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Jß 166.

Dienstag den 25. 3ult 1912.

39. Jahrgang.

fulilaerM Zeitung

2. Blatt

Mid und Verlag der znldaer Aet!endntS«r«i ta Salbe.

vermischtes.

* Als Kaiser Oskar von Deutschland" stellte sich int Kammergericht ein gutgekleideter Herr vor. An die Tür des Präsidenten heftete er ein Plakat folgenden Inhalts: „9Btr, Kaiser Oskar von Deutschland, verhängen hiermit über Berlin den Belagerungszustand." Außer einem handgroßen Siegel mit Band befand sich auf dem Plakat noch das Bildnis des Mannes. Darauf entfernte sich dieser mit drei Herren, die in seiner Begleitung waren. Es ist unverständlich, daß man den offen­bar Geisteskranken und feine Begleiter nicht fest­nahm.

♦ Das „praktische Jahr" der Diplomingenieure. Die Frage, ob das „praktische Jahr' der Diplom« ingemeure vor oder nach dem akademischen Studium abzuleisten sei, oder ob die Ableistung am besten geteilt werde, ist neuerdings Gegenstand der Er­örterung in technischen Kreisen gewesen. Im Hin­blick auf die große Wichtigkeit der Frage hat es der Verband deutscher Diplomingenieure unternommen, sie zum Gegenstand eingehender Beratung in seinen 36 Bezirksvereinen zu machen. Man wird dem Ergebnis dieser Beratungen um so größere Bedeutung beilegen können, als hier nur Fachleute mit eigener Erfahrung zum Worte kommen und der Verband den Vorzug hat, alle Fachrichtungen zu umsaffen.

Amt Geisa und Umgebung.

* Dermbach, 23. Juli 1912. Nach dem vom statistischen Büro herausgegebenen Ortsverzetchnis haben sich die Orte unseres Verwaltrtngsbeztrks nut über 1000 Einwohnern wie folgt verändert: Derm­bach mit 1376 Einwohnern gegen 1905 7,1 Proz. mehr, Vacha mit 2240 Einwohnern 6,47 Proz. mehr, Stadtlengsfeld mit 1593 Einwohnern 4,83 Proz. mehr, Tiefenort mit 2539 Einwohnern 4,13 Proz. mehr, Kaltennordheim mit 1735 Einwohnern 2,36 Proz. mehr, Ostheim mit 2277 Einwohnern 1,44 Proz. mehr, Geisa mit 1536 Einwohnern 0,84 Proz. mehr, Dorndorf mit 1125 Einwohnern 2,91 Pro;, weniger. In die Reihe der Ort', mit über 1000 Einwohnern hineingerückt sind Kisselbach mit 1061 Einwohnern, das um 11,86 Prozent zu­genommen und Völkershausen mit 1049 Einwoh­nern, das um 5,62 Prozent zugenommen hat.

* Stadtlengsfeld, 22. Juli 1912. Aus der alten Schrumpf'fchen Färberei wurden kürzlich zwei große kupferne Kessel gestöhlen. Die Diebe hatten leichte Arbeit, da das Gebäude unbewohnt und unschwer in das Innere zu gelangen ist.

Da fand er, daß sich der Boden rasch . . , stand er bis unter die Arme im Waffer, und die Stange zeigte ihm, wo er sie auch hinftieß, «ine Tiefe von mehr als zwei, weiter entfernt sogar von drei Metern an. Zugleich aber fühlte er an ^nen Füßen eine Kälte als ob er mitten im EiS stunde. Woher kam das? Was bedeutete der Ab- gründ mt See? Warum war hier das Wasser klarer als am Ufer?

*♦ Schweinfurt, 22. Juli 1912. Infolge dichten Nebels fuhren im Hauptbcchnhof 2 Zugsmaschinen aufeinander. Beide Maschinen wurden stark bar­sch ä d i g t. Personen wurden nicht verletzt.

