herbeigeschassten Fleisches schildert die „Deutsche Fieischerzeitung" wie folgt:
„GtNche Innungen tehnen es ab, mit den Städteverwattungen zusammen zu geben, andere arbeiten Hand in Hand mit ihnen. Einzelne Innungen treten für das Gefrierfleisch ein, wie Chemnitz, Karlsruhe, Halle, die meisten wehren sich dagegen, ohne aber etwas anderes dagegen zu fa en, als was ihnen in agrari'chen Blättern vorgebetet wird. Manche Innungen wollen von dänischem Fleisch nichts reiften, rete Dortmund, Krefeld, Aachen, Kuim- bach, andere laften durch ihre Mitglieder dänisches Fletsch verkaufen, wie Du sburg, Köln, Suhl, Dresden, Görlitz. Wieder andere Innungen sagen zuerst nein, und hmlerher ja, wie Bonn. So ergibt sich em betrübendes Bild der Verwirrung, und was man vermißt, ist die einheitliche Leitung der Fleischer und ihre feste Geschlossenheit."
München, 27. Sept. 1912. Der Minister des Innern v. Soden ertlärie im bayerischen Landtage in Beantwortung der Notstand Srn terpellation des Zentrums, daß man trotz des schlechten Ernte- wetters von einer Mittelernte sprechen könne. Das Vorliegen eines allgemeinen Siotstandes rouo fast durchweg verneint. Weitaus die meisten Beiirksämter stellen die Notwendigkeit einer staatlichen Hilfsaktion in Abreoe, da der Schaden nicht übermäßig groß sei. Sollte aber wider Er- warten eine andere Beurteilung Platz greifen, w würden die geeigneten Schritte zu einer staatlichen Beihilfe ein geleitet werden.
* Tas Begräbnis Marschalls.
In N e u e r s h a n s e n ht Baden ist gestern nachmittag Freiherr von Marschall in Anwesenheit des Großherzogs von Baden, des Reichskanzlers und vieler anderer bedeutender Persönlichkeiten zur letzten Ruhe bestattet worden. Die Trauerfeier im Ahnensaale des Schlosses nahm mit einem Chorgesang ihren Anfang. Nach der Einsegnung wurde unter dem Geläute der Glocken der Sarg aus d:m Schloß nach dem Leichenwagen getragen. Hinter dem Sarge schritten der Großheizog von Baden, zu seiner Rechten und Linken die beiden Söhne des Verstorbenen. Es folgten der Reichskanzler, Lord Acton, sowie die übrigen Tranergäste. Vom Eingang des Friedhofes wurde der Sarg von sechs Ge- nteinderäten zu Grabe getragen. Nach der kirchlichen Zeremonie legte der Bürgermeister der Gemeinde Neuershausen am Grabe einen Kranz nieder, woraus die Trauerfeier ihr Ende gefunden hatte. Weitere Ansprachen außer der des Pfarrers wurden nicht gehalten. Ein zahlreiches Publikum hatte sich zur Trauerfeier von Nah und Fern eingefunden.
In London fand gestern zu Ehren des Frei- Herrn Marschall v. Bieberstein in der deutschen Kirche auf Brampton Road ein Trauergottesdienst statt, dem eine große Anzahl hervorragender Persönlichkeiten beiwohnten.
* Fiasko eines sozialfftischen „Musterbetriebs". Großes Aufsehen erregte in französischen Sozialistenkreisen die kritische Lage der Glasfabrik A l h i, deren Eröffnung im Jahre 1896 als Triumph des Gewerkschaftswesens gefeiert wurde. Der Organisator dieser auf dem Grundsatz der Gleichheit aller Arbeiter und Angestellten gegründeten Fabrik, die als sozialistisches Musterinstitut Schule machen sollte, war der bekannte Abg. I a u r tz s. Diese Enttäuschung kommt übrigens nicht unerwartet, schon im letzten Sommer mußte ein Chef-Ingenieur ernannt werden, was aber unter den Angestellten der Fabrik große Gährnng hervorrief, obwohl nur auf diese Weise die Fabrik einigermaßen konkurrenzfähig gemacht werden konnte. Jetzt ist eine Abordnung der Arbeiterschaft von Albi in Paris eingetroffen, um den Aufsichtsrat vor die Wahl zu stellen, den Chef- Ingenieur abzusetzen und Lohngleichheit aller Angestellten wieder einzuführen oder sofortige Arbeitseinstellung.
