M
39, Jahrgang.
Fulda, Montag den 9. September 191L
Erstes Blatt
jSy £0
Denn es steckt doch eine große Lebensweisheit in dem scherzhaft klingenden Ausspruch: mit der Abschaffung der Todesstrafe möchten di« Herren Mörder den Anfang machen.
«chrdtttt-Nch«» der $«*>
gaegetafcrge.Mertti* ' »tzrlkcher Ve;«grpr«» •»ne 899
De-etlgekd kn Fulda fo« e>i« auswärts L506U-
Am Mche und Schule.
-$■ Aus der thüringischen Ordeusproviuz. DieWeihe der neuen Herz-Jesu-Kirche der Franziskaner zu Gor heim, die am Feste des hl. Franziskus erfolgen sollte, ist wegen der feuchte» Witterung auf November verschoben worden.
Kittes: ^er Nsm-r einer Golenef» zeile 4? diele, i^siet k»?4z. U.'flflWBi ö« San« einer Lol» nelzeU«, 74 mm breit, fojitl 40 Pf9. Sei Nie» Sertzolnugen Hab-’ft, , flr (Offert- u. SurtuuD» '.itjtlgxit 2d Pfg. rpr»
rr»takko«rdr»F n. Verlag der LuidatS Actirnr.-uckerei i-ZutdS Fernsprecher Lr. ♦
Kraft getriebene Maschinen, welch: den Mörtel in Holzkasten, welche an starken Schleppseilen hängen, zur Baustelle befördere. Abwechselnd fahren die Ungetüme durch die Luft, hurtig die leeren Kasten erspähend, damit tem Mangel an Mörtel die Arbeit unterbricht. Späßchens 1914 werden die Flute» der Cder anstürmen gegen das Werk menschlich n Schaffens. Sorglos eine Zigarette rauchend, be- merkt uns dec Führer einer dieser Maschinen und winkt uns seinen Gruß, Nur ein Seilbruch oder sonst ein Ängtuck und er saust zerschmettert in eine Tiefe von 100—150 Metern. Da unten schreitet
schaff, und in wenigen Minute» ist bi« Reisegesellschaft auf 6 Mann angrwachft«.
Mit einige« verzweifelte« Eeitenfprünge» auf de« klitscherigen Bode« nahm«« wir a» der Hand der Karte die Richtung auf Hemsurt. Zur öligem ei- jum Lreude ließ der R«m ngch,- -pch sbuefoe Tro-
Deutsches Reich.
** Berlin, 8. Sept. 1912. Der Kaiser erhielt in Konstanz eine Einladung vom König von Württemberg nach Friedrichshafen. Daher wurde das ursprüngliche Programm, wonach der Kaiser nochmals nach Konstanz hätte kommen sollen, um- gestoßen. Der Kaiser fuhr von Mainau direkt nach Friedrichshafen, wo er vom König von Württemberg begrüßt wurde. Um 7.15 Uhr erfolgte heute die Abfahrt des Kaisers nach Sachsen in das Manövergelände. — Reichskanzler von Beth. mann-Hollweg traf am Samstag abend in Buchlau zum Besuch des österreichischen Ministers des Auswärtigen, Grafen Berchihold, ein. — Mit Genehmigung' Les Kaisers werden die Mitglieder der m Berlin ein getroffenen japanischen Stu- dienkommiffion, die Herren Oberst Tanida, Oberstleutnant Hatano, Obaia, Schimatischi und Oberstabsarzt Endo, an de« Divisions- und Korps- manövern des 10. Armeekorps als Zuschauer teilnehmen.
** Das preußische Abgeordnetenhaus wird am 22. Oktober zur Herbsttagung zusammentreten. Nach seinem Zusammentritte wird das Abgeordnetenhaus sich einen neuen Präsidenten wählen muffen. Berliner Blätter glauben jetzt schon die Namen einiger Abgeordneten veröffentlichen zu können, die für die Wahl in Betracht kommen sollen: Armin- Züsedom, Graf von der Groebcn und v. Brockhaufen. Dem gegenüber bemerkt die ,Deutsche Tageszeitung', daß die konservative Fraktion des Abgeordnetenhauses sich «och nicht hat schlüffig machen können, wen sie Vorschlägen wird.
