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Botatieesbret u. Verlag der Lvldaek AetiendrnScrei L$ulb« Setasptecher Ur. 9.
Fulda, Montag den 19. August 1912.
39. JahrgMg.
.A-2 188.
K Der Katholikentag
in der Berliner Preffe.
Die Berliner Blätter kommen in ihrere Wochenrundschau auf den Aachener Kacholikentag zurück. „Von der Partnen Gunst und Haß verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte." Aber eines geht auo allem hervor, und nicht zum wenigsten aus den Angriffen der erklärten Gegner: Unsere Generalversammlung hat imponiert; Wohl oder Übel muß man ihr Respekt bezeugen!
Die „Nordd. 9111g. Ztg." — um mit dem Negierungsblati zu beginnen — beschränkt ihr allgemeines Urteil auf die diplomatische Be- «nertung, daß die Verhandlungen und Veranstaltungen von Aachen „vielfälttgcs Interesse" erweckten. Sie bebt dann aber in anerkennender Weise Mehrere Einzelheiten hervor, so die Gedächtnisrede des Weihbischofs Dr. Müller auf Kardinal Fischer, die Volksvereins-Tagung, die „lebhafte und ansprechende" Behandlung des wichtigen Themas der Botksvermehrung. Dann gibt sie einen ausführlichen Auszug aus der Rede des Abg. Gies- verts über die Binnenwanderung der Arbeiter. Es würde uns sehr freuen, wenn bte amtlichen So- zialpolitiker diese vortrefflichen Ausführungen des „Mannes aus der Praxis" nachhalttg berücksichtigten!
Recht öde sind die Ausfälle, mit denen die „Tägl. Rundschau", das Organ des Evangel. Bundes, ihren Aerger über den imposanten Verlauf des Katholikentages kundgibt. Ihr Hauptschlag- tvort ist der „ultramontane Machthunger". Es ist nämlich nach ihrer Ansicht eine fürchterliche Machtgier, wenn die Katholiken nun endlich ein Ausnahme- und Berfolgungsgesetz los werden möchten, unter dem sie seit 40 Jahren sich gekränkt und geschädigt fühlen. Es ist ferner „Machthunger", wenn die Katholiken sich organisieren, um ihren Nachwuchs vor dem Unglauben zu bewahren. Aber 'wenn auf protestantischer Seite der Fang von katholischen Seelen in Oesterreich und auch in Deutsch- tand organisiert wird, so ist es lauter Bescheidenheit -rnd Friedlichkeit. Für die dringendste Forderung des Tages, die Abwehr des U m st u r z e s von Thron und Altar, hat die „Tägliche Rundschau" ^ar keinen Sinn. Sie kennt keine rote Gefahr, sondern nur eine „römische Gefahr". Dem entspricht ja auch die Taktik des Evangelischen Bundes, der Zein eit Finger gegen den Unglauben rührt, aber mit beiden Händen den katholischen Glauben bekämpft. ,Meber rot, als schwarz."
Insofern zieht der Evangelische Bund mit den linksliberalen Blockbrüdern an einem Strange. Das „Berliner Tageblatt" ist natürlich auf den Katholikentag auch nicht gut zu sprechen. Es kommt zu dem Schlüsse: „So ausschließlich, wie in Aachen, ist kaum je zuvor von den Vertretern des Ultra« montanismus der Konservatismus der k a- tholischenKirche betont worden; das wird von jcr Bethmann'schen Regierung gewürdigt und viel« . leicht durch eine Gegengabe belohnt werden." Als ob nicht st e t s die konservattven Kräfte des Katho- tizismns gebichrenb beleuchtet worden wären! (Das Ggenschaftswovt „konservativ" ist natürlich im engen parteipolitischen Sinne zu verstehen.) Diesmal lag besondere Veranlassung vor, in der wachsenden Macht des Umsturzes und Unglaubens, nicht einer kurzsichtigen Spekulation auf einen Poti- Äschen Augenblickserfolg. — Im übrigen verdient «och Erwähnung, daß das „Berliner Tageblatt" den Katholikentag die „Windthorffsche Wacht- Parad?" nennt. Das ist nicht übel, und unser Wohlgefallen wird nicht gestört durch den boshaft Din sollenden Zusatz: „Sern Genie, ich meine seinen Geist, sich nicht auf der Wachtparad' erweist". Wenn Windthvrst wiederkehrte, so würde er gewiß mit uns zufrieden sein und seinen Geist gewahrt finden. Aber wenn Eugen Richter, der geschworene Feind der Sozialdemokratte, jetzt wiederkehrte,
was würde er zu der „Fortschrittspartei" sagen, die eine Kostgängerin und Schwppträgerin der Umsturzpartei geworden ist?