*♦ Würzburg, 22. Juli 1912. Zum Rektor magnifikus pro 1912/13 wurde am Samstag der Professor der alttestamentlichen Exegese und der biblisch-oriental^khen Sprachen Dr. throl. et Phil. Johannes Hehn gewählt.

Handel und Industrie.

• Berlin, 22. Juli 1912. Die Nachrichten Übel die politischen Vorgänge am Balkan vermochtet nicht, der heutigen Börse den festen Grundton z, nehmen. Die Monatsabwicklung scheint infolge bei nicht besonders großen Umfanges der Verpflichtung« sich leicht zu vollziehen.

Märkte.

1

• Frankfurter Getreidemarltberichi vom 22. Juki. Am heutigen Markt war nur sehr wenig Geschäft. Landweizen in alter Ware ohne Angebot. Fremde Weizen waren nur wenig beachtet. Landroggen in­folge des RegenwetterS nur vereinzelt in trockener B«. schaffenhett angeboten, ohne einer großen Nachfragt festens der Mühlen zu begegnen. Neue Gerste nock nicht offeriert. Hafer bei guter Nachfrage unverändert Mais sehr ruhig. Mehl u»d Futterarttkel ohne Preis­veränderungen. Es notierten- Weizen: hiesiger uni Wetterauer 00.00 bis 00.00 Mk., auf dem Land» ab- geholt 00.00 bis 00.00 M., kurhessischer 00.00-0000 norddeutscher 00.00—00.00 Mk., Manitoba 22.50-, 23.60 M., Kansas 00.00—00.00 Mk., russischer Nicolajes! 23.50-24.00 M., Saxonska 23.75—24.00 M., Ulk« 23.60-24.00 M., Azima 23.50—23.75 M., La Platts 23.25-23.75 M., rumän. 24.25—24.50 Mark, Wall« Wallo 00.00-00.00 M. — Roggen: hiesiger, 18.5(1 bis 18.75 M., auf dem Lande abgeholt 18.00—18.19 Mk., Pfälzer 00.00—00.00 M. russischer 20.25—20.50 M, rumänischer 00.00—00.00 M. — Gerste: hies. 00.0« bis 00.00 Mark, Pfälzer 00.00-00.00 M., fränkisch« 00.00-00.00 M., Riedgerste 00.00—00.00 M„ ungarisch« 00.00-00.00 M., Futtergerste 17.50—18.00 M. —. Hafer: hiesiger und Wetterauer 21.90—22.25 kurhess. 22.00-22.15 M., bayer. 22.00—22.20 2JL La Plata 17.50—18.00 Mark, russischer 21.75—22.06 Mark. — Mais (Mixed) 00.00- 00.00 Mark, Donau­mais 15.60—15.75 M., La Plata 15.60—15.75 Mark, Cinqantin 18.50-18.75 M., russischer 00.00—00.00 Mark, — Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: unverändert. — Es notieren je nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 31.75—32.00 5DL, südd< Nr. 0 31.75-32.00 M., hiesiges Nr. 1 29.75-30.00 süddeutsches Nr. 1 29.75 -30.00 M., hiesiges Nr. 9 26.75 - 27.00 M., süddeutsches Nr. 3 26.75—27.00 M„ hiesiges Nr. 4 22.75—23.00 M., süddeutsches Nr. 4 22.75—23.00M. — Roggenmehl, hiesiges, Nr. 0 27.2kf bis 27.50 M., do. Nr. 01 26.25—26.50 M., do. Nr. 1 25.25—25.50 M. Mes per 100 Kilo inklusive Sack tote hier. — Futterarttkel: unverändert. — Weizew schalen 11.50-11.75 M., Weizenklete 11.25—11.50 SW- Roggenkleie 12.75—13.00 M., Wrizen-Futtermehl 15.5(1 biS 15.75 M., Biertreber, getrocknet, 14.00—14.25 M., Malzkeime 13.85-14.15 M., Rapskuchen 13.90—14.15 Mk., Palmkuchen 14.00—14.20 M., Futtergerste 17.50 bis 18.00 M., Melaffeprodukte 00.00-00.00 Kar­toffeln 0.00-0.00 Mark. AlleS per 100 Kilo netto effeklw loko hier bei Abnahme von 10900 Kilo.