-T- Ein Aeichsetat-Ben-lrischastungsgesehl Nach Blättermeldungeu soll im Reichsschatzamt der Entwurf zu einem neuen Neichsetat-Bewirlschastuugs- gesetz vorbereitet werden, der dem Reichstage noch im Lause der kommenden Wintertagung zugeheu würde. Als Muster soll das Komptabitüälsgesetz vienen, das in Preußen seit dem Jahre 1898 in Kraft ist. Schon im Jahre 1906 ist durch den Frhrn. v. Stengel dem Parlament die Eiubringung einer solchen Novelle zugesagt worden. Im Bar- sahre hat Herr Wermuth dieses Verspreche» wiederholt. Man verspricht sich davon eine gegen früher sehr viel vereinfachte und glattere Abrechnung über den gesamten Reichshaushalt. Berliner Blätter wollen wissen, daß das Gesetz u. a. Bestimmungen über strittige Haushaltssragen, über die Verwaltung, Uebertragung und gegenseitige Verrechnung von Reichsgeldern innerhalb der verschiedenen Aemter, über Haushalisüberschreitungen ustv., enthalten würde.
+ Mit einer Novelle zur GeiverbrordMng beabsichtigt man eine Reihe von Mißständen zu beseitige». Durch Aenderung der Paragraphen 33, 83a und 33b, soll die Konzessionspflicht für die Unternehmer von Schaustellungen, Kinotheatern und Animierkneipen neu geregelt werden. Für Schaustellungen, die sich meist aus unbebauten Grundstücken als Rummelplätze einrichten, wird die Erteilung der behördlichen Erlaubnis in allen Fällen nötig, auch wenn sich diese Schaustellungen auf privatem Boden befinden. Die Kinotheater sollen dem § 33a unterstellt werden, sodaß für Nenerrichtung solcher Theater die Bedürfnissrage maßgebend wird. Die neuen Bestimmungen bezüglich der Animierkneipen, die eine wahre Pest der Großstädte find, werden dahin gehen, daß den Wirten betreffs der Beschäftigung weiblichen Bedienungspersonals bei der Konzessionserteilung schwerere Bedingungen als bisher gestellt werden, die den Betrieb von vornherein als unrentabel erscheinen lassen.
0 Eine Aenderung des Spiouageg-setzrs beschäftigt di« militärischen Behörden schon seit längerer Zeit. Ihr Hauptaugenmerk richten sie darauf, daß der Begriff der Spionage weiter gefaßt wird. Man will nicht mehr warten, bis die ausländischen Spione wirklich Material gesammelt haben, sondern will von vornherein es ihnen unmöglich machen, sich in den Besitz solchen Materials zu setzen. Aus diesem Grunde erwägt man, ob die Strafbestimmungen des Spionagegesetzes dahin auszudehne» seien, daß u. a. beteiiä das Betreten von Befestigungsanlagen mit einer nicht zu niedrig zu bemessenden Freiheitsstrafe geahndet wird. Aus diese Weift sollen Ausländer von den Einrichtungen zur Landes- verteidigrwg ferngehalten werden, sodaß es ihnen unmöglich wird, dort mit photographischen oder Meßapparaten zu hantieren, ohne daß beretts der Tatbestand der vollendeten Spionage vorliegt.
■-r- Zur Teuerung hat die sozialdemokratische Fraktrou deS Reichstages eine Eingabe an den Reichskanzler gemacht mit dem Ersuchen,
„die schleunigste Einberufung des Reichstags zu veranlaffeu zur Herbeiführung der gebötenen gesetzlichen Maßnahmen",- als solche werden die längst bekannten Mittel der Ioziakdemokralen bezeichnet, „die Aushebung der Einfuhrzölle auf Lebensmittel, insbesondere auf Bieh und Fleifch, die Oesfnung der Grenzen für die Eknfnlw von Vieh unter Aufrechterhaltung unerläßlicher Sicherheitsmaßnahmen gegen die Einschleppung von Seuchen, die Aufhebung der Futtermittelzölle, die Beseitigung der Einsuhrfcheine und vor allem die sofortige Oesfnung der Grenzen für die Eiu- fuhr von frischem und zubereitefem Fleisch".
