tr'-ewi ta«H® nm rwrnahm. der Sb wao Feiertage.
,Sl>ciichrrVrz>:-5preir ,hn« Srinaerlohn und veftellgewmZuldafo- Wit ausroärts 1-50 OIL
vrrantw. Sebatteun Ea»k schütter KrM Anzeigen:
Z.parzeüer in Lutta.
Zuldaer
woch-nb-uas«! .Mustrkrte Sonntagrzeiümg»
8«r le*f ein« tiufp.4el»«eb «eile, 47 mm breit, leftd 15Pfg. BdlcmtÄi ver Bannt einer Lol» ««Utile, 74 mm bre% leitet 40 Pf». Bei tDi» öerholunge« Rabatt, Mvsiert L AnrinnH' anzeigen 20 psg. eite» Beta tienebtn«
e. Verla, der tnlbatf Rctienbntierei i Zulbch zernlprechee Br. »
39. Jahrgang
Fulda, Mittwoch den 17. Juli 1912.
Erstes Blatt
j\ß 161.
* So kann cs nicht weitergehen
Unter
)( Ban einem bevorstehenden Ministerwrchfel in Baden, der allerdings nicht so unwahrfchemlich ist, erzählt das „Bert. Tgbl.". Es läßt sich von einer Seite, .die über (Stimmungen und Vorgänge in badischen Regierungskreisen gut unterrichtet ist", folgendes schreiben:
.In Baden bexeitet sich ein Ministerwechsel vor. Der Leiter der inneren Angelegenheiten, Freiherr Heinrich v. Bob man, ist fallreif. Schon seit langem erfreute er sich des vollen Vertrauens des Großherzogs nicht mehr. Dem Ausspruch Bodmanns von der .Großartigkeit der foziatdemokratischen Bewegung" mußte vor wenigen Tagen der „jungtiberale" Kultus- mtnil'ier Böhm die Erklärung entgegensetzen, er hoffe
)( Der 50 000 Mark-Preis des Kaisers für den beste» deutschen Flugmotor. Das Preisgericht trat am Montag zusammen. Die Durchsicht der einge» gingenen Anmeldungen ergab, daß 26 Firmen, unter ihnen alle für die Herstellung von Flugzeug- motoren in Deutschland zurzeit führenden, insgesamt 44 Motoren verschiedener Konstruktion oder Größe angemeldet haben, außerdem stellten die Bewerber 24 Ersatzmotoren zur Verfügung. Die Be- teiliaung ist darnach außerordentlich rege. Eine Entscheidung konnte natürlich noch nicht getroffen werden.
den Tag nicht zu erleben, an dem er die Sozialdemokratie nicht belämpie. Dies ist das neue Regie« rungsprogramm, mit dem sich Böhm als starker Mann für den Posten des leitenden Ltaats- Ministers präsentierte. Der jetzige Siaaisminister von Dusch ist schon seit einer Reihe von Jahren amts- müde und harrte bis heute nur aus desonderen Wunsch des Großherzogs aus, der bei feinem Aus. scheiden Bodman al8 den Dienstältesten zum Nach, folger hätte ernennen muffen. Jetzt wird Bodman gehen, und Dusch kann sich in den Ruhestand zurück« ziehen, ohne den Großherzog in ein Dilemma zu ver« setzen."
Daß Staatsminister v. Dusch sckon fett Jahren amlsmüve ist, pfeifen in Baden alle Spatzen von den Dächern, und um das mitteilen zu können, braucht man nicht zu den .Eingeweihten" zu zählen. Würde während der augenblicklichen Krtfenzeit in Baden ein konservatives oder gar ein Zenlrumsblatt die Nachricht des .B. T " verbreitet haben, dann hätten wir einmal das Gezeter über die blaujchwarze Ministerstürzerei hören möoen.
