Leitung
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Dann setzen wir Deinen Hans an die erste
Hanne war während dieser Worte eingetreten j Stelle", erwiderte Baldwin lachend, und blieb lächelnd an der Türe stehen. Äa ging Du nicht vergißt, ihn einzuladen, mach
,und damit
Hand das Stück Leben, das uns noch bleibt!" Und
i Frau Regine lächelte still und selig, wie eine junge Endlich Latte lieb aklw ibr das Märcken-
!t Feuer Dundl wenn dieser wildert, d. h. das WildL-^
Aus Uirche und Schule.
** Eichstätt, 28. Aug. 1912. Auch das Domkapitel von Eichstätt hat eine Kundgebung der Zustimmung an seinen Oberhirten in Sachen der Jesuiteneingabe gerichtet. Die Kundgebung hebt rühmend die großen Verdienste des Jesuitenordens um dir Diözese Eichstätt (Universität Ingolstadt und Jesuit rnkollegium Eichstätt) hervor und die Vortragstätigkeit der Jesuiten während der jüngsten Zett m der Diözese, Namentlich der Klerus würde die staatliche Verhinderung der Jesuiten schmerzlich empfinden.
Du nicht vergißt, ihn einzuladen, mach' einen Knopf an Deine Nas'!"
„Das braucht's net!" lachte sie, „meinen Schatz lad' ich zu allererst." Ein helles Lied auf den Lippen, eilte sie davon.
Tie Zurückgebliebenen lächelten, und Fran Rechne sagte: „Es wird still werden auf dem Wildhof, wenn die Ev Hochzeit macht — still und einsam!" —-
Ta haschte der Wildhofer ihre Hand. „Net einsam", sagte er ,„schön wird's! Denn jetzt haben wir zwei uns auch gefunden und gehen Hand in
Jß 198.
Jreitaj »en 50. !lugu|t 1912.
59. Jahrgang.
Deutsches Reich.
* Karlsruhe, 26. Aug. 1912. Der sozialdemokratische Parteitag für Baden, der gestern in Offenburg statgtefunden hat, hat einen so ruhigen Verlauf genommen tote noch me Der Hauptführer der Radikalen, Adolf Geck, tst fett Monaten schwer krank, und so kommt es daß dte Revisionisten das ganze Feld allein beherrschen. Irgendwelcher Widerspruch gegen die Maßnahmen der Parteiführer wurde kaum laut. Mit Ausnahme des einen Falles, wo die sozialdemokratische Fraktion der Bewilligung von Geldmitteln für den Bau einer Kirche in der Heil- und Pflegeanstalt Emmendingen zugestimmt hatte, waren ja kaum größere „Ketzereien" in der letzten Zeit vorgekommen; darüber, daß zwei sozialdemokratische Landtagsabgeordnete zum ersten Male zu Hof gegangen, d. h. im Residenzschloß und im Haus des Prinzen Max ihre Karten abgegeben hatten, schwieg sich merkwürdigerweise der Parteitag völlig aus. Für die bürgerlichen Parteien besonders wichtig war die Verhandlung über die Gro ßblocktaktik. Der Mannheimer Revisionist Dr. Frank sprach es als des gesamten Parteitages Anschauung atts, daß sich der Großblock in Badefi bisher bewährt habe, und daß an diesem Großblock so lange festgehalten werden müsse, bis die Ver- ! hältniswahl zur Zweiten Kammer erkämpft sei. : Offenbar sind die sozialdemokratischen Parteiführer geneigt, bei den nächstjährigen Landtagswahlen ein Großblockabkommen schon für die Hauptwahlen, also nickt nur wie bisher für die Stichwahlen, vorzuschlagen, um damit in der Zweiten Kammer die Zweidrittelmehrheit zu erlangen. — Der angebliche Zweck, die Herbeiführung der Verhältniswahl, ist natürlich nur ein Vorwand. Denn für die Verhältniswahl ist auch das Zentrum: das Hindernis für die Verhältniswahl liegt in der Ersten Kammer. Und dort ändert auch eine Zweidrittel-Großblock- mehrheit in der Zweiten Kammer nichts. Nun, die Sozialdemokratie will die Zweidrittelmehrheit für den Großblock in der Zweiten Kammer, weil sie als „stärkster Kern" im Großblock dann schalten und walten kann wie sie will, treu gefolgt von ihren liberalen Vasallen. Für die Sozialdemokratie in Baden ist der Tag nahe, da sie als unumschränkte Herrin anftreten kann, wo ihr Unterfeldherr, der Oberschulrat Hoftat Rebmann, der nationalliberale Parteichef, alle ihre Befehle gehorsam ausführt. Nur zu! Vor der Hand ist das Zentrum noch da. Und wenn die Sozialdemokratie die liberalen Freunde nach und nach wird aufgesaugt haben, wird das Zentrum auch noch da sein.