Wollte die Reichsregiernug zu diese« Maßnahme-, greisen, dann wäre allerdings die Zustimmung des Reichstags erforderlich. Im übrigen scheint es der Sozialdimotratir mehr darauf anzukommen, die gegenwärtige Flei sch teuerung parteipolitisch auszunützen, als Maßnahmen zu ihrer Abhilfe zu erreiche». In der Eingabe wird aus die Erregung und Erbitterung hingcwieseu, die über die herrschende Teuerung in den weitesten Kreisen Platz gegriffen habe. Wer trägt denn an der Erregung uub an der Erbitterung die Schuld'? Doch nremaud anderes als die sozialdemokratische Presse, deren ewiges Geschrei über die teueren Fleff'chpreise auch dazu beiträgt, daß die Fleischpreise nicht niedriger werden.
— Zur Br streit ums der Kosten oer destscheu Expedition nach dem deutschen Konqoqebret wirt» das Reichskolonialamt einen Nachtrags erat tu Höhe von 500060 Mk. ausstellem Diese Nachlragss «deruru- wird dem Reichstag bei feinem Wiederzusamme». tritt vorliegen, gleichzeitig wird ihm das Protokoll über die Berner Konferenz, die die Bedingungen für die Grenzseststellung festsitzte, zugehen. Ein Teil der Grrnzkommisfion hat bereits die Ausreift ange- treten.
** Die Rybmker Dukllsorderuug. Amtsrichter Knittel hat, wie zu erwarten war, die Pistolen- forder'.mg des Hauptmanns Kan'.mler abgelehnt. Dir Entscheidung darüber, ob nunmehr gegen Amtsrichter Knittel em militärisches Ehrengerlchtsverfahren eingeleitet wird oder nicht, ruht bei dem Gerichts- Herrn, dem Kommandeur der 12. Division in Reiste, Generalleutnant Tülff.
♦* Dir fitzengrdliebenr „Genossin". Von dem Parteitags der württembergischen Sozialdemokratie berichtet der .Fränkische Kurier' noch ein hübsches Stückchen. Der Vorsitzende, Rrichstagsabg. Dietz, sprach das Schlußwort in vermittelndern Sinne und fügte einen leisen Tadel an die Adressen der Radikalen ein. Das brachte b« Führerin der sozialdemokratischen Frauenbewegung Fran Klara Zetkin so m Harnisch, daß sie bei dem Hoch auf die Sozialdemokratie sitzen blieb und laut erklärte, d rtz sie unter einem solchen Vorsitzenden bei einem Hoch auf die Partei nicht aufstehen werde. — Die arme Sozialdemokratie!
da« Finden drS Weges erleichtert.
Hoch ragen jenseits des Dorfes die bewaldeten Berge empor, noch eingehüllt in die Wolken des auf« gestiegenen Nebels. Groteske Spitzen und Kuppen tauchen auf, um im nächsten Augenblick sich wieder zu verhüllen. Wald und wieder Wald zeigt diese Ecke unseres Vaterlandes: ihrem Namen „Waldeck" macht sie alle Ehre. Doch ehe wir die nahegelegene Sperre besuchen, wird erst Rast gehalten. Die Der« schiedrnartigen Gäste des Wirtshauses betraten uns,
beiden Enden sind je 2 Durchlässe mit Vorkammern "eingebaut Hier werden später Turbinen zu Kraft- . zwecken eingebaut, um einen großen Teil des umliegenden und entfernten Landes mit Elektrizität zu versorgen. 220 Millionen cbm. Wasser wird das entstehende Becken ausnchmen und wird seine feuchten Arme 21 .Kilometer weit talaufwärts ausstre- cken, mit gurgelnden Fluten alles bedeckend, was seit Jahrhunderten fleißige Menschenhände bebaut und kultiviert haben. Doch wir konnten nicht länger weilen. Dort oben vor uns lugte von Zeit zu Zett die stolze Burg Waldeck aus dem Rebel hervor.
