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Fulda, Dienstag den 16. Juli 1912.
Erstes Blatt
Jv3 160.
ihre feste Haltung nii
zwei Millionen Mark.
Deutsches Reich
eins mchr oder minder
lrittmacher
Zentrum
miS für
öpaHergang und ho schichtlichen Vortrag. ____
ist Montag früh aus Rußland
Grenze überschritten hätten. Ein Offizier soll da» Geheimnis vorher verraten und es so der Regierung ermöglicht haben, der Verschwörer Herr zu werd.».
** Hundert russische Untertanen von chiuesischen Soldaten erschossen. In dem Torfe Tfchira bei Chotau in Chinesisch-Turestan umringien chinesische Soldaten und Ortsbewohner, an deren Spitze der aus Kaschgar nach Tschira entsandte chinesische Revisor Sinn stand, das Haus des russischen Unter» tans Effendi und zündeten es an. In dem Hause sollen sich etwa hundert ruflifche Untertanen be« sunden haben, von denen die meisten erschossen wurden und viele in den Flammen umkainen. Die rüst ische Regierung hat ihren Gesandten in Peki g aufgefordert, die ernstesten Vorstellungen zu erhebev und volle Genugtuung zu fordern.
Christlicher MeiallarbeiterverbanÄ DeuLschlands.
c Dortmund, 15. Juli 1912. Der christliche Metallarbeiterverband hält in den Tagen vom 15.—18. Juli hier seine Hauptversammlung ab. Der Tagung voraus ging gestern abend ein Begrützungsabend, wobei Bürgermeister Dr. Köttgen die Teilnehmer namens der Stadt Dortmund begrüßt. Die Hauptversammlung begann heute vormittag. Der Vor, sitzende W i e b e r begrüßte die Ehrengäste, insbesondere den Vorsitzenden des Verbandes evangelischer Arbeitervereine von Rheinland und Westfalen, Pfarrer Niemeyer (Eichlinghofen), den Generalsekretär desselben Verbandes, Dr. Martin, den Reichstagsabgeordneten Giesberts und den Landtagsabgeordneten Jmbusch, so-
39. Jahrgang
wie den Vorsitzenden des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter, Köster. Der Vorsitzende wies hin auf die guten Beziehungen zwischen christlichen Gewerkschaften und konfessionellen Arbeitervereinen. Beide hätten im Interesse der Organisationen sowohl, wie im Interesse des Vaterlandes große Aufgaben zu erfüllen. Pfarrer Niemeyer überbrachte die Grüß« und Glückwünsche des Verbandes der evangelischen Arbeitervereine und des Gesamtverbandes Deutschlands. Er bekräftigte i» seiner Ansprache die zwischen den christlichen Gewerkschaften und den konfessionellen Arbeitervereinen bestehende Waffenbrüderschaft, die in der christlich-nationalen Arbeiterbewegung begründet sei. Pastor Niemeyer berührte dann auch den „Berliner" Streit urch erklärte, er habe die Ueberzeugung, daß die christliche» Gewerkschaften gegenüber den Berliner Gewerkschafte« ihre feste Haltung nicht aufgeben würden. Nicht nur im Interesse der Arbeitervereine, sondern auch zur Wahrung des konfessionellen Friedens und im Interesse der nationalen Arbeiterschaft sei eS notwendig, daß bte christlichen Gewerkschaften das bleiben, waS sie bisher gewesen sind. Der Berbandsvorsitzende Wieder (Duisburg) erstattete dann den Geschäftsbericht. I« mehr als zweieinhalbstündiger Rede gab er ein umfangreiches und erschöpfendes Bild der zweijährige» Tätigkeit des Vorstand«» und erörterte alle den Verband betreffenden Fragen und kennzeichnete die Stellung des Verbandes gegenüber der Sozialdemokratie. Im weiteren Verlauf der Tagung erstattete der 88er* Mögensverwalter Herzog den Kassenberi cht. Di« Gesamteinnahmen in der Bericht^zeit betragen rund
-M- „Bettelbriefe"
für Kirchenbauten, Missionshäuser, Schulen, Betsäle aus armen Diasporagemeinden überschwemmen i» großer Zahl das katholische Deutschland. Das fft nicht zu verwundern, die Diasporanot ist groß. Tausende von Katholiken gehen der Kirche allmählich verloren, weil die Mittel fehlen, ihre kirchliche» Beli-rsnisse zu befriedigen, tausend» von katholischen Kindern entbehren des Religumsnuterrichtes. Es sollte leinen Katholiken geben, der nicht durch Gebet und Almosen dazu beiträgt, dieser Not abzuhelfen, ist es doch erste Pflicht, je nach Verhältnissen^ und Kräften, die in der Diaspora lebenden Glaubensgenoffen zu unterstützen.
