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Zeitung

«fuldatr

Zrettag den 16. August 1912.

59. Jahrgang.

3. Blatt. _

vrack h*6 Verlag der Mdaer A<tte,dr««ettt in 5»!da.

wissen, daß die Deutschen in ihren Kämpfen von ihren Frauen begleitet waren, um sich von ihnen anfeuera zu lassen, auSzuharren im Kampfe. . Sie sind nicht bloß deutsche, Sie find auch kath. Frauen. Zei­gen Sie durch die Tat, daß Sie beides find. (Stürm. Beifall.) ES gilt den Kampf für unsere heiligsten Güter, die Religion, Familie und Kinder. (Stürm. Beifall. ) Mit wahrer Freude erinnere ich mich des Beifalls, den Sie meinen Ausführungen zur Ordens»

suchen das Gute und Schöne, und beides findet sich btt Gott in unendlicher Fülle, sie sehnen sich nach be. glückender Liebe, und nirgendwo findet sich das All­beseligende der Liebe als am Herzen des Vaters aStt. Darum schrieb der Glaube in leuchtenden Lettern ein-: Frohbotschaft an den Weltenhorizont und diese Frohborfchaft lautete: „Kommet. Gesegnete meines Vaters, besitzet das bleich, das Euch bereitet ist von Anbeginn!" Der jenseitige Besitz Gottes, die neuge­schaffene Weit — das ist unser Ziel. Das war aller­dings eine Frohbotschaft allen Gebeugten, das klang wie OsterglIten allen am Bahrtuch Trauernden, das lockte wie heimatliches Avi-Läuten allen in der Sturm- nachr auf dem Meere Ringenden. Aber der Un­glaube kam und löschte die Lettern, welche d:r Glaube in dieser Botschaft geschrieben hat. Und als ein Glaube ftstern nach dem andern erlosch, erblickte der Mensch im Erdenwirken den letzten Sinn des Le­bens. (Zustimmung.) Ein Nietzsche erschien, der vom Ucbermenschen sprach, ein Feuerbach, der von der Stei­gerung des Genusses, und ein Marx, der von der Nivellierung des öffentlichen Lebens sprach. Das Motto war, möglich st viel Genuß vom Le­ben. Diese Auffaffung ist keine Lebensbejahung, sie ist die kraffeste Lebensverneinung, (Zustim­mung.) denn sie wäre nur verständlich, wenn die Menschheit hinieden etwas Bleibendes hervorbrächte. Aber der ganze Kulturstrom zerläuft am Ende im Sande und'es wird die Zeit kommen, wo die Weltuhr einmal stille steht und das Menschenwerk zerfällt. Die­jenigen. die sich dem Glauben abgewandt hatten, er­hoben das Eigenglück zur Parole, aber man übersah, daß man im Hintergrund eine Hydra züchtete, die di: Urheber dieser Theorie zu ersticken droht. Zunächst erhob sich der Dämon Mammon, denn das Schwel­gen in irdischen Glücken ist nicht möglich ohne die Macht des Goldes. Mit dem Moment, wo man den Himmel leugnete, mußte die Erwerbslust sich ins Un­endlich: steigern, denn wer hinieden nichts erwarb, hat umsonst gelebt. Der erwachte Machthunger machte nicht Halt an den Schranken, hinter denen die Klei­neren wohnen und es kamen Zeiten, in denen für Gold alles f-nl war, Ehre, Schttm, Gewissen, Gattin, Kind und Vaterland. Aber jede unberechtigte Aktion bewirkt eine Reaktion. Wo eine Vergewaltigung Platz hat, da knirscht das Innerste in den Vergewaltigten auf. Mit st-:igender Erbitterung sahen die Massen ihre eigene Verkümmerung und die Bereiche­rung der Großen. Unzufriedenheit existierte auch schon vorher, aber die Religion besänftigte sie und htelt das irdische Streben in geordneten Schran­ken. Sie erstrebte eine Lösung der sozialen Frage auf friedlichem Wege, indem sie ausgleichend zwischen Reichen und Stornieren