Die konservative ,^K r e u z z t g." kann sich von den ererbten Vorurteilen gegen die Jesuiten nicht frei machen, aber sie will doch wenigstens nicht zweifeln an dem Ernst der Versicherungen, die in Aachen über die Ungefährlichkeit der Jesullen für den konfessionellen Frieden abgegeben worden sind. „Denn", sagt sie, „verschiedene Aachener Redner sind mit großer Entschiedenheit und unter stürmischem Beifall der Versammlung ausdrücklich für die Wahrung des konfesiionellen Friedens und für das Zusammenarbeiten der beiden christlichen Konfessionen cingetreten." Das konservative Blatt gibt bezügliche Aeuherungen des Präsidenten Justtzrats Dr. Schmitt und des Diözefanpräses Müller (Köln) wieder und fügt seinerseits hinzu:
»Das ist ein Standpunkt, der von den Evangelischen gern geteilt wird. Denn die Aufgaben, die gerade von diesem christlichen Standpuntte ans gelöst werden muffen, sind zahlreich und schwiettg. Ungeachtet der unüberbrückbaren Gegensätze, die die beiden christlichen Konfessionen trennen, ist der Boden, auf dem sie sich zum gemeinsamen Wirken für die gemeinsame Sache des Christentums und im Interesse des Gemeinwohls zufammenfinden können, weit und dankbar. Und bei beiderseitigem guten Willen wird sich gesegnete Arbeit leisten taffen."
Hoffentlich!
Zum Schlüsse erwähnen wir noch die agrarisch- konservattve „Deutsche Tageszeitung", die schon öfter bewiesen hat, daß sie trotz der protestantischen Vorurteile und Hetzereien den Mut ihrer Meinung hat. Sie spricht sich auch jetzt mit lebhafter Anerkennung über den Katholikentag aus und stellt fest, „daß die Katholikentage etwas imponierendes und auch etwas erhebendes haben". Die Rede des Jesuttenpaters Cohausz bezeichnet sie als ein „Meisterstück" nach Form und Inhalt; ebenso spricht sie ihre Zusttmmung ans zu den Ausführungen des Abg. Mayer, des Prof. Mansbach, des Präsidenten, sowie des Justtzrats Dr. C. Bachem.
Das Ergebnis dieser Uebersicht ist: wir dürfen zufrieden sein mit dem Eindruck, den der Tag von Aachen auf Freund und Feind gemacht hat.
Deutsches Keich.
* Berlin, 18. Aug. 1912. Wie alljährlich am Geburtstage des Kaisers von Oesterreich sand gestern auf Wilhelmshöhe beim Kaiserpaar eine Festtafel statt, wozu die Herren der österreichisch- ungarischen Botschaft geladen waren. Beim Mahle brachte Kaiser Wilhelm auf Kaiser Franz Joseph, „seinen treuen Freund und festen verbündeten Waffenbruder", einen Trinkspruch ans.
X Wo die Steuerdrückeberger fitzen, zeigen wieder einmal klar die Bekenntnisse zweier liberaler Blätter: Der „Stillt. Zig." wird aus Bankierkreisen geschrieben, es dürfte wohl einwandfrei nachzuweiftn fein, daß die Flucht der beweglichen Kapitalien in das Ausland eher im Zu - nehmen als im Abnchmen begriffen fei. Wenn die von Justizrat Bamberger geforderten und von uns erwähnten Vorschläge zur Verhinderung und Verminderung der Steuerhinterziehungen Gesetz werden sollten, werde das Kapital noch in weit größerem Umfange im Auslande Unterkunft suchen. — Interessant ist auch ein Notschrei des „Berl. Tageblatts". Bekanntlich hat die zur Beratung des neuen Einkommensteuergesetzentwurses eingesetzte Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses be- schloffen, daß derjenige, der wegen absichtlicher Einkommensteuerhinterziehung oder Ergänzungsstene-- hinterziehung schon bestraft ist, nicht bloß mit Geldstrafe vom 10- bis 25fachen Betrage der Jahres- fteuer bestraft werden soll, sondern auch noch Gefängnisstrafe bis zu drei Monaten erhalten soll. Wenn ein Steuerzahler zum zweiten Male rückfäl
lig wird, dann soll er mtt Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft werden. Das „Berl. Tagebl." jammert über die „harte" Strafe, da es Steuerzahler gebe, die nicht wüßten, „wie hoch" eigentlich ihr Einkommen fei.
