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«So fang halt ein neues Leben an, Hans!" erwiderte Baldwin -ernst. „Ein Lebe« in Arbeit und Sparsamkeit, ein Leben in Ehren! Zeig' der Ev, daß Du fie lieb hast, indem Du ihre Achtung wieder erringst, das Wirtshaus «eLest — kurzum: indem Du als ei» richtiger und fester Charter lebst und handelst. Probier's nur einmal, Hans — ich glaube, daß Du Dich dann Wohler fühlst als bei Deinem jetzigen Lotterleben! Leb' Ämnal eine« Winter lang der Ev z« Gefallen, als ein Mann, wie sie sich ihn
Vonlrerrtag den 18. Juli 19(2.\
39. Jahrgang
Jetzt, Baldwin, wenn Du dem Everl em gut's Wort'! sagen möchtest! — Ich bin ja doch kein Lump net — und auch kein Rarr! Grad d' Lieb hat mich ein bitzl narrisch g'macht!"
„Ja, Hans — das ist eine böse Sache! — Die Suppe, die Du Dir da eingebrockt hast, die mußt Du schon selber anslösfttn. Und ein Wort allein tut's ita nicht, Hans!"
„Meinst?" fragte der Schmied bestürzt.
„Nein, ei» Wort reicht nicht au- — da mußt Du schon Dich selber einfetzen. Da mußt Du zeigen, daß Du ein Mann fast, Hans! Nur unreife Bursche« machen solch: tolle Streiche wie Du. Du sollst lerne», D«h zu beherrschen' Und wenn Du ein Mädchen als Weib in Dein Haus führen und wenn Du habe« willst, daß es Dich achte, so mußt Du in Ehren und Achtung vor diesem Mädchen und vor der Welt dast^hen. Wie soll es sonst Vertrauen zu Dir habe«, wie ihr ganzes Leben in Deine Hände legen? Du sollst eia Mann sein, Hans! Sollst nicht halbe Nächte fang bei Würfel und Karten im Wirtshaus sitzen und nicht trunkene Knechte und unreife Burschen zu Kameraden haben! — Du sagst, ich soll ei» gutes Wort bei der Ev für Dich einlegen. Ja, sag mir, was soll ich denn Gutes von Dir sagen?"
Der Schmied fuhr sich verzwchelt durch die — Du machst mir die Holl heiß! — Ab-- recht hast, recht hast! — Und die Ev hat auch recht! — Ich bin ein Lump und ein Narr, weil ich mein Glück verscherzt und m Trum- mer g'schfage« hab. £fo, aber was fang ich nur an? Ich hab dteh das Everl so lieb!"
noch wenig zu sagen, weil ihr „Aufruf an das Volk" noch nicht erschienen ist, ja noch nicht einmal festfteht, wann und wo ihre ofstzielle Konstituierung erfolgen wird. Begründet wurde sie am Schluß der republikanischen Nationalkonventwn in Chicago, wo ein Achtzehner-Ausschuß eingesetzt tourte, um alle Organisationsarbeiten und ein Wahlprogramm vorzubereiten. An der Spitze dieses Ausschusses sicht der Gouverneur von Kalifornien, Johnson, während zwei westere Gouverneure (die von Nebraska und Süddakota), drei Bundessenawren, zwei hervorragende Publizisten, etliche Parlamentarier, Richter und andere namhafte Persönlichkeiten, wie der Staatskontrolleur von Netoyorl! Prendergast die Mitglieder abgeben. Es ist schon ausgerechnet Worten, daß Wilson 8 Millionen, Taft und Roosevelt je 4 Millionen davontragen würden, doch güt auch hier der Satz: es kommt immer anders, als man denkt! Bor allem sollte man sich die Abstimmungsresultate der letzten Wahlgange vor Augen halten. Es erhielten:
Republikaner
W i l s o n ist in der Politik ein ziemlich neuer Mann. Er ist sehr reich und unabhängig nach jeder Richtung; auch in ter eigenen Partei, wo er ! schon manchen Strauß ausgefochten, was chm Sym- pathie auch im anderen Lager gibt. Das Programm, , auf dem er „laufen" wird, mag für die Jndustrie- , arbeitet zu freihändlerisch gefärbt fein. Jedenfalls > mangeln seiner „Plattform" die radikalen politi- > schen Forderungen, die feit einigen Jahren im Vor- [ dergrund stehen, wie Initiative und Referendum , (Beantragung und Abstimmung des Volkes über , wichtige Gesetze), der sog. Recall (das Rückberu- . fungsrecht solcher