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mrota« »en 2ä. September 1912.
39. Jahrgang.
* fuldacr ■
Zeitung
2. Blatt.
vrnck mi> vertag Vti Fuldaer XctiteWutoel t*
malige Entschädigung b’iauft sich auf die Gesamtkoftcn betragen 75 000 Mk.
steht die Gefahr, daß die Sozialdemokratie sich ihrerseits bemühen wird, auf ihre Seite stehende Arbeit-
Amt Geisa und Umgebung
verband zusainmenzuschlietzen.
Denn es läßt
sich nicht bestreiten, daß dem „Zentralverband von ' gebrannte Scheune auf Konigshof bei einem Dieb- | Ortskrankenkassen im Deutschen Reich" wegen sei- ■ i^ahl in Braud gesteckt haben.
ner sozialistischen, radikalen Leitung das Vertrauen . * Corbach, 21. Sept. 1912. Zwischen den Bahn-
Ans Gberhesien u. Öen hesi. Aemtern
Aus dem Uachbargebrete.
sb. Alsfeld, 22. Sept. 1912. Von den bei bet Vergebung der Arbeiten für den Bahnbau Niederaula.Alsfeld mit der Abzweigung nach Schlitz beteiligten Nnternehmer haben folgende den
* Frankenberg, 22. Sept. 1912. Zur Geflü- gelausstellung sind bereits 60 Preise gestiftet worden, doch hofft man, daß noch eine Anzahl dazu kommen wird, um recht viele Tiere mit Geldbeträgen präiuiieren zu können. — Als Ort für das von Dillenburg zu verlegende Landgestüt wird seit einiger Znt auch der Hof W o l k e r s d or f im Kreise Frankenberg genannt.
* Tiefenort, 22. Sept. 1912. Man beabsichtigt, der geplanten achtklassigen Volksschule ein Volks- bad anzuglicdern, was vom hygienischen Standpunkt sehr zu begrüßen wäre.
nutzt
Bei dieser Gelegenheit wäre vielleicht auch zu erwägen, ob es nicht möglich wäre, diejenigen Krankenkassen, die sich bisher von sozialdemokratischer Bevormundung fernzuhalten gewußt haben, in einem besondern neutralen Krankenkassen-
5 eine Versammlung ab. Herr Verbandsvorsihender Moll e r - Empfertshausen sprach über die Rechts- läge , des Verbandes zur Zuchtstation, über Renta- bilitöt derselben und über Rechte und Pflichten der Verbandsmitglieder
Jahre 1900—1912. Es war ein ganz ungewohntes Ereignis, als neulich nach zwölfjähriger Zwischenzeit, in unserer Filialkirche St. Peter und Paul wieder ein Brautpaar zuin Traualtar schritt.
türlichern Formen der Jugendpflege erwünscht.
* Vom Rhcingan, 22. Sept. 1912. Die Gemeinden , Geisenheim, Johannisberg und Winkel beab-
: Roggen, den die Spitzbuben für 65 Mk. verkauft i batten, beschlagnolunt worden. Auch hat man sie i \tm Verdacht, daß sie die vor einigen Wochen nieder- 1
Tarlehn von ROO 000 Mk aufzunehmen.
* Vom Eichsselde, 21. Sept. 1912. Eine große Seltenheit ist cs wohl, wenn in einem Dorfe 12 Jahre keine Hochzeit ist. Dies gilt von der
jm ganzen hat die
- - eine Einnahme
bon ca. o800 Mk. gebracht. Hiervon entfallen allein auf die Anlage auf Bichmannshausen etwa 1600 Mark.
== Geisa, 21. Sept. 1912. Sichern: Vernehmen nach wird das Gasthaus Z u r Krone" vom 1. Januar 1913 ab an Herrn Mehaermeister Ziegler übergehen, der Wirtschaft und Metzgerei weitrrfüh- ren wird. Tie „Krone" ist das einzige Lokal in
Zuschlag erhalten, für LoS 2 (Gemarkung Breiten- dach, Hatterode) H. Weimer.Gl.ßen, für LoS 3, (Gemarkung Wallersdorf, Grebenau) R. Zippe-Kasiel, tÖS^°L10, (Gemarkung Unterwegfurth, Oberweg. urth, Rimbach) Jo Hs. Deist-Hersseld, für Los 11, (Gemarkung O-ueck, Sandlofs, Hutzdorf, Schlitz C. Salvadori-Kupferdreh (Ruhr). Dre Firmen sind beawlragt, mit den Arbeiten bereits am 1. Oktober ^'.Oktober d. Js. zu beginnen. Bei der Sub- Mission auf Los 4, (Gemarkung Eulersdorf und -schwarz) waren 23 Angebote eingegangen, von weichen das Höchuangedot 503230,30 Mark und das niedrigste 286157,80 Mark betrug. Der Mittelwert beliägt 425'000 Mark.
