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39. Jahrgang

Fulda, Donnerstag den 5. September 1912

jVe 203.

= Die Schweizer Kaisertage

sondern um

nicht oder in

Nachdem der freisinnige Prediger I a t h o (Köln) durch das Spruchgericht aus dem geistlichen Amt und der Landeskirche entfernt worden war, hat jetzt seinen Gesinnungsgenossen und Verteidiger Traub in Dortmund aus dem Disziplinarwege dasselbe Schicksal ereilt. Das Urteil des Spruchkollegmms lautete gegen Pfarrer Traub auf Entlassung aus I dem Amte ohne Pension. Das sind häusliche Er­eignisse in der evangelischen Kirche, in die sich die Katholiken grundsätzlich nicht einmischen. Wir er-

Frauen waren darunter. Bathurst konnte ihre Züge genau unterscheiden. In der Mauer, welche den Hof umgab, befand sich eine Bresche, durch die eine Bande Sepoys eindrang, während eine Handvoll Weißer die Brustwehr verteidigten. Unter ihnen cr- bliäre er seine eigene Gestalt. Er sah sich selbst mit ,;iaer Art Hant-koldeu bewaffnet mitten unter die Sepoys spimgen uni dort wütend kämpfen.—Hier begannen die Farben langsam zu schwinden und das Zimmer ward wieder dunkel. Man hörte das Kni­stern eines Zündholzes und Rudschub sagte ruhig:

„Wenn Tu die Glocke abnehmen willst, Herr, so werde ich die Lampt wieder anzünden."

Fast mechanisch tat Bathurst, wie chm geheißen war.

„Nun, Herr, was dünkt Dich von dem Ge- schanten?"

„Das erste war richtig", sagte Bathurst, „ob­gleich ich nicht begreifen kann, woher Du es weißt, daß ich in dem Regimente, welches Chillianwalla erstürmte, diente. Das zweite wird sicherlich nie eintreffen."

^Du kannst nicht wissen, was die Zukunft birgt, Herr", sagte Rudschub ernst.

„Sehr wahr", erwiderte Bathurst, „aber mich selbst kenne ich genau genug, um zu wissen: was Du zuletzt mich sehen ließest, ist unmöglich. Die Sepoys können vielleicht gegen die Weißen kämpfen, so unwahrscheinlich mir dies auch vorkommt, — aber daß ich je tue, was jene Gestalt tat, ist einfach undenkbar." „ , , . ,

„Tie Zeit wird es lehren, Herr", sagte der Gauk­ler, „jene Bilder lügen niemals. Soll ich Dir noch anderes zeigen?"

„Nein, Rudschub, ich habe genug gesehen, das mir zu denken gibt. Du hast mich in Erstaunen ge­setzt. " Heute nichts mehr davon/'

„So lebe wohl, Herr. Ich weiß eS, wir tresfen uns wieder, und vielleicht wird es mir dann ver­gönnt sein, meine Schuld an Dich abzutragen. Da­mit nahm Rudschub seinen Korb auf und schritt ohne ein weiteres Wort von dannen.

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veraniw. Redakteur

wschenb-il-zr: „Illustrierte SonMgrzeitung"

nach Hause zu gchen, so wird irr dennoch, wie ich icher glaube, bei uns bleiben.

.Und Ihr Fräulein Nichte kommt morgen mit ihm zugleich, Herr Major?" fragte der Adiutanü

„So ist es, Prothero. Ich will es einmal rM Weiblicher Herrschaft versuchen. Wnß zwar nicht, wie es ausfallen wird; aber ich bin des leeren Bun- qalow müde, und sie ist jetzt mit achtzehn Jahren alt genug, um einen Haushalt leiten zu können, ge­sehen habe ich sie mir als achtjähriges Kind.

