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Hetailenabte« «. Verlag der gulöaef actitnbtHdtrei L$ulb< Zernfprecher llr. »
39. Jahrgang.
Fulda, Mittwoch den 25. September 1912.
Erstes Blatt
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Ausland.
*♦ Eröffnung der Delegationen.
Bei dem feierlichen Empfang der Delegationen der Hofburg antwortete der Kaiser Franz Joseph auf die Hutdigungsansprachrn der beiden Deieantionspräsidenten u. a.:
rechte Lebensbedingungen der Nationalitäten zu ^Seit ich zuletzt die Ehre hatte, von dieser Stelle aus zu sprechen, hatte ich, wie Sie wissen. Gelegen- heil gehabt, mit den maßgebenden Staatsmännern des D'e utschen Reiches in Berlin zu tonserreren, und konnte hierbei die neuerliche Bestätigung für dre Uebereinstimmung der letzten Ziele der beiden Kabinette finden. Ebenso hat der anläßlich des Besuches Herrn v. Bethmann-Hollwegs in Buchlau mit demselben gepflogene Meinungsaustausch die volle Uebereinstimmung der Anschauungen, namentlich in Bezug auf die im nahen Orient zur Richtlinie beider Verbündeten dienenden konservativen Prinzipien er- geben. Im nächsten Moitat wird mir Gelegenheit geboten sein, mich Seiner Majestät dem König Viktor Emanuel vorzustellen und mit dem Marche^ bt San Guilano Meinungsaustausch zu pflegen. Die auswärtige Lage ist trotz der Uebereinstimmung der Kabinette der Großmächte in ihrem Bestreben, den Frieden, zu erhalten, keineswegs b'eruhigen- der Natur. Ein fortdauerndes Wetterleuchten am Balkan gibt von einer erhöhten elektrischen Spannung der politischen Atmosphäre Zeugnis, ohne das Dunkel ungelöster Probleme aufhcllen zu können. Die Diplomatie hält Wacht, um drohende Konflikte zu verhüten und die Gefahren eines Balkan-Brandes im Keime zu ersticken. Wir sind dank unserer geographischen Position dem heißen Boden nahegerückt, und große Interessen bei Monarchie stehen auf dem Spiele. Nur wenn wir zu Lande und auf der See gerüstet sind, kön- nen wir der Zukunft ruhigen Mutes entgegensehen.
Die Darlegungen des Ministers erregten bei den ungarischen Delegierten wegen der düster» Fassung der Schlußbetrachtungen lebhaftes Aufsehen. Man verweist darauf, daß dieser Ton keineswegs den Zweck haben könne, die Delegation auf Mehrforderungen vorzubereite«, da dies angesichts dessen, daß neue Lasten erst im zweitnächsten Budget er- scheinen werden, verfrüht wäre, somit mußte der Minister tatsächlich als ernst ansehe«.
dieser Lage sei, wie mehrere Delegierte erklären, die von dem Minister bekannte Ei: heit der Groß-
Die Skandalszerren im Preußischen Abgeordnetenhaus vor Gericht.
p Berlin, 24. Sept. 1912.
Die Verhandlungen gegen die der sozialdemokratischen Partei angehörenden Landtagsmitgueder Borchardt und Letnert nahmen am Dienstag vor- mittag Wh Uhr ihren Fo-1ga> g. Wieder war ba Andrang zum Berhandlungslaal enorm. Die Angeklagten Borchardt und Lemert waren beide wieder pünktlich ur Stelle und benehmen sich höflich und gedilvet. H. är> ihr Ton «nd ihr Betragen im preusw scheu «dgeoidnetenhaufe ebenso gewesen wie Mer, f< stünden sie jetzt nicht vor dem Strafrichter und Vit bedauerlichen Szenen wäre» unserem Parlamente erspart «blieben.
