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39. Jahrgang
Fulda, Montag den 23. September 1912.
Erstes Blatt
vtf 218.
c? München, 21. Sept. 1912.
ratskammer
»rochen,
Mde geschlossen. Der Parteitag hat durch den Ku*. — -Uchltch Kildebraudts dotanrentiert^ daß dir wiifeusthast.
sozusagen „zernichtet^
L-i,
Ledige . . .
Verheiratet« .
Aierwitwcte .
Geschieden« .
am 1. Dez. 19104 37,37 v. H. 54,25 .
8,06 .
0,32 »
cntluti sich über das schuldige Haupt des Sünders der ganze Unmut der .Unentwegten". Die Verteidigung^, rede des Münchener Genossen Müller war leide» schaftslos und geschickt. Dann ergriff Hildebrand daH Wort zu seiner Rechtfertigung. Er führte seine Sach« mit den, Mute der Ueberzeugung. Darüber wurüq man sich klar, daß in dem Verfahren gegen Hildebrand nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Darurq erwuchsen ihm unter den nachfolgenden Rednern manch tüchtige Anwälte. Auf der andern Seite aber mühte» sich die Radikalen und Frau Zetkin mit allen Kräfte» dem ehemaligen Genossen das Grab zu schaufel» Noch ernmal suchte Hildebrandt sich der gegen ihn erhobene» Vorwürfe zu erwehren. Das ihn erwartende Verhäng« nis konnte er aber nicht mehr abwenden, die über« wiegende Mehrheit stimmte und brüllte ih» nieder. Nach einer Flut von erregten persönliche» Bemerkungen und nach einer länger« Geschäftsord, nungsdebatte bestätigte der Parteitag mit große« Mehrheit den Spruch der unteren Parteiinstanzen. Hil, debrandt ist also endgültig aus der Partei an*.
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Avrnahmt bei s».m= uad Heiertage vtertei- iäkUiche-Ve«-'preir ^ne «rinaerlohn und Sestrltaelo in fsulda sc-- Wle au^würt« 1 -50 Jlt
** Spanien und die frauzöfijch« russisch -englische Allianz. Ein sranzösischcs Blatt behauptete unlängit, Spanien weide sich der sranzösisch-russisch-englischen Allianz anschließen. Allgemein hielt man diese Meldung für einen Versuchsballon. Jetzt werdet auch die ,Coriespondeneia de Espana', König Ä l p h o n s werde int Oktober aus Anlaß der Turch- schlaauna des Pyrenäentunnels in Cansrane sich nvt dem Präsidenten der Republik Falliöres begegne» und bei dieser Gelegenheit werde der Abschluß der französisch-spanischen Abmachungen in aller Form erfolgen. Französischer- seits allerdings wird die Meldung noch sür unzutreffend cilläit.
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A.par;«Ter i« Lulda. Illustrierte Sonntagszeitung"
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am 1. Dez. 1900: 37,99 v. H.
63,18 ,
8,58 .
0,25 -
Deutsches Reich.
* Berkin, 22. Sept. 1912. Die zweite Torprdo- division in Wilhelmshaven feierte am Sonntag das Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens. Es fand eine (SerenI feier aus dem Militärfriedhof und später ans dem Exerzierplatz ein Sportfest statt.
** Der Vorstand des Bundes der Landwirte hat die Bundesmilglieder Kirsten und Krieger, die nach Verhandlungen mit der sozialdemokratischen Fraktion im Rudolstadter Landtag einen Sozial« dcmotraten zum ersten Landtagspräsidenten milgewählt haben, aus dem Bunde der Landwirte ausgeschlossen.
