Einzelbild herunterladen
 

39. Jahrgang

Fulda, Freitag den 6. September 1912.

Erstes Blatt

aä 204.

Kleines Feuilleton

lannt.

bildung wird durch Veranlagung und Tradition so­wie nebenhergehende Schieß- und Turnausbildung ermöglicht. An den gegenwärtigen Manövern neh­men 30 000 Mann teil. —

— Eine Kohlengerechtfame aus der Saarbrücker Fürstenzrit besteht im Saarreoier noch heute. Im Jahre 1789 verfügte Fürst Ludwig von Nassau- Saarbrücken, daß den Haushaltungsvorständen im Gebiete seines Fürstentums die zum Haus- und Kalkbrand nötigen Steinkohlen aus den Saargruben zum Selbstkostenpreis abgegeben werden sollte». Es war dies wohl auch eine Ablösuvg des alten Brauches, daß viel- Leute die damals noch zutage tretenden Kohlenflöze selbst abbauten und so ihren Kohlenbedarf decken konnten. Die alte Kohlengerecht­same wurde dann im Jahre 1819, nachdem die Saargruben in den Besitz des preußischen Staates übergegangen waren, ausdrücklich bestätigt. Dabei wurde auch die Menge, die jeder selbständige Bür­ger in den Gemeinden des ehemaligen Naffau-Saar- brücker Fürstentums (den jetzigen Kreisen Saarlouis, Saarbrücken, Otrweiler und St. Wendel) entnehmen konnte, mit 31 Zentnern Hausbrandkohle und für 25 Ar Ackerland 1/i Zentner sogenannter Koksbrand­kohlen festgesetzt. Der Selbstkostenpreis wird von sechs zu sechs Jahren bestimmt, zurzeit beträgt er 9,80 Mark für die Tonne. Im vergangenen Jahre mußten die fiskalischen Saargruben 94374600 Kilo­gramm solcher Berechtigungskohlen abgeben, für die oer Fiskus als Selbstkosten 924 871 Mark erhielt, während der Tagespreis insgesamt 1214610 Mark betragen hätte.

— Warum gerinnt dir Milch während eines Gewitters? Das sogenannte .Gerinnen" der Milch ist nichts anderes als eine Ausscheidung von dem in der gewöhnlichen Milch gelösten Käsestoff oder Kasein. Dieser ist bekanntlich das .Eiweiß" der Milch und in dieser sür gewöhnlich deshalb nicht sichtbar, weil der schwache Kalkgebalt Irischer Milch

ia glich m«

«M-tzme der Sone» ,8» Feiertage, viertel- pchrNchervrpisrVtttr efrnt Mngrrlofrn und

Sto amwärtr l-A» LR.

' Vrrrntw. Nedoktrnr

LP.: 1. »e8Ut; , ..

w°che-b«ri°g°- Illustrierte Sonntagzzeitung"

-- Die Schweizer Kai^ertage.

Am Mittwoch abe.nV«n?.

das größteSeenachtfest statt, dasZunchre gesehen hat. Kurz nach 7 Uhr begab sich der Kaffer mit seinem G-svlge an Bord des neuen Salondampfers Stadt Zürich", auf dem die offiziellen Persönlich- feiten der Schweiz ihn empfingen. ES waren zu der Fahrt auf dem Kaiserschisf auch eine größere Anzahl Politcker, Industrielle, Kausleute eingeladen, mit btnen der Kaiser alsbald während der Fahrt in ein lebhaftes Gespräch kam. Das Schiff fuhr ktwa halbwegs bis Rapperswyl am oberen See- mde. Eine Ortschaft nach der anderen glühte im toten Scheine bengalischen Lichtes auf. Das Schiff wandte sich und fuhr wieder nach Zürich zu. A ls es nahe genug wieder an die Stadt herangerommen war, flammte es an den Ufern rings umher und auf den Höhen des Uettliberges und des Züricher Berges aus und in voller Wirksamkeit kam die schöne Silhouette der alten Stadt auS dem nächtlichen Himmel heraus. Hunderte von mit Lampions ge­schmückten Ruderbooten schaukelten wie glanzende Seerosen auf dem dunkeln Wasser. Dazwischen bewegten sich langsam die Lichtsilhouetten größerer Schiffe. DaS Kaiserschiff selbst aber war für d,e die Ufer umlagernden Hunderttausende weithin er­kennbar durch das riesige leuchtende Schwetzerkreuz, das sich an seinem Maste erhob. Um 8H» Uhr schoß eine Rakete empor, die eine Weile ruhig am Nacht­himmel stand und dann eine Sonnenblume von riesigen Maßen in den Nachthimmel warf. Sie war daS Zeichen zum Beginn eines großen Feuerwerks, wie e« die Stadt in kaum zu überbietender Pracht veranstaltete. Nahezu eine halbe Stunde lang wurde die Aufmerksamkeft der Zuschauer in jedem Augen- blicke durch neue wunderbare Lichteffekte entzückt, bi» endlich ein aus 3000 Raketen bestehendes Riesen­bukett für einige Sekunden Tageshelle über See, Stadt und Berge verbreitete.