+ Das Gutachten über das Jesuitengesetz. Zu der Meldung, daß der Justizausschuß des Bundesrats vom Reichsjusttzamt ein Gutachten in der Jesuitenfrage eingefordert habe, be- merkt eine offiziös informierte Korrespondenz: „Das ist, wie wir hören, unzutreffend, da die staatsrechtlichen Verhältnisse das Ersuchen des Bundesrats oder des Justtzausschufles in dieser Körperschaft an das Reichsjusttzamt mcht zulaffen. Der Sachver- halt, der für die Behandlung der Frage in Betracht kommt, ist folgender: Der Antrag der bayerischen Regierung auf authentische Interpretation der vom Bundesrate auf Grund des § 3 des Jesuitengesetzes unter dem 5. Juli 1872 erlassenen Ausführungsbestimmungen ist dem Jüstizausschuffe des Bundesrates überwiesen worden, besten Vorsitzender der Staatssekretär des Reichsjustizamtes ist. Nach Sage der staatsrechtlichen Verhältnisse kann aber toeber der Bundesrat, noch dementsprechend, wie behauptet wurde, fein Justizausschuß, ein Gutachten über diese Frage vom Reichsjusttzamt verlangen, da diese Behörde lediglich ein Organ des Reichskanzlers ist. Hieraus geht hervor, daß das Reichsjusttzamt nur dem letzteren ein Gutachten über die einschlägige Frage erstatten kann." — Es wird also nicht demen- ttert, daß vom Reichsjusttzamt ein Gutachten über das Jesuitengesetz eingeforbert worden ist, nur daß dies nicht vom Justizausschuß des Bundesrates, sondern vom Reichskanzler ausging.
** Zur Jesuit enstage. Die bayerischen Bischöfe haben ein Eingabe an den Bundesrat gerichtet, in der sie die Aushebung des Jesuitrn- gesetzes verlangen. Die Eingabe entspricht der Resolutton, die auf dem Katholikentage in Aachen gefaßt worden ist.
0 Der .Reichsvereia liberaler Arbeiter". Die 102 fortschrittlichen Arbeiter, welche zurzeit die so glorreich ins Leben gerufene „liberale Arbeiterbewegung" verkörpern, geben der süddeutschen Nationalliberalen Korrespondenz Anlaß zu Betrach- langen, welche für die Stimmung auf nationalliberaler Seite charakteristisch sind:
„Die mit fo grobem Tamtam angekündigte „ReichS- konserenz liberaler Arbeiter" hat ein ziemlich bescheidener Ergebnis gehabt. Wenn man Maffenakttonen mit ganzen 102 Mann veranstaltet, die sich bei der Abstimmung sogar auf 86 verringern, dann ist wirklich kein Grund zu großer Hoffnunassreudigkeit. Erfreulich an der Gründung ist aber das eine, daß sich bei diesem Anlaß wieder einmal gezeigt hat, wie viel denn doch noch an Trennendem vorhanden ist zwischen Nationalliberalen und Fortschrittlern, wie wenig sich aber auch der Fort- schritt Mühe gibt, das etwa zu verbergen. Wo eS fich um seinen eigenen Vorteil handelt, da sorgt er dafür, daß er, ungestört vom liberalen Bruder, hübsch unter sich ist und für sich allein rafft. Da ist die liberale Gemeinschaftsidee zu Ende. In Nord- und Mitteldeutschland weiß man das schon länger; hoffentlich lernen nun aber auch die süddeutschen Nalionalliberalen etwas daraus. Dann kann der fortschrittliche Arbeiterfang ausgehen, wie immer, er hat doch ein Gute? gehabt."
Den braven Fortschrittlern wird diese Zurechtweisung aus dem Süden gewiß nicht angenehm in den Ohren klingen.
-> Etwas vom Evangelische» Bunde. Der ,Pfä!zische Bundesbote', das Organ des pfälzischen Evangelischen Bundes, äußerte sich über das in einigen bayerischen Wahlkreisen erfolgte Zusammengehen deS Bundes der Landwirte mit dem Zentrum bei den letzten Wahlen zum Reichstag und Landtag olgendermaßen:
„Was die Leute in die ZentrumSarme trieb, war nichts anderes, als die Politik der Selbstsucht. Die Vorfahren haben um des Glaubens willen Gut und Blut hingegeben, die würdigen Nachkommen haben um ein in Aussicht gestelltes Linsengericht ihren Glauben verleugnet und verraten. Man muß sich wahrhaftig
schämen, solche Leute Glaubensgenosse« heißen zu müffen. Der Evangelische Bund wird nicht aufhören, da« lebendige Gewiffen für die zu fein, die ihr Gewiffen und ihr protestantische- Bewußtsein erstickt haben hn Egoismus."
