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39. Jahrgang

Fulda, Mittwoch den 24. Juli 1912.

Erstes Blatt

167.

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ÄS. KochEag«: „Illustrierte Sonntagszettllilg"

Monatsbeilag«: „5ulöaer Geschichtsblätter"

Deutsches Reich.

* Berlin, 23. Juli 1912. Von der Nordlands« reise des Kaisers wird gemeldet. Der Kaiser unternahm am Dienstag einen Spaziergang bei sehr warmem Wetter. Nachmittags hötte er einen kriegs« geschichtlichen Vortrag der Generals Dickhuch. An Bord ist alles wohl. — Der Kronprinz wird Anfang August einen längeren Jagdaufenthalt auf seinem Jagdgute Hopfreben im Bregenzer Walde nehmen. — Dr. Sols ist in Kapstadt ewgetroffen.

♦♦ Neber den Zeitpunkt der nächsten Landtags« Wahlen in Preuße« sind in der Presse in letzter Zeit verschiedene Meldungen aufgetaucht. Die -Post' will von unterrichteter Seite erfahren haben, daß irgendwelche Absichten über btt Anberaumung der nächsten Landtagswahlen noch nicht vorliegen, ge» schweige denn Beschlüsse. Di« Legislaturperiode laufe am 16. Juni 1913 ab. Soweit bisher bekannt, sei eine Auflösung deS Landtags vor diesem Termin nicht beabsichtigt, schon mit Rücksicht aus daS Regierungsjubiläum der Kaisers. Die Neu­wahlen würden demgemäß, da die Reisemonate dafür nicht günstig find, kaum vor Oktober 1918 zu erwarten sein. Die Ansicht, daß der Landtag schon biS 3R5rj nächsten JahrrS feine

K Die Fallsucht der Reichs- und Staatspapiere.

Tte dreiprozentigen Anleihen des Reiches und des preußischen Staates sind bei ihrer Abwätts- dew.gung bereits unter 80 Prozent hinabgesunken. Utto, wer sie zu 100 Prozent erworben hat, ver- iiert beim Verkauf ein ganzes Fünftel des angelegten Kapitals.

Alle Kunstgriffe zur Hochhalmng der Rentenkurse »crfagen. Die Hoffnung, daß noch jemand em durckMeiftndes Hilfs« und Heilmittel erfinden tonnte, muß vollends schwinden angesichts der Tatsache, -aß auch in England und sogar in Frankreich die staatlichen Rentenwerte sinken und nnmer tiefer finken. Das Uebel ist international; deshalb «erden die Ursachen auch nicht in etner nationalen Besonderheit zu suchen sein.

Offenbar wirkt in den genannten Ländern das­selbe Gesetz: der Wert der Staatsrente sinkt, weil der Zinsfuß steigt. Industrie und Handel sind im Ausschwung begriffen; eine Menge von Wert- papieren, die einen ziemlich hohen Grad von Sicher­heit bieten oder wenigstens zu bieten scheinen, ver­sprechen eine Verzinsung von mehr als 4 -oder gar L oder 6 Prozent. Die Kapitalisten laffen sich von diesen .einträglicheren- Papieren verlocken; die Nachträge nach den Reichs- und Staatspapieren mit ihrem niedrigeren Zinssätze wird geringer, und deren Kurs finkt, sobald eine größere Maffe an der Börse zum Verkauf angeboten wird. Durch sog. Jnterveutionskäufe, welche bei uns die Seehand­lung und sonstige interessiette Banken vorzunehmen Pflegen, kann die Wellenbewegung der Kurse zeit­weilig gemildert werden; aber wenn die freiwilligen oder notgedrungenen Verkäufe fortdauern und im Publikum sich keine neuen Liebhaber für die Staats« reuten finden, so ist auf die Dauer der Rückgang der Kurse nicht aufzuhalten. Es ist nun sehr be­zeichnend, daß der Kurssturz in Frankreich nicht !>anz so stark ist wie in Deutschland, und in Deutsch- and nicht ganz fo stark wie in England. In Frankreich ist der industrielle Unternehmungsgeist nicht so stark und nicht so weit verbreitet, als in den beiden anderen Ländern, und m England macht fuD die Konkurrenz der hochverzinslichen privaten Werte noch mehr geltend, til5 in Deutschland, da die englischen KonsolS nur 21/« Prozent Rente geben, während bei uns der Mindestsatz doch noch 3 Pro­zent beträgt.

