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Kota Hon »brat n. Verlag 6er MdE »eilen drmkerel uMdß

8«rvsprech«r llr. H

171.

Fulda, Montag den 29. Juli 1912.

39. Jahrgang.

’ Der hl. Bater und Vie Aachener Katholikenversammlung.

Das Aachener Lolalkomite« der 69. Katholiken- veriammlung hat an den hl. Vater Pius X. ein Schreiben gerichtet. Es erinnert daran, daß vor kurzem Wmdthorsts 100. Geburtstag begangen wo, oen sei und vor 33 Jahren Windthorst mitten im unseligen Kulturkämpfe auf dem damaligen Aachener Katholikentage seine hochbedeutsame Rede gehalten habe, die gleichsam das Einläuten des kirchlichen Friedens sein sollte. Als wichtigste Bera- tungsgegenstände des diesjährigen Aachener Katho­likentages werden die soziale Frage, Die Erhaltung des christlichen Charakters der Schule, die Pflege der Wissenschaft, we Förderung der Missionen und Die Freiheit des Apostolischen Stuhles genannt. Das Lokalkomitee versichert den hl. Bater der ehrfurchts­vollen Ergebenheit und unwandelbaren Treue in Befolgung seiner Mahnungen und Vorschriften und bittet um seinen Segen als Unterpfand der himm­lischen Gnadenschätze. Das Lokalkomitee erhielt auf das Schreiben ein Breve des hl. Vaters, das in Deutscher Uebersetzunz folgenden Wortlaut hat:

Seinem geliebten Sohne Hrn. Dr. med. M. Winands, Ersten Vorsitzenden der Generalversamm­lung der Katholiken Deutschlands in Aachen, ent­bietet Papst Prus X. Gruß und Apostolischen Segen.

Geliebter Sohn! Da wir den jährlichen General­versammlungen der Katholiken Deutschlands einen sehr hohen Wert beimessen, weil sie für die deutsche Nation in religiöser und bürgerlicher Hinsicht außerordentlich nützlich und heilsam sind, so hast du uns eine große Freude bereitet durch die Anzeige, dckß die nächste Ver­sammlung in Aachen stattfinden werde, jener altehr- würdigen und durch die Denkmäler ihrer Vergangen- heit hervorragenden Stadt, die ihr gerade in diesem Jahre mit Fug und Recht zur Stätte für eure Zu­sammenkunft erkoren habt. Denn dort läßt gewisser­maßen auch heute noch in den Versammlungen Lud­wig Windthorst seine Stimme erschallen, jener große Vorkämpfer und Verteidiger des katholischen Maubens und des Rechtes, der durch seinen religiösen und lauteren Charakter, durch Klugheit und mann- hafie Tugend auch dem Besten ein leuchtendes Vor­bild war; wenn da» katholische Deutschland die un- sterblichen Verdienste dieses Mannes in dankbarer Liebe sich inS Gedächtnis zurückruft, wird es seinen hundertsten Geburtstag in würdiger Weise feiern. Bei diesem Vorhaben durftet ihr mit Sicherheit auf die fördernde Beihülfe eures Erzbischofs rechnen, unseres geliebten Sohnes und Kardinal» Antonius Fischer, dessen überaus großen Eifer für sein Hir­tenamt, dessen innige Liebe zu uns, dem Apostolischen Stuhle, wir in zahlreichen Fällen sich trefflich bewähren sahen.

