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vom

29. August 1912.)

Kleines Feuilleton

2lus Gderheffen u. den Hess. Aemtern-

[:] Merzhausen KrS. Ziegenhain, 13. Sept. 1912. Da die in Frage kommenden Gemeinden Willings­hausen und Merzhausen sich zur Zahlung enies Zuschusies aus die Dauer von 3 Jahren bereit erklärt haben, ist die Post-Automobil-Verbindung mit Neustadt gesichert. Der Betrieb wird am 1. Oktober ausgenommen werden. Die jetzt bestehende Fahrpost wird mit diesem Tage eingehen.

* Treysa, 13. Sept. 1912. Das seit 2 Jahren von Herrn Philipp Ebert innegehabte B a h n h o s 8- Hotel ist von dem früheren Besitzer zurückge« kauft worden.

besseren Wirkung wegen wollen:

Das Getreide war ausgezeichnet ge­wachsen. Das Gedeihen der Kartoffeln hat der Regen ebenfalls begünstigt. rionFäulnts ist wenig zu spüren. (.Borwärts' Nr. 201, 1. Sept. 1912.)

Reiches. Diese kann durch die Regierung oder den Landtag erfolgen. Das Reich ist auf Grund des Art. 76 der Reichsversassung befugt, emzuschretten und die Angelegenheit zu ordnen." Diesen Stanw punkt hat Laband schon früher vertreten. Artikel76 der Reichsverfassung bestimmt: »Verfafsungsstrnng- keiten in solchen Bundesstaaten, in deren Versagung nicht eine Behörde zur Entscheidung solcher Streltig« keilen bestimmt ist, hat auf Anrufen eines Telles der Bundesrat gütlich auszugleichen oder, wenn das nicht gelingt, im Wege der Reichsgesehgebung zur

Handel und Jndnstrie.

* Berlin, 13. Sept. 1912. Die glänzenden Be- triebsergednifse zahlreicher Industrie- und Verkehrs« Unternehmungen fanden ihren Ausdruck darin, daß die Aktien der Montanwerke, der Schwerindustri» und Schisfahrtslinien zum Teil bis zwei Prozent iu die Höhe gingen. Heimische Anleihen behauprelen sich, bayerische zogen sogar an. Der Privatdiskont blieb nach wie vor aus vierdreiachtel Prozent.

Dazu gesellt sich infolge der nassen Witterung nun auch vielfach Mih- ernte. Getreide und

Amt Geisa und Umgebung.

* Stadtlengsfeld, 13. Sept. 1912. Gestern ver­unglückte der Porzellanarbeiter Wenzel aus Wei­lar dadurch, daß er mit der rechten Hand dem Getriebe der Wassermühle zu nahe kam, wobei ihm orei Finger von der rechten Hand abgequetschl wurden. ~

♦ Tiefenort, 13. Sept. 1912. Das von Bau- Unternehmer Schanz in der Karl Simonftraße neu errichtete Poftgebäude ist nunmehr so weck tertig gestellt, daß das Postamt mit dem 1. Oktober dieses Wahres dem öffentlichen Verkehr übergeben und in Betrieb genommen werden kann. — Das schon leit 3 Jahren bestehende Projekt bezüglich der Er- richtung der 8klafsigen Schule ist nunmehr deschloflene Sache. Nachdem sich unsere Gemeinde- oertretung lür das Projekt im Schloßgarten aus- gesprochen hatte, sand eine Begulachtung seitens des Großherzogl. Schulrates aus Dermbach statt. Die von Baurat Jaenisch vorgelegte Skizze sand die Genehmigung der Gemeindevertretung. Das ur- Iprünglich vorgesehene Bolksbad soll nicht mit dem Schulbau verbunden werden, sondern eventueb später besonders aufgeiührt werden.