♦* Sjafanow. Ter russische Minister des Auswärtigen, ©lafanoro, ist gestern von dem Königs- schlosfe Balmoral, wo die Verhandlungen statt- fanden, nach London zurückgekehrt. Am 1. Oktober wnd er die Reise nach Paris antreten.
♦♦ Ruisisches. Aus einem Prozeß gegen den General Uchatsch, der wegen schwerer Unterschlagungen zmn Nachteil des Staates angeklagt ist, veröffentlichen die Blätter unglaubliche Einzelheiten. In einem einzigen Jahre, während des mandschurischen Feldzuges, veruntreute der General mehr als zwei Wit Ilio neu Mark. Er weigerte sich, der Revisionskommission die Kaffenbelege vorzulegen, weil sie strategifchen Wert hätten.
** Tie Orientwirren.
An der Wiener Börse war am Donnerstag das Gerücht aufgetreten, daß Bulgarien der Türkei den Krieg erklärt habe. Man beeilt sich von allen Sei- tne zu versichern, daß diese Gerüchte unbegründet sind. Es handelte sich, tote jetzt offenbar wird, um wohlberechnete Börsenmanöver. Selbst dir bulgarische offiziös: Depeschenagentur dementiert die Gerüchte mit Nachdruck. Ebenso werden sie auch von türkischer Seite als ein ausgesprochenes Börsenmanöver bezeichnet. Man hebt hervor, daß sowohl der Leiter der griechischen auswärtigen Politik, Venizelos, ebenso wie der der bulgarischen Regie- rung, Geschoto, zu verständige Leute seien, als daß sie ihre Länder in einen Krieg stürzen sollten, dessen Folgen auf keiner Seite abzusehen wären. Es scheine vielmehr, daß beide Politiker das Drängen der Opposition durch ein Hintauhatten so lange beschwichtigen wollen, bis das Eintreten der winterlichen Jahreszeit ein Kriegführen definitiv unmöglich mache. Der Winter tritt im Balkan sehr früh auf und macht erfahrungsgemäß allen kriegerischen Gelüsten ein sicheres Ende. Unverantwortlich handeln aber die Verbreiter derartiger Gerüchte.
Aus Sofia wird bestätigend gemeldet: Finanz- minifter Todorow erklärte: „All: Nachrichten über eine Mobilisierung und sonstige außerordentliche Maßnahmen Bulgariens kriegerischer Art sind falf ch- Die Kriegsgerüchte sind umso mehr zu bedauern, als sie geeignet sind, die finanzielle und wirtschaftliche Entwicklung Bulgariens zu hemmen.
Beruhigende Erklärungen gab auch der türkische Minister des Aeußern No r a d u n g h i a n bei einer Unterredung mit einem Mitarbeiter des Blattes „Jeune Ture" ab. Wir haben, meinte er, keinen Grund, an der Aufrichtigkeit der friedlichen Absicht des bulgarischen Kabinetts zu zweifeln. Wenn Bulgarien auch weiterhin eine friedliche Haltung mn« nimmt, werden auch die anderen Balkanstaaten das gleiche Verhalten an den Tag legen.
