Erstes Blatt
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Betatieeilri« n. veriag »er 8*lbcef ActIeadrnSerei LgxIHI sterrsprecher Br.»
39. Jahrgang.
Kleines Feuilleton
=— ®tr Sternenhimmel im September.
Am 23. September, vormittags 10 Uhr, geht die Sonne auf die südliche Halbkugel über. Zu jener Zeit Passiert unser Zentralgestirn den Himmelsäquator im Sterubilde der Wage, und mit jenem Termin der sogen, herbstlichen Tag- und Nachtgleichr beginnt für uns Bewohner der nördlichen Erdkugel der Herbst, während unsere Gegenfüßler zu derselben Zeit den Anfang des Frühlings feiern. Am Tage kann inatt die Sonne als wichtige Orient!erungs- marke am Himmel zum Erkennen der astronomisch- geographischen Richtungen benutzen. Sie geht zu Anfang des Monats fast genau im Osten (da sie im September nahezu in der Aequatorebene sich bewegt) Um 5,15 Uhr auf und nm 6,45 Uhr abends im Westen unter; die entsprechenden Zeiten für die Monatsmitte sind 5,30 Uhr und 6,15 Uhr, für Ende September dagegen 6 Uhr morgens und 5,30 Uhr abends. Will man aus dem Sonnenschatten um die Mittagszeit die genaue Südnordrichtung ableiten, so Uluh man bedenken, daß das Tagesgeftirn zu An- png des Monats unt 12,06 Uhr mitteleuropäische £* < Berlin kulminiert, d. h. genau im Süden
^ltagshöhe 46 Gr), zur Monatsmitte um „nt=Ls (Mittagshöhe 401/ Gr.) und zum Mo-
Z 11 Uhr (Mittagshöhe 35 Gr.), nat dessen Hanptphasen üt diesem Mo-
Moraens lV »^nlittags Letztes Viertel), den 11.
den 18. vormittags (erster b-findet sck m?fnr2.6- nachmittags (Vollmond) fallen, i Z l elliptischen, noch immer nicht »NI 21 in u » September ut Erdnahe und
Eintel zieht der" „iriner raschen Bahn am binw!o $SLrrf «b'-r zahlreiche Fixsterne «Estehen die sogenannten Stern- ‘SÄ’* auf Reism ein au-. ,Uck®ej-u,nmuÜS der geographi- Swn Lauge bietet. Zn diesem Monat wird von
_ Der Kaiser in der Schweiz.
- ^urd) die am Montag abend erfolgte Abreise des Kaisers nach der Schweiz ist eine Reihe müßiger Erörterungen gegenstandslos geworden. Wohl i]t man sich hüben wie drüben wohl bewußt, daß eine Kaiserreise in die Schweiz angesichts des dort geltenden Asylrechts nicht unbedenklich ist. Darüber Ivar sich der Kaiser aber von vornherein klar; er konnte auch durch die mit lärmenden Kundgebungen drohenden schweizerischen Genossen von seinem Borhaben nicht abgebracht werden. Das Schweizer Volk weiß in seiner großen Mehrheit, mag es den scher oder welcher Zunge sein, das überhaupt des deut, scheu Reiches als guten Freund> und Nachbar zu schätzen Das Schweizer Volk ,st rn semenr Kern noch viel zu echt und bieder, als daß die Sozialdemokratie es in Begeisterung und^ Gastfreundschaft irre machen konnte. Der Zufall hat es gewollt daß in drei Kantonen Sozialdemokraten den Behörden vorstehen, die den Kaiser dort den Willkonnnengruß zu entbieten haben. Aber imr der Präsident der Baseler Regierung, Genosse Dr. Blocher, hat es für besser gefunden, den Drohungen seiner Partei zu gehorchen und durch An- ttitt eines Urlaubes sich seinen Verpflichtungen als Rcgierungsbeamter zu entziehen. Sern feiges, ungehöriges Verhalten hat in der gesamten bürgerlichen Presie der Schweiz die schärfste Verurteilung gefiinden. Der sozialdemokratische Polizeipräsident von Zürich hält es hingegen mit seiner swl,tischen Anschauungsweise sehr gut vereinbar, zur Aufrecht- echaltung der Ordnung und zum persönlichen Schutze des Kaisers den größten Eifer an den Tag zu legen. Ebensowenig glaubt die Negierung von St. Gallen sich etwas
St. Gallen sich etwas zu vergeben, wenn sie deut deutschen Kaiser herzlichen Willkommen entbietet. Die führenden Blätter der Schweizer Presse begrüßen den Kaiser fast ausnahmslos in herzlichster Werse. Auch in Deutschland freut man sich allgemein darüber, daß der Kaiser cs erniöglicht hat, der kleinen Nachbarrepublik einen sichtbaren Beweis seines freundschaftlichen Interesses zu geben. Wir kennen den Stolz der Schweizer auf ihre nationalen und politischen Errungenschaften, und wenn irgendwo, so würdigt man in Deutschland diesen Stolz des
Schweizervolkes.