Wenn der Aufschwung von Industrie und Handel nachiäßt und also der allgemeine Zinsfuß wieder sinkt, dann werden die Rentenkurse wieder steigen. Die bedächtigen Leute, welche biS dahin den Staats­werten treu geblieben find, werden dann den Vor­teil haben, und zwar auf Unkosten der unternehmungs­lustigeren Elemente,, die sich in daS Getriebe der privaten Börsenwerte gestürzt haben.

Herr Miguel war ein schlauer Mann, aber er hat sich doch gründlich geirrt, als et die dreiprozentigen Papiere bei uns einsührte. Er rechnete auf ein Sinken des allgemeinen Zinsfußes in den Kultur­ländern, und nun geht sogar in England, bas von alters her das Land deS billigsten Geldes war, der Zinsfuß in die Höhe und die Staatsrente in die Tiefe. Der Staat „konvertiert- gern seine Anleihen, wenn er vom höheren zum niedrigeren Zinsfüße schreiten zu können glaubt. Jetzt wäre eigentlich eine Konversion nach oben hin, eine Erhöhung deS staatlichen Zinssatzes am Platze. Etwa in der Weise, daß Reich und Staat möglichst viel Zprozentige Rente auftauft und dementsprechend 4°/o Rente ausgäben. Zu solchen Geldopsern im Interesse der auf Stentenpapiete angewiesenen Privatpersonen, Stiftungen re. werden sich aber die Finanzminister schwerlich entschließen.

Im Schuldbuch deS Reiches und des Staate» sind sehr große Summen angelegt; aber das Schuld« buch, das sonst Diele Vorteile bietet, gewährt doch keinen Schutz gegen die Kursverluste beim Ver- kauf der Anlagepapiere. Denn die Schuloduchoer- waltnng gibt ihren Gläubigern kein bares Geld zurück, sondern nur das Papier, und deffen Erträg­nis richtet sich nach dem Börsenkurs.

Wenn der Staat die Witwen, Waisen, Pen­sionäre rc, die auf die sichere Anlage ihres Kapitals angewiesen sind, vor Kursverlusten schützen will, so wird er die Einheitlichkeit seines Kreditwesens durchbrechen müßen. Reben den Anleihescheinen, die an der Börse gekauft und verkauft werden müffen, könnten vielleicht Staatsobligationen anSgegeben werden, die unter gewissen Bedingungen zum Nennwert eingelöst werden. Das wäre eine Art von Staats sparkaffe, bei der man das einge­legte Kapital unversehrr zurückbekäme. So lange aber der Staat nur Börsenpapiere ausgibt, muß deren Wert nach den wechselnden Verhältnissen auf dem Geldmarkt und im sonstigen Handel und Wandel schwanken, die Verluste treffen gerade die schutzbedür tigen Elemente, und im Grunde ge­nommen sind die Staatswerte nicht mündel­sicher.

Arbeiten beendet haben könnte und die Neuwahlen l schon im Mai stattfinden könnten, wird nach der 1 ,Postt an amtlichen Stellen nicht geteilt. !

