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Nonakbeilage: „Zmoaer GeHlchtshMer

Erstes Blatt

Fulda, Dienstag den 30. Juli 1912.

39. IahcgMs

j\% 172.

Ausland

**

auch Oele und

in sehr geringem

sive Eingeborenenfürsorge, die in der Denkschrift als vor allem notwendig hingestellt wird, wird es der deutschen Kolonialverwaltung zweifellos gelingen,

Vermutungen ausgeprochen werden. Was aus dem Neulande herausgeholt werden kann, ist vor allem Kautschuk, Elfenbein, Nutzhölzer, dann - - - ■ -eHe, Kakao, Kaffee und

laße auch Baumwolle. An wirtschaftlichen Werten mangelt es in Neu-Kame­run nichts Infolge der klimatischen Verhältnisse aber ist deren Hebung mit den größten Schwierigkeiten »erbunden. In dem Südgebiet Neu-Kameruns find die Lebensbedingungen klimatisch im allgemeinen

-. Aber trotzdem sind auch bei uns schon Ansätze zu einer solchen Agitation vorhanden: Ausdehnung des Wahlrechts auf die Jugend von 21 Jahren, sowie auf das weibliche Geschlecht. In Preußen tut uns ja eine Wahlreform wirklich not; aber tvenn sie erfolgt und auch die beste mögliche Gestaltung findet, so wird es doch keine Ruhe geben, sondern die Minderheit wird weiter agstieren für eine weitere Reform, wie es in Bayern trotz der vor wenigen Jahren noch mit Jubel b^rützten Erwei. terung und Verbesserung des Wahlrechts bereits ge°

= Der Kaiser von Japan gestorben.

Aus Tokio wird gemeldet: Der Mikado (der Kaiser) ist Montag vormittag gestorben, nachdem er schon lange völlig bewußtlos gewesen war. Der Kronprinz weilte die letzten Stunden im Palast.

Der Mikado Mutsuhito war am 23. Roo. 1852 geboren, ist also saft 60 Jahre alt geworden.

«L Keine Achtung vor der Bo!ks- vertretuug.

Das gegenwärtige Parlament in Konstantinopel hat eine überwiegend j u n g t ü r k i f ch e Mehrheit. Das imponiert aber den Gegnern des jungtürkischen Komitees durchaus nicht. Vielmehr sagt die Mi­litär l i g a ganz einfach: Das Parlament ist gegen uns, also muß es fort! Unerbittlich besteht man auf der Forderung: das Parlament solle aufge­löst und Neuwahlen ausgeschrieben werden. Nun ist aber, nachdem man den Sultan zu einer Unter» schreibmafchine gemacht hat, das Parlament die einzige gesetzliche Verkörperung des Staats- will'ns und Träger der Autorität. Wenn nun auch dieser letzte Pfeiler, untergraben wird, so muß das Staatswesen zusammenbrechen, es sei denn, daß eine ungesetzliche Autorität die Ordnung aufrecht­erhält. Im vorliegenden Falle will die Militärliga die Lücke füllen. Aus der Sultausdiktatur in die Komiteediktatur, und von der Diktatur der Saloniki- scheu Liga in die Didaktur der Konstaniinopolitani- schen! Wo bleibt da die Volksvertretung, die doch in der geschriebenen Verfassung die H a u p t- s a ch e bildet? Die jeweiligen Machthaber betrachten den glänzenden parlamentarischen Apparat nur als ihr Werkzeug. Sie handeln nach dem alten Spruch, den man den Reaktionären nachgesagt hat: Und das Parlament sei absolut, wenn es unfein Willen tut; wenn es aber anders will, machen wir es schleunigst still.

