J» 168.
Donnerstag den 25. Juli 1912.
59. Jahrgang.
* fuldaer M Zeitung
2. Blatt.
»ie< un» Verlag der zuldaer Actien-ruckeret in Sulb«.
Aus -em Nachbargebiete.
* Salzschlirf, 24. Juli 1912. In Düsseldorf starb dieser Tage im 73. Lebensjahre Herr Hermann V o l l r a t h, der seit 1885 Miteigentümer des Bades Salzschlirf und seit der im Jahre 1900 erfolgten Gründung der Aktiengesellschaft Bad Salzschlirf Mitglied und stellvrrtrelender Vorsitzender des Auf. sichtsrats war.
* Burghaun, 24 Juli 1912. Ein junger Bursche, der den Garten eines hiesigen Arztes geplündert hatte, wurde durch den Polizeihund in Neukirchen ermittelt und gestand die Tat ein. An demselben Tage gelang es dem Wachtmeister, mit seinem Hunde zwei Mitglieder einer Spielertruppe zu fassen, die in der Nacht im Pfarrhause zu Neukirchen -ringebrochen hatten.
* Herkfelv, 25. Juli 1912. Für den Eisenbahn» bau Hersfeld-Alsfeld hat den Zuschlag zur Ausführung der Erdarbeiten im LoS I die Firma ^Julius Steinbach in Charlottenburg erhalten. Mit dem Bahnbau wird es alfo ernst.
♦ Brückenau, 24. Juli 1912. Gestern traf Prinz Ludwig von Bayern im Auw, von Hammelburg kommend, hier ein. Am Eingang der Stadt wurde der Prinz von den Behörden begrüßt und ihm vom Bürgermeister Zteinwald ein Labetrunk kredenzt. Dann gings an das hübsch dekorierte Kriegerdenkmal, wo Schüler, Vereine und Veteranen Ausstellung genommen hatten. Nun ging es weiter zum Schwefel- und Stahlbad „Siebener Sprudel", Der Prinz besichttgte die 3 Mineralquellen und das Badehaus. Hierauf fuhr er zum Prinz Rupprecht- hrim und zum St. Georgi-Ritter-Ordenskranken- haus. Anschließend hieran besichttgte er die in nächster Nähe liegende städttsche Mineralquelle und fuhr dann nach Bad Brückenau Wetter. Daselbst besuchte der Prinz die russische, die katholische und die protestantische Kirche, besichttgte die Mineralquellen, die neue Wandelhalle, das neue Badehaus, die neue Flaschenfüllanlage, den K»rsaal und nahm hier ein Frühstück ein. Nachmittags ftrhr der Prinz nach Würzburg zurück.
* Offenbach, 24. Juli 1912. Im hiesigen Untersuchungsgefängnis hat sich der 35jährige Händler Karl Müller erhängt. Er hatte einen umfangreichen Schwindel mit Naturbutter und Margarine betrieben.
* Kassel, 24. Juli 1912. Auf dem Rothenberge int Stadtteile Rothenditmold wird bekanntlich ein neues Krankenhaus etbairt. Das prächtige dreiflügelige Gebäude strht vor der katholischen Kirche St. Joseph. Noch in diesem Herbst soll das Haus bezogen werden. Das gewaltige Gebäude be- nöttgte nur eine kurze Bauzeit, denn erst im- letzten Frühjahr wurde damit begonnen. Bei den Erdbewegungen waren rund 6000 Kubikmeter Erbmassen fortzuschaffen. Heute, nach knapp 14 Monaten Bauzeit, steht das Bauwerk fast vollendet da. Es bittet einen imposanten Anblick dar. Erbaut wird das neue Krankenhaus vom St. Bineenz-Orden ht Fulda. Das Gelände dafür hat in hochherziger Weise der verstorbene Kommerzienrat Peter Wegmann gestiftet. Die Baukosten betragen rund eine halbe Million, für die der obige Orden aufzukommen hat. Den Entwurf zu den Anlagen verfertigten die Architekten Gebrüder Langenberg, die Ausführung des Baues übernahm das Baugefchäft Robert Mees in Kassel -Rothenditmold. Die meisten Arbeiten beim Bau wurden an Kasseler Handwerker vergeben. Bei der Innenausstattung des Gebäudes toerben alle Neuerungen und praktischen Erfahrungen nutzbar gemacht. Bon den Architekten wurde bei der Herstellung der Zeichnungen auf die landschaftliche Umgebung die gebührende Rücksicht genommen, sodaß sich das nette Krankenhaus dem gegebenen Rahmen trefflich einfügte. Bon der Wolfanger Straßenbrücke ist das neue Haus durch die sanft bergan steigende Wivenhäuser Straße bequem tn fünf Minuten zu erreichen.