DaS Manöver wurde gestern, soweit es Ge­fechtsübungen sind, beendet. Der Kaiser war schon um ft,5 Uhr aus Zürich hinausgefahren, um dem Schlußakt, der schon sür die frühen Morgenstunden in Aussicht genommen war, beizuwohnen. Nm ft,7 Uhr kam ein lebhaftes Gefecht in Gang, das bis nach 9 Uhr dauerte. Alsbald zogen bann die Truppen, die schon seit Dienstag im Gefecht waren und auch Notquartiere nur teilweise gesehen hatte«, vielmehr in der Mehrzahl zwei Nächte in ihren Schützengräben biwakierten, in Riefen- kolonnen durch Wyl in ihre Quartiere, wo sie sich ssir die heute stattfindende Inspektion, eine Art General-Waffen- und Material-Appell mit anschlie­ßendem Defilieren, fertig machen. Der Kaiser ft rach sich über die Manöver und deren Durch- übrung sehr befriedigt aus und bemerkte, die For- mierung der schweizerischen Artillerie und die Schützen seien alles Lobes wert.

Der Kaiser fuhr um 12ft«Uhr nach Zürich, wo er einen Tag der Ruhe pflegte. Heule hat er Zürich verlassen, um nach Bern zu fahren, wo er im Bun- drspalaste offiziell vom Bundesrate und von den Vertretern der höchsten Bundes« und Berner Be­hörden empfangen werden wird. Nach einer Fahrt durch die festlich geschmückte Stadt wird sich der Bundesrat auf der deutschen Gesandtschaft vom Kaiser verabschieden. Nachher wird dieser im Berner Hofe die in Bern beglaubigten Gesandlschafls-Chefs empfangen. Diesem Akte wird ein offizielles Diner folgen. Abends wird der Kaiser die Rückreise über Zürich-Schaffhausen-Konstanz antreten.

[] Die Armee der Schweiz.

Da Kaiser Wilhelm bei seinem Schweizer Besuch auch den Manöver» beiwohnt, ist es gewiß inter- ‘effant, sich einmal mit dem schweizerischen Heer­wesen bekannt zu machen.

Die Manöver finden zum ersten Male nach der

Der Garten im September. Die Obsternte, Mveit sie nicht schon die Stürme der letzten Zeit besorgt haben, ist im vollen Gange. Der Obstsreuud wird alle Früchte vorsichtig abnchmen, also weder schütteln noch abschlagen, weil hierdurch Fallflecke entstehen, die das Obst weniger haltbar und weni­ger gut verkäuflich machen, und weil beim Abschla­gen diel Fruchrholz für das nächste Jahr beschädigt wird. Zum Aufbewahren fcebient man sich am be­sten besonderer Obstgestelle, die an einen dunklen Ort im sauberen, trockenen Keller gefteUt werden. Es empfiehlt sich, die Kellerräume vorher sehr sau­ber hcrzurichten und kräftig auszufchwefeln. Bon Weintrauben nehme man die sie verdeckenden Blät­ter weg, damit die Trauben direkte Sonnenwärme bekomme» und dadurch schneller ausreifen. Be­sonders schöne große Trauben schütze man vor Vö- Seln, Wespen und allerhand Gewürm durch Einbin- en in leichte Gazesäckchen. Die Kohlarten gebrau­chen jetzt sehr viel Waffer. Die Spitzen des Rosen­kohls sind auszuschneiden, damit sich die Röschen bes- 5er bilden können, auch dir Tomaten entspitze man; iie Früchte werden dadurch reifer und größer. Ge­würzpflanzen müssen nun bald geteilt und frisch ge­pflanzt, neue Spargelbeete angelegt werden. Zier­pflanzen und empfindliche Blumen sind aus den Beeten in Töpfe zu verpflanzen, wobei man die Ver­mehrung durch Stecklinge vornehmen kann. Zim- jmerpflanzen, denen man eine Sommerfrische im Freien gab, sind nach gehöriger Reinigung nach und noch wieder ins Haus zu bringen, besonderes zeitig Fuchsien und Pelargonien, die im Zimmer noch längere Zeit blühen sollen. Allen Zimmerpflanzen gönne man solange als möglich durch Offenhalten »er Fenster frische Luft. ig.