Es wird nun aber vielfach Klage geführt über die vielen Bettelbriefe; und über die Art und Weise, wie manche Kirchenbettler ihre Zwecke zu erreiche» suchen, muß man ost bitterböse Bemerkungen hören, die leider in manchen Fällen -nicht unbegründet sind.
Es ist von berufener Seite schon oft vor auf» , dringlicher unbefugter Bettelei gewarnt worden, be-
Xrsnnentt »ex
MsK Ctterios« vttttcr- fLhctrche» Ye.»»'prrtr ohne Briitütriebn und vtstellirelom Hulda?»- »teauzwöttri.5y4llt.
verantw. Redaftemr «ar» Schütte» ftttMAnzetgenr
I.Parzellrr in Hulda.
OTacbte Montag vormittag in Molde einen längeren; des Rotblocks und als grundsätzliche Gegner des , $ürtc "'2. Abend einen krieqsq:- ‘ „Uüramontauismus'' und' ,Klerikalismus* auf. fiz’XErtrag — Der Reichskanzler! Ta war es nicht wahrscheinlich, daß daS Zentrum tc!S Rußland nach Berlin zurück- sich in dieser Versammlung vertreten ließ. Um so
„ «'n* JCmt Tr über seine weniger, als man jetzt wieder durchaus grundlos
"vT höchstem Maße befriedigt geäußert. Er mit der Behauptung hausieren geht, daS wird noch einige -J»gr rn Berlin bleiben, um ver- habe kein Herz für die Lehrer, kein Berstä.»-«.» schiedene laufende Geschäfte zu erledigen, dann wird j di» materiellen Sorgen. Dieser Schein wird er» er nach .Hohenfinow übersiedeln, wo er bis zur I weckt, obwohl er durch die Vergangenheit all tr&-
Zentralverband christlicher Holzarbeiter Deutschlands.
m Barmen, 15. Juli 1912.
Gestern nahm bet 7. Verbandstag des Zentralvev- bandeS christlicher Holzarbeiter Deutschlands seine« Anfang. Eingeleitet wurde er am Bormittag durch eine allgemeine Konferenz der christlich-nationalen Arbeitev- bewegung deS Bergischen Landes. Gegenstand bet Verhandlungen bildete das Thema: Die christliche» Gewerffchaften in de» Kämpfen der Gegenwart, über welches GewerkschastSsekretär Ballrutsch und Generalsekretär Stegerwald referierten. Die Verhandlungen waren vertraulich.
Am Abend fand eine Begrüßungsfeier statt. Kaplan Schmitz vermittelte die herzlichsten Willkommensgrüße der kath. Arbeitervereine, während Herr Redaktenr Jost namens de» Westdeutschen Verbandes kath. An, beitervereine dem Delegiertentag vielen Erfolg wünschte. Als Vertretet des Barmer Evang. Arbeitervereins und deS Rheinifch-Westfälischen Verbände» Evangel. Arbeitervereine hielt Herr Lehrer Haa» eine Rede, die mit der Losung: Hie christlich-national, alle« Wege! abschloß.
In der heutigen Delegiertenversamm« l u n g folgte nach der Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten der Geschäft-bericht. Derselbe lag gedruckt vor. Der Vorsitzende gab zu den wesentliche» Punkten Erläuterungen. Erfreulich fei, daß der Verband in allen Quartalen zugenomme» habe. Die Verteilung des Zuwachses auf die einzelnen Sanbe» teile, lasse zu wünschen übrig. Das Interesse deS Verbandel aber erfordere, daß alle LandeSteile den Zuwachs liefern. Die Uebertritte aus anderen Organisationen, insbesondere au» dem sozialdemokrattschen, haben sich bedeutend vermehrt. Der Gründung von neuen Zahlstellen wie der Erschließung neuer Gebiete ist größere Lufmettsamkeit zu schenken. Weitere Referate der Herren von der Zahlstelle des Verbandes betrafen verwaltungstechnische und organisatorische Fragen.
je* Drei Jahre Bethmann.