* Kassel, 25. Juli 1912. Der Prokurist Kroher, der seiner Firma Aktiengesellschaft Jutefpinnerei und Weberei hier 50000 Mark unterschlagen halte, dann flüchtig gegangen war, sich später in Frankfurt frei- willig der Polizei gestellt batte, erhielt wegen seines Verbrechens von der hiesigen Strafkammer zwei Jahre und drei Monate Gefängnis. Ter verheiratete Angeklagte hatte die Unterschlagungen trotz eines
Gehattes von 7000 M. begangen, um eine Freundin auszuhalten.
* Hann-Muudeu, 23. Juli 1912. Ein großes Schadenfeuer äscherte die Wohnung des Gutsbesitzers Kraft ein. Es entstand wahrscheinlich durch Brandstiftung eines Fürsorgezöglings.
* Usingen, 21. Juli 1912. Bei dem Brand einer Etsenbahnkantine bei Hasselborn an der Strecke llsing-n—Wetzlar kam ein Arbeiter, der sich nicht mehr retten konnte, ums Leben.
* Wiesbaden, 25. Juli 1912. Für den verstorbenen Prälaten und Stadtpfarrer Dr. Adam Keller ist 'eine Gedenkplatte fertiggestellt und über der Grabstätte des Entschlafenen vor dem Altäre der schmerzhaften Mutter Gottes in St. Bonifatius eingefügt worden. Sie ist eine würdige, durchaus künstlerische Arbeit, nach den Entwürfen des Baumeisters Ehr. Dähne angefertigt und besteht aus einer Platte aus Granit von 2,06 Meter Länge und 1,40 Meter Breite. In die Platte ist eine Bronzeplatte mit Inschrift in altgottscher Schrift eingelassen.
Amt Geisa und Umgebung.
* Dermbach, 23. Juli 1912. Die Landwirt- schaftskammer für das Großherzogtum beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung auf Anregung des großherzogl. Staatsministeriums mit der Ergreifung vott Maßnahmen gegen den seit 1907 sich zeigenden Rückgang des Viehstan- d e s im Großherzogtum. In der Rindviehhaltung ist besonders der gatiz erhebliche Rückgang beim Jungvieh- und Kälberbestand ausgefallen. Ursachen waren die knappen Futterernten 1909 und 1911, die Viehseuchen und die Unrentabilität der Aufzucht und der Kuhhaltung in vielen Betrieben, besonders auch in den Abmelkbetrieben. Als Gegenmittel wurden genannt Bekämpfung der Viehseuchen, Schutz vor Wiederetnschleppuitg, Förderung der Anlage guter Viehweiden, Förderung des Absatzes, guter heimischer Zuchtsttere, Förderung einer zweckentsprechenden Jugendernährung der Tiere und Heranzucht und zweckentsprechende Fütterung leistungsfähiger Kühe sowie Einschränkung der Abmelkbetriebe auf di: Wirtschaften, wo die Voraussetzungen wirklich gegeben sind, und fernerhin Förderung der Anlagen von Wässerwiesen. Die Schafzucht scheint nur in großen Betrieben oder ans genossenschaftlichem Weg: bei gleichzeitiger Berücksichtigung von Wolle und Fleisch haltbar. Sie soll durch Unterstützung bei Beschaffung guter Böcke gefördert werden. Tie Ziegenhaltung litt unter den schlechten Futter ernten und infolge der Erschwerungen, denen die Ziegenhaltung in der Stadt ans Gründen der Remhaltuirg der Städte teilweise begegnet. Einen günstigen Einfluß auf die Entwicklung der Ziegenzucht erhofft man von der Durchführung des Ziegenbockkörgesetzes und von der Förderung der Ziegenzuchtvereine. Als Ur- facheti int Rückgang des Schweinebestandes nannte man bte schlechten Kartoffelernten 1910 und 1911 und die genügen Schweinepreise von 1908 und 1911. Abhtlssmtttel erblickt man insbesondere in einer großem Ausbreitung von Schweinezucht und Schweinemast auf die größer» Landwirtschaftsbetriebe. Ferner wurde die Förderung der Eber- Haltung dttrch Unterstützung von Eborhaltunqsge- nosse>'.schaften als ein geeignetes Mittel zur Hebung d.-r Schweinezucht erkannt.