In Basel verkündeten am Dienstag nachmittag um 3V= Uhr Kanonenschüsse die Ankunft des kaiserlichen Sonderzuges, der bald darauf in den mit deutschen und schweizerischen Flaggen sowie mit Girlanden geschmückten Bundesbahnhof eiulief. Hier waren zur Begrüßung erschienen der deutsche Gesandte in Bern v. Bütow mit dem MM- lärattachs v. Bismarck, der deutsche Generalkonsul in Basel Wunderlich, die zur persönlichen Dienstleistung beim Kaiser kommandierten schweizerischen Offiziere, Generalstabschef Oberst v. Sprecher, von Bernegg, Oberst Audeaud und Oberstleutnant Wieland, die Abordnung der Baseler Regierung, Vizepräsident Dr. Stemmer mit den Regierungsräten Dr. Speiser und Dr. Burckhardt, und der Vertreter der Generaldirektion der Bundesbahnen Zingg. Alsbald nach Einlaufen des Zuges verließ Kaiser Wilhelm mit Gefolge den Wagen, begrüßte die ihm bekannten Herren und ließ sich die anderen zum Empsange Anwesenden vorstellen. Der Kaiser zog den Direktor der Bundesbahnen Z i n g g und die Mftglieder der Baseler Negierung in ein Gespräch und drückte ihnen seine besten Wünsche für das Gedeihen der Stadt Basel aus. Auch mit den zur Dienstleistung kommandierten Offizieren unter- hieli sich der Kaiser. Um 3 Uhr 45 Minuten fuhr her kaiserliche Sonderzug nach Zürich weiter.
Punkt 5% Uhr rollte der Hofzug in die weite Halle deS Züricher Bahnhofes. Zum Empfange des Monarchen hatten sich als offizielle Vertreter Bundespräsident Forrer, Regierungspräsident Nägeli
K Was macht der Gerchtold'fche Meinnugsaustansch?
