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MaerW Zeitung

m,mk»Äa-« „8«ldaer Seschichttblättett

Jahrgang

Fulda, Samstag

Erstes Blatt.

M 199.

und cs nicht verstehen, mit einem Kameraden, der andere politische Anschauungen vertritt, gesell­schaftlich und kameradschaftlich so zu verkehren, daß daraus Konflikte nicht entstehen können! v. d Grö­ben selbst hat es auch gebilligt, datz zentrums- feindliche Politische Anschauungen im Offiziers­korps verbreitet werden, die nicht anders als ku l- turkämpferifch bewertet werden können. Und so wurde Knittel boykottiert und degradiert, obwohl er nach dem Zeugnis des Generalmajors v. Wundt sowohl innerhalb wie auherhalb b?§ Dienstes bei allen Kameraden und Vorgesetzten autzerordentlich beliebt war. Wo bleiben da die „dienstlichen Gründe"?

ihnen namhafte Zugeständnisse, sodaß die Arbeiter befriedigt waren und die Arbeit wieder auf-

g-pantiH^n Md«- Wod}CitbeÜ(l£C: „3

Aus Mche und Schure.

♦ Znm goldemn Pnrsttijnbikänm des Kardinal? Kopp. Der Kaiser sandte dem Kardinal ein seh* herzliche?, huldvolles Glückwunschtelegramm und ließ ihm seine Büste in Bronze zugeben

s atz in den Anschauungen des Offizierskorps und des Leutnants Knittel bestanden habe und noch be-

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Xurnahm« der $»-m« »d Feiert«-«. Vierth jäi,kljcherv«tU»^r^ Srin««rl»ha und

Bettlitl« « S*1*”!*" wk auswärts 1.50 HU-

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totales.

Fulda, den 31. August 1912.

im. Dir Schulden der S adtgememdr« in Hesteu-Raff««.

Die Kommunalwirtschaft mit ihren von Tag zu Tag wachsenden Aufgaben führt di- Gememd«, immer mehr zur Kreditwirtschaft, d. h. z ur Ausnahme von Anleihen rc. ES ist daher -rWrltch, daß di«

falls ausdrücklich anerkannt. Gleichwohl fit. dieses »»»- - »> - •« ».* >. <L«r^rL

Tie Schuld au dem entstandenen Aergeruis sollt auf die P e r s ö n l i ch k e i t e n, die in dem Gerichts­urteil so unvorteilhaft gekennzeichnet sind. Aber cs läßt sich nicht verkennen, daß auch das S Y st e m bei der Verhandlung nicht günstig abgeschnitten hat. Einem Reserveoffizier, der wegen außerdienstlichen Verhaltens verdächtigt, verleumdet und gemaßregelt wird, muß einb^ssererRechtsschutz gewährt werden, als es bei dem jetzigen ehrenrechtlichen Ver­fahren der Fall ist.

Einige liberale Blätter gehen nun gleich so weit, daß sie sondern, die militärischen Vorgesetzten sollen sich in keiner W e i s e um die politische Be­tätigung eines Reserveossizers kümmern. Dem kön­nen wir uns nicht anschließen; die Beteiligung an sozialdemokratischen und anarchistischen Umsturz- b e st r e b u n g e n ist z. B. offenbar unvereinbar mit der Offiziersstellung. Aber wenn gegen einen Offizier der Vorlourf erhoben wird, daß er gegen die Königstreue und die Staatstreue gehandelt Habe, so muß man ihm auch Gelegenheit geben, sich zu verteidigen, und eine Verurteilung darf nur nach gründlicher Prüfung auf durchschlagenden B e- weisen hin erfolgen. Eine Maßregelung hinten herum, die unter dem beliebten Titel des „dienstlichen Interesses' erfolgt, muß ausge- schlosfen sein. Entweder hat der Mann die Offiziers- ehre verletzt, dann muß er nach regelrechtem Ver­fahren entlassen werden, oder er hat sie nicht ver­letzt, wie es Herrn Knittel bescheinigt werden mußte, dann darf man ihn auch nicht durch eine kränkende Versetzung in die Landwehr maßregeln.