Ausland.
** Ein Sturmlauf gegen Canalejas ans dem eigenen Lager. Der Rücktritt des liberalen spanischen Ministerpräsidenten, der schon so oft angesagt worden war, scheint nunmehr wirklich vor der Türe zu stehen. Denn nicht weniger als 14 Exminister und 75 liberale Deputierte, die zu ihrer Gefolgschaft gehören, wollen dem König eine Denkschrift überreichen, in der gezeigt wird, daß C a n a le j a s das liberale Programm nicht ausgeführt habe. Mit diesem Schachzug wollen sie bezwecken, daß nach dem Rücktritt von Canalejas ein neues
W auf sie zu „Seht, da kommt ja auch meine Königin!' rief er und dann hemmte er plötzlich den Schritt.
, „Aber ich weiß ja gar nicht, ob sie mich haben wtll, nachdem ne einen Sack voll Taler hat", fuhr er fort. „Am Ende läßt sie mich gar sitzen auf dem einsamen Rabenhof und sucht sich einen Grafen oder Prinzen."
Da hing sie schon an seinem Halse und jauchzte: >,llnd wenn Du König der Eskimos oder Hottentotten wirst — ich geh mit Dir, Du lieber Schatz!" Er küßte sie und führte sie seinen Eltern zu. Jetzt sind wir in Glück und Liebe vereint", sprach 'er, »das alte und das junge Blut ist eins — und
es hebt eine neue Zeit an! An Sorgen und Not, an Kummer und Herzeleid haben wir wahrlich mehr als genug erfahren, nun haben wir ein Recht, die Freude und das Glück zu kosten. Und gleich heute wollen wir damit beginnen. Alle unsere Freunde im Dorfe, die uns in der schweren Zeit unseres Unglückes so treu zur Seite gestanden sind, laden wir auf heute abend zu einem frohen Feste. Wir wollen ftöhlich sein und uns des Segens freuen, den uns Gott geschenkt hat. ^So viel als das Haus zu fasten vermag, sollen kommen und an unserem Glücke teilnehmen. Und dieser Tag, Vater, an dem Ihr Euer altes Erbe wieder in Eure Hand bekommen hobt, den trage ich mit purpurroter Tinte in unsere alte Bauernchronik ein!"
Er rief der Ev, die flink wie ein Reh herbeiprang, und nannte ihr eine Menge Namen und agte ihr, sie solle sogleich ins Dorf gehen und allr ür den Abend zu Gaste laden. Als sie zögerte, agte er: „Run, warum gehst Du nicht?"
Mit Tränen kämpfend rief sie: „Ja — ist denn — mein Hans — net — dabei?"
„Dein Hans? — Natürlich ist der dabei! — Hab' ich ihn etwa bergeff en?"
„Ja, das hast Du! — Und das ist net schön von Dir!"
entftästen, daß er einer gesunden sozialen Politik nicht nur in Bayern, sondern auch im Bundesrat das Wort redet.
