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Monatrbettage: „Huldaer Geschichtrblätter"

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Betetlenslrn« n. Berta« der fnlkief 3etien6*ntferei L|nlNI

Sernfprecher Ke. ft

Erstes Blatt

Fulda, Samstag den 14. September 1912.

/tf 211.

39. Jahrgang.

und den

*

f Formosa. Im russisch-japanischen Kriege fomman»

1 dierte er die dritte japanische Armee. — Ter Kaiser

* Wie«, 13. Sept. 1912. Zu einer gewaltigen Pontanen Kundgebung für das Haus Habsburg gestaltete sich in der gestrigen zweiten öffentlichen Versammlung die Rede des Jesuitenpaters Andlau über die heil. Eucharistie und das Haus Habsburg. Stehend nahmen die Zuhörerscharen die begeisterten Worte entgegen, die Kaiser Franz Joseph, den Nachkommen Rudolfs von Habsburg, als den Schutzherrn der Eucharistie priesen. Ju­belnder Beifall begleitete die Schlußausführungen des Redners, als er erklärte, der Eucharistische Kon­greß sei di: schönste aller eucharistischen Taten dieses erhabenen Herrschers, dessen Lebensabend von den Strahlen der eucharistischen Sonne verklärt werde. Mit spontaner Gewalt und Begeisterung jraufte Plötzlich aus aus Tausenden von Kehlen die österreichische Nationalhymne durch die Hallen: Gott erhalte Franz den Kaiser. Sichtlich ergriffen landen die Angehörigen des Kaiserhauses da.

Kanal und darauf Besichtigung der Kläranlagen in Essen-Nord und Abfahrt vom Hauptbahnhof Esten nach Berlin.

[j Verkauf von Eijensteiugrubeu. Das preußische Landers Ministerium hat den Verkauf sämtlicher Dem preußischen Bergfiskus gehörigen Eisen st ein- grubcn im Scheldetal (Nassau) an ein Konsortium von Großindustriellen beschlossen. Als Kaufpreis ivitD die Summe von ,wei Millionen Mark ge­nannt.

-{- Tas Parzellreruugsgesetz, besten Einbrinung ?on einigen Blättern anqetünvigt, von anderen de­mentiert worden war, soll, rote die ,Postt aus sicherer Quelle erfahren will, dem Landtag unmittelbar nach seinem Wiederzusammentrilt doch noch zugeben.

Entlastung der Armenpflege. Aus Anlaß des bereits am 1. nächsten Monats in Kraft treten­den Gesetzes gegen die Inanspruchnahme der Ar­menpflege durch Arbeitsscheue sind die Armenver­waltungen gegenwärtig damit beschäftigt, sich die geschlossenen Arbeitsanstalten und offenen Arbeitsstätten sicher zu stellen, in welchem dem Ar­beitszwang unterworfene Personen untergebracht werden können. Als solche Anstalten kommen in Betracht öffentliche Arbeitsanstalten, die von einem Kommunalverband unterhalten werden, wie Armen­häuser, Landarmenanstalten und Wanderarbeits­stätten. Ferner können auch Privatanstalten, wie z. B. Arbeiterkolonien zur Unterbringung benutzt werde«. Auch Erziehnngs- oder Heilanstalten, ins­besondere Trinkerheilanstalten, in denen Gelegenheit gegeben ist, die Arbeitsscheuen mit angemessener Arbeit zu beschäftigen, kommen in Frage.