Mancher wird sagen: .Wie schnell doch die Zeit vergeht! Schon drei Jahre sind seit dem Blockbruch und dem Rücktritt Bülows verflossen!* Herr vo» Belhmann-Hollweg aber kann sagen: .Angesichts der verworrenen Erbschaft, die ich 1909 antreten muffte, und der furchtbaren Hetze, die damals ein- setzte, will es schon etwas bedeuten, daß ich mich drei Jahre lang leidlich zu behaupten vermochte 1"
Am Anfang des Bethmann'schen Trirnniums stand die Vollziehung der Finanzreform, der viel geschmähten »blau-schwarzen* Finanzreform, deren verantwortlich« Gegenzeichnung die ganze Lnike, Liberale wie Sozialdemokraten, dem neuen Reichskanzler furchtbar übel nahmen. Den Abschluß des TrienniumS bildet die Heeres- und Flottenverstärkung, deren glatte Durchsetzung im Reichstage unbestritten ein großer Erfolg war. Wer ehrlich ist, muß zugeben, daß zwischen diesen beiden Dingen ein innerer Zusammenhang besteht. Ohne die rechtzettigr Gesundung der Finanzen wäre die Aufbesterung der deutschen Wehrkraft, die sich namentlich durch dir Ereignisse von 1911 als dringendste Staat-Notwendigkeit erwiesen hatte, nicht möglich gewesen.
Wär» eS 1909 nach dem Wunsche der Bülow- sreunde (und der Sozialdemokraten) gegangen, so hätten wir einen noch viel tolleren Wahlkampf bekommen, als wie er uns 1912 beschirden war, und der aus den Konflikt-Wahlen hervorgegangene Reichstag wäre aller Wahrscheinlichkeit nach für eine brauchbare Steuerreform und überhaupt für die positive Arbeit so ungeeignet gewesen, daß eine erneuert« Berufung an daS Volk notwendig geworden wäre. Jedenfalls hätten wir die ganze Zwischenzeit in unfruchtbaren Streitigkeiten verbracht, die nicht allem für die Entwicklung im Innern, sondern auch für unsere Geltung in der Weltpolitik verderblich gewesen wären. Also muß man er Herrn v. Bethmanu immerhin al- Verdienst anrechnen, daß er sich von der Einseitigkeit und dem Eigensinn feine» Vorgängers frei gehalten und die Finanzgesetze von 1909, trotz aller persönlicher Bedenken im Emzelnen, doch frisch und flott in di« Scheuern gebracht hat. Damit war di« Grundlage gewonnen für den Aus- hcag deS Marokko-Handel-, di« Ausdefferung de» Verhältnisses zu Rußland und di« Stärkung der deutschen Wehrkraft, welch letztere in der österreichischen Heeresreform ihr wertvolle» Seitenstück findet.
Zu Jubelhymnen, so heißt ei in der Linkspresse, sei beim Ablauf dieser drei Jahre kein Anlaß. Em Rückblick kann behaglich sein, anch wenn er gerade kerne Triumphgesänge ausläst. Wir sür unsern Teil beurteilen das dreijährig« Geschichtskapttrl mit nüchterner Sachlichkeit, denn die Persönlichkeit des leckenden Staatsmanns hat zu der Zentrums- Partei kein« besonderen Beziehungen. Wenn man bei ihm eine Betätigung von Hiebe oder sonstigen zärtlichen Gefühlen entdecken will, fo galten sie der nationalliberalen Partei. Ihr hat er eine Nachsicht und Geduld, eine zarte Rücksichtnahme und ein eifriges LiebeSwerben gewidmet, wie keiner anderen Partei, auch der konservativen nicht. Man erinnere sich z. B. an die scharfe Abkanzelung des Herrn o. Heydebrand in der Verhandlung über die Marokkofrage, wobei Herr Baflermann väterliche Schonung fand. In den letzten Tagen war es bezeichnend, wie eifrig sich di« Offiziösen wegen eines vermeintlichen Zweifels an der monarchischen Gesinnung der Nationalliberalen entschuldigen mußten. Wir wollen die Kälber, die Herr v. Bethmann dem .verlorenen Sohne* geschlachtet hat, nicht weiter fritifieren, sondern nur registrieren. Der Reichs- kanzler kann ja auf einen gewissen Erfolg Hinweisen, da in der Befitzffenersrage tatsächlich eine Annäherung der Baffermann'schen Partei an die.blauschwarze* Arbeitsgemeinschaft stattgrfunden und der Gedanke des Großbtocks der Linken an Boden verloren hat.
