M 220.
Mittwoch den 25. September (912.
59. Jahrgang.
A fuldaer ■ Zeitung
2. Blatt
Xb Druck und Verlag der Fuldaer Ädit«»ni<etd in Znlda. ' t
Eine Mutter m'c ihrem Kinde! Eine dürftige
Görres/Klaus' Vater, der »ach einem arbeitsrnHen Gestalt mit vergrämten, frü&eitia alt «ewordene« zu.toe^
Was ist das? Fremd: Stimmen! Die Haushälterin öffnet den Salon. Besuch? Er wird sich verleugnen lassen.
Frau Böhme bringt die Karten. Kommerzienrat Feuerer, Stadtverordneter Großmann — eure ?lbordnung der Stadt! Zum Kuckuck! Die mutz er empfangen. Und gerade jetzt hört er die Schritte des Arztes au» der Treppe, hört seine tiefe Stimmst „Werde später noch einmal vorsprechen."
Die Herren sind außerordentlich liebenswürdig. Man beabsichtigt eine Ehrung des verstorbene Kommerzienrates und Großkoufmaunes Mackus
Leben seinem Sohne dir Mittel zu seinem behaglichen Junggesillendasein und der Stadt eine glänzende Schenkung zu wohltätigen Zwecken hinterlasse» hat. Das in seinem Sinne errichtete Pfründner- heini soll den Namen Markus Görres-Haus erhalten und in Mcdaillonform der Nachwelt die markigen Züge des Stifters überliefern. Dem kunstsinnigen jüngeren Görres überläßt die Stadt die Wahl des geeigneten Bildhauers.
Klaus rst ganz in seinem Element. Gehoben und angeregt vertieft er sich in die Unterredung, bis der tiefe Glockenschlag der Wanduhr daran gernahnt, daß es Zeit zur Sitzung int Stadthaus ist. Vereint gehen die Herren fort, um sich auch dort wiedcr zu ereifern und zu erhitzen.
Tie Sitzung hat lange gedauert; weit länger als gewöhnlich Eilig schlägt Klaus den Heimweg ein, um zu Hause zu erfahren, daß Doktor Wollenhaupt zum zweitenmal vergeblich dagewesen. Verwünscht!
Ob er ihn in der Sprechstunde aufsucht? Das Beste wär: es; aber das Warten regt seine Neiden so sehr au'r, und oann hat der Arzt gerade um Mittag seine Freistunde für Unbemittelte.
Soll er gehen, soll er bleiben? Der Puls jagt wieder: 60 — 70 — fSü —, und die Ungewißheit ist schlimmer -,.i ertrage» als das Schlimmste. Entschlossen setzt Klaus oeu Hut wieder auf und durcheilt die Straße, an Seren and:rm Ende Doktor Wol- lenhaupt wohnt.
Gottlob nur drei oder vier Personen int Sprechzimmer! Klaus nimmt om Mitteltische Platz und blättert zerstreut in d:n darauf liegenden Zeitschriften; aber dann durchzuckt es ihn: wer mag cne schon angefaßt haben, welche Keime und Bazillen mögen daran haften''!
Hastig rückt er vom Tische ab und schlägt den Mantel zurück daß er nicht mit der Tischdecke tn Berührung kommt. ?chtu>s glntet sein Blick durchs Zimmer und bleibt dann auf den übrigen Insassen
bedin gungen eingeschlagen werden, so st eigen eben diese Grenzkosten. Diese aber diktieren auf fetten deS Angebots den gesamten Preis. Die Produktton kann dann wohl zu steigenden Preisen weiter ausgedehnt und wieder lohnend werden. Aber die untere Grenze ist damit hinausgeschoben worden."