ser zerriß endlich und die Sonne strahlte zettwme hernieder. Da wanderten wir weitet, durch «affe
beherrscht. Bald ist auch der knurrende Magen befriedigt und nun gehtts mit Volldampf dem Ziele zu. Die zierlichen Häuschen des Talsperren-Kan- antfeS kommen in Sicht. Das gigantische Bauwerk der cmgefangene« Talsperre breitet sich auf der Tiefe der Edersohle vor unfern Augen aus. Die Neugierde tr-übt unS vorwärts, um alles genau sehen zu können. Doch überall — zu unferm größten Bedauern — leuchten uns die bekannten Warnungstafeln mit der Aufschrift „Zugang wegen der damit verbundenen Lebensgefahr vertreten" entgegen. Wir müssen uns also bemühen, einen einigermaßen günstigen Standort ausfindig zu machen. Mächtige Drahtseil« find von einer Bergeshöhe zur gegenüberliegen- MH gespannt, StaniK_Jjange« 4 durch elektrische
Ausland.
** Di« Verweltlichung der italienische« Frftist Höfe. Ju der Stadt Vicenza existiert außer dem katholischen Friedhöfe, wo nur kirchliche Beerdigw»- gen stattfiuden, noch ein zweiter Friedhof für Richt» katholiken und Katholiken, die keine kirchliche Br- rrdigung wünschen, sich also selbst außerhalb chrer Kirche gestellt haben. Ohne jede Notwendigkeit hat nun die antiklerikale Stadtverwaltung bestimmt, daß auch der katholische Friedhof v»« Nichtkatholiken benutzt werden könne und daß eine Beisetzung auf dem Friedhöfe der Recht- katholiken nur erfolge, wenn das ausdrücklich verlangt werde. Die Kircheufeiude haben also das Recht, de» Friedhof zu bestimmen, die Katholiken nicht, obwohl sie ihren eigenen Friedhof seit unvordenklichen Zeile» haben und von chrer Tradition, daß mir geweihte Gräber sich in demselben befinden sollen, nicht lassen wollen. Die Verwaltungskom- mfffiou des Provinzialrales hatte den Beschluß der Gemeindeverwaltung als ungültig erklärt. Die Stadtverwaltung legte Berufung beim S t a a ?Z- r a t e ein, der ihr Recht g a b. In dem seltsamen Bescheide heißt es, der Fortschritt der Sitten und dir Euiwicksung der Zeiten haben alte Vorurteile (l) und il-chässige Vorrechte verschwinden lassen. Der Friedhof sei eine Zivileinrichtung geworden, die ohne Rücksicht auf das Bekenntnis benützt werden Ejhttfc.
** Auch ctgti feen dritte» Orden gebt jetzt dir p oringiesische Regierung vor. Sie läßt in den Gemeinden durch die Friedensrichter bekannt geben, daß der dritte Orden unter die aufgelösten Kougec. gatiouen falle und daß den ihm augchörendeu Per- . firnen eine Frist von 14 Lagen gesetzt werde, ihren Austritt aus der Kougregatis« zu erkläre!--.
** Türkei. Die vor einiger Zeit. gegrLndKL Nationale Bersassungspartei veÄffeMticht ihr Programm, in dem sie fick als Nndäugerrn einer kosstitntionellen monarchtschr« Regierung sowie einer wahrhaft liberalen und gegenüber den nicht- mu ft Imam scheu ©leuteuka der Bevölkerung versöhnlichen Politik bekennt. Den erste» Punk! des 1 Parteiprogramms bildet die E»! Wickelung Äualolftns. ! Die Negierung ist amtlich von bet Bildung. Lee i Natümalen Verfaffuugsvariei, welche von ben früheren Dkpulicrten Fdritz und Lafcham! gegründet, worden ist, verständigt «re er en. — B'-ft vertäu te', beschloß der politische Ausschuß des jungkLrki- schen Kongresses, das Kabinett Muiytar Pascha zu «uterMtzeu.
