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IHontflg den 9- September (912-
59. Jahrgang.
* fultlaer M Leitung
2. Blatt
« vrnck hr> Verlag der Znldaer Aeilendruckeret in Zntda.
andern ein Konsortium von Hetzern und Verführern
ft, daß die Sozialdemokratie, die die innere und äußere Verblendung der Massen braucht, um ihren
den Ihrige« hingezoge« und betrachtete deren HmA in Brighton kaum noch als ihre Heimat Nachdem
ohenlohe afer-Flocken
2lmt Gp?sa und Umgebimq.
* Vacha, 8. Sept. 1912. Nach der „Rhönztg." ist seit Montag vergangener Woche der Fabrikant
Handel «nd 3Äbnfh?ie. _
• Berlin, 7. Sept. 1919. Die Verkauft heute an der Börse größer als bte Kanfiust. waren allgemein KurSabschwächungett, w«m nur in geringem Umfang, verbünd«^ <mn regeS Geschäft entwickelte sich in GchiffahrtSwert
i Bewihrte Ktodenwüiwi _ .
Ib oewen Paketes uffl fifls BM8 to StMteÄ4
Stets vorrätig bei: Carl Broker, Florrogroro 1«.
3m Schutze des Zauberers.
8] Englisch-indischer Roman von E. A. Henty.
Im Laufe der Zeit wuchs Helene heran, groß, blond, indolent und selbstisch, putz- und vergnügungssüchtig und immer unzufriäcn, weil ihre Mittel ihr nicht erlaubten, die beiden genannten Leidenschaften genügend zu befriedigen. Mit ihrer Schwester hatte sie nichts gemein. Wenn diese zu den Ferien nach Hause kam, widmete sie fast alle ihre Zeit dem Bruder, dessen Mißgestalt von den beiden anderen wie eine unverdiente Heimsuchung, wie ein persönliches Unrecht gegen sie aufgefaßt wurde, weshalb sie ihn nicht leiden mochten.
„Ihr behandelt ihn schlechter als einen Hund!" rief Isabella einst in einem Anfall leidenschaftlicher Entrüstung. „Er wandert im Hause umher, allein und sich selbst überlassen — niemand nimmt die ge- ringste Notiz von ihm. Oh, es ist zu grausam!"
„Du bist ein ungezogenes Mädchen, Isabella", rief die Mutter erzürnt, „was soll aus Dir werden, wenn Du so heftig bist Bekommt er nicht alles, was er will? Geht et nicht täglich mit uns spazieren? Was sollen wir denn noch mehr tun?"
„Ihn lieben!" rief Isabella. „Ihr habt ihn ja auch nicht ein bißchen lieb."
„Geh fort — in Drin Zimmer, und bleibe da ßt den Rest des Tages. Ich werde Fräulein Birtue ireiben, welche Erfahrungen ich an Mr mache. Sie muß es doch mit Ihrer Erziehung versehen haben, sonst könntest Du Dich nicht so betragen."
Isabella hörte das letzte nicht mehr; die Tür hinter sich zuwerfend, war sie in ihr Zimmer geeilt, wohin Robert ihr bald folgte. Er war fast immer -Um sie, so lange sie im Haus: weilte. Stundenlang tonnte er neben ihr sitzen, ganz still, den Kopf an ;fie gelehnt — glücklich im Bewußtsein chrer Gegenwart. So saßen sie auch au jenem Tage eng aneinander geschmiegt und Trost in ihrer gegenseitige« -Zuneigung suchend.
Als Isabella wieder in die Pension zurückgekehrt jpar, wurde sie gleich am ersten Abend zu Fräulein Pirtue beschieden, die inzwischen wirklich einen Brief von Frag Hannah erhalte» hatte.
„Was ist denn zu Hause geschehen, liebes Kind? Deine Mutter schreibt mir, Du seiest heftig und boshaft gewesen. Dergleichen habe ich ja bisher nie an Dir wahrgenommen?"