Was dann die Gegenstände'eurer Beratung betrifft, von bene« du Mitteilung machst, so sind sie in der Tat hochbedeutsam und wichtig. Die auswärtigen Missionen gehören ja zu jenen Unternehmungen, die bei Gutgesinnten einer weiteren Empfehlung nicht bedürfen. Wer den Wert de» wahren Glaubens zu schätzen weiß und auch nur einen Funken christlicher Nächstenliebe in sich trägt, der wird gewiß so vielen armen Brüdern, die in der Finsternis und im Schatten des Tode» schmachten, nach Kräften zu Hilfe eilen. — Ebenso muß eS bei allen Katholiken freudigen Beffall finden, wenn ihr abermal» und mit Nachdruck zu erklären gedenkt, ihr würdet es nicht dulden, daß aus den öffentlichen Schulen die Unterweisung in der Religion verschwinde, weil sie die Grundlage jeder richtigen Zucht und Ordnung ist und den gefähr- lichen Bewegungen der heutigen Zeit einen starken Damm entgegenstellt; denn auch wir wissen sehr wohl, wie hartnäckig gerade auf diesem Gebiete die Anstren­gungen der Gegner find. — Mit Freude begrüßen wir eS auch, daß ihr mit immer größerem Nachdruck den Kampf gegen jene zu führen gedenkt, die als höchstes Ziel deS Menschen den Genuß irdischer Annehmlich­keiten betrachten und deswegen die soziale Frage nur in der Weise lösen zn können glauben, daß sie die gegenwärtigen Zustände auf sittlichem, staatlichem und wirtschaftlichem Gebiete unterwühlen, die uner­fahrene und arglose Menge an sich locken, Gering­schätzung der Religion und Mißachtung Gottes, dessen Dasein fie leugnen, ihren Anhängern einflößen und sie

’^Sauemßlitf.

53] Roman von Felix Nabor.

„Dazu brauch ich keine Erlaubnis, weil er auf meinem Grund und Boden liegt."

„O no! — An dem Wasser hab auch ich teil! Nes! — Bisher ist es durch die Schlucht abgefloffen und hat meine Felder getränkt. Du entziehst es mir, daß sie unfruchtbar werden. Wer hat den Schaden? — Ich werde die Gesetze anrufen." —

„Tu das immerhin, Onkel!" rief Baldwin be­lustigt. „Vielleicht fängst Du eine Maus, während Du auf einen Hirsch Jagd machst. Aber das sag ich Dir: der Hirsch hat ein Geweih, er wird sich ver­teidigen."

„Oooo — Du drohst mir? — Nimm Dich in acht vor Mister Cooper! — Du kennst ihn noch nicht ganz!"

„ö doch!" erwiderte Baldwin bitter.

„Nun, so sei auf der Hut, Boy! — Tritt mir nicht in- den Weg, sonst werf ich Dich nieder! — Hast ohnedies 'was auf dem Kerbholz! — Die Lizzie hat mir es zwar nicht direkt gesagt, aber ich hab' es erraten! — Du hast ihre Hand ausgeschlagen. Glaubst Du etwa, daß ich Dir eine solche Belei­digung ohne weiteres verzeche? — No, no, no, -— Mür mußt Tu bluten! — War ja Unsinn von ^zzie! Du, ein Bettelmann — und sie, eine Mil­lionärin! Aber der Schimpf bleibt. Gib acht: so tme rch Deinen Vater verschlungen habe, so ver- 'ch Dich! — und alles rings umher, was Dern ist! — Ich bin gekommen mit dem Grundsatz: Äug' um Äug', Zahn um Zahn. Well."

„Tas ist freilich ein furchtbares Wort, und Du r ! m b.erejt§ wahr gemacht an meinem Vater," jagte Baldwin. „Aber ich fürchte Dich trotzdem nicht i - l» 5, ^mpfe für die Heimat und für mein gutes Recht. An dem Sohne soll die Faust zer­brechen, die den Vater niederwarf. — Du haltest vielleicht das Recht, einen Schuldigen zu bestrafen, aber ihn zu vernichten, das geht zu weit! Das geht gegen alle göttlichen und. menschliche« Gesetze —