----- Für die württembergischen LaudtagZwahlen 1 ist bekanntlich zwischen Nationalliberalen und । Freisinnigen ein Wahlabkommen getroffen worden. Die Wahlkreise sind unter die beiden Parteien verteilt, und gegenseitige Unterstützung ist zugestchert. In freifinnigen Blättern wird nun darüber Klage geführt, daß die Nationalliberalen sich nicht streng an das Abkommen mit dem Frei­sinn zu halten scheinen. So wollten die National- liberalen in Besigheim sich schon im ersten Wahl- gange von den Bauernbündlern unterstützen laffen. Wie in diesen Klagen bestätigt wird, ist den Nationalliberalen vom Freisinn »jeder Anschluß nach rechts, wenigstens für den ersten Wahlgang, verboten" worden. Wo man sich auf das Wahl­abkommen nicht genügend verlaffen kann, setzt die konfessionelle Hetze ein. In dem fast rein protestantischen Bezirk Waiblingen erschien in dem dortigen Amtsblatt, dem Remstalboten (Nr. 163) folgendes Inserat:

An die Wähler des Bezirks! Bereits hat die sozialdemokratische Agitation für die Landtags- wähl eingesetzt. Evangelische! »ergebet nicht, daß diese Parier im Reichstag dafür gestimmt hat, daß der Jesuitenorden wieder zugelaffen wird und Eiziehungsanftalten gründet! Werdet Mitglieder des Evangelischen Bundes!

Ter Jesmtcn-Wauwau in einer protestantischen Gegend! Warum soll der nicht seine Dienste tun?!

+ Die badischen Nationalliberalen haben sich nun entschlossen, doch noch am Großblock fest zu­halt en. Wenigstens hat der nationalliberale Parteichef Rebmann auf einem Sommerfest in Emmendingen ein Loblied auf die Sozialdemo­kratie gesungen,

die „beim ganzen Budget vom ersten bis zum letzten Tage fleißig und eifrig an der Arbeit für den Staat sich betätigt habe". Die Ablehnung des Bud­gets sei eine leere Demonstration gewesen und könne die Nationillibeiaie Partei nicht daran hindern, auch sürderhin mit der Sozialdemokratie Hand in Hand zu gehen. Der Kamps gegen die Sozialdemo» tratie habe rein gar nichts genützt.

Also man roill in Zukunft überhaupt auf jeg­lichen Kampf gegen die Umsturzpartci verzichten! Warum löst sich denn die nationalliberale Partei Badens nicht gleich ans und empfiehlt den nativ- nalliberalen Wählern, sich sozialdemokratisch zu organisieren? Das wäre die letzte Konsequenz! Wir zweifeln gar nicht daran, daß zahlreiche natio» naUibctale Wähler aber schon jetzt nicht mehr mit- machen wetten, wenn ihr Pacteichef erklärt: der Kampf gegen die Sozialdemokratie hat nichts ge­nützt; wir müss.n ihn einstellen. Das ist eine Banlerotterklärung.

cf Miiuche«, 23. Juli 1912. Für die Reichs« tagserfatzmahl in Pfarrkirchen, die durch den Tod des Bauernbundsabgeordneten Bachmeier notwendig geworden ist, hat das Zentrum, wie ge­meldet wird, den Bürgermeister Getaner von Mittich ausgestellt.

— Straßburg, 23. Juli 1912. In Hönheim ist Psarrer Tr. Will, Reichstagsabgeordneter für Schlettstadt und der Gruppe des elfaß-lothtingifchen Zentrums angehörig, nach längerem Leiden ge­lt orben. Dr. Will halle bereits 1907—1912 dem Reichstag cm ehört als Vertretet des Wahlkreises Straßburg-Land. Bei dert allgemeinen Wahlen im Januar d. Js. ist et mit 8310 Stimmen gegen Jmbs (Soz.t, der 4065 Stimmen erhielt, im ersten Wahlgang gewählt worben.