„Sie sollten eine Dankadresse erhalten, Herr Major. Wir haben nur verheiratete Damen i« Ort, imd so wird es eine wahre Erfrischimg für Mw sein, wenn Fräulein Hannah in unfern Kreis tritt

„Aber da sind doch, die Tochter vom Oberst", wandte jener lächelnd ein.

„O, dir zählen kaum, denn sie sehen uns ia gar nicht an: die wollen höher hinaus."

„Nun, machen Sie sich nur nicht zu große Hofft nunaen" warnte der Major halb ernst, ^b sjher- zend. ,,^ch laste meine Nichte Herkommen, damlt ft, meinem Hause vorstehe, und nicht

künftige Gattin für einen von Euch Leichtfüßen. Ich hoffe, sie selbst wird sich in diesem Sinne betragen. Der Doktor schreibt nichts näheres über sie, nennt si, nur „verständig", iveil sie ihm auf der Reise wenig Mühe gemacht hat. Und nun zu Bett, meine Herren. Die Nacht ist vorgerückt, und wir haben morgen in aller Frühe Appell."

Wenige Minuten später war das Kasino leer; die Lichter erloschen und die Dienerschaft legte sich, in Decken gehüllt, in der Veranda zum Swlafrn ni^bct. '—-

Am nächsten Tage begab sich Major Hannah nach Beendigung des Dienstes zum Postamt Er brauchte nicht lange zu warten, bis der von flinken, kleinen Pferd m gezogene Wagen unter lustigem Peitschengeknall seines Lenkers daherkam und von diesem mit kurzem Ruck zum Stehen gebracht toitrbe. Gleich darauf ward von innen ungestüm der Schlag aufgeristen und heraus sprang em kleiner H.rr ^ d-m M-j-,

3m Schutze der Zauberers.

6] Englisch-indischer Roman von E. A. Henty. A Bachurst hob es auf und trug es zum Licht. Es war ohne Zweifel, als was es chm auch vor­her erschienen war — ein Stück festen Holzes. Der 'Gaukler hatte es nicht mehr angerührt, sonst hätte man glauben können, er habe es rasch mit einer Art Teleskop aus feinen, festen Stahlrohren ver­tauscht. Aber auch damit wäre Rabdas De^chwinden noch nicht erklärt gewesen.

will Dir etwas anderes zeigen, Herr."

Er nahm eine metallene Schüssel, legte etwas Holz und Kohle daraus, strich ein Zündholz an und steckte das Holz in Brand. Dann blies er darauf, bis die Flamme es verzehrt hatte und die Kohle glühend war. Nun streute er ein Pulver darüber und alsbald stieg dichter, weißer Dunst auf.

„Nun lösche die Lampe, Herr."

Bathurst tat es. Bei der Glut der Kohlen konnte er noch den hellen Dunst sehen. • Derselbe schien ihm immer leichter zu werden.

„Zuerst — das Vergangene", rief Rudschub. Der Dunit wurde noch durchsichtiger, und jetzt misch­ten sich Farben hinein, bis ein klares Bild entstand. Bathurst sah eine indische Gegend: ei» Dorf auf einem Hügel; zwischen den Häusern sah man Pul­verdampf, und dem Hügel entgegen marschierte ein Tinipp Soldaten in scharlachfarbener Uniform. Sie feuerten beim Vordringen, hielten einen Moment an und stürmten dann rasch vorwärts, bis sie hinter beut Kamm des Hügels verschwanden.

„Großer Gott", murmelte Bathurst, „es ist die Schlacht von Chillianwalla."