allmählich dahin bringen, gegen die höher« Stände einen unauslöschlichen Haß im Herzen $u nähren und jedweder gesetzmäßigen Obrigkeit den Krieg zu er- klären. Daß in solche Fallstricke namentlich bte Ar­beiter nicht geraten, die derartigen Gefahren vorzugs­weise ausgesetzt sind, das ist, wie Wir nnsten, fett langem das rühmliche Bemühen der Katholiken Deutsch­lands. In diesem Beginnen also schreitet rüstig vor- wärts und fahret fort, daS «bettende Volk un reltgtö- fen und wirtschaftlichen Leben zu fördern und seiner staatsbürgerlichen Verhältnisse euch anzunehmen, ohne Gerechtigkeit und Nächstenliebe außer acht zu lassen. Hierbet sei es euch stets ein unverbrüchliches Gesetz, den Anordnungen und Ratschlägen eurer Bischöfe ge- wissenhaft zu gehorchen, indem ihr eure Tätigkeit nach den Vorschriften einrichtet, die Unsere Vorgänger und wir selbst in dieser Angelegenheit erlassen haben. — An eurer kindlichen Anhänglichkeit an den ApostoIi - schon Stuhl haben wir zwar nie gezweifelt; doch ist es uns ein großer Trost, daß du, geliebter Sohn, uns Gehorsam und Liebe in so hohem Grade bekundest und in deinem Schreiben hervorhebst, eS sei für die deutschen Katholiken ein Gegenstand innigsten Wunsches, daß die Lage des römischen Papstes, die jetzt uner­träglich und von fremder Willkür abhängig ist, sich bessern möge und daß ihm namentlich gewährt werde, frei von jeder fremden Macht seine Entscheidungen zu treffen.

Inzwischen ist uns nichts erwünschter, als daß auS allen bürgerlichen Ständen, aus allen katholischen Krei­sen im ganzen Deutschen Reiche recht zahlreiche Be­sucher sich zu dieser Versammlung einfmden, daß in euren Besprechungen die Liebe walte, wie das brüder­liche Band eurer Gemeinsamkeit in Glauben und Heimat sie heischt, und daß, was die Hauptsache ist, eure Beschlüsse so geartet seien, daß sie für die Ver­hältnisse gerade eures Volkes möglichst reichen Nutzen stiften. Eine Gewähr der göttlichen Gnade aber und ein Unterpfand unseres väterlichen Wohlwollens sei der Apostolische Segen, den wir dir, geliebter Sohn, deinen Mitarbeitern bei der Vorbereitung der Ver­sammlung und allen, die ihr beiwohnen, in herzlicher Liebe erteilen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter am 12. Juli 1912, im neunten Jahre unseres Pontifikates.

Papst Pius X.

Deutsches Ueich.

! Berlin, 28. Juli 1912. Der Kronprinz weilte bei den Truppenübungen auf dem Truppen­übungsplatz Arys. 12000 Soldaten, darunter 4000 ÜÜlanu Artillerie und Kavallerie, nahmen an den Hebungen teil. Auch eine Reihe hoher Offiziere wohnten den Hebungen bei, unter ihnen General von Kluck und Generalfeldmarschall von der Goltz. — Prinz Oskar von Preußen, der vierte Sohn des Kaiserpaares, vollendete am Samstag das 24. Lebensjahr. Der Prinz weilt bei seiner kaiserlichen Mutter in Wilhelmshöhe. — Herrn v. Bethmann- Holtweg wird von der liberalen ,Neue Zür. Ztg/ bescheinigt, daß er „Erfolge erzielt hat, die sich sehen lassen könne», die seine Kanzlerschaft zum mindesten gewinnreicher machen als die des Fürsten Bernhard v. Bülow " — Der neue Botschafter in Konstanti­nopel, Freiherr von Wangen heim, ist dort ein» getroffen und hat die Geschäfte der Botschaft über­nommen.

)( Das Sinken der einheimischen Reute» und die Negierung. Wie die „Braunschweigische Landes- zeitung" aus bester Quelle erfährt, schweben bereits feit Monaten zwischen den Bundesregierungen Vor­verhandlungen über Maßnahmen gegen "die zu­nehmende Entwertung der deutschen Reichs- und der Staatsanleihen.