Gevrandniarkt ist ferner bei diesem Prozeß der hetzerische Klatsch, der leider nicht bloß in Rhbnik, sondern auch in vielen anderen Orten der gemischtsprachigen Provinzen sein Unwesen treibt und so sehr zur Verschärfung der Gegensätze bei­trägt. Es wäre gut, wenn aus diesem Anlaß ein­mal gründlich nachgeforscht würde, ob das Beamten- personal an diesen vorgeschobenen Stellen auch wirk­lich'von erster Qualität ist oder geblieben ist.

Generals a. D. Gothen. Dem Amtsrichter Knittel fit durch Urteil des Ehrengerichts das Zeug- nis ausgestellt worden, daß sein außerdienstlich 8 Verhalten als Zentrumsmann und Kirchenvor- standsmitglied seine Offizierschre mcht beruhrt V , < < . r;!____r'A.virfitälinf bot das eben»

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rat. - ES ist unwahrscheinlich, daß dem Verlange« stattgegrben wird, zumal die vorjährige Aushebung de» Kartoffelzoües gezeigt hat, daß d»e Aufhebung der Zölle nur allein den Händlern zugute

nnd obschon der Polnische Kandidat, der dort m, Frage stand, in aller Forrn seine Verfassungstreue erilärt hatte. Die Hetzer suchten dem zentrums- fteundlichen Amtsrichter einen weiteren Strick zu drehen aus der Tatsache, datz er ohne sein Zutun irnd ohne sein Wissen in den katholischen K irch en- vorstand gewählt wurde, in dem auch — schrecklich! — „Nationalpolen" saßen. Von einem zivilen Beamten wurde das Bezirkswmmando auf- । gehetzt und Knittel wurde als Offizier aus der Re- । serve in die Landwehr versetzt, und sogar in drc । Landwehr 2. Aufgebots.

Er wehrte sich gegen diese Matzregelung und erreichte f a ch l i ch nur die Versetzung in die Land­wehr 1. Aufgebots,'^» rmell aber die amtliche Er­klärung, daß durch die Beteiligung an der Landtags­wahl und durch die Annahme der Würde eiries katho- lisck>en Kirchenvorstandes ein Anlaß zur Aber­kennung desOffizierscharakters nicht aeaeben sei. Von dem so bekundeten Standpunkt hätte man solgerichtiger Weise zu der vollen Aus- h e b u n g der Maßregelung, also zur Ruckversitzung in die alte Stellung als Reserveoffizier gelangen müssen: aber zu dem Eingeständnis und der Wieder- autmachunq des begangenen Fehlers wollte man sich nicht verstehen. Knittels Beschwerden nutzten ihm nichts, seine Anträge aus Einleitung des ehrenrecht­lichen Verfahrens gegeil den Bezirkshauptmann Sammlet und den Bezirkskommandeur v Vie­lt n g h o s f wurden zurückgewiesen.

Schließlich wandte er sich mit einer Eingabe andenKriegsminister, worin er behauptete, daß der Bezirkskommandeur mit direkten Lu­ge n gegen ihn gearbeitet habe, daß er das Opfer einer bösartigen, heimtückischen Krancheit de-Haupt­manns Sammlet geworden st'., daß die ^tditar» behörden aber ihre Blamage nicht emgestehen wollten und sich immer mehr in Unwahrheiten ver­strickten. Den Offizieren v. Bietinghoff und Samm­ler warf Knittel Lüge und Verleumdung vor; das ehrengerichtliche Verfahren gegen Herrn v. Vie- tincchoff nannte er eine Farce. .

