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Zeitung

«Tuldaer i

letrter Sinnesänderung. Die Iesui

bei

Nur NbccheMn u. Öen Hess. Aemtern

# Treysa, 22. Aug. 1912. Die älteste biesige Einwohnerin, Frau Witwe Gertrud CredS, bat gestern das Zeitliche gesegnet. Sie erreichte ein Alter von 91'/» Jahren.

# Treysa, 23. August 1912. Heute nacht gegen 10'/, Uhr entstand in einer zur Anstalt .Hephcfta* gehörigen Scheune, vor der gestern Frucht aus. gedroschen wurde, Feuer, durch das diese nebst den darin lagernden Erntevorräten ein Raub der Flammen wurde. Auch soll der davorstehende Dreschkasten mitverbrannt sein. Mau vermutet Brandstiftun o.

[:] Neustadt, 23. Auq. 1912. Endlich hat auch hier ein Bäcker den Preis eines sechspfündigen Brotes von 80 Pfg. auf 75 Pffl. herabgesetzt. Hoffen!- sich folgen die anderen Bäcker nach, denn die gute Kornernte rechtfertigt ein Festhalten des bisherigen Preises nicht. — Das mächtige Gerüst, welches zur Renovation des runden Turmes nötig ist, ist bereits aufgestellt. — Herr Bürgermeister Linker wird sich in der nächsten Woche mit einem Magi- stratsmitgliede zum Ankauf zweier Original. Simmentaler Bullen für die Stadt nach Bern in der Schweiz begeben. Der Ankauf erfolgt im Anschlüsse mit der Stadt Kirchhain, da auf diese Weise an Fracht gespart wird. — Eine Aeuderuug des Fahrplanes unserer Auto-Post wird der», nächst erfolgen. Da sich die Einnahmen dieses Ver» kehrs-Jnstitutes bis jetzt günstig gestaltet haben, wird in der nächste» Zeit eine noch bessere Aus­nützung des Anschlusses an mehrere Züge der Marn- Wes«r-Bahn versucht werden. Die GememdenWillings- Hausen und Merzhausen sollen dann angeschlossen weck>en.

• Fritzlar, 22. Aug. 1912. Der in voriger Woche in der hiesigen Dechanei ausgesührte Einbruchs­diebstahl, von dem wir berichtete«, harrst noch immer seiner Anfl-ärung. lieber die Täterschaft schwirren zahllose Gerüchte umher. So werden, wie die ,Frchl. Ztt-/ schreibt, zwei hiesige Einwohner, die -ab und zu kircbent-venfte verrichten und seit dem Sonntag aus Fritzlar verschwunden sind, mit dem Einbruch in Verbindung gebracht. Wie wert der Verdacht zulrifft, ist noch nicht aufgeklärt.

Ausland.

* Der Gerichtsvollzieher im Snffragettcnhrim. In Holmwood Surrest, der Sommerresidenz von Pethik Lawrence, wurden sämtliche Möbel gepfän­det. Dor Erlös soll zur Deckung der Kosten des Sufsr a ge ti.-e nproz ess es vom Mai dienen, die nahezu 7000 Mk. betragen. Bekanntlich wurden Herr und Frau Lawrence kürzlich zu je neun Mo-

3$ 195.

Samstag den 24- August 1912-

59. Jahrgang.

5. Blatt.

ts Druck mtb vttigg »er zwdaer Idkebnteted i» MH.

Haildel mtb Jrodustriro

• RetMl, 23. August 1912. Die heutige hatte eine straffe, zuversichtliche Haltung. Dir durch die Friedensverhandlungeu m der Schweiz und die Hochkonjunktur m Industrie, .Handel und Verkehr > bedingte günstige Lage der Börse Hecks leickst Aber alle Schwierigkeiten hinweg. Auch der Kassamartt> hatte eine gute Verfassung.

90t fi ritt.

