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z08. Erstes Blatt» Fulda, Mtttwoch den 11. September 1912.
39. Jahrgang.
°° m-ßgel^nder Stelle im Kriegsministerium an,Wo
hatte, schrieb General Keßler k-pfigr Menge sich drängte, um wenigstens flüchtigen un May wie jetzt et t bekannt gegeben wird, Blickes den Kardinal zu sehen. Ws der Kardinaler den Plan der antifreunaurerrschen Ojfizircr nicht l s^t in den Dom einroa. erltrablten ff.hnr und
triebe der fteimaurettfd?en O'fi,ier?vereinigung erbittert sind, wollten einen anderen Verein gründen, um den erstgenannten Verein zu beiSmpfen. Ter General sollte fein Urteil abgeben. Bevor irgend
** Tie Kriegsgefahr in der Türkei ist noch immer nicht beseitigt. Griechenland hat angeblich seine Truppen mobil gemacht und in der Hauptstadt Serbiens hat die erregte Stimmung zugenommen. Manche Kreise in Belgrad glauben, daß man am Vorabend großer Ereignisse für das Schicksal des Landes stehe und ballen die Regierung für nicht geeignet, den Krieg zu proklamieren. Die Gefahr des Ausbruchs eines Kriegs ist umso größer, als jetzt das friedliebende Kabinett zurückgetreten ist. Die serbische Regierung hat ein Ausfuhrverbot von Lebensmitteln nach der Türkei erlassen. Die Türkei betrachret das als eine Maßnahme, wie sie Kriegserklärungen voranzugehen Pflegt. Aus diesem Grunde macht die Pforte weiterer Zufuhr von Kriegsmaterial über Saloniki Schwierigkeiten, fte läßt keine Warensendungen nach Serbien über'diesen £afen mehr passieren, die irgendwie mit Rüstungszwecken zusammrnhängen könnten. Dabei nimmt die Bewegung, welche auf ein gemeinsames Zusammengehen Serbiens und Bulgariens gegen die Türkei gerichtet sind, in beiden Ländern immer stärker zu.
** Tie französischen Offiziere gegen die Freimaurer. Generrl Kehler gehört zu den führenden Rat bebten Frankreichs. Man hat ihn dieser Tage aber auch wieder gelegentlich des Streites um die Oifiziers- oereine im Heere als einen tüchtigen vorurteilsfreien Offizier kennen gelernt, der sich von jeder Partei« Politik fern hält. Die O fiziere, die über die Um«
23. Eucharistischer Kongreß.
cpc Wien, 10. Sept. 1912,
wert. -- Von den in Sonnewalde stationierten Offiziers fliegern stürzten gestern auf dem Manöverfeld: zwei aus geringer Hohe ab. Ihre Apparate wurden beschädigt. Der Offizierspilot 3>pnt), der von einem Höhenflüge von Leipzig zurückkehrte, mußte eine Notlandung in Frankenau vornehmen, wobei ein Flügel des Apparates beschädigt wurde und der Propeller zerbrach. Flieger blieben unversehrt.
dmgs noch nicht feststehend, ob der Reichskanzler den Verbündeten Regierungen die Einführung einer Vermöaenszuwachssteuer vorschlagen wird. Sollte sich der Plan dieser Steuer als undurchführbar erweisen, so ist zu erwarten, daß man auf den Dewitz- schen Gedanien einer Erbzuwachsftcuer zurückgreifen wird. Die Dewitz'schen Vorschläge haben unter den Verbündeten Regierungen große Beachtung gesunden.
