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ju decken. Es wurde auch erwogen, ob man den Verkauf von Schuhwaffen nicht konzessiv ms - pflichtig machen soll, um den Verkauf kleiner Schußwaffen durch Althändler an zuverlässige Per­sonen zu unterbinden.

Amt Geisa «nd Umgebung.

* Heisa, 2. Sept. 1912. Ein hiesiger Restaura­teur hatte einem Manne, welcher nach Dorndorf wollte, ein Packet neuer wertvoller Messer und Gabeln zwecks Besorgung an seinen Bruder mit­gegeben. Seine Vertrauensseligkeit wurde jedoch enttäuscht. 'Er mußte nämlich hören, daß der be- treffende Mann die Messer und Gabeln in Tiefen­ort für billiges Geld verschleudert hatte. Die Gendarmerie hat den unehrlichen Menschen aus­findig gemacht.

• Barsch, 2. Sept. 1912. Die Gewerkschaft .Bonifatius" in Buttlar beabfichtigt in der Flur Barsch eine Fabrik zur Verarbeitung von Kali- rohsalzen zu errichten und die Endlaugen durch eine geschloffene Rohrleitung über eine Endlaugen-

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Zwischenstation bei Mühlwärts in die Werra bel Bacha zu leiten.

_ .* Tiefeuott, 2. Sept. 191S. DaS 40jährige, Stiftung-fest des Krieger» und Landwehrvereins Tiefenort »webe Samstag und Sonntag in bei würdigsten Weise gefeiert.

* Kaltennordheim, L Sept. 1912. Infolge der Vermehrung der Personenzüge auf der Feldabahn werben ab 1. Oktober 8 Eisenbahnbeamte nach hier, versetzt.

JW 20t

Mn 3. Septem»« WZ.

i». Jahrgang.

Aus Gberhesien u- den Hess. Aemtern.

ß Marburg, 2. Sept. 1912. Der Kreis- Ziegenzuchtverein Marburg veranstaltete am 7. und 8. Sept, bei Gastwirt Kranz in Cölbe seine erste Ziegen-undZiegenmolkerei-Ausstellung. Es ist Aussicht vorhanden, daß die Ausstellung mit 170 bi- 180 Ziegen und Ziegenlämmern be­schickt wirb. Mit der Ausstellung ist auch eine Prämiierung verbunden. — Vom 8. bis 10. Ott. findet hier der vierte Marburger Ober­lehrer-Kursus statt. Eine ganze Reihe hiestger llniversilätsprofessoren werden Vorlesungen halten.

• Marburg, 2 Sept. 1912. Der Schweine» markt, der auf nächsten Donnerstag angesetzl war, wird wegen der herrschenden Maul- und Klauen­seuche nicht abgehalten.

[:] Neustadt, 2. Sept. 1912. Das hl. Schutz­engelfest wurde Hierselbst zum ersten Male mit größerer Feierlichkeit begangen. Um 8 Uhr war Prozession sämtlicher Schulkinder, welche sich mit allerhand lebenden Blumen geschmückt hatten. Auch das AUerheiligste wurde mitgetragen. Darauf fand ein feierliches Levitenamt statt, in welchem die Schul­kinder kommunizierten. Herr Pfarrer Edel hielt eine der Bedeutung des Tages entsprechende Ansprache.

-8- Ziegenhain, 2. Sept. 1912. Seit Freitag ist der öOiährige Joh. Gimpel verschwunden. Seine Angehörigen haben trotz aller Nachforschung nichts über seinen Verbleib erfahren können und befurchten, daß ihm, da er öfters an Krampfanfäl­len litt, ein Unfall zugestoßen ist.

# Treysa. 2. Sept. 1912. Seinem Leben '»in Ende machte der Tagelöhner Heinr. Strauß im, nahen Mengsberg, indem er sich in Abwesenheit fei­ner Frau auf dem Hausboden erhängte. Er hinter­läßt eine Witwe mit 9 Kindern.