Nach Eröffnung der Berhandlung erhält der dritte Verteidiger der Angeklagte«, Rechtsanwalt und Reichs» tagsada. Heine da« Wort. Er tritt der Auffassung seiner M'lvertewiger vom gestrige« Tage bei, daß der Gedank» wonach da« Parlament da« Recht hätte, sein« Mitglieder auszufchlteße», tn der Verfassung auch nicht zum Ausdruck komme. Namen« der Berteidigung «verreichte dann Rechtsanwalt Hetaeman« dem Gerichtshöfe einen Antrag, wort» eriuchtdm Vizepräsidenten de« «dgeordneienhause«, Dr. Porfch, darüber zu vernehmen, ob ef richtig fei, daß der »er»
Stthr. *. Erika ihm aegenüver «man
♦♦ Berlin, 24. Sept. 1912. Die Internationale Seerecht-Konferenz, die im Herbst tagen sollte und an der das Deutsche Reich auch Heiligt ist. ist verschoben worden. Sie soll im Frühjahr 1913 in Brüssel stattfinden.
♦♦ Neue Erhebung über Bodenbenutzung beabsichtigt die Reichsregieruug für das Jahr 1913 vorzunehmen. Mt Rücksicht auf den Ablauf der Han- delsverträgr, der in einigen Jahren bevorsteht, hat sich die Beschaffung entsprechenden statistischen Materials für die in Aussicht stehenden Zoll- und handelspolitischen Maßnahmen als nötig erwiesen. _ Es handelt sich bei diesen Ermittelungen darum, über den Anbau zahlreicher Fruchtarten für sämtliche Kreise genauen Aufschluß zu bieten. Außer diesem Hauptzweck, den die Ermittelungen verfolgen, wird gleichzeitig eine andere Aufgabe erfüllt. Dir Ergeb- uisie werden nämlich auch eine wertvolle Grundlage für besondere Maßnahmen auf dem Gebiete des Eisenbahnlariswesens bilden.
* ,3m Znlenff« des Dienstes.* Hebet eine geradezu unglaubliche Maßregelung berichtet die .Lothringer Bolksstimm?. Der wissenschaftliche Hilfslehrer Dr. Stabil er an der Oberrealichule in Fordach in Lothringen ist vor einigen Wochen vom Oberschulrat in Straßburg auS dem Schuldienst entlassen worden, weil er m öffentlichen Versammlungen für da« Zentrum eingetreten ist. Zwar ist es in Lochringen schon oft vorgekommen, daß Volksschuüehrer, deren Führung tadellos und deren Leistungen von allen Seilen anerkannt worden waren, plötzlich ,im Interest- des Dienstes* versetzt wurden, weil str im katholischen Volksverein eine Rede gehalten oder das Präsidium in einer Versammlung de« Vereins geführt halten, aber einfach auf Entlassung eines Mannes auS dem Schuldienste zu erkennen, weil er in Zentrum-oer- fammlnngen aufgetreten ist, ba« ist em Borkomm- nie, da« nur m Elsaß-Lothringen möglich ist. Dazu nun folgende« von der Lothringer Volksstimme' mitgetrUte« Gegenstück:
Der Mittelschullehrer Thiel von 6t Avold ist während bet Landtags»ihle« tn Dutzenden von «ttfeemlunge» al« Redner gegen die Zen- trtmripartri ano ihren Kandidaten aufgetreten, oft Schulter an Schalter mit sozialdemokratischen Agitatoren, und mir haben tri» Wort davon gehört, daß ihm auch nur da« Geringste geschehen ist. Noch während der letzten Kampagne der Reichslagsersatzwahl im Kreise Schlettstadk hat mindestens ein halbes Dutzend liberaler Lehrer lömeuuräbig, wem« auch oh» Erfolg, für tu* forrfchrittttch« Ranbibatat getihnpft «d wir
Die Ueberführung btt Leiche nach dem Fannlten- gut Schloß Neuershausen bei Freiburg smdri m oer Nacht zum Mittwoch, die Beisetzung voraussichtlich am Donnerstag statt.