*■ Frankfurter amtliche Notierungen der Biehmarkt- preisr vom 22. Juli 1912. Austrieb: 1059 Rinder

deswegen, weil der Boden zu mager war, um gute Erträge zu liefern, sondern vor allem, weil ihm die regelmäßige Feuchtigkeit fehlte. Unter der Ein­wirkung des Sonnenbrandes trocknete der Sand rasch aus und erhitzte sich, so daß die aufkeimenden Pflan­zen verdorrten. Aber unfruchtbar war das Land nicht, man hatte nltr versäumt, es richtig zu be­bauen. Jetzt galt es, dieses große Gebiet urbar zu machen, dieses mächtige Sandfeld dem Todesschlase zu entreißen, in dem es seit Jahrhunderten ruhte! Und das war gar nicht so schwer! —

Er brauchte nur den Quellen, die da oben sprudelten und den Sumpf erzeugten, einen regel­mäßigen Wfluß zu öffnen, und sie über das Sand­feld zu leiten, daß das Waffer die unfruchtbaren Hänge berieselte. Dann mußte aus dieser „Wüste" ein kleines Königreich au Feldern erstehen, völlig neues Land, das durch Arbeit, mit Hilfe des be­fruchtenden Wassers und der wärme- und leben­spendenden Sonne fruchtbar wurde und reiche Er­träge verhieß.

Je mehr Baldwin diesen Plan überlegte und das Terrain studierte, um so fester wurde die Ueber- zeugung in ihm, daß^dieser Plan gelingen und ihn zum wohlhabenden Manne machen würde.

Schon wuchsen die Einzelheiten desselben aus dem Chaos von Gedanken, die ihn bestürmten, klar und scharf umrissen vor ihm empor.

Zunächst mußte der Sumpf entwässert werden. Das war keine allW schwere Arbeit. Man brauchte bloß den Erdwall an verschiedenen Stellen zu durch­brechen; dann ergoß sich das Wasser durch die ge­öffneten Pforten über die Sandwüste, riß zugleich eine SDZcnge von Humus, der ht dem Erdwall ein- geschlofsen lag, mit sich hinab, bedeckte damit den Sand, machte chn fruchtbar und zum Anbau von Kulturpflanzen geeignet. Die Menge von Schlamm, die in dem Sumpf aufgehäust war, bildete ein natürliches und so reiches Mittel, den Boden zu düngen, daß Baldwin unwillkürlich an die Heber- schwenunungen des Nils im fernen Aegypten den­ke» mußt««

fühlte. Das mußten unterirdische Quellen sein, die am Fuße des bewaldeten Hügels hervorbrachen, den Grund aufwühlten und aushöhlten und das Becken speisten. Der zwei Meter hohe und zehn Meter breite Erdgürtel, der sich wie ein Wall um den Sumpf legte und ihn gegen die „Wüste" ab­sperrte, verhinderte den Abfluß des Wassers, das nur seitwärts ausbrechen konnte, sobaL das Becken überfüllt toat. Und jetzt hatte er mit einemmale das Rätsel des schwarzen Sumpfes gelost: alles über­schüssige Wager ergoß sich gegen Osten, dem Wild­hose zu, wo der See sich senkte, in ein: schmale Schlucht uNd durch diese in den gefürchteten Wild- bach, der jedes Jahr so viel Unheil anrichtete.

Nun litt eS Baldwin nicht mehr im Waffer. Er stapfte so eilig durch den Sumpf, daß Wasser und Cchiamm hoch auffpritzten und ihn mit einem schmutzigen Regen überschütteten. Draußen hinter den Büschen brach er zunächst in ein schallendes Gelächter aus, denn er sah vom Hals bis zu den Füßen aus wie ein Moor. So gut es ging, reinigte er sich an einer Stelle, wo das Waffer ziemlich klar war, warf Badeanzug und Rohrstiefel zum Trocknen in die Sonne und kwidrte sich an.

