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moitog »en 2. September 1912.

59. IckhrgmtK.

• Tuldaer K Zeitung

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2. Statt.

Pni und Verlag »er Sulbetr Sttitnl rudtrti in falbe.

Amt Geisa und Umgebung.

* Dermbach, 1. Sept. 1912. Gestern rannten zwei Radfahrer in der Hohle zusammen. Außer den Schäden an ihren Rädern trugen sie auch noch körperliche Verletzungen davon. — An der abge­haltenen Sitzung des Gemeinderats beschäftigte man sich auch m t dem Antrag des Gewcrbevereins, der die Errichtung einer städtischen Sparkasse wünschte. Es wurde beschlossen, die Angelegenheit weiter im Auge zu behalten, einstweilen aber von der Schaffung einer Sparkasse abzusehen. Vom stellvertretenden Bürgermeister Diillermüller, dem Direktor des Vorschußvereins, wurde mit geteilt, daß der Vorschußvercin den Wünschen der Bürgerschaft entgegenkommen werde.

Aus Oberhessen u. den Hess. Remtern.

A Marburg, 1. Sept. 1912. Um den hiesigen Ballonführern und Kraftfahrern Gelegenheit zu geben, sich im Frieden für den Ernstfall vorzube«

Aus dem Uachbargebiete.

* Alsfeld, 1. Sept. 1912. Beim Wurstauf- hängen schnitt sich der Metzger Heinrich Raibling in Wangenrod mit einem aus dem Ladentisch vor­stehenden scharfen Schlachtmesser die rechte Wade durch. Er mußte sich in die Klinik zu Gießen begeben. ~

* Mellrichstadt (Rhön), 1. Sept. 1912. In Bahra verletzte sich eine Frau bei den Erntear­beiten an der Hand; die Frau beachtete die kleine Wunde nicht, es trat Blutvergiftung ein, die den Tod herbeisührte.

* Schlüchtern, 1. Sept. 1912 In den Tagen vom 28. dis 30. August fand am hiesigen Kon,gl. Lehrerseminar die diesjährig- mündliche Entlas- sungsprüfung statt.

» Hofgeismar, 2. Sept. 1912. Em aus dem Landesgestüt Beverbeck entlaufenes Füllen lief dieser Tage in den hiesigen Waldungen umher, »ebn Leute machten sich beritten auf die Verfolgung, und es gelang schließlich dem Fuhrunternehmer Pfeiffer nach langen Mühen, das Fohlen wieder einzufangen. Er erhielt eine Geldprämie als Be­lohnung. *

♦ Gelnhausen, 1. Sept. 1912. Mit dem gestrigen Tage ist die Schöffer-Quelle unserem städti- schen Wasserwerk zugeführt worden. Der grotze Wert der Quelle liegt darin, daß sie ein ganz vor­zügliches und nie trüdwerdendes Trinkwasser liefert. Die Quelle ist nach den Messungen in den letzten 4 Jahren Niemals zurückgegangen.

* Hannov. Münden, 1. Sep'. 1912. Ein Unfall mit tödlichem Ausgange ereignete sich auf der Weser auf dem Personen-Dampser „Graf Moltke". Als in der Nähe von Beverungen der Schornstein des Dampfers gekippt wurde, nm den Durchgang des Schiffes durch den Brückenbogen zu ermöglichen, stürzte der Matrose Träger in die hochgehenden F ulen der Weser und ertrank. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden.

* Aus Thüringen, 2. Sept. 1912. Der Joh. Karl Nepomuk Flucke, der am 11. September in Erfurt seinen 100. Geburtstag feiert, ist Insasse des dortigen katholischen Siechenhaufes. Flucke, der am 11. Sept. 1812 in Erfurt geboren ist, ist seines Zeichens Schuhmacher. — Auf der Straße zwischen Erfurt und Linderbach wurde die Leiche eines anständig gekleideten jungen Mannes mit einem Schuß in der linken Schläfe gefunden. Der Revolver lag neben ihm. Es handelt sich um einen gewissen Richard Dehnhardt aus Weimar.