wirkte. Sie wies auf die Wage der Gmechiigkeit und sprach: Wäget nach gültigem Gewicht. Sie wies auf das Schwert der Gerechtigkeit und lehrte: daß Ungerechtigkeit sich im Gericht räche. Ergebung und Zufriedenheit standen der Gerechtigkeit zur Seite und wo selbst die Liebe dem Aermsten fehlte, da hatte er noch die Hoffnung auf die Vergeltung durch Gott. Aber Gerechtigkeit, Ergebung und Zufriedenheit sind vielfach geflohen und Neid, Rache, Hatz und Auf­ruhr sind an ihre Stelle getreten. Anstelle der Gerech­tigkeit trat unersättliche Gier, die auch bald die Mas­sen ergriff. Manche Klänge des Spottliedes von dem alten Gott und des Hochliedes auf die Diesseitskultur, die nur ein Sologesang für die oberen Zehntausend bilden sollten, drangen in die Massen und ernteten ungeteilten Beifall. Das Volk sah die Doppelzüngig­keit derjenigen, die selbst die Religion verwarfen, sie aber vom Volke verlangten und daher ertönte bald der Ruf: Wenn Ihr dies tut, dann tuen wir dies auch. Im Jahre 1848 sah man plötzlich in manche Städte bewaffnete Volkshaufen vom Lande einziehen. „Was wollt Ihr?" fragten die Machthaber. „Wir wollen teilen," so lautet die Antwort. „Teile n," das ist allerdings das erste, was den Massen einfallen muß, wenn man ihnen die Gottesrechte negiert und die Menschenrechte verkündet. Wird aber die Teilung in friedlicher Weise vor sich gehen? Wird man kdenigstens auf dem Wege der Gesetzgebung allen For­derungen der Expropriierten gerecht zu werden ge­denken? Nie und nimmer werden die Massen mit Abschlagszahlungen sich zufrieden geben, nur eine völlige Gleichheit wird ihre Gelüste stillen. Wie beute­gierige Wölfe den Schlitten russischer Großen auf schneebedeckter Steppe, so werden die beutegierigen Mas­sen im Wettlauf dem Besitzenden nachjagen, nur auf einen günstigen Augenblick wartend, wo es ihnen ge­lingt, den Schlitten umzuwerfen und sich der Güter der Glücksritter zu bemächtigen! (Beifall.) Auf die Expropriation des Volkes durch wenige Usurpatoren folgt, wie der Sozialist Marx uns verkündet, die Ex­propriation der wenigen Usurpatoren durch das Volk. (Zustimmung.) Was sollte denn die Menschen schließ­lich bannen? Das Gefühl der Verantwortlich­keit? Wenn man an keinen Gott mehr glaubt? Der Appell an Me nschlichkeit ? Wenn man sich selbst bedrückt und enterbt glaubt? Die Achtung vor Recht und Pflicht? Wer den gesetzgebenden Gott leugnet, der mutz in Recht und Pflicht schließlich nur eine leere Formel erblicken. Die A u t o r i t ä t? Sie hat etwas Bezauberndes. In dem rechtmäßigen König sucht der Gläubige etwas vom göttlichen Glanze, den Gesalbten des Herrn, und weil er Gottes Majestät fürchtet, dar­um zollt er auch seinem irdischen Stellvertreier ehr- rrrchtsvolle Ergebung. (Stürm. Beifall.) Man hat ms Katholiken als Patrioten zweiter Klasse ver- chrien. (Pfui.) Wenn der Augenblick kommt, da die Thron« Wanten, dann wird man sehen, daß wir Ka­tholiken nicht Patrioten 2. Klaffe, sondern P a- trioten 1. Klasse sind. (Stürm. Beifall.) Wir tehen treu zum Kaiserhause, weil wir treu stehen zum Gotteshause. (Stürm, nicht endenwollender Beifall.) Aber die Modernen haben die Könige ja ihres gött­lichen Vorrechies entkleidet, sie habe« anstelle der Könige von GotteA Gnaden den König von Vol­kes Gnaden gesetzt. Die Könige will man dulden, ölange sie den Launen des Volkes sich anpaffen.

59. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Aachen.

Fünfter Tag — Donnerstag.

x Aachen, 15. Aug. 1912. (Fortsetzung des Berichtes aus dem zweiten Blatte.) Heute morgen wurden in allen Kirchen hl. Messen nach der Intention des Bonifatiusvereins gelesen. Um 8 Uhr begann im Kurhause die fünfte geschloffene Versammlung.

Sie beschäftigte sich mit den Anträgen für Schule und Erziehung. Abg. Marx begründete sie. Ein Antrag, der die Forderungen der Katholiken auf dem Schulgebiete zusammenfaßt (Recht der Kirche auf Er­teilung und Ueberwachung der religiös-sittlichen Er- ziehung durch Teilnahme an der Schulaufsicht, Forde­rung konfessioneller Schulen und Seminare, Wahl sol- cher Männer in die städtischen :c. Vertretungen, die die Aufrechterhaltung der konfessionellen Schulen verbür­gen, Empfehlung der katholischen Schulorganisation, An­schluß der Lehrer und Lehrerinnen an die katholischen Verbände, entsprechende Behandlung der Schulfrage durch die Presse) wird angenommen, ebenso Anträge, die den Zusammenschluß der akademisch gebildeten Katholiken in Ortszirkeln zwecks Befestigung und Be­tätigung der katholischen Ueberzeugung, die Unter­stützung des Hildegardisvereins zur, Unterstützung studierender katholischen Mädchen, der deutschen Gesell­schaft für christliche Kunst in München, und des Borro- mäusvereins, sowie die Förderung der katholischen Tagespresse empfehlen. Ein weiterer Antrag, der die Bekämpfung der Auswüchse des Kinos auch durch posi­tive Reformarbeit verlangt, wird ebenfalls angenom­men. Als Ort des nächsten Katholiken­tages wird Metz gewählt, und schließlich das Zen­tralkomitee wie folgt zusammengesetzt: Graf Droste-Vischering, Fürst Alois Löwenstein, Fabrikbe­sitzer Brandts, Verleger F. X. Bachem-Köln, Rektor Brück-Bochum, Dr. Burguburu-Straßburg, Kommer­zienrat CahenSly-Limburg, Graf Friedrich Galen, Amtsgerichtsdirektor Gießler-Mannheim, Landgerichts­direktor Gröber-Heilbronn, Professor Dr. Hitze, der Vorsitzende des Augustinusvereins Dr. Hüsgen, Ober­landsgerichtsrat Marx, Prälat Nacke-Paderborn, Ge­neraldirektor Dr. Pieper, Geheimrat Dr. Porsch, Justiz­rat Reisert-Augsburg, Prälat Dr. Schädler, General- Vikar Scharmer-Pelplin, Justizrat Dr. Schmitt-Mainz, Graf von Schönberg-Glauchau, Prälat Dr. Werth- mann-Freiburg, Dr. Winands, Generalsekretär Dr. DonderS. Damit schließt die Sitzung.

Will man sich auf die Armee und Polizeimann­schaften gegen die Entwickelung der Zeit schützen? O ja, wir besitzen sie. Europa starrt von Bajonetten und Pickelhauben. Europa dröhnt unter dem Gerassel der Protzkasten und Maschinengewehre, Europa krümmt sich unter den Hufen der Reitermassen, die zum per« örtlichen Schutze der Monarchen aufgeboten werden, und doch — Europazit tert. Merkwürdig; nie sah Europa solche militärische Mächte und doch Europa, im Mittelalter von Kindern regiert, zittert. Warum? Ach, man vergesse doch nicht, was Lieb­knecht einst auf dem Genter Kongreß einem Bis­marck von ferne zurief: „Wir wissen, daß Kanonen und Gewehre der Hand gehorchen, der sie gebraucht, und diese Hand gehört bald uns. Die Armee besteht schließ- lich aus Söhnen des Volkes, die wir durch unsere re­volutionäre Propaganda gewinnen. Wenn der Tag kommt, werden Gewehre und Kanonen von selbst sich umdrehen und die Feind? des sozialist. Volkes nieder- chmettern." (Hört!) So sprach der Demagog im Jahre 1877. Damals erregte dieses Siegesbewußtsein ein Lächeln. Und heute? Ist es nicht ein offenes Ge­heimnis, daß die Umsturzideen in erschreckender Weise auch in der Armee sich verbreiten? Gebt der Armee Gewehre, gebt ihr Kanonen und Metrailleusen, senkt chnen dazu Gottesfurcht und Pflichttreue ins Herz und die Armee wird zur unbesiegbaren Phalanx, hinter der Burger und Könige sicher ruhen. Aber schenkt der Armee Waffen, raubt ihr die Religion und anstatt der Beschützer mästet ihr ihr eine Natter am Busen. (Lebh. Zustimmung.) Sah man nie die Frevel einer