)( Revision im Ratiborer Prozeß In dem Be- leidigungsprozeß gegen den Ryoniker Amts­richter Knittel hat der Staalsamvalt gegen das iicifpred,enbe Urteil der Ratiborer Strafkammer Revision beim Reichsgericht eingelegt, der sich Haupt­mann Kammler, Oberstleutnant Freiherr v. Viering- twsf und Generalmajor v. Windheim als N ben- kläger angeschlosten haben.

a. Der evangelische Psarrertag, der gegenwärtig in Stuttgart seine Beratungen abhält, nahm natür­lich auch eine Reioiuiion gegen die Aufhebung des .zesuitengesetzes an. Begründet wurde die Resolution durch den Stadt Pfarrer Traub, den Bruder des in Torkmitu seines Amtes entietzien Pfarrers Traub. Zum „Fall Traub" selbst nahm aer Pfarrertag keine Stellung trotz langer Diskus- ion. Diese Halbheit wird ihm sowohl von den Organen der kirchlich Liberalen als auch von der Presse der positiven Protestanten verübelt.

c. Die größten Schwätzer im Preußischen Abge- oidiietenhauje sind die fews Sozialdemokraten. Nach dem Verzeichnis der Redner, das für den Zeit­raum vom 15. Januar bis 8. Juni d. Js. ausge- geben worden ist, wurde von den sechs Sozial» ern ot aten am meisten geredet. Sie hielten mehr Reden als die Wortführer aller übrigen Parleten zuiämmen. Den 222 Reden der bürgerlichen Wort- tührer stehen 276 tozialvemokratiiche Reden gegen­über, die sechs Sozialdemokraten- ergriffen im ein­zelnen das Wort: Dr. Liebknecht 99 mal, Hiwch Berlin) 51, Hoffmann 48, Lemert 36, Bochardt 25, Ströbel 17 mal. Die Wortführer der übrigen Par- teten sprachen: v. Pappenhetm (tons.) 48, Frbr o. Zedlitz (frctfonf.) 45 mal, Dr. Porfch lZen r) 13 mal, Dr. Friedberg (natl.) 57 mal, Gyß,ng i!. B) 44 mal, v. Trampe,pust! (Po e) 15 mai.

# Stuttgart, 13. Sept. 1912. Das roüdteu • deigsiche Ministerium des Innern hat zu der Fleischteuerung Stellung genommen und Ber- treter der Landwirtschaft, des Fleischergeroerbes und oer Viehhändler zu einer Beratung über die zu er- greifenden Maßnahmen gegen die Fleischteuerung enigeladen.

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hat einem Telegramme aus Tokio zufolge eine Am­nestie erlassen, deren Ausführung in ihren Einzel­heiten er den Behörden überläßt. Weiter hat er für wohltätige Zwecke eine Million gestiftet.

! tgimenl8, Herr Oberst Neugebauer, ist zum l. Oktober zum Kommandeur der 41. Feldartillerie- Brigade in Deutsch-Eplau (Westpreußeu) befördert roorven. — Die 41. Feldartillerie-Brigade gehört dem 20. Armeekorps an, das jetzt neu formiert

** Japan. Tie Bei setz un gs-Feierlichkeiten für den verstorbenen Kaiser Mut'uhito begannen am Freitag früh mit einem letzten Trauer-Gottesdienste in der großen Halle des Palastes, dem der neue Kaiser, die Kaiserin, sowie die Kaiierm-Wilwe und die übrigen Mitglieder der Kaiser!. Familie und Prinz Hemrich von Preußen beiwohnten. — Um ihre Verehrung süc den verstorbenen Kaiser auf alt- japanische Weife zu bekunden, begingen General Graf Nogi, der Sieger von Port Arthur, und feine Gattin nach der religlöien Zeremonie Selbst- mord. General Nogi war am 11. November 1849 in Osaka geboren. Er kämpfte 1894—1895 gegen Ehina und war dann 1896—1898 Gouverneur von

Lokales.

Fulda, den 14. September 1912.