* Bad Kissingen, 31. Aug. 1912 Ein zier­lich e s R e h, welches von Hunden gehetzt wurde, verlief sich gestern vormittag in die Stadt. Das arme Tier rannte in größter Angst über die Ludwigs- brücke durch die Kurhaus- und Theaterstraße, warf einen Radfahrer um und flüchtete in den Garten des Kurhausbades, wo es festgehalten werden konnte. Das Reh wurde in dem Walde am Stationsberg wieder in Freiheit gesetzt.

Deutsches Reich.

-T- Die neue tierärztliche Prüfungsordnung ist dem Bundesrat zugegangen.

änderung besteht in einer neuen Regelung P- , WniiftasM - Ä

lä n a er t worden. Tie neue Prüfungsordnung erfüllt auch den Wunsch der Tierärzte auf Anrech­nung des halben Dienstjahres mit der Waffe auf dns Universitätsstudium. Für diese Anrechnung hat aber die Heeresverwaltung die Bedingung gestellt, daß die Tierärzte ihrer Dienstpflicht bei einer berit­tenen Waffe genügen. Die neue Prüfungsordnung soll mit dem Sommersemester des nächsten Jahres in Geltung treten.

□ Eine Stammtisch-Scheidung. Das „Cafö d:s Westens" und das „Cafö Fürstenhof" in Berlin sind die Stammlokale der Häupter der beiden feind­lichen Lager der Sozial tnmokratie. Herr Lcdebour teilte in einer Berliner Versammlung mit, daß die Revisionisten innerhalb der sozialdemo­kratischen Reichstagsfraktion bereits seit dem Jahre 1908 ihre So nderkonventikel abhielten; den Radi­kalen sei daher nichts anderes übrig geblieben, als das gleiche zu tun. Herr Borchardt bestätigte dies und fügte hinzu, daß der Revisionismus sein Lager schon lange im „Cafö des Westens" aufge- schlaaen habe, wogegen die Radikalen, tote man bald' darauf aus revisionistischem Munde erfuhr, ihren Stammtisch im „Eafö Fürstenhos" etabliert haben.

)( Zur Fleischteuerung. Wie die „Magdebur- gische Zeitung" erfährt, planen viele Landwirte der Provinz Sachsen, sich zusammenzuschließen, um Riesenschweinemästereien ins Leben zu rufen. Speziell in der Altmark sollen solche großen Schweinemästereien gegründet werden. In Kal- lehne wird bereits eme solche eingerichtet.

reiten, veranstaltete heute der Marburger Auto- mobilklud und der Kurhcfsische Verein für Luftfahrt gemeinsam eine BallonfahrtmitAntomobil- verfolgu'ng. Gegen ’/ill Uhr vormittags stieg der Ballon Marburg auf und nahm seinen Kurs in nordöstlicher Richtung. Etwa 6 Automobile, in denen je ein Jägeroffizier Platz genommen, ebenso auch emig« Kraftfahrer, nahmen sofort die Ver­folgung des Ballons auf. Der Ballon ging in der Nähe von Homberg bei Kassel nieder, gerade als das Auto des Fahrradhändlers Nau aus Marburg am Platze erschien. Bald darauf erschienen auch noch zwei weitere Automobile. Abends fand die Preisverteilung statt. — Mit dem heutigen Tage wurde mit der Schlußvertcilung des beim Konkurse des Konsumvereins für Marburg und Umgegend übrig gebliebenen Vermögens begonnen. Uebrig geblieben sind rund 19000 Mk. Die Gläubiger ohne Vorrecht erhalten 44, 46 Prozent. Der Konkurs ist demnach nicht so übel ausgegangen, wie man anfangs dachte.