Beamten, die gegen ihr eigenes . Wahlprogramm verstießen) und das Frauenstimm- ; recht. Die auffallend konservative Gestaltung des ’ Wilsonscheu Wahlprogramms erklärt sich aus ter ’ so ungleichartig wie nur möglich gegebenen Zu- ! sammensetzung der demokratischen Partei. Da sind die aristokratischen südlichen Pflanzeer neben dem Mob der Großstädte, ehrwürdige katholische Priester neben skrupellosen Geschäftspolitikern, doktrinäre Intellektuelle neben „Wachsfiguren" von Tammanh Hall, Ultraradikale neben sehr weit rechtsstehenden Großkapitalisten vertreten. Tast hat unzweifelhaft den riesigen Vorsprung für sich, den der Regierungsapparat der Union, die wunderbar organisierte Parteimaschine mit chren tausendfachen Verzweigungen und — sicherlich nicht zuletzt — die Milliarden des Großkapstals, das an seiner Wiederwahl interessiert ist, mit sich bringen. Hat doch allein der New- Yorker „Union League Klub" nicht weniger als eine runde Million Dollar für seine Kriegskosten aufgebracht, und der „rollende Rubel" mag seine Wirkung auf solche, die klingende Gründe als zwingende betrachten, kaum verfehlen. Es ist aber ganz ausgeschlossen, daß Nationalwahlen in der Vereinigten Staaten entscheidend von Geld beeinflußt würden. Der Deutschamerikaner L. Viereck bezweifelt es, daß Taft mehr als einen mäßigen Bruchteil seiner Stirn« menzahl von 1908 (7 678 908 Stimmen erhalten kann. Ihm fehlt vor allem die Suggestivkraft, die jeder Führer braucht, um die Mafien mst sich fort» zureißen. Seine gemütliche Wohlbeleibtheit ist wohl geeignet, manchen Widersacher für ihn günstig zu stimmen, doch wird das Volk die schlimme Enttäuschung nie vergessen, die ihm Taft bereitet hat. Er verdankte seinen glänzenden Wahlsieg vor allem dem festen Versprechen einer Tarifreform. Es erfolgte dann auch eine solche, aber eine sehr unerwünschte, denn viele Tarifpositionen, deren Herab- estzuug man erwartete, wurden noch erhöht, und damit die Kosten der Lebenshaltung weiter gesteigert. Seine Regierung war überdies eine ganze Kette von Mißerfolgen, wie sie noch wenige Verwaltungen vor ihm zu verzeichnen hatten, erschwert durch den Umstand, daß die Begünstigung der Hochfinanz unverkennbar war. Zahlreiche Skandale sind aus dieser Wurzel entsprungen .
Was nun „Teddy" Roosevelt betrifft, so hat er viel für und manches gegen sich. 20 Millionen Bürger stimmen am 5. November ab, sonst nur 15 Millionen. Wohin werden diese 5 neuen Millionen fallen? Auf biefe rechnet Roosevelt, der besonders in den 4 Millionen Farmern des Westens seine beste Stütze findet. Er hat aber auch den stärksten Rückhalt unter allen Kandidaten beim ein« gewanderten Element, nicht zuletzt beim deutschen, da er feinen fremden Ursprung nie verleugnet, sondern durch die holländische Aussprache seines Familiennamens direkt unterstreicht. Auf der anderen Seite darf et geradezu als die eigentliche Verkörperung des typischen Amerikanertums gelten, dessen Phantasie er durch Gründung ter Rmchreiter in beispielloser Weise gefesselt hat. Am schwierigsten mag batet die Besiegung des landläufigen Urteils gegen den „dritten Termin" sein. Dieses stammt aus der sog. Abschiedsadrefie George Washingtons, ter nach zweimaligem Amtieren keine dritte Wahl wünschte. Zweifechaft ist fteilich, ob bei „Teddy" ein Dritter Termin" eigentlich schon gegeben wäre, insofern et 1901 nur als Vertreter >es ermordeten Mac Kinley ins Weiße Haus gelangte und selbst mir eine« vollen Präsitent- chaststermin auf Grund eigener Erwählung hinter sich hat. Von feiner neuen Partei ist um deswillen
* Einen Fortschritt für das Handwerk.
bedeuten die neuerlichen Regierungsentscheidungen zu § 100 q b er Gewerbeordnung.