'Wegen dieser Eingabe hat der Ktiegsnimister Straf antrag wegen Beleidigung gestellt, und — das Gericht ‘bat nach viertägigen eingehenden Verhandlungen den Wahrheitsbeweis für die von Knittel ausgestellten Bchauptungen als er­bracht angesehen und ihm im übrigen die Wahr- . nchmung berechtigter Interessen zugebilligt, so Hatz Freispre ch^u n g ersolgeu mußte. Eine glan­zende Rechtsertigung sür den Anitsrichter Knittel, der als aufrechter Manu mit einer fast bewunderns­werten Energie den Kampf um fein Recht geführt hat, dem selbst der Staatsanwalt bestätigte, datz sich der Vorwurf, als ob er nicht national und nicht Pa­triotisch gehandelt habe, absolut nicht aufrecht er-

kommt. . , ,

* Zum Fall Borchardt-Leinert lesen wer in einem Berliner Blatt: Der Fall Borchardt wird am 23. September in Berlin zur gerichtlichen Ber. Handlung stehen. Es wird vielfach angenommen, daß in diefer Verhandlung die Abgg. Borchardt und Leinert bereit« verurteilt werden könnten. DreS trifft jedoch nicht zu. Das Abgeordnetenhaus hat die Genehmigung zur Einleitung eines Errmttlungs. verfahrens erteilt, um die die Staatsanwaltschaft nachsuchte, eine Genehmigung zur Strafverfolgung ist nicht erteilt worden. Wahrscheinlich durfte die bevorstehende Verhandlung auch erst zeigen, ob die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren emleiten todL Die Genehmigung zur Strafverfolgung durfte auch im Oktober erteilt werden, da der Laiwtag em In- teresie hat, die Angelegenheit endlich ins Reme zu bringen und sie mcht bis zum Ablauf der Legis- laturperiode zu verschleppen.

—= Zur Jcsniteusrage. Wie die ,8andeSzeltung für beide Mecklenburg' von zuverlässiger Seite er» fahren haben will, ist dem Bundesrat m Uebttem. stimmung mit dem Vorgehen der bayerischen Bischöfe auch ein Antrag des preußischen Eplsko» p a t s auf Aufhebung des Jesuitengesetzes zugegangen. <Eine solche Eingabe stand auf der Tagesordnung der in'olge der Erkrankung des Herrn KardmalS Fischer verschobenen Bischofskonferenz zu Fulda. Sie soll, so weit bekannt, auf der demnächst hier zusammentre'enden Konferenz der preußischen Bischöfe sestgeftellt werden.) — Dem Evangelischen Bunde genügi es noch nicht, daß die vielen evangelischen Synoden und Vereine gegen die Aust Hebung oder „Abschwächung" des noch bestehenden Jesuitenparagraphen protestiert haben. Seme Korrespondenz und demgemäß auch die Bundespreste "^U-aßsich auch die evangelische Geistlichkeit rühie und namentlich die oberen Kirchen- behördeu sich auch ihrerseits an den Bundesrat ve»d n und damit der Eingabe des Episkopats ein Gegenaewichl dielen. Die dalür maßgebende Instanz mürde doch wohl der E^angelilche Kirchenausschuß sein, ver auch in früheren ähnlichen Fällen tatkräftig und wirksam die evangelischen Interessen vertreten habe'

Also der Evanaelische Bund sucht nun auch die evangelische Geistlichkeit als solche und insbesondere oen Evangelischen Kirchen ausschuß gegen die Jesuiten mobil zu machen. Alan sollte meinen, der Evan- gelffche Kirchenausschuß brauche nicht erst vom Evangelischen Bunde einen R-ppenstoß zu erhalten, wenn es sich um die Ber retung evaugelilch-kirchlicher Jmerksfen handelt. Daß die evangelischen Bündler durch Stimmungsmache mit Hilfe ihrer Presse ihre kirchliche Behörde zu einer Kundgebung in der Jesuit ensrage zwingen wollen, ist recht bezeichnend für d'.c Art und Weise ihres Kampfes. Offenbar gehen die Ansichten des Evangelischen Kirchenaus- schusses und des Evangelischen Bundes über die Frage, ob durch Aushebung bezw. Auslegung des noch bestehenden § I des Jesuiteugesetzes evangelisch, kirchliche Interessen berührt werden, heute noch aus­einander. Mau darf gespannt sein, ob der Evangelische Bund mit seinem Versuch Erfolg haben wird.

cs München, 30. Aug 1912. Die bayerische Ad- aeordneienlämmet nahm am Freitag den Militär- Etat mit 123 bürgerlichen Stimmen gegen 24 der Sozialdemokraten an. Dieses Verhalten der Sozial- demokralen paßt zu den kürzlichen patriotischen Aeußerimgcn ihres Führers v. Vollmar wie die Faust aufs Auge und beweist, daß diese Aeußerim- gen leeres Geschwätz und Sand m die Augcn Gutgläubiger waren.

deutsches Reich.