** Präsident Last über feie PanamskaualbiL. In einer Rede vor einer Bersammluug der Atlantic Deeper Waterways Association in New London tni Staate Connecticut, antwortete Präsident Tast auf die Vorwürfe, die man ihm wegen der Hüter« Zeichnung der Panamakanalbill gemacht hat. Er balle es lieber gesehen, sagte er, wenn Teile der Bill weggelasse« worden wären, ec begünstige, nicht die Verletzung irgendeines Vertrages» aber er mache den Anspruch auf das gleiche Recht wie die fremden Mächte, einen Vertrag zu intet«; vretimn (!). Wir bauen, sagte er weiter, den Kanal zum Nutzen der ganzen Welt.
* 6tjitta. Ein Erlaß des Präsidenten Fuanschikai seht die Wahlen für da- Repräsentant en- Haus auf den 10. Dezember, die endgültigen Wahlen auf den 10. Januar nächsten Jahres fest.
vrrantw. Resskleur
w-ch.-ch-ll-gu^llustttette §on»tagrzMllg«
K Neber die Beibehaltung der Todesstrafe
ist wie aemeloet, auf dem Jurfftentage in Wien au-qiebig gestritten und abgesttmmt worden. 470 Teilnehmer waren für Beibehaltung der Todesstrafe, 424 dagegen.
Die konservative Richtung hat atso nur eine Heine Mehrheit unter den versammelten Juristen erlangt. Die unbedingten Gegner der Todesstrafe, welche sie sofort adgeschafft wissen wollen, sind ver- hälrmsmäßig sehr zahlreich. Tas fällt um so mehr ins Gewicht, als die Anhänger der Todesstrafe unter Führung des Geheimrats Kahl (Berlin) den Gegnern weit entgegengefommen war. Zur Beruhigung der Gemüter wurde hervorgehoden, daß man die Tode,» straft ja rui- für die schlimmsten Fälle von Hochverrat und Mord reservieren wolle, nnd daß die Beibehaltung auch nut vorläufig erfolgen solle, so lange nämlich, bis das Rechtsgcsühl des Volkes sich von der Todesstrafe abgewaudt habe. Ferner wurde die tattische Erwägung ins Feld geführt, daß die schwebende Reform des Strafrechts, die doch sehr große Fortschritte verspreche, nicht gesährdet werden dürfe durch die Forderung der sofortigen Beseitigung der Todesstrafe, rooraitf die Regierungen gewiß nicht emgehen würden. Trotz alledem blieben von 894 Ab stimmenden nicht weniger als 424 auf ihrem vermeintlich „humanen" nnd „kulturellen" Standpunkte stehm und verlangten, daß das kostbare Leden der Mörder geschont werde!
Es find nahezu 50 Jahre verflossen seit dem Kampfe deS Fürsten Bismarck für dft Beibehal- tung der Todesstrafe im neuen deutschen Strasgefttz. Der alte Praktiker wollte von den schönen Theorien der Gegner nichts wissen, sondern hielt in seinem gnst.nkr der Staats- und Ge'ettschastSerhattung an dem Satze fest: Wer Blut vergießt, dessen Blut soll Mieder vergossen werden l Nach dem Halden Jahrhundert steht die Willensmemung des Volkes in seiner großen Mehrheit noch auf demselben Standpunkt. Ja, man formte sogar sagen, daß das Bedürfnis des Schutzes gegen freventliche Mörder- bänd« noch gr ößer gewordm ist, da mzrvri.tzen die Umsturzmörderei, da« unmenfchlick.e Treiben der Nihilisten, Anarchisten unb sonstigen politischsozialen Terroristen, in erschrecklichem Aufschwung gekommen ist. Dringendt noch als der Schutz für sein Eigentum, verlangt das Volk vom Staate den Schutz von Leib und Leden, und zu diesen Schutzmitteln zählt es die Todesstrafe, ohne sich durch cheorettjche Haarfpaitereinr irre machen ju lassen.
