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209.
Erstes Blatt.
Fulda, Donnerstag den 12. September 1912.
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39. Jahrgang.
£8 Die Bereinigung der französischen Flotte im Mittelmeer.
Ab nach Toulon! Das 3. französisch: Geschwader, das bisher die atlantische Küste decken sollte, wird vom Oktober zu den beiden anderen Geschwadern in's Mittelmeer gehen, sodaß dort sämtliche Schlachtschiffe der Republik vereinigt werden, d. h. Frankreich konzentriert seine Seestreitkräfte gegen Italien und Oesterreich, während der Kampf gegen die deutsche Flotte vollständig dem Verbündeten England überlasten bleiben soll.
Die deutschen Interessen werden durch diese Verschiebung nicht unmittelbar berührt. Das 3. Geschwader, das jetzt aus dem atlantischrn Ozean und dem Aermelkanal verschwinden soll, war keine erhebliche Bedrohung der deutschen Flotte, geschweige denn der deutschen Küsten. Sein Weggang ist also auch leine merkliche Erleichterung. Für den Kriegsfall kommt die englische Flotte als entscheidender Faktor in Betracht. Es wäre nun eine Ver- s ch lecht e r u n g unserer Lage, wenn die Ueber- führung dieses französischen Geschwaders in das Mitteimeer den Engländern ermöglichen würde, um ebensoviel Gefechtseinheiten ihre Mittelmeerflottr zu verringern und damit die gegen Deutschland postiert: Heimatsflotte zu verstärken. Dann würden wir au Stelle der älteren und weniger bewährten französischen Kriegsschiffe eine entsprechende Anzahl neuerer und zuverlässiger englischer Kriegsschiffe uns gegenüber sehen. Doch darf man kaum annchmen, daß England sich wirklich verleiten lassen wird, die Macht im Mittrlmeer, die u. a. den Seeweg nach Indien zu schützen hat, aus der eigenen Hand zu geben und der verbündeten Macht zu überlasten. Bei den Verhandlungen über die britische Flott m- stratcgie im vorletzten Monat hat sich ja eine sehr starke Strömung für die selbständige Wahrung der englischen Interessen gezeigt, sodaß die Regie mag sich genötigt sah, die Wiederverstärkung der Mittel- mccrftatton zu versprechen. Vermutlich wird auch in Zukunft dieser Forderung Rechnung getragen werden »lüsten. Der Rückzug Englands aus dem Mittelmeer würde nicht bloß fein Arischen herabdrücken, sondern auch insofern eine materielle Gefahr herbeifuhren, als die französische Flotte mit ihren zweifelhaften Schiffen und ihrem noch zweifelhafteren Pul- der durchaus keine Gewahr der Gleichwer- tigkeit oder gar Uebrrlegenheit gegenüber den it a- l i„c n ischen und öst erreichischen Seestreit- lräste bietet. Das Ende vom Liede wird immer fein, daß England Schiffe nach dem Mittrlmeer schicken muß, um seine Weltstellung zu sichern, und tucnn es wegen seiner Angst vor den deutschen Schiffen seine Heimatsflotte nicht verringern will, so muß cs eben neue Schiffe bauen. Frankreichs Freundschaft kann ihm die Rüstungslast nicht ab- nehmen: wohl könnte das die Versöhnung mit Deutschland.
Auf der anderen Seite bat die Zusammenziehung d-r ganzen französischen Flotte im Mittelmeer für uns einen Vorteil in hochpolitischer Beziehung. Die Maßregel deutet auf die Absicht Frankreichs hin, im Mittelmeer eine Vormachtstellung einzunehmen. Die Spitze der Maßregel richtet sich gegen Italien, und die Italiener sind jetzt, unter dem Einfluß ihrer Kriegsabenteuer, sehr empfindlich in solchen Dingen. Die alten Bemühungen, Italien vom Dreibund ab und in die Armee der „romanischen Schwesternation" zu ziehen, werden durch die dauernde Flottenparade in Toulon, unmittelbar an der italienischen Grenze, gewiß keine Förderung finden. Die Antwort auf diese bedrohliche Maßnahme Frankreichs muß dir weitere Verstärkung der italienischen Flotte nach Abschluß des gegenwärtigen Krieges sein. Auch in Oester- ? eich werden die Schiffsbaubestrebungen einen weiteren Antrieb finden.