Kartoffeln faulen. (Sozialdemokr. .Bayerisches

Wochenblatt' Nr. 35

Erledigung zu bringen "

= So und so. W.« überall, so spielt sich die Sozialdemokratie auch bei der diesmaligen Teuerung wieder als Obersachverständiger auf. Don einem Sachverständigen erwartet man aber, daß er auch etwas von der Sach« versteht. Wrr konnten indes schon öfters seststellen, daß die sozialdemokratische Presse von dem eigentlichen Zusammenhang der einzelnen Umstände bitterwenig Ahnung hat, und daß es im roten Blätierwalde von Widersprüchen nur so wimmelt. Einen köstlichen Beitrag zu diesem Kapitel liefern wieder die beiden folgenden sich direkt widersprechenden Auslassungen, die wir der hiermit gegenübersteven

Aus dem Kachbargediete.

* Hilders, 13. Sept. 1912. In Batten ist die Plappertsche Wirtschaft abgebrannt. Die Entslehu-'gsursache ist nicht bekannt.

* Vom Vogelsberg, 13. Sept. 1912. In Schotten ist der Typhus ausgebrochen. Man vermutet, daß die Krankheit, die in einigen Dörfern am Fuße des Taufsteins herrscht, von dort ringe- ^chleppt ist.

* Eichender«, 13. Sept. 1912. Die Arbeiten an ver Erweiterung des hiesigen Bahnhofs haben ihre» Anfang genommen. Gegenwärtig ist man mit der Montierung des Dampfbaggers be- 'chäftigt. Es fehlen noch Arbeitsmanns chaslen, die bisherigen sind meist aus den umliegenden Ort- । fhnft^ ,

* Schmalkalden, 14. Sept. 1912. Die durch die interessanten Ausgrabungen des Professors Dr. Paul Weber-Jena in der letzten Zeck auch m weiteren Kreisen bekannt gewordene alte Benedlkllner- abteiktrche in Herrenbreitungen tonnte m Diesen Tagen auf ein 800jährlges Bestehen zurück- blicken. Jhxe Entweihung fand am 8. Sep.ember H12 statt. Der Pfalzgraf Siegfried van Orla- münbe, der als der Erbauer der Kirche gilt, wurde auch dort beiges tzt.

sches Verfassung^- und Volksleben. Das Vater­land steht über" der Partei, und das gemeinsame öffentliche Wohl über dem agitatorischen Interesse gewisser Parteifunktionäre uild „Auchpolitiker . Deshalb ist eine ruhige, leidenschaftslose Besprechung der Truerungserscheinungen angezeigt und notwen­dig.

Vielleicht überlegen sich die Regierungen, Stadt­verwaltungen und Politiker einmal eingehend fol­gende Gesichtspunkte:

! 1. Wie ist die I u lanbspr o duktion von

Vieh jeder Gattung weiter zu beordern? (Meno- rationen, Erschließung von neuem Anbaugelande, Förderung der Viehzucht usw) . r ,

2. Tie Einfuhr von argentinischem Ge­frierfleisch läßt sich ohne Durchbrechung des Fleischbeschaugesetzes dann ermöglichen, wenn die fremdländische Einfuhr schon an den Ver^ickungs- nnd Verladestellen über See deutscher Kontrolle ""^^Eme'Neuordniing des La n d e l s v e r l e h r s mit Nahrungsmitteln und Nahrungsmcktelrohstosfen im JnlanLe dürste auch manche Besserung bringe»

4. Die großstädtischen und städtischen Verwal- | tun gen müssen, anstatt nur an die Regierungen ge­richtete Resolutionen zu schmieden, etne bessere Organisation der Lebensmittelversorgung an­streben. Unaesunde H ä n dl?rp raktik en, die die laschen des Volkes belasten, sind auszumerzen.

5. In allen Städten und Industriezentren ist I für eine Geregelte Zufuhr von Fleischersatz­mitteln (Seefische usw.) zu sorgen; desgleichen muß den Frauen die Zubereitung der verschieden­sten Fischarten in einem kleinen Schristchen zusam- I mengestellt werden.

Run, ihr Städter, legt Hand an und schimpft nicht bloß über das Land! Fabelt nicht imme: nur vom nicht vorhandenen Biehreichtum des Auslan­des, von Zöllen und Futtermitteln, ohne auch nur die Bestimmungen des Zolltarifs einmal angesehen zu haben. Sucht selbst neue Wege und helft Prak- I tisck mit, wieder normale Preise zu erhalten. An I der Landbevölkerung soll es nicht fehlen!"