Die „fortschrittlichen" gegen die Todesstrafe behaupten, daß fi« nicht abschreckend wirke, ro:e die fortgesetzten Mordtaten bewiesen. Rttt solcher Logik kann man auch die Abschaffung der Zuchthausstrafe begründen, denn di» Zuchthäuser si: b überfüllt, „also" wirkt die Strafe nicht abschreckend. r>ie richtige Fragestellung ist die: ob es nicht noch iel mehr Verbrechen gegen Leid und Leben geben würde, wenn uicht bu frevelhaften Triebe, die in neuerer Zeit durch verschieden« Umstände stärker geteilt werden, durch eine strenge Strafandrohung in manchen Fällen gehemmt würden. Wollt« man di« Todesstrafe abschaffen, so würde das Rechtsbewusttsenr der Volkes aus bc» schwerste verletzt werden x denn es betrachtet die Einsperrung dicht als die richttge Sühne für eine Äiordtat. Die Folge würde eine •Agitation für Wiedereinführung der Prügelstrafe sein. Wer diese Unangenehme Wendung vermeiden will, der trete dafür ein, daß wenigstens für das größte Verbrechen gegen Leib und Lebe« eine enlfpreckende Sühiie durch Henkershand herbeigeführ! werde.
Was die Zukunft bringt, wollen wir abwarten, yhne uns nach irgend einer Richluug hin die Hände zu binden. Sehen wir erst zu, rote sich feie ver- vrecherische« Triebe weiter entwickeln.
pfen und wir können den bisher krampfhaft festge- haltenert Regenschirm endlich zuklaporn. Der vorherbesagte Prophet triumphiert ob des eingetroffe- nrn Wiüeruugsumschlages. Hier und da huschen sogar einige Lichtftreifen durch die Wolken. Wir können ungefähi: ahnen, wo die Sonne steht und mutiger, in gehobener Stimmung gehts vorwärts, der Feldwebel au der Spitze. Einige fragwürdige Gestatten, in denen hm Jtalianos oder Kroaten erkennen, ziehen den eiufamen Waldpsad, und allerhand Zeiümgsmeldungen von Mefferstechrreien, Rauf-reien u. s. w. dieser Ausländer kommen uns ins Gedächtnis. Jetzt wird das Terrain abschüssig. In unwillkürlichen Sprüngen — der nasse Boden bietet keinen Haft — gehts abwärts und bald liegt das tiefeingeschnittene Tal der Eder bei H e m f u r t vor uns. Die angebrachten Wegzeichen hatten uns
giß den Rucksack nicht!" Der warnende Ruf be- loahrte uns noch im letzten Augenblick vor einem ernsten Mißgeschick. BaÜ> nahm unö mit vielen andern, deren Reden das gleiche Ziel erkennen ließen, die Kleinbahn Wabern—Wildlingen auf. Rach Luft schnappend kam ein Familienvater zu den Seinen verspätet ins Abteil gesprungen. Die Fahrkarten tcaren ihm abhanden gekommen und deshalb hatte er nachlaufen muffen. Er will nun sein schweißtriefendes Antlitz trocknen, faßt, um das Taschentuch hervorzuholen, in eine Seitentasche des neuen An- zuges und — fördert die vermißten Karten zutage. „Aber Mann!!?- Das war der einzige Ausruf der Gattin, begleitet mit entern Blicke, der nichts gutes ahnen ließ. Nur Rücksicht auf die ausbrechende .Heiterkeit und die ironischen Bemerkungen der Mitrei- senden gab ihr Anlaß, die keimende Gardinenpredigt zu vertagen.
Zennern! Fritzlar!, llngebanteß! — Dann machen die schwarz-weißen Grenzpfähl» bett schwarz- rot-goldenen Platz, wir sind im Grlstete des Fürstentums Waldeck. Es kommt die Station Mandern und dann Wega. Roch immer dasselbe Wetter und nn- {er fragender Blick zum Himmel kann auch nicht das ffeinfte Rißchen im grauen Einerlei der Firmamentes entdecken. Wir steigen aus, um von der Station Wegaer Mühle dir vor kurzem eröffnete Nebenbahn Willlungen—Corbach bis zur Station Buhlen zu br- nutz-n. " Unser unermüdlich spähendes Auge hat in- zlvischen entdeckt, daß bei strömend« Segen in sogenanntes „Fiffelw etter" übergegangen tft Das ge- trügt, um den einen von unß zum unwiderleglichen Diktum zu veranlassen: „Wir kriege« noch gut >8 Wetter, Gott verläßt keinen Deutschen". Mit unS entsteigt ein hünenartiger Feldwebel und fein Bruder dem Zug, um auch von Buhl«« aui die Sperre zu erreichen. „Gleiches Unglück macht Freund»
Eine Fahrt zur Edertatsperre.