Der Kommandeur unsre tS Feldartillerie-

* Sperrung des Aermelkauals. Der französische Vizeadmiral Germin et hat bezüglich der Zu- ämmenziehung der französischen Flotte im Mittel­meer einem Mitarbeiter des „Echo de Paris" gegen­über aus der Schule geplaudert. Der redselige Vize­admiral erklärt, die Flottenzusammenziehung ei­nige in erster Linie deshalb, weil Frankreich unter allen Umständen die Oberhand im Mittelmeer be­sitzen müsse, um in jedem Falle den Seeweg zwischen seinen marottanischen, tunesischen und algerischen Besitzungen und dem Mutterlands zu beherrschen. Er persönlich sei überzeugt, daß die englische und französische Regierung im Falle des Ausbruches eines Krieges mit dem Dreibund den Aermel - kanal zwischen Englaffd und Frankreich als B i n- nenmeer betrachten würden und daher sämt­lichen neutralen Schiffen die Durchfahrt während des Krieges einfach verbieten würden. — So einfach dürfte das denn doch nicht sein. Jedenfalls lassen die Aeußerungen des Vizeadmirals Germinet eine energische Wendung Frankreichs gegen unfern Ge­nossen im Dreibund erkennen.

*' Die Lebensversicherung ist ist Italien seit kurzem Staatsmonovol. Jetzt wurde das Staats-Jnstitm feierlich eröffnet. Munster Ritti teilte mit, daß die Anstalt bereits 500 Millionen Lire zu verwalten habe; sobald dieAblömngs-Verhandlungen mit den ausländischen Verficherruigs - Gesell'chatten abge- schlossen seien, werde es eine Diilliarde fein.

Ausland.

** Die rebellischen Geisllichen in Portugal.

Die gesamte portugiesische Presse veröffentlicht die Denkschrift, die seitens der pensionierten Geist­lichen an den Heiligen Stuhl nach Rom abgegangen ist. Bekanntlich hatte der „Osservatore Romano" erklärt, die Geistlichen würden der Exkommunikation verfallen, weil sie die Pension angenommen und dadurch das Trennungsgesetz gutgeheißen hätten. Wir bringen die Denkschrift auszugsweise, weil sie einen Einblick in die kirchlichen Verhältnisse Portu­gals gewährt, die in jeder Hinsicht unerfreulich sind. Vor allen Dingen geht aus der Denkschrift hervor, daß unter dem portugiesischen Worte -pen« sionistas" nicht etwa in den Ruhestand getretene Geistliche zu verstehen sind, wie es den Anschein hat, sondern Geistliche, die die Gehaltsbezüge an­nehmen, wie sie sich aus dem Trennungsgesetz er­geben. Diese Gehaltsbezüge sind nur ein Teil der bisherigen, und daraus entstand der Name „Pen­sion". Es handelt sich also um amtierende Geist­liche, und darin liegt das Schwerwiegende der ganzen Vorkommnisse. Schwerwiegend schon deshalb, weil sich 800 solcher Geistlicher in offener Auflehnung gegen die kirchliche Obrigkeit befinden. In der Denkschrift selber heißt es:

Wir sind gegenwärtig 800 Geistliche, die die Pen­sionen annehmen wollen. Es gibt Diözesen, wo die Mehrzahl der Geistlichen die Pensionen abgelehnt hat, es gibt aber auch Diözesen, wie jene von Beja, wo alle Geistlichen, mit Ausnahmen von acht, die Pensionen angenommen haben, weil sie sich in sehr übler finan­zieller Lage befinden. Wir sind unserer achthundert, und diese hohe Zahl genügt, damit leine Maßnahmen und Entschließungen gegen uns getroffen werden, weder seilens der Bischöte, noch feilens Rom.

Nun ist erwiesen, daß der Heilige Stuhl mit Recht über diese Leute die Exkommunikation ver­hängt hat. Die kirchliche Lage muß furchtbar traurig fein, denn die Denkschrift der Schismatiker betont, daß ht der Diözese des Patriarchen von Lissabon hundert Pfarreien ohne Geistlichen sind. Weiter wird ausgeführt, die Pensionen müß­ten auch angenommen werden im Interesse der Be­ruhigung des Landes, das der neuen Regierung ver­traue. Eine neue Bestätigung, daß die Geistlichen den republikanischen Parteien angehören, was sehr verdächtig ist, da der freimaurerische „Mundo" ihre Partei ergreift und der „Seenlo" offen zugibt, ein Teil der Geistlichen habe für ihre Familien zu sorgen.