Seine Hände zitterten vor Aufregung, und fast begann el ihm zu schwindeln bei den kühnen Ge- danken, die durch sein Gehirn jagten. Er zog ein Notizbuch aus der Tasche und zeichnete das Land- schaftsbild auf ein weißes Blatt: den Wald, den See, den Erdwall — die „Wüste"! Und wie er all das vor sich sah, stand sein Plan schon fertig vor chm, und er begann zu jauchzen: „Hanne, Hanne, ach, daß Du hier wärest, und daß ich Dir meine Gedanken und Pläne Mitteilen konnte. — Nun hab' ich den „Königsschatz" doch gefunden. Er liegt im schwarzen Sumpfe, und ich hole chn heraus! — Und mit ihm hole ich mir das Glück und lege eS Dir zu Füßen, meine Hanne!"

AIS er ruhiger geworden war, setzte er sich auf den Erdwall, überblickte Sumpf und Wall uno Wüste und fing an zu kalkulieren.

Diese ungeheure Sandwüste, die mchr als hun­

dert Mora« umfaßte, war tote» Land, nicht allein

schienenen und bat sie, die gehörten Anregungen in die Tat umzusetzen zum Heile unserer Familien und des gesamten Vaterlandes.

* Niedenstein, 22. Juli 1912. Die Restaurie­rung der Ruine „F a l k e n st e i n", welche durch den „Niederhessischen Touristen-Berein" finanziert wurde, ist nunmehr beendet. Die verwitterten Mau- ertoerle sind ausgebessert worden, und die beiden Mauerzacken wurden durch einen eisernen Anker verbunden. —- In der vorigen Woche begannen auch wieder die Ausgrabungen auf der „Alten­burg" unter Leitung von Dr. Hoffmeister aus Lübeck.

(:) Amöneburg, 22. Juli 1912. Die Zusammen­kunft der Turn- und Spielvereinigung der Lchrer unseres Kreises am 20. d. M. in Kirchhain hatte eine stattliche Beteiligung aufzuweisen. An den vorgesehenen Freiübungen, die von den Lehrern unter Leitung des Turnlehrers Fischer-Marburg ausgesührt wurden, beteiligten sich auch die älteren Kollegen mit Jntereffe und Eifer. Die Hebungen aber beanspruchten so viel Zeit, daß zwei Punkte der Tagesordnung abgesctzt werden mußten. Be­züglich der Sedanfeier wurde aus den Vorschlag Fischers hin für diesen Tag ein Turuwett- kampf für Schüler aus dem ganzen Kreise be- schlossen, der sich erstrecken soll auf Weitsprung, 50 Meter-Laus (Sekundenlaus) und Fußball­werfen. Die Art und Zuteilung einer ent» prechenden Prämiierung vorzüglicher Leistungen, owie eingehende Festlegung des Sedanprogramms oll Sache der nächsten Zusammenkunft sein.

AU5 Oberheffen u. den heff. Aemtern

* Marburg, 22. Juli 1912. Am Samstag fand die Mahl des Rektors unserer Universität für das Amtsjahr 1912/13 statt. Gewählt wurde der Pro­fessor der Staatswissenschaft Troelsch.

* Frankenberg, 23. Juli 1912. Zum Besten der in Sachsenberg durch den Hagel schwer geschä­digten Landwirte stistete der bekannte Freiherr von Krauskopf den Betrag von 6000 Mark. —1 Im nahen Züschen wurde das Haus des Mrtzger- meisters Krämer ein Raub der Flammen. Die Insassen konnten nur das nackte Leben retten.

# Ziegenhain, 22. Juli 1912. Freitag nacht wurde ans dem Flur eines Hauses hier ein Fahr- rad gestohlen. Dem Diebe ist man auf der Spur.