Als Otto von Bismarck ans Ruder kam, ward er als ärgster Reaktionär und hochmüttgster Junker durch vier Jahre von dem gesamten Freisinn verschrien und verlästert. Er ließ die Meute kläffen und ging ruhig seinem Ziel entgegen. Freiherr von Heri- ling ist kein Bismarck, aber er ist ein weitsichtiger und erfahrener Staatsmann, der genau weiß, was er will, wenn es seine Gegner heute auch noch verkennen. Daher sollen die Schreier und Lärmer nur einige Zeit Geduld haben, dann werden sie bald erkennen, daß Herrn von Herilings Ideale vorwärts liegen; er wird ihnen deutlich den beweis erbringen, daß ein überzeugter Katholik genau so alle Qualitäten für das verantwortungsvolle Amt besitzt, einen modernen Staat zu lenken, tote bie heften 9)^änner aus betit nnbeten Sqqct.
liberales Ministerium ans Ruder komme und nicht etwa ein konservattves, toie es das System der Schaukelpolitik verlangt. Die liberalen Exmintster erwarten, daß ihre Denkschrift beim Könige ihre Schuldigkeft tut und daß Canalejas nicht mehr langer am Ruder bleiben kann, wenn ihm in so feierlicher Weste das Vertrauen der liberalen Unterführer gekündigt wird. Man rechnet darum mit dem Rücktritt Canalejas' schon in den ersten Tagen des September.
** Japan und der Vatikan. Der neue Mikado hat an den Papst einen eigenhändigen Bries geschrieben, in dem er den Wunsch ausdrückt, daß die herzlichen Beziehungen, die zwischen dem Vattkan und seinem Vater bestanden haben, fortgesetzt werden mögen. Der nette Mikado verspricht, die Missionen zu schützen.
Flüggeseins der jungen Vögel —■ 1. April bis 30. Juni — frei umberlänft, 4. nach dem Forstpolizeigesetz, wonach strafbar ist, „wer unbefugt in einem fremden Walde „Tiere" mit Vernachlässigung der erforderlichen Sicherheitsmaßregeln frei umherlau- sen oder stehen läßt." Endlich kann auch der Jagdpächter eine Zivilklage wegen Beunruhigung oder auch wegen Schädigung seiner Jagd anftrettgen. Man tut also aus alle Fälle gut, sich nach diesen Gesetzen zu richten. Ohne weiteres erschießen darf der dazu Berechttgte allerdings nur dann einen
anzünden soll, wird dadurch erklärt, daß die Ver-j brennungsgase den Leitungswiderstand der Lust schwächen. Elektrisiert man zwei ausgehängte Ho-- tunbermar Hügeln derart,daß sie sich abstoßen, so fallen sie sofort zusammen, wenn man unterhalb ein' Streichholz entzündet. Die Kugeln haben sich also entladen. In gleicher Weise geschreht's int großen Maßstabe: Der aufsteigende Rauch bildet einen lang, samen, aber starkwirkenden Entlader der elektrischen Spannung in der Luft. Auch die Statsttik gibt den „Abergläubischen" recht: Von 10 000 Kirchen wurden in einem gleichen Zeitraum vom Blitz getroffen 63, von 10 000 Windmühlen 85, von 10 000 Fabrikschornsteinen aber nur 3!! as-
—■ Hunde int Walde. Warum dürfen Hunde iw Walde nicht frei umherlaufen? Es leuchtet vielen nicht recht ein, weshalb sie bei Spaziergängen int Walde ihrem Hunde nicht auch das Vergnügen des Umherschweifens gewähren dürfen, sondern ihn an der Leine führen müssen. Hasen, Rehe usw. bekommt man kaum oder nur aus großer Entfernung zu sehen, und man sagt f»ch, daß so ein Schoß- oder Haushund dem Mildbestand keinen Schaden zufügen wird. Allein, die Sache liegt doch anders. DaS freie Umherlaufen von Hunden im Walde kann seltsamerweise gleich nach vier verschiedenen Gesetzen bestraft werden, und zwar 1. nach dem Polizeistrafgesetz, wenn e§ bei Nacht geschieht, 2. nach dem Reichsstrafgesetz, wenn die Absicht eines Jagdfrevels vorliegt, 3. sogar nach dem Vogelschutzgesetz, wenn der Hund während der Brütezrit und der Zeit des
2. Blatt.
« vrtttk und Verlag der Fuldaer Aettendruckrrel in znlda.