Die Denkschrift führt weiter aus, die Pensionen seien un Grunde nichts anderes, als die Congrua, die den Btschösen feinertett nach Wegnahme gewisser Kirchengüter eingeräumt wurde. Was damals von den Bischöfen angenommen wurde, müsse heute auch von den Geistlichen anzenowmen werden lönnen. Es folgen dann lange „Belehrungen" des hl. Stuhles darüber, caß er das neue Regime anerkennen solle, wie er es sür Frankreich 'gegenüber dem Bischof von Anuecy getan. Dabei hetßk es, die „fetndseüge" Haltung des 1)1. Stuhles und der Bischöfe Portugals habe viel von der Ge ctzgebmtg verschuldet, über die sich jetzt die Kirche beklage. Die Pensionisten appellieren schließlich an alle „aufrichtigen Katholiken" um Unterstützung, da- mit nichts gegen sie unternommen werden könne, wö­bet sie nochmals betonen, daß sie 800 Mann stark seren Uno sich bnber uirhl fürchteten.

Es herrscht also leider kein Zweifel mehr dar­über, daß man vor einer beträchtlichen Kirchenspal­tung steht. Vielleicht ist aber auch diese Spaltung ein Glück, denn diese der Logenpartei freundlichen, stellenweise unter Mißachtung des Kenschheüsgelüb- bes lebenden Geistlichen haben der Kirche nicht zum Ansehen gereicht. Aber ein Lichtblick fällt in dieses Dunkel: die portugiesischen Bischöfen haben aus­nahmslos sich den Weisungen des Heiligen Stuhles unterworfen und sind dafür in die Verbannung ge­gangen.

Deutscher Neich.

♦♦ Berlin, 13. Sept. 1912. Der Kaiser tras heute nachmittag 4 Uhr im Sonderzug aus deut Manöoergelände auf dem Bahnhof Wildp -rk ein und begab sich nach herrlicher Begrüßung der ans dem Bahnhof anroeienden Ka ferin, Prinzessin Viktoria Luise und des Prinzen Adalbert nach dem Neuen Palais. Am Sonntag begibt sich der Kaiser zu den Hebungen der Hochseiffotte nach Wilhelmshaven. — Das Spezialschtff „Grille" ist in Wilhelmshaven außer Dienst gektellt worden, nachdem es feit dem 1. April wiederum einen vielseitigen Sommerdienst zu versehen halte. Die „Grille" hat jetzt eine über 55jährige Diemtverroendung hinter sich, mit Der das Kriegsschiff in der Flotte unerreicht bleibt.

* Zn der Amklämugsreife deS Waffergefetz-AuS- schnffes des Hauses der Abgeordneten er ährt die .Rhem.-Wests. Ztg.' folgendes: Es nehmen alle Mitglieder dieses Ausschusses teil, die Reise findet vom 14. bis 16 September statt. Das Programm lautet folgendermaßen: Am 14. September nachmittags Besichtigung der Verschmutzung des Maines der Kanalisalionsanlage und Müllverbrennungsanlage in Frankfurt a. M., abends Fahrt nach RüdeS- heim. Am 15. September Fahrt auf dem Rhein von Rüdesheim nach Bonn, von da mit dem Eon- Verzüge nach Düsseldorf, nachmittags Besichtigung

Nachgerade dürfen die Katholiken selbst im Aus­lande keinen Kongreß mehr abhalten, ohne den gan­zen Evangelischen Bund und seinen Protest heraus- zusordern. Die „Tägliche Rundschau" bedauert die