Diese ernste nationalökonomische Untersuchung sogt dann doch etwas ganz anderes als die Hetztiraden der roten Agitation und Presse, dir den Bauer und unser: Wirtschaftspolitik für alles und jedes verantwortlich machen wollen. Es stimmen ober diese Darlegungen durchaus überein mit den Untersuchungen derjenigen sozialdemokratischen Wissenschaftler, denen es mit dem Suchen nach Wahrheit ernst ist. Sogar der „Vorwärts", der sich sonst in letzterer Richtung nicht zu bemühen pflegt, hat in einer unbewachten Stunde ganz Aehnliches gesagt wie Prof. Eulenburg. Was freilich auch weiterhin für die rote Parteiagitation kein Hindernis sein wird, zu schreien, was ihr gerade paßt — gleichgültig, ob es wahr ist oder nicht.
ez überhaupt nur eine Preis welle infolge der Hoch« 1 konjunllur sei. Aber die folgend« Depression, ebenso । wie di« von 1908, übten doch nur einen geringen Ein« , lu(i auf die allgemeine Preissteigerung aus. Seit 1906 ist vollends kein Halten mehr . . .
Von besonderer Bedeutung von den Feststellun- g:n Prof. Eulenburgs sind folgende zwei Momente: Einmal „der durchaus internationale Charakter der letzten Preisbewegung":
.Wir können sie beobachten für die Bereinigten । Staaten nicht minder wie für England, für Frankreich ebenso wie für Deutschland und Italien, für Belgien wie für Kanada." !
Ferner ist sehr charakteristisch der Unterschied zwischen den Preissteigerungen der 2 eb en smtt= tet und der industriellen Rohstoffe. Erstere teigen nämlich erheblich weniger als letztere:
‘ „Die Hochkonjunimr 1906 07 übertreibt ihrerseits biefe Tendenz noch stärker. Aber sonst zeigt sich Zfeich« mäßig bei allem vorhandenen Material, daß die Preis« ft einet» ng bei Roh- und S'llsstoffen wesent« "ich höher ist als die frä Lebensmittel.
Schon aus diesen beiden Tatsachen ergibt sich, ha6 die wilden Vorwürfe, die die rot-freisinnige Agitation gegen unsere Wirtschaftspolitik richtet, nicht zntressen können. Denn die Preissteigerungen zeigen sich gleichmäßig in Schutzzoll- ^tn Freihandelsländern, und auf industriellen Rohstoffen rubt in Deutschland nickt der mindeste Zoll. Pros. Eulenburg sagt denn auch bei Besprechung der U r- sachen der Preissteigerung:
Die Ursachen müssen ganz allgemeine sein, sie können nicht in den speziellen Verdä'tnitzen einer Nation gesucht werde». Die Börsenspekulation oder die Schutzzölle oder die Kartelle oder die Ernte. auSf811 e dürfen nicht dafür verantwortlich gemacht werden. Ebensowenig aber auch die Lohnerhöhungen an sich. Ein Erklärung, die von solchen vorübergehenden ober nationalen Momenten ausgeht, muß darum von vornherein als verfehlt erscheinen. Dabei braucht der preissteigernde Einfluß dieser Momente durchaus nicht geleugnet zu werden. Sie haben zweifellos in der einen oder andern Richtung gewirkt. Aber es ist bedeutsam, daß Börsenspekulation und Schutzzölle auch in der Periode der sinkenden Preise von 1873 bis 1895 ihre Wirkungen hätten ausüben müsse«, daß die Verschiedenheit der Ernleartssälle damals nicht minder vorhanden war wie gegenwärtig, daß steigende Arbeitslöhne keineswegs eine Erscheinung der letzten Jahre sind. All jene Faktoren kommen teilweise sür die einzelnen nationalen Volkswirtschaften in Betracht; sie können sekundären und vorübergehenden Einfluß ausüben. Wer sich aber auf diese Momente versteift, verkennt das Problem, nm das es sich handelt.....
Es müssen demnach allgemeine Momente fein, die sich durchsetzen. Sie müssen imstande sein, die vorhandenen starken E-gentendenzen, die der früher» Preisgestaltung den Stempel aüfgedrückt haben, zu paralysieren und su überkompenstere».....
Als solches allgemeines, d. h. in allen Kulturstaaten wirksames Moment nennt Eulenburg die Produktionskosten st eigerung der durch den allüberall gestiegenen Bedarf vergrößerten Produktion.