Man braucht übrigens nicht bis zu den Türken zu gehen, um die Mißachtung und Mißhandlung der Parlamentsmehrheit zu finden. In B e l g i e n haben noch vor kurzem Neuwahlen stattgefunden, die in einwandfreier Weise den Volkswillen zum Ausdruck brachten. Aber die dortige Opposition, die sich demokratisch nennt, verleugnet den ersten demo­kratischen Grundsatz der Mehrheitsherrschaft und will die ihr unbequeme Mehrheit mit List und Gewalt an ber Ersllung ihrer verfassungsmäßigen Aufgabe behindern. In Ungarn hat es eines wahren Ver- zweiflungskampfts bedurft, um die Obstruktion zu brechen, welche der vorhandenen großen Mehrheit die Beschlußfassung überhaupt unmöglich machen wollte. Mich in manchen anderen Parlamenten ge­fällt sich die Minderheit zeitweilig im Skandal­machen, entweder um die Arbeiten zu hemmen oder um das Ansehen des Parlaments im Volke herab- zndrnüen. In Bayern betreiben die verbündeten Liberalen und Sozialdemokraten die Hetzerei im Par­lament systematisch, in Preußen die kleine, aber rücksichtslose sozialdemokratische Gruppe.

Au Vorwänden zur Verteidigung der Auf- lehnuug gegen die Mehrheit ist kein Mangel. Na­mentlich pflegt man Wahlbeeinflussungen oder Mängel des Wahlrechts heranzuziehen, um der gegnerischen Mchrheit die Berechtigung abzu­streiten.

Nun wird ja wirklich in manchen Ländern eine W ah lm a ch e betrieben, die den Volkswillen nicht zum Ausdruck kommen läßt. Am meisten in den kulturell rückständigen Ländern, wie ht der Türkei oder auch in Ungarn, wo man für ein modernes

Alles in allem: in Neu-Kamerun wird sowohl die deutsche Kolonialverwaltung wie auch der deutsche Kaufmann Gelegenheit haben, ihre Lei­stungsfähigkeit und Tüchtigkeit zu beweisen.

Er bestieg 1867, fünfzehn Jahre alt, den Thron als 120. Sproß der Dynastie Dschiumu Tenno, die seit 660 vor Ehr. auf dem japanischen Kaiserthrone sitzt. Die Gattin des Mikado, Haruko, ist 1851 geboten. Die Ehe des Kaisers war' kinderlos geblieben und Mutsuhito entschloß sich daher, von dem ihm gesetz­mäßig zustehenden Rechte, eine Nebenfrau zu nehmen, Gebrauch zu machen. Ans dieser Ehe wurden Bem Kaller 13 Kinder geboten, fünf Knaben und acht Mädchen. Die fünf Knaben sind alle bis auf einen, den Vrinzen Ioschihito, gestorben. Joschihito der vorletzte der fünf Prinzen, der neue Kaiser, ist zu Tokio am 31. August 1879 geboren und seit 10. Mai 1900 mit der Prinzesston Sadako, der Tochter des Fürsten Kudiso Fudschimara, vermahlt. Der Kronprinz ist ganz europäisch erzogen. Er soll die englische Sprache vollkommen beherrschen und sich auch das Deutsche in hervvrra^ndem Maße angeeignet haben.

Unter der Regierung Mutsuhitos ist Japan die ost asiatische Großmacht gew orden. Die Grund­lage dazu bübeien zahlreiche Reformen, die 'Ab­schaffung des Feudalsystems und die Einrichtung einer Verfassung, nach außen die glückliche Führung zahlreicher Kriege, insbesondere gegen China und Rußland, der Erwerb ausgedehnter Gebiete und die Oeffnnng der japanischen Küstenorte.

Fortdauer des Londoner Dockarbeiierstrslls« Die Streikleitung der Londoner Dockarbriter hat eine unglückliche Hand. Ursprünglich hatte man einen Generalstreik der Transportarbeiter Englands geplant, Mau hatte nur einen Teilstreit der Dock-

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Eingeborenen rekrutieren müssen; auf eine Arbriter- Einfnhr aus Briiisch-Jndien und China wird man kaum rechnen dürfen.