— Bewerbungen bei der Reichsversicherungsan- stlckt für Angestellte. Die Zahl der Bewerbungen für den Bureau- und Kanzleidienst der Reichsversiche­rungsanstall für Angestellte hat sich in der letzten Zeit derartig vermehrt, daß die Listen für Vormer­kungen geschlossen werden muffen. Weitere Bewer­bungen werden daher nicht mehr vorge­merkt.

nur ein Tiger kann so handeln! — Lebt denn kein Funke von Menschlichkeit, Mitleid und Barmherzig- keft mehr in Deiner Brust? — Spricht das Blut, das Dich mit Deinem Bruder verbindet, kein Wort der Vergebung? — Weißt Du nicht, daß in dem heiligen Buche geschrieben sieht: „Wer zu seinem Bruder sagt: Du Narr! der wird des höllischen Feuers schuldig sein"? — Du bist in die Heimat gekommen wie ein Tiger, blutlechzend, mit dem Vor- satz der Rache in der Brust — und Du hast die Rache erbarmungslos vollzogen! — Ich aber sage Dir: es gibt eine Gerechtigkeit, die so hoch ist wie der Himmel über der Erde, die der Menschen Schicksal lenkt wie Wofferbäche. Sie wird Dich ereilen, glaub' es mir! Denn über uns waltet Einer, deffen Ge­rechtigkeit leuchtet wie die Sonne, aber auch zer­schmettert wie der Blitz. Bon seinem ewigen Munde gcht das Wort ans: Mein ist die Rache!"

Baldwin wandte sich ab und ließ den Onkel in völliger Verblüffung stehen. —

Vierzehntes Kapitel

Mister Henry ballte die Faust hinter dem Da­vonschreitenden.

„Good damn!" rief er. „Dieser Bauernkerl hat einen Stolz wie ein König; aber ich werde ihm dir Krone baut Kopfe reißen und zerbrechen. Well!"

Unmutig kehrte er auf den Wildhof zurück, wo ihn sein Chauffeur mit dem Auto erwartete. Er berichtete, daß sich eben eine Kommission zur „Herr­gotts-Ruh-Kapelle" begeben habe; da stieg der Ame­rikaner rasch ein und fuhr hinab ins Tal.

Während er sich behaglich in den Polstern reckte, dachte er voll Stolz zurück an das Werk, das er hier in kurzer Zeit vollbracht hatte.

Sein Sägewerk war in flottem Gange. Er kaufte dem Staat und den Waldbesitzern das Holz ab, schnitt es zu Balken und Brettern, verschickte diese in dir Welt hinaus und arbeitete jetzt schon mit drei­ßig Prozent Gewinn!

Sein „Lichtwerk" versorgte das ganze Dorf mtt elektrischem Licht und mit Kraft, und er buchte den Gewinn mit 50 Prozent!

X Die preußischen Domänenpachten. Daß die Domänenpachten zum Reingewinn der Pächter häu­fig in schreiendem Widerspruch stehen, beweist fol- gender Fall: Der Pächter der ponnnerfchen Domäne Zastrow, der setther jährlich nur 17 000 Mark Pacht zahlte, bot jetzt bei der neuen Verpachtung sofort 40 000 Mark, das ist eine Erhöhung mn 123 Proz.

+ Nochmals evangelische Synoden und Jesuiten- gesetz. Die evangelisch-dündlerisch« ,Postt stellt mit Genugtuung fest, daß

»dieEinspruchsbew egung gegen das Jesutten- gesetz" weitergehe. »Es ist besonders bemerkens­wert, daß die berufenen Vertretungen der evangelischen Kirchengemeinden, die Kreis- und Diözesansynoden ihr» Stimmen erheben und damit den Willen ihrer Ge­meinden entschieden zum Ausdruck bringen. Ein Be­weis, daß die Abwehrbewegung gegen die Jesuiten eine starke Aeußerung des protestantischen Volsrmpfindens ist."