Z» dies« anmaßenden Sprache der ,Pfälzisch« Bundesbotew bemerkt die protestantische,Deutsth» Tageszeitung':
„Man kann es dem Abg. Gebhart nicht Übelnehmen, wenn er sagt, daß eine berartige Infamie das Gefühl deS Ekels Hervorrufe. Wir dürfen wohl von der Zentralleitung deS Evangelffchen Bunde» erwarten, daß sie das pfälzische Blatt in angemeffeaeV Weise zur Ordnung rufe."
Ausland.
*♦ Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, der treu- bewährte Bundesgenoffe deS Deutschen Reiches und väterliche Freund der deutschen Kaisers, vollendett gestern in geistiger und körperlicher Frisch« fehl 82. Lebensjahr. Mehr ati zwei MenschenrÄ» lenkt Kaiser Franz Joseph in ungebeugter Kraft die Geschicke seiner Völker. Mit starkem Arme wußte er die Monarchie aus stürmischen Wog«, in ruhi^ friedlich«Bahnen zu leiten. Mit denVölkernOester- reich-Ungarns verehrt die ganze gesittete Welt Kaiser Franz Joseph als einen der mächtigsten Schirmherrn des Friedens und als ein wetthtt» leuchtend«» Vorbild aller Regenten-Tugenden.
• * Die BermittelungSattion de» Graft» Berchiol». Von Deuffchland, Italien und Rußland trafen zustimmende Antworten zur Aktton B«ch« toldS ein. Die Zustimmung Rußlands gilt als Vorläufer des Einverständnisses von England unk Frankreich, das bisher deshalb noch nicht eintrak, well Poincarö auf der Rückreise a»S Moskau ns* Sir Edward Grey auf Urlaub ist.
* * China. In Peking wurden zwei O ffiztttS wegen einer Militärverschwörung standrechtlich H* schossen, 18 andere in Fesseln «legt
* * Die Revolte ht Nicaragua. Nach einem DSft, gratnnt aus Managua hat bte Ankunft von 880 amerikanischen Seesoldaten die Lage schr g e b «ss«rt! Das Bombardement der Stadt hat aufgehött.
Avs Kirche und Schule.
& Fulda, 19. Aug. 1918. Die Delegiert Mil Versammlung deS Vereins katholisches? Lehrer in der Diözese Fnlda findet tag, den 1. Oktober, nachmittags 8»/. Uhr, im Oe*. sellenhaus zu Fulda statt.
*** Priesterexerzitien. Im Bischöflichen Priest«» seminar beginnen heute die diesjährigen etftm' Priesterexerzittm. An denselben beteiligen fich 117 geistliche Herren, von denen 59 der Diözese Fuldck angehören, 54 der Diözese Würzburg, 2 der Diözese Limburg, 1 der Diözese Mainz und I der Erzdiözese! Freiburg. Auch der Hochwürdigst« Herr Bischt nimmt an den hl. Hebungen teil. D» Exerzttior werben heute abend eingeleitet durch eine Andacht zum hl. Geist mit darauffolgenden fatramentalenr Segen, die um S Uhr in der BonffatiuSgruft abge» halten wird. Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag jedeSmal abends 8 Uhr ist auf dem Chor Lee Domkirche SegenSandacht mit vorausgebendem vierstimmigen Gesang de» Miserere. Die hl. Uebungeft schließen am Freitag vormittag durch eine voai Hochwürdigsten Herrn Bischof abgehMene Segen*1 andacht mit Verehrung der Äeliquien deS ht- BonifatiuS.
Lokaler.
Fulda, den IS. August ISIst.
* Verliehe« wurde dem Eifenbahuzngführer a. B) Anion Oswald dar Verdienstkreuz iu Silber.
WcruernbLut.
f2] Roman von Felix Nabor.
Lizzie Eooper war elegant, aber einfach gekleidet; kein Laie hätte vermutet, daß dieses Kostüm von grauer Surahseide aus dem Atelier des ersten Pariser Bekleidungskünstlers hervorgegangen war. Sie ließ ihre kühlen, hochmütigen Augen über die lachende und schwatzende Gesellschaft hingleiten, schob gelangweilt den Deffertteller zurück und zerpflückte gedankenlos eine ftanzösifche Traube.