4- Zur Beratung be8 preußischen Waffergefehent- Wurfes in der jetzigen von der Kommisfion des preußischen Abgeordnetenhauses beschlostenen Form trat eine vom Landes-Oekonomiekollegium einte« rufens Kommission von Vertretern der preußischen Landwirtschastskammern zusammen. In der Beratung kam die Auffafiung zum Ausdruck, daß der Entwurf eine durchaus brauchbare Unterlage für das Gesetz bilde und daß es erwünscht fei, daß das Geietzzebungswerk nunmehr ohne weiteren Aufenthalt weiter gefordert »erben möge, nachdem die ganze SOiaietie feit Jahren, ja seit Jahrzehnten, au's gründlichste nach allen Seiten durchgeprüst worden ist. — Die 13. Kommission des Abgeordnetenhauses trat Dienstag in die zweite Lesung des Entwurfs ein. Zu Beginn der Verhandlungen gab der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten eine Erklärung ab, worin er die Arbeiten oer Kommission mit Dank anerkannte; dessen ungeachtet müsse die Staaisregieruug gegen eine Reihe von Kommissionsbeschlüssen erster Lesung Bedenken erheben; diese richten sich gegen die Beschlüsse über Verteihungsantrcige auf Benutzung von öffentlichen Wasserkräften, ferner gegen die Einführung der unbeschränkten Ersatzpflicht für nachteilige Veränderungen des Grundwasserstanbes bei Ausführung eines verliehenen Rechtes und be m Ausbau sowie für Schädigungen durch Zutageförderung von unter- irdischem Wasser, endlich gegen die Beschlüsse über den Uwriinterhalt, die eine erhebliche Mehrbelastung des Staates bedeuteten. Allen diesen Beschlüssen könne und werde die Staatsregierung nicht zustimmen. Es wurde in Aussicht genommen, am 14., 15. und 16. September eine Reise an den Rhein anzutreten, um die dortigen Wafferanlagcn in Augenschein zu nehmen.
-r- Reue Berufsgenoffeuschafteu. Der Bundesrat wird nach den Ferien über die Bildung einiger neuer Berufsgenossenschasten zu beschließen haben. Diese sind erso derlich geworben ans Anlaß der Ausdehnung der Unfallversicherung auf neue Gewerbezweige. Es kommen hier in Frage eine Gärtnerberufsgenoffenschast, eine Kleinhandelberufs- geuosfenschaft und eine V-rsicherungSgcnoffcmchaft für das nichtgcwerbsmäßige Halten von Reittieren und Fahrzeugen. Die neuen Berussgenossenscdasten müssen bis zum 1. Januar nächsten Jahres gebildet fern, da dann die Unfallversicherung in der durch die Reichsversicherunosordnnng geschaffenen neuen Gestalt bereits in Kraft tritt.
** Steigende TantikWen-Erträge. Einen hübschen Beitrag zur „Notlage" der Industrie und des mobilen Kapitals bringt das Organ des crtremen Großkapitalismus, die .Franks. Zlg/ Die Gesamtsumme der jährlich in Deutschland an Aufstchtsräte von AkkienpeseUschasten gezahlten Tantiemen ist seit der Einführung der Tantiemenslener (1008) genau zu berechnen. Rach der Berechnung der .Frankturter Zeitung' (Nr. 230) betrugen diese Tantiemen in Millionen Mart :
m den ganzen Etatsfahren Januar-Juli 1808 09 1909/10 1910/11 1911/12 1911 1913
41,01 5930 65,30 71,40 50.85 57,80
Muß man da nicht die Großmut und Uneigennützigkeit der Aktionäre bewundern? Bei io un
stark Die
billige, weil er da- Heer zersplittere. DH Offiziere dürsten nicht tn den Fehler der Gegner verfallen und einen Verein gründen, der das Gegen«, stück zu dem Verbände der fteimaurerifchen Offizier» darslelle. General Keßler forderte die Offiziere aufj in die Loyalität des Kriegsministers Millerand zu vertrauen, der dieses Vertrauen auch verdiene. Auch, das ist ein schöner Beweis von Loyalität feit ent des katholischen Offiziers in den bürgerlichen Kriegs minifter, dessen guten Willen und vornehme ®e» sinnung niemand bestreiten kann, und der den Mißbräuchen der anderen Vereinigung schon ein End» bereiten wird.