,Hetzt — das Zukünftige", rief Rudschub, und bie Farben in dem Dunste änderten sich. Bathurst sah eine Mauer, die einen Hof einfaßte. An einer Seite stand ein Haus. Es war augenscheinlich be­lagert worden, denn man bemerkte an seinem oberen Teil? viele Zeichen der Zerstörung. Auf dem Dache -> standen Männer, dre schossen; auch eine oder zwei

angenommen.

c? München, 4. Sept. 1912 Die Abgeord­netenkammer beschäftigte sich gestern nut . et Interpellation der Sozialdemokraten, drr von an« Uebert-rmerung fast aller Lebensmütel fpricht und ,'veüell Fleisch Getreide, Gemüse, Aiilch und Kicker nennt Im Mittelpunkt der Erörterung standen die Fleischpreise. Abg. Auer (Svz.) be­gründete die Interpellation und verlangte Aus­hebung der landwirtschastlicyen Schutzzölle uw» Oessnung der «Grenzen für den Viehverkehr unter scuchenpolizeilichen Schutzmaßregeln, Aushebung der Einsuhricheine. Minister ^s Jnnrrn Frhr. v. Soden gab eine umfassende, sachlich überzeugend« Beantwortung der Interpellation.

rung der Preise sür Brotgetreide ist seit 1881 nicht ein getreten, eine schlagende Widerlegung der Be­hauptung der Sozialdemokraten, Getreidezolle und Einsuhisystem verteuerten die Lebensmittel., Die Milch ist gegen 1910 um 1 Psg. ffelhegen infolge der fchweren Schädigung der Rindviehzuchl tmtoo» rigen Jahre. Bei Geflügel, Fifcheu, Butter, Schmalz sind Preissteigerungen fett dem Vorjahr« nicht oder in ganz geringem Umfang emgetreten. Die Eier sind um 1 Psg. pro Stuck zuruckgegaugen. Die Zuckerprcise sind stark gestiegen infolge schlech- ten Ausfalls der letzten Rübenernte. Die Fleisch' menge war im ersten Halbjahr 1912 um 8 908 024 Kilogramm höher als im gleichen Settraunt 1911. Bon einer Fleisch not kann tn Bayenc nicht gesprochen werden. Wer di: hohen Fleisch' preise erschweren die Lebenshaltung der minder be­mittelten Schichten. Sie sind eine international« Erscheinung. Von einer Beseitigung der Zolle !«»» keine Rede sein, das würde Landwirtschaft und In­dustrie ruinieren. Die bayerische Regierung ist tntt der Reichsleitung ins Benehmen getreten, um die Einsührung bedeutender Mengen attslar^- schen Gefrierfleisches zu ermöglichen. Dt« Gesetzgebung soll geändert werden, um S"^ulasien, daß da ein Teil der Eingeweide tn natürlichem Zusammenhang mit dem Tierkörper stehe» inutz, biet Erleichterungen eintreten. Zentrums«^. Dirnreiter griff mit großer Sachkunde m W« Erörterung ein und besprach besonders die Hebung der Produktion. Dirnreiter vertrat in vorzüglich« Weise die Gemeinsamkeit der Interessen bei ; Bauernstandes mit denen der übrigen Stande. J»

sprachen noch die Abg. M e u ß d o f

b. Der Landtag deS Fürstentums Schwarzbnrg- Rndolstadt, der bekanntlich eine sozialdemokratisch«, Mehrheit aufweist, ist am Mittwoch et^ffne*; itorben. Da es sehr zweifelhaft ist, daß diese Mehrn beit vier bereits erlassene Gesetze, darunter die Be­amtenteuerungszulage, genehmigen w»d, durfte wohl mit einer baldigen abermaligen Auflösung des Land­tages zn rechnen sein.

** Die Verurteilung der fünf Lothringer Geist­lichen. Mit dem 31. August war für die fünf der- urteilten Geistlichen die Frist zur Anmeldung der Revision beim Reichskriegsgericht abgelaufen. Dr« Verurteilten haben, wie der „Köln. Bztg." aus Metz acschrieben wird, auf das Rechtsmittel der Revision verzichtet und damit das Urteil anerkannt. Auch der Gerichtsherr beruhigt sich beim Urteil des Ober­kriegsgerichts. Der unliebsame Fall wird dadurch wohl allmählich zur Ruhe kommen.