!!! Amöneburg, 2. Sept. 1912. Das gestrige Schülerturnen in Kirchhain gestaltete sich im Zusammenhang mit dem gleichzeitigen Preisschießen des Kreiskriegerverbandes zu einer imposanten Sedanfeier. Um 2 Uhr begann der Festzug. Der Musik folgten in langer Reihe die Wetturner, und andiese schloffen sich die zum Preisschießen entsand­ten Kriegervereinler des Kreises. Von der Tribüne der Festhalle aus hielt Landrat von Gilsa eine An- spräche unter Hinweis auf die Bedeutung des Se» dantages und auf unsere Pflichten gegen das Vater­land mit Bezugnahme auf den nationalen Wert des Schulturnens. Darauf begannen die turnerischen Borfilhrungen, die eingeleitet wurden von einer Gruppe Freiübungen, exakt ausgeführt von den für das Wetturnen bestimmiten Schülern unter dem Kommando des Herrn Turnlehrers Fischer aus Marburg, dem unermüdlichen und geschickten Letter' des Ganzen. Es folgte eine Stabüb-ung Kirchhainer Schuler unter Leitung des Lehrer- Müller; beide Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Hieran' schloß sich das eigentliche Wetturnen. Der turne­rische Schwerpunkt lag Wohl im Weitsprung, und hier wurde im Durchschnitt Anerkennenswerte-, iu einzelnen Fällen Vorzügliches geleistet. Aber auch im Sekundenlauf ttnb Weitwurf zeigten sich Erfolge von Gewandtheit und Kraft über da» gewöhnliche Maß. — Vom Ausfechten des Wanderpreises mußt» wegen des eintretenden Regens Abstand genommen werden. — Die Preise wurden vorn Herrn Landrat eigenhändig übergeben. Sie bestanden au» gepräg­ten Metallmünzen mit Schleifen; für die irntti besten Turner ifunf aus der ersten und vier au» bei zweiten Altersabteilung) kamen noch kleinere Prak- tische Wertgegenstände hinzu. Ein letztes Wort de» Herrn Landrats, das den Leistungen volle Anerkm- nung zollte und Herrn Fischer und den betr. Her rni Lehrern warmen Dank ausfprach, schloß mit einem Hoch auf die edle Sache des Bollsschulturnen». ---- Der Andrang von Zuschauern, besonders au» de»

sation der Regierung nicht die Meinung beibringeu, daß sie eine Macht seien, mit der gerechnet werden müsse. Es habe viele Deputierte gegeben, die sich um katholische Stimmen beworben und sie auch er­halten hätten. In Zukunft werde ohne ernste Garantien eine solche Unterstützung nicht mehr ge­geben.

** Ein zweiter Kanal über die Meerenge von Panama? Eine Berliner Nachrichtenstelle meldet aus London: In aller Stille hat sich soeben in 8 o u do n eine Gesellschaft gebildet, an der die her­vorragendsten Finanzleute tellnehmen und an der auch das französische Kapital intereffiert ist. Die Gesellschaft, der unbeschränkte Mittel zu Gebote stehen, beschäftigt sich mit dem Studium des Planes eines zwetten Kanals über den Isthmus von Mit­telamerika in der Gegend des Lago de Nicaragua. Angesichts der großen Sorge, die der Panamakanal dem englischen Handel bereitet, haben es die inter­essierten Handelskreis» für beffer gehalten, allen Streitigkeiten aus dem Wege zu gehen und den Plan eines zweiten mittelamerikanischen Kanals zu verwirklichen.

nis mit dem Tiger. Das ist keine Sache, von der man spricht. Ich bin kein Schttari, sonder» ein vielbeschäftigter Beamter, und ich wünsche nicht, daß man von mir rede."

„Es soll geschehen, tote der Herr befiehlt", toati die Antwort.

„Du kannst in meinem Bungalow vorsprech«« , und nach mir fragen. Ich werde gern vernehmen, ob Deiner Tochter das heutige Abenteuer nicht» geschadet habe. Wie fühlst Du Dich, Rabda?"

„Mir ist tote im Traume, Herr. Ich sah ein Öes, gelbes Tier durch die Lust springen und

e! Und ich wußte nichts mehr, bi» ich des Herrn Gesicht sah. Und nun höre ich wohl sprechen, aber »s klingt mir wie aus weiter Ferne und ich vernehme kaum den Sinn der Worte."

