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Fulda, Dienstag den 23. Juli 1912

39. Jahrgang

Erstes Blatt

jti 166.

lh im Haag der sonnenklar: Vertrag lischen Auffassung auSgelegt und

daß der Volksvereins-Berlag es weit von

!«

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kunft eröffn das Mädchei

nach der englischen Auffassung auSgelegt und angewendet werden würde. Wrr sich im Unrecht stylt, scheut das Gericht.

Der Fluch seines Vaters blieb mer über ihm schweben; aber er bezwingen und in Segen zu verwandeln.

lete sich ihm, und er durste es wagen, uu» iviuuu^en, daS er liebte, als sein Weib in sein Haus zu führen, da N jetzt imstande war, ihr eine sicher: Existenz zu bieten.

WauernMut.

Roman von Felix Nabor.

(Fortsetzung aus dem 2. Blatt.)

b freilich noch inr- hoffte auch ihn zu

dann ist nicht nur fein Kabinett, sondern auch die Verfaffung der Türkei in Gefahr, die vor vier Jahren in schweren Kämpfen errungen wurde.

’ Konstantinopel, 22. Juli 1912. Hier trafen Nachrichten ein, daß in Nordalbanien anar­chische Zu stände herrschen. Im ganzen Sand« schock, in Prizrend sowie in Kaza und Djakowa machen die Truppen mit den Aufständischen gemeinsame Sache. Einem Gerücht zufolge demiflio- niert« der Muteffaris von Ipek. An der Grenze des WilajetS Koffowa und Skutari sind drei Bataillone durch die aufständischen Stämme der Oraschi und Garnigi unter Jakob Jeronick um« zingelt worden. Die Truppen mußten sich mit 400 Mausergewehren, drei Kanonen und vier Maschinengewehren ergeben. Von den Aufständi­schen wurde ein Major aufgehängt. In Tik- vesch explodierte eine Bombe; mehrere Häuser, darunter das Rathaus, sind beschädigt worden.

gleich 4,92 Prozent mehr betragen. Die Zahl der Werktage war in beiden Jahren gleich. In Betracht zu ziehen ist jedoch, daß Pfingsten 1911 in den Monat Juni, r^gegen im laufenden Jahre in den Monat Mai gefallen ist.

* Zu einem Maffruaustritt ans der evangelischen Kirche hat in der kleinen westfälischen Gemeinde Obernbeck lei Herford die Amtsentsetzung eine- Geistlichen geführt. Die /Braunschweig. Landesztg/ berichtet aus Löhne:

Ein Massenaustritt aus der Landeskirche ist in der. benachbarten Gemeinde Obernbeck im Gange, weil bet; als Hilfsprediger dort seit längerer Zeit amtierende junge Geistliche Meyer zu Theenhausen, der sich in der Gemeinde großer Beliebtheit erfreut, plötzlich vo« der vorgesetzten Behörde des Amtes enthoben worden ist. Diese Maßregelung hat in der Gemeinde so große Aufregung hervorgerufen, daß in einer Frei­tag abend stattgesundenen Besprechung der Massen- austritt aus der Landeskirche als Antwort auf daS Borgehen gegen den Hilfsprediger beschlossen wurde. Die Austrittserklärung ist bereits von 241 Ginge« iessenen unterschrieben und wird unverzüglich dem Imlsgericht Bad Oeynhausen eingereicht zur Anbe« raumung des Vollzugstermins. Wie nutgeteilt wird, dürste die Austrittsbewegung auch auf die Gemeinde Mennighüffen, in der der Hilssgeistliche ebenfalls viele Anhänger hat, hinübergreifen.

Es ist hier nicht gesagt, auS welchen Gründe» die Maßregelung des Geistlichen erfolgt ist. Sicher­lich ist es auffällig, daß in einem Ort, der nur wenige hundert Einwnhner zählt, 241 ihren Aus­tritt auS der Kirche wegen einer Amtsentsetzunp anzeigen.