gottenfremdeten Soldateska? Besaß nicht auch SSttta Ludwig XVI. seine Armee, eine von unzähligen ko» nigstreuen Offizieren geleitete, mit königstreuen Bür­gern durchsetzte Armee, und was nutzte ihm im ente scheidenden Augenblicke diese Armee? Vertrauten nicht die Köi.ige Portugals, di« Sultane am BospuruS, di« Kaiser des Reiches der Mitte auf ihre Truppen und sah man diese Truppen die Brust ihrer Herrscher mit der eigenen Brust decken? Man sah sie ihre Fahne» verlassen, man sah sie die Paläste beschießen und stür­men, man sah sie ihre Könige gefangen nehmen, zur Abdankung zwingen, ja man sah sie ihre Waffen im Königsblut baden. Nein, nicht die Gewehreret. ten die Welt, sondern die Gewissen (Stürm. Beifall!) — die Gewissen, die den Völkern zurufen: „Gebt dem Kaiser, waS des Kaisers ist," die aber gleich­zeitig den Machthabern zurufen: „Liebet eure Nächsten wie euch selbst." Wo immer das Gewissen ertötet wird, da erhebt sich der Blutmensch. Wo das Ge­wissen weicht, da werden aus Militärovationen nur zu leicht Militärrevolutionen. (Beifall.) Das Gewissen ertötet der Atheismus, und so wird er zum Toten­gräber der jetzigen Gesellschaftsordnung. (Beifall.) Die Flut steigt schon und für alle, welche sie aufhalten wollen, heißt es: „An die Dämme! Johann von JUZüI» ler hat Recht behalten, der im Jahre 1789 sagte: „Europa wird es schon fühlen, was der Fall des Glau­bens und seiner Tochter, der Moralität, für Folgen gehabt hat." Eine Schreckensnachricht trug der Te­legraph vor einigen Monden über den Ozean. „Wir sinken," so ertönte es von der sterbenden „Titanic- Her. Wir finken, furchtbares Bewußtsein! Auch wir sinken! Europa ist aufgelaufen. Zu Grunde geht die Religion, zu Grunde die Familie und Ehe, zu Grunde die Jugend, zu Grunde die öffentliche Sittsamkeit, zu Grunde die Treue uni) Ehrlichkeit, zu Grunde die Ach­tung vor der Autorität. Immer tiefer klafft die Wunde in unfern Gesellschaftskörpern, immer stürmischer drin­gen ein die Wogen. Wir sinken! Was tun? Fliehen? O nein, alle Mann an Bord. Schließt die Luken, rührt die Hände, setzt in Bewegung die Pumpen! Der „Titanic" sank, aber nicht lautlos wollte er sterben. Als alle irdische Hoffnung schwand und sich der Rumpf schon neigte, da sang der sterbende Riese: „Näher, mein Gott, zu Dir. Näher zu Dir, das soll die Losung sein. Das sei mein Panier!" Immer, wo ent­fliegt die Zeit, klammert sich der Mensch an alle Ewig- leit. Sinkendes Europa, lerne von der sinkenden „Ti- ianic!" Näher zu' Gott — das sei dein Panier. Stufe Gott zurück aus dem Exil, baue ihm Altäre und Bete! (Stürmischer Beifall.) Vom Gebet schreiten wir über zur Tat. Es mutz uns ernst werden mit der Er­haltung der Religion. Sie ist das Lebensmark der Nation. Daher fordern wir: Freiheit sür die kou- fessionelle Schule, für die Kirche, für die religiöse Er- ziehung der Jugend. Protest erhebt dies: Versamm­lung, (Stürm, langanhalr. Beif.) Protest erhebt der Volksverein in seiner geschlossenen Schar (Erneuter, stürm. Beif.), Protest erheben unsere katholischen Aka­demiker, (neu ausbrechender Beifall) Prot:,c erheben unsere Lehrer und Lehrerinnen, Protest erhebt das ganze katholische Deutschland (stürm., andauernder Beifall.) Wir Katholiken aber werden mit aller Ent» schiedenheit an der Erhaltung der Religion arbeiten. Und wie von Aachen aus zu Kaiser Karls Zeiten der Gottesglaube ins Land hinaus strahlte, tote er Hohen- feuer gleich von Gau zu Gau sich fortpflanzte, so möge er aufs neue jetzt hier lohen, ein Fanal allen deutschen Stämmen. Ein Fanal, der es allen verkündet: Die deutschen Katholiken stehen treu zu ihrem Gott und darum zu ihrem Herr­scher. Ja, treu zum Gotteshaus, und Barum., auch

t zu ihrem angestammten Kaiserhaus! (Stürmi- scyer Beifall.) Und was die kommende Zeit bringen mag mögen wiederum die Sturmglocken läuten, mag wiederum da« Flintenfeuer in den Stoaßen knattern, mögen wiederum Barrikaden vom Bürgerblut träu­feln, wir kennen den Platz, den uns der Glaube weist; Mann an Mann werden wir dastehen, eine heilig« Phalanx zum Schuhe von Thron und Altar. (Donnern­der, minutenlanger Beifall.) Und wenn die Br^st vom Blei getroffen keucht, und wenn der Todesschmerz den Mund verschließt, und wenn sie fällt, die heilige Schar, Mann an Mann, im Fallen noch wird die welle Hand das Banner umklammern und auf dem Banner steht geschrieben: „Mit Gott" und darum auch: „Für König und Vaterland!" (Stürm., immer und immer wieder ausbrechender Beifall.) — Der Redner wird von allen Seiten beglückwünscht. Immer mehr schwillt der Beifall an bis der Redner, der sich inzwischen hinter der Präsidialtribüne zurückgezogen hat, noch einmal auf dem R'idnerpodium erscheint, erneuter, donnern­der Beifall.