** Die russische Er'mnernngsfkier an de« Einmarsch Napoleons L In Moskau fand am Montag nachmittag eine glänzende Prozession vom großen Kremlpalaste aus bis zur Uspenskykathedrale statt. An bet Prozession nahmen teil: der Kaiser, die Kaiserin, die kaiserlichen Kinder, die Großfürsten,! bie Hofchargen aller Klaffen, die Minister unb, Würdenträger, bie höheren Offiziere, die Spitzen! der Zivilbehörden, die Vertreter des Adels, ber! Semsiwos, der städtischen Verwaltung und di» Deputationen, die an den Borebinofeierlichkeilen teilgenommen haben. Als der Kaiser und bi» Kallerin aus dem Palast auf die rote Treppe traten, verneigten sie sich vor der auf dem Kremlplatze harrenden tansendköpfigen Volksmenge, die in bt» geisterten Jubel ausbrach. Nach einem tuntig Gottesdienste in der Uspenskykathedrale begaben sich oer Kaiser und bie Kaiserin mit ihren Kindern, den Großfürsten und dem Gefolge in das Tschudow- tlofter, von wo aus sie im Wagen langsam, überat von einer dichtgedrängten Volksmenge begeistert begrüßt, zum Kreml zurückkehrten. >
** Der frühere holländische Minister - Präsident Dr. Kuyper hat fein Abgeordneten - Mandat nieder-, gelegt. Der Grund ist in seiner zunehmenden Taub-i heit zu suchen. Mit Dr. Kuyper verschwindet bie markanteste Persönlichkeit aus dem politischen tieben' Hollands in dem letzten Jahrzehnt. Als Houpt bef konservativen Partei hatte er auf die innert mA äaiere Politik Hollands einen entscheidenden Einfluß. Die Gesetze zur Bekämpfung der Unsiltlichkett, bas Totalisator Verbot und das Bordell-Verbot verdanken ihr Entstehen dem vortrefflichen Staatsmannes Kuyper steht im 70. Lebensjahre und ist Chef-R» baheur des Blattes.Standard'.
** Die Wirren in Mexiko. Aus Marfa (TexaS) wirb gerne,bet: Die Aufständischen griffen Ojauaga in Mexiko von zwei Seiten an. Bei Prestdio wurde ein Amerikaner von einer Kugel getroffen. Stawtte konische Offiziere find dorthin abgereist.
Deutsches Neich. •
"Berlin. 10. Sept. 1912. Prinz Heinrich von Preußen ist heute in Tokio eingetroffen. Er wurde vom Kaiser, der laiferlichen Familie und den japanischen Würdenträgern bewillkommnet. — Der Kronprinr hat das Protektorat über die im Februar 1913 in Königsberg stattfindenbe Jabr- hunbert-Ausstellung zur Erinnerung an die Frei- Heilskriege übernommen.