* Ei» warmes Abendbrot und seine Folge«. In Stolberg am Harz haben kürzlich einige Sozial­demokraten an einem vom Bürgermeister gegebenen Essen teilgenommen. In einer Versammlung des sozialdemokratischen Vereins nahm man deshalb eine Entschließung an, in der den „ehemaligen" Genossen gesagt wird, daß sie das Vertrauen ihrer Partei­genoffen nicht mehr besäßen.

-st- „Schundliteratur". Ein sozialdemokratischer Volksvertreter hat vor einigen Tagen geglaubt, nn bayerischen Landtag gegen den Volksvrrei« einen großen Schlag tun zu Kinnen, wenn er die Schriften der „M.Gladbacher Literaturfabrik" als „Schund" bezeichnete. Und die sozialdemokratisch« Presse in Nord« und Süd hatte nichts Eiligeres zu tun, als diese Entdeckung in der breitesten Öffent­lichkeit an den Mann zu bringen. Wir glaube«,

Honen bei der Gebührenerhebung für die Be­nutzung deS künftigen Kanals vereinbart ist. Jetzt, nachdem der Kana! vollendet ist und die Bereinigten Staaten sich die Macht über den Kanal und den angrenzenden Landstrich gesichert haben, strebt man in Nockxrmerika die Gebühren f r e i h e i t für die etgenen Schisse an. England beruft sich auf d is Vertragsrecht. Die Nordamerikaner wollen aber von einem AuStrag dieser vertragsrechtlichen Frage vor dem Schiedsgericht nicht- wissen, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil fie, sicher voraussehen, das

Hastig nahm er eine kleine Erfrischung zu sich, lud Picket und Schaufel auf die Schulter und kehrte zum schwarzen Sumpf zurück.

Nahe dem Rande des Wassers, kaum fußbreit davon entfernt, stellte er sich hin, faltete die Hände um den Schaft des Spatens und sprach doll Ernst und Inbrunst: „Herr, segne meine Arbeit, und mein Werk!"

Dann führte er mit kräftigem Arm den ersten Spatenstich. —

Und nun flog die Erde zur Teste, der Pickel riß eine tiefe Furche in den Wall, und ehe eine Stunde verflossen war, zog sich eine zwei Spannen breite Rinne in einer Länge von zehn Metern vom Sumps bis zur Wüste und zerschnitt den Erdwall als ein schmaler Kanal, der sich in der folgenden Stunde um das Doppelte vertieste.-

Schwer atmend, hielt Baldwin inne. Der Humus, den er da ausgegraben hatte, war tief« schwarz, fett und kräftig, und reichte hin, um den rÄ'^n Te8 eines Morgens zu überschütten. Nun Ä. Baldwin das fußbreite Stück Rasen heraus, die ^»«2*nne ein Schleusentor verschloß, machte am Ufer 2^ leitet und tiefer und stand wartend AuM^u^ös^ F* sch^n erst verwundert die n. u ien, dann geriet er in geheimnisvolle

Bewegung, und ata H /l. m /

scheidewand entfernte und zischend in den schwar-?r, $7°^, gurgelnd schwarze Queckst,beknie rollte tote eine

weg und zerplatzte am Ende viel Wasser -u versvriden ^. Schachtes, ohne meiste aufgesogen und so gelangte nutein **** breiige Masse an die iCteS”

Aber oben rauschte S ft n drängle zum Abfluß grub ein tieferes Bm und schoß dann als cm starker Bach über den untere» Rand des Erdwalles hinaus

3us3afyttt de» So. Hilt ,-eiertage. Vtedeti fäkr! che^ »Wwe-prei; ohm vritwerlohk an) Vep.lllgelsmZulLaft- wie südwärts l.»0 rllt.