* Bad Orb, 21. Sept. 1912. Die Stadtverord-
saßt und $2 rtrümmert D. und sein mit- fahrendrr jugendlicher Knecht wurden vom Wagen geschleudert. Während D. mit leichteren Verletzungen davonkani, fiel der Knecht unter die Räder des Zuges, die ihm ein Bein abtrennten. Außerdem erlitt er schwere Kopfverletziingen.
* Aus Thüringen, 22. Sept. 1912. In der Slad'- verordnetenversammlung in Gotha teilte Oberbürger, meister Liebetrau mit, daß das StaalSministerium üch bereit erklärt babe, den Einfuhrzoll und die Fracht auf die Staatskasse zu übernehmen, falls die städtische Verwaltung ausländisches Fleisch oder Gefrierfleisch zur Abgabe an die Minderbe. nnttelten beziehe wolle. Der Stadtrat ist darai's. .;tn mit der Fleischerinnnng in Unterhandlung ge-
* Eisenach, 22. Sept. 1912. An den Folgen einer Blutvergiftung starb heute nacht der Bezirksbrandmeister des 3. Verwaltungsbezirks, Kluge. Er wurde vor mehreren Wochen nachts, als er bei osfe- nenr Fenster schlief, von einer Fliege gestochen, wobei er eine Blutvergiftung erlitt, die ein langes,
* Arbeitgeber nuD Reichsver- ficherungsorSnung.
Wos dre Selbswerwaltung in unserer sozialen Versicherung, speziell die Krankenversicherung ande- langt, so konnte mau bisher vielfach die Beobachtung machen, daß die Arbeitgeber sich von der Mitarbeit in derselben zurückhielten und die Benvaltung in der Regel den unter dem Einfluß der Sozial- demolratie stehenden Kassen o r g a n e n uberlietzen Die Folge davon ist gewesen, daß dieser Einfluß der Sozialdemokratie immer starker geworden ist. Die Vorsitzenden der einzelnen Kassen sind weitaus in der Mehrzahl führende Parteileute, und zu Beamten werden fast nur Sozialdemokraten herange- zooen, die sich um die Partei verdient gemacht haben.
Das inuß in Zukunft anders werden. Die Gelegenheit dazu ist geboten durch die neue Reichsversicherungsordnung, durch die die Rechte der Arbeitgeber gestärkt werden. Bei der Wahl der Kassen- vorsitzenden und der Kassenbeamten ist auch die Zustimmung der Arbeitgeber notwendig. Können sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer über die Person des Vorsitzenden nicht einigen, dann bestellt das Bersiche- rungsamt denselben. Um der bisher in den Krankenkassen vielfach üblichen Propaganda für die Sozialdemokratie entgegenzuarbeiten, sind durch die Reichsversicherungsordnung vorbeugende Maßnahmen getroffen worden. Bedeutsam sind die Wahlen zu den Instanzen der Arbeiterversicherung, als Beisitzer zu den Verstcherilngsämtern, den Öberversicherilngs- ömtern und dem Reichsversicherungsamt. Es be-
höscn Corbach und Itter auf dem Feldweg bei Müllers Berge wurde das Fuhrwerk des Selterswasser- c IS. ... . ... rv* v v v • < — —
... * Marburg, 21. Sept. 1912. Als Privatdozent für Erdkunde tritt mit Beginn des bevorstehenden Wintersemesters in den Lehrkörper der hiesigen phito- sophischen Fakultät Dr. phil. Erich Obst ein
* Kirchhain, 22. Sept. 1912. In vergangener -kwche haben hier die O b st v e r st e i g e ru n g : n aus den städtischen Anlagen stattgefunden. Da biet ;ehr gute Obstsorten angebaut sind, war die Betel- ligung sehr groß und die erzielten Einnahmen recht , .. ■_ vüv—« - . hoch. Für 'einzelne Bäume wurden 30 und 40 Mk
schmerzhaftes Krankenlager und trotz aller ärztlicher und noch höhere Preise erzielt. Ji ' "
Bemühungen schließlich doch den Tod des Kranken Versteigerung der Stadtkasse wohl zur Folge hatte. von ca. 3800 Mk. a-brackt SSterhn
i bessere DamenKeider mitgehen ließ.
