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SetetteNsbret n. Verlag »er falbatf Actienömckerei LZsibft

Serasprecher Br. »

189.

Erstes Blatt.

Fulda, Dienstag den 20. August 1912.

39. Jahrgang.

d

ein gemeinsames Vorgehen mit Tolmatscheffs Ab» teilung gegen dieSchahs evennen in nördlicher Richtung, wenn dieser die Reiterei der Hodschanodiali voll­ständig zerstreut haben wird.

Aus Rirche und Schule.

□ Fulda, 20. August 1912. Der Hochw. Herr Erzbischof Schuler ist heute mittag im Kloster auf dem Frauenberge eingetroffen und wird dort einige Tage wohnen.

A Gefrierfleisch.

Der Tierarzt Dr. Schellenberg-Zürich hat iut Heft 2 des „Schweizer Archivs für Tierheilkunde" eine interessante Arbeit über die die weiteste Oef- fentlichkeit interessierende Gefrierfleischfrage ver­öffentlicht. Der Verfasser hat große Mengen des in die Schweiz eingeführten Gefrierfleisches in der Praxis auf seinen Wert oder seinen Unwert zu prü­fen gehabt, und er hat die Gelegenheit benutzt, ein­gehende wissenschaftlich; Untersuchungen darüber anzustellen, ob und welche Veränderungen durch den Gesricrprozeß am Fleisch überhaupt entstehen, sodann, ob und welche Veränderungen das Gefrier­fleisch erleidet von dem Augenblick an, in dem es in den Handel kommt, bis zu dem Zeitpunkte, in dem es verzehrt wird. Diese Untersuchungen haben ergeben, daß durch den Gefrierprozetz das Flusch so Wohl an Geschmack als auch an Nähr­wert wesentlich beeinträchtigt wird. Herr Dr. Schellenberg berichtet über die Erfolge der bis­herigen Gefricrfleischeinfnhr:

Landesbote' erbringt in seiner Nr. 179 den Beweis, daß sich daS fortschrittliche Maul noch bedeutend er­weiterungsfähig erwiesen hat.»

Damit ist doch ganz sicher der Beweis erbracht, meint die „Süddeutsche National!. Rott", daß der badische Großblock ein natürliches, politisch gesun­des, homogenes Gebilde ist, die Krone der Schöp­fung mit einem Wort.

4- Das liberale Wahlabkommeu in Württem­berg. Es ist bereits des öfteren darauf hingewiesen worden, daß der Hauptzweck des Abkommens zwi­schen Nationalliberalen und Freisinnigen in Würt­temberg darin liegt, die rechtsstehenden Parteien und das Zentrum zu bekämpfen. Das gesteht nun auch in d:r „Vosfischen Zeitung" „eine mit den württembergischen Parteiverhältnissen genau ver­traute Seite" zu, indem sie schreibt:

„Eine andere Frage ist die, ob durch das Abkom­men große Parteiverschiebungen im künftigen Landtage möglich sind. Diese Frage muß verneint werden. . . . Daß es darauf ankommen wird, im zweiten Wahlgange möglichst eine schwarz-blaue Mehrheit zu verhindern, eine Gefahr, die schon bei Verschiebung von 5 bis 6 Mandaten droht, ist im Hinblicke auf die dem neuen Landtage vorzulegenden Gesetzesvorlagen (Gemeindesteuerreform, finanzielle Trennung von Staat und Kirche) auch von sozialdemokratischer Seite des öfteren als eine Notwendigkeit anerkannt worden. Bis dahin aber ist es noch weit; fürs erste kommt es für den Liberalismus darauf an, schon bei der Haupt­wahl recht gut abzuschneiden, damit er sein Votum bei der endgültigen Entscheidung der Dinge recht machtvoll in die Schale werfen kann."

Und bei der endgültigen Entscheidung der Dinge wird der gesamte Liberalismus in vollkommener Harmonie mit der Sozialdemokratie gegen rechts marschieren. Schon im Hinblick auf die von den Liberalen und Sozialdemokraten geplante Trennung von Staat und Kirche sollten die Parteien, die Gegner dieser Trennung sind und gegen die sich die der liberal-sozialdemokratisch: An­sturm richtet, zu kraftvoller gemeinsamer Abwehr sich rüsten.