Reklame«- uud Auzeigeutett.

StädtFblytedin.Lehianstalt

®und Bau-JnienlBurwasen.

^*mgramm durch das

Itdlnu ter Semester Ami u.wnber

seine indischen Kolonien wird gegen jedes Schlangen­gift ein besonderes Serum hergestellt. Hauptsache bleibt immer, die Wirkung des Giftes schnellstens zunächst dadurch zu bekämpfen, daß man seine Ver­breitung von der Wunde aus durch Unterbinde» verhindert! Danach erst gehe man zum nächst«» Arzt oder in die nächste Apotheke! mo

— Das musikalische Bett. Das Neueste auf dem Gebiete der Musik, womit die Menschheft be­glückt worden ist, ist das musikalische Bett. Es gibt indessen nicht so ohne weiteres herzerfreuende Melo­dien von sich, sondern nur, wenn der Mensch sich in dasselbe zur süßen, wohlverdienten Ruhe ntebet- legt und wenn Morpheus ihn länger, als ihm selbst lieb ist, in seinen wohligen Armen festhäft. Das musikalische Bett hat also praktische Zwecke zu er- füllen: Es soll ebensowohl für Personen, die an Schlaflosigkeit leiden, wie für solche, die zuviel schla­fen, bestimmt fein. Es ist im wesentlichen etwa folgendermaßen konstruiert: Legt sich die betreffende Person zu Bett, so setzt sie durch ihr ebenes Körper, gewiss einen Musikapparat in Tätigkeit, und noch ehe sich der an Schlaflosigkeit leidende Weltbürger behaglich ausgestreckt hat, vernimmt er ein süße- Wiegenlied, das chn mit unbedingter Zuverlässigkeft einschläsert. Für die Siebenschläfer hat dieses Bett eine besondere Weckvorrichtung; am Kopfende be­findet sich nämlich ein Zeiger und ein Zifferblatt. Ehe der „Patient" sich abends niederlegt, rückt er den Zeiger an die Stunde des Zisfernblattes, zu der er aufsteh en will; ist er dann zu der bestimmte» Zeit noch nicht aus den Federn gekrochen, so ertönt ein infernalischer Walzer mit Trommeln, Flöte» und Pseifen, zusammengenommen ein solcher Höl­lenlärm, daß selbst ein Murmeltier erwachen wurde. Um einem solchen Höllenlärm zu entgehen, springt der Schläfer sofort aus dem Bett, wodurch er er­reicht, daß der Mechanismus infolge des mangeln­den Körpergewichtes sofort stillsteht. , tf

— Der Pantoffelheld. .Warum so traurig heut, Herr Bierhuber — .O ne ei', meine Fran hat mich in den Antialkoholiker-Verein aufnehmen lasten.

Deutsches Reich.

* Der fortschrittliche Abg. Dr. Wiemer hat, nach der „Voss. Ztg.", auf seine Landtagskandi­datur fü: Nordhaufen verzichtet. Er ist bei der letzten Landtagswahl mit 168 gegen 98 konservative und 20 sozialdemokratische Stimmen gewählt wor­den. Die Vertrauensmänner der Fortschrittlichen Volkspartei haben nun beschlossen, einen einheimi­schen Kandidaten aufzustellen unb zwar Professor Friedrich P i e tz k e >Nordhansrn.

** Die Kaviaruot hat das „Berliner Tageblatt" entdeckt; hoffentlich veranlaßt es nun auch Protest- Versammlungen und fordert die Aufhebung des Zol­les auf Kaviar, um die hungernden Schlemmer zu unterstützen; denn es sagt: Berlin ist auch einer be: größten Konsumenten der Welt. Nirgends, in keiner Großstadt wird soviel Kaviar gegessen als in Berlin und zwar werden hier die allerfeinsten Sorten ve:- zehrt, während Rußland, das Land des Kaviars, als Konsument bloß zweftklassig ist.