^deutsche Stadt Wien", die den Eucharistischen Kongreß, diese „prunk- und lärmvolle Zurschau- ftellnng religiöser Gefühle", über sich ergehen lassen nutfie- „Die ungeheure Pompentfaltung, die hun- berte hon Sonderzügen, die fürstlichen Ehren für den eucharistischen Sondergesandten des Papstes, die Riesenprozestlonen mit den Mitgliedern des Kaiser­hauses, — es will unserer Nüchternheit, der echt- deutschen Gcmütstiese nicht eingehen. . . ." Ist auch gar nicht nötig, denn alles das sind Dinge, die das Organ des Evangelischen Bundes auch nicht das geringste angehen. Wir würden uns übrigens nM wundern, wenn die „Tägliche Rundschau" Oesterreich demnächst ihre Freundschaft kündigen wurde, weil die Mitglieder des Kaiserhauses sich an dem „eucharistischen Prunkumzug" beteiligen. Das Blatt fragt dann noch, wann wohl Berlin „reif fein wwd für die herausfordernde Demonstration?"

übrigen sehen wir auch hier wieder, wie des,Faß gegen den Katholizismus zwei in ihren po­lnischen Anschauungen so weit auseinander gehende Blatter, wie die „Tägliche Rundschau" ' „Vorwärts", zusammenführt.

** Kaisermanöver.

Am frühen Morgen begann der Kampf auf der ganzen Linie mit großer Heftigkeit. Lenkballons und Flieger arbeiteten und wurden von Ballonkanonen und Salven beschossen. Die rote 32. und 9. Division setzten ihren Vormarsch gegen Norden durch den Hubertusburgerwald fort. Das blaue 19. und 4. Korps behaupteten sich zunächst mit Energie m ihren Stellungen mit der Front gegen ^den bezw Osten. Auf beiden Seiten wurden wehrfach große Truppenmassen außer Gefecht gesetzt. Blau legte heute Gewicht auf den nördlichen Flügel. Mot wollte die eingeleitete Umfassung des südlichen Flügels von Blau fortsetzen. Die rote 6. Division nutzte sich zeitweise zurückzichen, konnte sich aber halten durch Unterstützung des roten Kavalleriekorps nn Norden und der 5. Division im Süden. Die 24 blaue Division wurde bei ihrem Marsch auf Oschatz überrascht und von der 23. roten Division bei Kollm mit Feuer überfallen. Die rote 23. Division konnte ledoch nicht alle Kräfte einsetzen, da sie wieder von der 40. blauen Division überrascht und in der Flanke gefaßt wurde. Der Kampf kam eine Zeit lang zum Stehen, bis die 32. und 9. Division angriffen. Trotz­dem das blaue Kavalleriekorps die 9. rote Division attackierte und Teile ihrer Artillerie nahm, wurde Blau umfaßt. Die 40. Division wurde umzingelt und zum größten Teil vernichtet. ®er Tag hätte für Blau nur mit einer schweren Niederlage endigen können. Das Manöver wurde um 10 Uhr beendigt, worauf der Kaiser in der Nähe von Oschatz die Kritik abhielt.

der RanatifationS« und Rlärungsaulage in Düssel­dorf. Am 16. September Fahrt in Kraftwagen von Düsseldorf nach Duisburg-Ruhrort und Besichtigung der dortigen Hafenanlagen, vormittags Besichtigung des Pumpwerks alte Emscher, Fahrt zur Mündung der alten Emscher in den Rhein und zur Mündung der neuen Emscher und Besichtigung der Mündungs- Ilrecke, mittags Besichtigung der Baustellenschleuse 3 des Rhein- Herne-Kanals in Dellwig, nachmittags Fahrt nach der Kreuzungsstelle der Essen-Horster» straße mit ber_alten Emscher, neuen Emscher und

23. Eucharistischer Kongreß.

cpc. Wien, 13. September 1912.