* Roßdorf, 24. Juli 1912. Zurzeit ist man mit Restaurierung"arbeiten in der hiesigen Kirche beschäftigt. Bei dieser Gelegenheit stieß man auf ein uraltes Grabgewölbe, in dem sich etne ganze Reihe von Särgen befand, die zumteil noch gut erhalten sind.
* Martinroda, 24. Juli 1912. Beim Beerensammeln int Walde wurde der Sohn des Porzellan- Arbeiters N. durch den Biß einer Kreuzotter schwer verletzt. Der Knabe eilte in die Wohnung seiner Eltern, wo sich ärjtlicfce Hilfe nötig machte. Sein Zustand ist besorgniserregend.
* Dippach, 24. Juli 1912. Auf der Gewerkschaft Alexandershall wurde der in den 40et Jahren stehende verheiratete Arbeiter Georg Fitcher von hier von einer nachrutichenden Menge Salz verschüttet und dermaßen schwer verletzt, daß der Tod bereits einige Stunden spä er eintrat. Fischer hinter» läßt eine Witwe mit drei kleinen Kindern.
Aus Gberheffen u. den Hess. Aemtern.
• Kirchham, 24. Juli 1912. In der Zusammenlegungssache von Kirchhain findet am 5. August d. I. der Bonitierungs-Einleitungstermin statt. Mit den Bonitierungsarbeiten selbst ist be- retts in hiesiger Gemarkung begonnen worden.
* Fraokeuberg, 24. Juli 1912. Hier soll eine Herdbuchgesellschaft für das rote Höhenvieh gegründet werden. — Der erst vor kurzem beigelegte Streik der hiesigen Maurer istaufs neue ausgebrochen. Die Maurer verlangen vertragliche Festsetzung der kürzlich vereinbarten Bedingungen auf mehrere Jahre, worauf die Meister nicht eingeben wollen. — In Kürze wird bei Herzhausen eine größere Baracke errichtet, die zur Unterbringung von Strafgefangenen aus Wehlheiden dienen soll, welche demnächst bei den Wegeanlagen um die Talsperre Beschäftigung finden sollen.
* Ziegenhain, 24. Juli 1912. Die Stadt hat an der Schwalm eine Badeanstalt mit Herren- und Damen - Abteilung errichten lassen, die soweit fertiggestellt ist, daß sie der allgemeinen Benutzung in den nächsten Tagen übergeben werden wird.
• Lohra, 24. Juli 1912. Der Dienstknecht Weder von Fronhanjen, der bei dem Landwirt Johann Ruppert hier im Dienste steht, wurde von dem Pferd so unglücklich geschlagen, daß er einen Schädelbruch erlitt. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.
* Dittershausen (Kr. Ziegenhain), 24. Juli 1912. Ter Rttlerglttspächter Hans Olt von hier halte am 15. Mai d. I. den Schweizer Richard Kretzschmar durch sein entschlossenes Eingreifen vom Tode des Ertrinkens gerettet. Hierfür sprach ihm der Herr Regierungspräsident jetzt öffentlich seine Anerkennung aus.
vermischtes.