Liegt somit eine unmittelbare Kriegsgefahr nicht vor, so wird doch allgemein die Sage als sehr gespannt angesehen. Irgend ein Zwischenfall kann die kriegerische Entladung herbeiführen. Und der Zwischenfälle gibt es nachgerade schon genug. Es gibt augenblicklich einen türkisch-bulgarischen, einen türkisch-griechischen, einen türkisch-serbischen Zwischenfall nebst einer Häufung türkifch-montene- grimscher Zwischenfälle. Gerade genug für beschei- bene Ansprüche. Die türkisch-b n 1 g a r i sch e n und türkisch-m ontenegrinischen Affären stammen von den gewohnten Grenzschießereien her. An- gefangen hat dabei immer „der Andere". Das Zer- würsms mit Griechenland hat seine Ursache in der Befchießung eines griechischen Handelsdamp- fers in Vathy auf"Samos durch die von griechischen Empörern angegriffene türkisch: Besatzung. Der Konflikt mit Serbien beruht auf der Einhaltung serbischer.Kriegslieferungen durch die türkischen Behörden in Uesküb und Zibeftsche (Grenzstation). Infolge dieser Vorgänge geht eine Flut von „Vorstellungen" und „energischen Schritten-" auf die Türkei nieder. Der Bulgare Herr Sarafow, der Serbe Herr Nenadowiffch, der Grieche Herr Alexandro- pulos, der Montenegriner Herr Popowitsch erhielten Auftrag von ihren Regierungen, auf die „steigende Erregung" in ihren Staaten hinzuweisen und die sich aus dieser Erregung ergebenden Forderungen an die Pforte zu stellen: Bestrafung, Genugtuung, Entschädigung. Man braucht die Noten gar nicht erst zu lesen; es ist immer dieselbe Melodie, derselbe Text. Die ohnehin höchst unerguickliche Balkan- Mmosphäre wird infolge dieser Vorgänge noch stickiger.
♦♦ Tie unfriedlichen FrirdeMcute. In G-ns tagt fetzt der Weltfriedenskongreß. Aus vielem Kongreß ist es, wie schon im vergangenen Sabre, so auch Heuer wieder zum Teil recht wenig lriedttch zugegangen. In dem Berichte über die Jahreseremmsse gebrauchte der Berichterstatter Go- bat mit Bezug auf Deutschland Wendungen die geeignet waren, das Deutsche Reich als Friedensstörer in Europa Hinzuflellen. Darüber waren naiürlich die deutschen Friedensapostel ungehattm Sie erklärt^, daß sie sich durch eine derartige Kundgebung verletzt fühlen müßten und forderlen die Zurücknahme der Aeußerung. Herr Eobat mußte erklären, daß er nur die Ueberpatrwten habe brano- marfen wollen, die den Kaiser und die Regierung durchaus zum Kriege haben veranlassen wollen. Zu einer noch stürmischeren Kundgebung kam es bei der Erörterung über die Haltung der italiemschen Friedensfreunde, die zum Teil dem Kongresse ferm geblieben waren. Als eine Dame die Haltung dieses Tei eS der Fnedensfieunde zu rechtfertigen . ______,____________,__
suchte, mußte die Versammlung zeitweise wegen sorger daselbst tätig war. Möge Gottes Segen den Lärms unterbrochen werden. 1 ausgestreuten Samen reichlich sprossen laften!
Lokales.
Fulda, den 28. September 1912,
5 TaS Gas In HauS und Gewerbe.
Die Ausstellung in den ®tabt|dlen begegnet nach wie vor einem regen Interesse tn allen Kreüen. Seit der Eröffnung bi8 gestern abend wurde sie von ca. 2400 Personen besucht. Die bisher gehaltenen Vorträge übe« die Verwendung des Gases im Haushalte waren stets derart gut besucht, daß der Bortragssaal sich bis auf daS letzte Plätzchen besetzt zeigte. GeNern nachmitlag waren die Schülerinnen der hiesigen Mädchenschulen unter Führung ihrer Lehrerinnen erschienen, um sich über die Vorzüge des GaskochenS belehren zu lassen.