* Germanisierung ist Protestantisierung! Diese alte Wahrheit wird neuerdings wieder bestätigt durch eilten Brief des aus Württemberg stammenden Gemeindevorstehers Ohngemach in der Gemeinde Bomblin, Post Kifchewo (Provinz Posen), der „im Juli 1912" geschrieben wurde und im Schwarz- Wälder Boten Nr 155 abgedruckt ist. Dieser aus dem württernbergifchen Schwarzwald stammende Landwirt Obngemach wurde durch einen Aufsatz über „Deutsch» Ansiedlung in den Ostmarken", der im Schwarzwälder Boten im Jahre 1907 erschien, angeregt, nach Posen auszuwandern und sich dort mit seiner Familie anzusiedeln. In den wenigen Jahren seiner Anwesenheit iu Posen ist er zum Gemeindevorsteher, Steuereinnehmer, Schulvorstandsmitglied und Schulkassenrendant avanciert und hat schon einer ganzen Reihe von schwäbischen Landsleuten im Umkreis von Bomblin gute Parzellen fruchtbaren Bodens verschafft. In seinem Briefe Vom Juli 1912, der auf seine Veranlassung hin im Schwarzwälder Boten veröffentlicht ist, fordert er seine würtetmbergischen Landsleute auf,
sich zur Ansiedlunq in Posen anzumeldrn, da nächstes Jahr in der Näbe Bomblins ein 2500 Morgen großes Rittergut aufgeteilt werde (in 30 Parzellen, pro Morgen 800 Mk., drei Jahre zinsfrei) und ein zweUeS Rittergut mit 3000 Morgen werde folgen (drei Kilometer von der Stadt, an der Bahn gelegen). Wenn sich genügend Württemberger melden, bekäme das Land nur Württemberger, .wie ihm von befreundeter Selle zuaesichert wurde"; man könne dann ein ganzes Schwabendorf gründen. Dann heißt es in dem Bries: .Es können aber nur Evangelische mit guten -Zeugnissen angenommen werden; . . . versagen die Landeleute, dann mögen das Land die Westfalen bekommen, die es mit Freuden nehmen werden."
Ter ,Schwarzwälder 83ote' bemerkt hierzu in einer redaktionellen Fußnote:
Die Gründe der AnfledlungSkommisfion hierfür sind au5 den Reichstagsverhandlungen zur Genüg» bekannt; sie gipfeln darin, daß die Ansiedler katholischer Konfession, wie reichliche Erfahrung lehrt (!), alsbald von der polnischen katholischen tfeiftlWeit in Bearbeitung genommen', dem Deutschtum nach und nach entfremdet, für polnische Aspirationen gewonnen und dadurch die Germanisationsbestrebun.gen in der Ostmark von den Polen wirksam durchkreuzt werden.
Nun weiß man'sl
H Ein ZmlrnmSabgeordnetenmandat für den Trier- Vtrliner Eisenbahnelverband? In einer jüngst in Paderborn abgehaltenen Versammlung deS unter linksliberaler Leitung stehenden Trier-Berliner Eisenbahnerverbandes stellte ein Herr Wehmeier an die Zentrumspartei das Ansinnen, sie möge eine <i Mit- g iebe des genannten Verbände- ein Landtagsmandat zur Verfügung stellen. Dieses Ansinnen dürfte kaum sobald in Erfüllung gehen. Besonders deshalb nicht, weil der augenblickliche Leiter des Trier- Berliner EisenbahnerverbandeS, der Generalsekretär Riedel, welcher auch in der genannten Verfamm- lung anwesend war, ein wütender Gegner der Zen- trumsparlei ist. So schrieb z. B. Herr Rieder in Rr. 287 des .Siegener Volksblattes' folgendes:
Wer hat das mittelstandsfreundliche Wahlrecht verutelt? DaS Zentrum. Handwerker! ©egen wen ging die BorromäuSenzpkltka, die euch alle so entrüstet bat? Und ihr wollt daS Zentrum wählen?"
In Nr. 10 warf Herr R'.edel dem Zentrum vor, eS gebrauche kirchliche Institutionen zu politischen Zwecken. Und noch schlimmer ließ sich derselbe Herr im verflossenen Reichslagswahlkampf aus, als er schrieb:
.Dann ist es daS Zentrum, das unser« weltliche Kaiser» und Königshoheit unterordnen möchte dem Mann in Rom, das darum fetzt um so heftiger kämpft für biefe «»deutsche, volksfeindliche Politik. DaS beweisen BorromäuSenzyklika, Motuproprio und Antimodernisteneid — das beweist, wie man de» König und de» Prinzen Max von Sachsen von Rom auS behandelt hat."