** „Ein verfafstnigtztkchtttcher Notstand". In Schwarzburg-Rudolftadt hat die Auflösung des Landtages bekanntlich die sozialdemokratische Mehr­heit nicht beseitigt. Die Sorialdemokratie bat wieder I neun von den 16 Mandaten erhalten. Die Regierung hat nunmehr dem Landtag ein Reckcksgrckachten über I verfassungsrechtliche Fragen vorgelegt. Es ist rm ! Auftrage der Regierung von Prof. Labanv verfaßt | undFoll per Regierung als Grundlage btt Erledigung I zweifelhafter Fälle dienen. Die ,Voss. Ztg/ melde: hierüber: „Laband Lmmt zu folgenden Schlüssen: Was die Frage angeht, ob die Regierung sich an die Verfassung zu halten hat, wenn wieder­holt eine nicht auf dem Boden der Ver fas jung stehende Landtagsmehrheit gewählt wnd, so ist sie dazu zwar tm allgemeinen verpflichtet. Wenn aber diese Mehrheit wiederholt Beschlüsse faßt, die der ■Regierung ein verfassungsmäßiges Verfahren zur Unmöglichkeit machen, so kann sie davon abgehen. Es liegt dann eben ein staatsrechtlicher Notstand vor, dem im Interesse des Staates abgeholfen werden muß. Für den Fall, daß kein Etat zustande I kommt, bleibt als l.tzter Ausweg die Anrufung des

reicherung erfahren. Mit einer kleinen Flasche Ammoniak ausgerüstet, wandert er Tag und Nacht in den Straßen der englischen Metropole herum und hält fleißig Ausschau nach den schwaickenden Ge- ftalten, die ihre liebe Not haben, sich im Gleich­gewicht zu erhalten. Und es fehlt dem Menschen­freund auch nicht an hilfsbedürftiger Kundschaft. Sobald er einen Passanten erspäht, der, ftn Zickzack­kurs steuernd, vom rechten Weg abzukommen droht, stürzt er sich unverzüglich auf ihn und hält ihm seine Flasche Ammoniak, das bekanntlich die Eigen­schaft besitzt, die Geister der Trunkenheit zu bannen, unter die Nase. Seine Zuvorkommenheit wird dem hilfsbereiten Retter freilich nicht immer nach Ver- dienft gelohnt. Er gerat nur allzu oft an den Un­rechten und heimst so neben einem klingenden Lohn, der sich im Durchschnitt auf vier bis fünf Mark berechnet, auch einen ungezählten Haufen von Ohr­feigen und Fußtritten ein. An Fest- und Feier­tagen geht das Geschäft bekanntlich am besten, und gelegentlich der großen Nationalfefte glückt es dem Mann sogar zuweilen, seinen normalen Tages­verdienst zu verdoppeln.

— Wie eine Lotterieziehung vor sich geht. Aus Anlaß der Verhaftung des Lotteriekollekteurs Schäfer in Tüsieldorf wegen betrügerischer Manipu­lationen bei der Frankfurter Wohlfahrtslotterie er­zählt ein Berliner Blatt, wie die Ziehung bei der preußischen Klassenlotterie vor sich geht. Danach sind bei der Ziehung der preußischen Klaffenlotterie schon seit vielen Jahren keine Waisenknaben mehr beschäfttgt. Die Ziehung geschieht durch Kommis­sare, die vom Finanzministerium ernannt werden. Die Oeffentlichkeit des Ziehungsaftes ist gesetzlich vorgeschrieben. Jeder Losnummerzettel und jeder Gewinnumme^ettel geht durch die Hände zweier Personen. Ein Kommissar entnimmt die Num­mernzettel den gläsernen Trommeln, durch deren Wände hindurch jede Manipulation aufs genaueste zu beobachten ist, nimmt das Streifbändchen ab und überreicht den geöffneten Zettel bann seinem Kol­legen, der die Nummer ausrust. Zwischen den zwei Herren, die die.Gewinittrommel. bebienej^Jigt _em_