Veroitttv. Sedatteue» «art Schütter

woch-iE.se: .Muftrierte Soimtagrzeitung

wird, sich dieferhalb mit der sozialdemokratische« „Grötzr" im bayerischen Landtag auseinanderzu­fetzen. Seine Erzeugniffe stehen auch nach dem Ur­teil objektiver Gegner zu hoch, als daß AnwürK irgendeines sozialdemokratischen Schwätzers ihn tref­fen könnten. Nun hat aber ein Freund der Volks- Vereinsliteratur sich das Vergnügen gemacht, einmal di; „Literatur" tm Auslagefenster der sozialde­mokratischen Buchhandlung in Mün­chen anzusehen, und er fand dort nach einer Ein­sendung an die bayerische Zentrumspresse folgend« Literaturperlen:

Die Ehe, von Jul. Lederer (30 Pfg.), mit ab­stoßendem Titelbild. — Kapuzinerpredigt, von P. Hilarius (Fr. Tav er Schuster), Pamphlet erster Güte. — Wie ich meinen Glauben verlor, von Anna Dorothea. — Dee Mensch der Urzeit. — Weiter dann Schriften, die sich direkt an die Sinnlichkeit wenden. — Ferner: DaS Sexual­problem und die katholische Kirche, von Leute; eine der miserabelsten Giftblüten der Pornolsteratur. — Hand­buch des Hypnotismus. — Der Herzog, die Kokett» und der Kellner. — Wider die Pfaffenherrschaft, Kultur­bilder aus den ReligionSkämpfen d»S 16. und 17. Jahr­hunderts.

Daneben hing friedlich — eine Schrift bei M.Gladbacher „SchundfchriftenvrrlagS", nämlich Staatsbürgerbibliothek Nr. 20: Verfassung deS Kö­nigreichs Bayern. — Angesichts dessen Wird sich der Volksvereins-Verlag über den chm seitens Sei

Deutschland mit seiner bedeutenden WelthandelS- ftoti; ist natürlich auch daran interessiert, daß auf he; reuen Seestraße die Freiheit, Gleichheit und Bi iwcr lichtest herrschen, um so auffallender ist es, Hatz der deuifche Vizeadmiral a. D. Hoffmann ®t der „Boff. Ztg." sehr lebhaft für den »ord- Hmerikanischen Standpunkt eintritt. Herr Hoffmann findet es selbstverständlich, daß die Nord­amerikaner diese Angelegenheit nicht als Rechts­frage, sondern als Machtfrage behandeln. Er meint fett dem Abschluss; des Vertrages von 1901 habe sich die Lage wesentlich geändert, da die Ver­einigten Staaten jetzt nicht mehr bwß die Unter­nehmer^ des Kanalbaues seien, sondern auch die Landeshoheit über das Kanalbett und dessen Umgebung erworben hätten. Dies: Tatsache ist richtig; die Vereinigten Staaten haben jetzt mehr M a ch t, als vor 11 Jahren. Aber sind sie deshalb der Verpflichtung ledig, dir sie damals freiwillig und wohlüberlegt eingegangen sind? Die Aus­dehnung der nordamerikanisches Territorialgewalt auf die Landwege von Mittrlamerika hätte England Verbindern können. Wenn es die Ausdehung der noroamerikanifchen Macht zuließ, so geschah daS ge­wiß in der Ueberzrugung, daß ja für die Freiheit der Schiffahrt auf dem Kanal durch den Vertrag von 1901 genügend vorgesorgt fei.

Offenbar hat England in dem Vertrauen auf die Vertragstreue sich geirrt. England, das den Vr ’kchr ans dem Weltmeere beherrschen will, hätte sich überhaupt das Panama-Unternehmen nicht aus der Hand winden lassen dürfen. Aber wenn Eng­land einen politischen Fehler gemacht hat, so berech­tigt das doch keineswegs die Bereinigten Staaten, ihm auch noch di» kleine Garantie für die Verkehrs­freiheit, mit der es sich abfinden ließ, nachträglich wieder zu entziehen.