■+ Fulda, 24- AW. 1912. Auf dem heutige, Schweinemarkte waren 320 Ferkel und I Läufer ausgelrieben. Bezahlt mürben M Ferkel je «ach dem Alter 16, 19, 23 ML, für Läufer 42 M. pro Stück.

roden Gefängnis verurteilt, aber »ach kurzer Zett wieder entlassen. Herr und Frau Lawrence bcftm den sich zurzeit aus einer Automobllreise durch Kanada. ___

* Taft unterzeichnet die Panamakanallull. Als Resultat der Nachtdebatte im Senat kündigte vor­gestern Präsident Tast au, daß er die Panamakanal, bitt unterzeichnen werde, tortzdem er sie in der Form, wie sie vom Kongreß ihm übersandt wurde, nicht sympathisch finde. Der britische Geschäfts­träger in Washington verweigerte jede Erklärung da­rüber, ob Großbritannien einen neuen Protest eingelegt hat oder einlege« wird. Tatsache ist, daß die britische Regierung die amerikanische be­nachrichtigte, sie werde auf der Panamaausstellung in San Franzisko offiziell vertreten sein. Das wird als Zeichen dafür aufgefaßt, daß England Gegen­maßregeln nicht ergreifen will. Die kanadische Regierung wird demnächst Protest gegen die Pano- makanalbffl einlegen.

Deutscher Reich.

= Mit der Zeitgeschichte wenig vertraut zeigt sich das .Berliner Tageblatt'. In Nummer 405 vom 10. August erzählt e8 mit der Miene des Sm- geweihten, daß gewisse Herren ,ben altenFü rsteu von Löwenstein als Kommiffar der Katholcken- tage ab setzten — er ging dekanntllch dann ms Kloster'. An dieser Behauptung ist kein wahres Wort. 1897 und besonders nachdrücklich und un- erbitllich 1898 auf der Generalversammlung zu Krefeld stellte Fürst Löwenstein den Antrag:

D>e 45. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands beschließt die Wiedereinsetzung eines Zentralkomitees der Katholiken Deutschlands, welches die Obliegenheiten des bisherigen Kommiffars zu über- nehmen hätte, nachdem die Gründe hmweggefallen sind, welche im Jahre 1872 die Generalversammlung zu Breslau veranlaßt hatten, das Kommiffariat anstelle des Zenttei'I'komileeS einrulcn-n."

Alle Beteiligten haben damals den Fürsten, der 26 Jahre lang als Kommiffar die Geschäfte der Vorbereitung der Katholikenversammlungen mit Hingabe, Treue und Aufopferung aller seiner Kräfte geführt hatte, inständig gebeten, seinen Antrag zu- rückzuziehen. Besonders herzlich tat das der hoch- selige Weihbischof Hermann Joseph Schmitz; Fürst von Löwenstein beharrte auf seinem Vorsatze, der S a ch e w e g e n, aus eigenstem Triebe, weil eben die Geschäfte seines Kommiffariates so änge- wachsen seien, daß nicht mehr ein einzelner, sondern unr ein ganzes Zentralkomitee sie bewältigen könnte. — „Dann" ging er ins Kloster, wie das „Berliner Tageblatt" fortfährt. Es soll Wohl den Anschein geweckt werden, als sei der greise Fürst durch die „Absetzung" lebensmüde geworden, so daß er es in der Welt nicht mehr anshalten konnte. Nun, er hat wenigstens noch neun Jahre gewartet, bis er 1907 an die Pforte des Dominikanerklosters in Venlo anklopfte. Der Schmerz über die „Absetzung" wäre demnach reichlich spät gekommen.

* Eine zeuisenrätze irrumecimg In einem Artikel Mmstche Herrschaft (Süddeutsche Monatshefte, Februar 1904, 1. Jahrgang, 2. Heft) schrieb Friedrich Naumann: „So unangenehm es fein mag, Bülow hat recht: Das Jej uitengesetz muß fallen! Wir dürfen nur Gesetze haben, die jeden Staais- bürgcr in gleicher Weise treffen. Kein Katholik soll sagen können, er sei als solcher geringeren Rechtes!" — So war vor sechs (fahren ein Führer des Fort­schritts. Heute -quälen sich sorlschsittliche Blätter ab mit dem Bemühen, einet klaren Konsequenz freiheit­licher Grundsätze auSzmvLichen. (Bergt. den heutigen Leitartikel: „Dre Freisinnigen möchten sich drücken"