fünfter Komifsar, der Gewinnummerzettel und Losnummerzettel unmittelbar hintereinander auf eine Nadel schiebt. Alle aufgerufenen Zahlen wer­den ferner sofort sechs- bis achtmal protokolliert. Schon vor dem Einschütten der Lose und der Ge­winnröllchen wird eine genaue Kontrolle gleichfalls in öffentlicher Sitzung vorgenommen. Jedermann hat das Recht, sich zu der vorher bekannt gemachten Stunde im Ziehungssaal einzusinden und vor dem Füllen des Losrades sich aus der Zahl der Röllchen dasjenige heraussuchen zu lasten, das die Nummer seines Loses trägt. Ferner werden auch von Amts wegen Stichproben gemacht. Vor dem Tage des Einschnttens schon sind die Röllchen ferttggestellt. Sie befinden sich in kleinen hölzernen Kästen, die durch Messingbänder in eine MeNffe kleiner Qua­drate geteilt sind. In jedem der Quadrate steckt aufrecht ein Röllchen. Bei der Kontrolle wird in den numerierten Kästen das entsprechende Quadrat ausgesucht, das betreffende Röllchen herausgenom- men und bas Blatt, auf dem bie Zahl aufgedruckt ist, au§ der umgebenden Hülle herausgezogen. Dann verkündet ein Kommissar laut die Zahl und zeigt sie gleichzeitig dem Publikum vor. Tann wird das Röllchen wiederhergestellt und an seinen Platz ge­bracht. Mit einem Schwung entleert hierauf der Diener den Inhalt eines der Kästchen nach dem andern in den Bauch des Rades. Ebenso geschieht es mit den Gewinnröllchen. Unter diesen Umstän­den ist es geradezu unmöglich, irgendwelche betrü­gerischen Monivulationen vorzunehmen. tf

— Die Behandlung von Schlangenbiß. Nach Nach neueren Forschungen besitzen die Giftschlangen zwei verschiedene Giftstoffe: Der eine lähmt das Nervensystem, der andere zerstört die Blutkörper­chen und vernichtet die Gewebe. Bei den verschie­denen Giftschlangen überwiegt bald das eine, bald das andere Gift und es gibt daher kein MfttA, das ohne weiteres als ein Heilmittel gegen jede Schlangen-Bißwunde gepriesen werden könnte. Die Ansicht, daß dies der Alkohol sei, stt ganz irrig. Ver­suche au Ratten haben sogar das Gegenteil bewie- jen! JJn Amerika und besonders injEnfllanb Jür

* Eine Stimme vom Lande, |

»i- sich mit d-r der

tigt, finden wir tm Stuttgarter Einseitig- blatt". Ta die Ausführungen sich 'ißcge kettett fernhalten und » E. - A^«en Fleisches

demokraten"vcranstaltet werden. Dte Herren „Ge- demoftaten " ^ie „Nimmersatten

Äie/Äeinen dabei unsere deutschen Bau- Ä, Altch einem Sozialfftenhirti kann es doch mcht entgehen, daß die deutsche Viehzucht tn der Haupt­sache in den Händen des kleinen und mittle­ren Bauern liegt Und diese bäuerlichen Kreise toiflen sich angesichts des andauernden Regenwet­ters kaum mehr zu helfen. An Maria Geburt ist jedes Jahr in der Hauptsache das Oehmd (Zweiter Schnitt, Grummet) zu Hause. Dieses Jahr liegt cs draußen auf den Wiesen, verfault und kann vielfach nur noch als Streu verwendet werden. Und von dem vielen Futter, das noch steht, weiß niemand, ob man es bei der vorgerückten Jahreszett über- Haupt noch unter Dach bringen wird. slSare dcio Oehmd nur einigermaßen gut nach Hanse gebracht worbm, bann hätten wir in wenigen Wochen s e t- tes Vieh genug auf den Markt Wersen können, und es wären die Viehpreise sicher zurückgegangen. Jetzt muß mit Krafts utter mitt ein nachge­holfen werden, wodurch das Fleisch sicher nicht btl= liaer werden kann. In diesen Tagen und Wochen gchen Millwuenwerte auf den Feldern zugrunde, fti erster Linie zum Schaden der bäuerlichen Bevölke- rung.