„Nach einer guten Nachtruhe wird Dir Wohler ‘ein, Kind. Kein Wunder, daß Dir jetzt noch selt­sam zu Mute ist. Nur noch eine Viertelstunde, bann sind wir im Dorfe. Rudschub — Du bist wohl chon zum Gaukler geboren?"

»Ja, Herr. Es geht immer vorn Vater auf den Sohn über. Sobald ich laufen konnte, mußte ich meinem Vater helfen; und als ich heranwuchs, weihte er mich ein in die Geheimnisse unseres Ge- Werkes, die wir nie enthüllen dürfen."

„Ja Wohl, ich Weitz, daß Euch das verboten ist. Einige Eurer Kunststücke indes können die Gaukler bei uns daheim auch. Dagegen vermögt Ihr vieles, was sonst noch niemand enträtselt hat."

„Mir sind von englischen Herren schon öfter große Summen geboten worden für den Fall, daß ich chnen manches ans unserer Kunst enthüll«; aber ver­geblich. Wir sind durch furchtbare Eide gebunden, und noch nie ist es geschehen, daß einer von uns sie brach. Wollte einer es wagen, -er büßt: e» sofort mit dem Leben, und sein Geschick in der anderen Wett wäre schrecklich! Für immer und ewig müßte seine Seele durch die niedrigstrn, unretnsten Ge­schöpfe wandern und nie würde ihm Vergebung zu­teil. Ich wollte mein Leben für den Herr» .^",8«brn, aber unsere Geheimnisse Dürfte tch selbst thm mcht offenbaren." (Fortsetzung folgt)

Ausland.

♦ Die französischen Lehrer und die sozialistischen Verbände. Ein Lehrer gibt dem „Temps" Aufschlag über di» in der gemäßigten Preffe beklagte Tatsoche, daß die Lehrer sich mehr und mehr Den sozialistischen Vereinigungen zuwenden und öte fogenanmen „Amicclles", die von den Behörden geforderten Be­rufsvereine, verlaffen. Einer der Gründ: tst zu­nächst die willkürliche Versetzung. Ein Lehrer wird nach 25jähriger Dienstzeit aus der Gemeinde, wo er heimisch ist, plötzlich nach einer andern versetzt. Er erfährt, daß es geschehen ist, weil der Abgeord- nete des Wahlbezirks gefunden hat, daß er sich bei den Wahlen zu lau betätigt habe. Nun versucht er, die Versetzung rückgängig zu machen, allein die zu­erst angerufene „Amicale" versagt, während di: rührigere sozialistische Bereinigung durchsetzt, daß er auf seiner Stelle verbleiben darf. Ebenso erging es in einem andern Fall, wo der Bürgermeister einfach erklärt batte, der Lehrer gefalle ihm nicht mehr, wo­gegen hie Gemeinde mit ihm fehr zufrieden war. Eine andere Ursache, warum die Lehrer den regie­rungsfreundlichen Vereinen untreu werden, ist die Kärglichkeit der Gehälter, die von 1200 Fr. (960 M.) bis zu dem Höchstsatz von 2000—2400 Fr. (1600 bis 1920 Mk.) reichen. Bei einer solchen Besoldung braucht man sich nicht zu wundern, daß die Lehrerin das Lager der Unzufrie­denen getrieben werden. Folgendes Beispiel ist bezeichnend. Ein Lehrer besteht die Prüfting für die Aufnahme in das Seminar, zwei seiner Mit­bewerber fallen durch Heute, wo alle drei die ‘Hütte der Vierziger überschritten haben, ergibt sich, daß der Lehrer, der auch mit gutem Zeugnis vom Seminar abgegangen ist, es auf ein Gehalt von 1800 Fr. (1440 Mk.) gebracht hat; er hat eine Frau und fünf .Kinder. Dagegen genießt der eine der Durchgefallenen bei der Post ein Gehalt von 3800 Fr. (3040 Mk ), und der andere steht sich bei der Verwaltung der indirekten Steuern auch noch mit 2700 Fr. (2160 Mk.) wett besser als der Lehrer, dem in jüngern Jahren di: größere Begabung zu- gesprochen worden war. Der Lehrer, der den „Temps" über diese Dinge unterrichtet, erklärt, mtßer Svanien bezahle kein Land die Lehrer so schlecht wie Frankreich. Dies wollen wir dahinge­stellt sein lassen; recht aber hat er, wenn er sich auf die bessere Besoldung der Lehrer in Deutschland beruft: er führt auch England an, doch kann man dieses Land in dem Vergleich auch nur mit Ein­schränkungen gelten lassen. .