Herr v. Bethmann fährt nicht als prunkvoller Sieger auf einen Triumphwagen, sondern lenkt recht und schlicht den Geschäftswagen. Aber das Ge)ährt macht doch trotz aller Knüppel und Steine, de ihm entgegengeworfen werden, seinen Weg, — langsam, aber doch vorwärts.
Zwei Vorwürse sind besonders beliebt. Einerseits wird das Marokko-Abkommen recht schwarz angemalt. Gewiß, es hat seine Mängel und Schwächen; aber hätte ein anderer Reichskanzler oder ein anderer Staatssekretär mehr herausfchlagen können bei dieser verzwickten hochpolitischen Lage, deren Schattenseiten wesentlich auf die Aera Bülow zurückzusühren waren. Andererseits tadett man das Fiasko der preußischen Wahlresorm. Wir bevauern auch, daß Herr v. Bethmann damals nicht »ahm, was die Konservativen uns das Zentrum chm boten. Der Fehlschlag ist aus die bereits er- wähnte Zärtlichkeit für die nationalliberale Parrei zurückzusühren. llebrigens würde der Block- kanzler Bülow an der Unvereinbarkeit der konfer- vativen und der liberalen Wahlrechtsinteressen erst recht gescheitert sein.
Wer mehr den Wald, als die einzelnen Bäume ins Auge gesaßt, muß zugestehen, daß düse dreijährige Aera Bethmann den Beweis geliefert hat, daß eS ohne den Bülow-Block besser geht, als mit ihm. Die vielgepri.sene Blockpolitik ist so gründlich abgetan, daß sie keinerlei Hoffnung auf Auferstehung mehr haben kann.
** Berlin, 15. Juli 1912. Bon der Nordland- reise des Kaisers wird gemeldet: Der Kaiser
Ausland.
♦* Die wilde« Weiber Londons. Die englischen Suffragetten verfolgen seit ihrer Freilassung eine äußerst kräftige Propaganda, die auch, wie in den letzten Tagen mehrfach berichtet, vor Verbrechen nicht zurückschreckt. Der Ri i n i st e r p r ä s i d e n t hat sich veranlaßt gesehen, sich mit Geheimpolizisten zu umgeben und auch seinen Sohn, den kleinen Antony Asquith, sorgfältig überwachen zu lassen. Die große liberale Kundgebung im Rationalliberal-Klub, sür die 4000 Einladungen ausgegeben wurden, ist im letzten Augenblick abgesagt worden, weil bestimmt verlautete, daß Suffragette» die Gelegenheit benutzen würden, um Asquith körperlich Schaden zuzufügen. Auch Lloyd George wurde, wie jetzt bekannt wird, bei dem Altentat am SamStag nicht nur geflogen, sondern glatt niedergeschlagen. Im Hyde- park erklärte gestern abend bei einer Kundgebung Frau Drummond, dec Minister des Inne n müsse fort, man wisse nicht wohin, aber fort müsse er. Sie wisse, bad Explosionsstoff im Ministerium de» Innern gesunden worden sei. Wäre dies in die Lust geflogen, so würde die Frage, wohin der Minister geschickt werde, schon erledigt sein.