„Ach, ich konnte mir nicht helfen, Fräulein Pirtue. Zu Hause mögen sie mich nicht, weil ich nicht hübsch bin und Mama nicht mit mir glanzen kann, - - aber die Hauptsache ist Robert. Ick kann es nicht mit ansehen, wie ?r behandelt wird" und sie brach in Tränen aus
„Es war jedoch auf jeden Fall sehr unartig von Dir, daß Du heftig gegen Deine Mutter wurdest", sagte Fräulein Virttre ernst. „Du bist noch viel zu jung, um die Verhältnisse richttg beurteilen zu fön- neu; und selbst wenn Du recht hättest, durstest Du Dich nicht so fortreißen lassen."
„Ach ja, das weiß ich Wohl. Aber sie sollten nur sehen, wie Robert sich nach einem einzigen freundlichen Worte sehnt, wrr rührmd er sie immer beide ansieht, die nie den kleinsten Beweis von Zärtlichkeit für ihn haben. O, ich möchte am liebsten in den Ferien gar nickt wieder nach Hause, wenn es nicht gerade ur.t seinetwillen wäre. Zu ihm muß ich hin, den« er hat keine andere Freude auf der Welt als mich. Wie et an mit hängt. Das Herz möchte mir brechen, wenn ich an ihn denke. Gibt es denn nichts — gar nichts, was für ihn geschehen könnte?"
O ja, es gibt Mensche», die sich solcher unglücklichen Kinder besonders annehmen und denen es schon oft gelungen ist, gerade in ihnen eigenartige und hervorragende Talente zu entdecken und auszubilden, und den Bellagensw:rten dadurch eilt befriedigendes und nutzbringendes Dasein zu schaffen."
„O", rief Isabella eifrig, „wenn so etwas möglich ist, dann schreibe ich cm Onkel Tom und bitte ihn, uns zu helfen. Er ist unser Vormund, Fräulein Birtue."
Isabella schrieb an chren Onkel, der den Wunsch darnach geäußert hatte, gewöhnlich zweimal im Jahre und erzählte chm dann meistens kleine Er- lebniffe aus chrem Schulleben. Der diesmalige Brief machte ihr viel Mühe; aber et erreichte feine» Zweck, Major Haunah kanntz fei»? Schwäger;«, sto>
Weizen bauen zu können, gegen die Rellgion alle Mittel ins Feld führt, die dieser gewissenlosen und unbedenklichsten Sorte von Menschen zu Gebote sichen — wer wird sich da wundern, daß diese Bande alle Register zieht, das Pathos, den zersetzenden Witz, den beißenden Hohn, um das stärkste Hindernis, das sich ihr bietet, zu zerstören?
Dieser Geifer spritzt ober nicht bis zu uns herauf. Wir gehen unsere« Weg, swlz und frei, und „das Belfern der Hunde vermag uns nicht zu beirren."
vermischtes.
♦ Ein Isjähriger Brandstifter« Vor der Ferien« straflammer in Stade stand der 14 Iahte alt» Schlächterlehtling Diedrich Löhn aus Bremervördes Et hatte einige kleine Diebstähle begangen. Aus Urof mut über die Zurechtweisungen seines Meisters, bti) Schlächtermeisters Wilshusen in Bremervörde, züw, bete er am 13. Juli dessen Wohnhaus an, in dem es. ein brennendes Streichholz auf dem Boden ins He< warf. Das Gericht verurteilte den Brandstifter zM einem Jahr drei Tagen Gefängnis« !■
* Der ersten preußische« Königin Sophie lotte, die am 26. Oktober 1668 im Jbutger Sch geboten wurde, soll in Iburg (Hannover) ei« T mal gesetzt werden, für das die Gelder im wes chen bereits gezeichnet sind. Dar Denkmal soll nächsten Jahre gelegentlich des 25jährige« rungsjubläumS des Kaisers enthüllt werde«.
* Die Auswanderung über Hamburg betrug Monat August 10 008 Personen gegen 5223 Pe ne» im August vorigen Jahres.