„. . . . Es gibt," schreibt er, „tatsächlich Momente di« unter diesen Umständen pre Weigernd wirken wüsten. Die Produktion arbeitet au sich unter verschiedenen Bedingungen und verschiedenen Kosten. Es ist darum immer die Frage, ab nicht gerade durch Ausdehnung über ein gewisses Maß die Grenze dec günstigen Produktion überschritten wud- Eine Ausdehnung der Produktion bedeutet im allgemeinen auch eine relative Erhöhung der Kosten. Düsir Satz kann wohl zeitweilig durch Technik, Organisation und Kapital ausgeschaltet werden. Und er ist es für große Strecken im Anfang der kapitalistischen Sleia- Aber er bleibt darum doch in Wirkfamke t. Der Preis richtet sich nach der Produktion, die unter den ungünstigsten Bedingungen arbeitet und die für die Bc' sriedigung des Bedarfs noch gerade notwenig ist. Wir nennen sie mit einer kurzen Bezeichnung die ,Grenz- ; kosten'. Müssen ungünstigere Produklions-
Ansland.
♦ Vom Eucharistischen Kongreß schreibt Oswald von Römstedt (Wien) in Nr. 218 des „Tag
Wien steht unter dem starken und nachwirkenden Eindruck des Eucharistischen Kongresses. DaS rst lerne Redensart, sondern allgemeines Empf ri^>e» der Freunde und Gegner der kirchenpolrtrschen Kundgebung, die in diesen Tagen der Stadt Wien ern be»> anderes Gepräge gab. Zahlreiche Massenveranstal-i tragen hat Wien schon gesehen, keine aber hat ba»j Bild dieser Stadt so sehr verändert. Tue Wiener (bienen in diesen Tagen in der Minorität zu fern.! Die Kirchenfürsten und die Prälaten, der mittlere un>. der niedere Klerus, Bürger und Bauern, die auS alle» Ecken und Enden der Monarchie nach Wien gekommen, waren, füllten die Straßen. lleberaC wehte Von den Giebeln der Häuser die päpstliche Fahne, und alle Fronten trugen weitz-gelben Schmuck. Das Organisationstalent der Kirche hat sich auch auf diesem Kongresse, an dem alle Mitglieder des Kaiserhauses, d,e gesamte österreichische Aristokratie, Minister und Generale teilnahmen, und dem zu Ehren selbst die großen ungarischen Manöver einen frühzeitigen Abschluß fanden, wieder einmal trefflich bewährt. «Wir verbinden mit dem Kongresse keine politischen Absichten, er»; klärte Kardinal Fürsterzbischof Nagl in der Eroffnungs- Versammlung. Die Wirkung deS Kongresses wir» aber sicherlich auch eine politische sein. Der Suggestion, die von ihm ausgeht, konnten sich bte Wiener nicht entziehen, und noch weniger die Von auswärt» Kommenden, die hören, wie der Papst und bie Kardinale das Kaiserhaus und Wien als den Brennpunkt der katholischen Welt feiern. Den Italienern, die in großen Scharen aus dem italienischen Südtirol, aus Triest und Görz zum Kongresse nach Wien wanderten, den Südslawen und den Ruthen en wurde hfl| diesen Tagen ein politischer Anschauungsunterricht etx teilt, den sie kaum mehr Vergessen werden. In Men- gen zogen sie, geführt Von ihren Priestern, in de» Burghof und stellten sich vor den Fenstern des Kaiser» auf. Und nicht selten geschah es, daß dort (tm strömenden Regen) einzelne Gruppen niederkmeten und ein Gebet für den Äaifer begannen; für den Monarchen, Von dem der Papst in dem an feinen Legaten, Kardinal Van Rossum, gerichtete Breve sagt: .Uneingeschränktes, höchstes Lob gebührt unserem heitzgelieb, teu Sohne Franz Joseph, dem Kaiser und Apostolischen König, der, wie er schon überaus eifrig auf die Pfleg« der Religion bedacht und uns so sehr ergeben ist, den Plan der Abhaltung dieses Kongresses Von Anfang an mit Huld umgab, und der die damit verbundenen Feierlichkeiten mit dem Glanze seiner Majestät zu veredeln strebt." Gewiß hat sich das offizielle Oesterreich um den Kongreß bemüht, aber wohl kaum erwar-, tet, daß er zu einer so großen Manifestation werde. @» ist aber begreiflich, daß die leitenden Kreise daraus politische Folgerungen ziehen, und in jenen Massen Stützpunkte suchen, die ihrem Rufe so zahlreich folgten.' Der Papst spricht vom „kath. Geiste, der in die Volks-, einrichtungen und in die gesamte Gliederung des Staa-, tes überströmen möge." An die politische Nutzanwendung dieser Worte werden jetzt viele denken und er», wägen, ob nicht ein großes polit. Kapital in Oesterreich bisher unbenutzt blieb. Solche Stimmungen werde» durch die Haltung gefördert und gestärkt, die nament-, lich die sozialdemokratische Partei gegen, den Kongreß einnimmt. Ihre Gehässigkeiten sollen da» zu dienen, das Gespenst der „Klerikalismus" zu bau-, neu, und erreichen natürlich das Gegenteil. Denn, mit einer solchen Taktik werden auch Politiker in das, Lager der am Wiener Kongreß Versammelten gedrängt, die nicht mit allen Begleiterscheinungen de» in Oesterreich immer mehr und mehr sich verstärkenden Zuges nach rechts einverstanden find.