Dies« wenigen Proben, denen «och viel« hinzu» gefügt werden könnten, dürsten genügen. Für
wenig erloschen wäre, so wenige von unseren höher Gebildeten wenden sich in andere Länder. Das gilt vor allem von unseren Kolonien. Man kann j.i nicht darüber klagen, daß sich zu wenig Akademiker melden, um vorübergehend Beamten- rolien in unseren afrikanischen und asiatischen Besitzungen zu übernehmen. Sie müssen vielmehr als K a u f l c u t e und Unternehmer hinaus, um die gewaltigen bktdylüniet, die auch unsere Kolonien bergen, für das Baterlaud nutzbringend zu verwerten. Es dürfte von größtem Vorteil sein, in der Schule dem fatschen Vorurteil en.gegen zu arbeiten, als ob nufere überseeischen Besitzungen nichts taugen. Es sind dort wahrhaft gewaltige Schätze zu "heben. Ich fürchte nur, ehe diese Erkenntnis sich im allzusehr kritisch veranlagten deutschen Volke durchringt, ist es wieder zu spar, und andere haben die Vorteile eingeheimst, die uns gehören. Das Vaterland muß größer fein! Im Sinne eines Gebietes des freien Erwerbs und der Güterproduktion. SLenn einmal wieder ein Stück Erde verteilt wird, dürfen wir nickst zu spül lammen, und wir müssen Männer haben, die die friedlichen Eroberer fein können. Vielleicht ist es von Nutzen, mit Flachdruck vor allem auf unsere Besitzungen in Ost- a j i e n hinzuweisen; dort haben wir eine große Kulturmission übernommen.
Natürlich ist das Ausland nicht daS einzige Gebiet, auf dem sich im freien Berufe ein Abiturient eine Lebensstellung schaffen kann. Ich verweise z. B auf Journalistik, die Nationalökonomie, wo für tüchtige Köpfe noch vieles zu machen ist. Natür- sich sind das alles keine Sinekuren. Das Streben nach solchen auch in den bescheidensten Beamten- stellen ist leider sehr groß geworden. Es scheint fast, als wenn alle unsere jungen Leute — und das ist nicht nur unter den Akademikern der Fall — keine größere Sehnsucht kennen, als pensionsberechtigt zu werden. Di« höhere Schule hat die Ausgabe, auf diese Denkungsart als eines freien Mannes unwürdig immer wieder hinzuweisen. Das Abiturium und daran anschließend das Examen soll keinen Zivil» versorgungsschein vermitteln. Der Staat hat durchaus kein; Pflicht, alle Examinierten anzustellen, sind das Volk hat kein Jnterefle daran, Untüchtige in seinen Berwaltungsposten zu besolden. Das sollen unsere Abiturienten wissen . . .
1
Deutsches Reich.
♦♦ Berlin, 16. Juli 1912. Der Kaiser hörte am Montag in Molde den Vortrag des Generals Dickuth Über die Schlacht bei Leipzig. ES ist in der Gegend von Molde recht kalt geworden und Regen ringe» treten, so daß bet Kaiser wahrscheinlich bald einen südlicheren Aufenthalt nehmen wird. An Bord der Jacht .Hoheazollern" ist alleS wohl. — Der Kronprinz ist nach dem Ostprenßischen Truppenübungsplatz AryS abgereift, wo die Leibhufaren» btigabe dis zum 2. August mit den ostpreußische« Kavallerieregimentern üben wirb.
doch längst abgefallen; auf dem nationalen Gebiete gibt es keinen Gegensatz mehr zwischen l'.be- ral und konservativ (wenn nicht etwa die Rotblock- Politik einen nationalen Liberalismus schafft). Ausgetraaen ist auch der Gegensatz zwischen g r o tz- deutsch und kl ein deut sch. Die ehemaligen Grvßdeutschen haben sich mit der preußischen .^uh- rung im Reiche abgefunden, und die ehemaligen Kleindmtschen haben erkannt, daß in der B e r • brüderung zwischen Berlin und Wien doch ein großer und heilsamer Gedanke stak. Darum wurde zu Frankfurt die N e i ch s r e d e des Prinzen Heinrich vortrefflich ergänzt durch die Bündnisrede des Wiener Bürgermei- ft et 3 Dr. Neumayr r, des trefflichen Nachfol- g-rs von Lueger. Feierlich versicherte er: wir Oesterreicher wollen allezeit Deutsche sein und bleiben. Wit werden ebenso die treue deutsche Grenzwacht halten, wie die Vorfahren es getan haben.