Gut Ding will Weile haben. Der Meinungsaustausch unter den Großmächten, den Graf Beröh- told angeregt hat, hat es auch nicht sehr eilig. Die ungeduldige öffentliche Meinung hält sogar den Zeitverbrauch sür viel zu groß. Neuerdings meldet -ein Wiener Blatt, daß die Instruktionen des Grasen Berchtold mit den eingehenden Anweisungen für den Meinungsaustausch „bereits" an die
und der Vorstand des Mlitärdepartements Oberst Hoftnann eingefunden, zu einer Anzahl fchweqerl- scher und deutscher Würdenträger. Das Wetter ist schön Nach herzlicher Begrüßung der. Wurden- traaer schritt der Kaiser, der die Umform des Schützenbataillons von Groß-Lichterfelde trug, die gront der Ehrenkompagnie des 6. ^ratotatt. Ions ab In seiner Uniform sah er fast aus tote ettt schweizerischer Offizier und das gefiel den anwesenden Schweizern höchlichst. Als er am lmken gluqel der Kompagnie angekommen war, wechselte der Kaiser mit dem Bundespräsidenten und dem Hauptmann der Ehrenkompagnte euuge Worte. Diese Gelegenheit benutzten nicht nur Photographen, sondern auch Kinematographen, um auf wenige Meter an diese Gruppe heranzurucken und ihre Arbeit zu beginnen. Sodann bestieg der Kaiser mit dem Bundespräsidenten den ersten der zweispännigen Viktoriawagen Hinter ihnen ntten die Fübrer der Ehrenkompagnie und die Gebirgo- schwadron. Auf dem Kutscherbcck thronten herrlich bi? sogenannten Bundeswaibel mit Schiffshuten und langen roten Talaren angetan. Unter brausenden Hochrufen der veriammelten Menge setzte sich der Zug dann durch die Stadt noch der Villa 3tietb?rg in Bewegung. Diese liegt mitten in einem Präch- tigen Pirk in Oer ehemaligen Gemeinde Enge und wurde. 1857 von dem damaligen Eigentümer o-s Gutes Wesendonk, erbaut, dem Gastgeber Riward Wagners der in einer daneben gelegenen Villa wohnte und bekanntlich sehr viel in der sogenannten Villa Wesendonk verweilte. Jetzt ist diel? Villa Eigentum von Frau Rieter-Bodmer, deren Schwiegersohn, Major Wille, Kommandant des sechsten Schützenbataillons ist, das den Ehren- und Sicherheitsdienst beim Kaiser versehen wird. Der Vat-r des Majors Wille, Oberstkorpkkommandant Wille, leitet die diesjährigen Manöver der fünften und sechsten Division, die am 3., 4. und 5. September stattfiirden werden.
Auf der Villa Rietberg wurde die Kaiserftandarte gehißt. Bundespräsident Tr. Forrer, die Bundesräte Hoffmann und Motta, sowie ein Teil der sonstigen Geladenen trafen um sechs Uhr 10 Minuten im Hotel Baur an lae ein Das Publikum bereitete dem Kaiser, der überall freundlich grüßte, einen enthusiastischen Empfang, besonders in der Bahnhofstraße. Der Saal im Hotel Baur au lae, in dem gestern abend der Bundesrat dem Kaiser ein Bankett gab, zeigt außer Blumenschmuck keine andere Dekoraüon als deutsche und schweizerische Fahnen. Um i/,8 Uhr kam der Kaiser im Automobil im Hotel Baur au lae an, begleitet vom Oberst- ScrrfSleTnmrotbunt -Sprecher v. Bernegg und bett übrigen Delegierten. Beim Eintritt des Kaisers in das Hotel spielte die Musik die deutsche Skational- hymne. Nach fünf Minuten nahmen die Gäste an dem Prachtvoll dekorierten Tisch des Speisesaals Platz. Der Kaiser zeigte sich von dem Empfang in Zürich sehr -erfreut. Dem Bundespräsidenten drückte er seine Befriedigung darüber aus, wieder in Zürich zu sein, wo er schon einmal in seinen jungen Jähren geweilt habe.
Der Mannerchor Zürich und die „Harmonie" tragen während des Banketts Schweizerlieder vor.
österreichisch-ungarischen Botschafter abgegangen eien. Also nach mehreren Wochen sicht die Sache am Anfang des Anfangs. Das Wiener Blatt bemerkt vorsichtiger Weise noch, daß über den Verlauf der Verhandlungen, die nunmehr in Fluß kommen würden, vorerst nur spärlich oder gar keine Mitteilungen in die Oesfentlichkeit gelangen dürften — wegen des streng vertraulichen Eharaktcrö der Unterhaltung. Und, wie wir hinzufügen möchten, wegen der geringen Aussicht auf eine Einigung der Mächte.