* Nach den religiösen Orden die Bruderschaften. Kürzlich wurde gemeldet, daß die portugiesische Regierung auch den Tritten Orden unterdrücken wolle.
Die Aachener KaihoMeuversamm- lmrg über die Förderung der katholischen Presse.
Allen Katholiken kann man nur dringend die Ratschläge ans Herz legen, die zur Forderung der katholischen Presse die letzte Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Aachen gab unb bte der Wichtigkeit - halber noch einmal angeführt ftm ,OtrCln' Die Unterstützung der Reduktiv- n en der katholischen Zeitungen mit Nachrichten und Beiträgen, besonders solchen, welche den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Leserkreises jeder Zeitung entsprechen, wobei diejenigen der gewerblichen, industriellen und handelstrei- benden Volksteile in erhöhtem Maße zu berücksichtigen sind.
2. Allge meines Halt: netnerkatho- lischen Zeitung in jeder Familie und unermüdliches Eintreten für die Verbreitung der katholischen Zeitung und Gewinnung von Abonnen- .rn derselben durch eifrige und andauernde öffentliche und private Propaganda.
3. Zuwendung von Anzeigen und Reklamen an die katholischen Zeitungen mindestens in demselben Maße, wie an die Zeitungen anderer Richtungen.
4. Vermeidung des Haltens und jeg- acher direkten und indirekten Förderung der glaubens- und kirchen-, sowie der autoritäts- und staatsfeindlichen Zeitungen, auch wenn solche unter deut Deckmantel einer farblosen Zeitung oder mit der selten zutreffenden Bezeichnung als una b - hängige, unparteiische oder parteilose Zeitungen in die Erscheinung treten.
5. Beanspruchung einer der Gleichheit vor dem Gesetz und der Gleichheit gegenüber den Steuerlasten entsprechenden gleichen Behandlung der katholischen Zeitungen seitens brr staa 1 lichen und kommunalen Behörden hinsichtlich der Zuteilung von Anzeigen und allgemein interessierenden Nachrichten.
6. Fortgesetzte Aufklärung in lebet Vereins- und fonstigrn Versammlung von Katholiken über die Notwendigkeit der Unterstützung der katholischen Zeitungen, über den Charakter der verschiedenen, im besonderen Falle für die Versammlung in Betracht kommenden Zeitungen und über die vorstehend angegebenen und sonstigen Mittel und Wege zur Erteilung der Unterstützung.
7- Gründung katholischer Preßver- eine nach Düsseldorfer Muster, worüber Auskunft und Statut von Herrn Rechtsanwalt Bewernnge in Düsseldorf zu beziehen sind.
Werden diese praktischen Ratschläge von uns Katholiken getreulich befolgt und tatsächlich ausgesührt, dann werden wir schon in ein paar Jahren sehen, welch erfreulichen Aufschwung unsere Presse nimmt und dadurch zugleich an Macht und Einfluß gewinnt; treten wir aber nicht energisch sür unsere Presse ein, dann werden wir Katholiken den Lohn in den Kämpfen, die der Katholizismus gegen feine Gegner zu bestehen hat, empfindlich zu spüren bekommen. Darum Katholiken, fördert und unterstützt eure, die katholische Presse!