Wer den erfreulichen Eindruck durch Slorgelei und Hetzerei zu stören sucht, entlarvt sich selbst als Gegner der Eintracht, der Ordnung und des Friedens.
Aussand.
* Die Lage des französischen Klerus. Die ,,Lolhr. VolPstimme" gibt ein Bild wieder, das der „parteilose" Eclair von der Lage des französischen Klerus entwirft, und zwar speziell des Klerus der Diözese Signe;
Die Diözese Digne umfaßt 110 Pfarreien. Mehrer« Pfarrer baden drei, vier und fünf Pfarreien zu new sorgen Diese sind noch dazu weit verstreut und wegen ihrer Höhenlage oft nur mit dem Maultier zu erreichen. Was erhalten nun die Geistlichen zur Fr stung ihres Lebens? Jährlich kaum 800 Franken (etwa 640 Mk.). Die Er-Priester bestehen jährlich 900 Franken. Trotzdem die Gehälter, besser gesagt, die Bezüge, so niedrig sind, hat der Biichof lährlich 175000 Franken für sein« Geistlichen aufzubiingen, denn die Diözese zählt zirka 240 Priester. Würden nicht von auß n immer Geldmittel ein treffen, so könnten die 240 Geistlichen nicht einmal 800 Franken für ihr« Lebensbedürfnisse bekommen, denn di« Gläubigen bezahlen im Durchschnitt nur 70—75 Cts. per Kopf für Kultuszwecke. Die Bevölkerung ist selber sehr arm. Wenn es hoch kommt, hak ein Geistlicher der Diözese von Digne mit einer Gesamteinnahme von jährlich 1000 Franken (ca. 800 Mark), alle eventuellen Nebeneinkünste einbegiiffen, auszukommrn. Entbehrung überall 1 Der Geistlich« hat keinen Diener, beziehungsweise kein« Dienerin. Er kocht sich fein Esten selbst, ist Küchenchef, Zimmermädchen ufro. in eigener Perfon, Seine Wohnung ist außerordentlich ärmlich. Ein Dachkämmerlein, schwarz vom Ruß deS nedenansteigenden KaminsI Die Soutane bat im Lause der Zett all» Farben angenommen, daS Kleid zeigt meist mehrere geflickte Stellen. Der Bischof von Digne selbst ist ei» Typ herorischer Armut und Einfachheit. Seine Haupt« sorge ist, Mittel zur notdürftigen Ernährung seiner Geistlichen aufzubrmgen. Bor der Trennung von Staat und Kirche erhielt die Diözese jährlich ungefähr 300000 Franken. Heute betragen die Bezüge des KleruS nur 175000 Franken. Bon diesen Bezügen muß aber noch ein Seminar mit einem Jahresausivanbe von 15—20000 Franken erhalten werben. Weitere 10000 Franken verschlingen Unterstützungen, Missionen utw. Der Bischof von Digne ist der Chef eines bewundernswerte» Klerus, der von nichts lebt, Entbehrungen über Entbehrungen erträgt, den man verfolgt und der vor da? Bericht geschleppt wird, weil er, um leben zu können, Gebrauch von den kirchlichen Stiftungen machte.
Soweit das nichtkatholische Blatt. Dem Habeck wir nichts anzufügen.