* Arbkiterschnh ans Banien. Die von den be- leiligten preußischen Ressortministern erlassenen »Grundzüge für Polizeioerorvnungen, betreffend die Arbeitcrfürsorge auf Bauten' haben jetzt abermals eine Ergänzung erfahren. Unter anderem soll in den Verordnungen künftighin bestimmt werden, daß die U n t e r k n n s t s r ä u m e zu erwärmen sind, sofern in der Zeit vom 1. November bis 1. April die Außentemperatur unter + 10 Grad Celsius sinkt. Gleichzeitig hat der Minister der öffentlichen Arbeiten angeordnet, daß fortan bei Staats bauten regel« äßig die geltenden Arbeiterschutzverordnungen au der Baustelle auszuhängen sind. Es soll daran nngeivirkt werden, daß die Gemeinden bei ihren Bauten eine gleiche Anordnung treffen.
4- Von den Anträgen die zum Parteitag der Fortschrittlichen Volkspaitei in Mannheim gestellt werden, ist u. a. der Antrag der Ortsgruppe Osnabrück bemerkenswert:
Der Parteitag erachtet die Neugestaltung deS Ver- hältnifles von Staat und Kirche für eine dringende Aufgabe der Gegenwart. Die Frage ist im wesentlichen lande gesetzlich zu behandeln. Der Parteitag macht es deshalb den Landesorganisationen, insbesondere der preußischen, zur Pflicht, die Frage zunächst in eingehende Beratung zu nehmen.
Die liberale Volkspartei Lübeck wünscht eine Agrarkommission bei der Parteizentrale einzusetzen. Der Wahlkreis Nordhausen verlangt ein Kommunalprogramm. Die fortschrittlichen Organisationen in Geestemünde, Homburg und Harburg-Rotenburg verlangen, in das Programm der Partei die Forderung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung der Frauen aufzunehmen, Stettin fordert die „Zulassung der Frauen zu den Wahlen in der Gemeinde wie zu den gesetzgebenden Körperschaften.*
** Ein krasser Fall von sozialdemokratischem 2er« rolislnus ist aus Bonn zu berichten. Am Museumsneubau an der Koblenzer Straße find bei der Baufirma Holzmann u. Co. aus Frankfurt a. M. neben acht von Frankfurt gekommenen sozialdemokratisch organisterlen Maurern vier christlich organisierte auS der Bonner Gegend beschäftigt. Die sozialdemokratischen Maurer stellten nun zunächst durch ihren Baudelegierten Bekehrungsversuche bei den christlichen Kollegen an, ohne Erfolg. Als die christlichen Arbeiter der Aufforderung, in den sozial- demokratischen Verband überzutreten, nicht nach- kamen, erklärte der sozialdemokratische Baudelegierte, falls der Beitritt nicht bis Donnerstag, den 19. September, vollzogen fei, müßten die sozialdemokratischen Maurer die Arbeit niederlegen. Die Arbeit werde dann nicht eher ausgenommen, bis die christlichen Maurer entlassen seien. Der Vorfall kann durch Zeugen bestätigt werden. Wenn die Genossen es wagen, in einer überwiegend katholischen Stadt, wie Bonn, durch terroristischen Druck christliche Arbeiter in den roten Verband hineinzuzwingen, so kann man sich leicht ausmalen, was die christlichen Arbeiter in den sozialdemokratischen Domänen der freien Gewerkschaften auszuhalten haben.
Im Vergleich zur gesamten Bevölkerung hat dtz Zahl der Verheirateten seit Gründung des Reiches um mehr als 3 v. H. zugenommen. Der Anteil der Bet« heirateten an der Gesamtbevölkerung war: im Jahre 1871 gleich 33,54 v. H., 1880 gleich 33,39 v. 1890 gleich 33,93 u. H., 1900 gleich 34,76 v. H. und im Jahre 1910 gleich 35,78 v. H.
Ausland.
• Oesterr-ich-Nngarn. Wie die .Landeszeitung für beide Mecklenburgs aus zuverläffiger Quelle erfährt, wird der bevorstehenden Delegationsiagung in Wien eine Regierungsvorlage auf Bewilligung von 400 Millionen für das Landheer und von 145 Millionen Kronen für dieKriegs- flotte zugehen, als Antwort auf die französische Flottenkonzentration im Mittelmeer.