Präsident Dr. Schmitt: Wir find an das Ende un­serer Beratung gekommen. Lassen Sie mich einen kur» zen Rückblick werfen auf unsere Tagung. Da ist selbst­verständlich, daß ich zunächst aus der Windthorstrede einige Momente hervorhebe, um uns seine hervor­ragende Persönlichkeit noch einmal vor Augen zu führen. Windthorst war ein glühender Liebhaber un» seres deutschen Vaterlandes, seiner Grötze, Macht und Herrlichkeit. (Stürm. Beifall.) Er war ein frommer gottesgläubiger Mann, ein überzeugter Katholik in Wort und Tat; der Vater des Volksvereins. Er lebte nur für seine Aufgabe: die Verteidigung der christlichen Gesellschaftsordnung. Asl er im Jahre 1890 zum letz­ten Mal in Koblenz auf der Katholikenversammlung erschien, führte er aus: Wir sind ein Volk von Brü­dern. Es gibt unter ihm ein Gedanke, die Liebe zur Kirche. Das ceterum censeo in allen seinen Reden war, wie notwendig die Einigkeit der Katholiken sei. Wenn er heute noch einmal zu uns sprechen könnte, er würde gewiß rufen: Seid einig, einig, einig! Lassen Sie uns heute am letzten Tage in Aachen zusammen­treten, uns di« Hände reichen und den Schwur ab­legen, daß wir die Einigkeit hüten und be­wahren wollen, um die uns zukommende Stellung im Staate zu erhalten. (Beifall.) In herrlichen Wor­ten sind uns im Laufe dieser Tagung die Pflichten und Aufgaben der Katholiken dargelegt worden. Klar ist uns soeben in einer geradezu wunderbaren Red« (stür­mischer Beifall) der Atheismus gekennzeichnet worden als die eigentliche Ursache der Wirren und Nöten un­serer Zeit. Mögen die Mächtigen erkennen, ehe es zu spät ist (sehr richtig), daß der weltliche Thron seine Stütze verliert, wenn Gott von seinem göttlichen Throne heruntergeholt wird. (Stürm. BeifallZ Und dann er­innern Sie sich all der anderen schönen, herrlichen Reden, die hier gehalten worden find. Es wird nicht leicht sein, alles, was Sie hier vernommen, so zu be­halten, daß Sie es draußen allen erzählen können. Es werden auch nicht alle in der Lage sein, den steno­graphischen Bexicht zu lesen. Ich möchte darum die Anregung geben, daß der Bolksverein wenigstens die schönsten der gehaltenen Reden in Broschürenform verbreite, das ist so recht eine Aufgabe dieses Vereins. Tragen Sie die Beschlüsse unserer Generalversamm­lung hinaus in alle Gaue des deutschen Vaterlandes! (Beifall.) Und nun ein Wort an unsere Damen. Sie