* Marburg, l.Sept. 1912. G-neral-Major z.D. Graf Helmuth v. Hardenberg, zuletzt bis 1899 Kommandeur der 14. Infanterie-Brigade, feierte am gestrigen Samstag dahier feinen 70. Geburtstag.

* Kirchhain, 1. Sept. 1912. In der hiesigen Lehrschmiede beginnt am 1 Oktober ein drei­monatlicher Kursus. Anmeldungen sind umgehend an den Levrlchmiedemeffter Hankel zu richten.

* Grotzsrelheim, 1. Sept. 1912. Es ist geplant, mit Rücksicht auf die beständig wachsende Kinder­schar und weil das jetzige Schulhaus nicht mehr genügt, eine der Neuzeit entsprechende neueSchule zu erbauen; diese soll für 3 Klaffen eingerichtet werden. Ein Grundstück an der sogen. Langgaffe ist für den Neubau in Aussicht genommen.

vermischtes.

** Weiterer Rückgang der Maul- und Klauenseuche. Der letzte amtliche Seuchenstandsbericht stellt das Borkommen der Maul- und Klauenseuche in ins­gesamt 598 Gehöften des Deutschen Reiches fest, die in 188 Gemeinden und 127 Kreisen liegen. Ganz seuchenfrei sind die Provinzen Ostpreußen, Westpreußen und Schleswig-Holstein, sowie die Regierungsbezirke Stralsund, Aurich, Köln und Trier, außerdem die Stadt Berlin. Im Königreiche Sachsen werden nur zwei verseuchte Gehöfte ge­meldet. — So erfreulich dieser weitere Rückgang ist, so bedeutet er doch eine dringende Mahnung, mit allen Mitteln eine weitere Einschleppung der Seuche aus dem Auslande zu verhindern.

* Deutsche Weinernte-Aussichten. Die Herbstaus­sichten in Deutschland haben sich infolge des unauf­hörlichen Regenwetters ungünstig gestaltet. Schon hört man vom Rhein her klagen, daß es nichts werde mit dem 1912er, daß sowohl die Menge wie die Güte weit hinter den Erwartungen zurückbleiben wird. In­des ist es heute nicht ganz so schlimm, wie die meisten Winzer meinen. Der „Neue" kann immer noch ein guter Mittelwein werden, weil trotz der Un­gunst des Wetters die Trauben in der Reife gegen mittlere Weinjahre keineswegs zurück sind. Die vor eingen Wochen in starkem Maße aufgetretenen Pilz­krankheiten, die allerorts mit aller Wucht bekämpft wurden, haben verhältnismäßig wenig Schaden an- gerichtet. Hingegen dürfte der Sauerwurm viel Schaden anrichten. Der größte Schaden würde aber erstehen, wenn die Witterung sich nicht bald zum Bessern wendet, weil die vom Sauerwurm ange­stochenen Beeren zu faulen beginnen und dann noch die benachbarten gesunden anstecken.

* Jugend von heute. In Mittel-Wittgensdor' bei Burgstädt wurde am Freitag abend um halb 11 Uhr die 16jährige Tochter des Lehrers Edelmann voll dem 20jährigen Gymnasiasten Vogel aus Chem­nitz durch drei Messerstiche tödlich verletzt. Vogel brachte sich dann ebenfalls einen Dolchstich bei und rannte nach der Wohnung der Eltern der Edelmann, denen er erzählte, was er getan habe. Der Gym­nasiast wurde in das Krankenhaus gebracht. Der Beweggrund der Tat war „Liebesgram".

* Zwei Monate Gefängnis für einen Schmutz­fink. Das Gericht verurteilte den Händler Franz

Ausland.

** Die Reife Ssasonows. In den letzten Tagen des Monats September wird der russische Minister des Aeußern Ssasonow London besuchen. Auf feiner Rückreise von London wird er in den ersten Tagen des Oktober in Paris eintreffen, wo er mit Poinearö eine längere Unterredung haben wird. Auch wird der russische Staatsmann vom Präsi­denten der Republik empfangen werden, bei. welchem auch zu Ehren Ssasonows ein Galadiner stattfinden Wird. Auf seiner Rückreise nach Petersburg wird Ssasonow sich auch in Berlin kurze Zeit aufhal­ten, um dem Reichskanzler und dem Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter Besuche abzustatten.