* Tas Martyrium eines kleinen Mädchens. Auf der Flucht vor den Gewalttätigkeiten des eigenen Vaters wurde in den Straßen von Köpenick ein Kind aufgegrisfen, das in erbarmungswürdigem Zustande feit 2 Tagen umherirrte, um einen Unterschlupf bei einer Tante zu finden, lieber den Vorgang wird aus Berlin gemeldet: Auf dem Hohen- zolleruplatz in Köpenick siel einer Dame ein kleines Mädchen auf, dessen rechte Gesichtshälfte blutunter- lausen waren. Das Kind machte einen völlig ver- ftörten Eindruck und schlich ganz ziellos durch den Straßenverkehr. Die Dame brachte die Kleine zur Polizeiwache, wo sie auf Befragen angab, sie heiße Gertrude Baud, sei 8 Jahre alt und aus Grünau, wo sie in der Köpenickerstratze 105 wohne. Sie führte ein kleines Bündel mit sich, in dem sich ein Kleidchen, ein Baar Schuhe und ein Kamm befanden. Schließlich brachte man aus ihr heraus, sie habe die elterliche Wohnung wegen der schweren Mißhandlungen, die sie vom Vater erdulden müsse, verlassen und irre seit zwei Tagen umher, um ihre Tante zu sucheri, die in Medcrschöneweide wohnen solle. Bei der näheren Untersuuchng machte das Kind einen geradezu entsetzenerregenden Eindruck. Sein Kopf war vollständig vereitert; die rechte Ge- sichtshälste gänzlich blau, der Hals zeigte starke blutige Würgemale und war grün unterlaufen. Arme, Beine und Rücken waren mit Wunden, blauen und grünen Streifen und Flecken bedeckt. Nach der Angabe des Kindes ist der Vater dem Trünke ergeben und mißhandelt dann seine 6 Kinder in der brutalsten Weise. Ein Arzt stellte den geschilderten Befund fest und man nahm die Kleine in Schutzhaft. Gegen den Vater wurden sofort die erforderlicheti Schrttte -eingeleitet.
* Militärische Expedition zur Auffindung eines Mädchens. Wie vor kurzem berichtet, ist vor drei Wochen die Krakauer Studentin Styskowska gelegentlich eines Ausfluges in das Tatr a-G e b i r g e in Ungarn verschwunden. Obwohl seitdem mehr als dreißig Rettirngserpedittonen mit Polizeihunden auf die Suche gegangen sind, ist es bisher immer noch nicht gelungen, auch nur die geringste Spur der Vermißten aufzufinden. Man wies darauf hin, wie auch bereits gemeldet, daß mehrere Touristen auf der ungarischen Seite des Tatragebirges in den letzten Jahren spurlos verschwirnden sind und äußerte den Verdacht, daß die S. von Berghirten beraubt und
ermordet wurde oder in einer Hirtenhütte gefangen gehalten werde. Nunmehr wurden drei Kompagnie» des Infanterie-Regiments 110 in das Gebiet gesandt, um mit Kriegshunden nach der Vermißten zu suchen. Alle Schlupfwinkel der Hirtenbevölkerung wurden durchstöbert. Es wurden Fußspuren zweier Bergbewohner ausgefunden. Alsbald fand man auch einen Damen schuh. Tie Expedition vermutet, daß die Vermißte in einer Höhle versteckt gehalten wird. Die Familie der Dame hat 2000 Kronen als Belohnung sür den Fall ausgesetzt, daß das Mädchen lebend geborgen werden könnte und 1000 Kronen für die eventuelle Bergung der Leiche. Ein Bericht über den Erfolg der militärischen Expedition liegt zur Stunde noch nicht vor.
— Aus dem Examen. Examinator: »Herr Kandidat, können Sie mir die Definition des »Betrugs* geben? ... Sie scheinen Sie nicht zu kennen., Betrug ist: die Unwissenheit eines andern benutzen, um ihm zu schaden.* — Kandidat: »Sie wissen also, Herr Professor, welchen Verbrechens Sie sich schuldig machen, wenn Sie mich durchfallen lassen!*
Literarisches.
Hans Holbein b. I. (Die Kunst dem Volke, Nr. 9.) Herausgegeben von der Allgemeinen Bereinigung für christliche Kunst. 2)lit Text von Dr. Joh. Damrich, und 55, zum Teil ganz- und halbseitigen Abbildungen auf Kunstdruckpapier. Preis einzeln 80 Pfg., im Abonnement (jährlich 4 Hefte) 3 Mark, (bei gemeinsamem Bezüge billiger), von der Allgemeinen Vereinigung für christlich« Kunst, München, Karlrlraße 33/«.