Umso trauriger ist es, daß die Städter in der »t Zeit aus politischen Gründen gegen nb ausgehept werden. Gegen diese scham- unb maßlose Volksverhetzung sollen die anstänbigen Leute sich toenben. Wo kommen wir hin, wenn es so weiter geht? Der Bauer weiß sich kaum zu helfen; er sieht, wie seine Frucht auf dem Felde auswachst, wie der zwefte Futterschnftt zugrunde geht, wie bie Kartoffeln schwarz werden nsw., und er liest bann noch Tag für Tag, wie papierne Re- Jolutionen znfamnrengestupft werden, in denen gegen die,^Volksausplünberung" durch bie „Nimmersatten

— Wir die Franzosen in Moskau hausten. Kürz- sich hat — auch eine Ironie der Weltgeschichte — der französische Ministerpräsident Poincars in Mos­kau den Kreml besichtigt und auch bie Kirchen und Paläste der Stadt. Da dürste ihn manches an das Jahr 1812 erinnert haben, denn die Goldgier der französischen Soldateska hat damals in Moskau wahre Orgien gefeiert, und es war viel Gold rm heiligen Kreml. Vom Iwan Welifty rissen die Franzosen das Kreuz der Kuppel herunter, das sie für Gold hielten: Es war jedoch keins. Auf dem höchsten Punkte des Kreml erhebt sich die Kathe­drale der Verkündigung Mariä, die Blagowjescht- fchenskij-Kathedrale, die Taus- und Trauungskirche der Zaren. Auch hier richteten, nach Gold suchend, die Sohne der „großen Nation" eine grauenhafte Verwüstung an. Freilich erlebten sie hier auch einen Hereinsall. Hier hängt das Blld der Dänischen Mutter Gottes, das Dimitrij Donskoi 1380 wäh­rend der Schlacht auf der Kulikowo-Ebene auf feine großfürstliche schwarze Fahne heftete, das auch Boris Godunow 1591 unter den Mauern Moskaus in die Tatarenschlacht beglettete. Der Rahmen weist noch einige Riffe auf. Auch sie stammen von fran­zösischen nach Gold kratzenden Händen. Aber wäh- “vr-Jr6 nicht goldene Kreuz des Iwan Weliftj mttfchleppten, ließen sic den schweren Rahmen aus «vJt96110?!' ^inen Dukatengolde zurück, weil sie ihn bete§ ?apfer hielten. In der Uspenskij- Ste». die Franzosen damals nicht M^rna9 hi»1 K^gramm Gold, das ihnen aller- * Kosaken bald wieder abjagtem Ob sich Herr Pomcars auch die 366 im Fahre 1812 erben« Sen ^t?50'’1^" Geschützrohre im Arsenal ange-

— Merkwürdiger Beruf. Die Liste der stlt- famen Berussarten hat durch einen Spezialisten in London, der sich als Retter der alfobo berqifteten Menschheit etabliert hat. eine bemerkenswerte

Agrarier" Stellung genommen wird. Seit Jahren haben wir nie mehr einen wirklich guten Jahrgang gehabt. Die Städter toiflen darum gar nicht, wie der Bauer von heute dran ist, und unter welchen den Betrieb erschwerenden und verteuernden Um« ständen der Bauersnumu im letzten Jahrfünft ge­arbeitet hat.

Unsere Generation weiß auch nichts mehr da­von, wie man früher gelebt hat und auf« gewachsen ist. Früher hat es Zeiten gegeben, wo man wirklich eine Hungersnot im Lande hatte; wenn aber in bei letzten Woche das württembergische Sozialistenorgan wiederholt behauptet hat, wir hät­ten heutzutage eine Hungersnot tm Lande, so grenzt 'eine solche Behauptung nachgerade an Gottesläste­rung. Bon „Hungersnot" zu sprechen in einer Zeit, wo so viel gefestet wirb, wo so manche Mark für recht tmre über beu Stand hin- ausgehende Hüte, Kleiber usw. ausgegeben wird, ist ein starkes Stink; es ist eine Vermessenheit.