** Ungarische Demonstrationen in Wien. Zum Empfange der am Samstag abend in Wien anläßlich der Tagung der Delegationen eingctroffenen Mitglieder der ungarischen Opposition halte sich vor dem Staatsbahnhof eine nach Taufende zählende Menschenmenge eingesunden. Als die ersten Abgeordneten von ihnen sichtbar wurden, brach die Menge in stürmische Rufe aus. Man hörte die Rufe: „ v>od) die ungarischen Abgeordneten!*, „Abzug Pawlik!", „Nieder mit Tisza!", „Nieder mit dem Schuft Lnkacs!" Die Abgeordneten dankten für die Ovationen und einige von ihnen wandten sich in kurzen Ansprachen an die Menge. Die Regierung ist fest entschlossen, dieselben Maßnahmen, die sie im Parlament zur Anwendung brachte, nötigenfalls auch in Wien zu gebrauchen, d. h. gewalttätigen Störungen gleichfalls mit Gewalt zu begegnen.
** Französische Maßnahmen gegen die deutsche Einfuhr. Um der Deutschenhetze Rechnung zu tragen, erwägt die französische Regierung angeblich folgende Maßnahmen: ein allgemeines Einfuhrvermerk für ausländische Waren nach dem englischen Muster: „Made in Germany". Ein Verbot der Gründung von Filialen ausländischer Fabriken und Begebung der Staatsaufträge ausschließlich an die heimische Industrie. Als französische Firmen sollen nur solche angesehen werden, die ihren Sitz in Frankreich haben, deren Perwaltungsrat und Leitung zumindest zu zwei Dritteln aus Franzosen bestehen und deren Arbeiter höchstens bis zu zehn Prozent Ausländer sind.
* Der Jahrestag der Einnahme Noms wurde am Freitag in der üblichen Weise gefeiert. Zahlreiche Verbände begaben sich in Rom im Zuge nach der Porta Pia, wo der freimaurerische Bürgermeister Nathan, derselbe, der vor zwei Jahren an der Porta Pia seine berüchtigten Papstschmähungcu los- ließ, eine Rede hielt, hoffentlich nicht von der Güte derjenigen, die ihn vor zwei Jadren der Verachtung der ganzen kalh. Welt preisgegeben hat. Auch verlas er eine Depesche an den König, die dieser dankend quittierte. Auch im ganzen Lande fanden patriotische Gedenkfeiern statt.
* Mißhandlung englischer Suffragetten. Lloyd George hielt am Samstag in Lanystymdwy (Grafschaft Carnavon) die Eröffnungsfeierlichkeit für eine von ihm aus eigenen Mitteln gegründete Schule ab. Dieser Feierlichkeit wohnten 5000 Personen bei. Die englischen Frauenstimmrechtleriunen versuchten, den Minister mehrfach zu unterbrechen. Sie wurden jedoch daran verhindert und von den Zuschauern aufs schwerste mißhandelt. Die Kleider wurden ihnen förmlich vom Leibe gerissen. Einige der Zuschauer waren sogar so erregt, daß sie den Wahlweibern, die sich nach der Rednertribüne vorzudrängen versuchten, um Lloyd George anzugreifen, die Haare ausrissen und sie übel zurichteten. Eine Frauenrechtlerin wurde auf eine Hecke geworfen und dabei schwer verletzt; eine andere durch Fußtritte verletzt Lloyd George rief mehrmals, daß man den Suffragetten nichts Böses tun solle. Um dem Auftritt ein Ende zu machen, stieg er schließlich auf einen Tisch und stimmte die Nationalhymne von Wales „Land unserer Väter* an. Die Volksmenge stimmte sofort ein und dadurch war bi« Ruhe wieder hergestellt.