Nun sagen manche Leute, das Vorgehen des Grafen Berchtold sei überhaupt verfehlt gewesen; es habe nur die Türkei mißtrauisch gemacht und den Gegensatz zwischen den zwei großen Mächte- gruppen schärfer hervortreten lassen. Doch wenn man genau zusieht und alles gegeneinander abwägt so erscheint trotz alledem bei Berchtoldsche Vorschlag als ein k l u g e s W 0 r t z u r r c ch t e n Zeit. In diesem Urteil würden wir auch dann nicht irre werden, wenn der Meinungsaustausch chlietzlich im Sande verlausen sollte. Das Vorgehen hat schon ge to i r 11.
Die Hauptsache ist, daß Oesterreich- Ungarn durch diese Anregung in einer recht freundlichen und friedlichen Form, .aber mit großer Bestimmtheit und Deutlichkeit erklärt hat: Ich bin die benachbart- Macht, die von den Balkan- wirren zunächst berührt wird. Ich habe also besonderen Anlaß, für die Erhaltung des Friedens zu wirken, und ich kann nicht a n n e h m e n, daß man in Kronstadt oder sonstwo über die Lösung der Balkansragen ohne mich beschließen wollte. Eine gemeinsame Aktion aller Mächte ist mir lieb, aber ausschalten lasse ich mich nicht.
Als in der französischen Presse die Nörgelei und Hetzerei gegen Oesterreich und dessen deutschen Bun- desgenosten einsetzte, da hatten die Hintermänner dieser Blätter ganz richtig erkannt, daß Oesterreich sich ein einseitiges Vorgehen der dreifachen Entente höflich verbitten wollte. In der Wiener „Reichs- Post" erschien nun vorige Woche ein Artikel, der den Gegenspielern sehr deutlich erklärte: Wenn man durch die Eifersüchtelei der Entente-Gruppe gegen den Dreibund die gemeinsame Aktion der Großmächte vereiteln will, dann wird Oesterreich auf eigene Hand feine Interessen auf dem Balkan wahrnehmen! Leisetreter meinen, eine so „drohende Sprache könne doch nicht offiziös sein. Ossiziös ist aber gerade das, was man verleugnen kann, nachdem es seine Wirkung getan hat. Dem Grafen Berchtold wird es schwerlich unangenehm sein, wenn alle Welt erfährt, daß Oesterreich auf feben stz ll l l in feiner Balkan-Nachbarschaft nach dem re chten sehen will.
Wie steht es nun mit der Wirkung bes österreichischen Schrittes auf bie Türkei? Einige sagen, bie Türken seien durch die drohende „Einmischung" sehr erbittert, Oesterreich und auch sein Hintermann Trittschland verscherzten bie Sympathien der Türkei ufto. Die Sympathien ber verst ä n di g e n Türken werden schließlich schon auf die rechte Seite fallen. Der Berchtold'sche Vorschlag enthielt die Mahnung an die türkischen Politiker: Sorgt für den inneren Frieden in Eurem Reich, wenn Euch baffen Integrität und Unabhängigkeit lieb ist. Fort mit den Parteikämpfen, und fallt ja nicht zurück in bie unselige Zentralisationspolitik des Komitees. Die Dezentralisation, welche bie berechtigten Wünsche der 'einzelnen Glieder des Reiches befriedigt, ohne die Einheit zu zerreißen, kann Euch allein retten! — Nach den bisherigen Berichten hat man diese Mahnung beherzigt. Das Vorgehen Berchtold's hat offenbar die gegenwärtige Regierung in Konstantinopel gestärkt und die innere Beruhigung erleichtert.
An dritter Stelle, aber nicht an letzter, zielte das Vorgehen Oesterreichs aus die Bändigung
der Kriegstreiber in Bulgarien, <5et bieg, Montenegro. Tatsächlich ist bis jetzt bet Kriegsausbruch vermieden worden. ^aS ist ein großer Erfolg. Nicht bloß die Fürsten und ihrt Minister, sondern auch die verständigen Parteiführer müssen bantii rechnen, daß sie bei einem kriegerischen Svazieraang sehr bald auf k. k. Truppen bet Großmacht Österreichs stoßen könnten. Dte GS? wißhcit, daß Oesterreich im Notfälle den Brand nk seiner Nachbarschaft gewaltsam ersticken iuuroe, wirkte offenbar sehr abkühlend auf bie bortigetf Hitzköpfe.