3(n wirtschaftlichen Werten mangelt es, wie ge­sagt, in dem neuen Kolonialgebiet nicht. Was aber fehlt, sind die Transportmöglichkeiten. Das Ver­kehrswesen ist noch äußerst mangelhaft entwickelt, wodurch der wirtschaftlichen Erschließung natürlich sehr große Schwierigketten bereitet werden. Eisenbahnen gibt es in Neu-Kamerun überhaupt nicht und auch die Flüsse sind zu bestimmten Zeiten nur schwer oder gar nicht benutzbar. Kenner des Landes wollen behaupten, daß das mangelhaft ent­wickelte Verkehrswesen uns bei der Erschließung des Landes noch größere Schwierigkeiten bereiten wird als die klimatischen Verhältnisse. Allein Transport- sihwierigkeiten sind nicht unüberwindbar. Und eine ber ersten Aufgaben, die wir in dem neuen Gebiet 5u erfüllen haben werden, wird die Entwicklung des Verkehrswesens sein. Von mancher Seite wird ein- geweudet werden, daß der 'Nutzen, den wir aus Neu- Kamerrin herausholen können, nur äußerst gering f’t und die Aufwendung größerer Kapitalien nicht - em mutz entgegengehalten werden, daß die Kapitalinvestierungen in Französisch-Kongo nur sehr gering bis jetzt gewesen sind und wo der Kauf- /bme Kavitalien anlegt, kann er auch nichts ^ie Mitteilungen der Denkschrift nS ^llffeit der K o n z rs s io n s ge sell- [d? f° ist daraus zu entnehmen,

5$^“® der Konzessionsgesellschaften bis jetzt m cht beebxgen d gearbeüet hat; daß an- derersests aber die wichtigste aller Gesellschaften die Compagnie Foresützre Sangha Qubanghi __ die

einzige, die mit einem größeren Kapital arbeitet__

gleich im ersten Geschäftsjahr 15y2 Fr. Dividende zahlt'.

schieht.

Bezeichnender Weise wird gerade dort, wo man ein sehr rückständiges, ganz veraltetes Wahlrecht hat, nämlich in England, die Autorstät des Parlaments und die gute Sitte innerhalb des Par­laments noch am besten respektiert. Dort wirkt noch die jahrhundertelange Gewöhnung, die Erzie­hung in der guten Ueberliefenmg nach. Auf wie lange dieser Respekt noch vorhält, ist freilich ftaglich. In den andern Ländern aber, die sich nach eng­lischem Vorbild eine repräsentative Verfassung zu­gelegt haben, zeigt das Parlament m steigendem Matze sich unfähig, den festen Halt und Hort für die politische Autorstät zu bilden, und meistens find es die D e m o k r a t e n, die den Parlamentarismus in seinem Ansehen und feiner Leistungsfähigkeit herab­setzen.

arbeite! in London zustande gebracht, der zwar von vornherein einem vollständigen Fiasko verfallen war, sich trotz dieser trüben Aussicht immwhm 10 Wochen lang hinzog, die letzten zurückgelegten Gelder der betreffenden Gewerkschaften verschlang und die Ausständigen und chre Familien in die größt« 9? o t stürzte. Als nun am Samstag der Streik-« ausschuß den einzig vernünftigen Entschluß faßte, den fehlgeschlagenen Ausstand als beendet zu erklären, zeigt es sich, daß der Streikausschuß di» losgelassenen Geister nicht mehr bannen kann. Di» Arbeiter, denen von deu Agitatoren so ost ein sicherer Sieg prophezeit worden war, fühlen sich von ihren Führern betraten und wollen trotz des Friedens- manffestes der Streikleitung nunmehr auf eigen« Faust den A u s st a n d fo rtsTtz e n. 30 000 aus« ständige Dockarbester, Leichtermämrer, Staumeister und Matrosen zogen am Sonntag nach Southwark Park und hielten dort eine Versammlung ab, bie über die erregte u n d erbitterte Stim-i m u n g der Arbeiter keinen Zweifel zuließ. Gent» stimmig wurde, wie schon telegraphisch gemeldet, bie Fortsetzung bes Ausstandes beschlossen. Der Streik- ausschnß mußte zu dieser unerwarteten Wendung gute Miene machen. Er erläßt eine etwas gewun­dene Erklärung, die das Strestbeendigungs-Manffeft vom Samstag lediglich als eine Art Prüfstein zur Erforschung der Stimmung der Arbeiter einzustellen sucht. Jede beteiligte GewerkschaftsaNeilung soll nun in gesonderter Abstimmung über die Fortdauer oder Beendigung des Ausstandes entscheiden. @8 ist also anzunehmen, daß die Docks zunächst noch verödet bleiben. Doch wird der verzweifelte Wider­stand wegen völliger Erschöpfung der Mittel nicht lange dauern können.