Kulturprogramm, dessen Verwirklichung den Todesstoß für die einzig wahre christliche Kultur bedeuten wurde. Da gilt es, ernstes, nie erlahmendes Kultur- schaffen zu betätigen. (Bravo.) Ein feuriger Boni- fatiuSmut mutz uns beseelen und eine heilige Bonifatiuskraft, welche uner- schrockenen Sinns die Axthiebe führt gegen die Wodan­eiche des modernen freidenkerifchen Heidentums. (Bravo.) _ Mit dem Bonifatiusverein ziehen andere Kulturmächte in die Diaspora ein. Mit der Religion stellen sich ein die Wahrheit, Sittlichkeit und Schön- Beit. Dem Wahrheitsverlangen, das in den Menschen liegt, reicht der Bonifatiusverein Befriedi­gung. Vornehmlich durch feine Seelsorger, die der suchenden, ringenden Seele die höchsten Probleme über Gott und Welt klären und entwirren. Durch seine Schulen erfüllt er die Kardinalforderung einsichtsvoller Pädagogen, daß für jede Erziehungsarbeit die uner» nützliche Voraussetzung Einheitlichkeit ist, daß deshalb unsere Volksschulen nach Möglichkeit aufgebaut werden müffen nach dem Prinzip der Konfeffionalität (Beifalls Solche Schulen bewirken auch, datz vom Priester häufig Talente entdeckt und höheren Studien zugeführt wer- den, die sonst verkümmert waren. Das zweite ist die Sittlichkeitspflege. Sie umschlietzt die Pflich­tenkreise, die der Mensch gegen Gott, gegen sich und gegen die Nebenmenschen zu erfüllen hat. Die Pre­digt ergibt die notwendigen Impulse zur sittlichen Kräftigung. Am Beichtstuhl erhebt sich die sünden- müde Seele zur heiliginachenden Gnade empor. An der Kommunionbank wird das Brot des Lebens, die beste sittliche Nährkraft, geboten. Geweiht werden durch die läuternde Kraft der kirchlichen Einflüsse die Le­bensbezeichnungen im Schotze der Familie fowohl, wie in den größeren sozialen Verbänden. Gerade zur Erfüllung des Sittengesetzes: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! gehen in der Diaspora von der Kirche die wirksamsten Anregungen aus. (Beifall.) Ja, den sozialen Frieden zu bringen, das ist die segen- vollste Kulturwirkung des Bonifatiusvereins. Er baut einen wirksamen Schutzwall gegen den Ansturm der umstürzlerischen sozialistischen Gedankenwelt. Ein treffendes Sinnbild der sozialen Tätigkeit des Boni­fatiusvereins ist der ragende Turm der Kirche, der über die grotze Menge sozial entgegengesetzter Men­schengruppen, über die Fülle menschlicher sozial aus­einander strebender Lebensformen emporweist zur Höhe des allumspannenden Himmelszeltes, als wollte er den Menschen da unten verkünden, daß droben jenseits der Sterne, der wahre, soziale Frieden zu finden sei. (Beifall.) Er ist die steingewordene Pre­digt des Gedankens, datz durch die Gotteskräfte des Christentums die soziale Frage wahrhaft gelöst wird. (Beifall.) Welche künstlerischen Werte bringt der Bonifatiusverein? Der Kirchenbau durchbricht die Einförmigkeit der Häuser mit seinen schönen Linien und Ornamenten. Das Auge trinkt den Trank der Schönheit aus den Bildern und Statuen im Inneren der Kirche, aus Orgelklang und Kirchenlied schöpft der Gläubige Freude und innere Erbauung. Die Ave­glocken gießen die heilige Schönheit des Abendfriedens über Au und Trift. Und ist nicht auch ein herrliches Kunstwerk ein feierlicher katholischer Gottesdienst? (Beifall.) Welche künstlerische Schönheit liegt nicht auf einer katholischen Prozession, wo bunte Fahnen wehen, weißgekleidete Mädchen Blumen streuen, die Altäre in Blütenschmuck prangen? Welche Weihe au : der ersten heiligen Kommunion, wo andachtsvoll die Kerzen schimmern, kleine Hände sich zum Gebete fal­ten, Blütensträutze an kindlicher Brust und in jung­fräulichen Locken leuchten! O, es ist etwas Herr­liches um die Kulturmacht der katholi­schen Kirche. (Brausender Beif.) Und verdienen die nicht unser Mitleid, die das entbehren? Bejaht Ihr diese Frage und fühlt Ihr Erbarmen, die Ihr Euch der Segensschätze kirchlicher Kultur erfreut, dann setzt dieses Mitleid um in praktische, toerftätige Liebe im Dienste des Bonifatiusvereins. (Lebhafter Beifall.) Ihr gewinnt nicht nur ein herrliches Neuland der Kultur, Ihr gebt Euch selbst dieser christlichen Kultur heiligenden Segen. (Wiederholter Beifall.) An Dich vor allein, akademische Jugend, deren schönster Schmuck eine frische Begeisterungsfreudigkeit und ein ungestillter Tatendrang ist, ergeht ein feuriger Appell, daß Du die Reihen des akademischen Bonifattusbereins stärkst. (Beifallsgetrampel bei den Studenten.) An Dich, katholische Frauenwelt, deren lieblichste Zierde soziale Hilfsbereiffchaft bildet, lasse ich den Ruf erklingen: Laßt die Hände nicht müde werden, die für den Tisch unseres himmlischen Königs die schneeigen bilddurchwirkten Decken bereiten und für den Dienst itt seinem heiligen, in der Diaspora aufgeschlagenen Gezelte die schimmernden Gewänder weben. (Bei­fall.) Und Ihr, die Ihr int Bonifatiussammelberein so manche Vielen wertlos dünkende Dinge sammelt, erlahmt nicht im Streben, die Bausteine für Waisen­häuser und Kommunikantenanstalten und die Mtttel für ihre Unterhaltung aufzubringen. Ja, Du ge- L? m 1 1 Bo li f dj e8 Volk des weiten deut­schen Vaterlandes, laß Dich erwärmen für die hehren Aufgaben des Bonifatiusvereins. Mehre die Scharen