Im Sprechzimmer des Arztes.
Noveüette von Hans GieSbert.
(Nachdruck verboten)
Mit einem leisen Halsschmerz und dem Gefühle, schlecht geschlafen zu haben, wachte Klaus Görres, unbesoldeter Beigeordneter der wohllöblichen Handelsstadt T, auf und sah ängstlich nach Thermometer und Himmel.
Gottlob, Fieber hatte er nicht; das Fieberthermometer zeigte sogar einen überaus beruhigenden Stand, und eine Röte war auch mit dem Halsspiegel nicht zu entdecken. Der unbedeutende Schmerz verlor sich nach dem Gurgeln mit lauem Salzwasser. Aber die Aufregung war ihm auf die Nerven ge- fchlagen; der Puls ging wieder jagend. Klaus Görres zählte die Schläge: einundvierzig — zwei- undvierzia — dreiundvirrzig; wahrhaftige, wieder achtundachtzig in der Minute!
Mit der Sorge um das tägliche Brot brauchte der unbesoldete Beigeordnete sich nicht zu beschweren; dafür machte ei sich desto unnötigere Sorgen um seinen Gesundheitszustand. Die Angst vor Erkältungen war eine förmliche Manie bei ihm geworden; •eine plötzliche Wetteränderung war wie em Schicksalsschlag für ihn.
Tann war weiter bie Furcht vor einem Herzleiden ein aufregender Umstand in Klaus Görr:s', der Kunst, dem allgemeinen Wohle und einer b:» haglichen Selbstsucht gewidmeten Leben. Sein gu- ; ter Vater war an einem Herzschlage gestorben; frei- ■ lich im achtundsechzigsten Lebensjahre, und der Sohn zählte erst neununddreißig. Aber die Symptome zeigten sich bei ihm, die er in Fachschriften und dem Konversationslexikon aufgestöbert hat — vor allem das lästige und beängstigende Herzklopfen. Und Doktor Wollenhaupt nimmt die Sache leicht <— zu l ncht!
Jedenfalls muß er ihm heute unbedingt das Herz untersuchen. Ein wahres Wort lautet: Vorbeugen ijt besser als heilen.______ ... ■
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Zügen und tiefen R>ngen um die mattblickenden Augen. Und das blasse Kind auf ihrem Schoß mit den welken Gesichtchen — ein typisches Bild der rachitisch::- Krankheit, dann ein hagerer älterer Kann, ohne Zweifel ein Lungenkranker; das beweisen di- eingesunkene Brust, die Flügelschultern, der hohle, den ganzen Körper erschütternde Husten., Eine alte Frau mit Hauer Brille, in Auftreten und filtiuung die Spuren früherer besserer Tage zeigend-
Klaus Görres' Eintreten hat offenbar eine unter den Dreien geführte Unterhaltung unterbrochen Ein heftiger Hnstenansall des Akten veranlaßt die jüngere Fran wieder zu der Bemerkung: „Das sind ;etzt bie schlimmen Monate sür Sie, Meister! Wenn - endlich mal Frühling geworden ist und wen« der Sommer kommt, bann geht's mit Ihnen auch besser!"
„Ober es geht zu Ende. Das wäre mir noch liehet als das Jamm erleben, das ich jetzt führe. Wenn ich von der Krankenkasse noch einmal in beit; Schwarzwald oeschicU werde, dann habe ich Hass«, mtug. Das letztemal hat der Aufenthalt form! ich - Wunder an mir getan. Aber so herumzulungecn, sich selbst und seiner Familie zur Last; das ist schrecklich!"
„Wie können &-■> so reden, Meister? Als ob Sie Ihren Lenken zur Last wären! Ich pflege d.nh auch meinen kranken Mann jetzt schon an die fünf Jahre und hab' mich noch feinen Tag beschwert. Ich wollt' ihn auch pflegen bis ans selige End, weiß Gott, tote gern, wenn ich nur nicht das Leid mit der Kleinen hier hätte." Dabei streicht sie dem blassen Mädchen zärtlich übrr das greisenhafte ®e»; sichichen mti der vorgebanten Stirn.