♦ Aus dem Reichsland, 21. Juli 1912. Die Er­örterungen über das kriegs gerichtliche U r- t e i I gegen die vier Vikare wollen kein Ende neh­men. In katholischen Blättern war u. a. darüber Klage geführt worden, daß die katholischen Geistli­chen eine unangemessene Behandlung durch den Hauptmann Bode vom Diedenhosener Bezirkskom­mando erfahren hätten. Die liberale Preffe hat das bestritten und gesagt, es sei ganz am Platz, daß den katholischen Geifttichen dieselbe Behandlung zuteil würde, wie jedem anderen Kmitrollpflichtigen. Wie har sich nun die Sache abgespielt? In dem einen Falle folgendermaßen: Einer der Vikare hat in dem Schreiben um Befreiung von der Konttolle die un­glückliche Wendung gebraucht: ,^Jch ersuch-" statt zu schreiben: „Ich'bitte". Daraufhin wurde der Vikar auf das Bezrrkskonimando geladen und von dem genannten Offizier in barschem, überlautem Tone angej ähren: „Na, Sie haben keine Ahnung, wie Sie sich vor einem militärischen Vorgesetzten zu verhalten haben". Nach einem scharfen Tadel über die unmilitärische Haltung des Vikars fuhr Haupt­mann Bode fort: „Es rst ein koloffaler Irrtum, daß ihr katholische Gerststche die Ueberzeugung habt, ihr wäret von der Kontrollversammlung befreit." Mit einem Male springt der Hauptmann vom Stuhle auf und fährt den Vikar an: „Pia, Sie unterstehen sich, Ihrem militärischen Vorgesetzten ins Gesicht zu la­chen!" Der Vikar konnte mit ruhigem Gewissen ant­worten, er habe nicht gelacht. Der Hauptmann kommt bann auf die Wendung „ich ersuche" zu spre­chen: „Sie haben durchaus mchts zu ersuchen, Sie haben Ihren militärischen Vorgesetzten einfach fuß­fällig zu bitten." Es erübrigt sich, diese Auffaffung näher zu charakterisiere/. Bezüglich der Angabe des Vikars, er sei dienstlich verhindert, äußert Haupt­mann Bode: „Ich kenne keine dienstliche Verhinde­rung für einen Geistlichen, es fei denn, daß Sie mir genau nachweisen, inwiefern Sie dienstlich verhin­dert sind. Dafür wird Ihnen in Ihre Papiere ein: Perwarnung eingetragen und Sir müßen wissen, wenn ich, Ihr militärischer Vorgesetzter, Ihnen eine Strafe diktiere, dann hilft Ihnen kein Gott darüber hinwrg." Tamtt wurde der Vikar entlassen. Ge­rade bre letzte Wendung hat in katholischen Kreisen eigentüntlich berührt. Die katholischen Organe stehen mit dieser Auffassung nicht allein. In der demokra- tischen Straßburger Neuen Zeitung, die wahrhaftig niemand „klerikaler" oder „ulrramentanei" Neigun­gen für fähig erachten wird, erhebt der Publizist F. Stehelin — unseres Wissens Protestant — feine

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Zernsprecher Ke. •>

gaben die kommenden Flottenbauten von Oesterreich und Italien den Hintergrund für die Forderungen. Churchill zählt also Italien voll den Drewundmach- ten zu, trotzdem in letzter Zeit durch ine Nach rechten von der Gründung einer SDlittelmeertnpleentente Versuche gemacht worden waren, Italien ans dem alten Dreibund herauszulockeu und in das englisch- französische Lager herüberzuzrcheu. Wenngleich, so meint er, ein Angriff nicht zu befürchten sei, dürste die Suprematie zur See nicht auf spezielle Gewässer beschränkt werden. Das hieße schlechte Politik trei- ben. Der Marineminister legt Wett auf die Fest­stellung, daß die jetzt geplante Besetzung des Mittel­meeres durch die englische Flotte im Verein mit derfranzösischeu stärker ist als alle möglichen Kombinationen. England rechnet also unbedingt auf Frankreich.

Im weiteren Verlause der Unterhaus-Verhand- lung sand Churchill lebhafte Zustimmung. Lord Balfour, der Führer der Konservativen, und A s- quitt), der Ministerpräsident, betonten gleichfalls, wie „widerwillig" England zu den Mehrrüstungen schreite, und nannten den Wettbewerb im Schiffbau unsinnig.