♦ Verwechselte Leichen. Ein merkwürdiger fall ereignete sich hier bei der Beerdigung Xtoetee männlicher Personen von der Leichenhalle de» st«« schen IkrankenhauseS tn Land »berg a. W. aus« Eine Atmenlmche wurde mit der eine» Burger» verwechselt. Der Irrtum wurde erst wahrgeuont* men als die Hinterbliebenen de» letztere» vor deut Schtteßrn des Sarges in der Leichenhalle erschiene«. Me zuerst bestattete Leiche mutzte wieder auSgegrak ben und, da auch die Särge verwechselt wate«, «M gesargt und aufs neue beerdigt toerbem t
Aur Gberheffen u. den heff. Aemteni.
* Marburg, 8. Sept. 1912. Dem Privatdozenten '‘wt medizinischen Fakultät und Oberarzt der chirurgischen Klinik, Dr. H o h m e i e r, wurde der Titel Professor verliehen.
* KirchiMN, 8. Sepk. 1912. Das,tzessenlante schreibt: Am 21. September sind 150 Jahre seit dem blul'gcn Gefecht bei Der Brückermühle verflossen, das im Tjabrigen Kriege stattfand. Dort versuchte die französische Armee unter Führung der Mm schälte Soubise und d'Estrees den Uebergang über die Ohm zu gewinnen, der ihr von der alliierten Armee unter Führung des Herzogs Ferdinand von Braunschweig streitig gemacht wurde. Das Gefecht wurde nach mörderischem Kampfe abgebrochen, doch ■satte die französische Armee ihr Ziel nicht erreicht. Während des Gefechts haben namentlich das hessische Remment von Gilsa und das Leibregiment Wunder Der Tapferkeit verrichtet. Um das Gedächtnis dieser Helden zu ehren, hat der Kriegerverein Kirchhain die Veranstaltung einer Gedenkfeier am 22. September in Aussicht genommen. General Eisen» traut-Kaffel, einer der besten Kenner der Geschichte des siebenjährigen Kr eges, wird auf dem Schlacht- seloe einen Vortrag über den Gang der Schlacht halten. ~ ,
* Ziegenhain, 8. Sept. 1912. D:e 82 Jahre alte Frau K. aus Ziegenhain, die bei ihrer Tochter vor kurzem weilte, ist seit 14 Tagen fprulos verschwunden. Alle Nachforschungen sind bis jetzt erfolglos geblieben. Die Vermißte war bekleidet mit blau- tariertem Kleid, schwarze» Schnürschuhen und grauem Umschlagetuch. ;
[:J Neustadt, 8. Sept. 1912. Nachdem die Stadt durch den Bezug zweier Original-Simmeutaler Bullen Ersatz geschaffen hatte, wurden die zwei überzähligen FreUag öffentlich versteigert. Durch auswärtige Händler wurden für den Zentner Lebendgewicht 51 Mark geboten, ein Preis, welcher «och nie erreicht worden ist. Auch ein Zeichen der Fleischnot; denn in normalen Jahren wurden im günstigsten Fall 30—35 Mk. bezahlt. — Um den nassen Hafer vom Boden aufzubekommen, da er doch so nicht gebunden werden kann, haben verschiedene Landwirte Bohnenstangen und Draht an Pflöcken auf dem Acker befestigt, gegen welche von derben Seiten der Hafer gelegt wird. Hindurch hofft man das Auswachsen, besonders des KleehaserS, für eine längere Zeit zu verhüten und bei günstiger Witterung ein schnelleres Trocknen herbeiführen zu können.
Q Nauscheuverg, 8. Sept. 1912. Die Arbeiten zum Bau einer Bahn durch das Wohratal sind jetzt eifrig im Gange. Viele fremde Arbeiter, fiolen, Oesterrcicher, Italiener bevölkern unsere stillen Waldiäler, durch welche die Eisenbahn führen soll. Dickt vor Kirchhain, an der Straße nach Anzefahr,
Aus dem Kachdargebieie.