„Hoben Sie denn keine Entschädigung von der Fabrik bekommen? Es toar doch ein Unglücksfall!''
„Nein. Sie toaren nicht dazu verpflichtet, weck das Unglück nach den Geschästsstunden geschah, to» mein Mann eigentlich nichts mehr in der Fabrck zu tun hatte. Von der Jnvaliditätskasse bekomme« tote etwas, das ist aber zum Leben und zum Sterbens
bewies das durch Vorlegung de- an b<t .Schlesisch« Bergwacht' gerichteten Schreibens. Die Staatsanwalt» schuft vernahm nunmehr den einen der biet Gesell» schuster der,Bergivacht'; dieser verweigert« fein« Aussuge. Die Stuutsunwultschust erhob dann Klag« gegen den Verleger und den Geschäftsführer. De« letztere erklärte, er lese die eingehenden Manuskript« nicht, sondern übergebe sie sofort dem Buchdrucker«tc faktor. Dieser Faktor wiederum erklärte seinerseits, «< lese auch di« Manuskripte nicht, sondern übe« gebe sie sofort den Setzern. Wenn das richtig ist, f« muß es in dieser Buchdruckerei seltsam zugehen. Daß sonderbare Verhältnisse dort herrschen, beweist auch bti Tatsache, daß das genannte sozialdemokratische Blatt vor einigen Monaten die Todesanzeige s« ine - eigenen Redakteurs veröffentlichte, obwohldiese« etwa zwei Stunden vor der Drucklegung des JBlatttl gesund und frisch am Ort« feiner Tätigkeit sich ausgehalten hatte.
►$< „Die Preissteigerung des letzten Jahrzehnts".
Heber das Anziehen der Preise in den letzten zehn Jahren Hai Prof. Tr. Eulenburg in der Gehestiftung zu Dresden einen Vortrag gehalten» der soeben im Druck erschienen und bei der augenblicklichen Erörterung der Fleischteuerung besonders aktuell ist. Hebdie nach den vorher jahrzehntelang fallenden, seit 1896 aber wieder steigenden Preise heißt es da (19 ff):
Bon 1899 au wird di« fallende Tendenz völlig überwunden. Wir erleben den zweiten Aufschwung der Preis« (der erste hat sich zwischen 1850 bis 1873 vollzogen. D. Red), für den noch kein Ende abzusehen ist. Wir tonnen deutlich den Beginn der, tuen Aufwäitsbewegung fest stellen: in Deutschland etwas früher, in den Bereinigten Staaten etwas später. Die Preissteigerung setzt relativ langsam und zögernd ein. Sie nimmt bann um die Jahrhundertwende fiältere Dimensionen an. . . . Man glaubte wohl anfangs, daß
Deutsches Reich.
* Freisinn, Getreide,öllr und Senchrnschntz. Auf dem Fest der Fortschrittlichen Volk-parlei in Idstein hielt der hessische Landlagsabg. Pfarrer Korell iNiedeiingelheimj die Hauptrebe, in bet er darzu» legen suchte, wie bet Liberalismus zur Lanbstadt und zum Dorf sich stellt und Nellen soll. Bezüglich der Getreidezölle und der Oeffnung bet Grenzen für Vieheinfuhr machte er habet nach bet .Kleinen Presse' folgende Ausführungen:
In abhebbarer Zeit kann in Deutschland nicht an eine Herabsetzung d er Zölle auf Getreide gedacht werden, weil eine solche Maßregel bis tn die kleinsten Betriebe hinein den bäuerlichen Kredit und und Besitz aus's schwerste erschüttern würde. Deshalb muffen wir eine gewaltsame Abkehr von den Bahnen, tue unsere Wirtschaftspolitik nun einmal eingeschlagen bat, zurnckweisen. Ebenso steht e4 mit dem Problem, dos uns gegenwärtig auf das schwerste bedrückt. Dem Ruf nach Oeffnung der Grenzen für die Bieheinfuhr muß hinzugesügt werden die selbstverständliche Forde« rung des Seuchenschutzes
Man wird gut tun, sich biefe Ausführungen ui Fukunft zu merken. Die letztere Forberung ist allerdings sehr allgemein gehalten. Im übrigen weiß man, daß Herr Korell schon öfters vor seinen ländlichen Hörern ganz andere Töne geredet hat, als man sie sonst vom Freisinn zu hören bekommt. Der Freisinn kann so, er kann aber auch anders.