Baldwin schüttelte lächelnd das Haupt: „Nein, Vater", sagte er, „nicht wir sind die Herren der Erde, sondern Er ist's, von dem alles Erschaffene und alles Gedeihen und Wachstum, Saat und Ernte, Regen und Sonnenschein kommt, der den Menschen lose in feinen heiligen Händen hält! — Wir dünken uns Könige und sind doch nur Knechte — Vasallen des hoben Himmelsherrn, dem wir Rechenschaft ablegen, dem wir aber auch Treue halten müflen! Denn, wenn wir ihm vertrauen, wird er auch uns nicht verlassen. Und gerade der Bauernstand muß mit ihm einen festen heiligen Bund schließen und auf ihn hoffen und vertrauen, weil er von feiner Huld und Güte fo viel zu erwarten — oder so viel zu fürchten hat. Und im Kampfe gegen den Unglauben und das Weltgift müssen die Bauern, die von allen Ständen noch am innigsten mit der Natur, mit der Erde und mit ihrem Gotte verwachsen sind, die Kerntruppen des lieben Gottes bilden, ein großes, starkes, heiliges Heer, dessen Führer wir sind: die Volkskönige, die es zum Siege führen!"
Bringhaufen, über bereit Stätte künftig die Wogen der Edersluten werden, hat bekanntlich ein neues Torf, Neu-Berich, gegründet. Man teilte ihnen die Domäne Bullinghausen bei Volkmarsen auf. Die 800 Morgen große Fläche wurde in 17 Besitztümer von 5 bis 70 Morgen Größe zerlegt. Auch dieser Boden ist uraltes Kulturland. In der Mitte der Ackerflur erhebt sich nun das neue Dors, in kaum neun Monaten, na) den Plänen des Regierungsbaumeisters Dr. tng. Meyer in Hannover, den die preußische Regierung den Ansiedlern zur Verfügung stellte, in musterhafter Weise erbaut. Es ist wohl selbstverständlich, daß sich die einzelnen Anwesen nach dem Umfang der Ackerwirtschaft und der ihr enstprechenden Viehhaltung richten. Und so finden wir denn Gehöfte, bei denen alle Raume unter einem Dach, andere, bei betten Wohnhaus, Scheune unb Stallungen getrennt um die Hofstelle liegen. Dabei ist es gelungen, Einförmigkeit zu vermeiden unb sowohl in den einzelnen Anordnungen toie in der Straßenführung und Gruppierung um das noch erstehende Kirchlein künstlerischen Grundsätzen zu folgen. Eine ausreichende Quell- toasserleftung, die bei der großen Dürre im vorigen Jahr ihre Prob; glänzend bestand, versorgt das Dorf. Treue Anhänglichkeit und rührende Pietät läßt die Ansiedler das alte Gotteshaus aus dem Edertal heraufholen; dieselben Glocken, die dort unten über die grünen Gehänge klangen, sollen auch hier die Herzen rufen, erinnern an das stille Hei-; mattal. Di- Kirche zu Berich ist eine Klosterkirche aus der Zett edelster Gothik, siebenbogig,, mit kost-, baren Holzschnitzereien am Altar und mit als be- merkenswert unter den Kunstwerken alter Zeit genannten Glasmalereien in selten klaren und leuchtenden Farben. Wenn die Oftersonne wieder über, der neuen Heimat der Ansiedler auf geht, sollen bie; Glöcklein zum ersten Mal die Gemeinde zum neuen Gotteshause laden. _ e, ,, A
* Bad Kijstnqen, 29. Aug. 1912. Der hiesige- Magistrat hat sich bereit erklärt, mit der Fuldaer Zeitzentrale wegen Anschlusses einer hiesigen Hanptubr in weitere Verhandlungen einzutreten,
* Weilburg, 29. Aug. 1912. In Liesen scheute« beim Ackern die Pferde des Landwirts Schnorbus. Er erhiett mehrere H u f s ch l ä g e auf den Kops unb sank tot zu Boden. >,
* Vom Eichsselde, 29. Aug. 1912. Der Ertrag der in ganz Südhannover und auf dem Untereichs- felde betriebenen Tabakkulturen ist in diesem Jahre qualitativ gleich vorzüglich. Mit dem Abblatten des Tabaks ist in diesen Tagen begonnen worden. Bald werden die meisten Häuser auf dem Lande mit dem in Schnüren gezogenen Sandblatt wie mit Girlanden geschmückt fein. Seiber ist über ben süblichen Teil bes Untereichsfeldes Ende voriger^ Woche ein furchtbares Hagelwetter niebergegangen, bas bie Erntehoffnungen stark verringert hat.