Das Beileid der Regienmg. Die ,Rordd. Allg. ^'-^i^-rschütternde Trauerkund« kommt »neiw-riet Durch den Heimgang des hochbegabten Etaa^^ne« sieht sich b£ deutsche Diplomatie eines ihrer besten Vertreter in emem Zenpuntt beraubt, da auf feine weitere Wirksamkeit Vertrauen und Hoffnung aesetzt werden konnte. Als badischer Gesandter in Berlin und in aufreibender Arbeit al8 Staatssekretär d«s Auswärtigen Amtes (1890-1897) hat Freiherr von Marschall sich selber zu einer Beherrschung des ihm ursprünglich sremden diplomatischen Geschäfts heran- gebilbet, die ihm dann eine glänzende Botschafterlaufdahn ermöglichte. Ein halbes Menschenalter hindurch sind die wichtigen Interessen deS Reiches in Konstantinopel unter wechselnden Verhältnissen und oft recht schwierigen Umständen von ihm mit vorbildlichem Geschick vertreten worden. AIS im Mal diese« Jahres das Vertrauen des Kaisers den Freiherrn v. Marchall auf den verantwortungsvollen Posten deS deutschen Botschafters in London berief, griff er btt neue ernst» Aufgabe mit Freudigkeit an. Wir dürfen glauben, daß es seiner Klugheit und Beharrlichkeit gelungen fein würde, auch in der Entwickelung der deutsch- englischen Beziehungen für Kaiser und Reich Gutes zu wirken, und können es nicht genug beklagen, daß er so bald nach dem Beginn der amtlichen Tättgkeit in London dem auswärtigen Dienst ent» rissen worden ist. Sein Andenken wird ehrenvoll fort» leben mit der Nachwirkung einer starken charaktervollen Persönlichkeit.
Englands Teilnahme. Aus London wird gemeldet: Die Nachricht von dem so unerwartet plötzlichen Tode des Freiherrn von Marschall rief in den Londoner diplomatischen und Regierungskreisen außerordentlich lebhaftes Bedauern hervor. Der deutsche Botschafter Batte es verstanden, in der kurzen Zeit feiner Amtswaltung sich allgemeine Hochachtung feiens der maßgebenden englischen Persönlichkeiten zu verschaffen und durch sein zurückhaltendes Austreten den etwas unliebsamen Eindruck zu verwischen, welchen die unerwünschte Reklame englischer Blatter .bei seiner Hierherkunst mit oder ohne Absicht hervorgerufen hatte. In den englischen Regierungskreisen hatte man sich von seinem ausrichtigen Willen, die srnlndschastlichen Beziehungen zwischen Deutschland und England zu sördern, überzeugt, und bedauert daher lebhaft, daß das von dem genialen Diplomaten begonnene Werk so jäh durch den Tod unterbrochen würde.
Deutscher Reich.
+ Utber Maßnahmen gegen die Fleischtenerung finden zur Zeit im Reichsamt des Innern Konferenzen statt. Sie haben schon bei der Rück» kehr de« Reichskanzler» ihren Anfang genommen und sollen solange fortgesetzt werden, bis eine Hebet» einstimmung über die zu ergreifenden Schritte erzielt ist. An den Besprechungen nehmen Delegierte des preußischen Lanbwirtschastsministeriu nS, des preuß. Finanzministerium« und des Reichsgesundheiriamts teil. Die Besprechungen drehen fick hauptsächlich um bi« Einführung des Gefrierfleisches und um die Entscheidung darüber, ob eine Abschwächung der hiersür geltenden Bestimmungen möglich ist.