Die erste A d st i m m n n g, bei der es sich vor- läufig nur um den Ergächungskredit für die Er­höhung des Mannschastsbestandes der englischen Flotte um 1500 Mann handelte, ergab eine er­drückende Mehrheit für die Regierung; nur ein paar Dutzend Stimmen von bet Arbeiterpartei, verstärkt durch einige von radikaler Seite, wurden gegen das Ministerium abgegeben.

England ist entschlossen, sein Uebergewicht zur See zu behaupten, urb zwar nicht bloß das Ueber­gewicht schlechthin, wndern auch in demselben Maße, wie es bisher bestanden hat. Es will seine großen Kampsschifse vermehren, den Mannschaftsstand und die Bereitschaft erhöhen, die Streitkräfte bei Gibral­tar verstärken, die Schisse von Malta durch neue und leistungsfähigere ersetzen, in Alexandrien eine Tor­pedostation anlegen,.eure Menge anderer Maßregeln treffen, um jeder möglichen Gefahr gewachsen zu sein.

Das ist Englands gutes Recht, und den Umfang der Rüstungen zu bestimmen, ist ausschließlich Sache der britischen Nation. Ost genug schon hat man bei uns den Engländern gesagt: Rüstet doch soviel ihr wollt; aber dann hindert auch uns nicht daran. Wir machen unsere Flottenpolitik lediglich nach unseren eigenen Bedürfnissen, die von dem Maße abhängig sind, in dem unsere Wettmachtstellung des Schutzes bedarf. Irgendwelchen Ueberrumpelungsgedanken haben wir dabei nicht. Churchill, der das deutsche Vorbild seinen Landsleuten zur Nachahmung em­pfahl, hätte gut daran getan, bei der Begründung des Ergänzungsslottenetais felbjt sich an das deutsche Vorbild etwas mehr zu halten. Wir erinnern uns nicht, daß je ein deutscher Staatssekretär sich vor das Parlament hingestellt und mit oen genauesten Zah­len über dis englische Flotte und ihrer Besatzungs- Mannschaft ausgewattet hätte, um ben Reichstag zur Annahme eines Ftottengesetzes zu bewegen. So deutlich wie von Ehurchlli wurde noch niemals rund heraus gefügt, daß England seine Flotte ledig- lich mit Rücksicht auf Deutschland ver­mehrt.

Wie sich die Dinge auch weiter entwickeln, der hüben wie drüben von den besten Männern herbeige­sehnt en Verständigung zwischen den beiden großen Nationen kann es nicht förderlich fein, wenn die Volksstimmung in England in diesem Sinne bear­beitet Wirb und jeder Engländer gewissermaßen jeden Deutschen für die neue Steuerlast, die ihm auf» gebürdet wird, verantwortlich macht. Der Englän­der muß aus dem ewigen Gerede davon, daß Eng­land sich in einer Abwehrlage befinde und alle An­strengungen machen müsse, seine Weltstellung zu be­haupten, notwendig den Schluß ziehen, daß Deutsch­land als böser Feind diese Machtstellung hattnäckig bedrohe und allein an dem „höchst widerwilligen Wettbewerb in dem Flotten-Wettrennen" schuld sei.

Jeder, der sehen will, muß aber doch erkennen, daß Deutschland den Frieden will und den Frieden braucht, wenn es seinen ungewöhnlichen, wirtschaft­lichen Aufschwung und seine ganze Zukunft nicht in Frage stellen soll. Nicht wir haben die Dread­noughts erfunden, auch nicht die Ueberdreadnoughts, und nicht die Unterseeboote. Wäre England nicht mit dem Bau der Riesenschlachtschiffe, der einen gro­ßen Teil der älteren Schiffe entwertet hat, vorange­gangen, es hätte keinen Anlaß, heute eifersüchtig die Entwicklung fremder Flotten zu beobachten. Die bri­tische Marine wäre allen berart überlegen geblieben, daß keine Sorg: um die Seeherrschast aufgetaucht wäre.