♦ Soziale Woche in Zürich. Vom 6. bis zum 12. September finden in Zürich mehrere so­ziale Kongress» statt. Die soziale Woche beginnt am 6. September mit der Tagung der internationalen Vereinigung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Die Sitzungen werden am 6. und 7. September abgehalten. Am 8. und 9. September tagt der zweite H'ttnarbettskongreß, am 9. und 10. Septem­ber das internationale Komitee für soziale^ Ver­sicherung. Die internationale Bereinigung für ge» schästlichen Arbeitsschutz tritt am 10.—12 September zusammen.

♦♦ Di« italienischen Katholiken und bk Wahl­bewegung. In Bergamo, der Zitadelle der orga­nisierten italienischen Katholiken, hat eine Ver­sammlung des Wahlvereins stattgefunden, zu der eigens der Präsident des Vereins, Gras Gentiloni, au» Rom gekommen war. Der Führer der Katho­liken von Bergamo, Al«s s a n d r i, bat den Grafen, dem Papste zu sagen, daß sie bei den Wahlen, wie auch sonst stets für dm Papst und mit dem Papste seien. Graf Gentiloni sprach sich besonders erfreut über die Anwesenheit des Bürgermeisters tion_ Ber­gamo aus, wobei er Parallelen mit dem Bürger­meister von Rom zog. Er sagte auch: „Wir in Rom arbeite«, und wir werden bald den Sieg davon trag« n." Was die Wahl- arbeti anbetrifft, erklärte Graf Gentiloni, daß die Katholiken auf positivem und praktischem Gebiete nichts erreichen, wenn sie durch ihre starke Organi­

Aus dem Hacbbaroebiefe.

W. Vom Lande, 2. Sept. 1912. Wie wir kürz, lich berichteten, verschwand bei einem Preiskegeln in einem Orte der Nähe Fuldas ein als erster Preis bestimmter schwerer Schinken. Der Wirt mußte deshalb 10 Mark als Ersatz für den Schinken dem Erringet des ersten Preises aus­zahlen. Nun hat sich zur Freude des Wirtes der Schinken in seinem Lokale wieder eingefuuden. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurde er von seinem unrechtmäßigen Besitzer nebst einem poetischen Schreiben dem Wirte durch das Fenster in seine Gaststube gelegt.

* Offenbach, 2. Sept. 1912. Die 18jährige Ar­beiterin Spando in Oberrad hantierte gestern mit einem Spirituskocher, dem sie so nahe kam, daß ihre Kleider Feuer fingen. Im Nu glich das Mädchen einer Feuersäule. Es wurde schwer verbrannt ins Krankenhaus verbracht, wo es heute morgen verstorben ist.

* Göttingen, 2. Sept. 1912. Wir berichteten dieser Tage, daß seit Semesterschluß eine in Göttin­gen studierende junge Dame spurlos verschwunden sei. Es war daran die Bemer­kung geknüpft worden, daß die junge Dame sich vielleicht ein Leid angetan haben könne. Die Stu­dentin ist jetzt wohlbehalten in Berlin aufgefunden wurden, wohin sie ohne Wiffen ihrer Angehörigen in luftiger Gesellschaft eine kleine Spritz­tour unternommen hatte. Sie hegt absolut teure Selbstmordgedanken, hat zwar zum Studium toemg Lust, ist aber gern luftig in fröhlichem Kreise Also ganz so geartet, wie manche ihrer männlichen Kom­militonen, die man „Sumpfhühner" zu nennen pflegt. Aber auch alle unsere Spezialitäten ma­chen diese Mädchen uns nach!