----- KartelbBerband der katholischen, farbentragenden Studentenskrdindkrngen. Nacv drr neuesten ©tatiwf

den, als der Freisinn mit dem Anerbieten au ih» herangetretcn sei.

Die augenblickliche gereizte Stimmung zwischen., den ehemaligen Verbündeten ist leicht erklärlich nutz man versteht, warum sich die beiden bisher übet einen Palt für die bevorstehenden Laudtagswahteü noch nicht verständigt haben. Im sozialdemokratb« scheu Lager ist man sich über die bei den preußische« Landtagswahlen zu beobachtende Taktik noch nicht einig; der Vorschlag des früheren ,,Vorwärts"-R« dakteurs Eisler, die Genosten sollten, um dem preu< tzischrn Landtag ein anderes Gesicht zu geben, fcho« bei den Wahlen überall dort, wo sie selbst nicht AuS«' sicht auf Erfolg hätten, ihre Stimmen ohne die For-> derung eines "Gegenwertes den liberalen Parteien geben, hat im roten Lager keine allzu freundlich^ Ausnahme gefunden. £

Auch an der Ruß wird der Chemnitzer Partei^ tag zu knacken haben. •• :

Deutsches Reich.

♦* Berlin, 5. Sept. 1912. Der Kais er witt am 15. September in Wilhelmshaven zur Teil­nahme an den Herbstmanövern der Hochseeflotte eitK treffen. — Im Reichsrat des Innern sind die Vor» arbeiten zu einer Reform des Patentgesetze und des Warenzeichengesetzes wieder mit allem Rachc druck aufgenommen worden.

— Der Allgemeine Parteitag der fortschrittlich«?' Volkspartei in Mannheim soll nach dem zur $eer öffentlichung gelangenden Programm vom 4. bis 8< Oktober abgehalten werden. Am 6. Oktober findet eine große öffentliche Volksversammlung statt, fut die folgende Tagesordnung bekannt gegeben wird; „Volkspartei und Landwirtschaft", „Fortschrittlich^ Volkspartei und Mittelstand", „Die Arbeiterfrage^ „Die Fraucnfrage".

+ Die Abgötterei des falschen (WrbegrifsS und der ganze Widersinn des Duellwesens tritt totebtt einmal deutlich zutage in einem Nachspiel zm« Prozeß Knittel. Ter aus diesem Prozeß bekannt« Hauptmann Stammlet hat, wie schon gemeldet, nach einem Beschftrß des Ehrenrats dem Amtsrichtel Knittel eine Duellforderung zugehen lassen. Haupt­mann Kammler ist derjenige Bezirksoffizier, aus dcffen Drängen hin Amtsrichter Knittel von bet Reserve in die Landwehr versetzt worden war mch dem im Prozeß der Vorwurf gemacht worden war er fei ein bösarfiger Geistesschwacher, vor dem uuut sich in Acht nehmen müsse. Diesen Vorwurf be( das Gericht in seiner Urteilsbegründung als wahr erwiesen angesehen und darüber gesagt:

„Die Geistesschwäche roettbe al8 sestgestells betrachtet auf Grund der Sachverständigengutachten Die Bösartigkeit wurde erblickt in dem zweidentigech und nicht offenen Verfahren gegenüber dem Ang», klagten und dem Oberleutnant Giese, sowie in dem Verhalten des Hauptmann- Rammler bei den Kontrolle Versammlungen. Hirrsür ist der Wahrheitsbeweis o* jektiv erbracht."