♦ Eine englische Torpedobootstation soll in Alexandrien errichtet werden. Zwischen Aegypten, England und der Türkei soll bereits ein diesbezüglicher Vertrag zustande gekommen sein.

** In der Frage des Panamakanalgesetzes wol­len die Engländer auch die übrigen europäischen Großmächte vor ihren Wagen spannen. So ver­breitet jetzt die englische Press: das Gerücht, die^ita- lienssche Regierung beschäftige sich mit dem Stu­dium der Folgen des Gesetzes. In italieni­schen interessierten Kressen ist man der Ansicht, daß die europäischen Großmächte gemeinsam eine Protestnote gegen dir Panamakanal-Bill überreichen müßten, und daß die italienische Regierung sich jedem Schritte gegen Amerika anschließen müßte, xm das Inkrafttreten bei Gesetzes zu verhindern.

Allem Anschein nach handelt es sich hier nur um einen Führer Englands.

* Der belgische Sszialistensührer Vandervelde begibt sich demnächst nach Berlin und Wien, um brr der deutschen und österreichischen sozialistischen Partei für den Generalstreik in Belgien Pro­paganda zu machen.

Reklamen, und Anzeigenteil.

Pfeil dreieck-Seiferr^

Verkaufs­stellen durch dieses Plakat kenntlich.

Fabrikant* ^ugurt Jakobi Darmstadt

Handel ttttb Industrie.

* Berlin, 31. Aua. 1912. Nach dem hastigen Treiben der letzten Wochen ist eine gewisse Er­müdung der Börse eingetreten. Doch hatte die Ge- samttenden; der Börse einen festen Charakter. Der Kassamarkt hatte eine gute Versüssung.

Literarisches.

Leitfaden zum Bersicherungsgesetz für AngesteMe vow Rechnungsrat Harth. Preis 0,60 Mt. Verlag von Gg. Ostermayer in Worms.

In dem Leitfaden sind die Gesetzesbestimmungen systematisch geordnet und eS ist damit eine größere Uebersicht geschaffen worden. Die Erläuterungen stützen sich in der Hauptsache auf die amtlichen Materialien Begründung, KommissionSbericht, Reichstagsverhand- lungert). Wir können diese Schrift nur empfehlen.

Hobertz, der in einem Berliner Cafö unzüchtige Postkarten vertrieb, zu zwei Monaten Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr beantragt.

* Ein jugendlicher Bankräuber, dessen Persona­lien noch nicht festgestellt werden konnten, ist der Kriminalpolizei in Bremen in die Hände gefallen. Der junge Mensch, der sich durch eine blaue Brille unkenntlich zii machen suchte, erschien mehrere Male abends in einem dortigen Bankgeschäft und ersuchte, ihm einen Zwanzigrubelschein zu wechseln. Da dem Personal und dem Geschäftsinhaber die Sache bet« dächtig vorkam, wurde die Kriminalp^.czei benach­richtigt. An einem der letzten Abende erschien der junge Mensch erst, als sich nur noch der Inhaber allein im Geschäft befand. Er versuchte sofort, m den hinteren Kassenraum zu bringen, der von dem Warte- raum durch ein Drahtgitter geschützt ist. In diesem Augenblick sprang der Kriminalbeamte aus seinem Hinterhalte hervor, und versuchte, den jungen Mcmu estznnehmen. Dieser zog aber blitzschnell einen Re­volver und schlug auf den Beamten em. Der Be­amte konnte aber den Revolver bei Seite schlagen und den Verdächtigen festnehmen. In seinem Besitz fand man auch eine schwarze Maske. Heber seine Person verweigert, er jede Auskunft.