Eine lebhafte Ungeduld erfüllte sie, und immer wieder blickten ihre Augen nach dem Eingang, als erwarte sie jemanden mit Sehnsucht. Da endlich zuckte es blitzartig in ihren Augen auf, ein Lächeln umspielte ihre Lippen, erstarb aber sogleich und machte jenem kalten, blasierten Gesichtsausdruck Platz, der an ihr typisch war.
Gras Stein eck war auf die Terrasse getreten, schallte sich einige Augenblicke um und kam, als er Lizzie entdeckte, auf ihren Tisch zugesteuert.
„Endlich, Graf", sagte sie. „Sie haben lange nuf sich warten lassen. Aber wo ist denn der Baron?"
Graf Stnueck schien über diese Frage verdrossen zu sein.
_ „s^eiß nicht", sagte er. „Aber wenn Sie es Wunfchen, werde ich gehen und ihn suchen und ihil tot oder lebendig hierherbringen."
„Warum sind Sie beleidigt?"
„Ich bin nicht beleidigt. Aber ich habe das granfame Spiel satt!"
„Oooohi" sagte Lizzie, „ich verstehe Sie nicht."
„Lassen wir die Komodie, Miß Cooper", sagte Stein eck lei; e. „Ihnen scheint an meiner Gegenwart nlchts zu liegen, und barum ist es besser. Wenn lch mlch empfehle!"
„Aber Graf! — Wollen Sie einen Eklat Hervorrufen? Tas wäre shoking! — Man schaut schon Äus Sie. Ditte, nehmen Sie Platz!"
Er tat es fast widerwillig, preßte die Lippen aufeinander und schien keine Wotte finden zu können, um eine leidliche Konversation in Fluß zu bringen. Lizzie half ihm über das Peinliche dieser Sttuation mtt der banalen Frage hinweg: „Haben Sie schon diniert?"
Graf Steineck lachte gezwungen. „Ich muß es mir aus Nützlichkeitsgründen versagen, in einem Hotel erster Güte zu dinieren", sagte er. „Weder mein Geldbeutel noch mein Gewicht verträgt eine so schwere Belastung, und mein Trainer hat meinen Sieg mit „Pascha" davon abhängig gemacht, daß ich acht Tage lang eine Schwemiinger Kur anwende, bei Wasser und Brot! An Stelle des ersteren allenfalls Eislimonade."
Ein kaum merkliches Lächeln spielte um LizzieS Lippen. „Sie armer Mensch, ich bedauere Sie seht!"
„Wirklich? Das ist eine große Gunst, die mir ganz unerwartet zuteil wich. Ich glaubte bisher, das Wort Mttleid sei aus dem Lexikon Ihres Lebens gestrichen."
„Herr Graf!" Hang es drohend.
„Miß Cooper!"
In Lizzies Hand zitterte das Deffertmesser, als sie mit ihrer kühlm, überlegenen Ruhe sagte: „Sie sind erregt, Graf! — Darum will ich dies Wort nicht gehört haben! — Ich verstehe auch Ihr« Aufregung. Die Vorbereitungen zu dem morgigen Nennen, die Frage: Sieg — oder Nichtsi^, die hohen Summen, um die es geht — nicht wahr, es sind 20- oder 30 000 Mark? — das alles muß die Nerven aufpeitschen und in beständiger Spannung erhalten. Ich mache Ihnen daher den Vorschlag, ein Glas Eislimonade zu trinken. Das kühlt das Mut ab und beruhigt die Nerven."
„Danke für Ihre Güte! — Doch verzichte ich in diesem Falle auf Eislimonade und zieh: ein Glas Pilsener vor. Pikkolo! — Ein Glas Pils!"
Nun war wieder Schweigen zwffchen ihnen — und wieder überbrückte Lizzie die 5ß.ust. „Sie wollen also wirklich felbef in den Sattel steigen?" fragte sie.
großen Welt — und was ich jetzt sag«, ist daS letzt» Wort, das ich in einer ernstrn Sache mit JhoeU rede —"
„Ah, Herr Graf! — Sie wollten —1"
Er nickke. „Ja — ich will eine Entscheidung herbeiführen, weil ich es satt habe, eine Rolle zu spielen, die eines Edelmannes und eine» Offizier» unwürdig tft."