Sonach brauchen wir uns durch diese Schiebung auf dem Meere nicht bange machen und überhaupt nicht ausregen zu lassen. Dir Franzosen haben schon öfter die Stationspläne für ihre Flotte gewechselt. Vielleicht kommen sie bei einem Wechsel des Ministeriums auch von der neuesten Konzentration in Toulon wieder zurück. Es kann uns ja ziemlich aleichgiltig sein, ob sich dieses Anhängsel der englischen Flotte hier oder dort befindet.
+ Minitterstürzer links und rechts.
An Minifterstürzeret hat sich die extreme Linke von jeher versucht, wrnn die Regierung ihr nicht den Willen tot. Bei der Linken, die ja das parlamentarische Regierungssystem vertritt, ist es deshalb nicht besonders auffallend, daß sie im Reiche gegen Bethmann-Hollweg, in Bayern gegen das Ministerium Hertling aufs schärfste Front macht, aus dem einfachen Grunde, weil hier tote dort nicht so regiert wird, tote sie will. Bemerkenswert ist allerdings, daß sich der Kreis der Ministerstürzer auf der linken Seite in den letzten Fahren erweitert hat, und zwar durch Zuzug aus dem nationalliberalen Lager. Prinzipiell vertreten die Rationalliberalen nicht da» parlamentarische Regirrungssystem Ihre jüngste Praxis ober läuft nicht selten auf dasselbe hinaus. Mit der fortschreitenden Entwicklung des sogenannten IungliberaliSmus handelt man auch im nationalliberalen Lager immer mehr nach der Parole: Der Minister, der nicht pariert, fliegt.
As vor etlichen Jahren in Baden noch keine Großblockregierung da war und die Nationallibe- TOlen .ich im schärfsten Gegensatz zu dem damaligen £11118 befanden, drohten sie — entgegen ihrer bisherigen Anschauung, daß das Recht, Minister zu er- neniien und abzusetzen, Recht des Monarchen sei —* bamrt, daß die »Ministersessel m die Lust fliegen" tonrben, wenn die Regierungen ihnen nicht zu W-len ftu Seitdem hoben auch im Reiche Rattonalliberale nicht selten gegen die Reme- nCm Vorbild der badischen Jung- Itberalen Stellung genommen Und in Baw-n sehen Wir heute die Rotionalliberalen P im engsten Bunde nut Freisinn und Sozialdemokratie Jbeim Sturm aeaen das Ministerium Hertlina.
Rechtsstehende Politiker habe, «S bisher als selbstverständlich betrachtet, gegen diese Art und Weife, ein Ministerium zu bekämpf«, Front zu machen. Unb daS müßten sie auch, w«n sie richt im Prinzip daS konstitutionell-nwemrchisch« »trgierungS- system preisgeben wollten.