Mit ihrer neuesten, Hans Holbein d. I. gewidmeten Monographie erweist sich die Allgemeine Vereinigung für christliche Kunst wiederum als echte Volksbildungsvereinigung. Fünsundfünfzig vortreffliche Abbildungen vermitteln dem Beschauer einen tiefen Blick in das Lebenswerk des großen deutschen Künstlers. An erster Stelle steht natürlich dessen Tätigkest alS Pdrträtist, darob sind aber dessen Arbeiten auf zeich«, nerischem, dekorativem, monumentalem und kunstgerverb« ■ lichem Gebiet« nicht vergessen. Frei von jeder Ein«, feitigfeit, mit derselben gelassenen ObjeUhntät, mit der einst Hans Holbein feine Porträte malte, gibt Dr>> Damrich von dem deutschen Meister und seinem Schaffe«' ein lebendiges und umfassendes Bild. Dabei bedient, er sich eines gemütvollen, solch' deutscher mittelalterliche« Kunst trefflich entsprechenden Plaudertones, der daS, Herz des Lesers für das überragende Können HolbeinS erwärmt und ferne Augen für all' die Reiz« öffnet,, welche der Kunst, besonders den Porträten HolbeinS« eigen sind. v V
Handel und Industrie.
* Berlin, 24. Juli 1912. Bei zeitweilig angeregtem Geschäft blieb die Tendenz der heutigen Börse fest. Weder die festere Stimmung der Getreidemärkte, noch die Wirkungen der Churchill'schen Flottenrede vermochten aber, die Spekulation auft ihrer Untätigkeit herauszulocken. /
Reklamen- «ud Anzeigenteil.
Line versalzene Suppe schmeckt niemals gut.
Wenn unsere Frauen im Haushalt etwas au8«- probieren, glauben sie ost, es besonders gut machen zu können, wenn sie etwas mehr nehmen, alS^ angegeben ist. Das ist nicht immer richtig. So z. B. ist es falsch, von dem neuen, erprobten Kaffee-Ersatzmittel „Perlka" mehr zu nehmen als 2 knappe Eßlöffel auf ein Liter Wasser. Auch jeder Zusatz ist vollkommen überflüssig. Perlka ist nämlich so kräftig und ausgiebig, daß man nur halb so viel braucht, wie man eS bei anderen Kaffee-Ersatzmitteln gewöhnt'ist. Deshalb ist „Perlka" auch im Gebrauch am billigsten, — und da er nicht nur billig, sondern auch wirklich gut und gesund ist, wird jetzt in vielen Haushaltungen nur noch „Perlka" getrunken.
Kleines Ferrikleton
- — Stille Teilhaber der Obsternte. Jetzt ist die Zeit, wo die warm« Sommersonne die reifenden Früchte durchglüht und mit leuchtenden Farben schmückt. Die Kirsche lockt im glänzenden Dunkelrot. Die ersten Aepfel und Birnen laben zum Pflücken und zum Genuß ein. Du lacht das Herz des Obst- züchterS, und mit Leitern und Körben zieht man hinaus, um den Segen heimzuschaffen. Ader es gibt auch ungebetene Gäste, die sich an oie verlockende Tafel setzen und mitfchmausen, als sei dies ganz selbstverständlich. Da machen sich be-onders die kleinen Diebe aus der Bogelwelt unliebsam be. merkbar. Meister Philipp, der Spatz, hat nun die erste Brut flügge, und die Grauröck- streifen in ganze« Flügen durch die Flur. Tie reifsten Kirschen werden mitgenommen, wie man vor kurzem die süßeste« Erdbeeren und Johannisbeeren aufstöderte, und wo ein starker Schwarm eingedroche» ist, braucht man nicht viel Körbe mehr zum Ernten. In den Gärten, wo die Amsel seit Jahren ein ständiger Gast ist, wird die Gastfreundschaft des Besitzers auch nach Kräften ausgenützt; Undank ist eben der Wett Lohn. Da hängt ein seiner Pfirsich mit flammend roten Bäckchen. Beim Pflücken muß man lewer werten, daß er vollkommen ausgehöhlt ist. Auch ein Erdbeerfreund ist die Amsel, und merf» routfc.g