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jvs 164. Erstes Blatt»

Fulda, Samstag den 20. Juli 1912.

I"' ■IIIW

39. Jahrgang.

G Evangelische Synoden und das Jesnitengesetz.

Nicht nur der Evangelische Bund, auch eine Anzahl evangelischer Synoden hat in jüngster Zeit gegen die „Abbröckelung des Jesuitengesetzes" Stel­lung genommen und zum Teil direkt, zum Teil durch Vermittlung der Oberkonsistorien sich mit entsprechenden Eingaben an die zuständigen Staats­ministerien gewandt. Charakteristisch für die Art und Weise, wie diese Eingaben begründet werden, ist folgende Entschließung der evangelischen Landes- fynode des Großherzogtums Hessen:

„Im deutschen Reichstag und Bundesrat sind An träge gestellt worden, welche darauf hinzielen, die Je- fnilen zu einer völlig oder säst uneingeschränkten Ordens- tätigkeit wieder zuzulaffen. Die Landessynode erblickt in dem erneuten Vorstoß zu Gunsten dieser entschiedenste« Vertreter der politischen Machtanfvrüche des Papst­tums und Bekämp'er des Protestantismus eine schwere Gefährdung des konfessionellen Friedens und damit eine Schädigung des nationalen Lebens."

Also die Landessynode erblickt bereits in der Forderung nach Aufhebung der §§ 1 und 3 des Jesuitengesetzes eine „schwere Gefährdung des kon­fessionellen Friedens und damit eine Schädigung des nationalen Lebens." Die Laudessynode über­sieht offenbar, daß es sich beim Jesuitengesetz um ein Kampfgesetz gegen die katholische Kirche handelt, das aus einer Zeit stammt, die sie selbst Wohl nicht wieder wünscht, wenn es iljv wirklich ernst ist um den konfessionellen Frieden. Mit der Forderung, daß dieses Kampfgesetz endlich ganz beseitigt wird, gefährden die Katholiken den konfessionellen Frieden nicht: Wohl aber wollen sie damit ein Gesetz aus dem Wege räumen, an dem f i e ständig Anstoß nehmen muffen. Die Aushebung der letzten Reste des Jesuitengesetzes würde zweifel­los dazu beitragen, den Katholiken die unseligen Kulturkampfszeiten vergessen zu machen und damit manches Mißtrauen zu beseitigen, das heute nicht noch selten zwischen den beiden Konfessionen besteht.

Aber die Jesuiten sind ja die „entschiedensten Vertreter der politischen Machtansprüche des Papst­tums und Bekämpfer des Protestantismus"! Am 19. Juli des Jahres wurden es 40 Jahre, daß im Reichstag das Ausnahmegesetz gegen die Jesuiten angenommen wurde. Damals fragte W i n d t - horst mit Bezug auf die gegen die Jesuiten vor­gebrachten Beschuldigungen:

„Was ist denn eigentlich hier gegen die Jesuiten vorgeb rächt worden?. . . . Tatsachen, Anführungen derselben, genau und bestimmt, dann wollen wir weiter sehen. . . . Wir werden vor Deutschland, vor Europa, vor der Welt das traurige Bestptel aufführen, daß eine protestantische Majorität die kalholischeMinori­tät überstimmt, und zwar überstimmt in einer Sache, die meinerUeberzeugung nach die Protestanten gar nichts angeht."

Tatsachen anführen, das möchten wir auch der evangelischen Landessynode des Großher­zogtums Hessen und allen den Synoden, die gleich wie sie sich mit Eingaben gegen die Jesuiten befaßt haben, zurufen: Tatsachen anführen und nicht mit der Phrase von den „entschiedensten Vertretern der politischen Machtansprüche des Papsttums" ope­rieren. Aber Tatsachen hat man in all den Jahren feit Bestehen des Gesetzes noch nicht an­geführt. Und daß „die Sache die Protestanten gar nichts angeht", trifft auch heute noch zu. Trotz der Aufhebung des § 2 des Gesetzes bleibt immer noch der § 1 bestehen, durch den der Orden vom Gebiete des deutschen Reichs ausgeschlossen und die Errichtung von Ordensniederlaffungen unter­sagt ist; immer noch die auf Grund des § 3 des Jesuitengesetzes erlassene BundesratSver- fügung, die dem einzelnen Jesuiten jede Or- denStät.igkeit untersagt. Immer noch bleiben also die Jesuiten in Deutschland den h ä r - testen Ausnahmebestimmungen unter­worfen.