♦ Lauterbach, 8. Sept. 1912. Am Sonntag, den 22. September wird ein Sonderzug mu dritter Klaffe zu ermäßigten Preisen von Lauterbach m Oberheffen nach Darmstadt zum Besuche Der Ausstellung »Der Mensch" gesahren. Der Zug verläßt Lauterbach um 7 45 Uhr tehrt über Herbstein, Stockherm, Heldenbergen, Vilbel Bocken- heirn und auch über diesen Weg zurück. Jb Darmstadt 7 06 Udr abends. Näheres ist auf den roten Fahrplänen, Die aushängen, zu sehen. ,
* Hanau, 8. Sept. 1912. Anläßlich emes Beschwerdefalles über verweigerte ärztliche Hilfe beschloß das Stadwerordnetenkollegium dm Aerzten gegenüber die Uebernahme der Berpflchtung auf die Stadtkasse, bei ärztlichen Hilfeleistungen tn Eilfällen für das Honorar aufzukommen, falls sie es von den Hilfesuchenden selbst nicht erlangen können. „ _ _
♦ Kassel, 7. Sept. 1912. Zum Vorsitzenden der diesiährigen dritten Schwurgerichtsperiode wurde Landgerichtsdireftor Henrpfing ernannt. Die Verhandlungen, welche am Montag, den 23. September, ihren Anfang nehmen, werden sich voraussichtlich bis in die Mitte der zwecken Woche erstrecken.
* Aus Thüringen, 7. Sept. 1912. Das Mnuckcrmm in Weimar hat jetzt eine Belohnung von 300 M , ausnahmsweise auch mehr, für diejenigen ausgesetzt, die eine Brandstiftung mit dem Erfolg zur Anzeige bringen, daß eine Bestrafung Des Täters berbev geführt werden kann. Im vergangenen uuö im lausenden Jahr hat sich die Zahl der Brände im Großherzogtum erheblich vermehrt, und die Gebäude- brandversicherungsavflalt ist insolgedeffen stark in Anspruch genommen worden. — Die Stadt Salzungen bewilligte den Dortigen Veteranen von 1870/71 ein Ehrengeschenk von 50 Mark für das Jahr 1912. — Da i > Steinach die Restanten- ttsten in Den Wirtshäusern wiederholt abgerissen wurden, wird das Abreisien jetzt nut 300 Mark Geldstrafe bedroht. — In Naumburg wird eine Pilzausslcllung von der Schule veranstaitei, um giftige unD eßbare Pilze zu zeigen. — In Jena stellten sich in einer von über 1000 Personen be« suchten Versammlung Die vier zur engeren Wahl gestellten Bürgermeislerlandidalcn der Wählerschaft vor und entwickelten ihr kommunalpolitisches Programm. Die Mahl ist auf den 16. September Hstaesetzt.
* ttöuigstein i. T., 8. Sept. 1912. Beim Rangieren auf dem hiesigen Bahnhof ereignete fM). ein schwerer Unfall. Der GtoUöiuiviäter Ihlert, der aus Bockenheim flammt, stand au- einem abgestoßenen Magen. Als er Den Magen stellen wollte, versagte die Bremse. Ta die Elu.se an dieser Stelle sehr abschüffig sind, kam bet Wage:: immer schneller ins Laufen. Kurz vor bet Station Hornau stürzte der Wagen in einer Kurve um. Jbbert wurde von dem Wagen geschleudert und brr schwere Magen fiel auf rhn. Der Beamte erlitt so schwere Verletzungen, baß ber Tod aus der Stelle eintrat.
* Wiesbaden, 7. Sept. 1912. Die Königliche Regierung i,a; der Lanrrvkffchaftskammcr Wiesbaden mitaefeitt, baß nunmehr der Regierungsbezirk Wiesbaden, joto.u Die Maul- uuo Klauenseuche in Betracht kommt, seucheufrei fei. Die Seuche hat ca. 13 — 14 Jahre tu ctm Bc-.cle g-.wiuet.
n Ter Eucharistische Kongreß «nS Sie katholischen Offiziers.