# Treysa, 22. Juli 1912. Der 30jährige Konrad Schmidt aus dem nahen Frankenhain, der auf der neuen Strecke Kirchhain-Gemünden als Bremser tätig mar, stürzte ab und wurde von vier schwer beladenen Kippwagen überfahren. Dabei wurde ihm das linke Bein so schwer verletzt, daß es ihm in der Anstalt „Hephata" amputiert werden mußte. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Der Ver­unglückte ist verheiratet und hat zwei Kinder.

* Homberg (Efze), 22. Juli 1912. In der Ober- förft:rei Neuenstein im Kreise Homberg ist eine T e- legraphenanstalt mit Hnfallrneldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.

[:] Neustadt, 22. Juli 1912. Am vorigen Sonn­tag fand im Saale des Herrn H. Gies eine Ver­sammlung be» Volksvereins statt. Herr Kaplan Mehlmann sprach über die „Mutterliebe". Ausgehend von der Schilderung der echten Mutter­liebe auf relwiöser Grundlage, ze gte Redner in trefflicher Weise den Einfluß einer solchen auf die Familienmitglieder und ihre nachhaltige Wirkung für das spätere Leben. Andererseits sahen die Zu­hörer die nachteiligen Folgen einer verkehrten Liebe. Wohl greifen auch häufig die Verhältnisse des Lebens oft störend in unsere Pläne, doch der Hinweis auf bte Vergeltung in der Ewigkeit hält die christlichen Eltern im Gedanken an die treue Pflichterfüllung aufrecht. Reicher Beifall lohnte den Redner. Leider war die Versammlung schwach besucht. Die Pansen wurden durch musikalische Vorträge ausgefüllt, bei welcher Gelegenheit die Gebrüder Ebel aus Kaffe! sowie bet Seminarist Eugen Ochs den Verhältnissen entsprechend wirklich Hervorragendes leisteten. Im Schlußworte dankte Herr Pfarrer Ebel den Er»

Aus dem Nachdargebiete.

Z£ Pilgerzell, 22. Juli 1912. Dieser Tage konnte Herr Kalkwerksbesitzer B. Aschenbrücker am „Dicken Turm" auf eine 25iäbrige ©brenintyilieb’ schäft beim Kriegerverein Pilgerzell zuruckblicken. Aus diesem Anlaffe brachte der Kriegerverem am Samstag abend Herrn Aschenbruckcr eine sinnvolle Ehrung dar. Der Berem erschien mit feiner Musik- kavelle vor der Wohnung des Jubilars. Im Namen der Mitglieder überreichte der Vorsitzende unter einer entsprechenden Ansprache die Verbands-Jnbi- läums-Medaille. Nach Vortrag mehrerer Musikstücke durch die Kapelle zog der Verein zur Gastwirtschaft Weber in Pilgerzell, wo ein gemütliches Zusammen­sein stattfand.

△ Hünfeld, 22. Juli 1912. Bei der Verdingung der Arbeiten für Erbauung eines Abortgebäudes auf Bahnhof Hünfeld wurden folgende Forderungen gestellt:

Los I Maurerarbeiten: Gebe. Schäfer-Hünfeld 8474,64 Mk., Fladung-Geismar 3561,32 Mk., Sommer- Fulda 4117,20 Mk., I. M. Knauf-Borsch-Geisa 4393,50 Mk., Hucke-Burghaun 5220,53 Mk., Wingenfeld-Hünfeld 5189,53 Mk. Los II Zimmerarbeiten: Schneemann- Bulda 338,29 Mk., Gebt. Schäfer-Hünfeld 354,23 Mk., . M. Knauf-Borsch-Geisa 400,70 Mk., Wingenfeld- Hünfeld 404,90 Mk., I. Wehner-Mackenzell 521,97 Mk. Los III Dachdrckerarbeiten: Ritzel-Herz seid 347,98 Mk., Dieaelmann u. Hau-Fulda 872,77 Mk., Georg Borner- Hersfew 411.02 M. Knauf-Borsch-Geisa 610,77