** Wer nicht pariert, fliegt. Nachdem bekannt geworden ist, daß der Reichstagsabg. Rechtsanwalt L a n p s b e r g-Magdeburg bei dem letzten Kai­serhoch im Reichstagssaale anwesend blieb, ob­gleich er von seinem Fraktionsgenoffen Rechtsan­walt Dr. Liebknecht zuvor dreimal zum Verlassen des Saales aufgefordert worden war, soll nach der Meldung einer Magdeburger Zeitung von Berlin aus für den Parteitag der sozialdemokratischen Par­tei in Chemnitz em Antrag auf Ausschließung Landsbergs ans der Partei vorbereitet sein. Em vom Wahlkreise Nicderbarnim beabsichtigter Antrag, dem Abg. Landsberg nur eine Rüge zu erteilen, wurde zurückgezogen.

Amt Geisa und Umgebung.

* Dorndorf, 23. Aug. 1912. Die Gewerkschaft Heiligenroda beabsichtigt die Herstellung einer An­schlußbahn und einer Rückstandshalde für ihre in der Flur Dorndorf zu errichtende Chlorkalium- und Sulfatfabrik. Eine gütliche Einigung mit den Grundstücksbesitzern wegen Hergabe des erforderli­chen Areals ließ sich nicht erzielen, weshalb die Ge­werkschaft den Antrag auf Enteignung der be- t«ffenden Grundstücke gestellt hat.

• Unteralba, 23. August 1912. Dem Schacht« arbeiter B. Simon von hier wurde am SamStag sein Fahrrad aus einem Schuppen bei seiner Woh­nung gestohlen. Auf die Namhaftmachung de« Täters setzt er eine Belohnung aus.

* Vacha, 23. August 1912. Ein Kram« und Schweinemarkt wird Hierselbst am Montag, den 26. August abgehalten.

einer Patrouillenübung der Martnefelddatteri« Mi Tamattau ertrunken.

* Ziegenhain, 28. Aug. 1912. Bei einem ®M witter, das gestern nachmittag 2 Uhr in hiesig« Gegend nieberping, traf em Blitzstrahl den Kirch­turm im benachbarten Odergrenzebach, zertrümmert» einige Fenster, ritz mehrere Steine au» der Man« und beschädigte da» Dach.

△ Marburg, 23. Ang. 1912. Der kommarnt, dierende General des 11. Armeekorps,Exzellenzs v. Scheffer-Boyadel besichtigte gestern das zu eine« Truppenübungsplatz in Aussicht genommene Gelände, im westlichen Teile «ns«es Kreises bei dem Dörfel Cyriaxweimar.

Lande verloren haben!

In ähnlicher Weise verfncht das „Berliner Tage­blatt" unter der heuchlerischen Versicherung, daß es gegen Ausnahmegesetze sei, für die Zlufiechterhaltung dieses letzten Ausnahmegesetzes und für die Abwei­sung der Milderungen Stimmung zu machen. Neuer­dings hat es entdeckt, daß der Eingabe bei bayeri­schen Bischöfe in „u n p a s s e n d e r T o n a r t" ab- gefaßt sei, eine „Diktatorenfprache" führe und „kle­rikale Drohungen" enthalte. Das sei Eigentlich keine Sprache, wie sie Leuten austeht, die etwas e r- bitten wollen". Eine schönere Fuchspredigt haben wir lange nicht gehört. Gerade das „Berliner Ta­geblatt", bo8 im offenen Bunde mit der Umsturz- partei tu der Aufhetzung gegen die Regierung und die Gesetzgebung der letzten Jahre das Menschen­mögliche gÄeiftet hat, eignet sich vortrefflich zum Lehrmeister des guten Tones, bett bittende Unter­tanen vor Minffterfesieln auzuschilagen haben. 'Dir Bischöfe richten an den hohen Bundesrat ,chie ehr­erbietige wnd eindringlich Bitte", bei der bevor- ftehendeu Auslegung und Ausführung des Gesetzes ,M»ch dem kctth Äffchen Empfinden Rechnung zu tra­ge« «ich alles auszuscheiden, was, an den Geist der Emtstehmtgszett des Gesetz^ gemahnend, in den deut­sche« KathrMen das Gefühl Ungerechter B-e- druckuu« Md Einengung ihrer religiö- f«« Betätigung erwecken müßte." Ist das