Unserer Ansicht nach sind .die berufenen Ver­tretungen der evangelischen Kirchengemeinden" durch­aus nicht befugt, in Sachen der Jesuiten »ihre Stimmen zu erheben und den Willen ihrer Ge­meinden entschieden zum Ausdruck zn bringen*. Der Wille der evangelischen Gemeinden ist gar nicht maßgebend dafür, ob die Jesuiten in Deutschland Ordensniederlaffungen errtchten oder nicht. Hier kommt von Rechtswegen einzig und allein der Wille der katholischen Bevölkerung in Betracht, und die katholische Bevölkerung emp­findet es rrlS eine große Intoleranz von feiten der protestantischen Mehrheit, wenn man es ihr verwehren will, Ordensniederlaffungen der Jesuiten in Deutschland zu haben. Wir erinnerten neulich schon einmal an den Ausspruch Windthorsts, daß „bte Sache die Protestanten eigentlich gar nichts angehe". Die evangelischen Synoden, die Kund­gebungen gegen da8 Jesuitengesetz veröffentlichen, laffen sich nicht nur eine Intoleranz, sondern auch eine Taktlosigkeit zuschulden kommen. Wollten Katholiken kommen und sich in den Streit der Protestanten nm das Apostolikum einmischen, so würde man sich das auf der anderen Seite mit Recht verbitten. Was den Protestanten aber recht ist, dürfte den Katholiken billig sein!

* 2400000. Genau 2 400018 Mitglieder zählten nach einer Feststellung in der vorletzten Nummer (29) ihres ,Korrespondenzblattes' di« sozialdemo­kratischen Gewerkschaften Ende 1911. Die Zunahme gegen den gleichen Termin des Vorjahres betrug 271997. An der Zunahme waren alle Ver­bände beteiligt mit Ausnahme von vier, die eine nur unwesentlich« Abnahme zu verzeichnen hatten. Dabei verschmelzen sich die Verbände immer mehr zu Jndustrievert änden — so im Vorjahre die Ban- arbeitee — um auf diese Weise um so geschlossener auf dem Arbeitsmarkt erscheinen und diesen nach Möglichkeit für sich monopolisieren zu können. Dieser für unsere wirtfchastliche wie nationale Entwicklung dringenden Gefahr, die zugleich eine schwere Er­schütterung der Stellung des einzelnen Unternehmers im Gefolge haben muß, läßt sich nur dadurch be­gegnen, daß starke nichtsozialdemokratische Organisationen vorhanden sind, die die sozialdemo- krattschen Gewerkschaften bei den Tartfabschlüffen bezw. Erneuerungen einfach nicht beiseite schieben können, und mit denen sie unbedingt — so sehr es ihnen auch gegen den Strich gehen mag — rechnen müssen. Als solchenichtfozialdemokratische Organisationen kommen heute in Deutschland nach Lage der Dinge nur mehr die christlichen Ge­werkschaften in Betracht. Diese kurze praktische Er­wägung zeigt mehr und besser als lange akademische Erörterungen die Unentbehrlichkeit der christlichen Gewertschastsorganisationen.

)( Neingezüchtetks Proletmtnm. Das in Bochum erscheinende sozialdemokratische ,®olf5blatt' brachte folgende Geburtsanzeige:

„Langendreerholz. Ein kräftiger Prolet ange­kommen, welcher schreienden Protest gegen die soge­nannte göttliche Weltordnung erhebt. Dies zeigen hoch­erfreut an August Reppel und Fran."

Er setzte fünfzig Arbetter ins Brot, zahlte sie schlecht, behandelte sie nicht gerade als Sklaven, aber fo, daß sie vor ihm zitterten, war also ihr Er­nährer!

Er brachte dem Dorfe alle Neuerungen auf dem Gebiet der Technik, war ein Kulturträger der neuen Zeit und der fortschrittlichen Ideen, brachte eine Menge Geld unter die Leute und nannte sich selber mit Stolz — einen Volksbeglücker!

Daß er Unrast und Unfrieden ins Dorf brachte, wie ein Tyrann herrschte, unerbittlich jeden nieder­trat, der sich ihm widersetzte; daß er seinen Bruder von Haus und Hof vertrieben hatte und auch seinen Neffen ins Unglück stürzen wollte — das schrieb er nicht in sein Kontobuch!