* Stuttgart, 19. August 1912. Wie nach der .Köln. Volksztg.' in parlamentarischen Kreisen ver­lautet, wird der Landtag im Oktober zu einer kurzen Tagung einberufen, worauf er aufgelöst werden wird. Die Neuwahlen werden dann sofort ausgeschrieben, so daß noch vor Weihnachten das ganze Wahlgeschäft beendigt sein wird.

--- Die türkischen Wirren.

Das provisorische Gesetz, das den Mllttärs und den Jivilbeamten, welche an den Vorgängen in den Wilagets Koffovo, Monaftir, Skutari und Janina vom Mai bis Mitt: Juli beteiligt waren, eine Amnestie gewährt, ist vom Sultan sanktioniert worden. Die Amnestie hat nicht vermocht, die un­gebärdigen Albanier zu einem schnellen Friedens­schluß zu bewegen. Sie fordern, sowest auch die Wünsche der verschiedenen Landschaften auseinander gehen, vor allem dir unbedingte Auslieferung der ihnen ftüher abgenommenen Waffen. Ohne dies Zugeständnis dürfte die Pforte kaum der aufftän- dischen Bewegung Herr werden. Um ihren Forde­rungen Nachdruck zu verleihen, marschieren die Aufrührer direkt gegen Saloniki. Auf dem Wege dorthin haben si: bereits die Plätze Köprulü, Jschtrp und Kotschana besetzt. Der Friedenskommiffar der Regierung weilt in Uesküb, um mit den Führern der Aufständischen zu unterhandeln. Obwohl sich dort 21 Bataillone befinden, befürchtet man einen Sturm auf das Waffendepot. Es verlautet sogar, daß die Aufftändischen sich mft der Absicht trügen, Abdul Hamid zu befreien und wieder auf den Thron zu setzen.

Statuts zum Schutze de» Ortsbild» zu geben. Stv. Kircher al» Mitglied der SBeafct kounniffiou meint, daß die Mehrzahl der Mitglieder der Baukommission einem solch»« Statut ablehnend gegenüberstehen, weil dadurch die Machtbefugnisse der Baupolizei erweitert würden. Die» sei nicht toüw sehenswert. Der Oberbürgermeister: Die Er» mächtigung der Polizei wird durch ein »Gesetz gegen die Verschandelung» nicht erweitert werden. In strid, tigeu Fallen werde» immer die Sachverständigen ge­hört werden müssen. Redner bittet, in dieser ftrage baldigst Stellung zu nehmen, da die Regierung de» Erlaß eines derartigen Statuts wünsche. Der Antrag Adam wird angenommen, ebenso werde» dft Kosten der Transformatorenstation nebst Bedürfnis, anstatt und Feuerwehrdepot vorläufig bewilligt^

8. Einstellung von 1000 Mark für ReNamezweck^ Zum Zwecke der Vergebung von Propagandainserate» für die Stadt Fulda namentlich an Zeitschriften solle» 1000 Ml. bereitgestellt werden. Die» sei eine Forde­rung der Zeit, um den Fremdenverkehr und sonstige» Zuzug muh Fulda zu lenken. Wie der Referent, Stv, Adam, mitteilt, sind vom hiesige» Verkehrsverei» bis­lang fast täglich 2—8 Broschüren über Fulda von Interessenten verlangt worden. Dem Verlangen konnte leider bisher nicht entsprochen werden. Der Derkehr»- verein wolle nun aber im Laufe des Winters eine Werbeschrift für Fulda in einer Auflage von 10 000 Stück erscheinen lassen, die in ganz Deutsch, land Verbreitung finden sollen. Auch diese Werbe­schrift sei der Unterstützung durch die Stadtverwaltung würdig. Oberbürgermeister Dr. Antoni: Früher hat man über Fulda die Achsel» gezuckt. Aber heut« erkennen zahlreiche Leute an, daß Fulda an Sehens­wertem überaus reich ist. Diese Anerkennung mutz ta bic breite Oeffentlichkeit getragen werden durch eine wirksame Reklame, wie sie z. B. auch Kaffe! in grotz- zügiger Weise betreibt. Woran die Stadt Fulda äuge» blicklich krankt, ist die geringe Zunahme bet Bevölkerung. Deshalb mutz er uns gelingen, di« große Oeffentlichkeit auf unsere Stadt auftnerffam zu machen. Damit wird allen Erwerbsständen in Fulda gedient und damit erscheint die Ausgabe für eine wirk­same Reklame auch sehr gerechtfertigt. Der Antrag wird einstimmig genehmigt.