* Ein Angriff der Kreter auf Samos. Die Kreter, die mit ihren Angliederungsbestrebungen an Griechenland stets auf den Widerspruch der Großmächte stießen, sind, um ihre Ansprüche durchzusetzen, jetzt sogar dazu übergegangen, bei der schwierigen Lage der Türkei, angreifend gegen diesen Staat vorzugehen. 350 Kreter, darunter einige Offiziere, ftnö in Marathon Campos auf Samos ganz unerwartet gelandet und marschieren gegen Karlovasi u»d Vathy, um zum Auf st and zu schüren. Die türkische Be- satzung hat sich in Vachy, wo ein Zusammenstoß wahrscheinlich ist, verschanzt. Die französische Re- gierung hat sich eutschloffen, den Panzerkreuzer Brnix, der augenblicklich in Kanea ist, nach Samos zu entsenden. Es wird erwartet, daß England diesem Beispiel folgen wird.
** General Nogi durch das Los zum Selbstmord bestimmt. Ein russisches Blatt „Russ^je Slowo", erhielt aus Tokio, wid es sagt, aus bester Quelle eine Mitteilung, wonach General 9logi seinem Herrscher deshalb in den Tod gefolgt ist, weil er dazu durch das Los bestimmt worden war. Eine Stunde vor
j? Die Geschäftigkeit im andern Lager.
Die Verschiebung der sranzösischen Flotte ins Mittelmeer, das dahinter steckende Äiarme-Abkommen, die Reise Asquiths nach Frankreich, die Reise Sfasoiwws nach England, die Nackgiebigke.t Spaniens gegen Frankreich und die Ankündigung einer brüderlichen Begegnung des Königs Alfons mit dem Präsidenten Fallieres — alles das zeugt von einer auffälligen Rührigkeit der Staatsmänner auf der andern Seite, jener Seite, die dem Dreibund und vor all>m dem Deutschen Reiche das Gegengewicht hält und das Uebergewicht über ihn gern geromnen möchte. _. .
Dian kann nicht sagen, daß m den Einzel- heilen etwas läge, was für Deutsastand beang|tt» gend wäre. Wenn Spanien nicht allem zur Bescheidenheit in Marokko, sondern sogar zum An- chluffe an die Triple-Entente, den Gegen-Trrivnnd, mittels Zuckerbrot und Peitsche erzogen werden sollte, so regt uns das n cht auf, weil Spanien überhaupt aichl leistungsfähig ist und Deutschland niemals auf die Unterstützung von Spanien irgendwie gerechnet hat. Wenn Rußland und England sich über den gemeinsamen persischen Bissen neuerdings wieder einmal verständigen wollen, so berührt das nid t die politischen Interessen Deutschlands, sondern höchstens die wirtschaftlichen Unternehmungen der Deutschen in Mesopotamien, namentlich die Bagdad- Bahn und die Schiffahrt aus dem Euphrat. Daß diese wirtschaftlichen Interessen geschädigt würden, ist vorläufig nicht zu erwarten; die beiden Mächte haben in Persien mit der Herstellung der Ordnung soviel zu tun, daß siedle bestehenden besonderen Abmachungen mit Deutschland vorläufig wohl nicht in Angriff nehmen werden, lieber die Verschiebung der französischen Flotte hat sich inzwischen baJ allgemeine Urteil dahin gebildet, daß die materielle Erschwerung der deutschen Nordsee-Stellung verschwindend klein ist gegenüber den moralischen Vorteilen, welche uns die Verkündigung der französischen .Vorherrschaft imfUlittelmeere' bringt. Eine bessere Vorbereitung für die Erneuerung des Dreibundes hätten wir uns kaum iviinschen können. Italien war bisher ein unsicherer Kantonist im Dreibunde; es hatte für England kindliche Gefühle und für Frankreich brüderliche Gesuhie. Wenn's jetzt nicht einsteht, daß es seine Selbständigkeit gegenüber diesen anspruchsvollen Mächten nur durch den Anschluß an die uneigennützigen Dreibundgenoffen zu behaupten vermag, dann ist ihm überhaupt keine Vernunft beizubringen. Jedenfalls führt die französisch-englische „Flolten-Strategie" zur Klärung, und die ist für alle Fälle gut.