genau weiß dieser Vogel die Zeit des Kommens und Gehens des Gärtners. Stundenlang kann man auf du» diebische« Vögel lauern, es läßt s'ch keiner sehen. Aber um die Mittagszeit, wenn J>ann duscht der schwarze Vogel Mutlos über bte Gartenbeet« und schmaust unb zaust $"unt> Starmatz bleibt auch mebt zurück, wo eS gilt, etwas Gutes z« erschnappen. Bekanntlich m er em großer Liebhaber l« Wttn- trauben. Wenn buse Beeren anfangen, burch- zuscheinen, bann verlegt er seine« Sitz aus ben W.esenebenen an die Hänge, und ganze Wolken fallen mit großem Geschrei tn die Weinberge ein. *»«* da brr Sauerwurm unb bi« Peronospora
übrig haben, finbet eine Stätte in den hungrigen Mägen ber Stare. Da kommt benn der Feldhüter und brennt mit seinem alten Hinterlader mehrmals m die Starenwolke hinein. Der kleine Dieb ist leicht abzuschreckeu. Wenn's einige Male knallt und mehrere grünfchillernde Burschen am Gürtel hängen, bann ergreift bi- übrigen ein panischer Schrecken. Laut schreiend niacht sich alles davon, und wochenlang läßt sich kein Star mehr sehen. Unter den vierbeinigen stillen Teilhabern ist hauptsächlich der Fuchs zu nennen. Meister Rcmeke liebt nach einem saftigen Hühnchen einen sü»rn Nachtisch von Früchten. Auch dieser Schlaumeier weiß ganz genau, was gut ist. Am Beerenobst und an Aepseln und Birnen bet Buschobst tut er sich gütlich, und sein Vetter Griinbart, der Dachs, teiltet ihm getreulich Gesellschaft. Letzterer versäumt üch manchmal etwas uns erhält als Lohn sür seine Dieberei eine auf die Rase, die ihm das Wtedec- ko.nmett verleidet Noch ein unliebsamer Gast, der etu recht harmloses Wesen zur Schau trägt, plündert Vie Gärten. Es ist der Igel. Früher nahm man an, daß er gar ferne Früchie verspeise. Gefehlt I Außer Raubzügen auf das Geflügel und auf die Vogelnester liebt der stachelige Bursche reifes Odst außerorbentlich. Wenn matt noch die stillen Teilhaber der Obsternte ans der hoffnungsvollen Schui- lugeitö dazu rechnet, bann kamt man getrost behaupten, daß bie Zahl genügt Sie alle pflanzen nicht, aber sie ernten nach dem Grundsatz: »Eigentum ist Diebstahl*. Wenn man nicht babei erwischt wird, mag ja die Sache ihren Reiz haben für die füllen Teilhaber bet Obsternte.
— Wo laicht der Aal? In ber hamburgischen Fachzettschrift „Der Fijcherbote" veröffentlicht der dänische Meeresforscher Dr. Johannes Schmidt, Direktor des Carlsberg-Laboratoriums in Kopenhagen, eine Zusammenfassung der Ergebnisse seiner Untersuchungen über die Fortpflanzung unb die Laichplätze des Aals. Auf Grund der Arbeiten des Forschungsdatnpfers Thor im Atlantische« Ozean konnte Schmidt Ende 1906 ben Schluß ziehen, daß alle Flußaals die in de« Länder« des Nord
see- und Ostseegebietes, in Norwegen und Schweden gefangen werden, vorn Atlantischen Ozean herstauimen. In den nächsten Jahren gelang ihm ferner der Nachweis, daß im Gebiet des Atlantischen Ozeans nur zwei Aalarten leben, ber amerikanische Aal (Anguilla rostata) und der europäische Aal (Anguilla vulgarisf; letzterer hat seine Westgrenze bei bett Azoren. Noch aber war die Frage offen, wo nun int atlantischen Gebiet bie Laichplätze des Aals liegen. Um bezüglich des im Mittelländischen Meere lebend-n Flußaals, der ebenfalls zur Art Anguilla vulgaris gehört, die Laichplätze zu finden, unternahm Schmidt im Winter 1908/09 und im Sommer 1910 zwei ausgedehnte Fahrten in den Atlantischen Ozean