4. Bewilligung einer Vergütung den 100 Mark pr» Jahr au» der Friedhofskaffe für die Leichenfrau. Bis­lang bezog die Leichenfrau Wiegard für jeden Fall chrer Tätigkeit 2 Ml. Gebühr. In letzter Zeit ist ein Teil ihrer sonstigen Einnahmen in Wegfall gekommen, da das Einkleiden der Leichen nunmehr auch von and«, ren Personen vorgenommen werden darf, wenn die Todesursache nicht eine ansteckende Krankheit ist. 3» den letzten Jahren hat die Stelle nachweislich zirka 100 SRI. weniger eingebracht als früher. Eine Er­höhung der Gebühr ist nicht empfehlenswert, da b« Beerdigungskosten für minderbemittelte Leute schon jetzt hoch genug find. Daher soll die Stadt 100 ML Zulage gewähren. Der Oberbürgermeister befürwortet warm diesen Vorschlag. Die Zulage wird einstimmig bewilligt.

5. Bereitstellung do» Mitteln zur Unterstützung von Jngendvereinigunge». Der Referent Prof. Vollmer weist auf den Umfang und auf die bisherigen Erfolge' der Jugendpflege hin, die auch in dem kleinste» Ort Aufnahme gefunden habe. Auch in Fulda werde der Frage großes Interesse entgegengebracht. Die Samm­lung der Jugend sei hier auf konfessioneller Grundlage erfolgt. Das sei auch zweckmäßig, den» mit körperlicher Jugendpflege allein sei eS nicht getan.. Die geistigen Bedürfnisse der Jugend seien noch weit mehr der Fürsorge bedürftig. Lharccktervolle Manner seien auch nur von einer Erziehung zu erwarten, di« die Religio» zu Grundlage wähle. Die in unseres

* Der Landtagsabgeoebnete Euler, Kunsttischler- meister zu Bensberg (Bez. Köln) feiert heute seinen 7 0. Geburtstag. Jakob Euler gehört deni Abgwrdnetcnhause fett 1894 als Vertreter des Wahlbezirks Saarburg-Merzig-Saarlouis an, und zwar als Mitglied der Zentrumspartei. Er ist in seinem Berufe nicht allein praktisch, sondern auch als Schriftsteller, namentlich inbezug auf das Fach- und Fortbildungsunterrichtswesen und die Innun­gen, tätig gewesen. Der Jubilar hat auch die Feld­züge 1866 und 1870/71 rnitgemacht.

0 Wen» mau Polensreund ist. Dem Lehrer Sagner in Schönherrhmrfen (Pofen) wurde seine Versetzung angekündigt, weil er „den Erwartungen nicht >rntsprochen habe" und weil Sagners Vater sein Besitztum an einen Polen verkauft habe.

a Wegen Beleidigung des Offizierkorps wurde der Vorsitzende der sozialdemokratischen Partei in Sachsen, Landtagsabgcordneter S ui der mann vom Dresdener Schöffengericht zudreiMonaten Gefängnis verurteilt. Er war beschuldigt, das preußische und das sächsische Offizierkorps in einer Versammlung dadurch beleidigt zu haben, daß er ihnen unsittlichen Verkehr mit Mannschaften vor­warf. Ferner hatte er gesagt, Heer und Marine seien auch nur Bersorgungsaustalteu für solche, di« feinen anderen Beruf ergreifen wollten oder über­haupt nicht Luft halten, zu arbeiten.