Die Synoden, die sich da jetzt gegen die Auf­hebung dieser Ausnahmebestimmungen wenden, möchten wir nur daran erinnern, daß in Holland, in Dänemark, in England, also überwiegend pro­testantischen Ländern, die Jesuiten sich vollständiger Freiheit für ihre Wirksamkeit so­wohl in der Schule wie in der Seelsorge erfreuen. Wären die Jesuiten wirklich die „Bekämpfer des Protestantismus", wie die Synoöen sie sich benten, bann würden die protestantischen Staaten sicherlich von ihrer Macht Gebrauch machen und den Jesuiten chr Land verschließen.

— Der neue Angriff auf die Dardanellen.

Es läßt sich noch keine volle Klarheit darüber gewinnen, was gestern nach Mitternacht im schwer- besestigten Einfahrtstor zum Marmarameer ge­schehen ist, wo die Türken die enge Zngangsftraße zu ihrer Hauptstadt, die Dardanellen, verschanzt haben. Die Nachrichten, die von italienischer und türkischer Seite zu uns gelangen, widersprechen einander sehr.

Das offiziöse italienische Depeschenbüro stellt sich dumm. Es erklärt, die Regierung Wiste nichts von einer Aktion von italienische Torpedobooten vor den Dardanellen. In einer anderen Meldung will es ?jn Anschein erwecken, als hätte nicht ein italieni- fcher Angriff auf die Dardanellen stattgesunden, vielmehr hatten die Türken selbst auf meuternde geschossen. Nur zögernd verzeichnet der italienische Offizwsus, der doch eigentlich genau unterrichtet fern mutzte, „bas Gerücht", wie er es nennt es feien f un f ualienische Torpedoboote vor & ; “LlUrOt,aitoer S-üe liegenden) Fort Kum Kalepi erschienen, gegen die ein nach einer Stunde lieber eingestelltes Feuer eröffnet worden feü »r '- 5 Wortkargheit und Verschwommenheit der

Ausdrucke laßt darauf schließen, daß der neue An­griff auf die Dardanellen nicht nach Wunsch der Italiener ausgefallen ist. Die Türken wieder er- NMM, daß a ch t italienische Torpedoboote das Fort

Sultanich angegriffen hoben und mit schwer» Bev- lüften zurückgewiefen worden feien. Zwei Torpedo- boote feien gesunken und nicht wemger alle se<^ anderen von den Festungsgeschützen «rnpfttufähig gemacht worden.

Schon bei dem ersten Versuch der StaBener, dir Dardanellen zu beschießen, tat Avril a. I., ist die Aussichtslosigkeit eines solchen Beginns» hervorgetreten. Die 65 Kilometer lange Meerenge ist im Durchschnitt nur 5 bi» 6 Kilometer breit D« veralteten SBeiteibigungStoerte, auf «mHässcher und asiatischer Seite, am tiringang toie am Ende der Straße sind seit 1877 allmählich durch neue „Schlös­ser" ersetzt und mit Kruppkanonen neuesten Sy­stems versehen. Dazwisch« befinden sich zahlreiche Batterien. Ans den beidru Ufern find uberbie» tn ganz geringer Entfernung von einander Besatzungen verteilt, die gleichfalls mit guten Geschossen ausge- rüstet sind. Man rechnet heute damit, daß trotz der verhältnismäßigen Kürze der Striche 900 Krupp­kanonen dort verteilt find. Dazu totrb bte feindliche Flotte durch die Minen gefährdet bte in bet Straße versenkt finb. Italien konnte also nur baf­fen, baß die augenblickliche Verwirrung ta der Tür­kei eine Ueberrumpelnng ermögliche. Zweifellos ist aber trotz der inneren Zerrüttung der Türkei ein Versuch, die Dardanellen zu bezwingen, mn tat An­gesichte der türkischen Hauptstadt den Frieden zu dik­tieren, heute für die Italiener kein geringeres Wag­nis, als sonst die ganze Kriegszeit über. Die tür- kischen Truppen, namentlich dir, welche man mit Beschleunigung aus Albanien zurückzöge, wo sie sich mit einer für sie selbst höchst unerfreulichen Aufgabe abmühen, würden voll patriotischen Feuers darnach glühen, den Italienern Äug' in Äug' gegenüber ge­hellt zu werden. Und wenn auch die Garnisonen heute wegen der Truppensendungen nach dem Nor­den stark geschwächt sind, so sind doch bte Berteidi- gungswerke in den Dardanellen selber sehr respek­tabel.