Wie wäre es aber, wenn die sozialdemokratischen Organisationen ihren Mftgliedern bie hohen Bei­träge, bie sie für bie Hetzarbeft ihrer Führer bezah­len müßten, für ein halbes Jahr Nachlassen wür­den?! Dafür konnte mancher Arbeiter verschiedene Pfund Fleisch kaufen! Früher hat bie Bevölkerung um gutes Wetter und um ben Erntefegen gebetet; heutzutage schimpft unb flucht sie, protestiert und faßt Resolutionen gegen die Regierungen und die „volksausbeutenden" Bauern, die Zentrumspartei und gegen den nebelhaften „schwarz-blauen Block".

Mochten darum doch alle gutgesinnten Kreise mehr und mehr zusammenstehen und zusammeuhal- ten! Es müssen freilich auch Mittel und Wege gesucht werden, um den hohen Preisen wirksam begegnen zu können: das kann, wird und muß ge­schehen, ohne daß ein Stand gegen den andern aus- gehetzt wird, so daß unser Volk im Innern des Landes sich immer mehr entfremdet. Darin liegt in letzter Linie eine Gefahr für unser ganzes beut«

vermischtes.

» Große Wechselschiebungen führten laut „Hann Cour." zur Verhaftung der Kaufleute Georg Rotze! und Albert Benjamin sowie des Agenten ^oseph Rosenblatt in Berlin. Nach Jakob Rötzel, dem Bru­der des verhafteten Georg Rötzel, wird eifrig gefahn­det. Die beiden Rötzel drängten sich an Offi­ziere, von denen sie in Erfahrung gebracht hatten, daß sie sich in Geldverlegenheit befänden, unb ver­sprachen ihnen für Wechsel 85 Proz. Kaffe. Bei den Versprechungen blieb es aber auch und höchstens hin und wieder leisteten die beiden Rötzel ganz ge­ringe Zahlungen. Die Betrüger erhielten von der G ul b 'Schreiner u. Co., bei der SBenjamtu und Rosenblatt als Geschästssichrer bezw. Agenten angestellt sind, für die Wechsel Waren aller Art, Zi­garren, Möbelstücke, Stiefelwichse usw., und machten sie auf einem Lombardhaus zu Geld. Das Ende war, daß die Opfer der Schwindler eine Kleinigkeit in bar oder eine goldene, mitunter auch nur etne silberne Uhr erhielten. Tie Firma Schreiner u. Eo. gab die Wechsel weiter, und die Offiziere gerieten, als die Papiere ihnen zur Einlösung twrgelegt tour- den, mitunter derart in Verlegenheit, daß nteyr all ein Dutzend von ihnen des Königs Rock ausziehen mußten. Die vom Unterrichtsminister angeord- 'neten Durchsuchungen forderten zahlreiches beuisten- des Material zutage, unter anderem schsd die Krimi­nalpolizei noch eine große Anzahl von Wechseln nam- Hafter Persönlichkeiten, sowie von Berliner und au«, wattigen Offizieren. Wechselgeschafte dieser Art wur- den von den Beschuldigten in einem solchen Umfange a'macht, daß sich die Gesamtsumme auf mehrere Hunderttausend Mark beläuft. Worin die Gegenleistungen bestanden, die die Offiziere für ihre Wechsel erhielten, zeigt sich besonders in einem Falle, in dem ein Offizier gegen einen Wechsel bon 10 000 Mark statt 85 Pro;. Kasse nur 200 schlechte Zigarren und eine goldene Uhr bekam.

* Lebensversicherung für Hunde. Das Nmeste auf dem Gebiete des Versicherungswesens bildet ge- wiß eine soeben in Paris gegründete Versiche- rungsaesellschast. welche Versicherungen auf den Tob von Hunden abschließt. Die versicherten Hunde wer­den von einem besonderen Personal der Gesellschaft ständig überwacht, um sie so lange wie möglich bet auter Gesundheit und am Leben zu erhalten. Beim Tode des Hundes erhält der Besitzer des Tieres bas Kapital ausgezahlt, für welches er feine jährlich, Pkämie entrichtet hat.

Zeitung t vruck Hirt Verlag der Mdaer ActieRrnckerei

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Zamriag II- §eptembtzk 1912.

39. Zatzrgaug.

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