Nun meint Herr Hoffmann, Nordarmerika wolle den internationalen Schiffsverkehr überhaupt nicht

Mit kräftigen Pickelfchlägen half Baldwin nach, wo sich das Waffer stauen wollte, aber bald war dies nicht mehr nötig; bur$ eigene Kraft schuf es sich Bahn und ergoß sich schäumend über das Sand­feld, wie ein starker Strom, aus unversiegbarer Quelle gespeist, wie ein ewiger Lebensstrom, der sich aus dem Herzen der Erde m die Adern dieses lech­zenden Wüstenkindes ergoß. '

Der Sand feuchtete sich, das Waffer riß eine schmale Rinne ht den harten Grund, riefelte mur­melnd dahin, tote suchend und tastend, welchen Adern es zuerst Lebenskraft zuführen solle, ein klei­nes, dünnes Bächlein raun durch die Sandwüste, tiefer unb tiefer hinab.

Baldwin lief neben ihm her, stellte sich chm entgegen, breitete die Arme aus und rief jubelnd: „Das Glück kommt zu mir! — Das Glück!"

Und immer kräftiger riefelte der frische LebenS- strom, wühlte sich in den Sand tränkte chn, führte ihm Nahrung zu und machte chn fruchtbar. DaS war nur ein Anfang, nur eine Probe. Aber sie sagte Baldwin, daß fein Plan gelingen würde. Wenn erst mehrere Kanäle in den Erdwall ge­brochen waren, wenn der Abfluß des Waffers regu­liert war, bann ging die Bewässerung der Wüste viel rascher und gründlicher vor sich als jetzt. Aber das war Arbeit für Jahre. Schritt um Schritt sollte dieses Land dem Todesschlafe entrffsen und dem Leben gegeben werden.

Für heute ließ Batawin die Arbeit ruhen; er war zufrieden, er war hochbeglückt durch seinen Er- folg. Nun umging er den See, um zu beobachte», welche Wirkung der Abfluß des Waffers ausübe. Aber außer einer lebhaften Bewegung am Wasser­tor des Kanals war nicht viel zu bemerken; nur an den äußersten Spitzen des Sumpfes Im Osten und Westen war ein unbedeutendes Sinken und Zurück- weichen zu sehen.

Als er wieder zu dem Kanal zurückkrhrte, er­staunte er über die Menge von Erde und Schlamm, die daS Wasser auf dem Sande abgelagert hatte; es war ein kleiner, schwarzer Hügel, der chm den Weg versperrt», sodaß es nach beiden Seiten ausbrechen 1 mußte.

Einen letzten triumphierenden Blick warf Bald­win noch auf das junge Feld seiner Arbeit. Dann Ker nach Hause, warf die Arbeitskleider ab unh

: die Sonntagskleider an. Er glaubte es tun zu muffen, weil der heutige Tag für ihn einen Fest- und Glückstag bedeutete^ Voll Jubel in der Brust eilte er zum Dorfe, um seiner Hanne und dem Doktor, sowie seiner SDhitter das Glück zu verkünde». Der Doktor mußte mit herauflommen und das Wunder anftaunen; vo» ihm hoffte er auch Mittel zu erhal­te», um seine» Plan durchzuführe» und di» nötige» Saatfrücht; zu kaufen. Vielleicht gelang es ihm so­gar, ein kleines Kapital aufzunehmen, um das Gut rationeller bewirtschaften zu können; es stand ja mißer Zweifel, daß der Rabenhof das Zwei- und Dreifache mehr wert war, sobald Baldwins Plan durchgeführt war.

I» feinem Kopfe schwirrten Summen durchein­ander, die chn berauschten, nicht allein wegen dieser Goldgrube, die er da entdeckt hatte, sondern well er nun den Namen des alten Bauerngeschlechtes zu neuem Glanze, zu Ehre und Ansehen bringen konnte und weil ihm jetzt die sichere Aussicht eröffnet war, das Verlorene wieder zurückzuerobern, und im Laufe der Jahre zu Wohlstand und Reichtum zu gelangen, das alte Bauernkönigtum wieder aufzu­richten, das im Begriffe gewesen war, zu erlöschen und unterzugehen.