® „Religion ist Privatsache." Die sozialdemo­kratischen Organisationen, die gegen diesen Satz des Erfurter Programms Einspruch erheben, meh­ren sich. Der sozialdemokratische Vertin E l b e r - selb-Barmen nahm mit 100 gegen 74 Stim­men folgenden Antrag an, der dem Chemnitzer Parteitag unterbreitet werden soll:

-Der Parteitag erfncht die Organisationen, neben den Protesten gegen die wirffchaftsiche und politische Unterdrückung auch mehr als bisher Protest zu er­heben gegen die Unterdrückung, Ausbeutung und Geistesknechtung des Volkes durch die Kirche. Beson­ders muß dagegen protestiert werden, daß die Kinder des Volkes zur Teilnahme an einem Religionsunter­richt gezwungen werden, bet mit den Ergebnissen der Wissenschaft in schroffem Widerspruch steht. Als wirk­samste Folge des Protestes empfiehlt der Parteitag allen Parteigenossen, die innerlich mit der Religion gebrochen haben, den Austritt aus der Lan- deskrrche.-

Unter den badischen Großblockbrüdern scheint ö« herrschen. An die Adresse m ^wnalttberalen schreibt die fortschrittliche

Volkszeitung" ln Freiburg:

Tn, Und bie baoildjen Na'ionalliberalen libe- m!tT; die rm Norden. Wäre das anders, so würde «aebV±ftHtVa3 Beispiel der Großblockpolitik bett *bn nationalliberal, b. h. nicht un- SelbU $emnf är?3 ” Derlei Sachen, bleiben sie doch- undSosialdemvkraien liegen sich der sozialdemokratische

£ m »roßblockvizebirettorS

Abg. Kolb, an die Adresse der Fortschrittler 30 di- Brust, 80 über's CTtÄtto« »" vor wenigen Tagen bei den Herren von bet Fort- schriitsparlei, aber - wir müssen gestehen — beute Stimmt die Rechnung bereit» nicht mehr, benn der

Der türfische Ministerrat erwägt deshalb dir Ueberführung Abdul Hamids von SalonR nach Konstantinopel. Wahrscheinlich soll Abdul Hamid in dem reizenden kleinen Palais von Beglerbeh am Bosporus, gegenüber von Dolmabagtsche, in dem einst die Kaiserin Eugenie und Kaiser Friedrich als Kronprinz von Preußen bei seinem Besuche Kon­stantinopels gewohnt haben, interniert werden.

Die Schwierigkeiten, in denen sich die türkische Regierung befindet, haben sich durch die Grenz- ko n f li k t e mit Montenegro und Bulgarien wesentlich vermehrt. Bulgarien hat sich zur Unter­stützung seiner Forderung —- Untersuchung der Metzeleien in .Kotschana und Bestrafung der Schul­digen — an die Großmächte gewenoet; ob mft Er­folg, ist noch nicht bekannt. An der Grenze von Montenegro gehen di: Plänkeleien Wetter. Neuer- dings hat bei Beran ein. Zusammenstoß ernster Natur zwischen Christen und Muselmanen stattge­funden. Die türkischen Truppen haben dabei für ihre Glaubensgenossen Partei genommen, während andererseits eine Anzahl von Montenegrinern über die Grenze kam, um den Christen beizustehen. ES wurden etwa 20 Christen getötet, mehrere Kirchen verbrannt. Auch die Türken haben einige Verluste erlitten. Die Großmächte haben sowohl in Konstantinopel als auch in Cetinje zur Ruhe und Besonnenheit gemahnt.

Alles in allem diktieren derzeitig die Albanesen unbestritten das Schicksal der Türkei. Die Haltung der Regierung ist mehr als schwächlich. Damad S ch e r i f, der neu ernannte Minister des Innern, der ein energisches Vorgehen vergeblich forderte, ist wieder zurückgetreten.

Stadwerordnekn-versammlung.

££ Fulda, 20. August 1912.

Au bet gestrigen Sitzung der ©tabtoero ebneten- Versammlung nahmen 23 Mitglieder des Kollegium» teil. Der Magistrat war durch den Oberbürgermeister Dr. Antoni vertreten. De» Vorsitz führte der Stabt- Verordnetenvorsteher Juftizrat Gegenbaur.