[] Zur Besitzsteuerfrage. Sicherem Vernehmen Aad) wird, so meldet ein Berliner Blatt, das gute Bestehungen hat, im Reichsschatzamt an einer Ver- Mögens,uwachSsteuer gearbeitet. ES ist aller-
geheueren Nöten, in die der .sch.rarz-blaue Block" mit seiner Fiiranzreform, in bie bie andauernde „agrarische Vorherrschaft" Gewerbe, Hand 1 und Industrie gebracht hak, zahlen sie immerioit steigende Tantiemen! Im Jahre 1912 werden dem b shengen Ergebnis (Januar-Fuli) nach die Tantiemen ni'w- moßlich auf über 80 Million en anwachsen. Also e ne Verdoppelung binnen 4 Jahren! Gibt es eine andere Berufs!lasse, so fragt nicht nut Unrecht bte .Agrarpol. Korr/, im Deutschen Reiche, die eine iolche Steigerung i res Emkommens binnen so kurzer Zeit aufzuwcisen hätte, wir bie Klaffe der Aufsichls- tätr? und sie antwortet: Nein! — aber es gibt auch keine Berufstlaffe, bie von solchem Edelmut und solcher Uneigemrützigteit beseelt wäre, wie die Herren vom mobilen Kapital. Den Geplagtesten — ihrer .Augestelden", den vielgeschmähten Äussichls- räien, haben diese Herren über bie Leiden der „schwarz-blauen Block'-Zeit mit beispielloser Groß- mut hmweggeholfen. Wahrlich, es gibt noch Selbstaufopferung in dieser Welt l
* Die Landtagswahltattik der preuffifchen So-ial- SemoÜatie nnto von dem Abg. Hir; ch im ,Vor- waris' in einer Weise behandelt, die sich wie' eine glatte Absage an die liberalen Parteien liest Er schreibt: 1 *
... die Fortschrittler auch diesmal wieder jedes Eintreten für joziald«n°kratuche «andrdalen ablehnen, das mögen sie mit sich selbst abmach iw Ochnell bat die sornchrittlicke Bolkspartei dazu keine SteUunq qe- nornmen, es ließt nur die Aeußerung des Adgeorüneien Dr. Schepp aus dem .Tag- vom 28. August vor, bie allerdings darauf tchlietzen labt, datz er uns feine £teuni?e aus der Vergangenheit nichts gelernt hab-n scheuen die Fort > chrittler em tattifdies -!»- (am men geben mit den Sozialdemokraten so traam sie und nicht wir bte Verantwortung daiür. wenn die Reattion aus dem Wahlkampfe nicht geichwächt hervor- geht. Da es preußische Naiionall,berate, tie auf bem Boden ber Uebeitragung des Retchstagswahliechis am Preußen stehen, nicht gibt, wenigstens nicht unter den oifizieUen Kandidaten der Partei, ,o ist für uns bte Unterstützung Nationalliberaler ausge- schloffen. Sollte irgendwo ein weißer Rabe auftauchen, der sich in einer so grundsätzlichen Frage von feinen Parteifreunden trennt, so können wir weiter darüber reden."
Verlangt wird von der ForkschrittS-Partei em taktisches Zusammengehen mit der Sojialbemofrati«, von den NationaUiberalen eine Verpflichtung auf die Einführung deS ReichstagSzoahlrechtS. Die ae-
A«§!and.
** Vom KaiserbZuch in der Schweiz. Der Deutsche Kaiser hat den hochgestellten schweizerischen Persönlichkeiten zur Erinnerung an feinen Besuch Andenken persönlichen Charakters überreichen lassen. Mährend Bundespräsident Forrec und Bundesrat Hoffmann, Chef des Militärdepartements, große Büsten des Monarchen erhielten, wurden die übrigen Bundesräte mit einem photographischen Porträt mit vergoldetem Rahmen erfreut, das die eigenhändige Unterschrift des Kaisers trägt; Dr. Bourcart, Sekre- lär des politischen Departements und der Gesandte de Claparsdc in Berlin erhielten ebenfalls dieses Borträt; auch die schweizerischen Oifiziere, die zu - ienftleiftungen bei bem hohen Gaste kommandiert waren, wurden von ihm mit solchen Andenken beschenkt.
** Dem ungarischen Minister - Präsidenten Lucoe- ist vom Kaiser Franz Joseph das Großkreuz des Stephan-Ordens verliehen worden, bie höchste Aus- zeichnung, die ihm zuteil werden konnte. Diese Ehrung beweist, daß der Kaiser mit der energischen Taktik des Minister-Präsidenten durchaus einverstanden und eine Aenderung des Kurses ber ungari- leben Politik in bet nächsten Zeit keinesfalls zu er» warten ist.
** Die Vorschläge des Grafen Berchtold und die Türkei. Die Pforte beschloß im Sinne der Vor- schlage des Grafen Berchtold wichtige kulturelle Zugeständnisse in Albanien zu machen. Ausge- nornmen find bte Ableistung ber Wehrpflicht in Europa und das Recht des Waffentragens in der gamen Türkei.