8 Vom Eichssklde, 2. Sept. 1912. In Sßulften wurde durch ein größeres Schaven;euer die Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Bauhandwerler Geile und Deppe vollständig eingeäschert. Mit­verbrannt sind größere Eratevocräte und Kleinvieh. Tas Feuer soll durch spielende Kinder entstanden sein. Der Schaden ist bedeutend, jedoch durch Ver- stcherung gedeckt.

kn Wochen im Reichsamt drs Innern eine Kon- seren, stattsand, zu der, außer Vertretern der beteiligte« .RecsierungSstellen, Vertreter der Waffeu- Sbrilen, Waffenhändler und Jagdverein: geladen ar». Heber die Frage, ob man durch gesetzliche Bestimmungen fest legen soll, daß der Verkauf be- ßnunter Schußwaffen nur gegen Vorzeigung eines affenscheines erlaubt ist, und ferner, daß da» Tra­gen von bestimmten Schußwaffen nur solchen Per­sonen gestattet sein soll, die sich durch einen von der Ortspolizei ausgestellten Waffenschein auSweisen können, gingen die Meinungen tont auseinander. Die Wassenhändler befürchten durch die gesetzliche Einführung eine» Waffenscheines eine empfindliche Benachteiligung ihres Gewerbes. Insbesondere toürbe den Ausländ«» das Besorgen eine» Waffen- scheines zu lästig sein und sie würden es deshalb vermeiden, bt Deutschland ihren Bedarf an Waffen

Im Schutze -es Zauderers.

8] Englisch-indischer Roman von A. Heuty.

Das laute Schreien des Mannes hatte augen­scheinlich den Huffchlag des Pferdes übertönt; denn als dieses jetzt plötzlich sichtbar wurde, wich der Ti- Sier, toi: erschreckt, einen halben Schritt zurück. Die- en Moment benutzte Bathurst. Er sprang von dem ich hoch aufbäumenden Pferde ab und stürzte dem Liger entgegen. Mit wuchtigem Schlage traf seine schwere Peitsche d»s Raubtiers Kopf. Bor Schmer; aufheulend sprang dieses zur Sette; aber wieder und wieder fühlte es die Peitsch: auf sich nieder­saufen, bis er betäubt und entsetzt Kehrt machte und un Dickicht verschwand.

Bathurst, der wußte, daß eine Wiederkehr nicht »u befürchten stand, wandte sich nun zu d:r noch Immer regungslos auf der Erde liegenden Gestalt. Es war eine Frau oder vielmehr ein Mädchen von vierzehn bis fünfzehn Jahren. Der Mann kniete setzt neben ihr, stöhnte verzweiflungsvoll und stieß unzusamm'nhängende Worte hervor.

„Blut sehe ich nicht", sagte Bathurst, sich nieder- beugend und den Oberkörper des Mädchens empor- ruhtend. „Ihr Herz schlägt, und sie ist wohl nur ohnmächtig. Der Tiger hat sie beim Sprung» nie- >dergeriss:n, ohne sie zu verletzen, so viel ich sehen ilatra. Irr trug sie zum Pferde, das zitternd in ge­ringer Entfernung stehen geblieben war, holte »ine i Nasche aus der Satteltasche und flößte der Be­sinnungslosen etwas Kognak mtt Wasser ein.

Ein schwacher Seufzer ward vernehmbar. „Sie kommt zu fiep', sagte er tröstend zu dem Manne, der, wie gelähmt von Angst und Entsetzen, noch Immer in feiner früheren Stellung verharrte. Jetzt Bewegte sich das Mädchen und öffnete die Augen. 'Zuerst blickten diese ausdruckslos; doch bald trat Rin Schein von Verwunderung hinein beim An­blick des weißen Gesichts, das sich über sie neigte, feie schloß sie wieder, öffnete sie von neuem und MUht« hchrn eure schwache Anstrengung, sich zu be»

freien. Bathurst stellte sie sacht auf die Füße, und da fiel ihr Blick auf den kniendm Mann.

„Vater!" rief sie. Mit einem Schon sprang der Mann empor, stürzte auf sie zu, riß sie in feine Arme und ergoß eine Flut zärtlicher Worte über sie. Dann ließ er sie plötzlich los, um sich vor Bat­hurst niÄerzuwerfen und Indenschaftliche Darrkes- toorte zu stammeln.