Der genannte Paragraph schreibt vor, daß die Zwangsinnung ihre Mitglieder in der Festsetzung der Preise nicht beschränken darf. Neuerdings sind aber die Bestrebungen der Handwerker gerate auf die Einführung von Mindestpreisen gerichtet, weil sie darin ein gutes Mittel sehen, die Schleuderkon- knrrenz und gegenseitige Unterbietungssucht zu bekämpfen. Ter § 100q steht in seiner heutigen Fassung diesen Bestrebungen hindernd im Wege, und das Handwerk erftrebt schon lange eine Reform dieses Paragraphen. Unter den heutigen Berhältnifien bleibt nichts anderes übrig, alsneben der Innung eine Vereinigung zu bilden, deren Zweck die Festsetzung von Preisvereinbarungen bildet. Mft Hilfe von Konventionalstrafen, deren Einziehung am besten durch Hinterlegung von Wechseln geschieht, hat man schon manche Erfolge erzielt.
Für diesen § 100q hat nun das sächsische Ministerium des Innern eine wichtige Entscheidung gefällt. Eine Reihe von Zwangsinnungen hat in ihr Statut eine Bestimmung ausgenommen, wonach das Veröffentlichen von Schleuderpreisen für gewerbliche Leistungen verboten ist. Das sächsisch: Ministerium hat die Zulässigkeit einer derartigen Bestimmung b e ft 51 i g L Der Grundsatz ter Gewerbefreiheit stehe den Zwangsinnungen nicht im Wege, wenn sie chren Mitgliedern verbieten wollen, Preise für gewerbliche Leistungen bekanntzugeben. Denn dieser Grundsatz beziehe sich nur auf die Zulassung zum Gewerbebetrieb, nicht ober auf die Art ter Aus- Übung. Nach § 88 Abs. II der Gewerbeordnung entscheide darüber, inwiefern Jnnungsmitglieder zu Handlungen oder Unterlafiungen verpflichtet werden könnten, der Umfang der gesetzlich oder statutarisch vorgeschriebenen Jnnungsaufgaten. Bei der Zwangsinnung sei noch besonders zu prüfen, ob die aufzuerlegente Verpflichtung nur ter speziell für die Zwangsinnung geltenden gesetzlichen BestiSimung rntgegensteht. Das fei hier nicht der Fall, denn das Verbot der öffentlichen Bekanntgabe von Preisen beschränke nicht die beliebige Festsetzung von Preisen. Die Aufsichtsbehörden in Düsseldorf haben sich dieser Auffassung angeschlofien. Der Innung stehe die Ausdehnung ihrer Wirksamkeit auf solche Interessen ihrer Mitglieder zu, die nicht in den §§ 81a und 81b aufgezählt sind. Der Beschluß des Verbotes ter Bekanntgabe von Schleuderpreisen fei daher zu recht ergangen. Innerhalb des Geschüftslokals könne wohl eine Tafel angebracht fein, auf ter die Mindestpreise her Innung unterboten werden, jedoch dürfe die Tafel von außen nicht sichtbar fein.
Es bedeutet sicher einen Fortschritt, wenn die Ztoangsinnung die öffentliche Bekanntgabe von Schleuder preisen verbieten kann. Gerate die öffentliche Bekanntgabe von Schleuderpreisen, die Reklame, ist von sehr schädlichen Wirkungen für das ehrlich vorwärtsstrebente Gewerbe begleitet,
Unter den „anderen" befinden sich die Sozialisten, die 1896 nur 36000, 1908 aber schon 435 000 Stimmen auf sich vereinigten und dieses Mal vielleicht auf eine, wenn nicht mehrere Millionen anschwellen können. Beide alte Parteien dürften mit nennenswerten Verlusten aus chren Reihen durch Ueberläufe zu den „Genossen" zu rechnen haben!