Stimme bezüglich des oben angeführten Satzes: hebe den Satz nicht hervor, weil :r eine Drohung ge-i gen den Angeredeten enthalten sollte, sondern einzigs und allein wegen seiner groben Unschicklichkeit, wr-i gen feiner Verletzung der achtbaren, innersten Ge­fühle aller religiösdeukmden Me ruhen. In diesem Falle, wo der angegriffene Satz sich gegen den Prie«1 ster richtet, ist er nichts weniger als Armlos."

Ausland.

5 Tas belgisch« Nationalfest. Sonntag und Montag feierte man in Belgien in üblicher Weift das Nationalfest. In Brüffel wurden im Jubelpark 7542 Belgier für treue Dienste dekoriert. Der Arbeitsminister Hubert benutzte diesen Anlaß, um zu erklären, der Ausbau der sozialen Fürsorge werde die nächste große Aufgabe der Regierung bilden. Namentlich eine gesunde Wohnungspolitik will der Minister treiben. Auch das Altersrenten« gefttz will der Minister ausbauen.

* Prozeß gegen ehemalige Ordensleute Vor der Strafkammer von Le Puy in Frankreich begann ein Prozeß gegen 40 Lehrer des Instituts von Notre-Dame-de-Franee, ehemalige christliche Schul­brüder, die beschuldigt sind, nur scheinbar ihre Ge­meinschaft aufgelöst zu haben, nun aber wieder klösterliche Gemeinschaft zu pflegen. Als die Kon­gregation feinerzett aufgetoft wurde, hatte eine Fran Fay-Foulupt das Gebäude der Schulbrüder wieder -erfteigert und den früheren Insassen, die weltliche Prieftergewänder tragen, zur Verfügung gestellt. Auch Frau Fay ist wegen Beihilfe zu dem „Ver- bred)eit" der „trügerischen Verweltlichung" vor Ge- ttcht gestellt.

L Das Grohkrmz der Ehrenlegion für den Prinzen von Wales. In Paris gab Präsident FalliöreS dem englischen Thronfolger, dem Prinzen von Wales ein Frühstück und überreichte ihm dabei daS Großkreuz der Ehrenlegion. — Der Prinz, der erst vor wenigen Tagen im Ouattitr Latin ein Heim französischer Studenten besuchte und eine Rede hielt, in der er französisches Wesen feierte, hat jetzt seine einjährige Studienzeit in Paris beendet.

* Die Plllverstage des französischen Landheeres. Auf dem Schießplatz von Satory bei Versailles barst der Lauf eines Kavallerie-Karabiners in der- Hand eines Wachtmeisters und verstümmelte den Schützen schwer. Dieser an sich nicht so wichtig^ Unfall erhält große Bedeutung dadurch, daß er nach der Untersuchung durch das allzu heftige Aufflamme«! der Pulverladung im Lauf hervorgerufen wurde. Die Patronen sollen durch zu langes Lagern im Pulvermagazin unzuverlässig geworden sein. DaS würde bedeuten, daß die Pu lv er frage nickt nur für die SchlffSgeschütze, sondern auch für die Feuer­waffen des LandheereS besteht.

’♦ Revolution in Lissabon? I« Paris sind Depeschen aus ben spanisch-portugiesischen Grenz- bezirken eingttroffen, denen zufolge in L i ssabon und O p o r t o von neuem monarchistischeUn- ruhen ausgebrochen sein sollen. Auch aus Madrid wird gemeldet, daß polittsche Persönlichkeiten, die in enger Fühlung mit Portugal stehen, Depeschen er­halten haben, die den Ausbruch einer neuen monar­chistischen Bewegung bestätigen. Des wetteren ist in Madrid ein Telegramm eingegangen, daß der Dam­pfer „Cabo Orttguctra" ein drahtloses Telegramms! erhalten hat, welches meldet, daß in der portugie­sischen Hauptstadt die Revolution ausgebrochen ist. Auch in Opotto soll vollständigr Anarchie herrschen. Ein Teil der Truppen soll die monarchistische Fahne erhoben haben und den Republikanern eine blutige: Schlacht liefern. — Nach dem Fehlschlagen der bis­herigen Monarchistenerh'bungen wird man den Meldungen kein großes Gewicht beilegen, bedenklich frimmt indessen, daß die telegraphische Berständi- gung zwischen Patts und Lissabon vollständig unterbrochen ist.