♦♦ Frankreichs schwarze Armee. Zahlreiche fron» zösische Interessenten, besonders die Großhändler von Bordeaux, beklagen sich über die barbarische Art der Rekrutierung der französischen Eingeborenen« Armee in Afrika. Ganze Dörfer werden ihrer jungen Männer beraubt, die mit der Landbestellung beschäftigt waren, sodaß die Großhändler einen Rückstand der diesjährigen Ernte um ein Viertel erleiden. Die jungen Männer werden von den Agenten mit Gewalt geworben; diejenigen, die sich widersetzen, werden in Fesseln gelegt und mißhandelt. Der Bahnhof von ThteS in Französisch-Westasrcka war kürzlich mit Wagen über füllt, die diese Unglücklichen, zusammengebunden rote wilde Tiere, fortführten. Die ftanzösische Regierung hat, wie vor einiger Zeit gemeldet, beschlossen, zur Eroberung Marokkos em Heer von Schwarzen auszubilden. Sie bringt dabei daS Dekret vom 17. Februar 1912 in Anwendung. Diese- gründet sich aus daS Prinzip der willkürlichen Rekrutierung und des obligatorischen DienstzwangeS der Eingeborenen im Alter von 18 bis 28 Jahren. Durch dieses Dekret wird ein« schwarze Armee von 80000 Mann geschaffen.
♦* DaS englische BersicheruuaL-Gesetz ist am Montag in Kraft getreten; 13 Millionen arbeitender Männer und Frauen fallen unter das Gesetz als versicherungspfllchtig gegen Krankheit und In- validilät. Im Prinzip umfaßt daS Gesetz alle unter einem Arbeitsvertrage sich ihren Lebensunterhalt verdienend« Personen, bei gewissen Kategorien werden inbeffen Ausnahmen gemacht. Aus diesen rekrutieren sich die fteiwiüig der Versicherung Beitretenden. Seit seiner Einbringung ins Unterhaus den heftigsten Angriffen ausgesetzt, stieß das Gesetz in der bürgerlichen Gesellschaft besonders wegen seiner Einbeziehung der Dien st boten auf großen Widerstand. Zwar sieht eS eine Beitragsleistung nicht nur bet Arbeitgeber, sondern auch der Arbeitnehmer vor; indessen fallen die ganzen Lasten gerade in diesem Falle tatsächlich doch fast immer der Hausfrau allem zu. Buch anderwärts war der Widerstand groß. Die zu großer Zahl schon bestehenden HilfS- und Krankenkassen, sowie Geroerkscha) ts«Otganrsatlo» neu verfolgten schon leit taugen Jahren daSselvs, Ziel wie der nun als übermächtige Konkurrenz ans,
diesem Titel schreibt der Zentrurnsabg. Oberlehrer Kuckhvsf (Essen) in der letzten Nummer des „Deutschen Pbilologen-Blattes":
Die Schwierigkeileil, unsere Akademiker n n t e r z u b r i n g e ü in einigermaßen menschenwürdigen Stellungen, gestalten sich nachgerade zu einer sozialen Frage. Und zwar zu einer sehr ernsten. Unser deutsches Wirtschaftsleben ist so aus- dehnungsfahig, es kann an Jntenfivität noch so viel gewinnen, daß wir gar keine S.--ge zu haben brauchen um die Unterbringung des jährlich in Deutschland überschüssigen Menschenmaterials, wenn es auch ungeheuer groß geworden ist. Arbeet und Brot wird sür unsere Handarbeit nrden Stände auf lange Zeit hinaus zu beschaffen sein. Anders steh: cs mit der stets wachsenden Zahl unserer auf höh.cer und hoher Schule vorgebitd en Mitbürger. Wenn matt einmal eine Statistik darüoer aufmachen könnte, wohin sie vielfach geraten, die da kein Examen oder nur ein „genügendes" machen, man würde in grenzenloses Elend hineinschauen.
Wir Oberlehrer haben die Pflicht, unseren Schülern außerhalb der überfüllten Alademikerberuse möglichste Freiheit der Bewegung zu schaffen. Wir dürfen nie ermüden, die Primaner auf die praktischen Berufe hinzuwnsen, auf. die Berufe, in denen unser Volk tüchtige Männer braucht. Ich denke vor allem an die freien Berufe. Ta steht in allererster Linie der freie Kausmannsstand. Er ist in Zukunft berufen, noch große Werte zu schaffen. Vor allem gilt es, im Auslande Ab- satzgebiete für unsere heimischen Erzeugnisse zu gewinnen. Beinahe will es scheinen, als ob der freie Wandertrieb in einem Teile der Deutschen ein