Gegenwärtta aber erleb« wir eS, daß sich cm minffterstürzlerischen Treiberei« auch Polittker beteiligen, die konservativ genannt zu werden beanpruchen. Wir wollen «S dahin gestellt fein lassen, ob die Art der Ärttti, wie sie von den Alldeutschen vor wenigen Im« an der Reichsregie, rung und vor allem an Bechrnann-Hollweg geübt wurde, bereits al8 Ministerstürzerei zu bezeichnen ist. Sicherlich aber ist bet Kampf, den rechtsstehende Blätter — nicht alles —* schon feit Monaten gegen das Ministerium Hertlina führen, Minffterftürzerei in des Wortes eigentlichster Bedeutung. Handeln die Alldeutschen cm» mißverstandenem, übertriebenem Patriotismus heran», f» die tonfrroariti sich nennenden Gegner der gegenwärtigen bayerischen Regierung in vermeintlicher Wahrnehmung Protestantischer Interessen, die durch das in ihren Augen „ultramontane" Ministerium Hertling br- droht wären. Wie falsch da» ist, erhellt schon auS der Tatsache, daß btt bayerische Großblock, der Feind jedes positiven christlichen Bekenntnisses, nicht nut des katholischen, mit derselben Motivierung das bayerische Ministerium bekämpft. Dir positiven Protestanten in Bayern, wie im Reiche lehnen es deshalb auch ab, gegen bat Ministerium Hertling zu Felde zu ziehen. Im Gegenteil, sie sind bet An« sicht, daß die bayerische Regierung nach Kräften zu unterstützen ist, weil sich in ihr, wie ein alter Protestant in der „Kreuzzeitung" schreibt, „religiös- erweckte Männer die Hände reichen, die nach dem alten Kaiserwort die Religion dem Volke zu erhalten bestrebt sind." Es sei ein christlich-konservattveS Regierungsprogramm, da» al» Ideal ihnen Vorschwebe, und das sie in allen Einzelheiten durchzuführen suchen. Gegen eine Regierung, die ein christlich-konservatives Programm durchführen will, sollten aber nicht die Stellung nehmen, welche dir Interessen des Protestantismus verteidigen wollen. Wenn sie es doch tun, dann handeln sie aus einet verwerflichen Anschauung heraus, die sie letzten Endes mit bet extremen Linken zusammenbringt. Jene rechtsstehenden Ministerstürzer aber sind nicht minder gefährlich wie die von der Linken.
Deutsches Reich.
•* Berlin, 11. Sept. 1912. Prinz Heinrich von Preußen stattete am Mittwoch dem japanischen Kaiser eine« Besuch ab unb nahm da» Frühstück mit ihm em. Später begab er sich in das Iraner- Coch, «m der dort au'gebahrten Leiche de» ver- irenen Kaiser» seine Ehrung zu erweisen. — Reichskanzler v. Bethmann Hollweg ist in Bet- lin eingettoffen. — Die erste Vollversammlung de» BundeSrat findet am 10. Oktober statt. Ausschüsse treten schon Ende September zusammen.
'-j-' Zum Wassergesetzentwurf. Um den von vielen Seiten, insbesondere au» den Kreisen der 5ftibwstrie, de» Handel» unb der Kommunen ge» äußerten Wünschen zu entsprechen, haben die dem Zentrum angehörenden Mitglieder der Wasserrecht». Kommission den Antrag eingereicht, von der Erhebung von Gebühren für die Benutzung der Wasserläufe 1. Ordnung gänzlich Abstand zu nehmen. Auch in anderer Beziehung haben die Amtrumsmit^iedern den au» den Kreisen des Berg, baue» und der Industrie geäußerten Wünschen durch Einreichung besonderer Anträge Rechnung getragen, so z. B. bei den §§ 47 unb 360.
f] DaS ParzeStemngszefetz kein Sondergeseh. Der Meldung eine» Berliners Blattes gegenüber, daß da? Parzellierungsgesetz als Sondergesetz für Posen und Westpreußen in Aussicht genommen werde, weiß eine offiziöse Korrespondenz zu melden, daß durch daS Gesetz die Güterschlächterei in sämtlichen Provinzen bet Monarchie bekämpft werden solle. Die Erfahrungen in andern Staaten, z. B in Bayern unb in Koburg-Gotha, in denen gesetzlich bestimmte Gebühren für Güterschlächrereien eingeführt wurden, sollen hierbei verwertet werden. — Das Parlament wird sich in diesem Winter nicht mehr mit dem Entwurf beschäftigen.