Mitglieder und scheue nicht Opfer an Geld und tatkräftigen SBerlen für seine Ziele. (Lebhafter Bei­fall.) Vielhunderttausend Halme der Kultur, köstliche zarte Saaten wollen und können in der Diaspora wachsen und reifen, gebt ihnen nur den befruchtenden Regen opferwilliger Taten und den wärmenden Son- nenschein der christlichen Liebe! (Stürmischer, lang- anhaltender Beifall.) ”

Hieraus spricht P. Cohausz (Köln), stürmisch be­grüßt, über

Atheismus und soziale Gefahr.

gion wieder, die leuchtende Zentralsvnne aller Kultur, deren Licht- und Wärmestrahlen ihnen zu ihrem eigenen vielleicht nicht immer deutlich gefühlten, aber doch ihr Inneres quälenden Schmerze erloschen war. (Beifall.) Aus dem Boden des Diasporaortes steigt, mit dem Baustein des Bonifatiusvereins ausgeführt, eine katholische Kirche. Ihr Turm reckt sich über die Häuserreihen hinauf, wie ein steingewordenes hohes Lied katholischer Himmelssehnsucht, aber auch katho­lischer Opferfreudigkeit. Gerne lenkt nun der Glau­bensbruder seinen Schritt wieder zur Stätte katho- lischer Andacht. Nun klingt ihm wieder Gottes Wort, vom Priestermund verkündet, in die Seele; nun brei­ten sich wieder die Kulturschätze seiner Kirche vor ihm aus in der Predigt, im gemeinschaftlichen ©eBet, int Meßopfer, in den sieben leuchtenden Diamanten der heiligen Sakramente. (Beifall.) Und im Schatten der Kirche erBebt sich als Morgengabe des Bonifatius- r^lnm ,'e.® " le, wo zarte Kinderseelen der katho- lische Religionsunterricht bildet und ihr lichtes, weißes Seelmikteid nut den Blumen der katholischen Religions- Wahrheiten schmückt. (Beifall.) Und es kommen, vom Bonifatiusverein ins Land gerufen, katholische Or­densschwestern, die dienend an der Kranken Bett den süßen Trost katholischen Gebets und herz- erhebenden Zuspruches in die brechenden sterbenden Herzen gießen. (Beifall.) Und es erstehen, aus dem spendensfrohen Opfergeist des Bonifatiusfammel- Vereins genährt, die katholischen Waisenhäuser ur> Kommunikantenanstalten. An die «telle der verstorbenen Mutter tretend und den Platz des toten Vaters ausfüllend, lehren die Waisenanstal­ten die zarten, keinen Kinderhände sich zum Gebete fal- , " unb zum himmlischen Vater flehend emporrecken; nip-^rl Kommunikantenanstalten erfüllen die unver- berteprjr ltodnec Aufgabe, die erwartungsfrohen Kin-

“«^Bereiten für den Beglückendsten Gang b SU sorgen für eine würdige Feier

(Beifall )^ Freudenfestes der Kinderbett,

(getrau.) Nicht wahr, das ist doch ein prächtiges Äe§nh»r t toaBrer Seelenkultur, wel- Steä ber terf ÖinU^erein erschließt. (Wiedetth. Beif.) 7r m ü hs" d'efer seiner Kulturarbeit nicht Reit wird im, tle . Glcnchensnot der modernen hnT1 drohender. Gar manche Seele läuft Sn ÄiX lSL to-?r®en Mutterherzen der katho- .lischen Kirch, losgttiffen zu werden, dem umherirren- den Vogel vergleichbar, der sein Nest in Nacht und Sturm nicht ftnden kann und flügellahm in frembem Neste sich niederlätzt. Drohender reckt auch d» Un. glaube des modernen Freidenkertums seine Fanaarme »ach diesen Seelen und sucht sie zu gewinnen für fei«