Heute früh hat sich das Wetter, das gestern so schön war, wieder vollständig gewendet und ein dich­ter Regen strömt vom Himmel hernieder, auf die ungezählten Scharen, die mit aufgefpannten Regen­schirmen durch die Straße pilgern. Sie alle eilen in die Kirchen, um dort dem Gottesdienste beizuwohnen und zum Tische des Herrn zu gehen. In verschiede­nen Krchen fanden auch Kinderkommunionen statt. Die Massen werden kompakter und wachsen lawinen­artig an. Das Bild wird noch erhöht durch die farbenprächtig m Trachten der Magyaren, sowie der Tiroler, die zu Tausenden nach Wien gekommen sind, um am nächsten Sonntag der großen Prozession bei- zuwohnen. Rach Schluß der Gottesdienste begeben sich die Tausende in die Sektion sversamm« lnngen, wo begeisterte Redner über die verschie­densten religiösen Themata sprechen und die Massen zum Glaubenseifer und zur Liebe znm eucharisti­schen Gott aiifeuern.

Draußen in den Straßen der Weltstadt flutet der Kampf ums Dasein. Drinnen in den gewal­tigen Räumen der Rotunde herrscht Gottesfrieden und weihevolle Stimmung. Trotz strömenden Re­gens scheu wir sie alle wieder, die gestern da war'n: Der Sohn der Berge in den bunten Trachten mit dem gewaltigen roten Regmschirm, neben dem Be­wohner der Großstadt in Gehrock und Zylinder. Viele verlassen ihren Platz und rücken näher, um die herrlichen Worte der Redner bester vernehmen zu können.

Zu der heutigen 3. feierlichen Versamm- lung in der Rotunde fand der gleiche gewal­tige Andrang statt, wie an den beiden vorausge­gangenen Tagen.

Anwesend waren mit dem Thronfolger, Erzher­zog Franz Ferdinand, Erzherzog Salvator, die Kar­dinale Dr. Nagl, Katschthaler, Skrbenski, ferner Prinz Max von Sachsen. Erzherzog Salvator, der mit Sohu und Tochter erschienen war, stellte diese den Kardinälen vor, worauf er sich mit mehreren Kardinalen eingehend unterhielt.

Vom hl. Vater ist auf die gestrige Huldi­gungsdepesche folgendes Antworttelegram« an den Legaten Kardinal von Rossum eiugetroffe»:

Von den glänzenden Gtaubensknndgebun gen tief gerührt, sowie von der herzlichen Liebe zuj uns bewegt, banken Wir von ganzem Herzen Dir und den Übrigen Kardinälen, den Bischöfen, sowie allen innigst geliebten Gläubigen, die versammelt find, um unseren Heim Je!um Christum in der Himmelsgabe der heiligen Eucharistie anzubeten. Wir bitten inständigst Gott, er alle mit dem Kongreß verbundenen Müven reichlich belohnen möge und erteilen als Zeichen unserer Danlbarkeil, dem erhabensten Protektor des Eucharisti­schen Kongresses, seinem erlauchten Haus, sowie Dir und allen Versammelten, liebevoll den erbetenen päpst­lichen Segen. ' ' Papst Pius X.

Es sprachen in der Versammlung: L Msgr. Jo­hann Stöber, Stadtpfarrer (Wien) über: Der hl Alfonfus und der hl. Klemens M. Hofbauer. 2. p. Dr. Michael Hofmann 8. K, k. k. Universa Professor (Innsbruck) über; Eucharistie und Or­densleben. 3 Alfred I. Graf Ressöguier (Wien- über Der Friede der Völker vor dem Ta­bernakel. 4 p. Bonaventura Krotz 0- Praed- (Ber­lin) über: Die Erneuerung der seelsorglichen Arbeit.

Der erste Redner, Msgr. Johann Stöber, schil­derte in wirkungsvoller Rede das Wirken und Leben des heiligen Alfons und des heiligen Clemens Bi. Hofbauer, die beide sich um die verderblichen Lehren des Jansetismus so große Verdienste erworben ha­ben. Als Bischof Hevlen von Namur das Redner« iult betrat, um die Antwort des Heiligen Vaters zu verlesen, erhoben sich Zehntausend«. Nach der Ver­lesung brach spontaner Beifall aus. Die übrigen Redner des Abends verstanden es meisterhaft, die Zuhörer zu fesseln und zu glühender Liebe zum zöttlichen Heiland zu begeistern. Den ganzen Tag trömte ein dichter Regen hernieder, der den Aufertt- halt^auf der Straß: unmöglich machte.