Der St. Jofephsverei» kath. Arbeiter labet, wie bet Vorfchenbe einleitenb bekannt gibt, bie Stadtverorbneten zu seinem 25jährigen Stiftungsfeste ein. Der Vorsitzende gibt der Erwartung Ausdruck, daß sich angesichts des überaus löblichen Zweck» de» Vereins zahlreiche Mitglieder? des Kollegiums an der Feier beteiligen würden.

1. Annahme einer weitere» Schwester für bas hl. Geist-Hsspital. Die bisher tätige» 14 Schwester» können die immer wachsende Arbeit im hl. Geist. Hospital nicht mehr bewältigen. ES soll daher eine wettere Schwester angestellt werben. Dadurch würde» 120 Mk. Mehrkosten entstehen. Diese werde» bet willigt.

2. Errichtung eine» Transfvrmatoreu-Turme» in Verbindung mit einem Bedürfnis-Hänschen und Feuer» Wehr-Depot in de» Anlage« zwischen Leipziger- und Nicsigerstraße. Vom Elektrizitätswerk find für bie nottoenbigen Transformatorenstationen mehrere Plän« vorgelegt worben, bie jedoch de» Beifall der Elektri- zitätskommission nicht durchweg gefunden habe». E» ist nun vorgeschlagen worden, den in bat Anlage» zwi­schen Leipziger» und Niesigerstratze anzulegente» Transformtorenturm in einem Gehäuse unterzubrtt», gen, das gleichzeitig ein Feuerwehrdepot unb eine Bv- dürfnisanstalt unterbringen könnte. Das Elektrizitäts­werk würde für den Ban mit 1800—2000, bie Stadt mit 5500—6000 Mk. heranzuziehen Jein. Für da» Feuerwehrdepot ist schon ein Fonds vorhanden; größere Kosten sollen aus de» lleberschüssen gedeckt werden. Außer dem in der Vorlage in Frage stehenden Trans­formatorenhäuschen sind weitere Stationen vorgesehen Er das Abts tot, für de» Luckenberg (i» dem Wnckel

8 Berta'fchen Anwesens), unb ein viertes für den alten israelitischen Friedhof an her Rhabannsstvah^ Diese drei letzten Stationen werben lediglich den Zwecken bei Elektrizitätswerkes bienen. Aus her Diskussion heraus stellt Stv. Äbam den Antrag, bie Baukommift fio» zu ersuchen, biSzurnächstenSitzung Ht* kunft über bat Stand her Frage eines

Mit großer Spannung war der Verkauf dieser Fleischforte von allen Kreisen des schweizerischen Volkes, hauptsächlich aber der Städte- und Arbrtter- bevölkerung, erwartet worden. Der Absatz ging aber beim Eintritt wärmerer Jahreszeit stark zurück, unb tnf Laufe des Sommers hielt nur noch ein Metzger tn Zürich diese Ware feil. Mtt Eintritt des Win­ters 1911 trat erneut der Ruf nach behördlichen Maßnahmen zur Sinbentng der Teuerung auf. In Zürich Übergaben die Stadtbehörten den Gefriw- fleifchverkauf dem Metzgern,eisterverein mit der Verpflichtung der Abgabe znm Preise von 0,60 bis 0,90 Francs mtt Knochen und 1—1,50 Francs ohne Knochen für das halbe Kilogramm. Die ersten Wintersendnngen fanden wiederum guten Absatz, doch rasch geriet der Vertrieb erneut ins Stocken. Erkundigte man sich nach ter Ursache, so erhielt man stets die Antwort, daß der widrige Bei­geschmack oder das Herausfließen des Fleffchsaf- tes, die geschmacklose Suppe, die trockene, strohige Fleischbeschaffenhett und der tat Verhältnis zur Qualität hohe Preis für eine weitere Verwendung im Haushalte nicht günstig fei. Im eigenen Haus- haus angestellte, objektive Versuche konnten diese Angaben bestätigen. Wer einmal die Zersetzungs­stoffe im Gefrierfleisch gekostet hat, kauft nicht wie­der, namentlich der Arbeiterstand ist vom Verbrauch des Gefrierfleisches abgegange« und wählt lieber die billigeren frischen Fleischsorteu. Die Metzger­meister geben an, daß am wenigsten die unteren Klaffen Abnehmer des Gefrierfleisches find, viel­mehr sind dies der Mittelstand, Kostgebereien und Wirtschaften. Gleiche Angaben erfährt man auch aus der Tagespreffe. In der Stadt Zürich nimmt dementsprechend auch der dritte Stadtkreis, in dem vorwiegend Arbetterbevölkerung wohnt, mit nur einem Drittel an dem Gesamtkonsum der Gefrier» fleisches teil, und diese Zahl geht noch fortwährend zurück."