Die Wahlbeteiligung dürfte bei der heurigen Wahl bedeutend lebhafter fein als früher und dadurch auch das Ergebnis nicht unwesentlich verändern. Die Wählerlisten entstehen in Amerika ganz anders wie in Deutschland, nämlich in der Weise, daß jeder Stimmberechtigte sich persönlich der Wahlbhörde vorstellt und fein Recht nachweist, wenn er das nicht schon früher bei einer früheren Wahl getan hat. Das Wahlrecht festzusetzen, ist das Privilegium der Einzelstaaten, die viele abweichende Sonderbestimmungen haben. Das gilt namentlich für Neger, Indianer und Asiaten, vielfach ater auch für weiße Bürger. So verlangt z. B. Louisiana sechsmonatigen Wohnsitz im Wahlbezirk; Kalifornien den Nachweis, daß der Betreffende die Bundesverfassung in englischer Sprache lesen und mindestens feinen eigenen Namen schreiben kann, während New- York denen das Wahlrecht entzieht, die Wahlwetten eingingen und andere Staaten solche Wähler ausschließen, die noch mit Steuern im Rückstände sind. Für das ganze Uniongebiet hat trotzdem das Bundeszensuramt ausgerechnet, daß rund 27 Millionen Wahlberechtigte vorhanden sind, wobei die weiblichen Stimmberechtigten in den 6 Staaten, die in den letzten Jahren das Frauenstimmrecht einführten, nicht einmal eingerechnet sind. Erfahrungsgemäß wächst die Wahlbeteüigung, je lebhafter der Wahlkampf sich entwickelt und die Leidenschaften entfesselt. Es ist alfo noch alles ungewiß und wir
Die PrSsi-enteufrage i« de» Bereinigten Staate».
Drei politische Renner stehen am Start und schon gehen die Wetten auf den Sieg vor sich: auf ten Demokraten Wilson setzen die meiften Leute; der Republikaner Taft hat auch feine Freunde; nur auf den früheren Präsidenten, den Fortschritt- ler Roosevelt will noch niemand anbeifeen. So sieht es heute am politischen Totalisator ter Bereinigten Staaten aus; aber damit ist nicht gesagt, daß es auch so bleiben wird bis zur Wahl. Vielmehr sind Ueterraschungen aller Art noch zu erwarten; namentlich Roosevelt ist ein sehr unsicherer Kantonist, wenn et auch diesseits wie jenseits des E:ofeen Ententeiches sehr viel von seiner Popu- rität verloren hat und heute kaum mehr in Berlin eingeladen wird, einer Parade beizuwohnen. Wenn man die einzelnen Kandidaten durchgeht, so ergeben sich Vorteile und Nachteile für jeden.
Ehre; er ist nicht so schlimm, wie Du glaubst; er bereut, was et verbrochen hat, und will ein andrer werten — ein teff’rer Mensch. Ich hab' ihm ordentlich in'S Gewiffen geredet, Ev, und glaube, daß er es sich zu Herzen nimmt."
„Ich aber glaub'- net und will überhaupt nij mehr von ihm hören!" stieß Ev hervor.
„So mußt Du nicht reden, Ev! Wenn einer bis am Hals im Wasser liegt und Du gehst vorüber und siehst ihn — wirst Du ihn dann vollends hinab- ftofe’n, daß er ertrinkt? $8äre da» nicht grausam und ein Verbrechen? 9tein, Du wirst ihm die Hand reichen und ihn an'S Land ziehen. Schau, genau so ist's mst dem Schmied. Er hat eine Torheit begangen und steckt bis zum Hals im Wasser. Ist'» nicht Christenpflicht, ihn zu retten und auf ten rechten Weg zu sichren? Schon mancher ist ge< strauchelt und gefallen und ist zugrunde gegangen und verdorben, toeil sich ihm keine rettende Hand entgegenstreckte. Und manch einer könnte gerettet werden, wenn seine Frau, oder das Mädchen, das et liebt, klug wären und ihm helfen würden, sich auszurichten, aus dem Sumpf heranszukommen. —■ Ueberleg^ Dir die Sache einmal, Ev! Wenn der Schmied eine tüchttge Fran bekommt, an der er ich ein Beispiel nehmen und ausrichten kann, so ann au» ihm ein tüchtiger Mann, ein fester und tarier Charakter werten. Wenn er ober sieht, daß er verachtet, oder daß seine Liebe mit Beleidigungen erwidert wird, so kann es wohl geschehen, daß er immer tiefet sinkt und ein richtiger Lump wird. Und das, Ev — das möchtest Du doch nicht haben, geft? Sieh, es liegt daher tn Deiner Hand, einen Menschen zu retten — ober versinken zu lassen. Das Du ihm jetzt gleich um den Hals fallen sollst, dal verlangt niemand von Dir. Er soll erst zeigen, daß es ihm ernst ist mst seiner Besserung; Du aber mußt ihm ein wenig Licht, ein wenig Liebe mit- geben auf seinen Üßeg. Cter wenigstens Mitleid. Du glaubst gar nicht, wieviel Freude das chm macht! Wirst sehen, da tut er aller, was et nur kann, um Deine Achtung und Deine Liebe wieder zu getobt« net. So, das hab' ich Dir sagen müssen, Ev. Jetzt kannst Du es halten, tote Ttz» willst." . v v
(Fortsetzung
Aus -em Nachbargebiete.