Unsere Beziehungen zu allen Mächten tragen fortdauernd einen durchweg freundlichen Charakter. Gestützt auf unser enge« und durch viele Jahre bewährtes Bündnis mit dem Deutschen Reiche und mit Italien wird unsere auswärtige Politik nach tote vor von dem Bestreben geleitet, bei Wahrung bet Interessen her Monarchie zur Erhaltung de« Frieden« beigntragen. Mit aufrichtiger Sympathie verfolgen totr die Bemühungen italienischer und türkischer Staatsmänner, im Wege einer gerechten, unverbindlichen Aussprache, eine für beide Teile ehrenvolle Friedensbasis zu finden. Der Kaiser erwähnte sodann den von der Regierung angeregten Meinungsaustausch, der den einmütigen Wunsch aller Beteiligten ergeben habe, die Ruhe und den Status guo auf dem Balkan erhalten zu sehen, berührte den Ausbau der Armee und Marine und schloß mit dem Wunsch eine« gedeihlichen Erfolge« bet Delegation«- arbeit.
Im Ausschüsse für Auswärtige Angelegenheiten ö«t Ungarischen Delegation gab Graf Betchtold eine Darlegung über die auswärtige Lage, üt dem er auf die italienisch-türkischen Friedens- Verhandlungen hinwies, auf die innere Krise in bet TÄckei und bann auf ben von ihm angeregten Ge- dankenaustausch der Mächte zu sprech« tarn. 6c fügte u. a.:
Die wenitz befriedigten Zustände in ben Provinzen bet europäischen Türkei sind nicht ohne bedenkliche gtüdtoirfungen in den benachbarten Ländern geblieben und haben die leitenden Persönlichkeiten daselbst bst eine schwierige Aufgabe gestellt. Wrr möchten die Er» Wartung ausfprecherr, daß die Türkei ben Ernst bet Situation nicht verkennen unb ben Weg finden
, 2er Tod des Frhrn Marschall von Bieberstein.
Der plötzliche, überraschende Tod des deutschen 1 Botschafters in London, Freiherrn Marschall von Bieberstein, hat in ganz Deutschland aufrichtige Trauer hervorgerufen.
Freiherr v. Marschall war schon bei seinem Eintreffen in Badenweiler leidend. Er hatte, wie alljährlich, ben grüßten Teil seines Urlaubs auf seinem Gute Neuershausen verbracht und sich zur Nachkur nach Badenweiler begeben. Seit acht Tagen wußte er das Bett hüten. Eine Erkältung hatte feinen durch Arbeitsüberlastung erschütterten Gesun • heitszu'tonü so verschlechtert, daß er,m Bette vie ben mußte. In Gegenwart seiner Frau und Tocht-r, seiner beiden jüngeren Söhne, sowie ^^handelnden Arztes, verstarb er gestern morgen kurz nach 4 Uhr Ün des Frhrn. Marschall v. Bieber
stein hat unsere Diplomatie, die mH hervorragenden Kräften nicht übermäßig gesegnet ist, ihr angesehenstes Mitglied verloren. Sern Ruhm als Diplomat ist nicht auf Deutschland beschränkt geblieben, man darf sag:», daß er europäischen und außereuropäischen Klang hatte.
Frhr. v. Marschall war nahezu 70 Jahre alt; den Zusammenbruch der reckenhaften Gestalt hatte aber noch niemand erwartet. Um so weniger, als Frhr. v. Marschall noch vor vier Monaten sich zur Wanderung von Konstantinopel nach London, zur Uebernahme einet neuen großen, überaus schwierigen Aufgabe hatte bereit finden lassen. Seine Ernennung zum Botschafter beim englischen Hose wurde in Deutschland von allen Parteien und Gruppen mit außerordentlich großen Hoffnungen, von der ganzen übrigen Welt mit einer sehr respektablen Spannung begrüßt. Bei den obwaltenden Verhältnissen Ware eS auch für eine Bismarck'sche Kraft und Kunst furchtbar schwer geworden, die Erwartungen bezüglich der englisch-deutschen Annäherung zu befriedigen. Frhr. v. Marschall aber sollte über bie Vorstudien und die ersten Formalitäten nicht binauSkommen. Als er sich zur Arbeit anschickte, traf ihn der Tod.