Mk. Los IV Klempnerarbeiten: Hillenbrand-Hunfeld 94 93 Mk, Sauerbier-Hünfeld 113,28 Mk., I. M. Knauf- Borsch-Geisa 114,96 Mk., Hirschfelder-Fulda 125,87 Mk. cy Knott-Hersfeld 143,23 Mk., Trinnenberg-Fulda 153 57 Mk. Los V Tischlerarbeiten: Wehner-Mackenzell 607 90 Mk.» I. M. Knauf-Borsch-Geisa 634,80 Mk., Andreas Schäfer-Hünfeld 682,80 Mk.

♦ Witzenhausen, 22. Juli 1912. Eine Entschei­dung des Oberverwaltungsgerichts, die besonders ckr die Beamtenwelt von Interesse ist, ist dre­ier Tage getroffen worden. Der Magistratsassistent H. von hier, der vor etwa einem Jahre wegen Hr- kunden- und Wechselfälschung zu längerer Gesäng- nisstrafe verurteilt wurde und die Strafe zurzeit noch verbüßt, hatte bei einer Mündener Bank eine grö­ßere Summe gegen eine Bürgschaftserklärung dreier hiesiger angesehener Bürger geborgt. Die drei Hn- terschristen waren aber gefälscht. H. hatte sie Anter Beidrückuug des Stadtstempels, den er sich zu versckiasfen wußte, polizeilich beglaubigt. Die Bank stellte sich nun auf den Standpuntt, Bürger- .rreister Wickfeldt von hier hätte den, Stempel nicht sorgfältig genug verwehrt, weshalb sie chn regreß­pflichtig machte und eine Schadenersatzklage auf 5000 Mark einreichte. Die Regierung in Dassel wie auch das Oberverwaltungsgericht entschie­den jedoch, daß der Bürgermeister keine ihm vblie- ?lende Amtshandlung unterlassen hab«. Bei der star- en Beschäftigung müsse es ihm gestattet fein, den Stempel zur Besorgung der Dienstgeschäfte einem Stellvertreter zu überlassen, zumal, wenn angenom­men werden darf, daß dadurch kein Mißbrauch zu erwarten ist. Die Bank wurde mit ihrer Klage ab­gewiesen.

* Griesheim ä. M., 22. Juli 1912. Umfang« reiche Diebstähle hat die hiesig« Ortspolizei zu Tage gefordert. Eine Plötzlich abgehaltene Haus­suchung bei einer Familie ergab eine ganze W a- aenladung gestohlenen Gutes. Unter anderem sind 20 Standuhren, 55 Portemonnaies, 12 Bilder­rahmen, 15 Handtäschchen, 9 Tintenfässer, 2 Du­tzend Löffel, Damenuhren, Scheren, Kaffeeservice, Uhrketten, Nippsachen usw. gefunden worben. Im Verdacht steht die 20jährige Tochter der Familie, die die Waren ht einem Geschäft in Frankfurt gestoh­len hat.

* Wiesbaden, 22. Juli 1912. Das nassauisch: Anvtsstädtchen Katzenelnbogen Hat am 20. Juli die Feier der fechshimdertsten Wiederkehr des Tages begangen, an dem Kaiser Heinrich VII. der Burg und dem Tale Katzenelnbogen die Stadt- und Marktrechte verliehen hat. Im Hof der Burg, in der einst die mächtigen Grafen von Katzenelnbogen, die seit dem 15. Jahrhundert aus- gestorben sind, saßen, wurde ein Festspiel aufgeführt, an dem etwa 90 Personen teilnahmen. Aus Anlaß .des Jubelfestes hat der Verein für OrtSgeschichte auf dem Einrich eine heimatkundlich« Ausstellung geschaffen, deren Dauer auf drei Monate berech­net ist.

glänzend gelöst. Den Inhalt des Führer» zu würdi­gen, ist nicht meine Aufgabe. Die Texte aber und di« Illustrationen sind einander und des Titelblatte» würdig.