* Bischofsheim (Röhn), 17 Juli 1912. Gestern wurde in der Holzschnitzschule dahier in Gegenwart des Lehrpersonals und des Verwalters die Verteilung bet vom k. Kultusministerium gütigst bewilligten Schülerstipendien pro 1912 vorgenommen. Die Holzschnitzschule, feit 1902 als staatlich e Fach- chnle charalteristert, hat sich stets in oet vordersten Reihe der Bayer. Fachschulen behaupten können Der Lehrplan hat insofern eine Erweiterung erfahren als nun neben bet Ausbildung im Schnitzen, Modellieren und Zeichnen auch Unterricht in btt Bürgerkunde, Gewerbekunde, Kalkulation und Buch- ichrung erteilt wird. Dank der Zuschüsse de» t Kultusministeriums, der Kreis« und der DistrikSge- meinbe, sowie bet Stadt Bischofsheim v. Rh. wird
Dich einlegen. Sb er jetzt, Hans, jetzt ist es mit beim besten Willen nicht möglich!"
Hans atmet aus. „Recht hast," sagte er. —• „Und hier hast meine Hand, Baldwin: ich versprech Dir'», daß ich von Stund an ein anderes Leben anfang! Du hast mir den rechten Weg zeigt, und den geh ich! Tausendmal Vergelts Gott dafür, Baldwin! Schau, jetzt freut mich 's Leben wieder! Jetzt weiß ich meinen Weg! — 5)er führt zum Everl! — Der führt zur Rechtschaffenheit und zum Glück! — Und setzt weiß ich auch, für wen ich arbeit' und fpar: sur's Everl! Alles fürs Everl! Und einen Gruß sagst ihr, gelt!"
Er drückte Baldwin die Hand und kehrte bann zu fein« Arbeit zurück.
Baldwin ging indessen zum Hause seiner Eltern. Auf Umwegen, wie ein Dieb, mußte er es betreten, da fein Vater nicht duldete, daß er hier ein- und ausging. Ev öffnete ihm auf das verabredete Zeichen die Hintertür, und -er schlich sich in die Küche und fetzte sich an den warmen Herd. Das war beschämend für einen Mann wie Baldwin ater nur feiner Mutter willen zwang er feinen Stoh nietet und begnügte sich mit dem befcheitenen Plätzchen am Herd- feuer.
Ev bot ihm eine Tafle Kaffee an, die er gerne annahm. Während er den heißen Trank schlurfte, sagte er leise: „Du, der Schmied hat mir aufgetragen, ich soll Dir einen Gruß sagen —"
Zornig fuhr sie auf: „Laß mich mit dem Lumpen in Ruh'! Das ist der Schandfleck vom ganzen Dors! Der hat mir 's Leben g'nug verbittert! Nimmer anfchauen tu' ich den!"
„Nun, nun — so gar wüst mußt Du nicht zu ihm sein — er ist doch auch ein Mensch!"
„Und was für einer! Ein Lump, ein Narr, ein —"
Da tarnen auch schon die Tränen — und Baldwin wußte, wie es um das Mädchen stand. Sie wollte den Schmied hassen, aber sie brachte es nicht fertig, toeil in ihrem Herzenswinkel immer noch ein Fünklein Liebe brannte. Aber ihr Stolz gab das nicht zu; sie suchte das Heine Flämmchen unter der Asche ihres Zornes zu erstulen.