*. Zürich militärisch besetzt. AIS Antwort auf den Frettag in Zürich ausgebrochenen Generalstreik hat der Gewerbeocrband der Industriellen nnd Gewerbetreibenden eine zweitägige Totalaus- ipenung beschlossen. Daraufhin sind 3000 Mann Truppen in Zürich eingcrückt, um etwaige Aus- schreüungen der Ausgesperrten zu verhindern. Die zum Arbeiterviertel führenden Straßen und Brücken wurden militärisch besetzt. Die Warenhäuser und viele Läden waren geschloffen. Mehrere Jndustrie- werke wurden von Truppen bewacht. Der Generalstreik war als Protest gegen das teilweise Streikpoffenverbot bes Stadtrats und die Einfuhr berufr- mäßiger Streikbrecher beim Maler- und Schlossir- ftreik durchgeführt worden. Da die christlichen Gewerkschaften sich am Streik nicht beteiligten, wurden ihre Mitglieder als .Streikbrecher* viel belästigt. Ein deutscher christlichorganisierter Maler wurde z. B. so schwer bedrängt, daß er sich mit der Waffe zur Wehr setzen mußte. Der Angreifer wurde schwer verletzt und starb; jener aber wurde, da er aus Notwehr gehandelt, vom Schwurgericht freigesprochen.
** Aus dem portugiesischen Hexenkessel. Ein klares Bild über die Vorgänge in Portugal läßt sich an- gefichtS der unerhörten Depeschenzensur, welche die Regierung ausübt, noch immer nicht gewinnen. Di» Regierung stellt sich alS Siegerin hin, aber ihr» Maßnahmen beweisen, daß die Monarchisten noch keineswegs niedergeworsen sind. Dir,Preßzentral«^ meldet:
• Lissabon, 15. Juli 1912. In Bellas wurde gestern eine Anzahl vornehmer Monarchisten verhaftet. Leutnant Sepuloeda, der frühere Adjutant der Königin. Mutter Pia, der bei den Kämpfen von Valenca gefangen genommen worden war, ist wieder in Freiheit gesetzt worden. — In Badajoz wurde gestern eine Abteilung portugiesischer EarbcmariS von zahlreiche» Monarchisten angegriffen. Die Carbonari», die vo» den regulären Truppen Verstärkungen erhielten, schlugen die Monarchisten in die Flucht. Die letzteren liehen 10 Tote und 17 Verwundete auf der Kampfstätte zuruck. Di« Carbonari» und die RegierungSiruppen hatte» 6 Tote und 14 Verwundete.
DaS Hau» de» bekannten Schriftsteller» und Journalisten Homen Christo in Lissabon, der ein über- zeugter Monarchist ist und zu Begin» der Revolution un Jahre 1910 des Landes verwiesen, später aber be» gkmdigt wurde, wurde gestern von einer zahlreiche» Menschenmenge belagert. Sämtliche Fensterscheibe» be» Gebäudes wurden zertrümmert. Der Sekretär Christo», Posa, wurde durch Revolverschüsse verwundet. Ein zweiter Trupp demolierte das Gebäude der Zei- hing, bei der Homen Christo tätig ist; er zerstörte alle», was nicht niet- und nagelfest war.
• Lissabon, 15. Juli 1912. In Evora deckte die Polizei eine neue Monarch istische Ver schwö- rung auf, unter deren Mitgliedern sich zahlreich« Angehörige der vornehmsten Familien deS Landes befinden, unter ihnen auch der Graf von Ermeidaeira. — In Coimbra wurde vor dem Haufe eines Monarchisten eine Bombe zur Explosion gebracht, die gro- hen Materialschaden anrichtete. Aus dem Aufstand», gebiet in Cabeceira» do Basto find zehn weitere Aufständische getötet worden. — In GranollerS bei Barcelona drangen am Sonntag Kar listen in eine republikanische Versammlung ein und feuerten mit Revolvern auf da» Publikum. Einer wurde getötet, drei verletzt. In Barcelona veranstalteten die Larkisten Kundgebungen, bei denen gerufen wurde: .Nieder mit bet Republik Portugal! ES lebe da» HauS Braganzal* Zehn Leute wurden verhaftet.