Ausgehend von den letzten Wahlen zum Reichstag führt der Redner aus, daß bte inneren potiti. schon Wetterzeichen auf Sturm deuten. Europa steht vor einer sozialen Erschütterung und auch diejenigen, die bisher sorglos waren, sind Be. müht, die Ursachen hiervon aufzudecken und zu Betoiti. gen. ABer alle Mittel einer Besserung helfen nichts, wenn man nicht die Axt an die Wurzel legt und diese ist der At h e i § m u s. (Beif.) Will man den Revolutionis- mus Bekämpfen, so muß man zunächst den Atheismus fällen. Nimmt man den Gottesglauben aus der Welt, so stürzen die sozialen Werte chaotisch durcheinander. Die Gotiesleugnung mutz zum U m st ur z führen, weil sie die Geister beschwört, die nach dem Umsturz to.ch- 3en, und di« Gewalten, die Thron und Altar um- geben, bannt. Sucher sind wir Menschen hinieden und im Suchen geht unser ganzes Leben auf. In stiller Einsamkeit geboren, stürzt sich der werdend« Mensch gleich dem jungen Bergbach schäumend ht bie Tiefe. Zischend und brausend -ritt er von Fel» zu Fels und sucht sich ein ruhiges Bett. Suchend durcheilt er die Jugend, suchend die Jahre des vollkräftigen Alters, und, ist er im Stadium des Greisenalters angelangt, o macht er nicht Halt, sondern noch immer ist er un- tertoegS, noch immer richtet er seinen Sinn in die Ferne. Er sucht! Was sucht beim ber Mensch? Ein Meer, in das er sich ergieße, eine Fülle, dte ihn ganz umfange, eine Liebe, die ihn ganz beselige. Ei sucht bie Unendlichteit, und die Unenblichkeit ist nur Gott. (Beif.) Wie da» Weltmeer alle Flüfle an sich zieht, so ist Gott da» unendliche Steer, bent unwillkür­lich all- Menschen zuströme«, möge« sie nun auf hoher Alm ihre Herden traben ober am nordischen Gestade ihre Netze auSwerfen, mSgen sie im asiatischen Noma, dengelt ihre Tage verbringe« oder die Früchte der europäischen Hochkultur gemeßen. Demi alle Seelen stveben hin sunt Licht, «nb Gott ist da« Licht; st»

Bereits um 9 Uhr drängten sich große Menscheu- scharen um die Eingänge zur Festhalle, um der

4. und letzten öffentlichen Versammlung beizuwohnen. Eröffnet wurde diese um 10'/« Uhr durch den Präsidenten Justizrat Dr. Schmitt. Anwesend waren wieder die mehrfach erwähnten Bischöfe.

Abg. Gymnasiallehrer Stang-Würzburg hält den ersten Vortrag. Sein Thema lautet:

Kulturwerte des Bonifatiusvereins.

Eine Organisation, wie der Bonifattusverein, der sich aufbaut auf dem granitenen Fundament des katho­lischen Religionsideals, vollbringt ein vollgerütteltes Matz von Kulturarbeit. Zwei große Ackerfelder sind es, auf denen seine Kulturfähigkeit blüht. Das eine ist ber weite Boben ber Diasporagemeinben. In ihn finb bie Saatkörner ber katholischen Ideale zu streuen. Aber auch im Ackerland der eigenen geistigen Lebens- und Kulturinteresfen all jener, die diese bedeutenden Kultuttaten vollführen, sproßt aus solcher Tättgkeit eine reiche Fülle wertvoller Furcht. Di« Diasporagemeinden wurden gebildet durch die moderne Verkehrsentwicklung und Freizügigkeit, durch die große modern« Völkerwanderung auf wirt- schriftlichem Gebiet, die von Osten nach Westen, von Süden nach Norden flutet. Diese Wanderung hat für Viele eine Gefährdung des Glaubens mit sich gebracht. In ber Diaspora wird das Heimatbild leider vielfach vergessen. Da kommt als Wieder- Bringer verlorener Kulturwerte der Bonifatiusvevein. (Bravo.) Aus Staub und Schutt läßt er das Bild der Heimat wieder erstehen mit all ihren herzerfrischenden Schönheiten und beglückenden Gaben, mit ihren sonnbeglänzten Auen und ihrem unvergleich­lichen Frieden. Er läßt die verschütteten Bäche wieder rauschen und die versunkenen Glocken wieder erklingen. Ist das nicht menschenbeglückenbes Tun, bas hier ber Bonifattusverein vollbringt? Ist bas nicht großzügige Kulturarbeit? (Beifall.) Er bringt ben Glaubensge­nossen, ihren Kindern unb Kinbeskindern die Reli -