* Aschaffenburg, 29. Aug. 1912. Die Main- flöß er stehen in einem Tarifkamp s. Infolge biefer Lohndifferenzen sind sie jetzt großen Teils, ausständig. Ein allgemeiner A uS st and ist wahr», scheinlich.
land der Liebe geöffnet, und sie schaute mit lachenden Augen hinein.
Als Baldwin und Hanne die beiden so glücklich sahen, gingen sie sttll hinaus und schritten durch die Felder bis zu einem Hügelkopf, von dem ans man den Wildhof und den Rabenhof, das Dorf und bas Tal überblicken konnte. Goldener Sonnenglanz lag über allem Lande unb hüllte es in stillen, milden, herbstlichen Zauber.
„Sieh", sagte Baldwin, „das ist jetzt unser Reich, darin wollen wir herrschen wie ein Königspaar: in Wahrheit, Gerechtigkeit und Treue! — Gleich nach Neujahr werden wir Hochzeij halten — und unsere Siebe setzt.unserem Leben erst die recht: Krone auf. Und bann, wenn wir bies höchste Glück errungen haben, macht es uns wirklich zu Königen. Wir wollen aber auch im Glücke bescheiden bleiben und stets daran denken, daß wir schlichte Landleute sind, daß Bauernblut in unseren Adern fließt: Herzblut der Erde! Das macht uns stark und frei. Was meine Ahnen waren, will auch ich fein: ein echter Bauernkönig! — Und Du, Hanne, bist mein: liebe Königin!"
Sie küßten sich und erneuerten den Schwur ewiger Liebe und Treue und traten, des Glückes voll, hinein ins neue Leben!---
— Bei einem Gewitter soll mau Feuer anzünben! Man erachtet es allgemein für einen Aberglauben, wenn besonders die Landleute nach ihrer Urväter Art bei einem herannahenden Gewitter ein möglichst viel Rauch gebendes Feuer in ihrem Herde anzünben. Sie tun's in der Ueberzengung, daß dadurch der Blitz abgelenkt wird und ihr Hab und Gut vor den möglichen Gefahren verschont bleibt. Das Warum können sie freilich nicht erklären, jedenfalls hat ihnen aber die Wissenschaft bestätigt,, daß sie durchaus richtig handeln, wie ja gar manches, aber das man oftmals zu lächeln geneigt ist, bei näherer Prüfung als einwandfrei gelten muß. Di; Weisheft des Volkes gründet sich nicht auf Studien, son-
Amt Geisa und Umgebung. ?
* Dermbach, 29. August 1912. Am nächsten Samstag findet hier ein Schweinemarkt statt.
* Spahl, 27. Aug. 1912. Wir werden um Ab- druck des folgenden gebeten:
Der Bezirksausschuß im 4. Verwaltungsbezirk hat auf den Antrag der Allgemeinen Elektrizirj täts.Gesellschaft, die den ursprünglichen Monopolgedanken für den 4. Verwaltungsbezirk selbst nicht weiterberfolgt, wohl aber die Versorgung aller dazu bereiten Gemeinden des Beziries mit elektrischem Strom in Aussicht gestellt hat, in seiner Sitzung zu Spahl am 10. August d. I. beschlossen: »Der Bezirks^ ausschutz steht der Einreichung des Projektes der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft bis zum 1. Januar, 1913 entgegen. Es wird jedoch l ei ne Zusicherung gegeben, daß bis zu dieser Zeit andere Projekt», von der Konzessionierung ausgeschloffen würden, da der Bezirksausschuß in eine Beratung über diese«' Punkt erst eintreten könnte, wenn die Stellungnahme: der anderen Interessenten (Kaliwerke und Zentralen^ im Bezirk ermittelt worden ist." — Die A. E. stand offenbar auf dem Standpunkte, daß sie den Ge-^ meinden am 1. Januar 1913 nach Fertigstellung ihre», Projektes günstigere Bedingungen werde stelle« löw; nen, als die sonstigen Gesellschaften und Zentralen de»
Aus dem Nachbargebiete.