WA man den Bcrchtoldffchcn Schritt nach feinte Früchten beurteilen, so fällt bas Urteil zur Zeil gut aus. Es können trotz alledem noch verhängnir-s volle Wendungen und schlimme Ueberraschungetk eintreten; aber ohne bas Hervortreten Oesterreichs wären sie gewiß noch früher eingetreten.
Deutsches Reich.
« Berlin, 3. Sept. 1912. Die Kaiserin ist mit der Prinzessin Viktoria Luise nach dem Neuen Palais in Potsdam übergesiedekt. — Prinz J oh ann Georg von Sachsen, der Bruder des KömgS, wird Mitte September mit seiner Gattin und der Prinzessin Mathilde eine neue Orientretfe antreten- die in der Hauptsache wieder der Erforschung ttrchr HÄer Altertümer gilt. Die Reise führt zunächst- iiber Wien nach Jerusalem. — Retchskanzler von Bethmann Hollweg traf in Berchtesgaden ein,' wo ihn in den nächsten Tagen der bayerische Ministerpräsident Frhr. v. Hertling besuchen wird.'
[1 Für bie Ermerdung deS Deutschen Opitz Ul Marokko hat Frankreich, wie die LandeSzettung M beide Mecklenburg' au5 zuverlässigster Quelle erfährt, einer angemessenen Sühnezahlung der schuldige« Stämme unter Garantie Frankreichs un Prinzip zugestimmt. . >
Pensionskaffe für Postagenten. Vielfach nnttbe ber Wunsch geäußert, daß für Postagenten ernt besondere Pensionskasse eingerichtet werde. Dte Reichspostverwaltung ist nun zurzeit mit der Prüfung ber Frage beschäftigt, ob die Gründung einer Pew, sionskasse für Postagenten, deren Zahl etwa 10000 beträgt, sich als notwendig erweist. ES hat sich heraus. gestellt, daß ein nicht kleiner Teil der Postagenten der Heranziehung zu Beiträgen sür eine PenfionS»! kaffe ablehnend gegenübersteht. Ferner muß bei bet: Regelung bet Angelegenheit beachtet werden, dadurch die Bestimmungen der neuen Angestellten. Versicherung eine wesentliche Besserung der Ber» hältniffe der Postagenten eintritt. Nach benf Inkrafttreten dieser Versicherung entrichtet dir Reichspostverwaltung die eine Hälfte der zu zahlen» den Beiträge, sodaß die Postagenten nur die anbete Hälfte zu zahlen haben.