Dieser Tage ging durch die gegnerisch: Presse ent überaus gehässiger Artikel der Zettschrrst 'b t dem u. a. auch die Teilnahme des M ars an den
Inf“ SiI »»« Song gefeit!« Wochenschrift „Danzers Armee-Zeitung" veroffent- lickt nämlich folgende bemerkenswerte Kundgebung:
unsere Wtonarchie kennt keine Staatsreligiou wie'Pr-ußeu, England oder Rußland. Aber mehr 0(3 neun Zehntel der Bevölkerung Ungarns und Kroatiens bekennen sich zur römisch-katholischen Kirche. Und es ist daher in der Natur der Dinge gelegen, daß sich bei uns der religiöse Gedanke an "ich mit dem katholischen Gedanken int allgemeinen deckt. Und die gewaltige Kundgebung, zu der sich fetzt der Katholizisntus auf dem ganzen Erdenrund rüstet, um in Wien die Universalität der katholischen Idee und die lebendige Kraft ihrer Lehre sinnfällig zum Ausdrttck zu bringen, ist daher für uns zugleich eine Angelegenheit, die nicht bloß vom Stand- punkt einer begrenzten Konfession zu beurteilen ift.
Der religiöse Gedanke bewegt sich heute wieder in mächtig aufsteigender Linie. Er hat nichts mit Muckertum, Intoleranz oder Klettkalismus zu tun. Wir wissen heute, daß unsere geisttge Freiheit mit der Religion nichts -u tun hat. Als wir unter dem Eindrücke der neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse uns berauscht den Naturphilosophen tn die Arme ivarfen, benahmen wir uns wie grüne S ch u l ju n g e n, die glauben, mit ihrer neugebackenen Schulweisheit ihre Eltern überflügelt zu haben. Heute aber wissen wir, daß Wiffen und Religion zwei Begriffe sind, die sich nicht berühren. Unabhängig und weit über alles Wissen hinaus aber haben wir das Bedürfnis, unsere individuelle Schwachheit irgendwie zu bekennen und uns zu erhöhen, indem wir uns Demütigen. Jeder von uns, ieber denkende Mensch, macht in seinem Leben Kri- sen mit, der Skeptizismus (Zweifelsucht) gewinnt oft die Oberhand: doch selbst in unseren skeptischsten Augenblicken können wir uns doch nie restlos von den mystischen Schauern religiösen Empfindens befreien. Und jrdevt kommt der Tag, an dem er sich ohne Verzicht auf seine in Kämpfen errungene geistige Freiheit willig den nie völlig zu verschüttenden religiösen Forderungen seines Gemütes unterwirft.
Es hat eine Zeit gegeben, da galt es für beschränkt oder als ein Symptom berechneten Servilis- mus, sich zu seiner Religion zu bekennen. Wenn i bet: Sozialdemokraten und verwandt: Geister immer und immer wieder glauben, empfindliche Seiten in uns berühren, wenn sie in ihrem wohlverständlichen Streben, das Individuum zu isolieren und es dadurch ihren verhetzenden Tendenzen dienstbar zu machen, die „w a l l f a h r e n d e n Os s i z i e r e" höhnen oder bemitleiden, so verrät diese Gesellschaft nur, daß sie uns nicht kennt. Wenn wir der Gnladung des Kongresses folgen und durch unsere Teilnahme an den Feierlichkeiten des Kongresses unter Führung unseres Allerhöchsten Kriegsherrn und des ganzen Erzhauses laut und frei be-
wie Helene, und hatte selbst die Beobachtung gemacht', daß sie Robert arg vernachlässigten. Isabella hatte von schlechter Behandlung zwar gar nichts erwähnt, sondern nur gesagt, daß es für den armen Jungen doch eine Wohltat sein würde, wenn er in eine ordentliche Schule käme, wo auch -er etwas Tüchtiges lernen könnte. Aber der Major verstand zwischen den Zeilen $u lesen, und so veranlaßte er seine Schwägerin, beit Knaben in eine geeignete Anstalt zu schicken. Er selbst machte diese durch seinen Agenten ausfindig trug alle damit verbundenen Ausgaben und ließ Stöbert durch eine Vertrauens- Person hingeleiten.