,!* Lütter, 29. Aug. 1912. Am vorigen Sonntag sand die feierliche Einweihung unserer neuen Kirche durch den bochwiirdigen Herrn Dechant Dr. Fisch e r - Poppenhausen statt. Alle Pfarrangehörigen waren freudig bewegt, als sie nach der äußeren Segnung in das geräumige Gotteshaus mit _ ein« ziehen konnten. Nach Absingen der lat. Allerheiligen- Litanei hielt der Herr Dechant eine zu Herzen gehende Ansprache, worin er betonte, daß das Gotteshaus ein heiliger Ort auf Erden sei. Hieran! feierte unser Herr Pfarrer zum erstenmal auf einem Nebenaltar das hl. Opfer. Während des ^Gottesdienstes fang der hiesige Gesangverein die Josephs- meffe von H. F. Müller. Auch unser altes aber noch stimmfestes Orgelchen, das durch den Umbau zu einer Orgel geworden ist, half das schöne Fest verherrlichen. Die Umbauten an diesem hat Herr Orgelbaumeister Butz aus Kirchhain (Oberhesien) vorgenommen und dadurch gezeigt, daß er seine Sache gründlich versteht. Die Register find gut intoniert und umgearbeitet worden. Das Orgelwerk macht ihm alle Ehre.
* Hanau, 29. Aug. 1912. In seinem 84. Lebensjahre starb hier Landgerichtsrat a. D. August Geißler. Am 1. Oktober 1879ist er von Hechingen nach Hanau an das Landgericht versetzt worden, an dem er bis zum 1. Januar 1900 tätig war. — Der Metzgermeister Abraham Ochs feiert heute in großer Rüstigkeit seinen 87. Geburtstag.
* Frankfurt a. M., 29. Aug. 1912. Die 75jäh- rige Frau Anna Brandt, geb. Schneider, wurde am Dienstag abend von zwei Damen zu einem Ausgange in ihrer Wohnung in einem Hause der Obermainstraße abgeholt. Auf der Treppe, die nicht beleuchtet war, stürzte Frau Brandt und war sofort tot. Bei Beginn der langen Abende eine ernste Mahnung: Beleuchtet die Trepp en!
* Nidda, 29. Aug. 1912. Das Amtsgericht Nidda hat die im Konkurse des Vorschuß- unb Kreditoereins Ober-Mockstadt vom Konkursverwalter eingereichte Zuschußberechnung für vollstreckbar erklärt, so daß die haftpflichtigen Genossen eine weitere Vorschußzahlung in Höhe von 2700 Mark zu leisten haben.
* Kassel, 29. Aug. 1912. In der Nähe des Grand Hotel Wilhelmshöhe st ü r z t e der dem hiesigen Hn- saren-Regiment Nr. 14 angehörende Oberleutnant v. Kleist, zurzeit kommandiert zur Kriegsakademie, mit seinem Pferde unb erlitt innere Verletzungen. Der verunglückte Offizier wurde dem „Roten Kreuz" zugeführt, wo ein operativer Eingriff sich als notwendig erwies.
* Von der Ebertalsperre, 28. Aug. 1912. Ein Teil der Bewohner der Dörfer Berich, Asel und
---- Die Schwierigkeiten der Lage in Bayern.