gegen die vo"einig.>n Tagen^verhchteten^Emb^ckM ! Geisa^'bei 8ofaIk in
Vollmann und Ries förderte eine ganze Anzahl EÄ/ bcnJ bic ^hankberechstigung auf dem Verbrechen zutage. So wurde ihnen ein Ein- - ccr . ^te W 16. September
b-uch in einer Zigarrenfabrik in Großalmerode nach- s aute^E-aew" ss- V? s verhältnismäßig
gewiesen. Ferner haben sie Roagen der in Häufln ? Oel-efert, wahrend die Hühnerjagd
' auf dem Felde stand in der Nacht aii^cbnifrh^ i !minfrt’cn ubri9 laßt.
das leere Stroh stehen lasten und haben^den Rog' Dermbach, 20 Sept. 1912. Der Ziegen- i neu verkauft. Bei einem Abnehmer sind 9 Zentner 5 ;‘d’» beute 'm '.Deutschen Haus"
der übergroßen Mehrzahl der Kasien fehlt. Darum stehen auch noch so viele Kaffen außerhalb der jetzt .. - —
so dringend notwendigen Organisationen. Der Ra- ! Händlers Drehmann aus Corbach bei der Ueber- dikalismus im Zentralverbande trägt auch die ' gnerung der Gleise von einem Güterzuge e r- Schuld, daß bei der Schaffung der Reichsversiche- 1 * ~t' * .. -s. - - ' ■ ~ - • ■'
rungsordnung die Ortskrankenkaffen ziemlich ohne Einfluß geblieben sind: der Verband erhob zunt Teil unerfüllbare Forderungen und suchte sich seine Anwälte vornehmlich auf der Linken des Reichstags, die zwar in Reden und Anträgen sich überbot, aber bei der praktischen Mitarbeit sich selbst ausschaltete.
Angesichts besten wird neben den Arbeitgebern auch die ch r i st l i ch e Arbeiterschaft, jetzt — 2>a die Reichsversicherungsordnung bald in vollem Umsang in Kraft tritt — sich ernstlich überlegen müssen, was sie tun muß, um ihren Einfluß in der Arbeiterversicherung zu wahren und zu erhöhen; und vor allem wird auch sie sich ernstlich zu überlegen haben, wie eine Monopolisierung der Orts- krankenkaffen durch die Sozialdemokratie verhindert werden kann.
* Mainz, 21. Sept. 1912. Die Flugpost, und Postkartenwoche der Großherzogin hat eine Reineinnahme von 102 289 Mk für die Zweck; der Mutter- und Säuglingssürsorg' ergeben.