Hebet dir für Europa wichtige Frage, ob die Dardanellen jetzt geschlossen werden solle», werden die widersprechendsten Nachrichten verbreitet. Man weiß, daß das türkische Kabinett nach dem ersten Jtalienerangriff sich bei der Wiedereröffnung der Dardanellen ihre abermalige Schließung für den Fall bet Gefahr ausdrücklich Vorbehalten hat. Dieser Fall ist jetzt eingetreten, und darum wäre eine neue Sperrung nur wahrscheinlich. Zuerst wurde gemeldet, der Ministerrat habe die vollkommene Sperrung beschlossen. Neuerdings wird indessen au» Konstau- tinopel berichtet, das Kabinett halte die Schließung derMeeresstraße gegenwärtig nochnicht für erforderlich. Aus Gründen höchster politischer Inter, ffeu sei die Pforte vorläufig gegen die totale Sperrung der Dardanellen. Sie habe deshalb den Befehl erteilt, die Durchfahrtsrinne, deren Breite etwa vierhundert Dieter beträgt, auf die Hälfte zu verringern.

Deutsches Reich.

♦♦ Berlin, 19. Juli 1912. Der Kaiser wird von der dc'orblonbreife voraussichtlich am 12. August auf Schloß Wilhelmshöhe eintreffen, wo sich bereits die Kaiserin und Prinzeffin Viktoria Luise befinden. Bor dem Kaiser wird eine große Felddienstübung der knrhessischen Truppen abgehalten werden. Am 22. August trifft der Kaiser zu eintägigem Aufente halt in Homburg v. d. H. ein. Am Donnerstag früh arbeitet' bet Kaiser, tote aus Balestrand gemeldet wird, allein und machte bann einen Spa­ziergang an Land. Am Nachmittag erfolgte etne Fahrt mit dem „Sleipuer" nach Framnae», wo im nächsten Jahre die Aufstellung der Frichjofstatue ftattfiuben soll — Die Bevorzugung Ham­burgs durch die Reichsregierung unb btt Ver­letzung preußischer Interessen durch die Maßnahmen wird im Abgeordnetenhaufe bei feinem Wiederzu- fammeirtritt den Gegenstand einer großen Aus­sprache bilden. Wie der „Poft" (Nr. 325) au» par­lamentarischen Kreisen mitgeteilt wird, beabsichtigen die Vertreter der preußischen Seestädte diese Fragen in irgend einer Form bei der Beratung de» Waffer- gesetzes anzuschneiden. — Die vor einiger ßeit durch die Presse gegangene Meldung vom Rücktritt des Admirals v. Holtzendorss bestätigt sich. Der verdienstvolle Führer der Hochseeflotte, der im Ja­nuar nächsten Jahres das 60. Lebensjahr erreicht, wird nach Beendigung der Herbstmanöver das Kom- mando der Hochseeflotte, das er vor drei Jahren al» Nachfolger des Prinzen Heinrich übernahm, abgeben, um in den Ruhestand zu treten.