O Eine Vorlage über die Abänderung des Wechselrechtes auf Grund der Bestimmungen des internationalen WechselrechtreniwurfS wird nach Blättermeldungen verbreitet. Zu den Punkten, die einer Neuregelung bedürfen, gehören u. a. die neuen Bestimmungen, daß auf dem Wechsel der Vermerk einer Berfallzeit fortfallen kann, sodaß er als Sicht- wechsel zu gelten hat. Ferner ist die Zinsklausel bei Sicht- und Nachsichtwechseln als zulässig erklärt worden. Die weiteren Punkte beziehen sich auf die Berücksichtigung der höheren Gewalt bei Präsentation des Wechsels unb Protestfrist, auf Zulassung der nicht akzeptablen Tratten, sofern der Wechsel nicht domiliziert oder eine Frist nach Sicht zahlbar ist. Besonders hervorzuheben ist, daß eine Vereint- gung aller der Konvention beitretenden Staaten auf die Bestimmung erzielt wurde, daß eine nicht genügende Verstempelung des Wechsels nicht die Ungültigkeit der Urkunde herbeiführt.
X Maßnahmen gegen die Fleischteurrnng. Am Mittwoch vormittag fand im Rei chsamt des Innern eine mehrstündige Konferenz statt, in der die Frage einer Milderung der Fleischbeschau- Vorschriften zur Erörterung stand. Man sei, so wird berichtet, zu der Ueberzeugung gelangt, daß eine Aufhebung des bekannten § 12 des Fleischbeschaugesetzes unnötig geworden ist. Die Industrie habe es dahin gebracht, daß sie ohne Entfernung der im genannten Paragraph aufgeführten Teile Fleisch in geforenem Zustande aus Argentinien und Australien nach Deutschland zu importieren vermöge, und die Reichsbehörden sollen sich auch bereits vergewissert haben, daß die Industrie in der Tat in einer für die Gesundheit des Fleisches gefahrlosen Weise diese Einfuhr bewerkstelligen vermöge. — In einer Ge
neralversammlung der Metzgerinnung in Köln teilte da» Mitglied der Schlachthauskommiffion Horn mit, daß er gelegentlich einer Besprechung mit der Stadtverwaltung erfahren habe, daß die Stadt Köln zunächst 86 Stuck Großvieh zum erstenmal au» Dänemark bestellt habe, die am Montag hier eintreffen werden. Die Stadtverwaltung wolle den Metzgermeiftern anheimgeben, ausländisches Fleisch für die Stabt Köln zu verkaufen; das dänische Fleisch kost« franko Kölner Schlachthaus 70 Pf. unb soll« eingerechnet Transportkosten unb Verdienst durch- schnittlich zu 82 Pf. verkauft werden; der HöchstverkausSprei» für Filet dürfe 1,20 Mk. für da» Pfund nicht übersteigen. Zuwiderhandlungen würden in jedem Falle mit 20 Mk. Geldstrafe ge- anbet. An Wirtschaften bürfe baS dänische Fleisch cht verkauft werden. Nach stundenlanger erregter Debatte, und nachdem erklärt worden war, daß die Stadt Köln bet einer Weigerung der Metzger den Verkauf de» Fleische» zum Selbstkostenpreise von 70 Pf. selbst m die Hand nehmen werde, entschloß man sich, der Stadtverwaltung mitzuteilen, daß die Metzgerschaft bereit sei, den Verkauf des dänischen Fleische» für die Stadt zu den festgesetzten Preisen zu übernehmen. — Da» hessische Ministe- rium de» Innern hat wegen der Fleischteuerung an die Bürgermeister aller hessischen Städte entsprechend« Mitteilungen gelangen lassen. Das Ministerium beabsichtigt zunächst eine Besprechung mit Vertretern der fünf größten Städte über die
Urfachen der Fleischteuerung und die zu unternehmenden gemeinsamen Maßnahmen. Ferner sollen Beratungen mit den Vertretern der Landgemeinden, der HarwelS-, Handwerker- und Landwirtschaftskammern nvd de» Viehhändlerstandes gemeinsam stattfinden.