Zeit eine große Anzahl Goldstücke im Umlauf die glänzten als ob sie ganz neu waren. Bet naher« Untersuchung ergab es sich, daß dte Münze« zwar echt waren, aber drei Zentigramm zu weutg toogat, und zwar waren die Goldstücke mit Sauren bchan« dellt worden. Die Polizei fand bald den Mann, der überall diese Münzen austauschte. ES ist eil ehemaliger Postbeamter namens Petit, jex hatte kürzlich eine kleine Erbschaft gemacht und icuu Ent­lassung als Postbeamter genommen, um sich M dem einträglichen G^verbe des GoldwafcherS wid­men zn können. Er konnte auf diese Weffe j a h r- lich 30 000 Frank gewiuue« und hatte be­reits an ansehnliches Bankguthaben. Man fand chm für 8000 Frank „gewaschener" Goldstücke.

„unpassend", ist das ,chrohend?" Ct*t ist es nicht eine sehr milde Form, um für die Katholiken D«rtschlands das zu fordern, was chnen zusteht: Die Gleichberechtigung und die gleichmäßige Behandlung mit den anderen Konfeffioneu und bat Anhängern einer anderen Weltanschauung.

In der Fortschrfttspartei drohe« offenbar die kulturkämpferischen Triebe den Sttm für Frecheit und Gerechtigkeit zu ersticken.

und beschließen.

Wir glauben sicher, daß diese Ausführungen von einem bayerischen Liberalen herrühren, der vom Hasse gegen das Ministerium Hertling blind gemacht ist. Die Tatsachen sind ja geradezu auf den Kopf gestellt. Wenn die bayerische Regierung auf Schleich­wegen das Reichsgesetz hätte umgehen wollen, so würde sie nicht diesen Karen und bestimmten Aus­legungs-Erlaß herausgegeben haben. Nachdem sie ihre Auffassung von dem rechten Sinn des Gesetzes kundgetan hatte, trug sie dem „Reichsgedanken" so­fort in der loyalsten Weise Rechnung, indem sie dem Bundesrat die Entscheidung anheimstellte und Vorsorge traf, daß in der Zwischenzeit die mildere Auslegung nicht praktisch wurde. Die bayerische Regierung hat also tatsächlich bewie­st, daß sie sich dem Reiche fügen lvill und daß der Reichsgedanke chr bereits in Fleffch und Blut über- yegangen ist. Wer nun sagt, man müsse durch eine gehässige, grundsatzwidrige Abstimmung die baye­ssche Regierung für ihre korrekte Anrufung d's Bun­desrats bestrafen oder zu der bereits bewährten Tu­gend erziehen, der sucht nur einen Vorwand zur Be­schönigung seiner Sinnesänderung. Die Jesui­ten sollen oerfür büßen, daß die bayerischen Mock- liberalen die Wahlschlacht und das Regiment im

vermischter.

* Aus gekränktem Ehrgefühl ist der Ibjähnsib Lehrling eines Fabrikgeschäftes in Hohenlimburg tx Westfalen fteiwMg in den Tod gegangen. Der Junge wurde mit einem abgezählten Betrage zur Stadtkaffe geschickt, um dir Steuern zu entrichten. ?ln der Kaffe ergab sich, daß ein ZwauzigmarkMck in der Tüte fehlste. Auf die Vorhaltungen im Ge- schäft erklärte der Junge daß er zwar die Tüw unterwegs geöffnet, das Geldstück aber nicht an sich genommen habe. Die Borhaltungen gingen chm aber so zu Herzen, daß er sich am Nachmittage er­hängte. Das fehlende Geldstück war uuterdeS be- teils auf dem Wege zur Kaffe gefunden worden