** 6outeir»8 Bericht über den Einfall in Portugal Die,Correspondenea d' Espaua' veröffentlicht dem ersten aiithenlischen Bericht übet die Zusammen»! stellung und die Aktion der Truppen Paiva Cou» ceiros in Nordportugal. Der Bericht, der aller Wahrscheinlichkeit nach von Couceiro selber stammt^ wie das Blatt durchblicken läßt, erregt großes Inte» reffe und stellt die verschiedenen irrigen Auffassungen richtig. Die Streitmacht CoueeiroS bestand danach aus einer'Kolonne Couceiro, gebildet auS einer Ab­teilung Gebirgsartillerie und 2 Geschützen, 8 Som»; panien Infanterie von je 120 Mann, ferner einer Kolonne Diaz aus 200 Mann und einer Kolonne Sepukveba von 160 Mann. Der Kolonne Couceiro halte sich eine auS Studenten und jungen Aristo» traten bestehende sogenannte Kadettengruppe do» 40 Mann angeschloffen, die von ihrem Senior kom» mandiert wurde. Außerdem war eine perfönliche Leibgarde von 30 Mann für das Kommando Cou» ceiros vorhanden. Couceiro hatte einen General» stabschef und einen Unterchef. Die ganze Streitmacht war nicht 700 Mann stark. Der Angriff auf Chaves erfolgte bei glühender Sonnenhitze, wobei den Angreifern die Sonne inS Gesicht schien. Ei« feindliche Kavalleriepatrouille entdeckte daS Lager der Dionarchisten zuerst. Dis Schlacht, die sich ent» spann, dauerte sechs Stunden. Schließlich brach ein äußerst heftiges Gewitter loS, während deffen bie Monarchisten flüchteten und sich bei Gironda, auf spanischem Gebiet sammelten, wo sie die Auf­lösung der Truppe beschloffen, weil die Bevölke« tung die getroffenen Abmachungen nicht imree gehalten hatte.

** Spanien und Portugal. Der spanische Mi»; nifterpräfwrnt Canalejas erklärte verschiedenen Journalisten, daß kürzlich von Portugal eine diplomatische Note übergeben worden sei, in der nicht nur die Ausweisung der Führer der portu­giesischen Monarchisten, sondern auch die aller Flücht­linge verlangt wurde. CanalejaS fügte hinzu:

„Im letzten Ministerrat waren wir uns darüber, einig, daß wir Maßregeln anwenden wollten, um Ber- schwörungen und ein Borgehen der portugiefHdjen FUichtlmge zu verhindern, aber auch darüber, daß es unmöglich ist, der zweiten Forderung der portu­giesischen Regierung nacyzukommen. 5)ie Ausweisung wäre unmenschlich sür die Bedürftigen. In Konferenzen, die ich mit dem Minister des Reicheren, Garcia Pietro, und dem portugiesischen Gesandten, Relvas, hatte, »er­langte dieser Die Ausweisung, fügte aber hinzu, daß die Flüchtlinge nach den Kanarischen Inseln gebracht werden »ollen. Die Regierung hat über diesen Punkt noch nicht beraten."

♦* Fürst Katsura, ber in Petersburg wellende japanische Staatsmann, hat Montag abenb bie Rück­reise nach Tokio angetreten. Er hat sich vor seiner Abreise den russischen Staatsmännern gegenüber sehr pessimistisch über die Entwicklung der Lösung ber chinesischen Frage ausgelassen. Man glaubt, baß Japan bei dem neuen Besuch des Fürsten Kat­sura an Rußland herantreten wird, um gemeinsam die Ordnung in der Mongolei und Mandschurei auf­recht zu erhalten.