Nun war er nicht mehr arm. Eine schöne Zu-

X Das neue türkische Kabinett

Das neue türkische Kabinett ist, wie schon gestern telegraphisch gemeldet wurde, gebildet, aber — und daS rief immerhin keine geringe Uederraschung her­vor — nicht der Londoner Botschafter Tewsik Pascha, sondern der bisher als Kandidat für den leitenden Posten noch gar nicht genannte Senats« Vorsitzende Achmed Mukhtar Pascha ist Groß­wesir geworden.

Die Berufung Achmed MukhtarS zeigt, daß die JungtÜrkenpartei es für nötig deftmde« hat, der gegen sie gerichteten, immer stärker werdenden Stimmung Rechnung zu tragen, denn Achmed Mukhtar nimmt, wenn er auch den fortschrittlichen Ideen huldigt, einen ziemlich gemäßigten Standpunkt ein. Er steht bereits im 80. Lebensjahre, im Feld­zug gegen Rußland 1877/1878 hat er sich neben Osman Pascha Ruhm erworben und bis 1910 den politisch und repräsentativ bedeutsamen Posten eines türkischen Oberkommissars in Aegypten bekleidet. Seit dieser Zeit war er Präsident deS Senats.

Ein Reskript über die Ernennung Achmed MukhtarS zum Großwesir und Dschemal EddinS zum Scheich ül Islam ist bekannt gegeben worden. Nach der Liste des neuen Kabinetts ist Rasim Pascha Kriegsminister, Äiamil Pascha Minister des Aeußer». K i a m i l Pascha, der neue Minister deS Aeußern, war schon fünfmal Grobwesir und ist bereits 86 Jahre alt; seine Freundschaft für Eng­land ist bekannt. Der neue Kriegsminister Rasim Pascha war zuletzt Gouverneur von Bagdad und gilt für einen tüchtigen Heerführer, der sich auch bei der Armee eines großen Ansehens und besonderer Beliebtheit erfreut. Früher Mitglied deS Komitees, war er diesem durch seine Opposition unbequem geworden und wurde deshalb in Bagdad kaltgestellt.

Der greife Großwesir Achmed Mukhtar über­nimmt die Leitung des Kabinetts in einem Augen­blick, in dem das ganze Land in Aufruhr ist. Die Regierung hat durch ihr lange- Zögern die Opposition der Unzufriedenen ins Ungemeffene gesteigert und ihnen die Möglichkeit gegeben, da- lodernde Feuer des Aufruhr- durch da- ganze Land zu tragen. 80000 Aufständische sind in den verschiedenen Gebieten Albanien- verteilt nad bereit, gegen die Hauptstadt zu ziehen. Sie sind gut organisiert und mit den neuesten Waffe» versehen. Gelingt es dem neuen Großwesir nicht, den Brand zu lösche», deffen Flamme» so hell emporschlagen.

behindern oder bedrücken, sondern wolle nur den landesüblichen Grundsatz der Abgabenfteihnt auf Wasserstraßen auch durchführen für den eigenen Schiffsverkehr zwischen feiner Oskküste und seiner Westküste, und diese Abgabenfteiheit toetbe besonders deshalb gewünscht, weil man damit d:r Tarifwill- kür des Eisenbahntrustes eine wirksame Konkurrenz entgegensetzen wolle. Der Binnenhail- del von Nordamerika mag freilich nach ameti- kanischer Manier geregelt werde». Aber wer bürgt dafür, daß die amerikanische» Schiffe, die abgaben­frei den Kanal passiere», nur dem Güteraustausch innerhalbder Bereinigten Staate» diene»? Und wer bürgt bafür, daß die Kanalgebühren für die europäischen Schiffe nicht ungebührlich hoch gesteigert werden, um de» Ausfall der Gebühren an den amerikanischen Schiffen $u decken?