„Steh auf, 9Jlann, steh auf!" sagte dieser, „Deine Tochter kann sich kaum aufrecht hatten und je eher wir biefen Ort verlassen, desto beffer." Er schwang sich aufs Pferd und hob behutsam das Mädchen vor sich in den Sattel. Der Mann belud sich mit einem großen Kasten, der auf dem Wege lag, und nun ging es im Schritt die Straße entlang, während Bathurst ein wachsames Auge nach der Seite des Dschungels gerichtet hielt, auf der der Tiger ver­schwunden war.

„Wie kam es, daß Du aötfn diese Straße zogst?" fragte er den Mann. „Die Eingeborenen reifen doch sonst wegen des Tigers nur in größerer Gesell- schäft."

„Ich bin ein Fremder", erwidwte jener. „Ich hörte in dem Dorfe, wo wir zuletzt uns aushiettm, daß in diesem Dschungel ein Sjaer fei; aber ich glaubte, daß wir vor der Dunkelheit hindurch sein würden und daß deshalb kein: Gefahr fei. Wenn man auf alles achten wollte, was die Leute von Tigern erzählen, so könnte man niemals reifen. A bin ein Gaukler, und wir sind auf dem Wege landabwärts durch Cawnpore «ach Allahabad. Ohne die Tapserkett des Herrn wären wir nie weiter als bis hierher gekommen; denn hätte ich meine Rabda verloren, meiner Augen Licht, so wäre ich am Wege liegen geblieben und hätte gewartet, bi» der Tiger auch mich jerrifc."

„Hier war nicht viel Tapserkett nötig", sagte Bathurst abwehreito. „Ich sah di» Bestie, wie ft« mit der Tatze Deine Tochter mÄerhielt, sprang hinzu und trieb sie weg wie einen Hund, ohne einen Ge­danken an Gefahr dabei. In Menagwien geschieht so etwas alle Tage. Diese Raubtiere sind im Grunde doch stet» feige und fürchte», bie Peitsch«."

Deutsches Reich.

* Haussuchung und Briefsperre gegen einen Reichstaqsabgeordneten. Auf Antrag' der Staats­anwaltschaft zu Bautzen wurde in der Wohnung des mit feiner Familie auf Reisen befindttchen sozml- demokratischen Reichstagsabgeordneten. Edmund Fischer in Briesnitz bei Dresden eme Haus- suchung vongenommen, nachdem dte Wohnung vor­her behördlich geöffnet worden war. Außerdem wurde über Fischer die Briefsperre verhängt. Er stand in dem Verdachte, der „Zittauer Volkszeitung" Artikel mit strafbarem Inhalt geliefert ju haben. Der Abgeordnete Fischer führte über das Vorgehen der Bautzener Staatsanwaltschaft Be­schwerde, well es sich um eine Verletzung* des Artikels 31 der Reichsverfaffung handle, in dem ausdrücklich bestimmt ist, daß ohne Genehmigung ;beä Reichstags fein Abgeordneter während der Sitzungsperiode wegen einer mit Strafe bedrohten Handlung zur Untersuchung gezogen oder verhaftet lverden darf, es sei denn, daß er bei Ausübung der Tat oder im Lause des nächsten Tages ergriffen wird. Auf diese Beschwerde Fischers hin stellte dre Staatsanwaltschaft das Verfahren ein, int übrigen hat sie sich damit enffchuldigt, daß sie keine Kenntnis 'von der Eigenschaft Fischers als Reichstagsabgeord- ner gehabt habe.

** Staatsrechtslehre in höheren Schulen. Der Preußische Kultusminister hat eine Verfügung er» lassen, wonach in den oberen Klaffen der höheren Schulen «ine Stunde wöchentlich staats­rechtlicher Unterricht erteilt werden soll. Hierbet sollen die Schüler in die grundlegenden Versassungs- punkte, in die Zuständigkeit der Reichs- und Landes- ümter,'sowie in die Pflichten und Rechte des Staats­bürgers eingeweiht werden. Die Staatsrechtslehre tritt an bi: Stelle einer der dreimal wöchentlich stattfindenden Geschichtsstunden. Von Zett zu Zeit sollen die Schüler Vorträge über das Gehörte hal­ten. Ebenso können Auffatzthemeu über den behan- velten Stofs aufgegeben werden. — Di: bereits seit 2 Jahren bestehenden staatsrechtlichen Kurse für Oberlehrer sollen als obligatorische Disziplin für Studierende der Philologie erweitert werden.