** Beilin, 30. Aug. 1912. Der Prinzregent von Bayern lud den Reichskanzler ein, auf feiner Rückreise nach Schloß Linderhos zu kommen und einige Zeit der Hochwild Jagd obzuliegen. — Der russische Botschafter in Berlin, Swerbejew, machte dem Staatssekretär des Auswärtigen einen Besuch, den Herr v. Kiderlen-Wächter auf der russi­schen Botschaft erwiderte. — Das dritte (Reserve). Linien-Geschwader unter dem Befehte desV ze- Admrrals Rollmann ist von Kiel aus zu denHerbst- manövern in die Nordsee ausgelaufen. Die Fahrt gebt um Skaaen.

'» Das Karserpaar fit mit der Prinzessin Viktoria Luise Freitag vormittag um 101/» Uhr von Wil­helm shö he nach Berlin abgereist, dort nach­mittags 6 Uhr auf dem Potsdamer Bahnhof ein« getroffen und fotori nach dem Schloß gefahren.

)( Z«r Fleischteuerung nahmen die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin eine Resolution an, in der sie die vorübergehende Aushebung der Er­mäßigung der Vieh- und Fleischzölle, Revision der Zölle für Futtermittel, Ermäßigung der Eisenbahn- tarife für Vieh und Fleisch fordern. Aehnliches ver­langt eine Eingabe der Stadt Nürnberg und und verschiedener a n d e r e r S t ü d t e an den Brmdes-

AA§!anö.

** Von der Znckerkonvmtion wird auch Italien vom 1. September 1913 ab zmücktreten.

** Sostalpolitik in der Schweiz. Die staatswirt­schaftliche Kommission des Großen Rates beantragt bei der Regierung die Schafimrg einer obligatori- idien Alters-, 'Invaliden., Witwen- und W a i s e n - V e r s i ch e r u n g sür sämtliche Angestellte und Arbeiter des Staates mit Beitragspflicht des Staates und der Versicherten.

** Furcht vor dem deutschen Handel. Der als deutschfeindlich sattsam bekannte Pariser „Matin" veröffentlicht einen langen Artistl über die angeb. licheu Uederschroemmung und Schädigung Frank­reichs durch deutsche Industrie«!aren und schtägt dagegen folgende Maßregeln vor: Erstens eine Aeuderung ber Gesetze betreffend die fremden Handelsart,kel, zweit ns sollen die französischen Kaufleute und Industriellen den deutschen uach- eifern, und drittens müsse der sranzosische Staat die französischen Kaufleute gegenüber den aus­ländischen begünstigen. Das Emporbiühen des deutschen Handels in Frankreich habe ansänglich nur eine ärgerliche Stimmung hervorgerufen, heute sei aber fcatauS eine Handelsfrage geworden, der die sranzöstjche Regierung ihre ganze Ausmerksam- feit widmen müsse. ,Slatin' schließt seine Aus­führungen folgendermaßen: .Kurz zusammengefaßt handelt es sich bei dem Protest gegen die Invasion des deutschen Handels in keiner Weise etwa um einen Boykott ausländischer Waren, sondern er foC nur eine Warnung der französischen Jndustre vor der ausländischen bedeuten. Es muß unbedingt darauf gedrungen werden, daß die ftanzöstschen Er- zeugnisie auf französischem Boden die herrschende Rolle spielen."