Das „Berliner Tageblatt" bemerkt dazu, Mann habe jahrelang die Stellung eines Bezi osfiziers bekleidet. Wenn der militärische Ehr nun diesen als bösartig, geistesschwach gekenn neten Mann zu -einer Duellfvrderung beton habe, so sei das eine etwas unerwartete Lehre, man in militärischen Krersen aus dem sensationAlest Prozeß ziehen zu wollen scheine. Dre „Tägliche Rundschau" uennt dieses Nachspiel häßlich; fi< möchte der Meldung vorerst den Glauben verweis gern; wenn sie aber zuträfe, wäre sie tiefbedauer^ lich und könnte nur als ein gewaltsamer, unrecht^ mäßiger Korrekturversuch des ordnungS^ mäßigen Justizverfahrens aufgefaßt werden. <

* Zweierlei Matz? Zu dem politischen Prozeß in Ratibor macht ein Leser der „Germania" fol­genden treffenden Kommentar: Leutnaxl Knittel folgt als Zentrumsanhänger der Partei« Parole und wählt den Kompromißkandidatem 3» sie ein wenig alkalisch macht, und Alkalien allgemein; Lösungsmittel für Eiweißstoffe sind. Ein Tropfe« Säure genügt aber schon, um den Kalk zu binden, d. h. die Milch zu neutralisieren. Da nun aber die Eiweißstoffe in gewöhnlichem Waffer meist um* löslich sind, so scheidet sich der Käsestoff beim Sauer­werden der Milch aus. Meist wird ja mr« bi« Milch „von selbst" sauer, oder besser gesagt, bi« Säure bildet sich aus der Milch selbst, nämlich aut dem Milchzucker derselben Milchsäure. Dies ge­schieht durch Gährung mit Hilfe eines FermenÜtz des Milchsäurebazillus. Daß bei einem Gewitter dieser Vorgang rafcher eintritt, hat man früh« dadurch etUäit, daß die elektrischen Entladungen während eines Gewitters gleichsam anregend auf/ den Milchsäurebazillus wirken sollen. In einer französischen Zeitschrift weist nun der französisch«, Forscher A. Trillat nach, daß diese Annahme gründ» falsch ist. Er hat monatelang elektrische Entla­dungen auf Milch bei verschiedenen Temperaturen und"Tazeszeiten einwirken lassen und nachgewiesen, daß die so behandelte Milch eher widerstcmdssähiger wurde, als die einem solchen Verfahren nicht auS«, gesetzte Milch. Es gelang Trillat dann auch, di«/ wahre Ursache des Gerinnens der Milch während eines Gewitters festzustellen. Unter den Säuren,, die dieses Gerinnen verursachen, tönuen sich auch, solche befinden, die bei gewöhnlicher Temperatur gasförmig find. Hierzu gehören die bekannten Übel«, riechenden Gase, welche sich bei der Zersetzung tierischer Stoffe bilden, und die als Schweselwafferft stoff und Phosphorwafferstvff bekannt sind. Diesig Fänlnisgase sind allerdings vom Standpunkte bei Chemikers aus sehr „schwache Säuren", und doch hat Trillat nachgewiesen, daß schon unendlich geringe Mengen derselben die Milch zum Gerinnen bringe«. Da sich nun überall auf der Erde tierische Stoff« in der Zersetzung befinden, so treten auch die Gas« allenthalben auf, vor allem befinden sie sich fte» im Erdboden. Bei normalem Luftdruck werden aber, zum größten Teile wenigstens, durch den um gebeuren Druck der atmosphärischen Lust im Eiweiß