Ein tragisches Geschickl Frhr. v. Marschall war in seinem Leben von überraschenden Schicksalsschlägen schon öfter betroffen worden. Im Jahre 1890 war er mit großem Mut tn die Bresche gesprungen, als nach dem Abgänge Bismarcks kein anderer Diplomat das Auswärtige Amt übernehmen wollte. Trotz allen Irrungen und Wirrungen der Aera Caprivi bewährte sich sein hochpolitisches Talent. Auch Fürst Hohenlohe behielt ihn als Leiter der auStoarttgen Politik, und es ging noch drei Jahre recht gut, — bis dunkle Intrigen den Frhrn. v. Marschall zur „Flucht in die Oeffentlichkeit" nötigten und die Nachwirkungen des Leckert-Lützow- Lauschprozesscs sein Entlaffungsgesuch zeitigten.
Nach der unverdienten Niederlage ging Frhr. v. Marschall nicht in den Ruhestand oder gax in die Opposition, sondern übernahm den Botschafterposten in K ■) n ft a n t i n o b e l. Dort wußte er sich eilte überragende Stellung zu verfchaffen. Die geschickte Behandlung des Sultans Abdul Hamid und seiner Minister schaffte für Deutschland große politische und wirtschaftliche Vorteile. Da kam plötzlich die türkische Revolution. Abdul Hamid wurde erst lahm gelegt und dann abgesetzt. Die Stellung und die Interessen Deutschlands im nahen Orient schienen verdorben und verloren zu sein, da die herrschenden Jungtürken vom Geiste der Westmächkr erfüllt waren und die Fremrde ihres versloffenen Selbstherrschers haßten.
Aber Frhr. v. Marschall wußte auch diesen Schicksalsschlag zu parieren. Es war ein diplomatisches Meisterstück, daß er auch bei den neuen Machthabern Respekt und Vertrauen für seine Person und sein Vaterland zu gewinnen wußte. Aber als er die Schwierigkeiten dieser ersten Umwälzung kaum überwunden hatte, da brach die jungtürkische Herrschaft zusammen und ei setzte jener gründliche System- ’-’-'difel ein, dessen geistiger Häuptling der Engin d f r e u n d Kiamil ist. Frhr. v. Marschall hätte die Sisiphus-Arbert zu Gunsten des deutschen Prestiges in Konstantinopel noch einmal beginnen tnuffen.
Da kam nun die Berufung nach London dazwischen. Was den Frhrn. v. Marschall zur Annahme des neuen Postens bestimmt hat, ist nicht ganz klar gestellt. Ob er dem dringenden Wunsche des Kaisers und des Reichskanzlers nachgegeben hat, ob er von der Hoffnung geleitet wurde, in London wirklich etwa« wertvolle« schaffen zu könnrn, ob er unter ben eigenartigen türkischen Verhältnissen einen Wechsel auf dem ©tambuler Botfchastsposten für ttveckmäßig erachtet, ob persönliche Momente mit tn Betracht kommen, — das wird sich wohl erst tn Zukunft ergeben, wenn die Akte« historisch geworden sind.
Der Versuch, die englisch-deutschen Beziehungen durch dir Wirksamkeit des tüchtigsten und angesehensten deutsche« Diplomaten auftubef« fern, ist nun durch die Hand des Todes im Keime erstickt worden. Das muß auch derjenige bedauern, der auf einett schnellen und durchschlagenden Erfolg der Persönlichen Geschicklichkeit nicht zu haften wagte. Deutschland hat gerade aus dem Gebiete, wo.eS der erfahrenen, bewährten und imponierenden Hilfskräftr dringend bedarf, einen schweren Verlust ^ten^Es gilt, die Lücke zu schließen, so gut es eben gebt. Der Ausfall dieser tüchtigen Kraft muß bei ajku guten Deutschen daS Patrwtifche Gewiffen scharfen und zur Unterstützung der auS- * a 1 e n Po litik ihres Vaterlandes anfeuern. Die rechte Untefttutzung ist nicht die Nörgelei und die Schulmeisteret, m der manche Eiferer sich gefallen, fordern der vorurteilslose, treue unb je« gebeuenfalls oPserwillige Anschluß an die Bestrebungen, welche tue berufenen Stellen «rr Wach- rung des deutschen Ansehen«, der deutschen Jnter- rflen tn der Welt unternehmen.