* Reichstagsabgeordneter Prälat Dr. Schaoler, der vor Monaten ziemlich schwer erkrankt war und nun wieder nach Bamberg zuruckgekehrt ist, ist erfreulicherweise wieder soweit hergestellt, daß er seine Spaziergänge unternehmen kann. Möge 6« bewährte Vorkämpfer des katholischen Volkes sich recht bald wieder des Vollbesitzes s'.mer Gesundhett

)i Die Lotteriesrage in Bayern. Der bayerische^ Reichsrat hat den von der Abgeoidneten^miner- abgelehnten Lotterievertrag mit der Preußüch-sud deutschen Lotteriegemeinschast mit großer Mehrheit

»ein. _ ■ , .

" * Zürich, 4. Sept. 1912. Der Kaiser hat dem deutschen Gelandten in Bern v. Bülow den Kgl. °K r o n e n o r d e n 1. Kl. mit Eichenlaub und dem «bayerischen Gesandten v. B ö h m den Kgl. Kronen­orden 1. Kl. verliehen.

i * Bern 4. Sept. 1912. Der deutsche Kaiser hat den B u n d e s r a t mit einem prachtvollen G e- f ch e n k überrascht. Am Mittwoch Morgen langte km Bundeshaus aus Beflin 'eine große Kiste an. -Unter Anleitung eines Beamten der königlich preu­ßischen Porzellanmanufaktur in Berlin, der die Srn-

an 6em auch das belgische Königspaar teiluahm. —. £er Kultusminister hat die Schulbehörden anaeroiel'en, Fremdwörter nach . 11

iu vermeiden und in den Rundschreiben, Ber- iüaunqen usw. eine reine deutsche Sprache anzu- mendeii, die frei von schwerfälligen Satzgefügen ist.

[1 Schutz der Arbeitswilligen. Wie die „Landes- iesiung für beide Mecklenburg" aus zuverlässigster Quelle erfährt, liegen beim Bundesrat von insgesamt sechs Bundesregierungen, darunter einer süddeutschen, Anträge auf Verschärfung de.r Schutzbestimmungen ,ür Arbeitswillia« vor.

* „Der Antichrist ist das Papsttum der laiholi- schcu Liirche" — zu diesem Schluß kam ein Herr Stöcker aus Wieu, der neulich eine „Zeltims- sion" in Magdeburg-Withermstadt aufgetan hat. Die Polizei hat einen solchen Vortrag geduldet, und auch von der Staatsanwaltschaft ist bisher noch nicht be­kannt geworden, daß sie gegen eine derartige B e- schimpfung der katholischen Kirche, zumal von einem Ausländer, irgendwelche Schritte unternom- men habe. Wenn derartige Beschimpfungen straf­frei bleiben, dann muß der katholifche Volkstell in Deutschland zu der Überzeugung kommen, daß eine durch das Strafgesetz geschützten religiösen I tteberzeugungeu keinen Siaatsschutz mehr genießen. Was würde wohl umgekehrt geschehen, wenn I vor einer gemischt-koufessionellen Zuhörerschaft em Katholik, oder gar em Jesuit, Luther als den „Anti­christ" bezeichnen wollte? — Was man auch gegen den § 166 des Strafgesetzbuches einzuwcnden haben mag? die S ch i m p f f r e i h e i t, welche desien Auf- I hebuna zur Folge haben würde, müßte geradezu un- I erträgliche Zustände herbeiführen, die mit dem kon­fessionellen Frieden zugleich den bürgerlichen Frie­den in der schlimmsten Weise gefährden wurden. Man sollte doch, wo die Störung des konfessionellen Friedens in Betracht komint, nicht Mücken seihen I und Kamele verschlucken. Bemerkt sei noch, daß der | österreichische Prediger Stöcker, nachdem er nocheine I Reihe anderer Angriffe gegen die katholische Kirche gerichtet hatte, sich trotz seiner vorherigen Zusage aus | eine Diskussion nicht einlassen wollte. __________