* Mulay Hasid ans Reisen. Exsultan Mulay Hafid besichtigt die innere Stadt von Paris und besorgte wie gewöhnlich wieder große Einkäuse. 3» einem Papierwarengeschäft kaufte er 40 0 FuII. federhalter aller Farben und Sorten em. Da­rauf besuchte er ein zwei Häuser weiter gelegenes Spielwarengeschäft und kaufte von den dort ausge­stellten Waren eine so große Menge, daß drei Wagen nötig waren, um sie nach seinem Hotel in Versailles zu befördern. Dort wurden sie ausgestellt und von Mulay Hasid mit kindlicher Freude besichtigt. Wie bet Schatzmeister bes Sultans zu feinem Leibwesen feststellen mutzte, hat Mulay Hasid an dem entert Tage über 10 000 Franks ausgegeben

* Ein zweiter Belastungszeuge in der Mordaffare Rosenthal verschwunden. Jetzt wird neben dem Zeugen Coup auch der Zeuge Frank Wolsh vermißt. Der Generalstaatsanwatt hat bereits die Londoner Polizei telegraphisch ersucht, alle in Liverpool au- Amerika ankommenden Schiffe sorgfältig zu über- wachen, da man vermutet, daß sich die beiden er­wähnten Zeugen nach England gewandt Hubert.

• Infolge des Ausstandes bet brafil,an,scheu See­leute liegen im Hafen von Santos etwa 50 Dampfer still. Eine Anzahl Schiffe sind wieder abgefahren, nachdem sie aus Löschung oder Beladung verzichtet hatten. _ „ - _ , , ..

- Nicht zu verblüffen. Gast: ,L) jemine— bie Beefsteaks werben ja immer kleiner!'' — Wirth: „Ja, ja — die Degeneration hat auch schon auftS Vieh übrrgegriffm."

Neidet und trug de« in

um den er ein weißes

3m Schutze der Zauberers.

S] Englisch-indischer Roman von E. A. Henly.

Zweites Kapitel.

In Dinnugghnr, etwa vierzig englische Meilen von Cawnpore entfernt, tret zu früher Morgen­stunde aus seinem Bungalow ein junger Mann. Er war mit einem Anzuge von braunem Stoff be-

„Welchen Weg wollen Sie nehmen, Bathurst?" fragte ihn einer derselben.

will nach Narkit reiten. Dort haben die Dörfler einen Stress wegen ihrer Grenzen mit einem Talukdar. Danach will ich sehen. Weshalb fragen Sie, Herr Hunter?"

„Ich dachte mir, daß Sie dorthin gehen. Sie wissen doch, daß uns Nachrichten über einen Men­schenfresser zugegangen sind, dessen Hauptquartier das dichte Dschungel zu sein scheint, welches Sie auf Ihrem Ritt nach Narkit passieren müssen? Er hat verschiedenen Dörfern in der Nachbarschaft Be­suche abgeftattet und kürzlich erst zwei Postläufer abgefangen. Nehmen Sie sich nur in acht."

,^a, ich habe schon genug davon gehört. Es ist schade, daß wir niemand hier haben, der Lust zur Tigerfagd verspürte."

„Nun — ich an Ihrer Stelle würde et« Paar Pistolen in den Sattel stecken, Bathurst; e5 wäre doch fatal, wenn Sie der Bestie in den Weg kämen."

„Ich trage nie Feuerwaffen", erwiderte der junge Mann kurz, und dann — leichthin: „ich bin ein Mensch von friedlichem Beruf und befand mich bisher noch niemals in der Lage, Waffen nötig zu haben. Das einzige, was ich stets mit mir nehme, ist diese schwere Jagdpeitsche; sie tut mir »«weilen, wenn die Dorfhunde hervorstürzen «nd Miene Äiachen, über mich herzufallen, gute Dienste. Wegen >es Tigers bin ich unbesorgt. Ich täte meistens sehr schnell, und selbst wen« er gerade am Wege

auf Beute lauern sollte, würde er mich doch wohl nicht anfallen." Bei den letzten Worten berührte er sein Pferd leicht mit den Sporen und trabte da­von.