Der erbitterte Kampf, der gegen den FreHerm von Hertling geführt wird, hat ein wett über d, bayerischen Grenzen.hinausgehendes filterest;. Fallt der kluge und erfahrene Staatsmann, der letzt m München das Heft in der Hand hat, dann r,t es für lang; Zeit ausgeschlossen, und zwar mcht nur in Deutschland, daß ein Mmrstermm an dessen Spitze ein überzeugter Katholik steht, bte Geschicke eines Landes lenkt. Es handelt sich also weniger um eine Person, als um ein Prinzip tn diesem Kampf
Man muß zugestehen, so wird der Schles. Volkszeitung aus München geschrieben, daß die G e g u e r ihren Plan mit ungemeiner Zähigkeit und taktischem Geschick verfolgen: Sie haben ben ungeheuren Vorteil, die gewaltige Macht der liberalen unb radikalen Pr efse überall für sich in Bewegung setzen zu können, eine Macht, mit der leider die katholische Presse nicht konkurrieren kann. Sie haben die Taktik, skrupellos vorzugehen, ans Mücken machen sie Elefanten, und wenn leine Müllen vorhanden sind, so lügen sie welche hinzu! Sie haben in Bayern selbst, weniger unter den Sibe» raten als unter den Sozialdemokraten, vorzüglich gefdmlt: und erfahreneFührer, die eine gewisse Autorität auch in nichtsozialistischen Kreisen genießen, Führer, die es zuwege gebracht haben, Lau- ernbüudler und Liberale unter ihre überlegene geistige Leitung zu bringen. Es ist immer ein Fchler, ben Gegner zu unterschätzen und es muß hier ausdrücklich vor ihm gewarnt werden.
Was nun aber di: Tätigkeit des Ministeriums e anbetrifft, so ist es sehr töricht, zu verlangen, n den wenigen Monaten seines Bestehms schon Herkulesarbeiten von Freiherrn v. Hertling und seinen Kollegen verrichtet werden sollen. Als di: Herren ihre Portefeuilles erhielten, galt es zunächst für sie, den Etat im neuen Landtag zu vertreten; unb zwar unmittelbar, nachdem sie beisammen waren, setzt; die Landtagsarbeit ein; ferner aber mußten sie bie ganze Situation erst übersehen, ehe sie mit großen, weitausschauenden Plänen hervortreten können.
Es ist ganz klar, daß, wenn ein hervorragender Mann, toie Baron Hertling, der Führer einer der größten Parteien unb ein Gelehrter von großem Rus, bie Staatsgeschäfte lenkt, man anderes von ihm erwarten muß, toie toenn irgendein braver Beamter hierfür auserkoren ist. Ebenso klar ist es aber, daß, ehe Baron Hertling mit seinem kulturellen und sozialen Programm hervortritt, ehe er in großen Zügen ein Bild von seinen Planen und Absichten geben kann, ehe er auseinanderzusetzen vermag, welche Politik er auch im Bundesrat zu verfolgen gedenkt, er völlig im reinen mit sich und seinen Mitarbeitern sein muß. Er muß auch die Kräfte geprüft haben, die ihm zur Sette stehen, bevor er an die Durchführung großer Pläne geht.
Heute wird im allgemeinen genau so in Bayern regiert, wie etwa unter Podewils oder Crailsheim, die Beschwerden der Gegner sind Schaumschlägerei. 'Ader man kann gewiß sein, es ist nicht das Ideal unb nicht die Absicht Freiherrn von Hertlings, in den ausgetretenen Bahnen ruhig weiter zu schreiten, die seine Herren Vorgänger gegangen sind. Er wird sie bestimmt, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, verlassen, selbst wenn einer oder der andere seiner Herren Ministerkollegen zweifelnd seinem Beginnen zuschauen sollte.
Freiherr von Hertling weiß sehr genau, daß es eine der edelsten Aufgaben der Wittelsbacher ist, für Kun st und Wissenschaft als erste Förderer in Deutschland einzutreten, und Freiherr von Hertling ist ganz gewiß gewillt, gerade auf diesen Gebieten weit mehr noch als seine Vorgänger zu tun. Der bayerische Ministerpräsident wird es sich jedenfalls auch angelegen fein lassen, auf jede Weise den industriellen Au s s ch w u n g Bayerns zu fördern, der kommen muß, wenn der Staat auf der Höhe bleiben soll; ihm mag es sehr schwer gewesen En, den Einwürfen des Eisenbahnministers in Per asserkraftausnutzungsfrage nachgeben zu müssen; ober es werden sich Mittel und Wege finden lassen, noch ehe es zu spät ist, hierin Remedur zu schaffen. Unb vor allen Dingen wird es Freiherrn von Hert- lings Ausgabe fein, die antisozialen Pläne, t>ie ihm seine Gegner mit Vorliebe unterschieben, dadurch zu
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83] Roman von Felix Nabor.
(Schluß.)