Sind für Nordamerika wirklich nur die berech­tigten Interessen des eigenen Binnenverkehrs maß­gebend, so gibt es ja einen einfachen Ausweg: die dortige Staatskasse vergütet den nordameri­kanischen Schiffen die Kanalgebühren.

Die brutale Macht darf nicht das Recht verge­waltigen. Es muß eine Verbesserung deS Vertrags angeftrebt werden, die einen billigen Ausgleich der Jntereffen herbeiführt.

«2 Recht und Macht am Panama- kanal.

Tas Schiedsgericht im Haag gleicht einem mo­dernen Möbelstück, das sich als Zimmerzier sehr stilgerecht und iniposant ausnirnnit, aber wenig be« nutzt wird. Beim Marvkkoftreit hat man nicht an das vielgepriesene schiedsrichterliche Verfahren ge­dacht, und der italienisch-türkische Krieg wird nach den uralten Regel» des Faustrechts ausgetragen, ohne jede Bee.iiiflussung durch die modernen Ideen der internationalen Rechtsprechung. Neuerdings haben die Verhandlungen übet die Geb ü h r auf dem Pauamakanal eine Frage aufgerollt, die in ihrer ganzen Natur geradezu nach schiedsrichter­licher Erledigung schreit, aber doch vorn Boden des Rechts auf den Boden der Macht geschoben wer­den soll.

Als die Vereinigten Staaten von Nordamerika tor 11 Jahren an die Vollendung des Panarna- fanaks gingen, schloffen fie mit England den sogen. Hay-Pauncesote-Bertrag, in dem völlige Gleichheit für bte Schiffe aller N a-

„WaS ist's mit der Rosel?" fragte Baldwin mit stockendem Atem.

„Ins Wasser ist sie gegangen — zu Mittag hat man sie herausgezogen —> am Mühlenwehr."

„Die Rosel — ins — Waffer?" Er glaubte, die Knie müßte» chm zusammenbrechen. Srm ueu- eutdecktes Land, sein Glück und der Königsschatz —* alles war vergessen, brach zusammen unter dem Donnerschlag dieser Unglückskunde. „Ja, warum denn, warum denn?"

„Das weiß niemand. Ganz menschenscheu ist sie gewesen den Winter her und ganz melancholische Ja, und jetzt ist's Unglück da!" —

Während sie noch beifarnmenstanden, kam mit wehendem Mantel der Doktor dayergeeilt. Der Schmied ging mit kurzem Gruße davon, Baldwin vergaß völlig, was ihn hierhergeführt hatte, und rieft

„Ja, Herr Doktor —■ ist es denn wahr? Di« Rosel —?"

Doktor Haller sagte ernst: „Ja, eS ist wahr! -* Die arme Rosel liegt tot im Krankenhause. Ich habe verboten, irgend einen Menschen zu ihr mt Totenzimmer zu loffen, der Anblick ist gar zu schreck­lich."

„Aber warum — warum hat sie das getan?*

Der Doktor schüttelte den Kopf: „Frage nichü Komm mit!"

Und während sie nebeneinander, herschritte«, sagte Baldwin: „Herr Doktor, ich muß Ihnen eix Geheimnis betraten. Sie wissen doch, daß mein Vater haben wollte, ich solle die —■ die Rosel hei­rate». Ich hab' Nein gesagt und auch der Rosel meine Gründe angegeben. Aber sie hing trotzdem an mir, und im Winter, wie ich Holz gefahren habe, da ist sie zu mir in den Wald gekommen und h« noch einmal gefragt, ob es denn nicht möglich feU daß ich sie heirate, und die heiße Angst hat ihr ans den Augen geschaut. Und ich hab wieder Nem sagen müssen. Da war sie ganz geknickt, und fie bat mir so leid getan. Glauben Sie, daß sie es des­wegen getan hat, das Schreckliche? Ich hatte «um ruhige Stunde mehr im Leben, wenn i& jo wäre.