0 Herr und Oberherr.
Auf dem Deutschen Bundesschießen in Frank- Lirt a. M. hat der Bruder des Kaisers, Prinz Heinrich von Preußen, eine Rede gehalten (Oer» Weiche Nr. 159), in der er an das deutsche Burger» Kim als an den Träger des nationalen Gedankens avv'llierte zur Arbeit an der Kräftigung und Be- fest'aung des Reiches. Gott sei Dank, so sagte er, wir haben ein festes deutsches Vaterland! Lecher aber sind wir uns bezüglich unseres inneren Daseins nicht anerkannt einig, und ich möchte den heutigen Tag nicht vorübergehen lassen, ohne einen Appeu an Sie, die Sie Träger des nationalen Gedankens sind, an die bürgerlichen Parteien ergehen u lassen Es klopfe ein jeder an ferne Brust und race sich: Haben wir das Wort gehalten, das nut hrem Herzblute Hunderte und Taufens m den iebeitziger Jahre dahmgegeben haben. Wer he .»tage in Deutschland sich nicht zu Kaiser und Reich bekennen will, der gehört nicht unter u n ». Die Fcstesftimmung macht allem es nicht. Tie Arbeit im täglichen Leben, an die appelliere ich, an unseren bürgerlichen Stand, die Arbeit tm füllen an der Kräftigung und Befestigung des Reich». (Bravo') Jeder deutsche Stamm sei treu sei- n em Herrn, und wir alle zusammen seien treu unserem Ob er Herrn, dem deutschen Kaiser, so niahnte der Prinz und er fügte hinzu: Treff ist Trumps für den Bürger, Trumpf sür den Bürger ist aber auch der Gehorsam.
Tie Red: hat in der Linkspresse Verdruß und Widerspruch erregt. Das ist begreiflich, denn der Prinz hat der U m st u r z p a r t e i den Stuhl vor sie Tür gesetzt, und das kann den Großblockspekulanten nicht gefallen. Er hat ferner den „Gehorsam" für eine Pflicht des deutschen Bürgers erklärt, während doch die Sozialdemokratie und deren liberale Schleppenträger die Widerspenstigkeit gegen Autorität und Ordnung (unbeschadet der eigenen Parteidiktatur) als erste Mannestugend hinstellen wollen. In Folge dessen wird an der Rede des Prinzen aus allen Kräften und mit allen Künsten genörgelt und gedeutelt, ja sogar der Versuch gemocht. die Einzelstaaten und besonders Bayern gegen eine angebliche Ueberspannung der Kaiser- g e w a 11 auszupulfchen.
Wenn es nötig ist, den bundesstaatlichen Charakter des deutfchen Reiches zn verteidigen, so ist das Zentrnm und dessen Presse allezeit zur Stelle. Aber wir finden nichts Bedenkliches darin, wenn der Prinz die Mahnung zur gleichmäßigen Pflicht- erfülliing gegenüber dem Einzelstaat und gegenüber dem Reich in die Worte saßt: „Jeder deutsche Stamm sei treu seinem Herrn, und wir alle zu- f..mmen seien treu unserm Oberherrn, dem deutschen Kaiser."
Herr unb Oberherr, sagt dagegen die,Vossische Zeitung', seien Begriffe, b-e sich mit bent modernen StaatSrecht nicht vertrügen ; aber wen» man auch das Wort vom „Herrn" hier nicht auf dir Gold- roaie legen wolle, so nrüff« doch dir Unterscheidung zwischen Herrn und Oberherrn abermals Gefühle wecken, wie ihnen Prinz Ludwig von Bayern 1896 in Moskau Ausdruck gegeben habe durch die Verwahrung gegen die Bezeichnung der vsrbündelen Fürsten als .Vasallen".
Den Titel .Landesherr" oder »König unb §err* gebrauchen wir oft und gern in Work und Schrift, ohne daß unser staatsbürgerliches Bewußtsem sich dadurch irgendwie bedrückt fühlte. Wir Deuten n cht an die Feudalzeit mit der Unterwürfigkeit der „Hörigen" unter fernen .Herrn", sondern au den König alS Verkörperung der Staatsgewalt und der Staatsherrtichlcit, als den Inhaber bet verfassungsmäßigen Herrfchrrrechte, in besten Namen die Gesetze erlasten und durchgeführt, das Recht "gesprochen und die Ordnung aufrechterhalten roitb. Es gehört in der Tat zu den schlimmen Zeichen der Zeit, wenn man daran Anstoß nimmt, daß der Monarch der Herr genannt wird.