„Solche Schimpfnamen mußt Du dem Schmied nicht «ten"- mahnte Baldwin. , Das schadet feiner
1 NUN auch dieses Jahr mit dem Neubau eit sei hygienisch einwandfreien Werkstätte begonnen werd« n.
**. Frankfurt a. M., 17. Juli 1912. Vom Schützenfeste. Prinz Heinrich, der Protektor teS Festes hat von Jagdschloß Wolfsgarten bei Darmstadt aus an Oberbürgermeister Adickes folgende» Schreiben gerichtet:
Beim «erlassen Frankfurts drängt es mich. Ihnen al» dem Stadloverhaupte, meinen wärmst empfundenen Dank für die Zeichen loyaler Gesinnungen, die mir von Seiten der Bürgerschaft dargebracht wurden, auSzusprechen, sowie meiner unnmschräntten Anerkennung Ausdruck zu geben über die muftergtltige Haltung der Bevölkerung während der letzten Fesittchketten. Die Frankfurter Tage werden mir unvergeßlich bleiben, be- fonderS, da sie unter dem Zeichen ihrer Amtsführung standen.
Es kann als sicher gelten, daß das Schützenfest keine Mindereinnahme bringen wird trotz der hohen Summen — man spricht vcu l1/« Mill. Mark — die die VeranstaUnugen, di« Baulichkeite» usw. gekostet haben. An Schießgeldern wurden am ersten Tag, am Montag, rund 140000 Mark eingenommen und am Dienstag waren die 200000 Mark überschritten. Ruud 6000 Schützen beteiligen sich an den Konkurrenzen. Sie werten erst am Sonntag zu Ende gehen. — Als Anerkennung für die mnstergiltige Abwicklung des Slraßenbahnverkehrs nach dem Festplatz während des Schützenfestes hat die Festleitung beschlossen, dem Frankfurter Straßen- bahnpersonal samt seinen Familienangehörigen in den Tagen der Fest-Nachwoche freien Eintritt aus den Festplatz zu gewahren. — Tas nächste deutsche Bundesschießen fall 1915 in Stuttgart stattfinden. — Dem Vorsitzenden der Frank» futter Schutzen, dem Vorsitzenden ter Handwerkskammer für den Regierungstezrrk Wiesbaden, Obermeister ter Frankfurter Fleischerinnung und Ober« schühenmeister Adolf Jung zu Frankfurt a. M. wurde der Kronenorden vierter Klaffe verliehen.
* Wetzlar, 17. Juli 1912. Beim Ausladen von Kriseln für das hiesige Walzwerk riß eine Kette, sodaß ein 40 Zentner schwerer Koloß wieder in den Waggon znrückfiel. Hierbei wurde bet Ältester Bernhardt ans Waldgirmes so schwer verletzt, daß der Tod sofort eintrat Ein anderer Arbeiter trug mehrere Rippenbrüche davon.