Nach den letzten Telegrammen ist die Lage in Portugal s«hr bedrohlich. Die Regierung hat ermittelt, daß der größe Teil des in Liffabon liegenden 2. und 16. Infanterie-Regiments, sowie be» 4. und 6. Regiments oder doch deren Offiziere, sowie eine Batterie sich verschworen hatten, die Fahne der Monarchisten in der Hauptstadt zu ent- (alten, sobald di« monarchistischen Banden die
gerisch erwiesen ist und obwohl auch jetzt von all den dicken Freunden des Bayerischen Lehrervereins keiner nachweisen konnte, daß die Mittel sür eine lllotstandsaktton vorhanden seien, und es nur am Zentrum liege, ob sie verwendet werden sollen oder nicht. ES kam in dieser Versammlung viel Begeisterung für den Vorsitzenden Schubert, in dem man nicht in letzter Linie den Führer im Kampfe gegen daS Zentrum und in dem bekannten Feldzug gegen die katholischen Bischöfe erblickt, viel Entrüstung gegen das Zentrum zum Ausdruck, im übrigen aber war der Erfolg mäßig. Abg. Schubert wollte keine Steuererhöhung, nur der Sozialdemokrat Hofsmann sprach sich für eine solche aus- Tie übrigen Abgeordneten rührten an diese Frage und an die Frage, woher die Mittel kommen sollten, überhaupt nicht. Sie wissen offenbar nichts zu sagen. Wenn man aber die Regierung überzeugen wollte, daß die geäußerten Wünsche wirklich zu er- füllen sind, sollte man doch einmal sagen, wie man die Sache anpacken muß. Weiß man das nicht, so kann man es der Regierung kaum verargen, wenn sie es auch nicht weiß.
Rückkehr de» Kaisers bleibt, um mit ihm an den Essener JubiläumsfeierlichkeAen teiljunehrnen. — Das fgl. preußische Staat-ministerinrn trat am Montag zu einer Sitzung zusauunen.
** Die deutsch-fianjöM» Kongo - Kamerun - Kom- Mission wird sich, rote der .Eclair' erfährt, im Herbst, d. I. nach dem Kongo begeben, um bte Gebiets-Regulierungen an Ort und Stell« vorzunrhmen. Dir Arbeiten dürften ein Jahr dauern. Eine vollstän- dige Einigung ist bei den gemeinsamen Beratungen in Bern nicht erzielt morde». So wird Hauptfach» lich die Frage über die Kongo-Insel» dem Haager Schiedsgericht« unterbreitet werden, da Frankreich diese Inseln für sich beansprucht, während di« deutsche Regierung die Zugehörigkeit der Inseln zu dem französischen Gebiete bestrettet.
** Das Berfichermigsgesttz für Augesttlte bestimmt in § 390, daß Angestellte, die vor dem ö. Dezember 1911 bei einer Lebensversicherung einen Versicherungsvertrag geschloffen Haden, auf ihren Antrag von der Bettragsleiflung befreit werde» können, wenn bi« Angestellten sür diese Versicherungen beim Inkrafttreten des Gesetze- soviel an Prämien auf- wenden, als sie ihrem Einkommen gemäß an eigenen Beiträgen für die staatliche Versicherung hätten en • richten muffen. Da über bte Auslegung diel er Gesetzesbestimmung Zweifel entstanden, in«besottdere fraglich blieb, ob eine vor dem 5. Dezember 1911 abgeschlossene Versicherung mit geringerer als der gesetzlichen Beitragsleistung alS Ersatz der staatliche» Versicherung gelte, wenn st» nachträglich zu der gesetzlichen Beitragsleistung erhöht werde, wandte sich der Verband deutscher Lebensrerstcherungsgesell- schäften an daS Direktorium der ReichSverficherungS- anftalt für Angestellte mit der Bitte, den die Angestellten beunruhigenden Auslegung-Versuchen des § 390 entgegenzutreten. In seiner Antwort wies vas Direktorium, wie wir dem ,Bertt Lokal-Anz.' (Nr. 356) entnehmen, darauf hin,
bte Behauptung, eine ErgänzungSserflcherung sei nur zulässig, wenn sie durch »in» inzwrsche» eingetretene Gehaltserhöhung nötig werde, sei unzutreffend. Nach Den Darlegungen des Regierungsoer tret er» tm Reichstage bei der dritten Beratung be» Gesetze» am 5. Dez 1911 stehe e» jedem Angestellten, sür de» vor bem 5. Dezember 1911 ein Versicherungsvertrag abgeschlossen worden sei, frei, in der Zeit bi» zum Inkrafttreten de» Gesetzes (also vorausüchtltch dis zum L Januar 1913) feine Versicherung auf den vom Gesetz für sein» Befreiung von der Beilragspfltcht geforderten eigenen Betrag zu erhöhen. Der Angestellte fei hierbei nicht an die BerstcherungSonternehmung gebunden, bei der er die Grundrerficherung abgeschlossen habe.