Wenigstens auf dem hoch po litt sch r« Gr- -iete muß die Sammlungsparole gektrn.
Mächte tröstlich.
* Sjasonow in London. Der englische Staatssekretär deS Aeußern, Grey, begann am Montag bie offiziellen Besprechungen mit dem russischen Minister deS Aeußern, Ssasonow. Dienstag wurden die Besprechungen fortgesetst. Beide Seiten bewahre» das ftrenafte Stillsckweiocu.
** China wehrt sich. China hat die sogenannte Sechsmächtegruppe schnöde abfallen lasten. Der Gruppe, die von der Diplomatie nachdrücklich unterstützt wurde, gehörten Banken Englands, Rußlands, Frankreichs, Drutschlands, Japans und Amerika» an. Sie wollten dem chinesischen Staate Geld leihen unter Bedingungen, die von den Chinesen als unanrrehmbar erklärt wurden. Besonders war es die fiemde Finanzkontrolle, gegen die China sich sträubte. Tie Sechsmächtegruppe meinte, China werde ihre Bedingungen annehmeu müsten oder zu Grunde gehen, doch erwies sich China erstaunlich zähe und trug schlichlich de» Sieg üher die Gruppe davon, indem es zu deren unangenehmer Ueber- raschung von einer anderen Seite her eine Anleihe erlangte. Der finanzielle Erfolg mag in erster Linie dazu beitragen, daß China sich auch politisch zu wehren beginnt. Vorläufig gegen die Russen in der Mongolei und Mandschurei sowie gegen die Engländer in Tibet und Birma. Aus Peking wird gemeldet:
Der neue SJlintfter des Auswärtig en und Präsident Juanjchikai beschlossen, energische Schritte bezüglich ver Mongolei unb Tibet zu unternehmen. Dn Regierung will auf daS strengst« gegen den heimlichen Einmarsch einer rusfifchen Abteilung tn die Mongolei prmcstieren, bie Grenzgarnison tn der Station Mand- schuria bebeutenb verstärken und die Gouverneure bet Mandschurei amoelfen, die Zahl der in der Mandschurei befindlichen ruMschen Truppen genau feftzu» stellen. Bezüglich der Grenze von Tibet und Birma schlägt die Regierung vor, stärksten Protest gegen die dauernd« Beietzung drs streitigen Brenzbe, rkes fettens ver Engländer einzulegen, and) bent BizelSntg von Indien von den vorgelommentn Verletzungen des Ver» träges fettens britischer Untertanen Mitteilung ju mache», die Waffen über bie indische Grenze nach Tibet schäften.
Chinas Auftreten, dem Selbstbewußtsein nicht abzusprechen ist, mag eine Warnung vor Unterschätzung der Lebens- unb Verteidigungskraft der chinesische» Staates fein.
** Die Revolution m Nikaragua scheint zusammen« gebrochen zu fein; der Rebellengeneral Ule na befindet sich auf der Flucht.
Das Metzer Blatt teilt ferner mit, daß Dr. Stabiler ein ebenso intelligenter wie fleißiger und berufsfreudiger Lehrer ist und daß die Schüler mit Liede an ihm hingen. Die Tatsache seiner Maßregelung sei der Redaktion schon längst zur Kenntnis ge- kommen, sie habe aber Abstand genommen, sie zu besprechen, ba man erwartet habe, es werde Remedur erfolgen. Das sei nicht geschehen und es scheine vorderhand an zuständiger Stelle auch keine Geneigtheit dazu vorhanden zu sein. Da nun die Sache doch einmal in die Oeffentlichkeit gekommen sei, habe man keine Veranlassung, länger Stillschweigen zu bewahren. Bian sollte meinen, der Oberschulrat könne die Maßregelnng unmöglich aufrecht erhalten, denn dann müßte er konsequent die gerade in den Reichslanden sehr zahlreichen in liberalem und sozialdemokratifchem Sinne politisierenden und agitierenden Lehrpersonen maßregeln, und das dürfte ihm doch wenig zusagen. Oder gibt e8 in Elsaß-Lothringen für Lehrer und Oberlehrer, die für die Großblockmusik kein Verständnis haben, Aus- nabmegesetze?