* Die Ernennung des Kronprinz«« zum Ober- ft en wird, nach der Meldung einer Berliner Starte» spondenz, im Herbst erfolgen, und zwar bei der Ueberuahme des Königsberger Grenabier-Regi- ments Kronprinz. Die Ueberftebelung bet fron- Prinzlichen Familie nach dem Königsberger Schloß erfolgt tat Oktober, nachdem bet Kronprinz nach dtr Ueberuahme des neuen RegimnetS einen länge­ren Urlaub angetreten haben wird.. Der Königs­berger Aufenthalt ist vorläufig auf ein Jahr berech­net, wahrscheinlich wird aber der Kronprinz schon früher nach Potsdam zurückkehren und beicetts zum Negierungsjubiläum des Kassers zum General be» fördert werden, um ta Potsdam ober auch in der Provinz eine Brigade zu führen.

♦* Vermehrung der Kreistterarzt-Steleu in Preußen. Bei bet im vergangenen Jahre in großem Umfange herrschenden Maul- und Klauenseuche hat sich ein erheblicher Mangel an Kreistierärzten herausgestellt, der von den beteiligten Stehen vielfach peinlich empfinden wurde. Aus diesem Grunde ist an den Landwitlschafls»Mimstet die Autegung ergangen, die Zahl der Kreistierarzt»Stellen zu vermehren. Der Minister beabsichtigt nun nach der.Post'(Nr. 335) diesem Wunsche nachzukommen, und zwar schon im nächsten Jahre.

)(Gerichtsverfahren gegen Jugendliche. Dem Reichs­tage dürfte in feiner nächsten Tagung em Gesetz­entwurf zur Regelung des Gerichtsverfahrens gegen Jugendliche zugehen. In ihm wird auch die Frage der Oeffentlichkeit der Verhandlungen vor den

Jugendgerichtshöfen eine den besonderen An­forderungen entsprechende Regelung erfahren. Dem Gericht wird allgemein die Besugni» gegeben werden, in Verfahren gegen einen Jugendrichen die Oefsent- iichkeit ganz oder teilweise anSzuschließen.

’+' Hindernisse für bte Schweizer Kaiserreif«? Wie eine Berliner Korrespondenz wissen will, haben bte Ausschreitungen der Schwrizer So» »ialbernokraten bei dem Streik ta Zürich die Befürchtung erregt daß beim Besuch Kaiser Wilhelms in der Schweiz die Sicherheit des Monar­chen vielleicht nicht hinlänglich Verbürgt fei. ES er» Seine möglich, daß bet Besuch im Hinblick auf diese fotgniS eine gewisse Einschränkung erfahre. — Eine ähnliche Meldung ging bereit» vor einigen Tagen durch die Presse, hat aber in der Schweiz selbst den schärfften Widerspruch erfahren, al» sie dort bekannt wurde. In der Schwerz protestiert man dagegen, daß eine Anzahl sozialdemokratischer Radaumacher, die zudem noch dreifach aus dem Auslande xugezogen sind, es fertig gebracht hat, da» Land fo in Mißkredit zn bringen. Zweifellos hat aber auch bte Sucht einer gewissen Presse, mit Sen» fattonen aufzuwarten, bazu beigetragen. Den Pro­test ber Schweizer kann man verstehen, denn wir Deutschen hätten un» zweifellos auch dagegen ge­wehrt wenn anläßlich der Moabiter Krawalle oder fonftiger sozialdemokratischer Demonstrationen in der ausländischen Presse die Behauptung aufgestellt worden wäre, die Ächerhett auswärtiger Monarchen sei bei uns nicht mehr hrnlänglich verbürgt.