** Der Erzbischof alS FriedenSvermiMer bei Lshu- käm-feu. Wie immer in solchen Fällen, ist die Tat­sache totgeschwiegen worden, daß der Erzbischof von Saragossa (Spanien) durch sein Eingreifen den Streik der Arbeiter von Saragossa geschlichtet hat. Es waren die Frauen der Arbeiter gewesen, die sich an den Erzbischof gewandt hatten. Der Erzbischof begab sich zu den Arbeitgebern und erreichte von

nahmen.

♦ Hebet die Tötung riet» portugrepfchen Pfarrers, von der wir vorgestern Mitteilung gemacht haben, erhäst die .Germania' zur Aufklärung von gut unterrichteter Seite folgende Zuschrift:

Die Blätter melden aus Aldem, daß dort em Prieller gelyncht wurde, nachdem er den Friedens­richter erschoffen hatte. Die Menge habe fernen Leich- nam schrecklich zerstümmelt. In dem Telegramm finden sich teils unvollständige, teils "" führ ende Darstellungen des Tatbestandes. Es heißt, der Geist­liche habe eine Zeremonie vollzogen, ohne d,e üblichen Formalitäten zu erfüllen. Die üblichen Formalitäten bestehen darin, daß ein Geistlicher in der AmtsiraLt nicht auf dem Friedhöfe erscheinen darf. Bekannilich darf er sich nicht einmal im Talar auf der Straße zeigen. Die CarbonarioS lassen nicht einmal zu, daß er auf dem Friedhose vor der Kirche eine Beerdigung vornimmt, in dem sie behaupten, ber Friedhof gehöre nicht zur Kirche. Um einen solchen Fall hamelt es sich in Äldeia. Die Bewohner find geteilter Met- nung, ein ge nahmen für den Pfarrer Partei, ^rrtolge dessen entstand eine Sch! rgerei. Als man den Pfarrer verhaften wollte, griff dieser mit dem Ausrufe: .Ich will nicht in euern unterirdischen ©efängmfien sterben «um Revolver und schoß auf den Friedensrichter. Ta sich in jeder Ortschaft unter dem Deckmantel von Gen- barmen einige Earbonarios befinden, war ber Pfarrer bald dingfest gemacht, niedergeschlagen und schrecklich zerfleischt. Die Bevölkerung verhrelr sich aus Furcht neutral, da die Carbonarios unbeschränkt über teben und Tod verfügen. ES muß noch zur Beleuchtung der Sachlage bemerkt werden, daß Bargrrnieister, Richte, Steuereinnehmer und Polizisten all°r Gemeinden nicht ortsansäffige Personen, sondern Leute au8 Stfiabtrn sind, die zur Belohnung für ihre Dienste von der Re- ateinng diese bemblfen Pollen eraal'e -

Die Sachlage fit hiernach wesentlich anders, wir sie zunächst dargeftellt war. Der Geistliche war au- chcmend in Amtstracht auf dem Friedhofs srschie- nen, wozu er nicht nur berechtigt, sondrrn^auch vet« pflichtet war. Tas war sein Zerbrechen , welches ihm sein Leben kosten sollte. W«,n er, als man Hand an ihn legen wollte, zum Revolver griff, so ist dieser Schritt, rem menschlich genomm-n, wohl begreiflich, denn dir entsetzlichen Schilderungcri voii dein geben der Gefangenen in den unterirdfichen Verließen der Republikaner mutzten dem, Pfarr« den Aufenthalt in denselben schrecklich erscheinen las- sen. Gleichwohl hätte der Pfarrer sich nicht von einem Temperament fortreitzen lassen dürfen wem» er nicht in Notwehr war ^DaS entfttzliche Berbr^ chen belastet auSfchlietzlich das Schuldkonto dn Re- yKnurg, in welcher die d... ,

narioS, dir das ganze Land terrorisiert, eme auS-^"^« schlaggebende Rolle spielt.

•* Marokka. Die Nachricht, datz sich der deut­sche Konsul in Sasft, Junker, ebenfalls unter den Gefangenen in Marrakefch befinde, wird m Bert» für falsch gehalten. Nach den dort votlirgenden Nach- richten haben sich die in Marrakesch befindlichen Deutschen recht; ritig znrückgeMgen.