„Er ist doch ein prächtiger Bursche, Garnet", bemerkte Hunter, zu seinem Gefährten gewandt; „so voll Tatkraft. Und zudem, wie man sagt, der beste Kenner der Sprach: in Oude."

„Ja, das mag alles sein", gab der andere zu, „aber er ist ein Mensch, aus dem man nicht recht klug wird. Mir gefallen solche Leute nicht. Bat­hurst schießt nicht, er resset nicht, — ich meine zum Vergnügen, bei Wettrennen und dergleichen, — er arbeitet nur immerfort. Mit anderen Menschen scheint er gar nicht zu verkehren. Man konnte fast glauben, daß irgend ein Geheimnis auf ihm lastet."

„Wenn das der Fall ist, so ist es sicher keins, das ihm zum Nachteil gereicht," sagte Hunter warm. „Ich kenne ihn seit sechs Jahren und halte ihn für einen tadellosen Charakter, obgleich er allerdings un­gewöhnlich zurückhaltend erscheint. Jedenfalls ist er ein Gewinn für die' Regierung. Ich habe nie je­mand gesehen, der so unermüdlich arbeitete, und würde mich nicht wundern,wenn sein Fleiß ihm bald ein höheres Amt eintrüge."

„Das glaube ich kaum," meinte der andere; er hat zu sehr feinen Kopf für sich und allerhand Schrullen dazu. Mehr als einmal war er mit dem Chef in Meinungsverschiedenheiten."

„Nun, das ist sehr begreiflich, Garnot. Diese Herren lieben es nicht, wenn ihre Untergebene» ein eigenes Urteil haben, und ziehen diejenigen vor, die nicht zu viel und nicht zu wenig tun, sondern wie Maschinen arbeiten. Männer von Bathursts Art sind nicht gern gesehen, gelangen aber dennoch mei­stens an die Spitze. Doch nun muß ich gehen." —

Bathurst ritt auf Narkit zu, ohne Aufenthalt, in gleichmäßig scharfem Trabe, dabei auch nicht einmal an den Tiger denkend, sondern nur mit der Erwägung einer Eingabe beschäftigt, die er machen wollte. In einer Streitfrage zwischen einem Ta­lukdar in seinem Distrikte und der Regierung war seiner Meinung nach eilt ganz falsches und unge- rechtes Urteil gefällt worden; das wollte er Ludern.

Er erwacht: erst aus diesem Gedankengange, als er langsamer in das Dorf einritt, wo ihm zwei oder drei der Ortsaltesten mit ehrerbietigem Gruße ent­gegenkamen.

„Der Herr hat nichts von dem Tiger bemerkt?" erkundigte sich einer. „Unsere Herzen waren voll Furcht; denn heute früh hörten wir die wilde Bestie in dem Dschungel, an dem Euer Weg vorbeiführt, mehrmals brüllen."

„Ich habe gar nicht daran gedacht", erwiderte Bathurst, während er abstieg. „Das Pferd würde es schon gewittert haben, wenn das Raubtier in bei Nähe gewesen wäre. Nun laßt uns zum Ge­schäft kommen. Es soll, wie Ihr wißt, festgestellt werben, ob ber Wassergraben, von bem in des Talukdars Besihtssel die Rebe ist, derjenige sei, der jenseits am Fuße des Hügels sich hinzieht, oder der andere, der diesseits um das Gehölz mit dem kleinen Tempel fließt. Unglücklicherweise liegt gerade das beste Land zwischen diesen beiden Gräben."