* Wiesbaden, 22. Sept. 1912. Gegen Uebertrei« bringen und Auswüchse in der Jugendpflege äußert sich die hiesige Handwerkskammer. Wer da nicht wünscht, daß unsere Jugend durch einen unvernünftig betriebenen Sport einen körper- lich-'n und geistigen Schaden nimmt, wird der Handwerkskammer nur zustimmen können, wenn sie sagt, die -g e o r b n e t e Jugendpflege an sich sei dankbar zu begrüßen, in der gegenwärtig geübten Weise sei sie aber nicht unbedenklich. Die übermäßigen kör- ------ perlichen Anstrengungen durch die Narymbunaen rieten haben beschloffen, zur Erweiterung des städti- : und ganze Tagestouren ließen die jungen Leute n v scheu Wasserwerks 600 Kubikmeter Wasser zu der nötigen körperlichen Ruhe kommen und machtäglich aus dem Kaiferborn zu entnehmen. Die ein- ten sie für den folgenden Tag zu ordentlicher Arbeit malige Entschädigung beläuft sich auf 12 500 Mk., untauglich. Auch leide der regelmäßige Gewerbe- die Gesamtkosten betragen 75 000 Wit. schulbesnch darunter. Außerdem seien die Aeußer-
* Kassel, 22. Sept. 1912. Daß drei Brüder Weiten, wie Uniform, Waffen, Kriegsübungen das seltene Fest der gotdenen Hochzei t erleben, ; u-h)- geeignet, den Sinn der jungen Leute von der ist wohl nicht oft anzutreffln. Der jüngste dieser i rrnstlichen Arbeit in der Werkstatt abzulenken. Daher Brüder, Daniel Kochendörffer, ein Sohn einer alten erscheine ein rasches Zurückgehen zu einfachem, na« Kasseler Bürgersfamilie, beging am 17. d. M. in Amerika diesen frohen Tag, nachdem der älteste, Lehrer F. Kochertdörfflr in Kassel, schon vor meh- , - ... ,-----------„ —- —
reren Jahren, und der Privatmann C. Kochendörf- | W’gen, zur Durchführung der beschloffenen Anlag- fer, ebenfalls in Kassel, voriges Jahr die goldene ? gemeinsamen Gruppengaswerks ein Hochzeit feiern konnte. — Tie beiden Organisten an ' * onnnnn cm" -----‘----
der Christuskirche und Schloßkirche zu Wilhelms- Höhe, die Lehrer Heinrich Dippel und Theodor Schä- fer, erhielten als Geschenk des Kaisers je eine gol- - . • .. - - . „
bene U h r mit bent kaiserlichen Namenszug unb ^^5 Seelen zählenden Gemeinde Fretterode für die geber in die Kassenvorstände hineinzuwählen. Diese Ver kaiserlichen Kron». — Ein schwerer Ein- innn '
Absicht, die ohne Zweifel in den Großstädten zutage i v r rt ch s d i e b st a h h l wurde bei einer Familie in
treten wird, wird ihnen erleichtert durch die Ver- na" Kaiserstraße im West viertes verübt. Das 20jähr.
hältniswahl, die wenigstens für die unterste Instanz i -^wnstmadchen der Herrschaft, aus der Nähe von
für die Wahl der Arbeitgeber vorgeschrieben Göttingen gebürtig,, öffnete den Geldschrank mit
ist. All diese Umstände machen es erforderlich, daß z Hllfe von Nachschlüfieln, die es sich auf raffinierte die Arbeitgeber den Wahlen zu den Kranken- j ®3cife verschafft hatte, unb enttoenbete bares Geld lassen als auch zu den B er sich er u n g s b e - i und Schmucksachen im ungefähren Werte von 250 Hörden mehr Interesse entgegenbringen, ! Mark. Das Mädchen verschwand sodann unter Hin- als das bis heute leider der Fall war, und sich ivo- s teilafjung ihrer ganzen Habe, indem es noch mehrere möglich geschloffen daran beteiligen. Andernfalls besteht die Gefahr, daß die Krankenkaffen auch bezüglich ihrer Verwaltung unter dem Einfluß der Sozialdemokratie verbleiben, weiter, und die durch die ReichSverficherungsordnung gebotene Möglichkeit, diesen Einfluß zurückzudrängen, bleibt unge-
* Ziegenhain, 22. Sept. 1918. Der 11 jährig» Schüler Willy B. fiel beim Turnen so unglücklich vom Barren, daß et den Unten Arm über bem Handgelenk brach. — Die Kartoffelernte ist in unserem Streife in vollem Gange. Sowohl einheimisch« als nach die eingeführten Sorten liefern durchweg gute Erträge. Der Zentner wird durchschnittlich m« 2 Mark bezahlt.
Eine Erinnerungsfeier an die letzte Schlacht des 7jährigrn Krieges.
= Amöneburg, 22. Sept. 1912. Etwa 2 Stunden von Marburg, in der Richtung nach Kaffel, erhebt sich dicht vor Kirchhain, inmitten des Ohmtales auf einem steilen Basaltfelsen das Städtchen Amöneburg, deffen Gründung in dieZeit zurückreicht, in der Bonifatius nach Deutschland kam. Von hier ans unternahm dieser seine Reisen in die umliegen, den Gaue, um die heidnischen Deufschrn zum Ehri- ftentum zu bekehren. So alt wie das Städtchen ist, so interessant ist auch seine Geschichte, und da hier die Heerstraße vorbeifüyrte, hatte es auch viel unter den Drangsalen der Kriege zu leiden. Die Fluren in näherer und fernerer Umgebung tragen oft Bezeichnungen, die daran erinnern, daß hier früher Dörfer gestanden haben. Wie sehr die Ortschaften des Ohmtales gelitten haben, als fremde Völker ihre Kriege in Deutschland ausfochten, zeigt auch die Tatsache, daß heute noch manche Ortschaften, z. B. A n- z e f a h r, an bett gemachten Kriegsschulden abtragen.