* Deutsche Jachtfahrer in Dänemark bestohlen. Die deutsche Privatyackst „Falken" aus Breme« wurde während ihres Äufenchälts tu Mtddelfahtt vollständig ausgeplündert. Dte Wert­sachen, Kleider, Instrumente und das vorhanrxne Bargeld wurden, während die Besitzer dret deutsche Architekten, den Kunstmaler Snoghm besuchtm, a»ff unerklärliche Weise gestohlen. Die Jachtbesitzer machten Anzeige bei der Poltzeh dte erklarte, daß der Diebstahl nur von der Wassersette durch em Boot, das unbemerkt an die Jacht anlegte, begange»- worden sein kann. ~_.it»

* Das Ende des Marseiller SecmanusstreuS. Zwischen der Direktion der MessageriA Maritins und den eingeschriebenen Seeleuten in,Marseille sind gestern, einem Telegramm zufolgr, dte bestehende Streitigkeiten beigelegt worden. Der Verband der eingeschriebenen Seeleute hat diesem Abkommen seine Zustimmung gegeben, die Besatzungen werdtx cm Bord zurückkehren. Ministerpräsident Pomcavk wird die Schiedsrichter ernennen, deren Cntschü- dnna sich die beiden Parteien beugen Werd».

♦ Die „Geldwäscherei" de» Postbeamten. In

v Die Freisinnige« möchte« sich drücke«.

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Meiningen oder Hoff des bekannten kulturpaukert- sck-u Raucholdes. Darum werden m der fteistum- ten Presse neuerdings Vorwände vorgeschoben, die ;>ie Verleugnung der Parteigrundsätze bei der näch­ten Abstimmung über das Jesuttengesetz „recht- ertigen" sollen.

In der „Berliner Morgenpost" wird z. B. in einer Weise, die man nach dem Sprachgebrauch un­serer Gegner „jesuiüsch" nennen könnte, das „Vor­gehen" der bayerischen Regierung" als Grund angeführt, weshalb der Reichstag jetzt anders beschließen müßte, als bei der vorhergehenden Ab­stimmung, entgegen seiner früheren Ueber- zeugung. Der bccherische Erlaß, fo heißt es da, set und bleibe nichts anderes, als eine Umgehung des noch zu Recht bestehenden Reichsgesetzes; ein Be­schluß auf Aufhebung dieses Gesetzes würde jetzt aus- fehen wie eine Unterstützung jener bayerischen Elemente, denen der Reichsgedanke noch toentg in Fleisch und Blut übergegangeu sei. Diesen Ele­menten müsse man zeigen, daß sie sich dem Reiche zu fügen haben. Wenn die Gewähr vorhanden sei, daß Herr von Hertling nicht mehr Settensprünge nm die Gesetzgebungshoheit des Reiches machen werde, so könne man wieder über die Sache reden

Baldwin betrachtete den Fund und lächelte. „Mein guter Alter", sagte er, „ich glaube nicht an den Königsschatz — und ich brauche ihn auch nicht!" Und ans die von Wilm ausgegrabenen Gegenstände deutend, fuhr er fort: „Stehst Du, toh der Rost sie zerstört hat? — Metrien Königsschatz, Wilm, den kann fein Rost verzehren! Das beste Schwert ist meine Kraft, der stärffte Schild mein Glaube und mein Gottvertrauen. Das lairterfte Gold ist die Treue, die ich meinem Gotte, mir selbst und den Menschen halte. Auf diese drei goldenen Säulen stelle ich mein Leben und meine ganze Zukunft."

Wttm verstand nicht ganz, was Baldwin meinte. „Aber der Königsschatz fft es doch?" fragte er.

„Nein, Wilm. Du hast so etwas tote ein Hü- o-engrab entdeckt, einen Ort, too ehemals die Helden des Volkes ht großen Steingräbern mit chren Waf­fen und ihrem Schmuck bestattet wurden. Vielleicht war es -einst ein Valkskönig, deffen Staub zwischen den Steinen modert — auf alle Fälle ist das Grab viele hundert Jahre alt, stammt am Ende gar aus der Keltenzeit. In diesem Sinne hast Tu freilich einen „Königsschatz" aesunden. Aber er hat keinen großen Wert — höchstens historischen. Es toiti) das beste sein, ich schenke ihn entern Museum."