neuen §eereSorganifation, die mit dem 1. April 1 dieses Jahres ins Leben getreten ist, statt. Das 1 Wehrgesetz, das seit 1908 besteht, ist auch bet dieser । neuen Heeresordnung unverändert geblieben. Dar- nach ist jeder Schweizer wehrpflichtig, und nur dre Mitglieder des Bundesrates und unentbehrliche Staatsbeamte, sowie Geistliche sind davon ausge­nommen. Moralisch Unwürdige sind dcwon ausge- schlossen. Die sicht Dienenden zahlen brs zum vol- lenbeten 40. Lebensjahre eine Wehrsteuer. Drr Wehrpflicht beträgt 28 Jahre, vom 20. bis zum 48 Lebensjahre, davon 12 Jahre (die Kavallerie 10 J^hre) im Auszug, 8 Jahre (die Kavallerie 10 ^abre) in der Landwehr und 8 Jahre im Land­sturm Offiziere gehören noch 4 Jahre länger, bis zum 52. Jahre, dem Landsturm an. DerAuszug empfängt feine erste milrtärische Ausbildung in der Rekrutenschule, 65 Tage für Infanterie und Genie, 75 für Artillerie, 90 für Kavallerie. Demnächst fol­gen 7 Waffenübuugeu, bei der Kavallerie 8, zu je 11 Tagen und Waffeninspektionen an 5 Tagen, die nur bei der Kavallerie fortfallen, sowie Wasfenm- spektionen an 7, bei der Kavallerie an 10 Tagen. Der Landsturm hat keine Wiederholungskurse mehr, sondern nur noch Waffeninspektionen.

Das Rekrutenkontingent, das sich zur Aushe­bung stellte, betrug int vergangenen Jahre 40 269 Mann bei 3% Millionen Einwohnern. Davon wurden 22 309 gleich 67 vom Hundert, als tauglich ausgehoben, etwa 1200 Mann mehr als im Jahre 1910. Ausgebildet wurden hiervon als Rekruten 19 223, zu Offizieren 539, zu Unteroffizieren 3098 Mann. An dem freiwilligen militärifchen Vorunter­richt nahmen 19 421 Schüler, etwa 5000 mehr als im Vorjahre, teil. In den Jugendschützenkurfen wurden 3175 ausgebildet. In 54 Korps der Ju- gendwehren waren 6898 Kadetten. Die 3973 Schieß­vereine zählten 23 200 Mitglieder. Das sind recht erhebliche Zahlen sür Jugendausbildung und Schießausbildung. Die Kriegsstärke betrug am 1. Januar 1911 tat Auszug 142 054 Mann, in der, Landwehr 69 513, int Landsturm 15 580, zusammen j 227 147 Mann, tzps sind 6 vom Hundert der Be- ' völkcrung. Die Pferde werden vom Bund ange­kauft und den Kavalleristen gegen Bezahlung des halben Schätzungspreises als Eigentum übergeben. Der gezahlte Preis wird ihnen dann in 10 Jahres­raten zurückerstattet. Für den Mobilmachungsfall werden 50 000 Pferde gebraucht. Das erste Wehr­gesetz wurde 1874 gegeben, das dann durch das von 1908 abgeloft wurde. Dre Leitung der Militärver­waltung untersteht dein Bundesrat. Die Mobilma­chung verfügt der Bmw. Sind größere Truppen- au; geböte erforderlich, fo hat der Bundesrat die Bundesversammlung einznberufen, die den General als Oberbefehlshaber der "Armee wählt. Die Schweiz ist in 8 Divisionskreisr, die Kantone ihrerseits in Rekrutierungskreise geteilt; die Heerordnung hat mehrfach gewechselt. Es werden jetzt 6 Divisionen, statt der bisherigen 8, zu je 3 Brigaden gebildet. Jede Division erhält von vornherein sür den Krieg ihre bestimmte Gegend zur Verteidigung überwie­sen und besieht aus 13 Bataillonen und 2 Guiden- -eskadrons, während die bisher den Armeekorps zu- geteiltcu 4 Kavalleriebrigadeu selbständig werden. Außerdem verfügt jede Division über 2 Artillerie- Regiruenter. An Steile der bisherigen 4 Korps­verbände treten 3, die auch nur die Inspizierung vorzilnehmeii haben. An Truppenverbänden sind vorhandeii: Infanterie: 98 Füsilier- und 8 Schützen- bataillone int Auszug, 56 Bataillone in der Land­wehr, dazu eine größere Anzahl Radfahr- und Ma- schineugewehrkonipagnien; an Feldartillerie: 72 Feld- und 12 Haubitzbatterien im Auszug und eine größere Zahl sogenannter Parkkompagnien in der Landwehr, 9 Gcbirgsbatterien im Auszug; an Fuß­artillerie: 10 Kompagnien im Auszug und 15 in der Landwehr: an Festungsartillerie: 16 Kompagnien.