Gr:> je lassen und Die gesundhestspolizerliche Prü- fu r in das Ursprungsland verlegen, d. V. deutsche beamtete Tierärzte sollten in Argentinien das zur Versendung nach Deutschland bestimmte Vieh und Fleisch untersuchen und deren Be- duiachtung slollte dem Gefrierfleisch die Grenzen offnen. Ob eine solche örtliche Kontrolle in einem fremden Lande mit voller Sicherheit für andauernde Gründlichkeit sich durchführen läßt, wäre zunächst au f das sorgfamste. zu prüfen. Es müßte allen „Schiebungen" ein Riegel vorgeschoben werden. Das wäre schwierig, umständlich und kostspielig; man kann es aber nicht ohne weiteres für unmöglich erklären.
Tas Flesschbeschaugcfetz ist nicht zu schutzzöllne- rischen Zwecken erlassen, sondern nur zur Sicherung der Gesundheit. Sollte das Gefrierkleisch den Preis des Fleisches und Viehes in Deutschland so drucken, daß die einheimische Viehzucht darunter litt, io wäre das richtige Hilfs- und Heilmittel die Erhöhung des Zolles. Alle Freunde der Landwirtschaft, bte etwa für eine Aenderung des Fleischbefchaugesetzes stimmen möchten, werden sich vorher die Gewißheit verschaffen, daß im Fall der Schädigung der deutschen Viehzucht die entsprechende Zollerhöhung ein- geführt wird.
Damit ist nun noch nicht gesagt, daß wir dem Gesrierfleffch zuliebe eine Aenderung der Gesetz- gebnng vornehmen müßten. Der Reichstag wird erst sorgfältig abzuwägen haben, ob der zu erwartende Vorteil wirklich so groß ist, daß wir den Argentiniern eine Ausnahme von der wohlerwogenen Regel unserer gesundheitspolizeilichen Prüfung bewilligen müssen.
Nach unserer Ansicht würde sich eine Mehrheit wohl nur zusammenfinden unter dem Gesichtspunkte, daß hier ein Versuch gemocht werden soll, der wieder rückgängig gemacht wird, wenn er sich irgendwie schädlich erweist. Nun sagen aber die Vorkämpfer des Gefrierfleisches, sie müßten Sicherheit auf die Dauer haben, da diese Einfuhr sehr kostspielige Vorrichtungen erfordere. Wir würden es aber für höchst gefährlich halten, wenn die Gesetzgebung oder die Verwaltung sich irgendwie die Hände binden wollten. Das Risiko müssen die Unternehmer tragen; die Gesundheit der Verbraucher und der Bestand der deutschen Viehzucht müssen unbedingt von jeder Gefährdung freibleiben.
Unter diesem Vorbehalt würden wir innen Versuch ohne Aufregung vor sich gehen lassen können. Aller Wahrscheinlichkeit nach'wird das Gefrierfleisch wenig Anklang finden. Auch die deutschen Arbeiter werden bald erkennen, daß dieses weniger schmackhafte und leichter verderbliche Fleisch nickt so preiswert ist, wie das deutsche, auch wenn letzteres ein paar Groschen mehr kostet.