„Nein doch, nein!" rief Wilm erschrocken. --- „Solch einen Königsschatz verschenkt man nicht! —- Den muß man heilig halten in der Familie — das bringt gewiß Glück."

Auch Ev, Frau Regine und an ihrem Arme der Wildhofer waren herzugetreten, um den Fund zu betrachten. Baldww sagte: ^Heftiges ist gewiß nichts an dem Schatze, weil -er aus- der Heidenzett stammt. Aber ein Gutes hat er doch. Er ist ein Sinnbild der alten Kraft rmd Treu: des Volkes; anch diese sollen sich aus dem Grabe erheben und im Lande herrschen. Wir wollen den Schah in unserer Familie hüten wir einen ehrwürdigen Hort. Er sei unS ein Sinnbild deutscher Kraft, festen Glaubens und steter Treue! Solange diese heiligen Güter im Bauxrnstand hochgchalten wer­den. kann er nicht untergehen, sondern muß blühen

WauernMut.

77 Roman rwrt Felix Rabot.

„Wertzt Du das fo gewiß? — In den Amerika­ner ist ran der Satan gefahren — und unmenschlich Glück hat er auch! Natürlich, wenn einer so mords­mäßig v-i ’l Geld hat. Du, das sperrt alle Türen onf!"

Baldwin antwortete nicht. Das war zu der alten «ine neu», schwere Sorge. Daran mochte er gar nicht denken'! — „Kamm, laß uns arbeiten!" sagte er rrnd griff mit beiden Händen zu. „Arbett ist der beste Sorgenbrecher!"

Wttm aber dachte unaufhörlich an den versirn- kenen „Königsschatz". „Ich muß ihn finden," dachte er, ,chasi mein Herr aus der Not gerettet wird. Sonst geht er noch in Sorgen unter."

Und nun entfaltete er -eine gcheinmisvolle Tä- tigkett. Jeden Abend, wenn dir Arbett getan war, stapfte er sich feine Pfeffr, setzte sich mtf die HauS- brmk und Mes den Ranch m die Lust. Aber eS kitt khn nicht lange da. „Ich will noch einen Gang machen und eine Handvoll Lust schnappe«," sagte et dann zu Ev, die ihm meistens GeseKschast feüftet».

„Der alte Wilm ist Wohl mondsichtig geworden," spottete dann Ev und stimmte ein Lied an. Sie ü>ar jetzt immer fröhlich, seid sie Braut war, und fang am Morgen und am Abend mit dm Vögeln «m die Wetts<

Wilm ging dann der Wüste zu, erft gemächlich und dann immer schneller und schneller, bis er den 2z®® erreichte. Dort holte er eine verborgene Hake Dickicht und grub und grub — • ® ^®n versunkenen Königsschatz! —- Stttb- Abends trat er triumphierend in die nun hab i^^Enhofes. „Baldwin", rief er, „schau,

Er leate-^^^""^sschah doch gefunden!" den Sckild und ?;®rtoft^e§ Schwert, einen zerfalle- Tas bab ick i« ?nen Soldenen Reif auf den Tisch.

- Ersentsche mtt den Goldimkaten siegen!"

und erstarken, muß das unerschütterliche Funda­ment sein für.Kirche und Staat! Und daß es immer so bleibe: das walle Gott!"

Sie blickten alle voll Bewunderung auf Bald­win der in seiner frischen Kraft so recht das männ­lich-schöne und starke AbMld eines echten, stolze« Bauern wat.