+ Die Gesundheit de» Herrn Borchardt. Der Abg. Borchardt hat dem »Vorwärts' eine Er­klärung zugestellt, in der er sehr verwundert darüber tut, daß der gegen den Genossen Seine« und ihn auf den 8. Juli anberaumt gewesene Termin wegen »seiner" Erkrankung vertagt worden fei:

Er sei mehrere Wochen vom „deutschen Vaterland" abwesend gewesen und erfahre jetzt erst, daß in der Presse diese Nachricht Derbreitet worden fei. Die Geg­ner hätten allerhand hämische Bemerkungen über diese angeblich so plötzliche Erkrankung gemacht „Ich bin aber keineswegs krank, habe auch nicht der- Sleid)en vor Gericht angegeben, sondern ich habe auf hunb ärztlicher Atteste die Vertagung beantragt, um nicht erst krank zu werden. Ich verspürte nämlich nicht die mindeste Lust, meine Nerven und meinen durch kürzlich überstandene Krankheit geschwächten Körper der Gefahr einer neuen Erkrankung auSzusetzen, nur weil ei der Staatsanwaltschaft gefiel, die Sache noch vor den GerichiSferien abzumachen."

Dian kann der »Deutschen Tagesztg/ (Nr. 361) nicht unrecht geben, wenn sie diese Erklärung „mehr dreist al» klug" nennt und ihre Vermutung betätigt findet, daß Abg. Borchardt durchaus nicht so ge­sundheitlich angegriffen war, daß eint Gerichtsver­handlung ihm geschadet hätte, „daß er vielmehr unter Beibringung eine» ärztlichen Zeugnisses, wie e» wohl ziemlich jeder normal arbeitende Großstädter schließlich jeden Augenblick haben kann, sich um die Gerichtsverhandlung gedrückt hat und da» Ver­fahren gegen ihn zu verschleppen sucht." Ob Herr Borchardt, fragt die,Postt (9tr. 385), auch im Herbste wieder den Wunsch verspüren wird, nicht erst krank zu werden? Rach seiner Theorie würde da» vollkommen logisch gedacht fein.

* Rudolstadt, IS. Juli ISIS. Die Regierung hat, ohne bte Genehmigung de» Landtags zu be­sitzen, ernt achtprozentige Teuerungszulage für alle Beamte verfügt.

Ausland.

r" Da werden Weiber zu Hyäne«. ' '

E» scheint, als ob die englischen Frauenrecht» lerimten in ihrem fanatischen Wahnsinn allen Maß» stab ber Dmge verloren haben. Kein Verbrechen scheint ihnen groß genug, um ihrer Sucht nach Rache an ihren Gegnern zu genügen. Um jeden Preis muß die Wett das Frauenstimmrecht haben, auch um den Preis von Morden und Brandstiftung.

Aus Dublin, 19. Juli, wird berichtet: Wäh­rend der Premierminister, bet gestern abend hier eintraf, von der Menge freudig begrüßt durch die Strafen fuhr, warf eine Frau ein Beil Siegen den Wagen, ta dem sich Asquith mit einer Frau unb Mr. Redmond befanden. Red­mond erhielt eine recht böse Wunde ober­halb de» Auges, von der das Blut stark herab- fwß. Die gefährliche „Dame" wurde verhaftet.

Am Schluß einer Vorstellung im Varietetheater, in dem Premierminister Asqurth sprechen wollte, warf eine Frau aus einer Loge einen bren­nenden mit Petroleum getränkten Stuhl in» Orchester, der den Vorhang der Loge i n Brand setzte. Die Frau entkam. Unter den Zuschauern brach eine große Panik aus, bte sich erst legte, al» das Theaterpersonal den Brand eft hatte. In der Loge wurde eine Kanne leum und anderes brennbares Material auf­gefunden.

Tie Regierung wird nach den letzten Gescheh- triften nicht mehr umhin können, den Suffragette», die ihre. eigenen Sache hundertmal mehr Schaben angetan haben, als alle ihre Gegner es vermochten, energisch den Standpunkt klar zu machen. Vielleicht ist dies am ehesten auf dem Kalttoafter-Wege zu er» reichen.

Rach den neuesten Meldungen verhaftete bte Polizei in Dublin acht Anhängerinnen bi» Frauen­stimmrechts, bie an den letzten Vorfällen beteiligt waren. In ihren Wohnungen fand man Schieß» pnlver, Petroleum und andere entzünd­liche Stoffe.