+ Eine polnische Rettnngsbank sordert das polnisch» Blatt -Lcch'; sie soll rinzig und allein bte Aufgabe haben, zu verhindern, daß polnisches Land in deutsche Hände übergehe. Die Bank soll also den Polen zur Erhaltung ihres Grundbesitze» Gelder zur Verfügung stellen, genau so wie da» bei unserer Ostmarken - Politik zur Erhattung be» deutschen Grundbesitzes geschieht. Nun kommen alldeutsch« Blätter und beflogen sich, daß durch dies» polnische Gegenmaßnahme eine ungesunde Steigerung der Güterpretse eintreten würde, wodurch bte gesamte Landwirtschaft im Osten aufs schwerst« ge'chädigt würde. Wir geben zu, daß die Befürchtung gerechtfertigt ist. Eine starke Steigerung bet Güterpreis« trat aber schon mit dem Tag ein, eil btt Regierung erstmals ein Offmarken-Fonds zur Beifügung gestellt wurde. Damals gestatteten fich dir Gegner der Ostmarken-Politik, auf diese durchaus schädliche Folge aufmerksam zu machen. Leider fanden sie bet den Alldeutschen kein Verständnis.
X Stiftung einer Kolonialdenkmünze. Der Kai. fei hat für Teilnehmer an den militärifchrn Unter- nehmungen in den Schutzgebieten eine Kolonial- denkmünze gestiftet. Die Denkmünze zeigt, umgeben von einem Kranze, auf der Vorderseite da» Brust- bildnis des Kaisers und seinen Namenszug mit dar- über befindlicher Kaiserkrone, aus ber Rückseite unter der Kaiserkrone die Inschrift: „®ea tapferen Streitern für Deutschlands Ehre*, umgeben von einem Lorbeer- und einem Eichenzweig«.
* Pfarrkirchen, 15. Juli 1912. Für di« Re i chS- tagserfatzwahl in Pfarrkirchen stellte der bayerische Bauernbund den Oefonomen Joseph Bauer von MatzöS aus, nicht den LandtagSadgeordneleu Eisenberger.
ch- Karlsruhe, 16. Juli 1912. Di« badische Re- gierung hat der Abgeordnetenkammer «inen Gesetz- «ntwursvorgelegt,demzufolgesürdie fünf größten Städte Badens bei den Landtagswahlen daS Proportionalsystem eingeführt werden soll. Dübei soll Mannheim 6, Karlsruhe 5, Freiburg 3 Heidelberg 2 und Pforzheim 2 Abgeordnete erhallen'
c? München, 15. Juli 1912. Am Samstag hat in München eine außerordentliche Geueralversamm- lung des Bayerischen Lehrervereins stattgefitnden, die zu der Gehaltssrage Stellung ttahm. Die Versammlung war von mehreren tau« send Mitgliedern des Vereins aus dem Lande be» sucht. Abgeordnete waren nur vom Linksblock erschienen. Daß keine Zentrumsabgeordneten gekommen waren, schien man verwunderlich m finden. Indes soviel Interesse das Zentrum auch den materiellen Verhältnissen der Lehrer stets entgegengebracht hat, daß Zentrumsabgeordnete Bersammlun- gen des Baherij'chen Lehrervereins, der ja nicht schlechthin die Lehrerschaft repräsentiert, besuchen würden, dürfte im Ernste kaum jemand erwartet haben. Gewisse führende Männer des Vereins und deren intimste Freunde und Protektoren haben die Lehrer stets nach Möglichkeit in den Reihen der Zentrumsgegner fechten heißen. Noch in den letzten Wahlkämpfen traten die Vorkämpfer des Der-
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