Der „strohige" Geschmack des Geftierfleisches er­klärt sich dadurch, daß ter Fleischsaft verloren geht. Dieser enthält aber gerate die Bestandteile, die den würzigen Geschmack frischen Fleisches ausmachen, nämlich die anorganischen Fleischsalze, die Muskel» und Blutfarbstoffe und gelöst» Eüveißstoffe.

Diese Unrftönte sprechen wohl wenig für die Einfilhr des Gefrierfleisches. Dazu find die Preis« derart hoch, daß mau für dieses oben angegebene Geld frisches Fleisch von fast derselben Menge er­halt.

Deutsches Reich.

»* Berlin, 19. Aug. 1912. Das Kronprinzen- »aat ist von Hopfreben nach Danzig abgereist. — Prinz Heinrich von Preußen trat heute abend 8 Uhr 50 die Reise nach Japan an. In der Begleitung des Prinzen befinden sich Hofiuarschall Freiherr v. Seckendorff, der persönliche Adjulant Kapiiänleutnaut Tyßka und der Leibarzt Marine» stadsarzt Dr. Bilfinger. Bo:n Kaiser sind dem Priuzen beigegeben: Der Kommandant von Berlin Generalleutnant v. Böhm und Korvettenkapitän Köhler vom Asmiralstab der Marine.

’ Tie Eingabe der bayerischen Bischöfe nm Auf­hebung des JffuittngesttzeS ist dem Bundesräte zu- gegangen. Sie ist vom 16. Juli ds. Js. datiert mrd der zuständigen Stelle am 25. Juli unterbreitet Worten. Der /Bayerische Kurieri hat sie gestern veröffentlicht. Sie tritt in erster Linie für die Auf­hebung des Jesuitengesetzes in kurzen Worten ein. Falls aber diese nicht zu erreichen ist, tritt die Ein­gabe in eingehender Darlegung für den baye­rischen Jesuitenerlaß vom 11. März d. I. ein, welcher mit seiner Definition des Begriffs .Ordenstätigkeit" der kirchlichen Auffassung ent- spreche.

X Die Reichskinnahmen haben im Juli d. I. ein etwas befferes Ergebnis als in den vorher» gehenden Monaten gezeitigt. Die Gesamteinnahme seit Beginn des laufenden Etatsjahres stellt sich auf 541,39 Millionen Mark. Nach dern Vor­anschlags wurden auf vier Monate des Etalsjahres ein Betrag von 539 Millionen Mark entfallen.

^4-' Zur Deckung der Wehrvorlagen. Nach Blät- ktzrmeldungen wird der nächste Reichshaushalt eine -erste Rate der sich auf rund 25 0 Millionen Mark belaufenden Ueberschüffe des Jahres 1911 zur Deckung ter neuen Wehrvorlagen verwenden. Es wftd zu diesem Zweck ein enffprechender Betrag in ter Einnahme des Haushalts erscheinen. Seine Höhe durfte zurzett noch nicht seststehen, jedoch ist diese mit dem Betrage der einmaligen Ausgaben der Heeres- und Marinevorlage für das Jahr 1913 von 74 Millionen Mark begrenzt.