Am folgenden Tage erhielt Baldwin etnett Brtef fernes Rechtsanwalts, worin er aufgefordert wurde, so bald als möglich in die Stcidt zukommen, um nochmals eingehend den Prozeß zu besprechen, der eine für ihn ungünsttge Wendung zu nehmen drohe. Trotz der drängenden Arbeit machte sich Baldwin am Mittag auf deb Weg. Aller Groll und alle Bit- terkett, die sich in ihm während des Kampfes, den fern Onkel geaen ihn führte, angesammelt hatten, stiegen einer heißen Welle gleich in ihm -empor und drohten ibn zu ersticken. So war es also wirklich währ, daß der Amerikaner ihn und sein Geschlecht bis aufs Meffer bekämpfen und vernichten wollte? Daß f»nt menschliches Gefühl des Mitleids in seiner Brvst wohnte, daß es Leben um Leben, Blut nut Blut ging? — Das war schrecklich. Die heisigsn Bande des Blutes, die zwischen den nächsten Anver­wandten bestehen und sonst im Leben Liebe, Ver­trauen, Freundschaft, innigen Zusammenschluß der Famtliengliedet erzeugen und Opfer fordern und gewähren, waren hier zerbrochen; d:t eine Zweig W alten Bauerngeschlechtes warf sich zum Rächet an dem andern auf, Bmternblut, kämvste gegen Bauern« und Bruderblut, bis der eine Zweig vet- mchtöt toer und untergeben mußte. Konnte der Zchnmel ein solch etttsetzliches Schauspiel dulden? Müßte der Sohn büßen, was der Vater gefehlt hcttte? Gab es keine Gerechtigkeit, welche diesem mordet ischen Derttlgnngskantpf ein Ende machte?

Baldwin fühlte," daß ein solcher Zweikampf, btt dem H«ß und Rachsucht die Waffen führten, etwas Unnatütsiches und Frevelhaftes war. Und während er zu Tal stieg und das vergoldete Kren; auf bet Spitze des Kirchturmes erblickte, stieg ein milder, veisöhnendet Gedanke in ihm empor. —> „Hier tagt das Krem, das Zeichen der Erlösung, der Liebe und

des Friedens in die Luft," sagte er sich. ,;@8 prÄägt Milde nnd Versöhnung — wir aber, Sprossen des­selben Blutes, zerfleischen uns wie Raubtie-ee. Auf beiden Setten Legt eine Schuld: «ein Batet fiin- digte an bet Grete, mein Onkel sündigte an meinem Vater! — Ich, bet Schuldlose, bht zwischen zwei Mühlsteine geraten, die mich zermalmen wollen. Den Kampf fürchte ich währlich nicht, noch glaube ich, daß eS dem Onkel gelingen wird, mich von Gan« und Hof zu vertreiben — dazu bin ich doch zu stark. Wer ich fürchte das Herzblut, das bä diese» Kampfe auf beiden Setten stießen «nd die Sorge« und Schmerzen, die Angst und Unrast, bie er für meine Eltern tm Gefolge haben wird. AuS diesem Grunde senke ich bte Waffen und ersehne einen bil­ligen Frieden — cker wenigstens einen ehrlich«»' WaffenstUsttmd."

Mtt saft übermenschlicher Anstrengung kämpfte er allen Zorn ,alle Erbitterung und allen Haß gegen seinen Onkel nieder und legte sich daS schwerste Opfer «nf, das ein freier, stolzer Mann bringe« kann: das der Sübftbezwmgung. i

„Ich will als Friedensbote zu meinem Onkel gehen und thrn die Hand zur Derföhnung Hetero nicht mn eines Vorteiles willen, den ich für mich daraus erhoffe, sondern weil mich dieser Bruder« kampf aufs tiefste schmerzt, weil ich den alten Haß auslöschen und Frieden haben will."

Mit diesem Vorsatze betrat er das Dorf. Hie? traf er die Leute in heftiger Erregung. Sie sta-tdeX in Gruppen beisammmen und besprachen ent Ge­rücht, das in Umlauf gesetzt worden wat. ohne daß einer zu sagen wußte, woher es stammt. Wer ei war da, -es schwebte wie ein Gewitter in bet Lust es drohte wie -ein Blitzstrahl aus blauem Himmelt Tie Wollfahrtskapelle —- so erzählten sich die Leut« -- würde auf Befehl der Regierung geschloffen, bi- eine endgültige Entscheidung getroffen sei. Kem Gottesdienst dürfe mehr gehalten, leine Wallfahrt veranstaltet werden. Niemand dürfe die Kapell-r be­treten, die Umgebung sollte strenge abgesperrt wer­den. (Fortsetzung ^olgt-j