Hier bei Amöneburg, dieser ehemals starken Festiing, war es auch, wo sich die letzten Kämpf» des siebenjährigen Krieges abspielten. Am Süd- abhange der Stadt, da wo eine uralte steinern» Brücke neben der sog. Brücker Mühle über die Ohm führt, war es, wo die mit Preußen verbündeten Hessen, Hannoveraner, Engländer, Braunschweiger und Gothaer den Franzosen bin Weg nach Kassel ver- legten unb sie in Hstünbigem blutigem Ringen besiegten.
„Heffentrene immerbar", bies Wort soll nie feine Geltung verlieren unb aus biesem Grunde fand heute nachmittag an dieser historffchen Stätte eine Grdenkfeier statt, zu der eine mehrtausendköpfige i Menschenmenge aus der ganzen Umgebung hier zu- j i scimmengeströmt war. Alt-Amöneburg zeigte Flag-' : genschmuck unb an ber Brückermühle, ba, wo baS Friedensdenkmal steht, war auf bem Schlachtfeld» eine Tribüne errichtet, bei der eine Musikkapelle konzertierte. Gegen 4 Uhr nachm. verkündeten Böller»- schüffe von Bergeshöhe herab den offiziellen Beginn ber Feier. Landrat v. Gilsa-Kirchhain bezeichnetes in seiner Begrüßungsanfprach; den heutigen Tag als einen Ehrentag in ber hessischen Geschichte. Er schloß mit einem Hoch auf unfern Kaiser, worauf bi» Nationalhymne gesungen wurde. In längeren Aus-' führnngen schilderte ein bekannter hervorragender Kenner der hessischen Geschichte, General Eisen- traut ans Kassel, den damaligen Kampf um den Ohmübergang. Besonders seien es die hessischen Regimenter von Gilsa und von der Malzburg getoe» fen, die mit TodeSmut die Schanzen verteidigt und schließlich durch eine Maner von Leichen gefallene» Kameraden gedeckt den letzten verzweifelten Sturmangriff der Franzosen abfchlugen. Der Redner bezeichnete während seines intereffanten Vortrags di» einzelnen Punkte, wo ber Kampf getobt und schloß mit bem Wunsch, baß man immer das Anbenken jener Tapferen ehren möchte. Der Vorsitzenbe bet Kreiskriegerverbandes Kirchhain, Kreisdeputierter v. Goldammer, gedachte in 'einer Schlußansprach« ebenfalls der Hessensöhne, die sich damals so tapfnc geschlagen unb enbete mit einem Hoch auf« Hessen- land und das deutsche Vaterland. Mit dem Gesänge „Deutschland über alles", erreichte bet Festakt hier fein End'. Bei eingetretener Dunkelheit laberte bon den Höhen ber Amöneburg ein gewaltiges Fruer auf, womit die Feier einen wirkungsvollen Abschluß fand.
vermischter. ...