Bei dem Bankett tm Hotel Baur-cm-lac I: unterhielt sich Kaiser Wilhelm mehrmals mit dem ■ Obersten Wille, dem Kommandchen des driiten Armeekorps, der direkt vom Manöver zum Bankett | gekommen war. Gegen 9 Uhr hatten sich zwei Zn- I sicher Gesangvereine zu einem Ständchen aufgestellt. I Sie trugen einige der schönsten schweizerischen Ba- I 'terlandslieder und den siebenstmmiigen Chor 1 Exaudi deum vor. Der Kaiser ließ sich dir A.iru ’genten vorstellen und sprach sich sehr anerkennend l fliber das Konzert aus. Daun sprach der Kaiser 1 über den Männergesang überhaupt, den er miße^ ordentlich Hochschätze. Kurz vor 10 Uhr begab sich der Kaiser mit seinem Gefolge tm ^omMl un- I •ter Hochrufen der Menge nach der Billa Rietberg l

Gegenwart des Kaisers werden am Mttwoch I ttnd Donnerstag in der Nähe von Wil (Kanton St. Gallen) Manöver abgehalten. Die fünfte Di- vision wird vom Töstal (Kanton Zürich) über ine Hörnlikette gegen das untere ToggenburK (Kanton et. Gallen) Vordringen das von der sechsten Divi­sion verteidigt wird. Die Befeylshaber der Divi­sionen sowie mehrere andere höhere Offiziere sind Berufsoffiziere: die Mannschaft stammt ausfchlietz- sich aus den Kantonen der Ostfchweiz, da die Ge- birgsbrigaden diese UeSung nicht mitmachen. Seit 'acht Tagen üben diese Truppen im sogenannten Wie- derholungskurs.

Um 7 Uhr gestern früh lief der kaiserliche Son- iderzug in Wil "in. Unter den lebhaften Znruse» der Menge bestieg der K a i s e r ein Aittomobil und ifuhr mit seinem Gefolge und den ihm attachierteu Offizieren in das Manövergelände. Die Truppen, die nicht unbeträchtliche Strapazen hinter sich haben, 'waren durchweg in guter Verfassung und alle Leute ■ mit Passion bei der Sache.

! Gegen Mittag verließ der Kaiser nebst Gefolge tzaz Manöverfeld. Sein Ziel war die bei Frauen- frld (Thurgau) gelegene Karthause Jttiri- a en, ein ehemaliges, im Jahre 1848 säkularisiertes , Kloster, das reich an historischen Erinnerungen und Kunstschätzen ist. Der Besitzer Oberst v. Fehr führte g Gäste durch die Räume. Im ehemaligen Re- cium nahm der Kaiser ein Frühstück em. Um Uhr traf der Monarch mit ferner Begleittmg ] et i» Zürich ein und ftlhr direkt nach der Billa Werg Das Wetter ist andauernd prächttg. Das wurde in der Villa Rietberg eingenorn- än dem 19 Personen teilnahmen, außer den erreu des kafferlichen Gefolges auch dir zum per- önlichen Dienst kommandierten schweizerffchen Osft- iete und Oberst Wille. .

* Zürich 4. Sept. 1912. Der Kaiser hat bei feiner m Rietberg, her „dkeuen Züricher

ke-un. gemißert: bin> ver­

blüfft über den Empfang unb tm höchsten Grade be- kriü>igt; ich habe das gar nicht verdient." Im W- penquai, in der Höhe des Hotels Baur au Lae, nickte der Kaiser bei der Borbeifahrt einem Zuschauer freundlich zu. Drr Kaife: machte den Bundesprä­sidenten auf diesen Zuschauer aufmerksam und sagte: i,Das ist wein Sohn, Prinz Adalbert." Der Prinz war nach Zürich gereist, um inkognito (unter dem Namen eines Grafen von Hohenstein) als Zu- ifchauer bei dem Besuch feines Vaters zugegen zu

Drittes Kapitel.