Die Ausstellung selbst bietet in ihrer recht übersichtlichen und geschmackvollen Anordnung ein vortreffliches Bild von der vielseitigen Verwendbarteit des (Saleä. Die verschiedensten Gaskocher und Gasherd» vorn emlachsten Einlochkocher bis zum große» Anstalts- Herd zeigen den Besuchern die niellextige AuSgeualtung dieser für einen modernen Haushalt unentbehrlichen Apparate, sodann Gaststätten, Waschapparate, Heizöfen in größerer und kleinerer Form, stehend und hängend; darunter den von den sonstigen Heizöfen in seiner Konstruktion abweichenden Monitor-Ofen der Monitor» GaSapparaie - Industrie in Stuttgart. Ferner verschiedene Badeeinrichtungen in stehender und hängender Anordnung, sowohl in einfacher als auch eleganter Ausführung. HethreafterversorgungsMstagen durch Prof. Lenkers Hetßreafter-Automaten m>d A-eania-Thermen der Dessauer Zentral-Werkstatt, welche das heiße Wasser allen Räumen des Hauses zusühren. Außerdem sind tlenie Heißwaserfpender für Friieure, Zahnärzte, Aetzte, Toilettelt-che aufgestelll, die es ermöglichen, jederzeit heißes Wasfer bis zum kochenden Wasser zu en!nehmen. An Der Ausstellung der vorgenannten Koch-, Heiz- und Warmwasser-Apparate sind folgende Firmen beteiligt: die Dessauer-Zentralreerlstatt, Ersemverke Gaggenau, PromelheuSherde- und Oesen von B. Memer in Cossebaude bet Dresden, Germanta-Osen« und Herd» sadrik Winter u. Co. in Hannover, Markona-Kocher der Gevelsberger Herd- und Oseniabrik W. Krefft,. Hildesheimer Sparherdfabrik A. Senking» F. Kuppersbusch Gelsenkirchen-Scbalke, Bereinigte Metallwarenfabriken vorm. Heller u. Co. in Altona-Ottensen.
Die verschiedenen Beleuchtungsarten werde» durch 3 Rampen der Deutschen Gasglühl'cht Akt. Ges., Ehrich u. Groelz und Julius Pimsch vorgesührt, wo vom Nemften 16 kerziger. Brenner bis zur 10.0 kerzige» Lampe alle Brennergrößen vertreten sind. Die Beleuchtung in den ausgestellten Zimmern und Schaufenstern hiesiger Firmen zeigt das Gasglühlicht in feiner vielfachen Verwendungsmöglichkeit. Besonders reizvoll wirkt das Gasgiuhlicht als Schau« f ensterbeteuch tung, da es die Farbenwirkung besonders die der zartgetönten Seidenstoffe aus daS eindrucksvollste hebt. Um der Gasbeleuchtung ebenfalls die Annehmlichkeit des elektrischen Lichtes, daS Zünde» und Löschen durch einen kleinen Schalter, zu geben, hat bie moderne Gasiudustrie verschiedene Fernzündungen geschaffen, deren tadelloses Funkttoniere» durch Tausende von ausgeführten Anlagert gewährleistet ist. In der Ausstellung ist die Mutttplex-Fern« zündung der Multiplex Intern. Gasfernzünder-Gesell« schäft Berlin und die Ascania-Fernzündung der Dessauer Zentralwerkstatt vertreten. BewudetÄ ist die auioma« usche Nacht-Treppenbeleuchtung mit Multiplex erwähnenswert, welche je nach Einschaltung einige Almuten anhält, also normalerweise für den Weg von der Haustür bis zu den verschiedenen Etagen ausreicht.