* Bombardement eines türkischen Lagers bei Hodeida Dir „Agencia Stefani" meldet aus Mas» saua: Am Sonntag bombardierten zwei italienische Schiffe das feindliche Lager und die um dasselbe liegenden befestigten Schanzen nördlich von Hv»

geringste versteht, lind eine solche Partei maßt siH art, die Arbeiterschaft über landwirtschaftliche Ver­hältnisse „aufzuklären" und obendrein ber Landwirt­schaft noch Vorschriften für chren Betrieb zu gebeut Weiter kann die Anmaßung kaum noch getrieberk werden.

* Königsberg, 29. Juli 1912. Die liberalen und die konservativeil Parteien Haden sich dahin geeinigt; den naiionalliberalcn Rechtsanwalt M e n zel (Dtrschau) als Kandidaten für die cur di cen Tod des früheren Abg. Exzellenz £wbrrrht vww'nbjg gewordene Landtagsersatzwahl in Beretu-preußiscH Slergard-Tirschan aufzustellen.

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Deutsches Reich.

** Berlin, 29. Juli 1912. Aus Balestranb wird gemeldet: Der Kaiser begab sich heute früh nach Gndvangen, wo seine Ankunft um elf Uhr erfolgte. Er unternahm einen Spaziergang, welcher infolge heftigen Regens unterbrochen wurde, sodaß ber Kai­ser bereits um 2 Uhr wieder auf der „Hohenzollern" eintraf. Nachmittags arbeitete ber Kaiser allein; dann hörte er einen kriegsgeschichtlichen Vortrag. — Der Reichskanzler empfing in Hohenfinow den Bestich des Gesanbten beim Vatikan von Mühl­berg, ber zuvor mehrere Tage bei Karbinal Kopp auf Schloß Johannisberg geweilt hatte.

* 4i/Lprozentige Staatsanleihen? Die „Soff. Ztg." will erfahren haben, daß bie verbündeten Re­gierungen beabsichtigen, Staatsanleihen mit einem Zinsfuß von 4i/2 Prozent herauszugeben, um dem niederen Kursstand zu steuern. 3 und Zh^prozentige Staatspapiere konnte man Wohl in einem Laude ausgeben, das sich vorwiegend aus Rentnern zusam­mensetzte, nicht aber in einem solchen, das auf rein kommerzieller Grundlage gestellt ist und infolge­dessen aus höhere Verzinsung sehen muß. Auch Oesterreich hat sich bereits mit der 4y> Prozentigen Anleihe befaßt. Ohne dringende Nos wird weder das Reich noch Preußen Geld zu 4y> Prozent aus­leihen, denn bie Regierungen finb sich Wohl bewußt, baß ein berartiger Zinsfuß ben Gelbbedarf ber Städte und der Industrie weiter verteuern und fo die Steuerkraft verminbern würbe. Bor Winter 1914 würde dem genannten Blatte zu­folge auch weder das Reich noch Preußen mit einer neuen Anleihe an den Geldmarkt herantreten.

** Ermordung eines Deutschen in Marokko. Aus Tanger kommt die Hiolsbotschaft, baß in ber Nähe von Marrakesch ein Deutscher namens Wolfgang Opitz ermordet worden ist. Aller Wahrscheinlich, keit nach ist er einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Am 20. Juli nachmittags unternahm er ohne Be­gleitung einen Spazierritt, von dem er nicht mehr zurückkehrte. Opctz pflegte öfters allein auszureiten; die Straße, die et am 20. Juli ritt, gilt als sehr gefährlich. Er winbe von Eingeborenen und dem Sekretär des deutschen Koufularamles gewarnt, hat aber diesen Warnungen mit dem Hinweis auf zwei mitgcsührte Revolver begegnet. Die Behörden haben sofort unter Aufgebot der militärischen Kräfte Nachforschungen nach allen Richtungen hin anftelleu laffcn, um die Tat aufzuklären. Aück- lchlüsse auf b:e Lage in Marrakesch dürfen aus diesem Mord nicht gezogen werden. Die Lage ist dort ruhiger aeroorben.