Um einen Tisch im Kasino zu Cawnpore faßen etwa sieben oder acht Offiziere des 103. bengalifchen Infanterie-Regiments. *

„Der Doktor kommt also morgen zurück, Herr Major?" fragte ein Adjutant. „Ich werde froh fein, wenn wir ihn wieder haben; er ist ein Präch­tiger Mensch und weit tüchtiger als der Garnisons- ai$t3T®ie haben recht, Prothero; der Doktor ist ein famoiet Kerl und ein äußerst geschickter Arzt. In der Cholerazeit hat er so manchem von uns das Leben gerettet. Dabei ist er ein ebenso unerschrocke­ner Schikari, wie er vor zwanzig Jahren war, als er zum Regiment kam. Er spielt ausgezeichnet Bil­lard, ist der gewandteste Geschichtenerzähler und be­sitzt was ich am meisten an ihm schätze — das beste Herz von der Welt. Immer ist et bereit, an­deren Gutes zu tun."

Ein Leutnant sagte hieraus: „Ich kenne ihn noch wenig, da er bald, nachdem ich eingetreten war, auf Urlaub ging. Nun höre ich von allen Seiten fein Lob verkünden. Mir — das mutz ich gestehen — schien er immer nur zu brummen und zu pol- teri8ffle lachten. „Das ist so seine Manier, Thomp­son" sagte der Major. „Er hält sich auch selber für den größten Chniker und Menschenfeind."

„War er verheiratet?"

„Ja. Das ist eine traurige Geschichte. Als er etwa drei Jahre beim Regiment war und ich erst wenige Monate hier stand, ging er auf Urlaub nach Kalkutta, um eine junge Dame zu heiraten, mit de: er schon lange verlobt war. Wie er nun kaum einen Monat mit ihr hier ist, bekommt sie bte Cho­lera unb stirbt in wenigen Stunden. Das hat chn total niedergebeugt. Aber schließlich überwand er es doch, und ich glaube, daß er sich jetzt als mit dem Regiment verheiratet betrachtet. Wenigstens hat er schon so und so oft feine Beförderung zum Gene­ralarzt abgelehnt; und wen» nächstes Jahr feine Zeit um iS unb eS ihm freisteht, mit vollem Gehau

toi Amdienzsaal im alten i Hänger in freien Gemeinden um sich zu ammeln

ÄÄ^mXnaen und in nicht-offiziellen Räumen Predigten und

vom Bi.nde-.iat offiz H 9 ! Gottesdienst nach ihrem Belieben Iu halten. Den

—---- I Jesuiten will man aber nicht allein bie Abhaltung

X Vrediaer u«d der-s von Gottesbiensten, sonbern sogar die sogen. Kon-

Sitert ftreuzen zur Verteidigung des Glaubens m pri-

veyMik I taten Räumen'unmöglich machen.

Und die Gemeinden? flttm, wenn die pro­testantischen Gemeinden es als eine Härte und eine Schädigung empfinden, daß man Hnen den Pre­diger ihrer Wahl entziebt oder vorenthalt, dursen dann die katholischen Gemeinden nicht nut Recht sich darüber beschweren, daß ihnen die weltliche Lbrigkeit verwebrt, sich in Konferenzen, Exerzitien, Missionen von den Jesuitenpatres erbauen zu las- j fcn, zu denen sie ein besonderes Pertranen haben. Katholiken gruno,atziicy mcgi einmiggen. «dm, Wir ziehen diese Parallele, um den: ■f’ewn auf

wähnen die Vorgänge nicht, um sie zu kritisieren, der anderen Sette Mzurusen. Wer über Hart, iw sondern um aus den Klagen der liberalen gen will, darf sich k-m« Hart- fchuLig nmchm! Presse eine Nutzanwendung zu ziehen. Wer Freiheit beansprucht und Schonung , 9 -