(Fortsetzung folgt.)

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Botationsbrua n. Verlag der Zrrldaes

„Zuldaer Seschichtrhlätter" ’SÄ' «!"*•

Der erste, der ihm im Dorfe in den Weg lief, war der Schmied. Baldwin wollte ihn fragen, wie '« jetzt mit Ev stehe und ob sie sich versöhnt hätten, aber HanS nahm ihm das Wort vom Munde weg. „Baldwin!" rief er, „hast Du schon gehört von dem Unglück? Ach, bte Rosel, die Rosel vom Steinerhos!"

Deutsches Reich.

* Berlin, 23. Juli 1912. Von der Nordland­reise deS Kaisers wird gemeldet: Bei seiner Ausfahrt mit dem „Sleipner" begab sich der Kaiser nach Tromsö zu einer eingehenden Besichtigung für den zukünftigen Platz des Frithjofdenkmals. Mit großem Gefolge nahm der Ka ser an einem Gartenfest bei Professor Dahl teil. — Der Großherzog Adolf Friedrich von Mecklenburg-Strelitz vollendete am 22. ds. MtS. sein 64. Lebensjahr. — Der Rück­tritt des bekannten Nationalökonomen und Berliner Universttätsprofeffors v. Schmoller vom aka­demischen Lehramte wurde für den 1. April 1913 angekündigt. Wie die ,Tägl. Rdsch.' hört, wird Exz. v. Schmoller seine Lehrtätigkeit allerdings stark einschränken, einen Teil seiner Vorlesungen wird er aber auf alle Fälle weiter halten.

% Keine Reise des Kronprinzen nach Dmtsch-Ost- aftika. Gegenüber anders lautenden Blättermel« düngen teilt das Hofmarschallamt des Kronprinzen dem .Deutschen Reichsarchiv, auf deffen Anfrage mit, daß ihm von einer Reise des Kronprinzen nach Deutsch-Ostafrika nicht das geringste bekannt ist.

'+ Preßtreibereien gegen v. Kiderlen-Wächter. Mit unseren Alldeutschen hat's Kiderlen-Wächter verdorben, als er während der Marokkokrise nicht loSschlng. Die alldeutsche Presse läßt keine Gelegen­heit vorübergels.m, um dem Staatssekretär des Aus­wärtigen Amtes am Zeug zu flicken, und augen­blicklich zitiert sie mit Behagen Bemerkungen des „St. Petersburger Herold" über die „letzten Kider- len'schen Renommistereien". Die „Renommistereien" sollen darin bestanden haben, daß Kiderlen-Wächter „anläßlich seines Geburtstages vier Kissinger Magi- sttatsherren empfing und ihnen gegenüber gesagt habe» soll, daß die Petersburger Reise des deutschen Reichskanzlers einen glänzenden, all« Hoffnungen übertreffenden Erfolg gehabt habe". Und auf Grund dieser Tatsache, die der „St. Petersburger Herold" selbst als angebliche bezeichnet, erlaubt er sich nun die stärksten Anwürfe gegen v. Kiderlen-Wächter, „den der liebe Herrgott im Augenblick des höchsten Zornes zum Diplomaten geschaffen hat". — Das sonst recht dürftig bediente Petersburger Blatt ist hier offenbar von alldeutscher Seite zu einer Preß- treiberei gegen den Staatssekretär des auswärtigen Amtes benutzt worden. Glauben vielleicht die All­deutschen, mit einer derartigen Mache dem deutschen Reich zu nützen? —-

* Die Betriebseinnahmen der preußisch-hessischen Staatseisenbahnen haben im Monat Juni 1912 gegenüber dem gleichen Monat deS Vorjahres im Personenverkehr 3,3 Mill. Mk. gleich 5,05 Prozent weniger, im Güterverkehr 11,06 MM. Mk. gleich 10,40 Prozent mehr, insgesamt mit Einschluß der Mehreinnahmen aus sonstigen Quellen 9,2 Mill. Mk.