* Weiterer Rückgang der Militäriauglichkeit. Die schon seit Jahren beobachtete Abnahme der Tauglichkeft deutscher Militärpflichtiger hat auch im letzten Jahr nicht nachgelaffen. 'Nach „Loebells Jahresbericht über das Heer- und Kriegswesen" waren von je hundert endgültig Abgefertigte taua- !ich im Jahre 1907: 54,9, 1908: 54,5, 1909: 5.3,6, 1910: 53, 1911, 52,9 Prozent. Di: gesunde st en Militärpslichtigen weist Elsaß mit 66,7 Prozent auf. Dann kommt Ostpreußen mit 63 und West- preußsn mit 61 Prozent. In induftriereichen Gegen­den und Provinzen mtt viel großstädtischer Bevölke­rung ist naturgemäß der schlechteste Stand der Militärtauglichkeit festzustelleu. So ergab Schlesien 47,8 und Brandenburg einschließlich Berlin 42,1 Prozent Taugliche.

Ausland.

** Der Krieg um Tripolis. General Caneva ist aus Gesundheitsrücksichten von dem Oberkom­mando über die italienischen Truppen in Tripolis entbundeu und als sein Nachfolger General Ragni ernannt worden.

** Präsident Tast und di« Panamakanalbikl. Da» Repräsentantenhaus in Washington hat den Bericht der Kommission beiter Häuser über die Panama- kaualbill angenommen. Präsident Tast erflärte, die Bestimmung, daß amerikanisch« Schiffe gebühren­frei fein sollen, würde den Vereinigten Staaten wahrscheinlich Schwierigfetten bereiten^ er empfehle ein Amentement, .das den fremden Nationen gestattet, die Frage der Gebührenfreiheit von amerifanifchen Gerichtshöfen prüfen zu lassen. Er wäre sich noch nicht klar darüber, ob er die Panamafanalbill unterzeichne» könne. Er würde frühestens in der nächsten Woche eine Ent- scheiduna darüber treffen.

♦♦ Marokko. Di» Proklamation M u l a h I u s- s«f s zum Suttan sst in den meiste» Städten Ma­rokkos vollendete Tatsache. Der neue Sultan tourte am Samstag in Tetuan und in Larache ohne Ztoi» schensall proklamiert. In Fez brachten nach der Proflamation zahlreiche Eingeborene, Hodjas, Ule» mas und Notabeln dem Suttan ihre Huldigung dar.

** Rußland in Persien. Neber de» Vormarsch russischer Abteilungen nach Persien wird russischer- seits amtlich gemeldet: Oberst Toi matsch ess rückte aus Sudschbulak gegen Reiter deS Hodschano» dialistammes vor und warf sie ans den Berg Kosche» dag zurück. Die Russen hatte» zwei Tote und drei Verwundete. General Fidarow überfiel auf dem Bergrücken Sawola« unerwartet die Schahsevennen, welche der Abteilung der Obersten Tolmatscheff gegenüber eine drohende Stellung eingenommen hatte», und bemächtigte sich ihres ganzen Lagers. I« der Umgegend vo« Akdulak warf die dortige russische Abteilung zweihundert Schahsevennen, welche die russischen Vorposten vou Akdulak abzuschneiden versuchten, zurück. Die Ruflen hatten fünf Tote, darunter eilten Offizier und einen Verwundeten. General Lidarow beabfichttgt in der nächsten Zett

Angesichts dieser Sachlag» gewinnt der Bor» schlag des Grasen Berchwld, des österreichische Ministers des Aeußem, immer mehr an Bedeutung.

* Konstantinopel, 19. Aug. 1912. Nach amt­lichen Berichten aus E l b a s a n haben sich in btt dortigen Gegend etwa dreitausend Arnau- ten (nach anderen Berichten sollen es 12 000 sein) zusammengeschart, die in btt Ortschaften einzudrin- gen beabsichtigen. Es sollnr ihnen Truppen entge­gengestellt werden. In Starowa (Wilajet Monaftir) sind die Insassen des dortigen Gefängniffes ausoe- brochen und bis auf einen entkommen. — Die Re­gierung hat den Albanesen in Köprülü 24 Stunden Bedenkzeit gegeben, um sich zu gerftreuen. Falls sie nicht aufeinander gehen, wird auf sie ein Angriff von fünf Bataillonen in Verbindung mit Artillerie gemacht werden.