Diese Presse entsetzt sich über die „Härte" dieser I muß auch Freiheit gewahren und Schonung uven. Urteile. Sie findet es ungerecht und grausam, daß--

man einem Manne, der sich mit voller Hingabe und I sichtlich rm Erfolg dem Predigerberuf gewidmet hat, Deutscher Rerch.

die weitere Ausübung der feelsorgluheu Tätigkeit , ' ' m

verwehre. Zu so einem vernichtenden Urteüsjpruch **cn9?ttI*w' 4,r. ®ept- 1012. Pvl»z H »w fei doch wirklich kein genügender Anlaß gegeben, oon Preußen ist an Bord ,d«s da^crkreu;« . Das Urteil sei nicht bloß ungerecht gegen die betrof- -Scharnhoist" wohlbehalten m '

fene Person, sondern auch gegen die Gemeinde, der I troffen. Am 6. d. M. reift er auf dem Kieuze man den Prediger ihres Vertrauens gewaltsam ent- „Scharnhorst" nach.Japan werter. , ’

iX. Ufa» k a nzler empfing in Berchtesgaden den Besuch des

Zu den Blättern, die so klagen und schelten, ge- Königs der Belgier. Später »ahm: ir: an «nem I Horm sehr viele, welche offen für die Erhaltung Esten bei dem Prnizen Ru^pr"vonJavern unb fcharfe Anweubung besJefuitengejetzesl eintreten, und noch mehrere, welche in der Theorie I sich freilich gegen Ausnahmegesetze aussprechen, I aber doch unter der Parole, daß ein bestehendes Ge- I setz unbedingt ausgeführt werden müsse, auf Vie weitere Knebelung der Geistlichen aus dem Je­suitenorden hmar^itm. Auf der einen Seite sind I sie mitleidig, auf der anderen Seite verfolgungs- I süchtig.

Äewiß, es ist hart, wenn ein Mann, der das Predigen und die Seelsorge zu seinem Lebensberuf erwählt hat, von den Kanzeln und den Kirchen aus-1 geschlossen wird. Das ist ein hartes Schicksal für protestantische Geistliche, aber auch für katho­lifche Geistliche. Den p rot est antif ch e n > Geistlichen, denen so etwas droht, wird wenigstens i ein Gerichtsverfahren bewilligt; die An­klage richtet sich gegen den Einzelnen, er kann sich verteidigen, das Sp'ruch- oder Disziplinargericht kann den Verlust des Amtes oder die Dienstentlas­sung nur aussprecheu, wenn es gewisse Handlungen, die mit dieser Folge bedroht sind, als erwiesen be­trachtet. Auch die kirchlichen Behörden sind an die Formen des Rechtsstaats gebunden. Aber ganz I anders kommt der Ausschluß der katholischen Jesui- I tenpriester von der seelsorglichen Berufstätigkeit zu- I stände. Keine Untersuchung, keine substanziierte | Anklage gegen den Betroffenen, .keine Verteidi- I gungsmöglichkett, kein motiviertes Urteil, sondern l ein summarischer Gewaltakt seitens der weltlichen Behöben, eine Aechtung aller Priester, die diesem Orden angehören, ohne daß nach der Schuld oder Unschuld des Einzelnen über­haupt gefragt wird und ohne daß dem Orden int ganzen irgend eine strafwürdige Handlung nachge­wiesen worden i]t! , -

Und diese willkürliche Massenverurtellung wirkt noch schärfer, als die gegen Jatho und Traub er­gangenen Rechtsfprüche. Erstens können die Pre­diger, die in Preußen zum Amtsoerlust verurteilt sind, in andern Bundesstaaten wieder eine kirchliche Anstellung und bie gesicherte Fortsetzung ihrer Be­rufstätigkeit finden. Der vervehmte Jefuitenprie-

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