** Ter König von Schweden beim Zaren. Der Kreuzer „Oskar II.* mit dem schwedischen Königs« paar an Bord ist gestern vormittag in Pitkopaast eingetroffen. Bald nach der Ankunft stattete das schwedische KönigSpaar dem Zaren auf der Jacht „Standart" einen Besuch ab. Die Begrüßung war überaus herzlich. Arn Abend fand auf der Zaren­jacht ein Familiendiner statt. DaS schwedische Herrscherpaar wird dir zum 25. Juli Gast deS Zaren fern.

r Bedenkliche Meuterei im russischen Heere. I« einer offiziellen Mitteilung werden Einzelheiten ver- öffenllicht über eine Meuterei, die am 14. Juli im Lager deS 1. und 2. Bataillons der Turkestan- Pioniere in der Nähe von Taschkent stattgefundeu hat. Die Meuterer, die saft 130 Mann stark waren, beschossen das Lager. Erst am 15. Juli morgen- war die Ruhe wieder hergestellt. Schützen und Kosaken umzingelten daS Lager der aufstän­dischen Pioniere und entwaffneten fie. Im Kampfe sind auf Seiten der treuen Truppen zwei Mann getötet und zwtt Offiziere und zwölf Soldaten ver­wundet worden.

** Dem neuen türkischen Kabinett Mukhtar wirb wohl der Minister des Aeußeren Kiamil den Stempel aufdrücken. Ihm bringt» sowohl die jung­türken feindlichen Offiziere als auch die Albaner Vertrauen entgegen. Er hat während ftines langen Wirkens stets in enger Fühlung zu England gestanden, für das er seit einem Aufenthalt dort eine Vorliebe hatte. 1891 war er unter Abdul Hamid Großwesir. Damals legte er dem Sultan einen Reformplan vor, was seine sofortige Enllaffung zur Folge hatte. Englischen Einflüffien verdankte er Schonung, Nach vierzehn Jahren übernahm er abermals das Groß- wesirat, aber er wurde unter dem Verdacht, eine Verschwörung gegen den Sultan organisiert zu haben, ftines Amtes wieder entsetzt und nach Aleppo verbannt. Er erbat damals die Vermittlung der Botschafter und wurde darauf nach Smyrna ver­setzt, wo er Jahre lang als Generalgouverneur wirkte. Nach der Juli-Rcoolution im Jahre 1903 ernannte Abdul Hamid zunächst Said Pascha jun» Großwesir uns bann Mitte August riiamtt PafchcA

= Die netten englischen Flotten- sordernngen.

Die gestern in kn^em Auszuge wiedergegebene lstede des englischen Mattneminifters Churchill bn Unterhaus- ist besonders dadurch intereflant, daß ?e sich durchweg nur auf den deutschen Flot- enbau beruft, der das bedauernswerte England §u dem ach so ungern unternommenen Wettbewerb tzwingt. Das neue deutsche Flottmgesetz mutzte als ver unmittelbare Anlaß für die Nachforderungen herhalten, denn es fei eine Rüstung, für dir es kein ähnliches Beispiel in dem bisherigen Berhaltr« der Seemächte geb’. Die zielbewußte Flottenvergröße« xung Deutschlands verlange ein gleiches Borgern m England, das das bisherige Uebergewicht in ber- Jelbtji Stärke aufrecht zu erhalten gedenke. Jnter- Bft 1HB* auch der Test der Rede Hervorrufen, der sich rsMittelmeerflotte beschäftigt. Hier