Die Bewaffnung ist durchweg gut Die trotz des Milizsystems verhältnismäßig gute militärische Aus- vom Juli 1912 zählt der C. V. in seinen Ver­bindungen (gegen 77 im vorigen Jahre): 7274 Alte Herren (6802), 4011 Studierende (3754) und 463 Ehrenmitglieder (456), im ganzen also 11748 Mit­glieder (11012). Von den Alten Herren sind Theo­logen: 1895 (1916), Juristen, Rechtsanwälte, Ver« waltungsbeamte: 1771 (1766), Aerzle: 888 (843), Zahnärzte: 70 (57), Philologen: 1239 (1146), Natur- Wissenschafter, Chemiker: 68 (60), Berzbeamte: 7 (9), Forstbeamte: 42(33), Archiv-, Bibliotheks- und Museumsbeamte: 49 (42), Veterinärmebiziner: 187 (157), Ingenieure und Techniker 323 (277), Apothe- ler: 146 (130), Landmesser u. Kulturingenieure: 44 (38), Landwirtschastslehrer: 21 (17), Zoll- u. Steuer­beamte: 84, Verkehrsbeamle: 81 (76), V.rleger, Redakteure, Journalisten: 69 (64), Gutsbesitzer und Landwirte: 47 (41), Andere Berufe: 194 (138), Professoren an Universitäten und andern Hochschulen: 72 (81), Professoren an Fachakademien und theo­logischen Lehranstalten: 27 (11).

— Elektrizität gegen Bcrgwerköexplosionen. Die trotz der bisherigen immer als sicher angesehenen Sicherheitslampe vorkommenden Unfälle in Berg­werken haben die Vertvendung der Elektrizität für dre Beleuchtung der Bergwerke schon seit langem in die Diskussion geschoben. Schon 1846 hat Stragg in Newcastle vorgeschlagen, sich in den Bergwerken statt der Davhsicherheitslainpen des elektrischen Lichtes zu bedienen. Er will, von dem Gesichtspunkt aus­gehend, daß die Kohlenspitzen im luftleeren Raume sich nicht abnutzen, dieselbe in luftleere Glasröhren Hermefisch verschließen, jeden Arbeiter mit einer sol­chen Glasröhre versehen und die Leitungsdrähte aller gemeinschaftlich mit einer große» und kräfti­ge» Batterie verbinden. Er behauptet, daß dies: Er­leuchtungsart noch gefahrloser als die mit Davyschen Lampen und minder kostspielig sei. Einer Beschä­digung der Glasröhren soll, entweder durch einen um dieselbe angebrachten Schirm oder eine dop­pelt? Glasröhre vorgebeugt werden. Die Idee war gut, und ihrer Verwirklichung stand nur im Wege, daß man In den Beraweckn transportable Lampen

üMgt» tfierxeee «inet einfp.4«Ion«le 3eile, «7 mm breit, ioäetispfg. Btnantm ver Lau« einet CeW neljeile, 74 mm breifc kostet 4i) Pffl. Sei WM Verholungen Rabatt, jflr ©ff «t»«.

enjeigen 20 pfg. e[tte 8»tati«H«»rH<

rnonatrbellare: .Llllda« GeschlchttblStter«

' - ....... ........I ____________________________________

+ Sozialdemokratische Nöte.

Je näher der sozialdemokratische Parteitag in Chemnitz heranrückt, umsomehr werden sich die Ge­noffen bewußt, daß bei ihnen doch nicht alles klappt, um fo größere Sorge aber legen sie auch an den Tag, um ihre Schwächen und 9löt?n vor den Augen der Welt zu verbergen.