* Ritsenwaldbraud ist im russischen Gouvernement Perm längst der sibirischen Bahn an bet ®wn« zwischen Europa und Asien im malerischen Tal des Tschussowoaja ausgebrochen. Der Bahn» verkehr mit Sibirien ist vorläufig unterbrochen, nachdem der letzte Postzug die Brandstelle unter großer Gefahr passiert hat und der Maschinist bei- nahe erstickt ist. Seit gestern umzingelt das
ohnen doch, als wir neulich — gleich nach meiner ersten Bekanntschaft mit Fräulein Hannah — von dieser sprachen, daß ich sie schon einmal gesehen haben müsse. Sie lachten mich damals aus, unb es schien auch abfurb — und doch war ich meiner Sache sicher. Nun weiß ich, wie das zusammenhängt. Ich erzählte heut mittag von dem einen Kunststuck des (Gauklers — mit ber Stange und bem Mädchen; aber ich verschwieg das andere, weil ich nicht wollte, daß man davon erfährt. Er zeigte auch mir die Vergangenheit und die Zukunft. In dem zweiten Bilde sah ich ein Haus, das mit dem dazugehörigen Hofe von einer hohen Mauer umgeben war. Das Gebäude war wie die meisten hier und könnte Wohl dasjenige fein, baS hier inmitten bes Ortes steht und von Hunter zu militärischen Zwecken und als Vorratshaus benutzt wird. Aber für gewiß will ich das nicht hinstellen. In der Mauer ivar eine Bresche, und in bereit Nähe tobte ein wilder Kampf. Eine Menge von Offtzieren und Zivilisten suchten dm Angriff eines Trupps von Sepoys zurückzuschlagen. Auf dem Dache des Hauses befanden sich noch andere, teils feuernd, teUs zusehend, und zwei oder drei Frauen waren mit dem Laden von Gewehren beschäftigt. Eine dieser weiblichen Gestalten steht mir letzt ganz deutlich vor Augen — es war Fräulein Hannah."
„Und doch kann es sich nicht ganz verwirklichen, Doktor. Niemals! Ich weiß es."
„Weshalb nicht? Erklären Sie mir das." Nach einigem Zögern begann Bathurst: „Sie sind ein alter, treuer Freund, Doktor, — wenn irgend jemand, so werden Sie Verständnis für meinen Fall haben. Als ich hierher kam, hörten gewiß auch Sie davon reden, weshalb ich die Armee verlassen hatte und in den ZiviLienst übet» getreten war?"
„Die Leute schwatzten damals allerhand Unsinn, — daß Sie gleich nach der Schlacht bei Chillianwalla sich krank gemeldet und Urlaub genommen hätten und dann ganz abgegangen feien, — au« Kugel- scheu- Ich brauche nicht erst zu sagen, daß ich I»
3m Schutze des Zauberers.
201 Englisch-indischer Roman von E. A. Henly
„dticht im geringsten", sagte Hunter. „Die vornehmeren Gaukler behandeln ihre Kunst wie ein religiöses Mysterium, unb man hat noch nie erlebt, daß einer von ihnen eine Silbe barüber hätte laut toerben lassen, obgleich schon manchem ungeheure Summen bafür geboten würben. Im geqenwärti- gen Falle können wir schon deshalb nichts fragen, toeu ber Gaukler und das Mädchen spurlos verschwunden find —- samt ihren Körben und sonstiaen Werkzeugen. 'Ohr ist bas unangenehm, denn ich habe sie noch mcht bezahlt "
„Das überrascht mich nicht", meinte ber Doktor. »Ich habe schon öfter gehört, baß sie für Geld nu“ ihre gewöhnlichen Künste zeigen — ihr höchstes Können jeboch, unter Zurückweisung jeber Entschädigung, nur dann offenbaren, wenn sie jemand ganz besonders ehren wollen. — Nun schlage ich aber vor, wir suchen die Samen auf; es wird wohl keine von ihnen Lust haben, heut noch heraus in die Bw- anba zu kommen."
I" der Tat — selbst zum Sprechen waren die aufgelegt, unb so erfolgte sehr bald ein all« gemeiner Ausbruch.
be nicht noch eine Pfeife bei mir vau« ?Lwegs ,u Ä ^us- g-ben?"'sagte der Doktor von UN? für »Schlafen wird doch keiner
Einb'uck bat auf Sttmden können. Welchen fe.mo.uct bat auf Sie das alles gemacht?"