Der Tttelkopf der F e st z e i t u n g stammt auch bor Krahforst. Er sucht sich dem Gesamteindruck einzi» fügen, den nach dem geläuterten Geschmack des neu zeitlichen Buchdrucks die erste Seite einer Tageszeitung machen soll. So bescheiden er sich aber auch ins Ganz« fügt, er wird nicht verfehlen, dem Freunde der an­gewandten Äunft wohl zu gefallen. Der .Künstler hat dem Reichsadler ein Herzfchild mit dem Monogramm Christi XP aufgelegt, eine Symbolik, die auch be« Heraldiker gelten lassen wird. Der „Aachener Wolf (f. „Führer durch Aachen" Seite 19) und der Pinien­zapfen treten als Zeugen für Aachen auf. Es wär« zu wünschen, wenn manche Tageszeitung, die es bis­her hat fehlen lassen an künstlerischer Gestaltung ihrer Stirnseite, an der Ausstattung der Festzeitung ein Vorbild nähme.

Die Kommission für die Herausgabe von Fest.. Postkarten hat das Glück gehabt, unter mehrerer tüchtigen Entwürfen das beste wählen zu können. Di( Firma B. Kühlen und La Ruelle (Jos. Deterre) Werder mit je einer farbenfrohen, kraftvoll wirkenden Post­karte in der offiziellen Sammlung, dem „Postkarten, heft" vertreten sein, das am Katholikentage dem Be­sucher die Auswahl erleichtern soll unter der Unmengt der guten und weniger guten Ansichten von Aachen. Die offiziellen Kolporteure werden nur diefe Sammlung (0,50 Mk.), welche außer den zwei Vierfarben- und Golddrücken noch vier charakteristifche Bilder aus der allen Krönungsstadt in bestem Kunstdruck enthält, vertreiben, daneben als Einzelkarten die zwei genann­ten Farbendrucke und die Ansicht von der Halle (je 0,10 Mk.).

Das war fürs erste Jahr Arbeft genug. Im zweiten sollten bann, nachdem der Sumps eittwäffert war, die Quellen gefaßt und in Kanälen über die sandigen Hänge gekettet werden, um das wohltätigte Waffer zu dem fernsten Fleckchen der Wüste zu tragen, sie zu beleben, ihr neue Jugend, neue Kraft und neue Fruchtbarkeit zu verleihen.

Seine Pläne nahmen immer mehr greifbare Gestalt an, feine Seele schaute in die Zukunft. Er sah endlose Fruchtfelder sich dehnen, sah ein wogen­des Aehrenmeer, und an den Rändern der Wüste, wo das Waffer vielleicht nicht hindringen würde, wüchsen Ställe für Rinder und Schafe empor, und ganze Herden dieser Tiere weideten auf diefen weiten Flächen, lieferten Wolle, Fleisch und Milch, Schwärme von Immen summten über die Heide und sammelten Honig ein, so daß man in Wahrheit sagen würde: ein Land, das von Milch und Honig fließt! —

In dieser Stunde noch wollte er den ersten Ver­such machen. So rasch ihn die Füße trugen, eilt« er zum Ra^nhos, um Pickel und Schaufel zu holen. Auf dem Wege dahin überlegte er, welche Arten von Früchten sich wohl am besten für den sandigen Boden eignen möchten. Er dachte an Hafer, Kar­toffeln und Mais — alles int großen! Für Hafer war es jetzt zu spät, aber mit Kartoffeln und Mais ließ sich noch ein Versuch machen. Wenn Mei Ge­spanne mit Doppelpflügen zwei Wochen über das Feld gingen, konnte eine große Fläche urbar ge­macht werden und noch in diesem Jahre reiche Er­träge liefern. Im Herbste würde dann ein wei­teres Stück bearbeitet, der Boden umgebrochen und dem Winterfiost ein Teil der Arbeit überlassen. — Einige Morgen Land gegen Norden sollten mtt Kie­fern angeforstet werden, die gerade auf sandigem Boden vorzüglich gedeihen.