Darnach teilte er auch Isabella alle Schritte mit, die er getan hatte, und fugte noch hinzu, ihre Mutter wisse nicht, durch wen er z» solchem Eingreifen veranlaßt worden sei. Nün folgten fünf weit bessere Jahre für Isabella; denn die Sorge uw den Bruder, der ohne sie zu Hause so viel litt, quälte sie nicht mehr in der allen Weise. Wenn sie ihn Mietet- sah fand sie ihn jedesmal zu seinem Vorteil vet- aud'ett, und stets versicherte er ihr, daß es ihm jetzt sehr gut gebe. Mit den Jahre« wurde er ein heiterer, intelligenter Mensch, obwohl seine Gesundheft schwach und sein Körper gebrechlich blieb. Seine leidenschaftliche Liebe für Isabella änderte sich nie. I« den Ferien waren die beiden säst unzertrennlich nnd konnten es umsomehr sein, als Mutter und Schwester sich herzlich wenig um sie kümmerten und gar keinen Anteil an ihren innersten Intereffen nah- meu. So gingen sie zusammen spazieren und teilten alle ihre Beschäftigungen im Hause — plauderten, zeichneten, mallen und lasen miteinander.
Aber eines Tages — Isabella war kaum siebzehn Jahre all — traf sie ein harter Schlag. Sie erhielt die Nachricht von Roberts Tode. Die Mutter schrieb es ihr. „Es ift ein trauriger Verlust für uns alle", sagte sie, „aber da er doch immer kränklich und elend war, ist -es für ihn vielleicht am besten so. Vor drei Wochen erhielt ich den ersten Brief des Arztes, worin er von Lungenaffektio« sprach. Dann traten Fieber und rascher Kräfteverfall ein. Ich war noch dort in der Anstalt, fand ihn aber schon so schlecht, daß mich heute die Todesbotschaft kaum überraschte."
Run fühlte sich Isabella weniger als sonst 5»
wo die Bahn in die Mam-Weser-Linie einmünbete erhebt sich schon weit mS Feld hinein bet 1 Bahndamm. Die Wohratalbahn bildet die st setzung der fett längerer Zeit im Betrieb beftnbh Bahn Zimmersrode—Gemünden, bit bekanntlich vor letzterem Orte aus nach Frankenberg roeitergefü werden soll. In Kirchhain mündet sie in die Weser-Bahn. Von hier aus kann man jetzt schon geradenwegs nut der Ohmtalbahn bte Bahn Fulda bezw. bte Vogelsberggegend ■ erre Nach vollendetem Ausbau dieser verschiedenen neu Linien, der Woratalbahn und der Verbindun Gemünden-Frankenbetg ist eine direkte Verb zwischen dem barmstädtischen Oberheffen mit Kaffelrr-Waldecker Gegend, sowie mit dem roepw Mischen Industriegebiet durch die Bahn Franken* berg-Bestwig geschaffen. _■
* Treysa, 8. Sept. 1912. Ein Zoglmg der Aw, statt „Hephata", der mck einem Geldbeträge vo« 6 Mark zur hiesigen Gitterabfertigungsstelle geschickt wurde, um Frachtbriefe Änzulösen, hat mit diesen» Betrage das Weite gesucht. Alle bis jetzt a«- gestellten Mfchforschungen find ergebnislos gebliebene
Ludwig Becker unter Hinterlassung einer großen Schuldenlast verschwunden. Das Konkursverfahren soll bereits eingeleitet sein. Wahrscheinlich wird für die Gläubiger nicht viel herausspringen.
* Ruhla, 7. Sept. 1912. Ein Einbruchsdiebstahl wurde vergangene Nacht im Pfarr- hause zu Ruhla G. A. verübt. Nach Ueberstetee» der Hofmauer futb der oder die Diebe in das Geschäftszimmer des Geistlichen eingedrungen, um dort unter Benutzung eines Beiles den Schreibtisch zu erbrechen. Den Dieben, von denen jede Spur fehlt, stel ein größerer Geldbetrag tn die Häute.