*♦ An dem Züricher „Generalstreik" hatte die christlich-soziale Arbeiterschaft die Teilnahme abge» lehnt. Die Begründung chre» Verhalten» in dieser Sache und zugleich eine scharfe Verurteilung des Vorgehen» der sozialdemokratischen Ardeflerunion enthält cm Versammlungsbeschluß, in dem es heißt:

Die christlich-soziale Arbeiterschaft von Zürich »er- urteilt die systematische Heranziehung von sogen. »Be­rufsstreikbrecher" nach Zurich, weil dadurch die aewerk-

schastlichen Kämpfe verschärft werden. Im Hinblick auf bte Vorkommnisse bei den letzten gewerkschaftlichen Kämpsen können wir uns aber einem Proteste gegen da» Etreikpostenverbot des Stadtrate» nicht anschließen. Wir bedauern, daß ein solche? Verbot nolwendigerwels» erlassen werden mußte. Die Schuld daran trifft aber die sozialdemokratische Arbeiterorganisation, deren Führerschaft nicht» getan hat, um der etngetretenen Verwilderung der Kämpfe entgegenzutreten, die viel­mehr die zahlreichen Ausschreitungen ihrer Mitglieder» besonder» gegen unsere christlich organisierten Arbeiter stillschweigend gebilligt hat. Wir lehne» den General­streik ganz entschieden ab, weil dieses sozialdemokratische Klaffenkampsmittel die Ardeiterschast selbst am schwersten schädigt, daS Ansehen aller sozialen Organisationen untergräbt und namenlose Verwirrung für daS öffent­liche Leben bringt

In Zürich, fo bemerien zu dieser Resolution die neuen .Züricher Nachrichten', sind die christlichen Arbeiter feit einigen Monaten die Zielscheibe der infamsten Befehdung und Verfolgung durch bte sozialdemokratischen Gewerkschaftler. Die Hetze wurde noch verschärft durch die sozialdemokratische Presse. Was hier an Beschimpfungen gegen die christlichen Arbeiter geleistet worden, ist einfach unerhört. Di« Versammlung der christlichen Arbeiterschaft hat mit ihrer Entschließung den Gefühlen der Entrüstung weiter Arbeiterkreise Zürichs Ausdruck gegeben. — Inzwischen hat di« Schweizerisch« Bundesreg'erung fünf ausländisch« sozialdemokratische Parteiführer wegen Beteiligung am Generalstreik auSgewiefen. Ungefähr zweihundert weitere Ausweisungen stehen bevor. Der Züricher Stadtrat hat seinerseits fote gend« Maßregelungen der Teilnehmer am Generalstreik beschlossen: Städtische Angestellte unb Arbeiter, bte sich freiwillig an dem eintägigen Aus­stande beteiligten, erhallen für den Streiktag keinen Lohn. Solche, die schon wegen ähnlicher Verfehlungen Disziplinarstrafen erlitten haben, wirb die Entlaffung angedroht; solche, bie andere an der Ausübung ihrer dienstlichen Obliegenheiten verhinderten oder zu verhindern versuchen, werden sofort entlassen. Die Behandlung von Einzelfällen bleibt Vorbehalten.

** Bombenanschlag in Barzelona. Zu Ehren der Infantin Isabella, bie sich feit kurzer Zeit in Barzelona aufhält, würben veiffchiedene FesÜichkri- ten veranstaltet. Al» bie Infantin sich nach Haufe begab, explodierte auf dem katalonischeu Platz, ben sie gerade passiert halte, eine Bombe. Glück­licherwett» wurde dadurch niemand verletzt, jedoch großer Materialschaden angerichtet. Der Bevölkerung bemächtigte sich nach ber Explosion eine große Pan«, die sich erst legte, nachdem sich herausgestellt hakt«, daß bie Explosion keinerlei Opfer gefordert hatte.