Von größerer Bedeutung für die Gegenwart würde es fein, wenn der russische Minister des Auswärtigen in London über eine gemeinsame Balkanpolitik bestimmte Abmachungen träfe. Tie dortigen russischen und englischen Interessen geben zwar sehr auseinander; doch haben die beiden Mächte einen Berührungspunkt in dem Gegensatz gegen Oesterreich und dessen Bundesbruder. Trotz Potsdam und Ballischport bleibt die alte Rivalität zwischen Rußland und Oesterreich in der Balkanpolitik befielen. Das jüngste Vorgehen des Grafen Berchtold, die Anregung eines internationalen Meinungsaustausches, bekundete den festen Willen Oesterreichs, die natürlichen und geschichtlichen Rechte seiner Stellung als nächster Nachbar und bedeutendster Interessent« geltend zu machen. Demgegenüber steht die Gewohnheit der Russen, sich als die Oberherren der dortigen slavischen Völkerschaften aufzuspielen und die Hinterlassenschaft des kranken Mannes als Haupterbe anzutreten.
Neuerdings hat das türkische Ministerium ein Reformprogramm veröffentlichen lassen, das dem Wunsche des Grasen Berchtold nach einer beruhigenden Dezentralisation weithin entgegenkommt. Z ugleich kommen aber beunruhigende Nachrichten über neue Kämpfe in Albanien und Gährung in Mazedonien sowie neues Ausflammen der Kriegsleidenschaften in Bulgarien, Serbien und Montenegro. Man kann den Verdacht nicht abweisen, daß hinter diesen Unruhen eine russische Hand steckt. Andererseits darf man nicht übersehen, daß derartige Treibereien schon früher sattsam ftattgefunben haben, ohne daß es zun Ausbruch eines Krieges kam. Sollte jetzt der ruffische Minister in England eine Er itigung zur Entfachung des Balkaukrieges finden ?
7'kan kann es nicht von vornherein für unmög» 1 erklären; aber unwahrscheinlich bleibt .<= doch. England ist im vorigen Sommer im entscheidenden Augenblick von dem Losschlagen zurückgeschreckt. Vermutlich wird es auch jetzt noch sich mit weiteren Vorbereitungen zu der künftigen Kraftprobe begnügen. Daher braucht die .Geschäftigkeit nicht schon als Mobil- m a ch n n g gedeutet zu werden.
Die Moral freilich ist: Deutschland, Oesterreich und Italien müssen sorgen, daß sie stark sind und stark bleiben.
• *♦ Der englische Ministcrpräsident Asquith ist in Paris eingelroffen, wo er von Mitgliedern der englischen Botschaft empfangen wurde. Die Reise des englischen Staatsmannes soll privater Natur sein. Ta sie aber auch, wie verlautet, nach Neapel fuhrt, wird man vielleicht nicht fehlgehen, wenn man sie mit der durch die französische Flotten- konzentration im Mittelmeer geschaffenen Lage m Zusammenhang bringt.
* $tt russische Minister des Amßer-n, S s a s o n o w, Ist Freitag abend in London angekommen. Der Emp ang auf dem Viktoria-Bahnhof verlief nicht Ungestört. Als der Minister den Bahnhof verließ, Mh er sich plötzlich einem Banner gegenüber, auf bem geschrieben stand: »Rußland muß Persien räumen, .»enn es auf Englands Freundschaft Wert legt" Zugleich rief jemand au8: »Nieder mit Rußland!' ®ie Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor, suchte aber den Vorfall zu vertuschen. Es handelt sich um Kundgebungen^ des englisch-peMchenKomitees.
* Vom italienisch-türkischen Kriege.