* Von ter Oberwefer, 17. Juli 1912. lieber bi( im Qu.Lgebiet der Weser geplanten Wasserkraftwerke, von denen im einzelnen fchon mehrfach berichtet wurde, wird folgende intereffanle zusammen- sassende Darstellung gegeben:
Zur Speisung des Rhein-Hannover-Kanal wird in erster Linie das Wasser auS der Lippe uns der Weser entnommen werden. Um dabei eine Schädigung der Weier!chiffahrt in Zetten niedrigen Wassers zu vermeiden, werden zwei Sammelbecken an der Eder bei Hemsurl und an der Diemel bei Helminahausen errichtet von denen das erstere rund 202 Millionen Kubib meter, da» letztere rund 20 Kubikmeter Wasser enthalte» wird. An den Talsperren find durch die Abgabe bei Wasser? erhebliche Kräfte zu entwickeln, da an bei Eder bei vollem Becken eine Stauhöhe von 41 Meter, an der Diemel eine solche von 31,4 Meter vorhanden ist. Die Wasserbauverwaltung ist nach Abwägung aller Möglichkeiten iür die Verwertung der Talsperrenkräste zu dem Entschluß gekommen, die Kraft in ftaaats« eigenen Werken zu Elektrizität uwzuwandeln und in erster Linie die umliegenden Stadt- und Landkreise sowie industrielle Unternehmungen gegen Entgelt zu versorgen. Eme endgültige Entscheidung der StaatS- tegierung über diele Frage steht jedoch gegenwärtig noch aus. Außerdem besitzt die Wasserbauverwaltung an der Werra und Fulda Wasserkräste, deren Ausnutzung zusammensaffend in ter Weser geplant ist, und zwar wird es sich um eine Kraftanlage dicht unterhalb Münden handeln. Im ganzen könnten in allen drei Anlagen 41 Millionen Kilowattstunden jährlich erzeugt werden, von denen 24 Millionen auf Hemsurt, 16 auf Münden und 2 aus Helminghausen entfallen. Die Baukosten für die Einrichtung der Kraftwerke belaufen sich auf insgesamt 7300000 Mk., wozu noch 17UOOOO Mark für Hochspannungsleitungen in die Streife, welche das Hauptabsatzgebiet des zu erzeugenden Stromes bilden, kommen. Das Gebiet, in welchem der erzeugte Strom in erster Linie Verwendung finden soll, umfaßt öie Streife Kassel-Land, Fritzlar, Homberg, Frankenberg, Melsungen, Wolshagen, Hofgeismar, Witzenhausen, Kirchhain, Ziegenhain, Marburg im Regierungsbezirk Kassel, Münden, Uslar, Göttingen-Land im RegieruugS-
Imitte Lieb! — Jetzt tote ich das Everl wieder auf ten Boden stell, da hai's mich ang'fancht tote eine Ra°- „Tu Narr! Hal sie g'schrieu, mit Dir mufe wan ütf) arab schämen! Das ist mein letz's Wort, iw* rA! ~ So hat 's Everl g’fagt und
9” .Tv !:eteu lassen vor alle Lent und ist g'gangen! ♦ , 7 Utttner Wut da hab' ich rmg'Mga zu
ptefa und zt fingen, als ob mir da« alles gleich 9’meint, 's Herz müßt mir buchen vor Wch. — und nachher hab ich an- g fangen zu krin toeil ich mein Elend hab ver- Smfa mb» mich gereut,
Baldwin, und rch hab dem Evett fott netbö« fein. Ater da bin ich fchL^na'tommeA Narren ^nnd efn *r Lnmven'^wOll^^'"— Emen wünscht — vielleicht ist dann noch' nicht' alles' bet« ” oLm” — ä &.sxn Ewigkeit faxen, Hans! Und wen« ich dann im Frühjahr höre, ~ daß D« Dein Wort gehalten hast, schau, Hans - ltnb leüd-m schaut mich da» Evett nrmmer au! dann will tck gern efa aute» Wott A der Ev für
Wauernbürt.
8] Roman von Felix Nabor.
„Wohl, wohl!" sagte ter Schmied, warf das Hus- eif'm, tes er eben Pfer!? auflegen wollte, zu Boden und folgte Baldwin. „Du," sagte er dran- ßen, „toiHft Du mir net einen Gefallen tun? Ich »m doch Dein Schulkamerad, net?*
falls, Hans?"
Ter Schmied fronte sich ten Kopf und sagte: --Ja, weißt, das ist eine kitzlige Sach', Baldwin! Ramlnh die Ev, weißt, die ist mir auf eine« fpimLN- fc-.nb, und wenn sie an ter Schmiede vorbeigeht, da mackt sie ein Gesicht, als ob fie gleich beißen und kratzen möcht! — Und im Sommer noch, da ist sie so lieb zu mir gewesen."
„So wird sie wohl ihren Grund dazu haben, Hans?"
„Freilich, freilich! — Ich bin ihr ein bißl gar z' grob kommen, weißt? — Auf der letzten Hochzett, weißt, tote ich da mit ihr tanzt hab, da hat mich eine solche Freud Packt, daß ich g'juchzt hab! Und 's Everl hab' ich um den Leib gssaßt und hab'- nauf» g'hob'n bis fast an die Deck'. No ja, 's war ein biß! grob ober ich faitn «ix dafür, Bald!, ich bin hast eut grober Schmied! — Aber lauter Lieb ist's gewesen.