Nun haben in den 6 Berliner Reichstags») ahl- krrifen die Genossen zur Vorbereitung auf den Par­teitag Versammlungen absehalten, die manches In­teressante zutage förderte». Vor allem war es da die Maifeier, dies Schmerzenskind, mit dem die roten Führer nicht hin und nicht her wissen. Welch große Hoffnungen hatten einst auf dem Kongreß zu Paris im Jahre 1889 die Stifter auf die Maifeier als eine mächtige Kundgebung der Macht und Einig­keit des internaitonalen Proletariats gefetzt, und mit welcher Sorge sahen auch die Unternehmer und die Regierungen dem ersten Maitag entgegen. Wenn dann aber jeweils der zweite Maitag heraufdäm­merte, dann war doch alles geblieben wie früher, die ganze Mobilmachung zeitigte kerne anderen Fol­gen, als daß den feiernden Genossen ein Tag am Lohne gekürzt wurde. Mft der Machtprobe war es in Deutschland nichts. Von Jahr zu Jahr wurde dte Beteiligung an der „großartigen Kundgebung" ge­ringer und dir deutsche Sozialdemokratie sah sich tu ihrem eigenen Interesse schließlich gezwungen, nur au den Orten noch den 1. Mai zu feiern, wo dies ohne fchwerere Schädigung der Arbeiter anging. In fast allen Berliner Versammlungen kam dies Schmerzenskind zur Sprache; in allen anerkannte man Wohl das.Kasko, das mit der Maifeier erlitten worden war, aber nur einer, der Genoffr Richard ^Fischer, wagte es, offen auszusprechen, daß man ! den Blut haben solle, auf der» Parteitag die Auf­hebung der Arbeitsruhe am 1. Mai zu beantra­gen, wenn es nicht gelinge, die Gewerkschaften zu einer umfaffenden Propaganda für diese Arbeits­ruhe zu bringen.

Der Parteitag aber wird diesen Mut Wohl nicht besitzen, denn es muß doch wenigstens der Schein gewahrt bleiben und es wäre zu beschämend, wenn, wie Karl Kautsky sich ausgedrückt hat, „die stärkste sozialdcutokratische Partei und die stärksten Gewerk­schaften der Welt sich für zu schwach erklärten, einen Beschluß zu befolgen, den die proletarische Interna­tionale wiederholt gefaßt und entfchieden gewollt hat." _3n Chemnitz wird man darüber Wohl noch weiter sprechen.

In einer anderen Versammlung sprach der Abg. Ledebour über die Souderkonferenz der ra- dikalen Reichstagsabgeordneten. Ob­wohl auf den Parteitagen die Anfchauungeu der ra­dikalen Richtung gesiegt hätten, feien doch von ein­zelnen Wahlkreifen Vertreter in den Reichstag ge­schickt worden, die dw Anschauungen nicht vertreten. So habe beispielsweise der Vertreter Magdeburgs, Genosse Dr. Landsberg, beim Kaiserhoch den Sitz­ungssaal nicht verlassen. Die Reichstagsfrakfion sei daber heut? in der Tat nicht so zusammengesetzt, wie die' Mehrheit der Parteigenossen es wünsche, und barunt fei die Sonderkonferenz nötig gewesen.

Interessant waren auch die Feststellungen des Abg. Ströbel über das r o s a r ot e Stichwahl- a b'k o m m e n bei den letzten Reichstagswahlen. Schon Genoss? Hoffmann hatte hu 4. Kreise er­klärt, ein Genosse, der das Stichwahlabkommen mit der Fortschrittlichen Volkspartei verteidigt habe, stehe mit seiner Ansicht im 4. Kreise Wohl ganz allein. Auch Ströbel gab zu, daß das Abkommen große Ver­stimmung ausgelöst habe; der Parteivorftand habr sich aber in einer sehr unangenehnten Lage befun-

— n 11' ■—77iwn-rniT.ir«i«l n

haben mußte, mit denen der Bergmann der Kohle folgen konnte. In dieser Beziehung ist bisher nichts geboten worden. Jetzt ist man an den verschieden­sten Stellen dabei, mit Hilfe von Akkumulatoren elektrische Grubenlampen zu betreiben. In welchem Grade dies Erfolg hat, ist einstweilen noch nicht be-