erklären vermag." 1 S "9e tm geringsten zu ches'glaube ich gan^ entfdjieben nicht* Aber?ck?^ gbt ine wir gegenwärtig nicht kennen. In alter Zeit war man Melletcht damtt vertraut, doch ist h efe «ennttlte dann verloren fleaanaea 4 wenigsten-
tut ben Westen der (Erbe. Der Glaube an Magie ist io a!t wie d-e Menschheit. DieMagier am Hofe'Vba- ravv warfen einen Stab zur Erde - und er wurde mr «chiange Die Hexe von Endor zwang den Geist eamucL,, zu erscheinen. Die Griechen die doch gewiß nicht dumm waren, glaubten an die Orakel. In.einem spateren Zeitalter verbrannten die Magier ihre Blichet vor St Paulus. Wan- berer, die ernst durch Persien und Indien zogen, berichteten u inge, die noch bei weitem das überfteiaen tea« tote vorhin gesehen haben. Und heutzutage gibt
£nbten cntschi<cke" eine Verbindung, de- ren Mitglieder von hoher Intelligenz sind und dabei sich rühmen eine fast unuinschränkte Macht über die Natutkraste zu haben. Sehen Sie, wer hätte es vor ftmfzig Jahren geglaubt, daß wir heut mit Hülfe von Danipftnajchineil bas Land in kürzester Zett durcheilen und eine Polschaft in einer Minute hun- berte von Meilen senden würden burrfi Draht? Ebenso Unglaubliches kann imme^toieber eZu"den werden. - Als ich noch in England war ÄS n" C-’nfr ^s-llschaft in Amerika, die sich „SpirilUallsten nennt. Einige von diesen besonders ?'» lunger Mensch mit Namen Home, behaup- tcng' t" der Luft schweben zu können. Mir kommt ba-> allerdings unmöglich vor; wenn es aber dennoch toa$r Ware, so wußten wir auch, tote bas Mädchen bon ber Stange heruntergekommen ist. Wenn man tn» schottische „'wette ®efi($t" ellvar weiter aus- dehnt und sich noch die Fähigkeit hinzudenkt, bas in ber Seele anderer Gelesene als sichtbares Bild her- bortreten zu lasten, so hätte man einen Anhalt für bte Dunsterscheinungen des Gauklers. Daß die Zu- kunstsbilder, die er zeigt, sich als richtig erweisen werden, daran zweifle ich gar nicht, — so unwah- schemlrch es heut auch aussehen mag, daß Sie und Fraulein Hannah in indischer Tracht mit einander umherztehen sollten."
Inzwischen hatten sie des Doktors Bungaww erreicht und machten eS sich dort bequem.
„Etwas ist mir heut abend plötzlich eingefallen", nahm Bathurst da» Gespräch wieder auf. „Ich sagte
Etwas nicht glaubte. Wenn jemand die Armee verlaßt, tauchen immer solche albernen Gerüchte auf.“ „Aber das Gerücht redete wahr, Doktor!" EH ist schrecklich zu sagen — ich bin feige von Natur." „Das glaube ich nimmermehr!" rief der Doktor ften!"5“™16 "®on Ihnen gerade am allerwenig«
. «Es ift der Fluch meines Lebens," fuhr Bathurst »Mein Unglück - wenn auch nicht mein» Arhuld. In vielen Dingen bin ich keineswegs feige, wffrde mit Ruhe jeder Gefahr begegnen, di» ohne Sann sich mir nahte; aber lautes Geräusch kann ich nicht ertragen. Der Knall eines Gewehre« macht tnich zittern, auch wenn es nur blind geladen war. — Bei meiner Geburt weilte mein Vater in KNoien. Kurze Zeit bevor ich zur Welt kam, hatte meine Mutter einen großen Schreck. Ihr Landhaus wurde von Banditen überfallen, die in das' Zimmer drangen und ihr mit dem Tode drohten, falls sie sich rühren würde. Die Dienerschaft kam fldoch noch rechtzeitig herbei. Es entspalin sich im Ammer ein Kamps, Pistolen schüffe fielen und die Banditen wurden überwältigt und festgenommen. Mein« Mutter war währenddessen ohnmächttg geworden: er gelang zwar, sie wieder zmn Bewußtsein zu brüt- gen, aber sie blieb seitdem kränklich und starb wenig« Tage, nachdem sie nur das Leben gegeben. Der Arzt sagte, jene furchtbare Aufregung bei dem lieberfall sei verhängnisvoll für sie gewesen.
»3ch wuchs heran als ein schwächlicher, schüchterner Knabe — so von der Sorte, die in der Schule einig von den anderen gehänselt wird. Mein Vater war, wie Sie wissen, Offizier unb kam erst nach England, als ich schon zehn Jahre zählte. Natürlich war er sehr enttäuscht, als er mich sah, unb bas vermehrte noch meine Schüchternheit. Moralisch war ich nicht feige; niemals log ich, um einer Strafe zu >mtgehen; diese Neigung aber, immer die Wahrhett Xu sagen, trug nicht dazu bei, mich bei ben Kameraden beliebt zu machen.
Fortsetzung folgt./