und das Mittelländische Meer. Das Ergebnis war, daß der mittelländische Flußaal ebenfalls aus dem Atlantischen Ozean stammt und im Mittelländischen Meere überhaupt nicht laicht. Bezüglich des Mtttelländischen Meeres liegt es also in der Aalfrage ebenso wie bei der Nordsee und Ostsee: alle Flußaale müssen in diese Nebenmecre vom Atlantische!: Ozean cinwanbern. Während aber in bie dtorbsee und Ostsee keine Aallarven, sondern nur die vollständig umaewandelten Exemplare der kleinen Aale hineinkommen, finden sich im Mittelländischen Meere, aber nur westlich von Italien, auch Aallarven vor, doch nur die ältesten und ausgewachsensten Exemplare. Schmidt hat nun die letzten Jahre dazu benutzt, um nach der Lage der Laichplätze des 'europäischen Flußaals, im Allcuttischen Ozean zu forschen. Dänische Segelschiffe und Dampfschiffe, die im Atlantischen Ozean kreuzen, haben im Auftrage ber dänischen Kommission für Meeresuirtrrsuchungen mit geeigneten Geräten, die man ihnen mitgegeben hatte, auf Ilal- larven unb Aaleier gesifcht. Zwar ist es noch nicht gelungen, die Eier des Aales nachzuweifen. Wohl aber konnte man wett westlich im Atlantischen Ozean bisher unbekannte, ganz kleine Formen der Aaallarven fangen. Während die vor den atlantischen Küsten Englands und Frankreichs und im Mttelmeer gefundenen Larven niemals kleiner als jechS Zentimeter waren, gelanL es. wMich_von 20
Grad w. L. Exemplare bis zu 3% Zentimeter Länge herunter zu finden. Die kleinsten Exemplare aber fanden sich im Golsstrom - Gediet, südlich von Neusundland. Noch ist es also nicht gelungen, bte eigentlichen Laichplätze zn frohen. Sicher aber ist es, daß sie wett hinaus im Atlantischen Ozean, wahrscheinlich in seinem westlichen Teile liegen. Eine große WahZcheinlichkeit spricht dafür, daß daS Sargafso-Äeer einer der wichtigsten Laichplätze des europäischen Flußaals ist.
— Wie man Hitzschlag behandel» soll. Di« unmittelbare Einwirkung der Sonnenstrahlen auf den Kopf führt eine plötzliche Blutüberfüllung des HirnS und dadurch oft schlagflußähnliche 6rfrantungen i herbei, die ma« gemeinhin mtt »Hitzichlag* benennt Besonders gefährlich ist der Hitzschlag auf an«! strengenden Wanderungen, ferner bet solchen Per« Ionen, die an Arterienverkalkung lernen. Auch Herzkranke neigen zu Hitzschlag. Als Verhütung ist dabei am besten die Ruhe des Geistes und des Körpers zu empfehlen. Die am Hitzschlag Erkrankten stürzen meist bewußtlos zusammen; man bringe fie daher sofort an einen kühlen, ruhige» Ort, etwa unter einen schattigen Baum, erleichtere ihre Kleidung, besonders beengende Kleidungsstücke find zn entfernen. Kopf und Rücken find hoch zu legen. Kalte Waschungen von Kopf unb Brust oder kalte Umschläge sind sehr zu empfehlen, desgleichen Fußbäder und kalte Klystiere. Man lasse auch an Salmiakgeist riechen und reize zum Erbrechen. Stockt die Atmung, so ist durch regelmäßige Schwingung der Arme die künstliche Atmung hevorzurnfen. Späterhin ist etwas reiner Wein ober Kognak gut Man vermehr tunlichst alle Hirnreizuugeu, rote Geräusch, Lichteffekte, lautes Sprechen, dis bex Kranke selbst wieder an ferner Umgebung Anteilnahme äußert unb die Krise überstanden ist. tt
- Freier Tisch. Wirtin: »Ihnen gehfs also schlecht, Herr Kandidat? Ich habe geglaubt Sie hoben freien Tisch!" — Kandidat: »Ja, leider, Fran Wirtin, freien Tisch hab' ich schote ad« nichts j» essen daraus.'