* Föhlritz, 8. Sept. 1912. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde der Bau einer H 0 ch« druckwasserleitung beschloffen, nachdem das Großherzogl. Staatsministerium nochmals eine Beihilfe von 1000 Mark in Aussicht gestellt hatte. Die Arbeiten sollen sofort vergeben und dann auch mit dem Bau begonnen werden.
* Oechfeu, 8. Sept. 1912. In der Nacht zum Freitag tourte der Schachtarbeiter Gustav Stern aus Diedorf in dem Schacht „Heiligenmühle" durch eine herabfallende Tübbingschraube schwer verletzt, indem ihm ein Teil der Schädeldecke zerschmettert wurde. Der Verunglückte wurde in bewußtlosem Zustande dem Dermbacher Krankenhause zugeführt.
Brief, ungefähr folgende« Inhalts: _<• „Meine liebe Isabella!
„Als ich noch in England war, faßte ich' tzeU Gedanken, daß Du dereinst mein Haus hier führe« solltest, — wenn ich nicht etwa heiratete, was jedoch' stets höchst unwahrscheinlich war. Zwar sagt« ich mir damals, daß Dein armer Bruder Wohl dre^ fern Plane hinderlich sein werde, da Du' Dich von ihm nicht würdest trennen wolle«. Aber inzwischen hörte ich von alle» Aerzten, die ich im Laufe der Jahre wiederholt seinetwegen befragt habe, daß dem Arme« sicher nur ein sehr kurzes Lebe« beschi^eü sei, — sodaß ich auf die Nachricht von seinem Hin- scheid»» längst borbereitet war. Unmittelbar nach Eintritt dieses traurigen Falles mochte ich von meinem Wunsche nicht sprechen, um erst Deiner» Schuterze eure Weile Raum zu gönnen, mein arme# Kind. Aber nun, nach einem halben Jahre, frage ich Dich, ob Du zu mir kommen willst? Da» Leben in Indien hat Licht- und Schattensetten. Im ganzen jedoch, denke ich, ist es für junge Leute recht angenehm. Für mich wäre es eine große Wohltat wenn Du kämest, den» ich bin des einsamen geben» müde und hatte schon vor zehn Jahren in England die Absicht, Dich al» Tochter zu adoptieren.
„Ans jeden Fall hoffe ich, daß Du wenigstens für einige Zeck herüberkommst. Solltest Du Dich dazu entschließen, so schreibe an meinen Agenten, dessen Adreffe ich hier beifüge. Er wird alles besorgen, was nötig ist; Du brauchst nur in die Geschäfte zu gehen, die et Dir nennt (denn er kennt die beste« Quelle«) u«b dort int allgemeinen Dein» Wünsche und Deine Geschmacksrichtung in bezug auf die erforderliche Ausstattung anzugeben. Was alle» zu einer solchen gehört, weiß der Agent ebenfalls ganz genau. Ich denke, in vier Wochen können alle Vorbereitungen erlebtet sein, und ich hoffe alsdann die Nachricht zu empfange», daß Du Dich NNgv- schifst habest/« vr—
(Fortsetzung folgt,) '
kennen, wohin wir gehören: so wird uns von dieser Kundgebung der giftspeiende Haß unserer Feinde nicht abschtecken.
Denn warum gestern die Sozialdemokraten gegen die Religion? Weil die Religion — ohne Unterschied der Konseffion — den einzelnen stärkt und tröstet; die Sozialisten aber brauchen haltlose Leute, unzufriedene Leute in denen Neid und Gier wüten. Den einzelne» jeder inneren Stütz; zu berauben, eine schlechten Instinkte bis zum Wahnsinn aufzu- reistchen: so bereitet die Sozaltemokratie den Boden ür ihre Lehre vor. Das schwerste Hindernis auf liefern Propagandawege ist die Religion. Wer luirb ich da wundern, daß oiese Partei, die keine Partei,