In der Abteilung für gewerbliche Anlagen sind von der Firma Otto Schoba-Berlin Muffelöfen, Schmiedeseuer, Schmelzöfen für Preßlustbetrieb auf» gestellt. Die hierzu wie auch zur Beteuchlung e, forderliche Preßluft wird durch einen Pharos-Apparat btr Auer-Geiellschaft hergeftellt, welcher seinerseits durch einen schnellaufenden Fnsnir«Gasmotor der Fasnir» Werke ht Aachen angetrieben wird. Ferner sind Lötkolben mit di, ekler Beheizung, wie auch Lötkolbenerhitzer, Schneider-Bügeleisen und anderen gewerbliche» Zwecken dienende Apparate von Dr. Fink-Berlin ausgestellt. Gasmeffer der Firma (61 ft er & Co -Mainz- sowie GaSdruckregler tn den verschtedensten Größe» von der Apparate-Bertriebsgesellschast Berlin-Wümer» dorf vervollständigen das Bild der Ausstellung.
Selbstverständlich ist eS ganz unmöglich, i» bem immerhin beschränkten Rahmen einer Wanderausstellung alles zu bringen, was die Gasindustrie bis auf den, heutigen Tag geschaffen hat, da ja, wie der Name schon, sagt, die Ausstellung oft den Aufenthalt wechselt und der Zeitraum zum Aufstellen und Abbrechen oft kurz ist, und auch die Räume oft nicht ausreichend sind, um beispielsweise ein Massenbrausebad mit Gasbeheizung, wie es in Schulen, Kasernen u. dgl. vielfach Anwendung findet, oder große Sterilisier-Apparate für Operattous- zimmer, Heißluftapparate, ebenfalls für medizinische Zwecke oder aber für landwirtschaftliche Betriebe z. B. für Hühnerzüchtereien, Brutkästen u. dgl. mehr auszu» telleu und einzurichten. Das Bemühen der Ausstellung «doch, soviel wie möglich zu bieten, wird in dankens« werter Weise durch die Beteiligung der hiesigen ®a8<! anstatt unterstützt, welche in der Arbeiter-Wohnküche,' em Prometheus-BollSbad und einen Gaskochherd ausgestellt hat und auf einem eigenen Stand Gasmesser, Gasheizöfen, sowie einen ganz geräuschlos laufenden Bentilaior mit Heißluftmotor von A. Dräger in Berlin, vorsührt. Aus einer Rampe ist die fortschreitende Entwickelung vom Schnittbrenner bis zum Gasglühlichb brennet dargestellt. " \
Mit besonderer Freude ist es zu begrüßen, daß' auch eine Anzahl Fuldaer Firmen in lobenswert erf Weise dem Ausstellungsuuternehmen ihre Mitwirkung geliehen haben, um durch künstlerische Ausschmückung der 5 Zimmerwohnung und der drei Schaufenster ein daS verwöhnteste Auge befriedigendes und im buchstäblichsten Sinne des Wortes lichtvolles Bild zu schaffen. In den von der Firma Konrad Sauet Sühn« ausgestellten Zimmereinrichtungen beleuchtet das Gas« stühlicht eine seine, dein modernsten Geschmack ent» prechende Innendekoration. Die wohnliche Ausstattung mit Tisch- und Bettwäsche hat die Firma Wilhelm Slöht sich erfolgreich angelegen fein laffen Neben ihr muß die Firma Karl Sell, welche die 9iäum« mit Kristall, prächtigen kunstgewerblichen Gegenständen, mit Porzellan und Küchengeräten ausstattete, mit Arter- kennung genannt werden. Das von der Kunst- u. Handelsgärtnerei Ludwig Angeli für die Tafel des Eßzimmers gelieferte Blumenarrangement zeugt von gutem Geschmack und erfreut nicht allein das Singe, sondern auch die Aeruchsnerven, die durch die „Aufdringlich leit“ des GaseS hier und da etwas in Mitleidenschaft gezogen werden. Die besondere Ausmetkfamlett öex Damen lenkt sich, wie von einer geheimen Macht getrieben, ganz von selbst auf die von der Firma Leopold Cfchwege zur Schau gestellten kostbaren Hute und Pleureusen, und während sie so ganz andächtig in die Betrachtung der Prachtstücke oertieft sind, flute* die Tonwellen eines Grammophons durch den Dlaiutk,