Was nun die Bezeichnung des Kaisers als O b e r- herr angeht, so würde der Verfaster eines staatsrechtlichen Handbuches gebührendermaßen anssüh- r:n, daß wir nicht einen „Kaiser von Deutschland" haben, der eine allgemeine Oberherrschaft über abhängige Einzelstaaten ansübe, sondern einen d e u t sch em Kaiser, der gemäß der Bersaffung das Präsidium im Bunde der selbständigen Einzelstaaten siihrt. Der König von Preußen "ist primus in ter pares, der erste unter den ebenfalls souveränen Verbündeten; als Kaiser aber hat er nach der vereinbarten Bundesverfassung gewisse Rechte und Machtmittel für Betätigung der Reichseinheit im ^nnern und nach Außen, für die Friedenszeit und für den Kriegsfall. Wie die Reichsgewalt verteilt ist auf die Person des Kaisers und auf den Bundes- rat als die Gesamtheit der Einzelstaaten, baS läßt !ich wohl in einer juriststchen oder politischen Ab- »andsting genau darlegen, aber nicht in einem kurzen Trinkspruch. Wenn nun der Festredner außer der Treue zum Landcsfürsten auch noch die Treue gegen Kaiser und Reich fordern will und dabei kurzweg den Landesfiirsten als Herrn und den Kaiser, den Inhaber besonderer Rechte und Vertreter der Reichsgewalt als „Oberherrn" bezeichnet, so kann nur, Befangenheit oder Hinterlist in dieser «nsdrncksweise. etwas Ungehöriges finden. Prinz n offenbar nicht im entferntesten an eine
U?berf]xmnung der lästerlichen Gewalt ober eine Minderung der landesfürstlichen Wirde gedacht, unb wir glauben, daß man in Bavern ebenso wie in allen andern Bundesstaaten volles Verständnis !UI- ei1e Mahnung, die Treue gegen den Treue das I”* $U brh^rt mit der schienen und Goldene Jubiläums-
und^des R-r? Fest der Eintracht
unb des Bebagens fein. Wir wollen uns nickt stören lasten durch die hämische Wortklauberei von Rotblockpolitikern und auch nicht durch den Hinwegs ?1?f. parteipolitischen Einschlag, den früher d,e Schützenfeste hatten. Die Eierschalen der einstigen liberalen Parteibestrebungen sind
Eisenbahner, die sich zum Zentrum bekennen und gleichzeitig dem von Herrn Riedel geleiteten Trier- Berliner Eisenbahnerverbande angehöien, muß ein« j solche Leitung des Verbandes ja ein ganz besonderes Vergnügen sein.
* Die Steuerschraube in den europäischen Staa-, ten. Wie wir der „Post" entnehmen, legte in der belgischen Kammer der Abgeordnete , von Lüttich, Hector Denis, eine Statistik vor, in der genau berechnet war, wie sich die Steuerlasten in den verschiedenen Ländern Europas darstellen. Das Ergebnis ist für Deutschland durchaus günstig. Aist den Kopf der Bevölkerung entfallen nämlich nach dieser Liste in England 82,06 Franken, in Frankreich 78,98 Franken, in'Holland 57,59 Franken, in Oesterreich 49,05 Franken, in Italien 45,04 Franken, in Deutschland 43,37 Franken, in Norwegen 42,60 Franken, in Dänemark 41,70 Franken und in Belgien 34 Franken. i
# Karlsruhe, 16. Juli 1912. (Tel.) In der gestrigen Mittags-Sitzung der badischen Zweiten Kammer fand eine grundsätzliche Aussprache übet das den Landständrn vorgelegte Murgtal-Projekt statt. Dabei ergab sick als übereinstimmend« Anschauung aller politifchrn Parteien, daß t er badische Staat, und zwar ohne auf den Beitritt Württembergs zrr warten, die Veipflicktnng habe, das Kraftwerk im Murgtale oberhalb Forbach möglichst bald herzustellen. lieber Die technischen und sonstigen Einzelheiten des Murgtal - Projektes will sich bet Lanbtag im Herbste schlüssig machen.