** Wegen der Sreneltaten in Pern, wo bekannt­lich eine englische Gummigesellschaft gegen bte ein­geborenen Indianer unmenschliche Grausamketten ausgeübt hat, wurden gestern im englischen Unter­haus mehrere Anfragen an bie Regierung gestellt. AuS ben Antworten des Auswärtigen Amts ergibt sich, baß an den Schandtaten kein englischer Unter­tan beteiligt ist. Die Kautschuk-Gesellschaft, bte ein Abgeordneter al» schändliche Gesellschaft bezeichnete, ist ta Liquidation; bie Namen ber AusstchtSräte werden vielleicht veröffentlicht und ihr Anteil en ben Greueln aufgeklärt werden. Ein unmittelbare» Eingreifen in Peru beabsichtigt da» englisch« Aus­wärtig« Amt nicht, sonder» man will daS Eingreifen der Vereinigten Staaten abwarten und deren Aktiv» unterstützen.

*♦ Amerika gibt nach. Nach New-Uorker Blätter­meldungen aus Washington werden bte Union« floaten bie englische Auslegung be» Hay-Pau eefote» Vertrages annehmen, wonach im Panamakanal amerikanisch« wie fremde Schiff« bie gleichen Gebühren zu zahlen haben.

35. Kongreß der kathol. Kaufleute.

e. Koblenz, 1». Juli 1918.

Heute morgen begann bte Hauptversammlung be» Verbände» katholischer kaufmännischer Beretntgnngen Deutschland», zu der gegen 800 Teilnehmer, darunter solche au» Frankreich. England, Oesterreich und Spanien, eingetroffen sind. Zum Ersten Borsitzenden wurde Prokurist Weber ans Kray, zum Zweiten Äaufmamt Fuchs auS Danzig gewählt. AU Vertreter de« Ober» Präsidenten begrüßte der Regierung»rat Dr. v. Dnltzig Vie Versammlung. Er betonte besonders, bei ber Durch­führung der Bestrebungen de» Verbandes fei ber einigende Gedanke da» Bewußtsein, daß alle seine An­gehörigen Brüder deS großen deutschen Volkes seien. AIS Vertreter deS Regierungspräsidenten war der Re- giernngSrat Dr. Reff erschienen. Weitere Ansprachen hielten der Ehrendomherr Maximili im Auttrage de» Bischof» von Trier, der Erste Beigeordnete Dr. Janssen im Namen der Stadt Koblenz, der Vor­sitzende der Handelskammer Koblenz, Meyer, der Landtagsabg. Geheimrat Müller von hier, der Land- tagSabg. EahenSly als Ehrenmitglied, ber Kaufmann SimoniS für den hiesigen Zwergverein. Anwesend waren auch die Abgg. Astor, Dr. Dahlem, Kring», Dr. Marconr, Pauly unb Belkin.

Der Kongreß trat nunmehr in seine Beratungen ein. An der Spitz« ber Beratungen wurde bte Ge- haltSsrage gestellt und insbesondere die Frage der Einführung vonWindestanfaugSgehält er» im Handelsgewerbe.

Der Vorsitzende de» VerbandSvorsianl eS, Dr. TeweS, entwickelte den Etandpuntt der leitenbeu BerbandSinftanzen in dieser Frage, die die ganze An« gestelllendewegung vor einen Scheideweg stellt. Wollen die Angestellten tu Anlehnung an die Gewerkschafts­bewegung ihre Lage zu bessern suchen durch die Mittel deS KlaffenkampseS: Streiks, Boykott, passive Resisten» usw. oder wollen sie unter Ablehnung solcher Mittel ben Anschluß aufrechterhalten, der fie bisher mit den Kreisen verband, mit denen sie etne wirtschaftliche und gesellschaftliche Gemeinschaft hatten: ben selbständigen Kaufleuten 7 Der Referent stellte unter dem Beifall der ganzen Versammlung fest, daß eS auch heute noch die Anschauung der erdrückenden Mehrheit der deut­schen Handlungsgehilfen ist, daß der geeignetste unb allein Erfolg versprechende Weg der letztgenannte ist. Zweifellos besteht für einen großen Prozentsatz der kaufmännischen Angestellten — dies« umfassen mit ben Angehörigen in Deutschland mindestens 8 Millionen Köpfe — die Gefahr der Proletarisierung. Um diese abzuwenden, muß den Angestellten ein Einkommen gw sickert werden, das ihnen eine standesgemäß« Leben»»