** Attentat auf tmtn brasilianischen Senator. Auf den Senator Laura SodrS, den Kandidaten für die Präsidentschaft im Staate Grao Para, ist em Revolveranschlag verübt worde». Sodrä blieb un­verletzt Der Täter wurde von der empörten Volks- menge gelyncht. Da Unruhen besürchtet werden, wurden Truppen nach Para beordert.

♦♦ Der Panama-Konflikt. Der englische Ge- schäststräaer in Washington hat, tote bereits gemel­det, der amerikanischen Regierung rm Namen ,«ner eigenen eine Note überreicht des Inhalts, datz Eng- land, salls eine bifneoiaenbe Ber>wnd^ur.q tn be» «ua aus das Panamalanai Gesetz sich als unmöglich erwiisen sollte, an das Haager Schiedsgericht zu cPpellieren enfichwss-n sei. Heute imi. laßt die Regierung der Veremigteu Staaten kuh. di. Ant- Wort daraus verbreite.-

lehnen, die Frage einem Schiedsgericht zu unter- werfen. Das klingt in all seiner Brutalität wenig­stens ausrichtig Ob Vertrag oder nicht, das In- tereffe gebietet der Union die Sicherstellung ihrer Verbindungen zu Waffer von einem heimischen Ha- sen zum andern, die Beschützung ihrer eigenen Handelsmarine gegen dir Konkurrenz der auslan- dischcn Gesellschaften. England mutz trotz seiner verbrieften Verträge der Sl^vachere blerben. Et- was seltsam wirkt dieses Vorgehen der Um,u aller- dings, wenn man es mit der von ihr selbst auSge- gangenen und kaum mehr als ehr Jahr alten Schiedsgerichtsbegeisterung zusammenstellt. Man hat damals — Tast und Knox waren die Rufer —' ein schönes Schema aufgestellt, nach dem alle Str«- tiqleiten zwischen Amerika und England (auch Frankreich und das hier mit Recht ein wenig skep­tisch gewesene Deufiche Reich sollten mit unter den­selben Hut) ausnahmslos entweder direkt aus dem Wege bei Kabinette oder durch besondere Botchafier ohne Berufungsmöglichkeit an den Haag werden sollten^ Es ist bekanntlich nicht zum Reffen dieser Paradiesesfrucht gekommen. Man erkennt erst jetzt an dem elften großen anglo-amerikamschen Streitfall seither, wie geschickt einseitig sich die .lme- rikaner die ganze Sache gedacht haben, -lll. Bo.- teil; sür sie, alle Nachteile für die andern.

halten lafse.

Ter Spruch der Strafiammer wurde in feiner Begründung zu einer scharfen Verurteilung der nach st beteiligten Militärperso­ne n, da das Gericht als erwiesen betrachtet, daß der eine, Sammler, ein bösartiger Geistes- schwacher sei und daß der andere, v. Victinghosf, in mehreren Punkten b e w u ß t die N n w a h r h e it gefr- t Mb».

Amtsrichter Knittel hat einen erbitterten Kampf um sein Recht geführt, und er hat Recht bekommen. 6i«e rm W arößcre Blwmwr erleiden cb^r bi* be- t’iligten Militärbehörden. Auf die Per­sönlichkeiten des Bezirkskommandeurs Barons v. Bietinghoff und des Hauptmanns xammlcT, die in der Begründung des Gcrichtsurteits so rücksichtslos charakterisiert worden sind, gchen wir nicht näher ein. Die Militärbehörde wird wissen. Was sie zu tun hat. Unserm Erstaunen müffen wir aber doch Ausdruck geben, daß ein Mann wie Sammler, die­ser „bösartige Geistesschwache", Jahre hindurch an einer recht verantwortungsreichen Stelle belassen Worden ist. Und wenn das Gericht den Vorwurf der Wiederholten Lüge dem Hauptmann v. Vietinghoff gegenüber als ertoiefen erachtet, so fit das eine so schwere Belastung, daß, wenn nicht ein gerichtliches, sicher ein militärisches lllachspiel zu erwart,n fit. Ein gewisses Interesse bietet die Zeugenaussage de»