Heute nachmittag entwickelte sich aus den Straßen ein ungemein reges Leben und Treiben. To», sende und Abertausende bewegten sich in endlose« Zügen durch die festlich geschmückten Straßen zu« Westbahnhof, wo gegen 4 Uhr der päpstliche Äa» dinallegat von Rossum emtreffen faßte. Born Weftbahnhofe, die lange Mariahilfer Straße, den Opernweg und die Kärntner Straße entlang bis zum Stephansdom und von dort bis zur Hoss bürg bildete eine unübersehbare Menge aller LLn- der und Völker Spalier. Ein starkes Polizeiauf. gebot sorgte in der gemütlichen Wiener Weise, ab« -mit gutem Erfolg, für die Aufrechterhaltung d« Ordnung.. Kurz nach 3 Uhr begann der Aufzug der ungezählten Vereine. Vor der an der Oper errichteten Tribüne hatten sich inzwffchen der Hochwürdigste Episkopat und der katholische österreichische Wei versammelt. In nahezu einstündiger Prozess sion zogen zahlreiche Pfarrer Wiens und eine große Anzahl katholffcher Orden vorüber: Jesusten, Kar- meliter, Kapuziner, Minoriten, Dominikaner, Zister» zienser usw. usw., und zum Schluffe die Chorherren des hohen Domes. Gegen halb 5 Uhr brauste em gewaltiger Jubel durch die Menge der Harrenden, Der Kardinallegat, den der Wiener Weihbifchof Dr. Pflüger schon an der Diözesangrenze begrüßt hatte, nahte heran. Der Wiener Erzbischof Dr. Nagl schritt dem Legaten, als er vor der Tribüne dem Wagen entstieg, entgegen und die beiden Kirchen- fursten begrüßten sich aufs herzlichste. Der Wien« -^berhirt stellte dem Kardinallegaten die anwesenden Fürstlichkeiten und die Vertreter des Wien« Magisttats, an ihrer Spitze Dr. Neumaher, vor und richtete dann an den Abgesandten des Hl. Vaters eine kurze lateinische Ansprache, in der er ihn zum Eucharistischen Kongreß im katholischen Wien bewillkommnete. In deutscher Sprache fügte Kar- sUnal Dr. Nagl noch hinzu, daß es die Wiener besonders freue, daß der Hl. Vater einen RÄiempto- nften, einen Sohn der Genossenschaft des hl. Klemens Hofbauer nach Wien gesandt habe. Der päpstliche Legat dankte in lateinischer und deutscher Lprache. In stürmischem, durch die endlosen Scharen sich fottpflanzeuden Beifall löste sich die tiefe Ergriffenheit der Volksmengen. Der Wiener Oberbürgermeister Dr. Neumayer begrüßte den Kardinallegaten im Namen der Stadt Wien. Dann mußten die Hochwürdigsten Herren und die übrigen auf der Tribüne anwesenden Herrschaften noch einige Minuten den zahlreichen Photogravhen und Kinematographen schenken.
Hierauf schritt der Herr Kardinallegat in Begleitung des Wiener Erzbischofs Dr. Nagl durch die jubelnde Menge, ihnen folgten etwa hundert Erzbischöfe und Bischöfe lateinischen und griechischen Rckus. „Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn", das war der Sinn der Worte, die dem Gesandten des Heiligen Vaters auf dem ganzen Wege vom Weftbahnhofe bis zum Stephansdom entgegenschallten. Segnend erhob der Kardinal die Hand, wahrend die Menge andächtig in die Knie sank. Um 5 Uhr langte der Kirchenfürst endlich
stellten Forderungen sind also verschieden. Es wäre aber durchaus verfehlt, auf diese unverbindlichen Preß-Aeußerungen Berechnungen aufzustellen, denn die Möglichkest ist nicht ausgeschlossen, sogar sehr wahrscheinlich, daß zwischen Wahlmänner- und Abgeorbnetenwahl, zwischen Sozialvemotralie, Fort- schrittspartei und Nationalliberalen „gerebel* wirb, lieber „Zwirnsfäden" stolpert bie Uw stürz Partei nicht, wo sie ihr Ziel fördern kann.
** Kaisermanöver.
Am Blauen Berge bei Lonnewitz unweit Oschatz kam es gestern zu einem großen Treffen zwischen starken Kavalleriemassen beider Parteien. Die rote_ Kavallerie schlug die blaue in prächtiger Attacke zurück. Reitende Flldartillerie und Maschinengewehre traten in Tätigkeit. Der Kaiser hielt längere Zeit auf dem Blauen Berge und beobachtete den Verlauf des Treffens. In d-r Suste des Kaisers befand sich u. a. auch der alte Graf Zeppelin in Ulanenuniform und die Schweizer Offiziere.