Im Stephansdom predigte in der Abendandacht Bischof Dr. Paul Graf Huhn von Brünn über: Meßerklärung, Kommunionteil und Schluß.

+ Liberal-sozialdemokratische Hetze gegen den Eucharistischen Kongreß.

Die nicht katholische Presse Oesterreichs wahrt gegenüber dem Eucharistischen Kongresse größten­teils ruhige Neutralität. In Wien find es nur die extrem liberale „Neue Freie Presse" und die sozialdemokratische „Arbeiterzeitung", die sich durch hetzerisches Gebühren hervortun. Anders in Deutsch­land. Dieselben Blätter, die sich alljährlich beim deutsche Katholikentag antiklerikale Lorbeeren ver­dienen wollen, lassen auch die Gelegenheit des Eu­charistischen Kongresses nicht vorübergehen, ihren fanatischen Haß gegen alles, was katholisch heißt, zu zeigen. Die sozialdemokratische Wiener „Arbeiter­zeitung" will im Eucharistischen Kongreß ein »po­litisches Manöver der Christlich-Sozialen" sehen. Gleich kommen deutsche nationalliberale Blätter wie die „N a t i o n a l - Z e i tu n g" und schreiben von einem „llebeigreifeu kirchlicher Ziele ins weltliche Machtgebiet" und wollen damit zu­gleich die mißlungene Gegendemonstration entschul­digen, die die Freimaurer Wiens mit sozialdemokra­tischer Hilfe veranstalten und die den Protest der anständigen Bevölkerung, gleichgültig welcher Kon­fession, in und außerhalb Oesterreichs herausfor­derte. Scheuten sich die Freimaurer doch nicht, vor den Kirchen Wiens unter dem Titel „I o - fephs blätter" ein Pamphlet gegen den Kon­greß zu verbreiten. Gegen diesen Störungsversuch der religiösen Kundgebung findet man kein Wort des Tadels, im Gegenteil, noch eine Entschuldigung. Gegen den Eucharistischen Kongreß aber hetzt man und sucht ihn als „fromme Schau in Wien" lächer­lich zu machen.

Wie die „Nationalzeitung", so stellt auch der „Vorwärts" den Eucharistischen Kongreß als eine politische Demonstration dar. Das »euchari­stische Unternehmen" verfolge immer mehr politische Zwecke. Worin diese politische Zwecke bestehen sollen, darüber schweigt sich das sozialdemokratische Hanpt- orgau wohlweislich aus, trotzdem sein Leitartikel die vielversprechende Ueberschrist trägt: „Die poli­tische Enchariftio". Da ist die „Tägliche R u u d- s ch a u",, das Organ des Evangelischen Bundes, doch pfiffiger. Ihre Ausführungen gipfelten darin, daß der Eucharistische Weltkongreß eine Demon­stration gegen den Protestantismus fei. Freilich, meint sie, vielleicht der Hundertste oder der Tau­sendste erst ans diesen Hunderttausenden in Wien durchschaue das Ganze, merke „hinter all dem glei­ßenden Glanz" die Absicht und würde verstimmt. Zu diesen ganz Schlauen gehört auch die „Tägliche Rundschau". Sie greift auf das Dekret Papst Pius X. über den täglichen Empfang der hl. Kom­munion zurück: „Sie zu erzielen und die Ausbrei­tung, nicht die Vertiefung des katholischen allein­seligmachenden Bekenntnisses auf Kosten der ande­ren christlichen Konfession zu fördern, das ist der - eigentliche, spezifische Kern der eucharistischen Idee.

. . . So wird ans der Anbetung der Hostie die De­nn nstratiou, und aus der Demonstration die Her­ausforderung: die Herausforderung des anderen christlichen Bekenntnisses und der Königsgewalt durch das Priestertum der römischen Universalkirche."