f Schon lange war ein Abstecher zur Talsperre im -Gebiete der goldsluttgm Eder int verschwiegenen Famikienzirkel verabredet worden. Orientierungen auf Spezial- und Manöverkarten waren schon zu sviederholten Male« vorgenommen, der Ternttn auch schon mehrmals im Voraus bestimmt, doch immer kam etwas „dazwischen". Endlich waren die drei „Richttgen" $Hfammen und kurzerhand die Abreise auf den kommenden Morgen festgesetzt. Wohl versuchte das weibliche Element durch allerlei Wetter- befürchtttngen und sonst noch was, uns ins Wanken zu bringen, doch wir standen unfern Mann und der „schwächere" Teil gab für diesmal nach. Mukkern fügte sich in das Unabänderliche, schnitt nun zwar keine Gesichter mehr, wohl aber die nötigen Butter- bröter mit Zwischenlage. Der Wecker wurde auf 4 Uhr gestellt und nun zeitig ins Bett.
Pünktlich verkündigte andern Tages das Raffeln her Weckuhr den anbrechenden Morgen. Fixer als sonst war alles im Schuß,' noch ein letzter Händedruck mit dem wohlbekannten „erkälte dich nicht," „geh' nicht yt schnell", „trinke nicht zu kalt" — das klebrige herlor sich mit der zunehmenden Entfernung. Am Bahnhof trafen sich die drei: doch was war das?! baK \tn§ ftscht eben ein Tropfen in's Gesicht? Wahr- paptg. «s fing an zu regnen, und unsere besorgten konnte« nicht verhindern, daß der Regen zu- uaym und {tarier und immer stärker wurde. Um» teuren nem das wäre Schwäche gewesen, abgesehen von den spöttischen Micken und Bemerkun- äen der c.aheimgebliebenen. Vor unserem geistigen Ange tauchte unwillkürlich das Gedicht „Petn in der Fremde au,, ^er fauchend herannahende Zug machte allen dtefen Erörterungen ein Ende Fwtrg! Abfahren. Und fort gings, dem Ziele entgegen.
-«Wabern! Nach Fritzlar und Wildnngen eiusteigen!" Dieser Sitf trieb uns plötzlich aus unserem Wagen heraus auf den Bahnsteig, itt den Regen, der immer noch niederging. Schleunigst flüchtete« .wir unter das icküüende LÄrMdack.
das Bauwerk rüstig vorwärts. Rach zeitraubenden, umstätidlichen Vorarbeiten ist es glücklich ungefähr zur Hälfte gediehen. Unermüdlich schaffen 6 kleine Lokor.wltven Bausteine herzu. Diese werden durch SEajftr von allem anhaftenden Crdenschmutze befreit, auf kleine Wagen geladen und zur Arbeitsstelle gefahren. Wer von oben herabsieht, glaubt das Treiben in einem Ameisenhaufen zu erblickeit. Geschäftige Vorarbeiter und Ingenieure eilen hin und her. Hier meffeud, dort erklärend, anweiseikd überwachen i- die Tätigkeit der 400—500 Arbeiter. Alles nimmt einen geregelten Gcmg. In musterhafter Ordnung piekt sich alles ab. Das muß auch sein. Sollen doch 285 000 .ft hm. Mauerwert zur Höhe von 50 ItpteöenuLiigen wuin w, vcnutut Metern anwacknen. Wahrend die untere Breite der
Welch' gemischtes Arbeitervolk zurzeit diese Gegend Sperre 35 Meter beträgt, verjüngt sich das Bauwerk beherrscht. Bald ist auch der knurrende Magen be- nach oben bis auf 6 Meter. Rechts und imks an