Vier Stunden lang horte Bathurst die Berichte der alten Dorfleute an, indem er durch geschickte Fragen den Kern der Sache aus ihren konfusen und oft sich widersprechenden Angaben herauszuschälen suchte. Dann brachte er zwei weitere Stunden da­mit zu, das Terrain an Ort und Stelle zu besich­tigen und durch Vergleich mit dem Besitztitel zu ergründen, welcher Graben gemeint sei. Am Tage vorher hatte er dieselbe Arbeit auf dem Gebiete des Gegners gehabt.

„Ich hoffe, der Herr kann an der Gerechtigkeit unserer Forderung nicht mehr zweifeln", sagte der Netteste dnnütig, als Bathurst sich zur Heimkehr rüstete.

„Bon Eurem Standpunkte aus habt Ihr recht, Childi. Aber die anderen sind nach ihrer Darstel­lung der Sache auch im Recht. Leider kann infolge der unbestimmten Ausdrucksweise int Besitztitel nichts wirklich bewiesen werden. Mir scheint, in diesem Falle wäre ein Vergleich das ratsamste. Aber Ihr wißt, daß mir die letzte Entscheidung nicht zustcht. Nächste Woche will ich wiederkommen, will den Talukdar veranlassen, mich zu begleiten, und dann wollen wir das Terrain noch einmal unter­

suchen und zuschen, ob sich nicht eine Grenzlinie feststellen läßt, die beide Teile befriedigt. Wenn das gelingt, so wird die Sache kurz und kostenlos abgetan. Wenn dagegen die Angelegenheit nach Lncknow geht, so kann sie sich sehr lange hinziehen, und die Entscheidung wird möglicherweise zu Euren Unqunsten ausfallen; das war: dann ein großer Verlust für das Dorf."

„Wir sind in Eurer Hand", sagte der Einge­borene. „Ihr seid unser Beschützer, Herr, und werdet uns nicht zu Schaden kommen lassen."

„Ich will Euch gewiß keinen Schaden zufügen, Childi; aber ich darf auch der anderen Part« nicht unrecht tun. Ganz befriedigt torri) wohl keiner von Euch sein, doch das ist nicht zu ändern." Seins vollkommene Kenntnis der Sprache und die Müh^ die er sich gab, jeder Sache auf den Grund zu gehen, hatten den jungen Beamten bei den Eingeborenen sehr beliebt gemacht. Sie wußten, daß sie bei ihm stets Gehör und Gerechtigkeit fanden, ohn-r erst Unterbeamte bestechen zu brauche». Er hatte ei» großes Geschick, den Punkt, auf den es ankam, und die Wahrheit aus allen Nebendingen und Lügen heraus zu ermitteln, — und selbst die Unterliegen­den bewunderte» den Scharfsinn, mit dem er ihre Schliche durchschaute. Aber der Hauptgrund seiner Beliebtheit waren die Gute und Geduld, mit denert er alles anhörte, und seine echt menschliche Teil­nahme an ihren Schicksalen. ,

Auf seinem Heimwege heut dachte et immer noch über den letzten Fall nach, und in tiefem Sin­nen riss er dahin, als plötzlich vom Dschungel her^ — offenbar nur wenige hundert Schritte von ihm — ein durchdringender Schrei zu seinen Ohre«! drang. Er fuhr empor und spornt» sein Pferd im Galopp stürmte es vorwärts, und da, bei einer Biegung des Weges, erblickte er vor sich in geringer Entfernung den Tiger, wie er mit seiner Tatze eme Gestalt am Boden festhi:tt, während ein Mann mit verzweiflungsvollen Geberde» davorstand und das Raubtier abzuwehren suchte. Der Tiger zögerte und schien zu überlegen, ob er den Verwegenen auchf mederrftßen oder sich mit der Person begnügen soll^ bie schon in feiner Gewalt war.

tt Indien üblichen Korkhelm, Schleiertuch gewunden. Im Begriffe, vor der Tür der Hütte sein Pferd zu be- ?eigen, sah er sich von zwei Männer«, die rasch da- erkamen, begrüßt.