Alles hatte er erreicht, was er sich vorgenommen hatte — und heute wollte er den Hauptschlag tun: die alte Kapelle sollte fallen, um einer großen Kraft- zentral: Platz zit machen, das ganze Tal mit Licht zu versorgen und die Kraft zum Betriebe einer elektrischen Bahn zu liefern — dann konnte der Ge­winn mit 200 Prozent gebucht werden! Dann war Sieg auf der ganzen Linie! — „Ja", dachte er, „man hat nicht umsonst dreißig Jahr: im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gelebt, da lernt sich so etwas!"

Und er beschäftigte sich in Gedanken wieder mit seinem großen Projekt. —

Die alte Kapelle war ihm schon lange im Wege.

Das Wasser hatte, wie es fast in jedem Früh­jahr geschah, großen Schaden angerichtet. Die Ka­pelle war für die Gemeinde und für die Kirch en- siiftung ein beständiges Sorgenkind. Aber vielleicht wurde sie gerade darum besonders geliebt, denn Sorgenkinder sind stets die Lieblinge ihrer Eltern.

Rings um die Kapelle hatte das Hochwasser den Boden ausgewühlt, der Mauerverputz war abgesal- len, b:r Sockel zerbröckelt, und in der einen Mauer­ecke klaffte ein Riß, daß man fast mit der flachen Hand durchfahren konnte. Im Innern waren die Wände feucht und der Boden naß: eine dumpfe Luft füllte den dämmrigen Raum, und es roch nach Moder,

Im allgemeinen ruft die Elternschaft selbst bei tiefstehenden Geschöpfen edle Triebe wach. Bei diesem genöffischeu Ehepaare scheint sie nur einen besonders rohen Zynismus gezestigt zu haben, was auf die Erfolge der geistigen Erziehung des Volkes durch die »Kulturpartei" wieder ein recht beze'ch« nendes Licht wirft.

** Die alte Geschichte. Dieser Tage berichtete« radikale Blätter wonneröchelnd von einem Druck­fehler der .Pfälzischen Rundschau', die in ihrem Landtagsberichte aus einem „Justizetat" einen .Jefuitenetat" macht. Man schrie Hosiannah ob dieses Malheurs, das, wie man sich einbildete, einem ZentrumSblatte passiert war. Jetzt sehen sich di« gegnerischen Blätter, die noch zeitweise auf Anstand halten, gezwungen, zu melde», daß die ,Pfälj.' Rundschau' versehentlich al« Zentrumsblatt be­zeichnet worden sei. So sind sie wieder einmal hereingefallen. Aber klüger werden fie nie, weil ste in ihrer Anmaßung und Ungezogenheit auf Kluwf heit verzichten. Und es ist die alte Geschichte, doch bleibt fie ewig neu — die Geschichte nämlich vont roten Tuch und dem gehörnten Lebewesen, das M ihm gehört.

-T- Rudolstadt, 28. Juli 1912. Die sozialdemo-! kratische Landtags-Fraktion, die die Mehrheit im! Rudolstadter Landtage besitzt, hat beschlossen, dem Erlaß der Regierung über die Beamten-Teu«^ rungszulagen unter keinen Umstanden zuzustim^ men. Es wird deshalb vielleicht schon in einer der! ersten Sitzungen zur Landtags - AuslösunU kommen.

Der weimarische Thronfolger.

W. Eisenach, 28. Juli 1912. Die Großherzogi« von Sachsen isi heute nachmsttag auf Schloß Wil-! Helmsthal von einem Prinzen entbunden wordem, Der Geburt des ErbgroßherzogS war vor etwa Jahresfrist die Geburt einer Prinzessin voraus« gegangen. Der Großherzog Wilhelm Ernst ist iw zweiter Ehe seit dem 4. Januar 1910 mit Prstm zessin Feodora von Sachsen-Meiningen vermählt. (Der Hochw. Herr Bischof von Fulda ist als Bischof der katholischen Gemeinden deS Landes von beu Geburt des ErbgroßherzogS telegraphisch benach-f richtig! worden.)

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Ausland.