Heftiger Kamps nm die Oase Zanzur. General R a g n i telegraphierte am 20. September aus Tri- polis nach Rom: Heute habe ich mich nach einem erbitterten Kampfe von zehn Stunden Dauer der Oase Z a n s u r, der westlich gelegenen Höhe Sidi- belhai und einer wetteren, südlich gelegenen Höhe bemächtigt. Gegen 5 Uhr 30 Minuten begann di« Artillerie das Feuer. Gegen mittag schien der Kampf, der stets gü ltig für die Italiener verlaufen war, aufjuflauen, bis dann eine starke feindliche Kolonne in den Kampf hineingezogen wurde. Di« italienischen Truppen warfen die Angriffe dieser feindlichen Kolonne, die sohefttg erfolg ten, daß sogar die Arttlleristen das Seitengewehr ziehen mußten, zurück. Der Feind wurde zur Flucht gezwungen und einige Kilometer weit von den italienischen Truppen verfolgt. Mit einbrechender Nacht Hörle der Kampf vollständig auf. Di« Verluste derItaliener werden auf 200 Tote und Verwundete geschätzt; die des Feindes sind sehr bedeutend, aber noch nicht genau fesigest'llt worden. , '
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der Eröffnung des Trauerzuges mit der Leiche des Mikado fand eine Staatsratskonferenz der hohen Würdenträger statt, die ständig die Person des Kaiers umgeben hatten. Unter diesen Würdenträgern befand sich auch Nogi. Nach längerer Beratung kam man zu dem Entschluß, daß einer der Würdenträger „Harakiri" verüben sollte, um der liefen Trauer um das Ableben des Herrschers Ausdruck zu geben und um vor dem Auslande den heroischen Geist des japanischen Volkes und seiner Liebe zu dem Kaiser in Duzender Weise zu dokumentieren. Jeder von den Eßürbenträgern verlangte nun diese „Ehre" für sich. Man mußte daher zur Absttmmuug durch das Los schreiten. Dieses Los traf den General Nog. Nachdem darauf General Nogi sich nach seiner Wohnung begeben hatte, zog er sich in seine Gemächer zurück und verweitte im Gebet vor seinen Hausgöttern. Dann benachrichtigte er feine Gattin von sein-m Entschlüsse. Diese billigte fein Vorhaben und bat, ihm in den Tod folgen zu dürfen. Später erschienen einige Freunde und Kameraden, die ihn für feinen Entschluß priesen und ihm das alte Schwert der Samuri überreichten. Mtt diesem Schwert schnitt ich der General die Kehle duych. Eine halbe .Stunde
«c. Volkszählung. .
Als weitere Ergebnisse der Volkszählung öom 1. Dezember 1910 werden die Staatsangehörigkeit der Bevölkerung, das Religionsbekenntnis der B«», völkerung und die Beoöl eruug nach Geburtsjahren^ und Familienstand veröffentlicht: 1
Von den 61925 993 oilsanwesenden Personen^ waren 63 664341 Reichs angehörig«- 1268873) Ausländer (716994 männliche und 642879 äxÜ^ ljche), sowie 1779 Personen, deren Staatsangehörigkeit nicht ermittelt ist. Seit der Zählung im Jahr» 1906, hat die Zahl der Reichsausländer um 231313 zu», genommen. Mehr als die Hälft« aller Ausländer,' nämlich 634983, waren Oesterreicher: ihnen folgen di» Niederländer mit 144175, dann die Russen mit 137 697/ die Italiener mit 104204 und di« Schweizer mit 68257.
Bei Ermittelung des Religionsbekenntnisses wurden 6 Gruppen unterschieden. Das evangelisch« Be» kenntnis zählte 39 991421, daS römisch-katholisch« 23 821453 und andere christliche Bekenntnisse 283 940s Anhänger. JSraeliten wurden 615021 gezählt unb anderen nicht christlichen Religionen gehörten 2114 am Außerdem wurden 205 900 .Personen anderen Bekennt» n sses" ermittelt.