* Zentrum und Arbeitswilligenschutz. Unter Bezugnahme auf ein Gerichtsurteil gegen sozialdemo- kratische Terroristen nt Hamburg versucht die Konservativ« Korrespondenz mit einer sehr gewagten Beweisführung das Zentrumals schuldigen Teil hinzustellen. Die Entrüstung der Zen- trumsblätter über den roten Terror, heißt es da, sei ebenso berechtigt wie — zwecklos:
Denn daS Zentrum unverletzt sich trotz seiner nach Hunderttaufenden zählenden Arbeiterwäbler, die, wo fte sich in der Minderheit befinden, förmlich das Ziel der sozialdemokratischen Rohlingsinstinkte sind, hartnäckig jedem Versuch, den Schutz der Arbeitswilligen wirksam zu gestalten. Und beim Zentrum vornehmlich haben sich die christlichen Arbeiter dafür zu bedanken, daß dir Sozialdemokratie in den Betrieben immer frecher und gewaltiger wird, und daß Urteile rote das de» genannten Schöffengerichts überhaupt noch möglich sind.
Die christlichen Arbeiter, so wird der „Köln. Bolksztg." ans Arbeiterkreisen geschrieben, können sich allerdings beim Zentrum bedanken, aber nicht für das angebliche Gewährenlassen der sozialdemo. kratischen Terroristen, sondern dafür, daß es bisher eine« „Arbeitswtlligenschutz" im Sinne der Konservativen Korrespondenz abgelehnt hat. Die von diesem Organ publizistisch der- tretenen Kreise möchten durch den sogenannten Schutz der Arbeitswilligen in letzter Linie das berechtigte Auftvärtsstreben der Arbeiter hemmen resp. unmöglich machen; auf Umwegen soll der gewerkschaftlichen Selbsthilfe der Arbeiter das Rückgrat gebrochen werden. Einen solchen Arbeitswilligenschutz muffen die christlich organisierten Arbeiter aber nn Interesse ihrer Selbsterhaltung ablehnen und sie haben darüber auch niemals Unklarheit aufkommen lassen. Wenn das Zentrum getreu seiner sozialpolitischen Tradition, einer Einengung des Koalitionsrechtes der Arbeiter nicht zustimmt, so befindet es sich in voller Uebereinftimmung mit der christlich- nationalen Arbeiterbewegung. Die bestehenden Strafbestimmungen genügen, um Auswüchse der Koalitionsfreiheit, wie den sozialdemokratischen Terrorismus zu ahnden, wenn die bestehenden Gesetze nur immer zur Anwendung gelangten. Wenn aber Staatsanwalt und Gerichte in solchen Fällen versagen, wie es schon mehrfach vorgekommen ist, dann wirb dies den sozialdemokratischen Uebermut und Fanatismus nur bestärken können.
c. Daß die Geimanifikiung der Ostmarken auf Protestantifierung hmausläuft, dafür liefert ein Schreiben, daS der .Königsberger Hart. Zig.' zur Verfügung gestellt wird, roi der «ine recht hübscve Illustration. Empfänger ist ein bisher in Oft- preußen anlässiger Arzt, der sich um eine erledigte Arzlstell« in der Provinz Wcstpreußen bewarb. Er wurde zunächst an den zuständigen Kreisarzt verwiesen unb erhielt dann von diesem nachstehenden Brief:
,@ebr geehrter Herr Kollege! Im Medizmal- kalender habe ich als Ihren Vornamen „Siegfried" angegeben gesunden und glaube daraus >chließ«n zu hülfen, daß Sie ;ube sind. Da der Staalsmsckmß der . . . Stelle im Betrage von 1200 Mark jährlich nur an ganz sichere Deutsche gezahlt wird, als welche hier nur evangelisch« Cbriüen gelten lönnen, und mit dem H n en und Nichrhaden des Zulchusies die. . . Stelle steht und ffiflt, so werden Ere es nur nicht verdenken können, daß ich erst über diesen Punkt Kla'hest schaffen möchte. Sollte ich mich im In tum bifinden, so lönnen wir fa weiter verbandeln "
0 Ein Postamt für den sozialdemokratischen Parteitag. Bekanntlich werden von der Post- verwaltung zu allen größeren Tagungen besondere Postämter eingerichtet, um den Telegramm- und Telephon- sowie den Briefpostverkehr,. den solche Tagungen im Gefolge haben, bequemer bewerkstelligen zu können. Dem sozialdemokratischen Partei- tag ober wurde bisher alljährlich ein solches Postamt verweigert, mit dem Hinweis darauf, daß es sich um Veranstaltung handle. Nun ist die Postbehörde von ihrer bisherigen ablehnenden Haltung den sozialdemokratischen Parteitagen gegenüber abgekommen und hat für den diesjährigen Chemnitzer Parteitag ein sog. Kongreßpostamt bewilligt.