Ter Großherzog von Baden, der zurzeit auf Schloß Mainau weist, hat wegen noch nicht behobener Erkrankung die Teilnahme an dem Kaisermanöver abgesagt.
Die diesjährigen Kaisermanöver haben bereits mehrere Unfälle zu verzeichnen. Bei der Fahrt der Manöver-Oberleitung zu einem Brückenschlag wurde das Automobil eines freiwilligen Aiowrfah- rers Bei einer Kurve in den Straßengraben geschleudert und stürzte um. Von den Insassen blieb General,der Infanterie Schikofkh unversehrt, die beiden militärischen Begleiter erlitten leichte Kontusionen, der Lenker des Fahrzeuges schwere Verletzungen. — Auf der Straße Weißenfels—Pegau glitt bei dem Orte Stönsch ein Personenautomobil auf dem lehmigen aufgeweichten Boden aus und fuhr mit voller Kraft gegen einen Baum. Ter Chauffeur blieb unverletzt, ein Feldwebel von der Kraftwagen- Abteilung wurde aus dem Wagen geschleudert und schwer verletzt. Tas Automobil wurde zertrüm-
Gefrierfleisch.
Sollen wir Gefrierfleisch aus Argentinien (und vielleicht auch ans Australien) zur Ergänzung un- seres Fleifckbedarses heranzichen? Diese Frage wird ,etzt „brennend". Rach den Andeutungen vom bayerischen Ministertisch war zu erwarten, was die „Täg- 'iche illimdschau" jetzt ausdrücklich berichtet: es schweren Erwägungen über die Einfuhr argentinischen Vefriersleisckes, und es wird geprüft, auf welche Weise diese Einsuhr bewerkstelligt werden soll. Zu gleicher Zeit erklärt das Organ des Bundes der Landwirte, die „Deutsche Tageszeitung", „daß das Vertrauen der ländlichen Bevölkerung schwerer Erschütterung ausgesetzt sein würde, wenn die Regie- ntng jetzt Maßnahmen ergreifen sollte, die von der Landwirtschaft als Gefährdung aufgefaßt werden näßte."
Diese Angelegenheit hat zlver Seiten: ein g e- / uudheitsp »1 izeikiche und eine schutz- ;ö 11 nerische. Um unser Volk von gesundheitsschädlichem Fleisch zu bewahren, dazu sind die Vorschriften des Fleischbeschauge- s e tz e s da. Um die deutsche Viehzucht vor einem schädlichen Wettbewerb des billiger erzeugenden Auslandes zu schützen, dazu ist der F1 e i s ch z c 11 da. Vielfach herrscht der Irrtum, daß die Grenzen gegen Vieh und Fleisch geschlossen seien. Das ist nicht Der Fall. Jedermann kann auch heute schon gefrorenes oder nngesrorenes Fleisch in Deutschland einführen, wenn :r nur den polizeilichen V o r- j ch r i s t e u genügt und den Zoll bezahlt.
Tie Vorkämpfer des Gefrierfleisches verlangen nun keine Ermäßigung des Zolles, wohl aber eine Aenderung des Fstischbeschaugesetzes. Das letztere verlangt nämlich, daß das Fleich geschlachteter Tiere nur eingeführt werden Lars, wenn innere Organe noch mit diesem Fleisch verbunden sind. Das hat seinen guten Grund: d-nn nur aus diesen inneren Organen kann man mit mit Sicherheit ersehen, ob das betreffende Tier von gefährlichen Krankheiten frei war. Die Argentinier scheiden nun aber diese inneren Stile aus, um sich das Gefrierverfahren und die Transportkosten zu erleichtern und die Haltbarkeit zu sichern. Sie und die Händler behaupten, ihr Gefrierfleisch würde auf den europäischen Märkten nicht mehr wettbewerbsfähig fein, wenn sie die ganzen (ober höchstens halbierten) Rinder mit ihren Eingeweiden in die Küblräume bringen sollten. Daher der Vorschlag, man möge das Gefrierfleisch auch in Stücken ohne dir inneren Organe über die