G ©ne wenig erfreuliche Entwicklung in unserem Warenaustausch mit ben Bereinigten Staaten Nordamerikas ergibt die soeben abgeschlossene amtliche Stattstik für das vergangene Jahr. Unsere Einfuhr aus den Bereinigten Staaten hat eine Steigerung im Spezialhandel um 155,8 Millionen Mark erfahren, während unsere Ausfuhr nur um 7 Millionen gewachsen ist. Dk Einfuhr aus den Bereinigten Staaten stellte sich auf 1343 Millionen Mark, unsere Ausfuhr auf nur 655 Millionen. Damit hat die amerikanische Ausfuhr ihren bisher höchsten Stand erreicht, während unsere Ausfuhr nach dort noch nicht wieder den Stand des Jahres 1907 erreicht hat. An den Einfuhrfteige- rangen aus den Vereinigten Staaten find besonders beteiligt: Baumwolle mit 56 Millionen Mark meh^ Weizen mit 20, Schweineschmalz mit 20 und Kup- fet mit 17. Bon unseren Ausfuhrartikeln haben eine Steigerung erfahren: Kalbfelle um 14 Milli»« neu, Ehlorkalium 7. Dagegen erlitten andere Ät/1
helleren Sternen der Fixstern Capricorni (Helligkeit von der 41/2 Größenklasse) am 22. September vom Monde bedeckt; er verschwindet abends 9,16 Uhr hintn: bem Mondrande und kommt um 10,35 Uhr wieder am gegenüberliegenden Rande unseres Satelliten zum Vorschein. Diese Sternbedeckung kann schon mit einem Mimsiecher gut beobachtet werden, und man wird dann erkennen, daß bas Licht des Sterns ganz plötzlich zu Beginn der Bedeckung ber« schwindet und nach Scenbtgiutg derselben wieder zum Vorschein kommt, ein deutlicher Beweis für bie auf bem Monde schlcnde Atmosphäre. Am 26. September findet eine Partielle Mondfinsternis statt, die jedoch nur in Nordamerika, in Ostasien, Australien und im Bereiche bes Stillen Ozeans wahrgenommen werben kann.
Bon ben großen, mit bloßem Auge sichtbaren Planeten ist der sonnen nächste M e r l u r im St ern- bilbe des Löwen, Morgenstern und steht am 8. September um fast 18 Grad von der Sonne ab. Trotzdem wird es auch zu jener Zeit, wo Merkur etwas über eine Stunde vor der Sonne am Morgenhimmel ausgeht, schwer sein, diesen flüchttgsten aller Planeten, den nur wenige Menschen zu sehen bekommen, tief am östlichen Horizont mit unbewaffne- tm Auge zu erkennen. B e n n S, im Sternbild: bet Jungfrau, leuchtet jetzt als Abendsteru, aber auch so dicht bei ber Sonne, daß dieser zweithellste aller Wandelsterne schon ganz kurze Zeit nach dein Ta- gesgesttrn untergeht. Gleichfalls in der Konstellation der Jungfrau steht unser Nachbarplanet Ak a r s, der aber auch sehr ball) in bat Strahlen der Sonne am Abendhimmel verschwindet. Der hellste und grüßte aller Planeten, Jupiter mit seiner Schar von acht Monde», von denen die vier hellsten sogar im Krimstecher fidjtbar sind, sicht im Sternbilde des Skorpions und strahlt gegenwärtig nur noch in den ersten Abendstunden am Firmament, wo er Anfang bes Monats um 9,45 Uhr und gegen Monatsende schon trat 8,15 Uhr untergeht. Der letzte unter den mit bloßem Auge sichtbaren Planeten Saturn, der mit feinem Ringsystem und ber nunmehr bis auf zehn Monde angewachsenen Trabantenschar bis vor 130 Jabren die äußerste Grenze unsere» Son
nensystems für bie menschliche Wahrnehmung bildete, beherrscht jetzt allein ben Himmel. Im Sternbilde des Stieres stehend, geht der in gelblichem Lichte schimmernd: Saturn anfangs um 9,15 Uhr und später bereits um 8 Uhr abends auf.