zu versetzen und ihn gewissermaßen damst zu degra­dieren, daß man ihn von einem persönlichen Ber- kehr mit dem aktiven Offizierskorps fernzuhalten suchte. Tie Art und Weise, tote General z. D v d. Groben dies begründete, fit em Beweisda- für, wie sehr Politische, diesem Falle hakati- flische und kulturkampferische An- chauungen bereits i« die Armee eingedrungen inb General v. b. Gröben bekundete nämlich.

'Wäre ich iHegunentstvmmanotur gewesen, ,o hätte irt> aelaat dadurch, das Knittel sich bet seiner SieUung- nnbme Donfläntüfl in Gegensatz zum ganzen Otiiüierkorps gesetzt hat, würden bei längerem und engerem Beisammensein mit den Offizieren sich Konflckie einflellen rönnen. Um dielen Konflitten zu entgehen, wäre der Regimentskommandeur v°Uk°mmen berechtigt, die Einwilligung dazu, daß Knittel über die geletztiche Zeit hinaus in der Reserve btetbt, zurück zuziehen. Diese Zurückziehung wäre also durch dienstliche Grunde aerech-'ernnr

° Auf weiteres Befragen des Vorsitzenden erklärte General z. D. v. d. Gröben noch, daß, foweit et

ö Ein peinlicher Prozeß.

-fln Ratibor in Oberfchlcsien fit soeben «ach mehrtägiger Verhandlung ein Prozeß zu Ende ge-

seiner Bchauptungen ergab, andernteils falsche Be­schuldigungen in der Wahrung berechtigter Interes­sen erfolgt waren. .

Die Vorgeschichte des Prozesses fit folgende, ^zm Landtagswahlkreis P l e ß - R Y b n i k hatte die Zen­trumspartei bei Schluß der Leg,slatur-Periode 1908 von drei Landtagsmandaten nur noch ems tm Besitz. Die beiden anderen hatten die Konfervatten durch ein Bündnis mit den Liberalen der Zentrums Partei abgenommen. Daraufhin schloß das Zentrum für die Laudtagswahlen von 1908 em Kornprornitz mit den Polen ab, mit dem Erfolg, daß die beiden bisherigen Konservativen unterlagen und neben dem Polen Seyda zwei Zentrumsabgeordnete Faltm und Frhr. v. Reitzenstein gewählt wurden. Der Amts­richter Knittel in Rhbnik der mit Lust und Liebe Reserveosfizier war und als solcher allgemein benebt und geschätzt wurde, hatte sich als Freund der Zen- Ir n m s p a r t e i in deren Sinn an der Landtags- wahl beteiligt und hatte seine Stimme den Wahl- männern gegeben, die auf Grund ^ Kompromisse fUs^'Offizierkorps (6. Division) kenne, ein Ge g e n. ausgestellt waren. Ein wahrer Rattenkönig ’ j)en Anschauung m des Offizierskorps und

Klatsch und Ti^ch kupste st^un J des^Leittnants Knittel bestanden habe und noch be-

dicse Politische Betätigung Srnttet,. Ramem insbesondere, weil Knittel sur ein von der

Beamtenkreisen wurde der Hall m der geyawSsi q^ tiums Partei gebilligtes Kompromiß ge- rmb albernsten Weife durchgehechelt, winde ge- L^ Libe Damit hat General v. d. Gröben tuschelt, daß dtt Amtsrichter^ und -Msser ' OsfizicrkorPS der 6. Division ein nichts weniger Nischen Staatsseinde unterstützt habe, la es wu oem „'n p Zeugnis ausgestellt. Er hat ihm sogar staatssemdlrche Agltatwn ^org«,worsen, J b-ih die Offiziere Politik treiben

Lv. cic s^ch ~» Sn-** Snvi “in ! nickt verstehen, mit einem Kameraden, der