# Das Ei beS Kolumbus ist von der allweisen Sozialdemokratie wieder einmal gefunden worben. Die sozialdemokratische Presse bringt nämlich einen Artikel, ber bie auffaCenbe Ueberschrift „Glänzenbe Rentabilität sür dieLandwirtschaft" trägt. Durch diesen Titel soll bei ber nicht lanb- wirtschaftlichen Bevölkerung natürlich zunächst tote» ber ber Anschein erweckt werben, die Landwirtschaft lebte in Saus und Braus und wüßte gar nicht, wo­hin mit all dem (Mb. Wenn man aber weiter lieft, erfährt man, daß die Landwirte große Summen ver­dienen — konnten, wenn sie nur wollten. Sie brauchten nämlich nur den Getreide- und Kartoffel­bau auszugeben und statt dessen — „Spargeln, Champignons, Arzneipflanzen und Tafelgemüse" zu züchten. Wirklich eine schr einfache Lösung, und es ist gar nicht zu begreifen, wie unsere Landwirte bisher so große Dummköpfe fein konnten und nicht selbst auf den Gedanken kamen. Ja, wenn wir un­sere Sozialdemokratie nicht hätten! Der sozialdemo­kratische Artikll bezeugt es auch unfern Bauern ausdrücklich, daß sie den richttgen landwirffchaftlichen Betrieb gar nicht verstehen. Tas kann nur die So­zialdemokratie In dem Artikel heißt es, daß die Großgrundbesitzer nur aus Bequemlichkeit bei ber bisherigen Produktionsweise verblieben, während die übrigen Landwirte von einer richtigen Wirtschafts­weise einfach keine Ahnung hätten. — Die sozial­demokratische Presse wurde zum Niederschreiben die­ses hirnverbrannten Zeuges veranlaßt, weil sie wie­der einmal etwas hatte läuten hören. Sie hatte von einzeln en Gegenden gelesen, wo die Boden- und Klimaverhältnisse, bie Produktions- und Absatzbe­dingungen und insbesondere auch die Arbettsverhält- niffe so aicherordentlich güitftig liegen, daß dort die Spargelknttur und Champignonzucht hohe Erträge abwirst. Flugs kommt sie jetzt und empfiehlt die­ses Rezept für unsere ganze Landwirtschaft. Da­mit hat die Sozialdemokratie wieder einmal einen vortrefflichen Beweis ihrer „Wissenschaftlichkeit" ge­liefert und insbesondere gezeigt, dqß sie von land- wittschastlichen Verhältnisssn auch nicht das aller-

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4- Unfere Nonerwervmtgc« am Kongo.

Heber unsere Neuerwerbungen am Kongo sind wir bis heute noch ziemlich schlecht unterrichtet. Die ersten auttlichen Drucksachen, bie darüber erschienen, waren begreiflicherweise mit wenig Gründlichkeit auägearbeitet. In Kürze wird nun über Neu-Kame­run eine von Assessor Dr. R it t e r im Auftrage des Reichskolonialamts verfaßte Denkschrift erschei­nen, in der mit großem Fleiß all das zusammenge- tragen ist, was bisher über bie natürlichen unb wirtschaftlichen Verhältnisse unseres neuen Kolo­niallandes bekannt ist.

Bei ber ungeheuren Ausdehnung des Kongoge­bietes ist es erklärlich, daß wette Gebiete noch nie­mals von einem Weißen betreten wurden und hier­über können in der Darstellung natürlich lediglich

dieselben wie in allen anderen westafrikanischen Ur­wäldern. Besonders unangenehm macht sich der tändige große Feuchtigkeitsgehalt der Lust geltend und die S t e ch f l i e g e n p l a ge ist hier ehr groß. Unter den Eingeborenen richten die Po­cken unb die Schlafkrankheit sehr große Ver­wüstungen an.