Der Fixsternhimme 1 läßt sich in ben nun« mehr beginnenden Herbstnächten wieder bcaueinet und besonders glänzend beobachten. Anfang September steht im Nordwcsten gegen 10 Uhr abends der „Große Bär", an dem man deutlich Wagen und Deichsel unterscheidet. Verlängert man bie Distanz ber beiden letzten Sterne bes eigentlichen Wagens etwa um bas fünffache nach lllordenr so trifft man auf den Polarstern, der stets bie astronomische Nordrichtung am Himmel markiert. Verlängert man hingegen die durch die Deichselsterne des Großen Bären gegebene Kurve nach unten, so erkennt man im Sternbilde des „Bootes" den sehr hellen Stern Ark- turus, ber gegenwärtig bie Westrichtung cm Firmament bezeichnet. Gleichzeitig bildet der mittelste Stern in der Deichsel des Großen Bären ein interessantes Objekt zur Prüfung für ein scharfes Auge, da dicht über demselben ein ganz schwaches Sternchen zu erkennen ist. Genau im Süden steht das Sternbild des „Mlers" mit bem hellen Fixstern Alair, über ihm liegt nach Westen inmitten der Milchstraße der „Schwan" in Form eines Kerazes und nach Osten zu die „Leier" mit bem hellen Stern „Wrga". Hoch im Nordosten endlich schimmert, auch mitten in ber Milchstraße, die „Kasfiopeja" in Form eines lateinischen W. Neue Untersuchungen über die Milchstraße ergaben das interefiattte Resultat, daß an bestimmten Stellen jener sternreichsten Gegend des Himmels sich bis zu 250 Millionen Fixsterne zusammengedrängt vorfinden, die bis zu 1400 Millionen Mal soweit von uns entfernt sind, wie die Sonne. Auch vom südlichen Sternenhimmel liegen neue und wichtige Untersuchungen vor, bie die fo- genannten Magellanischen Wolken, zwei prächtige Nebelmasfen in der Nähe dqr südlichen Milchstraße, betreffen. Besondere photographische Aufnahmen, tm südamerikanischen Hochgebirge ausgeführt, haben in diesen Sternanhäufungen innerhmb jener Magel- lantlchen Wollen fast 1800 veränderliche Sterne er
kennen lassen, deren Lichtintensität kürzere und 18«^ gerc Schwankungen erfahrt.
— 300 000 Trunkenbolde int Deutschen Reich. Auf Grund einer Erhebung des Pommerschen Städtetages hat der Magistratsaffessor Schmidt (Stettin) über die Frage „Trunksucht und atmen*; kosten" einen Bericht erstattet, ans dem das »„Kommunalblatt" (Nr. 20 vom 10. Juv d. IS.) elnetf Auszug bringt. Darin ist u. a. mitgeteilt: „Immerhin führt uns daS Ergebnis der bisher vorge-^ uommenen Untersuchungen mit voller Überzeugung zu der betrübenden Gewißheit, daß die Belastung des kommunalen Haushalts durch den artoboli8muÄi in Deutschland sehr erheblich ist und eS zahlenmäßig etwa mindestens 300000 Trunkenbolde gibt die meist dem Stadtsäckel zur Last fallen. Diese 300 000, Trunkenbolde und alle diejenigen Personen, dre ftä in Gemeinschaft dieser Leute, dem schlechten Berspr^e^ folgend, auf bem abschüssigen Wege jur Trunksucht^ befinden, sie, ihre Frauen und ihre Kmder bem,töt die Kommunen durch Ausgaben für laufende, regel- mäßige Unterstützungen, für vorübergehende ein« malig» Beihilfen, bei Arbeitsnot und im Winter, Uf Krankheitsfällen für Arzt und Apotheker, für Kranken- und Siechenhäuser, für Erholungsheime und, Heilanstalten, für Polizei- und sonstige Sicherheit« maßregeln, für Gefängnisse, Zuchthäuser, Irrer« und Befferangsanstalten und endlich nach bem Tods für Witwen und Waisen. Zur Verwaltrmg alle« dieser Anstalten lammt noch ein Heer von Beamte« und ber Aufwand für ihre Gehälter und Pensionen^ Dabei sind alle diese Trinker Drohnen im Stadt-, haushalt. Sie verursachen nur Unkosten und brm-; gen nie etwas ein, so daß eine Stadt nicht nurf chr» Steuerkraft verliert, sondern auch noch Uni summen hinzitzahlen muß zur Deckung von Art« gaben, die ohne Alloholmißbrauch ute en ! sein wüchen. — Die Schäden des Alkohols aÄ Bolkskorper sehen wir, die dadurch v«ursachtr« sie», die den Stadtsäckel schwer belasten, verspüre» wir an dem Anziehen der Steuerschraube , rva t| Notwehr am Platze. W >