»fg Auch ein katholisch-theologischer Mitarbeiter? Anscheinend hat nun auch die .Kölnische Zeitung' sich einen katholisch.tbeologischen Mitarbeiter gesichert. Aber einen wirklich wissenschaftlich Mo- dermn. Man lese nut seinen Bericht übet den Eucharistischen Kongreß in Nr. 1039. Dort steht u. a. wörtlich:
„Selbst die Anbetung des Allerheiligsten, gewissermaßen als des gegenwärtigen Gottes, ist schon zum Dogma erstarrt, und wer sie bekämpfen wollte, müßte der Verketzcrrag gewärtig sein.".....Bier Paar
Rippenhengste in Prunkgefchirr zogen den Wagen, unb darin knieten, die Monstranz anbetend, der päpstliche Legat Kardinal van Rossum und Kardinal Fürstbischof c Fürst er, bischof, bitte!) Nagl.' ...
Die .Kölnische Zeitung' behauptet, daß gewisse „Kongreßteilnehmer, die zu dem Durchschnitt ge« Hütten, keine blaffe Ahnung davon hatten, was die heilige Eucharistie sei, sich darum aber keine grauen Haare wachsen ließen". Zu diesen Kongreßteil, nehmern gehört, nach den angeführten Aeuße« tragen- zu urteilen, an allererster Stelle bet Berichterstatter der.Kölnischen Zeitung'.
** Wie es in einer sozialdewokralischen Druckerei zngkht. Das in Waldenburg i. Schles. erscheinende .Neue Tageblatt' macht folgende sehr interessante Mitteilungen über bie Zustände in dem sozialdemokratischen Zeilungsverlage .Schlesische Bergwacht' in Neu-Zalzbrunn:
In der Druckerei dieses Verlages war unmittelbar vor den Reichstags,vahleu ein Flugblatt gedruckt worden, das einen offenen Brief des ehemaligen Oberusststen tcn Gallasch an den Generalbevollmächtigten tes Fürsten von Pleß enthielt. Das Flugblatt war mit dem Namen des Herrn Gallasch unterzeichnet. Bei der einaeleileten Klage betritt der genannte Herr aber, daß dis beleidigenden Stellen von ihm herrühiien, und
Mit Appetit verspeist er die streng nach den Ratschlägen des Arztes gehaltene Mahlzeit. Aber die Eier sind wieder zu hart geraten, unb Frau Böhme weiß doch, daß harte Eier seiner Verdauung nachteilig sind.
Frau Böhms entschuldigt sich; aber das macht die Tatsache nicht ungeschehen. Die Eier sind für ihn ungenießbar, das Frühstück ist verspätet, weil neue Eier zubereitet werden müssen; die Stimmung ist ihm verdorben, und außerdem kann er den gewohnten Morgenspaziergang nun nicht bis zum Schloßbrunnen ausdehnen. Gerade oie Steigung vor der Anlage ist ihm aber wegen seiner Anlage zur Fettleibigkeit so nötig! Alle diese Aufregungen, diese beständigen Störungen schade» seinem Nervensystem und dem leicht erregbaren Herzen.
Wie es wieder klopft! Klaus Görres sieht auf den Minutenzeiger der kostbaren Glashütter Uhr — bet Puls jagt ja wie wahnsinnig: Wahrhaftig, er setzt aus . . .!
Tr. Wollcnhaupt ist um diese Zeit schon auf Praxis. Görres muß sich also gedulden bis um zehn; dann wird der Arzt toi: alltäglich deut Herrn Beigeordneten seinen Besuch machen; denn um elf hat dieser Sitzung im Rathaus.
„Was? Schon zehn Uhr fünf und der Doktor noch nicht da?" Erregt geht der Würdenträger in seinem Zimmer auf und ab. Zehn Uhr zehn! Es läutet draußen! Endlich! Er geht ungeduldig dem Arzte entgegen. . .