Die auf der landwirtschaftlichen Schule erwoi> benen K:nntniffe kamen jetzt Baldwin zugut, und er brauchte nicht zu fürchten, Fehlgriffe zu machen; das Projekt der Urbarmachung und Bebauung lag wie eine glatte, wohldurchdachte Rechnung vor chm.

(gortjttontfl foUU.

X Bom Aachener Katholikentag.

Bemerkenswert sind folgende Mitteilungen aus der Pressekommission:

Die Teilnehmerkarten für Herren, eben­solche für die Damen und für die Studenten, deren Versand bevorstehl, zeigen das Bildnis Karls wie es Albrecht Dürer so romantisch großartig geschaffen hat. Der Streit „um des Kaisers Bart" ist von Dürer auf diesem Bilde bekanntlich zu Gunsten der Aufassung der alten Epik (Das Rolandslied spricht von seiner „barbe fleurie“) entschieden, und wenn der Bart auch historisch nicht berechtigt sein mag — „er steht ihm aber gut". Dürers Phantasie zeigt sich ja auch in der Anbrin­gung der beiden Wappenschilder, des deutschen Adlers und der französischen Lilien. Die Ausführung der Karte besorgte die Firma Albert Jacobi u. Co., Aachen.

Hermann Krahforst hat auch das Titelblatt des Führers entworfen. Von dem fallen Braun des Untergrundes tritt durch den goldenen Rundbogen mit byzantinischer Feierlichkeit der „Führer" vor uns, ein Engel mit goldenen Fittichen, der das Symbol der Kaiserstadl, die alldeutsche Reichskrone, trägt. Die Schattenrisse von Münster und Rathaus umleuchlet das mit dem Braun des Blattes prächtig rivalisierende Hellblau. (Einige Exemplare haben stall dessen Grün. Was ist schöner?) Die Firma La Ruelle (Jos. De- terre) hat die schwere Aufgabe, eine Niesenauflage eines solchen Prunkstückes pünktlich fertigzustellen.

Der „Königsschatz" war plötzlich bergefien, und aus feinen Erwägungen ausgeschaltet, und nur die ^alogischen Verhältnisse der Landschaft beschäftigten ihn. — Indem er sich auf feine Stange stützte und vorbeugte, gewahrte er, wie feine weiße Bläschen emporfliegen, gleich als ob sie von einer geheimnis­vollen Kraft aus der Tiefe zum Spiegel empor­getrieben wurden.

Da kam es wie Erleuchtung über chn, und zu­gleich durchzuckte ihn ein so heißer, freudiger Schreck, »ast er die Eiseskälte an Wirten Füßen nickt mehl

WctuernM'ut

46] Roman von Felix Nador.

Borsichtig stieg Baldwin in da» Waffer, bei jedem Schritt die Stang: auf den Grund stoßend; aber er sand bald, daß er keine Sorge zu haben brauchte, weil das Wasser am Ufer kaum meter- tief war und nur durch den abgelagerten Schlamm undurchsichtig wurde. Sorgfältig suchte er die Ufer ob und stieß den Haken in den weichen Grund, ob er nicht auf die sagrnhafte Eisentruhe treffe. Aber all sein Suchen war vergeblich, obwohl er jebeit Fuß breit Erde geprüft hatte.

Da schritt er weiter in den Sumpf hinein. Der Schlamm lag nicht höher als aut Ufer, das Waffer aber war tiefe- und reichte ihm bis an die Brust. .Aber er hatte festen Grund unter sich, offenbar Sand, unter dem eine Lehmfchicht lag, welche das Wasser nicht durchließ. Bon dem Königsschatz war aber auch hier feine Spur zu finden.

Nun wandte er sich dem jenseitigen Ufer, dem Wald« zu. Da fand er, daß sich der Boden rasch senkte; schon stand er bis unter die Arme im Waffer,