Die Altersgliederung der männliche» «uh weiblichen Bevötterung ist nach Geburtsjahren an» gegeben. Em Vergleich des jetzigen Altersaufbauer mit dem zur Zeit der Volkszählung vom Jahre 1900, läßt erkennen, daß die Altersstufen in ungleicher Weises an Zahl zuaenommeu haben. Die gesamte Bevölkerung ist in den 10 Jahren um 15,18 v. H. angewachsen, Ein schnelleres Wachstum weisen oir Altersstufen 10 bis 20 Jahre (18,13 v. H.), 30 bis 40 Jahr« (21,71, v. H.), 40 bis 50 Jahr« (19,37 v. H.) auf. Auch dies Zahl der über 70 Jahre alten Personen hat schneller zugenommen, als der Durchschnitt bet gesamten Bevölkerung, nämlich um 16,81 v. H. Dagegen bleibe» hinter dem durchschnittlichen Wachstum zurück di« Altersstufen unter 10 Jahren (11,12 v. H) und Mi Stufen 20 bis 30 Jahre (10,93 v. H.), 50 bis 60 Jahr« (12,92 v. H.), 60 bis 70 Jahre (14,65 v. I.). 1
Auch die Anteile der verheirateten und der tut# verheirateten Personen haben sich rin wenig verschoben. DieZsahl der Verheirateten ist stärker gewachsen als die der Ledigen und der Verwitweten. Seit de« Zählung vom Jahre 1900 sind die Ledigen um 13,68 v. H, die Verheirateten um 18,56 v. H. und die Brr» witweten und Geschiedenen um 10,27 v. H. gewachsen, Schließt man die Personen unter 16 Jahren auS, so waren die Anteile der 4 Familienstände an der er, wachsenen Bevölkerung
. Wept. 1912. In der ReichS- naljm heute Ministerpräsident Frhr. von H ertlrng die Gelegenheit wahr auf einen Angriff zurückzukommen, den Dr. Casselmann gegen ihn erhoben, als habe er Kronrechte antasten wollen, insofern als er erklärt habe, daß das Konkordat in dem die Getnchtsame der Kirche fest- gefetzt sind, deut Religionsedikt, das die Hoheits- rechte des Staates der Kirche gegenüber enthält, im Widerspruchsfalle vorgehe. v. Hertling bezeichnete Casselmanns Anfrage als Glied in jener ununter, bienen Kette von Angriffen, die seit schon sieben „B-gmu feiner Amtsführung, gegen hon feiner ffeinen Mann von seiner Weltanschmmng als unfähig zur Beklo-dung des Postens eines Ministerpräl denten hmzustelleu. Seme Meinung, das Kon- kordat gehe dem RAlgwnSedikt vor, fei die ftnlae Jetncr theorettfch-wiffenfchastkcheit Ansicht über bitie tyrage, wonach er den Motiven für das ReliqionS- edttt nun einmal nicht zufümmeu könne. Weit ent. fernt aber fet er, an der beschworenen Verfassung zu rütteln, und wenn er gesagt habe, daß die ftlttgung des Widerspruchs zwischen Konkordat und Rrligwusedikt das ferne Ziel der Gesetzgebung sei, so habe er natürlich an nichts anderes als an den ordnungsmäßigen und versassungsaemäßeu Weg gedacht. Auch heute noch sei ReseS Ziel ja seru. Jrn Zusammenhänge dannt aber von einem Antasten der Kronrechte sprechen zu wolle», sei geradezu eine Ungeheuerlichkeit. — Damit ist Dr. Casselmanns große Aktion, auf die er sich nicht wenig zugute ge-
SozmlSemokratrscher Parteitag.
c Chemnitz, 21. Sept. 1012.
Am Samstag wurde die Tagung mit einer ®e< richtssihung" über den .Genossen" Gerhard Hilde, brand (nicht zu verwechseln mit dem Abgeordnete» Karl Hildebrand) eingeleitet. Hildebrand hat sich schwerer Vergehen gegen die Glaubenssätze des sozial, demokratischen Programms schuldig gemacht, inbem er nicht nur im Marokkorummel und in der Kolonial, und Schuhpolitik, sondern sogar dem MilitariSmuH gegenüber eine andere Stellung eingenommen hat als die übrigen roten Gelehrten. Die unteren Parttiin, stanzen haben ihn deshalb aus der Partei ausgeschloft fen; dagegen hat er nun an den Parteitag Berufung eingelegt. Der mtt der Sache betraute Ausschuß hat sich mit 5 gegen 4 Stimmen dem Urteil der unteren Instanzen angeschlossen. In der Anklagerede des als Staatsanwalt fungierenden Genossen Dr. Sützheime«