, * Abg. Heine nennt seine französischen Genossen Ehauvinisten. Der sozialdemokratische Reichstags­abgeordnete Wolfgang Heine hat auf einer Kreis- jtonferenj in feinem Wahlkreise Dessau eingestan- den, daß die Sozialdemokratie nicht im geringsten die Macht hat, einen Krieg zu hindern, und daß im Kriegsfälle der Generalstreik eine „törichte Phantasie" sei. Er fuhr dann fort:

, „Die ausländische» Genossen, die sehr bereit wären, den Kriegsstreik zu beschließen (Welche denn?) sich aber unfähig erweisen, in ihren eigenen Ländern auch hur zum zehnten Teil den Chanmnismus so zurückzu« drängen, roie die deutsche Sozialdemokratie es tue, snöchten ebenso ihre Schuldigkeit tun, wie wir. Dann würde der Friede immer ge'ichetter werden."

Da haben wir also auch einen deutschen Sozial- hemokraten, der zugibt: Mr französischen Genossen sind Ehauvinisten, oder tun mchts gegen den Chau­vinismus. Und der diesen Vorwurf erhebt — denn «in Vorwurf ist es natürlich vom sozialdemokrati­schen Standpunkt au» — ist kein Radllcller, sonder» hin Revisionist. Wa» werden die Franzosen ihm Ben? Und waS wird die deutsch: Partei- zu dieser Kritik seines Genossen an dem be- en französischen Proletariat sagen?

** Heber die gesetzlich« Einführung von Waffe«.

„Der Herr hat meiner Tochter das Leben ge- rettet, unb mein Leben gehört ihm dafür von nun ab", sagte der Mann. „Di: Maus ist ein kleines Tier, aber doch konnte sie dem Löwen helfen; so kann auch ich mich vielleicht einst nützlich erweisen. Me weißen Herren sind tapfer und stark! Würde einer meiner Landsleute fein eigenes Leben gewagt und, mit nichts anderem als einer Peitsche bewaff­net, den Tiger angegriffen haben — nur, um einen armen, landfahrenden Menschen zu retten?"

„O ja", sagte Bathurst, „das würde manch' einer getan haben. Du traust Deinen Landsleuten zu wenig zu. Es gibt viele tapfere Männer darunter; und ich habe schon von solche» gehört, "tiie einem Tiger, der ei» Opfer tit de» Klauen hatte, nur mit einem Stocke zu Leibe gegangen sind. Du selbst standest furchtlos dicht vor ihm, als ich daher kam."

„Er hatte mein Kind unter de» Füßen — da dachte ich nicht an mich. Ich dachte nur, mein Kind ist tot! Sie ist meine Gehülfin, Herr. Seit ihre Mutter vor fünf Jahren starb, ist sie mit mir von Ort zu Ort gezogen. Sie spreit, während ich be­schwör:. Sie sammelt das Geld ein und Hilst bei den Kunststücken, die zwei Personen erfordern; sie ist es auch, die aus dem Korbe verschwindet. Wir sind einander alles, Herr! Aber welchen Name» führt der Herr? Er wolle ihn uns nennen, damit ein Knecht und Rabda an ihn denken und von hm sprechen können, wenn sie ihre Straße ziehen."

,^Jch heiße Ralph Bathurst und bin Distrikts­beamter in Dinnugghur. Wie wett gedenkt Ihr heute noch zu wandern?"

„Im erste» SDorfe, das wir erreichen, wollen totr übernachten, Herr; wir sind schon viele Stunden unterwegs, und diese Kiste ist schwer, obgleich ihr Inhalt nicht zu viel Gewicht hat. Wir hofftm mor­gen nach Dinnugghur zu gelangen und de» Herr­schaften dort eine Vorstellung zu geben."

„Sehr wohl. Aber noch eins, — wie ist Dein Name?"

„Rudschub."

^Also, Rudschub, wenn Du morgen in Din- nughur HWe Jo erwähne gegeu niemand das Erleb­