X Keine sozialdemokratischen Stadträte. An Stelle der viermal gewählten, aber viermal nicht bestätigten fozialdemokratischen Stadträte in Gera ernannte die Staatsregierung Hofuhrmacher Hartig und Kaufmann Vogel, die beide bürgerlich sind, zu Stadträten.
* Paderborn, 24. Sept. 1912. In einer großen Zeutrumswählerversammlung wurde int Anschluß an eine Rede des Oberlandesgerichtsrcris Marx (Düstrldorf) nach dem Referat des Voftitzendcn, Rechtsanwalt Auffenberg, '»ine Reolution vorgeschlagen und beschlossen, in der es heißt:
Die Zentrumsversammlung verurteilt einstimmig aufs schärffte daS trotz aller bereits gemachten Vorstellungen noch immer bestehende Jesuitengesetz, das als ein Ausnahmegesetz schlimmster Art gegen eine ganze Klasse hervorragender deutscher Söhne ange» sehen werden mutz. Die Entrüstung ist um so stärker, als Bestrebungen im Gange sind, dem Gesetze, statt einer Milderung die ganze Schärfe in der praktischen Durchführung unb Auslegung wiederzugeben, wie sie nur zu Zeiten des bittersten Kulturkampfes denkbar und möglich erscheint. Die Katholiken Paderborn? betrachten das Gesetz als eine tiefe Kränkung der gefönt» ten deutfchen Katholiken, sie verlangen deshalb mit allem Nachdruck, insbesondere im Interesse des kon» fessionellen Friedens, die Aufhebung deS Jesuiten- gesehes.
* München, 24. Sept. 1912. In dem oberbayerischen Landtagswahlkreis Ebersberg-Haag wurde bei der heutigen Nachwahl für den verstorbenen Zentrumsabg. Wagner der Zentrumskandidat Posthalter Gr eiß l mit 2996 Stimmen gegen 2307, die auf den bauernbündlerischen Kandidaten ©tauberer fielen, gewählt.
o" München, 24. Sept. 1912. Der Finanzausschuß des bayerischen Abgeordnetenhauses hat den prcußisch-süddmrtschen Lotterievertrag, wie vorauszusehen war, mit allen Stimmen gegen die der drei sozialdemokratischen Mitglieder des Aus- fchusirs angenommen. Die Gegner fabulieren fetzt von einem Untfall wegen der Haltung des Zentrums in dieser Angelegenheit. Daß das ein tendenziöser Schwindel ist, erscheint so leicht zu begreifen. daß es auch den Gegnern nicht gut verborgen bleiben kann. Wie liegt denn die Sache? Das Zen- trum war mit wenigen Ausnahmen im Prinzip f ü r die Lotterie, weil nun einmal überall Lotterien bestehen und weil, wenn Bayern eine Lotterie nicht hätte, doch gespielt würde und den Gewinn andere Staaten einstreichen würden. Streiten könnte man darüber, ob eine eigene bayerische Lotterie oder der Vertrag mit Preußen eingxführt werden sollte Reichsratskammer und Regierung lehnten eine eigene Lotterie durchaus ab, da kam nur mehr eine Möglichkeit in Betracht: der Anschluß an die preußisch-süddeutsche Klasscnlotterie. Außerdem kam in Betracht, daß eine Aufbesierung der Staatsardeiter nur bann aussichtsvoll ist, wenn auf den Ertrag einer Lotterie gerechnet werden kann.