*♦ Der Kanzelparagraph in Frankreich. De» Generalstaatsanwalt der Republik hat an allo Friedensrichter in den Departements der Bretagne ein Rundschreiben gerichtet, worin er behauptet, di» katholische Geistlichkeit der Bretagne predige gegen die Gesetze der Republik. Er spricht einen Tadel ans, weil bisher noch keine Anzeige gegen solche Geistlichen bei ihm eingelaufen ist, und verlangt von nun an strenge Beaufsichtigung beJ Gottesdienstes durch die Bürgermeister und! Friedensrichter.

** Die Waffen der englischen Stimmrechtlerin- nen. Miß Helen Craggs, die bei dem Versuchs das Schloß des Kolonialminffters in Brand zu fefcetv festgenommen wurde, wurde vor das Schwurgericht verwiesen. Der PoliM, der fie um Mitternacht ver­haftet hatte, erklärte, daß fie und ihre entkommen« Gefährttn einen Korb mit einer Flasche und zwet Kannen voll Petroleum, vier Fidibussen, zwet Streichholzschachteln, 12 in Werg gewickelten Feuer­anzündern, neun Dietrichen, einem Glasfchneidei^ einer elektrischen Leuchte und dreizehn Schlüffeln bet sich hatten. Man entdeckte später noch eine Fackel und einen in einen Glaceehandschuh gewickelter« Hammer im Park.

*♦ Der groß« Londoner Dockarbeiterstreik ist beendet. In einem Schreiben empfiehlt das Streikkomitee die fofortige Wiederaufnahme der Arbeit. Aller­dings müßten alle früheren Uebereinkommen einge­halten werden. Da keine neuen Bedingungen

Der Pfarrer und drei Mitglieder des StiftunaS- rotes nahmen den Schaden in Augenschein. Der Pfarrer meinte, man sollte einmal gründlich Ab­hilfe schaffen, eine Schutzmauer gegen di- lieber» griffe des Wassers bauen und die Kapelle von Grund aus reparieren — dann hätte man für lange Zeit Ruhe. Als er aber die Summe nannte, welche zur Ausführung dieser Arbeften erforderlich war, Er­schraken die Stiftungsräte. Der Kirchenpfleger, der fast immer Ebb: in feiner Kaffe hatte, bekam fast eine Ohnmacht, als der Pfarrer die Summe nanntet 25—30 000 Mark!

„Heiliger Sebastian," rief er, „woher sollen wir, soviel GeL nehmen? — Das bringen wir in Ewig, leit nit z'sammen! — Der Bau der neuen Kirch' hat 's ganze Sttstungskapital auf'zehrt, 20 000 Mark Schulden sind auch noch da — o je, o je, für dir Kapell sind keine 1000 Mark da!"

Da war freilich guter Rat teuer. Der Schaden wurde noch einmal gründlich besichtigt und schließlich einigte man sich dahrn, daß es noch einmal nut einer Reparatur versucht werden sollte.

Soweit waren die Beratungen gediehen, als Mister Henry auf dem Plan erschien. Sein Plan war fertig. Hier, dicht bei der Kapelle, hatte der Fluß sein stärkstes Gefälle und man konnte Kräfte aus diesem Gefälle ziehen, von denen diese biederen Landbewohner keine Ahnung hatten. Hier sollte sich die Ueberland-Zentrale, ein Wunder moderner Technik, erheben — und darum mußte die Kapelle fallen! —

Er grüßte den Pfarrer kurz, aber nicht unhöflich, nickte den andern zu und sagte: „Good day, chr Herrn! — Das ist ja eine verdammte Geschichte. Diese Kirche ist ja geradezu lebensgefährlich. Beim nächsten Hochwasser bricht sie zusammen —"

Der Pfarrer meinte lächelnd, so schlimm sei die Sache nicht, und im übrigen wolle man den Schaden reparieren lasten.

„Reparieren?" rief der Amerikaner. „Das ist Geld ins Waffer geworfen! Beim nächsten Hoch­wasser ist's wieder Sie alte Geschichte. Dagegen gibt es nur ein Radikalmittel: abbrecheus"__(2LU,