r*i Aus der Berliner ZentrumS-Patlameuts-Kor- respondenz, deren umsichtiger und zielbewußter Tarek- lot er 17 Jayr« lang war, ist mit dem heutigen Tage Herr E. van btt Wielen ausgefchieben. Während feinet langen Tätigkeit hat das CPC»
Büro ein« umfangreich« Ausdehnung erfahren. Dik 0ah! bet an baS Büro angeschloffenen katholisch« lättet ist von 50 auf 140 gestiegen. Neben de» großen Ausgabe der CPO |ür bi« größeren und mittler« katholischen Blätter schuf er eine zwei» Ausgabe, bie den Bedürfnisse« der zahlreichen tleü neren Blätter gerecht werde« sollte. Bei dem Ent» gegenkommen, welches der Leiter des CPC-SBürol bei seinem Bestreb«, den Bedürfnissen der fatbw lisch« Press« gerecht zu werden, bei der CPC-®» sellfchaft stet» fand, war eS ihm möglich, den R» daktionSstab des Berliner Büros in ganz erhebliche» Weise zu erweitern, so daß ihm zurzeit 14 Person« angehören. Zu den Neuerungen, die van der Wielen einführte, gehört auch bie umfangreiche Organisation bet Berichterstattung für die Generalversammlungen bet Katholiken Deutschlands. Herr Direktor van der Wielen verläßt seine Stellung, um als Teilhaber in das Geschäft seines Schwiegervaters, Herrn Wilhelm Heinemann in Düsseldorf, einzutreten. Mit der Vertretung des Heim »an bet Wielen hat bi« OPO-Gefellschast provisorisch Herrn Dr. Fortmann beauftragt, bet bereits feit dem Jahr« 1904 dem Redaktionsverband dcs CPO« Büros angehört.
* Kaisermanöver.
Der Kaiser, der im Sonderzug bei Riesa übernachtet hatte, sicht gestern früh im Automobil übet Zeithain und Glauoitz nach Großenhain, wo er den Anmarsch der roten Armee sah. Bei dem Vorbeimarsch der 23. Division bei Großenhain begrüßte bet Kaiser sein Grenadierregiment, dessen Uniform er trug. Der Kaiser ernannte den König von Sachsen zum Generalfeldmarschall und überreichte ihm selbst den Marschallstab. Er zeichnet« außerdem zahlreiche sächsische Militärs und Beamt« durch hohe Orden aus. Nach 1 Uhr begannen dis Truppen des 3. Korps (Rot) in Pontons über di« Elbe zu setzen. Gleichzeitig begann man eine Bruck« zu schlagen, auf der Infanteriewaffen nachrückten. „Z. 3." und „P. 3" kreisten über dem Fluß. Der Kaiser beobachtete den Uebergcmg des 3. Korps.
Gegen 4 Uhr war aus den 30 Pontons bie Brücke über die Elbe fertiggestellt worden. Der Kaiser hatte während der ganzen Zeit dem Brückenbau zugesehen. Der König von Sachsen traf um 3 Uhr zu Pferde ein. Als die Brücke fertig war, ging der Kaiser als erster zu Fuß hinüber. Ein Leibgendarm trug die Kaiserstandarte nach. ES folgte der König von Sachsen, gleichfalls vom Standartenträger begleitet, und die anwesenden Fürstlichkeiten. Ter" Kaiser wurde am jenseitigen Ufer vorn Publikum stürmisch begrüßt. Er beobachtete dann weiter den Truppenübergang. Ein blauer Doppeldecker wurde mit einer Ballonkanone beschossen.
Ausland.
# Der Krieg nm Tripoli?. Vier Bataillone italienischer Infanterie unb zwei Batterien Artillerie stießen auf dem Wege «ach Zuara mit rincr starke« türkisch « arabischen Streitmacht zusammen. Tie Italiener schlugen die Türken in die Flucht. Letztere sollen bedeutende Verluste erlitten habe«, während die Verluste der Italiener nur geringe seien. — Der erste Eisenbahnzug, festlich hergerichtet, durchfuhr am Dienslag die Strecke Tripolis-Garqarefch« Zanzur. In Tripolis wurde nahe den alten S stanz- graben der Grundstein gelegt zu einet ausgedehnten massiven Regimentskaserne unb einem Oifizicriasino. Eisenbahn- wie Kasernenbau besorgt ausichiießlich das mili äri'che Geniekorvs.
*♦ Ter russische Minister beS Aenßeren Ssirionow trifft am 20. September in London ein und reist «ach ein- bi» zweitägigem Aufenlhalt in ber englischen Hauptstadt nach Schloß Balmoral weiter, wo er vom König empfange« wird.
** Maiolko. Die Nachricht von der Einnahme Marrateichs hat unter den Eingeborenen großes Erstaunen über die Schnelligkeit hetvorgerufen, nut der die Franzosen die Siadt entsetzten und El Hwa in die Flucht schlugen. Eine Reife des neuen Sui- Ians Mulay Juffuf nach Marrakesch stehl bevor. Die Behörden treffen bereits alle Vorkehrungen, um ihn feierlich zu empiangen. Der Sultan wird sich nach Beendigung des Jastenmonats, Anfang nachuer Woche, von Fez «ach Rabat und von do« »ach Marrakesch begeben; man verspricht sich davon eine beruhigende Wirkung auf dm dortigen Eingeborene».
23. Eucharistischer Korrgres;.
cpc. Wien, 11. September 1912.
Das Wetter, das am Dienstag so Prachtvoll war, ist vollständig umgeschlagen Als Wien am Mittwoch früh aufiuadne, lagen über den Dächern schwere Regenwolken, und ein dichter Regen strömt den ganzen Vormittag. In der Frühe und den ganzen Vormittag sind wieder Tausende aus allen Ländern angekommen, um sich mit den anwesenden ungezählten Scharen zum Weltsronleichnamsf ist zu bereinigen. Am Dienstag nachmittag, kurz nachdem der.Kardinallegat in der Hofburg einge« troffen war, wurde er vom Kaiser empfangen
Ter päpstliche Legat Kardinal van Ros. sum überreichte, wie schon gemeldet, dem Kaiser gestern abend in der Audienz ein Handschreiben bei Papstes. Ter Kaiser verlieh dem Legaten, wie bie Reichspost meldet, das Großkreuz des Stephans- erbend. Heute vormittag 1C Uhr fand feierlicher Empfang bet dem päpstlichen Legaten im fürsi- erzbischöflichen Palais statt. Danach besuchte der Kardinal die eucharistische Kunstausstellung, wo er mit besonderem Interesse bie Abbildungen besichtigte, die von den neuentbedten eucharistischen Sze- «en aus ben altchristlichen Mosaiken von Aqutteja ausgestellt finb. ,
An den Eucharistischen Kongreß hat der Hei» Hat Vater folgendes Brev« gesandt:,
Unseren geliebten Söhnen, ben Katholiken bei ökterreichisch-ungarischen Monarchie« besonder» jen«