Lizzie sah ihn fast entsetzt an. „Das fagat Sie mir?"
„Ja, das sage ich Ihnen, Miß Cooper! — Ich habe eine Zeitlang gedacht, Ihr Günstling zu fern, aber das war Täuschung. Ich habe jetzt die Wahr- hell erkannt und scheue mich nicht, sie zu bekennen: ich bin ein Outsider im Weltlauf des Lebens."
„Hat nicht auch schon ein Outsider das Rennett gewonnen?" rief Lizzie rasch.
Er lächelte kalt. „Nein! — Und wenn es je gffchah, so war es .Zufall Auf so etwas laß ich mich nicht ein. Ich will nicht länger Outtsider fein, sondern ein Retter, der seinen Mann stellt. Und morgen — da reit’ ich auf Tod und Leben! — Sie werden sich wundern, daß ich heute so stolz spreche, nachdem ich ein halbes Jahr lang wirklich ein Outsider war! Ein Trabant in Ihrem Gefolge, Miß Cooper! — Bitte, machen Sie keine so bösen Augen — ich muß die Wahrheit sagen! — Sehen Sie, al# ich erkannte, daß mir das Wasser an den Hals ging, da machte ich es wie hundert andere — ich suchte mich durch eine reich: Heirat zu retten! — Das ist zwar kein ganz einwandfreies Mittel, aber eS war zu allen Zellen sehr beliebt Na also, ich machte mich in Gefellschaft meines Freundes Hagelwitz auf die Jagd nach dem Glück! — Da traten Sie ht meinen Lebenskreis! — Natürlich hatten wir ball» hnaus, daß Sie eine schwerreiche Millionärstochter seien, und machten uns nun daran. Sie zu erobern, versuchten durch eine Art Sport auf das Glück Jagd zu machen! Das war unrecht, denn ntmt soll mit dem Heiligen, mtt der Liebe und der Ehe, keinem Svott und keinen Hohn treiben."
(Fortsetzung folgt)
„Es bleibt mir nichts anderes übrig", erwiderte Graf Steineck, und als sie ihn fragend anblickte, fuhr er fort: „Nun ja, daß sich meine Finanzen in der denkbar schlechtesten Verfassung befinden, das dürfte auch Ihnen kein Geheimnis mehr sein. Ich habe ein bischen flott gelebt, mir einen Rennstall beigelegt und als Herrenreiter einigen Ruhm erworben. Aber — wie gewonnen, so zerronnen! — Haben Sie noch nie die Erfahrung gemacht, daß die hausbackensten Sprichwörter die wahrsten sind? — Na, ich hab's an mir selber erprobt! •— Ein anderes heißt z. B.: „Glück in der Liebe —- Unglück im Spiel!" — Stellt man’S auf den Kopf, so stimmt's bei mir! — Sehen Sie, darum Hoffl ich morgen auf Sieg! — Ja, was ich Ihnen also sagen wollte: ein leichtes Tuch bin ich immer gewesen! — Das wich ein jeder im bunten Rock, der frühe die Eltern verliert und zuviel Geld in Händen hat! — Da versteht man nicht zu wirtschaften, da wirst man das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinaus! — Na, da häuften sich denn die Schulden ganz unheimlich. Und als dir Einsicht kam, da war es zu spät! — Da war das Vermögen futsch, und auf der alten Ritterburg am Neckar hockten gleich Unglücksraben ein halb Dutzend Hypotheken. — Nun ging die Renn- reiterei erst recht los! — Heidi, heida — von einem grünen Rasen zum andern: Iffezheim, Karlshorst, Wien, Monte Carlo! — statt des grünen Rasens war's manchmal auch der grüne Tisch! — Na, ich sag' Ihnen, ein Vergnügen ist das nicht! — Immer auf der Hetzjagd, immer in der Voraussicht, gelegentlich den Hals zu brechen! — Na, jetzt hab' ich's satt bis da herauf! — Jetzt laß ich meinen „Vaschah" zum letztenmal laufen — und geh' es nun so oder so — den Rennstall lös' ich auf, des Königs Rock leg' ich ab und bau am Neckar als ehrlicher Landjunker meinen Kohl und meine Rüben! — DaS steht bombenfest! — Ich will ehrliche Arbeit tun und versuchen, den Karren aus dem Sumpf herauszuziehen."
Er trank sein Glas halb leer, blickt: Lizzie mit ernsten Augen an und sagte: „Das ist also ge- wiffermaßen mein letzter Tag im Leben und in der