Sehr schlimm liegen bie Verhältnisse in bern Sanga-Borsprung, dem südlichen ber beiben so- fenannten Kongozipfel. Hier dauert der Regen- a l I ziemlich gleichmäßig während des ganzen Jah­res an.

»Die Temperatur ist während des ganzen Jahres gleich und fast ohne Tagesschwanlungen. Fast uner­träglich wttd sie dadurch, daß d e Lust bis zur Cät- ttgimg mit Wasferdainpf angefüllt ist. Dazu ist die Mückenplage nirgends in Afrika so groß rote her. Die gewöhnlichen Iroptscheu Krankheiten treten in diesem Gebiete in besonders schwerer Form auf; auch die Schlafkrankheit ist hier sehr verbreitet. Der dauernde Aufenthalt von W-ißen in diesem Gebiete wird von Kennern deS Landes für unmöglich gehalten; sogar ein nur vorübergehender Aufenthalt von wenigeu Monaten wird als geradezu mord e risch bezeichnet."

lieber das O st geb iet Nen-KamerunS heißt es:

„Die gesunDhettliche Beurteilung dieses Gebietes wird aber weniger durch diese allgemeinen ttimatifchen Boranssetznngen bestimmt, als durch die Tatsache, daß das ganze Stromgebiet des Sanga und des Ubangi von der Schlafkrankheit dnrchicucht und als der Herd zu betrachten ist, von dem aus sich tue Krankheit auch nach Alt-Kamerun verbreitet Hai. Ueberall kommt im Sangamittellaufe und im Oberlaufe im Norden bis über Kainot hinaus die Glossina palpatts vor, die hier die günstigsten Lebensbedingungen hat. Ein großer Teil der emgebotenen Bevölkerung ist insiftert."

Bedeutenb beffer sind die Verhältnisse im Nord­gebiet, wo sie in gesundhettlicher Beziehung den in der gleichen Breite liegenden Bezirken Alt-Karne- runs entsprechen.

Bei der Schilderung der klimatischen und gesund- ^eiiltchen Verhältnisse des neuen Gebietes hat sich das Reichskolonialamt, wie man sieht, durchaus keine Schön färberei zuschulden kommen las­sen. Fast hat '18 den Anschein, als fei die Denk­schrift etwas zu peffimiftisch verfaßt. Was die vor allem gefürchtete Pocken- und Schlafkrank­heit angcht, die unter den Eingeborenen wütet, so ist vonfeiten der französifchen Koloniälverwaltung bisher nicht bas geringste zu ihrer Bekämpfung ge­schehen. Und daß sie mit Erfolg bekämpft werden können, dafür haben wir doch in Att-Kamerun he- retts den Beweis erbracht. Durch besonders intern

Verfasimngsleben noch nicht reif ist. Wer die „ent­rüsteten" Klagen über Wahlbeeinflussungen hört, muß sich fteilich gegenwärtig halten, daß die schelten­den Herren es nicht anders machen würden, wenn sie selbst das Ruder in der Hand hätten. Die Beobach­tung lehrt, daß gerade die Fabrikanten der Demo­kratischen" Phrasen es vortrefflich verstehen, die Wähler nach ihrer Geige tanzen zu lassen.

Die wirklichen der angeblichen Mängel des Wahlrechts bilden eine unerschöpfliche Quelle von Vorwürfen gegen eine unbequeme Mehrheit. Die „Agitation für Wahlreform" reißt nicht ab. Das ... „ , ., ™ " x ■ I deutsche Sleich hat glücklicher Weise von Anfang an

öbffwe gesunbhettlrche Vetthälttusse unter den . allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wähl- Olngeborenen zu sorgen Dre Arberter, bie zur ^cht bekommen uiw marschiert damit an der Spitze ^^Oefjung n°?l?<n^t9 'tn‘5, werden Kulturvölker. Aber trotzdem sind auch bei uns

V der Hmiptsache nach wie bisher schon aus den {d)DTt Ansätze m einer solchen Slai ation vorbanden: