Einzelbild herunterladen
 

3? J54.

Dienstag den 9. 3n!i (9(2.

59. Jahrgang.

* Tuldaer M Zeitung

18

2. Blatt.

Bruck und Verlag »er Zuldaer Actlendruckerei in Fulda.

Aus dem Nachbargebrete.

L- Petersberg, 8. Juli 191». „Was klinget und singet die Straß: herauf . . ■" War es die Regl- m.ntskapelle? Nein, die katholischen Jngenv- Vereine der Da tn- una Stadtps a rr e i Fulda zagen den Berg herauf unter den Klängen ihrer Musikiapelle und den flotten Weisen ihres Tambourkorps. Der Zug ging zum Bereinslokal unseres Jünglingsvcreines, iuo wir unsere Gäste empfingen. Erne fwmm-frähliche Feier entwickelte ich hier. Unsere Petersberger Sodalität statte, wie bereits gestern kurz berichtet, Aufuahme- eicr, zum ersten Mal- angesichts unserer schönen neuen Fahne. Im geschlossenen Zug- begaben sich ine Jugend'vereine zum Gotteshaus. 17 junge Mit­glieder legten vor dem Bilde der hohen Himmels­königin den Sadalenschwur ab, nachdem Herr Stadt- kaplan B ö r st i n g aus Fulda in der Festpredigt die Bedeutung dieses Gelöbnisses bargelegt und zum un­entwegten Festhalten an der Parole der kathol. Ju­gendvereine „Tapfer und treu" angefeuert hatte. Mit bent T-deum schloß die kirchliche Feier. In unserem Vereinslokal bot sich dann ein herzerquickender An­blick Weißgedeckte Tafeln mit Blumen geziert und mit Bergen von Kuchen beladen, ringsherum unfere strammen Jungen mit einem beneidenswerten Appe­tit. Auch die Tafelmusik fehlte nicht; sie wurde von der Jünglingskapelle besorgt. Theaterstücke schlos­sen sich an. Ein Verein schickt einen Humoristen vor; 1 Dutzend Hände tragen den Barren auf die Bühne; die Musterriege tritt an. Eine andere Gruppe macht auf dem Rasen des Gartens ein Turnspiel, ein Ke­gelspiel: es steigt ein gemeinsames Lied. Nur allzu schnell waren die Stunden verstrichen. Ta eben der kalh. Arbeiterverein eine Versammlung abhält, zo­gen die Jugendvereine vor dessen Bereinslokal, weil, wie der 9i ebner sagte, der Jugendverein gleichsam der Sohn des Arbeitervereins sei und deshalb sei­nen „Vater" begrüßen wolle. In liebenswürdiger Weise versicherte der Präses des Arbeitervereins, Herr Pfarrer Rübs am, daß dieser sich allzeit als treu sorgenden Vater des Jünglingsvereins erweisen wolle. Besonderer Dank gebührt den G'.bern für unsere Fahne und für unser Tambourkorps, ferner den guten Schwestern für ihre Gastfreundschaft. Ge­gen 8 Uhr begleiteten wir unsere Gäste und Bundes- orüder heimwärts. Mit lautem Hurrah trennte man sich. Das aber steht bei allen fest: Solch ein gemeinsames Fest machen wir wieder.

* Frankfurt a. M., 8. Juli 1912. Zu der aka­demischen Festversammlung, die aus Anlaß des gestern schon gemeldeten Ju b e l f e st e s des Ftank- furter kathol. Gesellenvereins am Sonn­tage stattfand, hatten sich außer den Vertretern der staatliche» und städtischen Behörden, den Fahnenab­ordnungen von etwa A) katholischen Vereinen auch Bischof Willi und Diozesanpräses Göbel eingefun- drn. Die Festrede hielt Generalpräses Monsignore Schweitzer über die nationale und soziale Bedeutung der katholischen Gesellenvereine, wobei er besonders Bezug aus den Jubelverein und Frankfurt nahm. Hieran schloß sich eine lange Reihe von Begrüßun­gen. Bischof Willi bracht- zunächst seinen oberhirt- llchen Glückwunsch dar. Dann sprachen u. a. Poli- zeiprästdent Rietz von Scheuer »schloß für die Regierung, Stadtrat Dr. Flesch für die Stadt Und den Magistrat Frankfurt, Dr. Hiller für, das Gewerbegericht, Professor Sitiig für den Ausschuß für Volksvorlesungen, Tapezierermeister Schlier für die Schutz Mitglieder und die Meister. Letzterer überreichte' als Jubelgabe einen goldenen Fahnen­kranz und für die Frankfurter Handwerksmeister eine Gabe von 2000 Mark zur Erweiterung des Karlshauses.

Amt Geisa und Umgebung.

!! Geisa, 8. Juli 1912. In überaus stattlicher Anzahl hatten sich gestern die Mitglieder und Freunde der katholischen Arbeitervereine Geisa und Buttlar mit ihren Angehörigen auf dem Felsen­keller bei Bntllar zum ersten gemeinsamen Som­me r f e st e eingefunden. Reden, gemeinsame Lieder, ,Klavier« und Trompetenvorträge wechselten mit­einander ad. Kein Wunder, daß bald bei allen Jrohe Stimmung herrschte. In der Begrüßungs- ■ reve betonte Herr Pfarrer Klitsch von Butllar die Notwendigkeit katholischer Arbeitervereine, die Notwendigkeit ihrer Vermehrung und Ausbreitung

im allgemeinen und insbesondere in unserer Gegend, die durch die Eisenbahn und das Eindringen" der Kali-Industrie einm so ganz anderen Charakter erhält. Einen trefflichen Vortrag hielt Herr Ku- ratus Dicke aus Dermbach über die christliche Weltanschauung. In populärer Ausführung be­handelte er die Entstehung der Welt und des Menschengeschlechtes und wies durchschlagend nach, wie einzig die christlich-katholische Weltanschauung durchaus vernünftig ist im Gegensatz zu der Weltanschauung der Gegner des Christentums. Besonders beschäftigte sich Redner mit den modernen Heiden und den Anhängern der Affentheorie. Durch seinen mit köstlichen Humor gewürzten Vortrag ver­stand es der Redner, die Zuhörer bis zum Ende in Spannung zu halten Reicher Beifall lohnte ihn. In. der Schlußrede wandle sich Herr Kaplan Sehn besonders an die Gäste und forderte in beredten Worten die Nichtmitglieder auf, doch recht zahlreich den Arbeitervereinen beizutreteu. Für die weitere Unterhaltung der Gäste sorgten ferner: Preisschießen, Preisstecheu und Preiskegeln. Die Einnahmen daraus fließen zu gleichen Teilen in die Fahnenkasse der beiden Vereine. Alle Besucher kehrten mit Be­friedigung vom Feste heim. Mögen die katholischen Arbeitervereine im Amt Geisa immer mehr sesten Boden fassen und bald jede Pfarrei ihren Arbeiter­verein zählen, der ein festes Bollwerk bildet gegen die rote Internationale und die gleichzeitig ein­dringende Religionslosigkeit.

Ö Geisa, 8 Juli 1912. Man schreibt uns: Kürzlich ging die Nachricht durch die Blätter, daß auch im 4. Verwaltungsbezirk Dermbach sich ein Komitee zwecks Organisation der Sammlung zur Flugspende gebildet habe. Gleichzeitig forderte das Komitee auf, überall Ortskomitees zu bilden. Während diese anderswo schon längst in reger Tätigkeit sind, scheint man hier in Geisa noch zu warten. Weshalb tritt nun in Geisa kein Ausschuß an die Oeffentlichkeit, wo es sich um eine so wichtige nationale Sache handelt? Wohl soll ein Schatzmeister für das Komitee gewählt worden sein, aber man erfährt nichts weiter. Wuc dürfen überzeugt sein, daß Geisa sich an der Flugspende ebenso reichlich beteiligen wird als beim Kornblumenlag, wo Geisa mit seiner Sammlung an der Spitze des ganzen Verwaltungsbezirkes stand. Hoffentlich wirken diese Zeilen aus die maßgebenden Kreise anregend.

--- Vacha, 8. Juli 1912. Die Anmeldungen zu der großen bienenwirtschaftlichen Aus­stellung in Vacha, die vom 28.—30. Juli ö. Js. von dem Hauplvereine Thüringen veranstaltet wird, laufen sehr zahlreich ein. Zu Prämienzwecken stiftete die Stadt Vacha 75 Mk., die Leipziger Bienen citung 100 Mk., die Versicherungsgesellschaft Winterthur 100 Mk. und eine Anzahl Gewerk- schäften zusammen 180 Mk. Das Hohe Staats- mintftetium zu Weimar gewährte drei Staats- meoaiüen und das zu Rudolstadt zwei. Von den übrigen thüringischen Staaten stehen solche noch in Aussicht. Von der Zuchtstation „Tautenburger Forst" steht eine Serie Edelköniginnen als Prämien zur Verfügung. Die Thüringische Honigzentrale des Hauptvereins, zahlreiche Privatpersonen und viele Jmlervereine [ftifteten wertvolle Ehrenpreise, sodaß den zahlreichen Ausstellern für ihren Fleiß reichliche Anerkennung zuteil werden wird. Die Königlichen Preußischen, Sächsischen und Bayerischen Staatsbahnen, sowie die Thüringischen Privat­bahnen haben in dankenswerter Weise Frachtver­günstigungen für die Ausstellungsgüter gewährt.

* Dermbach, 8. Juli 1912. Die Wahl des Bürger­meisters Sommerburg zum Gemeindevorstand von Eckartsberga hat jetzt die oberbehördliche Be­stätigung gefunden. Bürgermeister Sommerburg wird daher feinen hiesigen Posten nach 2'/-jähriger Tätigkeit verlassen. Wahrscheinlich wird die Bürger­meisterstelle in Dermbach wieder ausgeschrieben werden.

Aus Gberheffen u- den heff. Remtern.

[:j Neustadt, 8. Juli 1912. Unser neues Post- Auto, das am Sonntag zum ersten Male fuhr und infolgedessen mit Girlanden bekränzt war, halte Montag schon einen Unfall und mußte durch das bisherige provisorische Auto erseht werden. In der Nähe von Arnshain, nicht weil von hier, wollte es einem Fuhrwerk ausweichen, geriet hierbei in

einen Straßenkanal und fuhr in einen Neubau. Es erlitt einen Bruch eines Vorderrades. Die Insassen kamen mit dem Schrecke» davon. — Der hiesige Radfahrer-Verein „lieber Berg und Tal* erhielt beim Korsofahren in Groß-Ropperhausen den ersten Preis. Derselbe besteht in einem silbernen Tafel­aufsatze mit nach oben abschließender Figur eines Radfahrers.

△ Nordeck, 8. Juli 1912. Gestern und heute wurde hier das diesjährige Verbandsfeft der Kriegervereine des Kreises Marburg abgehalten. Bei der damit verbundenen delegierten» Versammlung kam auch die noch nicht gelöste Frage wegen Errichtung eines Kreiskriegerdenkmals in tViarbutg zur Sprache. Mit dem von dort vor­geschlagenen Löwen-Monument war man nach wie vor nicht einverstanden und da Marburg sich auch nicht über die Platz'rage einigen kann, wurde ange­regt, entweder das Denkmal an einem anderen Ort auf­zustellen oder die gesammelten Gelder zur Unter­stützung bedürftiger Kameraden zu verwenden.

h Fritzlar, 8. Juli 1912. Im Beisein eines be­sonderen Vertreters des Landwirtschaftsministers nahm der Vorstand der Kasseler Landwirtschafts­kammer in seiner letzten Sitzung wiederholt Stel­lung zu einem Antrag: der Pferdezuchtgenos­senschaft Fritzlar auf AufhebungderKur- hess. Verordnung vom 14. November 1827 über das Landgestütwesen. Der Ministe- rialoertreter wies darauf hin, daß er die Aufhebung der Verordnung vom 14. November 1827, welche die Privathengsthaltung verbiete, im Interesse der Förderung der genossenschaftlichen Hengsthaltung für wünschenswert halte. Von Mitgliedern des Vorstandes wird demgegenüber die Ansicht vertreten, daß mit dem Gesetze von 1827 der Staat die Ver­pflichtung zur Hengsthaltung in genügendem Um­fange übernommen habe und daß man sich mit der Aufgabe des Gesetzes nur dann einverstanden er­klären könne, wenn der Staat die Verpflichtung auch weiter voll anerkenne Schließlich erklärte der Vorstand, grundsätzliche Bedenken gegen die Auf­hebung des Kurhessischen Gesetzes vom 14. Nov. 1827 dann nicht zu erheben, wenn 1. der Hengstbe­stand des Hessen-Nassauischen Landgestüts minde­stens erhalten bleibt, 2. durch Erlaß einer Körordnung die Privatheng st Hal­tung einer sachverständigen Aufsicht unterstellt wird, 3. vom Staate Mittel zur privaten Hengsthaltung bereit gestellt werden, 4. im Falle der Erfolglosigkeit der Bemühungen zur För­derung der Privathengsthaltnng auf tunlichste Ver­mehrung des Hengstbestandes des Landgestütes Be­dacht genommen wird. j

Märkte.

* Frankfurter Gctreldemaritberlchi vom 8. Jull. Am heutigen Markte war das Geschäft kehr ruhig. Landweizen war in alter Ware nicht mehr offeriert. Neue Ernte, lieferbar August-S^piember, zu ca. 20.75 Mark franko Frankfurt offeriert, ohne Käufer zu finden. Roggen lag gleichfalls sehr malt. Hafer in guten Qualitäten lebhaft gefragt und fest. Mais bei starkem Angebot vernachlässigt. Mehl ohne Geschäft. — Es notierten: Weizen: hiesiger und Wetterauer 00.00 bis 00.00 Mark, auf dem Lande abgeholt 00X0 bis 00.00 M., kurhessischer 00.00—00 00 M., nord- deulfcher 00.00—00.00 M., amerik. Redwinter 00.00 bis cO.OO M., Kansas 00.00—00.00 M., russischer Nicolaseff 24.25—24.75 M., Saxonska 24.25—24.50 M., Ulka 24.25-24.50 M„ Azima 24.25—24.50 M., La Plata 23.50—24.00 M., rumän. 23.50—24.25 Mark, Mulla Wall» 25 00—25.50 M. — Roggen: hiesiger, 20.75 bis 20.90 M., auf dem Lande abgeholt 20.30—20.50 Mk.,Pfalzer 00.00—CO.OO M. russischer20.25 —21.00 M., rumänischer 00.00—00.00 M. — G erste: hieß 00.00 bis 00.00 Mark, Pfälzer 00.00-00.00 M., fränkische 00.00—00.00 M.,Riedgerste 00.00-00.00 M., ungarische 00X0—00.00 M., Futtergerste 00.00—00.00 M. — Safer: hiesiger und Wetterauer 21.75—22.00 M., kurhess. 21.85 - 22.15 M., hager. 21.90—22.15 M., La Plata 18.00—19.25 Mark, russischer 22.00—22.50 Mark. — Mais (Mixed) 18.00—18.25 Mark, Donau­mais 16.50-17.00 M-, La Plata 16.75—17.00 Mark, Odessa 18.20—18.35 M., russischer 18.25—18.50 Mark. — Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: stetig. — Es notieren je nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 82.00—32.25 M., südd. Nr. 0 32.00-32.25 M., hiesiges Nr. 1 30.00 -30.25 M., süddeutsches Nr. 1 30.00 -30.25 M„ hiesiges Nr. 3 27.(0- 27.25 M., süddeutsches Nr. 3 27.00—27.25 M., hefiges Nr. 4 24.00—24.25 M., srwdeutfches Nr. 4

Mit seinen großen, steifen Schritten ging er durchs Dorf bis hinaus zur Brücke, wo der Weg nach rechts abzweigte und flußaufwärts führte. Dort lag die Mühle, ein großer, alter Bau mit hohem, schwärzlichem Ziegeldach.

Die Mühle mit allem Grund und Boden rings­um, mitsamt der „Wassergerechtigkeit war seit drei Wochen sein Eigentum. Er hatte sie gekauft, um hier eine große Sägerei und zugleich ein Elektrizstätswerk einzurichten, welches das Dorf mit Licht und elektri­scher Kraft versorgen sollte. Auch an den Bau einer elektrischen Bahn dachte er, um die Menge von Holz, die es hier in den Wäldern gab, rasch ahzusetzm und diesen entlegenen Ort an den Weltverkehr zu knü­pfen.

Ohne Arbeit konnte er nun einmal nicht leben, und überdies versprach er sich von seinen Unterneh­mungen reichen Gewinn. An die Vor- oder Nach­teile, ioelche seiner Heimat daraus erwuchsen, dachte er dabei nicht; denn alle Arbeit und alles Schaffen war ihm nur Selbstzweck. Diese Lebensanschauung hatte er sich „drüben" angeeignet und gedachte sie nun auch in der Heimat in Anwendung zu bringen. Als lockendes Ziel stand ihm immer der goldene "Ge­winn vor Augen, den sein Unternehmen abwarf, und nicht mit Unrecht nannte ihn Doktor Haller, eine vi^genannte. Operette perfilierend: „Den Mann aus dem goldenen Westen!"

Unter seiner Hand wurde in der Tat alles, was er anfaßte, zu Gold! — ■—-

WauernM'ut.

ß4) Roman von Felix Nabor.

,^lauf mir ein Nettpferd, Pa!" fuhr Lizzie un­beirrt fort. „Ich will die Gegend ansehen — zu Fuß ist es mir zu schmutzig. Kann ich es bis Sun- day haben? — Well, dann will ich hier bleiben. Ein Goldfuchs wäre mir am liebsten. Wirst Du das nicht vergessen? — Dann ist's gut — Thank Hou, Pa! — Jetzt will ich schlafen, dabei vergeht wenig-- steris die Zett! Good Right, Pa!"

Mister Henry sah ihr mit finsterem Gesichte nach „Good damn!" sagte er, „es ist Seit, daß ich rasch handle! Sonst kommt mir Lizzie in die Quere Und verettelt meinen ganzen Plan! — Und das darf nicht sein, ich will meine Rache haben! Gott geb', daß der Bengel, auf den sie es abgesehen hat, häß- lich ist wie ein Neger! — Freilich ist schließlich auch das kein Hindernis für sie! Darin ist sie wie alle freien Amerikanerinnen: ihren Willen setzt sie durch und wenn darüber der Himmel einstürzt. Ich glaube, sie wäre imstande, meinen Chauffeur zu heiraten, falls -er ihr gefällt! Aber no, no, dearling, so weit sind wir noch nicht! Ich habe andere Pläne mtt dir! — Mit deinen dreißig Millionen kannst du «nspruch «ns einen Grafen machen! — Den laufen mir einfach — und die Krone dazu! — Well! Lizzie hat recht: man muß alles im Leben als Geschäft be­treiben; dann wird was daraus!" m efhob sich, nahm den Hut und verließ das Gasthaus. Draußen stich er den Hut in den Nacken, stWie die Daumen in die Westentaschen und blin- 8 te in die <s>pnne. Die Leute, die vorübergingen, geritzten so tres als ob er ein Fürst wäre. Wohl- ß”®3, bemerkte er es. „Well", dachte er, „ich etn Fürst des Goldes! — Das Goll, wacht den Manu zum Herrn der WM — und Xivta) zum Herrn dieses Tales! -—- Ehedem nannte snan mein Geschlecht die „Bauernkönige". — Ich °ber bin mehr - ich bin der Goldkönig und werd: .Arcine.Ktacht jetgen!"

Mit einer Energie ohnegleichen betrieb er die Arbeiten, und gegen hundert Arbeiter und Handwer­ker waren beschäftigt, dSn alten Bau zu verjüngen und den Zwecken des neuen Besitzers dienstbar zu machen. Die Fundamentierungsarbeiten zum Bau des Elektrizitätswerkes waren ebenfalls schon in An­griff genommen, und allenthalben wurde mit einer Hast gearbeitet, wir man eS hier zu Lande noch nie gesehen hatte. Alles vollzog sich tu fast beänastigen- der Eile, und niemand, der dies sah, zweifelte, daß die große Sägerei schon im Herbst, das Elektrizitäts-

man ihm versetzt, beachtete er nicht; dafür war er immer zu hoch über ihnen gestanden.

Aber das Erscheinen des Steinbauern verursachte ihm eine unbehagliche Stunde. Dieser erschien eines TaaeS unvermutet auf dem Wildhofe und verlangte Aufschluß über das vereinbarte Heiratsprojekt; aber nach echter Bauernart rückte er nicht gleich mit der Sache heraus, sondern sprach vom Wetter, von bim Hagelschlag, von b*«i Frachtpreisen und von den hohen Steuern.

Der Wildhofer ließ ihn gewähren und kam ihm keinen Schritt entgegen; es nützte za doch nichts mehr, sich in weitere Unterhandlungen über eine verlorene Sache einzulassen.

Keim zweiten Glase Wein schob der Stemhoftr die Pf«f- vom rechte» in ben Unken Mundwinkel, blinzelte den Wildhofer an und sagte: „Und der __________ Baldl, — was wacht denn der? Du, wie mein ; Äeriies iösitisJ.jCäitaI tec» .aätoxi hat, hat st: iu

Mister Henry prüfte die Arbeiten mit einer Gründlichkeit, als ob er in seiner Jugend alle Hand­werke selbst ausgeübt hätte, und gab seine Anord­nungen kurz, klar und bestimmt. Eine, Widerrede gab es da nicht. '®ie Arbeiter fürchteten ihn wie ein gebranntes Kind das Feuer und strengten ihre Kräfte in einer Weise an, daß ihnen beständig der Schweiß von der Stirne lief.

Als der Amerikaner seine Inspektion beendet hatte, bestellte er seinen Chauffeur mit dem Auw zur Mühle und fuhr in die Stadt. Er wollte für seine Tochter ein Pferd kaufen und zugleich die An­gelegenheit mit feinem Bruder so rasch zum Abschluß bringen, daß Lizzie keine Zeit fand, ihm znvorzukom- men oder störend in den von chm besttnimten Lauf der Dinge einzugreifen.--

Für den Wildhof kamen bange, schwere Tage. Es gab Stunden, in denen sich der Wildhofer vorkam wie ein zum Tode Verurteilter, dem die Richter noch eine Gnadenfrist gewährten. Wie heimliche Todes­angst vor der letzten entsetzlichen Stunde beschllch es ihn da.

Das Urteil der Leute, die kleinen Nadelssiche, die

24.00-24.25M. — Roggenmehl, hiesiges, Nr. 0 27.75 bis 28.00 M., do. Sir. 01 26.75—27 00 M., do. Nr. 1 25.75—26X0 M. Alles per 100 Kilo inklusive Sack loko hier. — Futterartikel: ruhig. — Weizen­schalen 12.25-12.50 M., Weizeukleie 12.15—12.40 M, Roggenkleie 15.00—15.20 M., Weizen-Futtermehl 16.00 bis 16.25 M., Biertreber, getrocknet, 15.00—15.25 M., Malzkeime 14.00-14.50 M., Rapskuchen 14.02—14.25 Mk., Palmluchen 15.00—15.50 M., Melasseprodukte 00.00-00.00 M., Kartoffeln 0.00-0.00 Mark. Alles per 100 Kilo netto effektiv loko hier bei Abnahme von 10900 Kilo.

* Frankfurter amtliche Notierungen der ViehmnrkV preise vom 8. Juli 1912. Auftrieb: 1439 Rinder leinschl. 22 Rindern aus Oesterreich-Ungarn und Rindern aus Schwedens darunter 573 Ochsen, 59 Bullen, 807 Färsen und Kühe, 00 Fresser 270 Kälber, 210 Schafe, 2566 Schweine. Preise für 1 Zentner: Rinder: A. Ochsen: a. vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachlwertes höchstens 7 Jahre alt (Lebendgewicht! 55—60 Marl, (Schlachtgewicht! 99 bis 104 M., die noch nicht gezogen haben (vngejocht) (Lebendgewicht! 00- 00 M., (Schlachtgewicht! 00-00 Mark, b. junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete (Lebendgew.! 50—53 M., (Schlachtg.s 91—97 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere [Sebenbgero.J 45-49 M., (Schlachtgew.! 83—91 Mark, J. gering genährte jeden Alters (Lebendgew.s 00-00 M., (Schlachtgew.! 00-00 M. B. Bullen: a. vollfleffchige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes (Lebendqew.s 49-52 M., (Schlachtgewicht! 81-86 M., b. vollfteischige jüngere (Lebendgewicht! 44—47 Mark, (Schlachlgewft 73—78 M., c. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere (Lebendgewichts 00 - 00 M., (Schlachtgew.! 00 - 00 M., d. gering genährte (Lebdgew.j 00-00 M., (Schlachtgew.! 00-00 M. C. Färsen- und Kühe: a. vollfteischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachlwertes (Lebendgewichts 50—54 M., (Schlachtgew.! 89—96 M., b. vollste: schige, ausgemäftete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren (Ldgow.l 49—53 M, (Schlachtgew.! 91—95 M., c. 1) wenig gut entwickelte Färsen (Lebend gew st 46—49 M-, (Schlachlgst 88—94 M., do. 2) ältere ausgemästete Kühe und wenige gut entwickelte jüngere Kühe (Lebendgewst 43—48 M./ sSchlachtgewst 80—89 ®f., d. mäßig genährte Kühe u. Färsen (Lebendg-! 33-40 M., (Schlachlg.s 66 -80 M-, e. gering genährte Kühe und Färsen (Lebendgew.s 26—30 Mk., (Schlachtgew.! 59—67 M. D. Gering genährtes Jungvieh (Fresser) (Lebeidgcw.s 00—00 M., (Schlachtgst (00 - 00 M. Kälber: a. Dovpeieuder fernste Mast (Lebendgew.s 00 — 00 M., (Schlachtgew.! 00—00 M b. feinste Mast- (Vollmilchmast! und beste Saugkälber (Lebendgew.s 00—00 9JL, fSchlachlgew.s 000-000 M.. r. mittlere Mast- und gut« Saugkälber (Lebendgew.s 58-62 M., (Schlachtgew.s 98—105 M., d. gering« Saugkälber (Lebendgew.s 51—56 M., (Schlachtgew.s 86—95, e) geringe Saugkälber (Lgw.s 03—00, (Schlacht­gew.s 00—00M. Schafe: A. Wcidemastfchafe: tuMast« lämmer und jüngere Masthämmel (Lebendgew.s 41—00 Mk., (Schlachtgew.s 86-00 M-, b. ältere Masthämmel und gut genährte Schafe (Lebendgewichts 00- 00 St, fSchlachtgew.s 00—00 M„ c. mäßig genährte Hammel und Schafe < Merz-Schafe) (Lebendgewichts 00—00 M., Schlachlgwichts 00-00 Mark, d. Marschschafe oder Mederungsschafe (Lebendgew.s 00—00 M., (Schlacht­gew.s 00-00M. B. Stallmaftfchaf«: 00. Schwein«r a. vollfleischige Schweine von 80—100 kg Lebendgewicht (Lebendgew.s 60V,-62". M., (Schlachtgew.s 78-80 M.. b. vollfleischig« Schweine bis 80 kg Lebendgewicht (Lebendgew.s 63-611/. M., (Schlachtgewst 77-79 M.. c. vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht (Lebendgew.s 61-62V. M., (Schlachtgew.s 78—79 d. vollfleffchige Schweine von 120—150 kg Lebend« gew. (Lebendgew.s 601/.—62 M., (Schlachlg.s 78 bis 79 Mark, e. Fettschweine über 150 kg Lebendgewicht (Lebdgew.s 00 -00 M., (Echlachtgw.j 00 -00 Mark, f. unreine Sauen und geschnittene Eber (Lebendgew.s 00- 00 Mk., (Schlachtgewichts 00-00 Mk. Markt! verlauf: Rinder flott, Kälber gedrückt, Schaft ruhig- Schweine lebhaft; e8 wird ausverkauft.

Gottesdienstordnung.

Mittwoch, 10.Juli. Fulda. Nonnenkirche. V.9 Uhr Hochamt.

Sieüameu- und öluzeigeuteil. v*

NESTLE

Altbewährte NahnunQ '£ fübKinder und Kranke

heulen angefangen und plärrt und plärrt, bai $atof?"r^Qrm* er wieder jj’funb, der

»Wie ein Fisch im Waffer!" sagte Hochgruber.

Ihn freute es, den alten Fuchs in der Falle zappe!« zu lasten.

„Scachher könnten wir ja die Sach wieder be- reden — wie g’fagt, die Rosel läßt mir keine Ruh net. Was meinst denn, hat's seine Richtigkett zwi­schen der Rosel und dem Baldl?"

schau, Steiner, — das weiß ich neti Da mußt schon den —■ den -— ntt, de» Bub'» selber fragen."

„Wa—aaas?" Der Steiner dehnte das' Wort« lent, als ob es einen Meter lang Ware, und horchte mif. Etwas im Klang von Hochgrubers Stimme sagte ihm, daß hier nicht alles in Ordnung fei. „Ja — was ist denn g'schohen, Wildhofer?" .

„Ich hab' de» — den Buben aus'm Hans ge­jagt. Warum ich's ’tan hab', das mußt ihn selber fragen. Vielleicht sagt rr's Dir — vielleicht auch net! Und ob er Deine Rosel heiratet oder »et —« das wird auch er am besten wissen." Und voll Zorn »nb Bitterkeit stieß er hervor: „Er sitzt da drüben auf'm Rabeuhof — da kannst ihn treffen!"

Der Steinhosrr ließ vor Staune« und Schrecken beinahe feine Pfeife falle». „O ment — o mein, — jetzt so was! — Was wird meine Rosel sagen? — Die ist ja rein verschaffen in den Baldwiu! — Di« wird mir verrückt, wen» sie de» Bub'« net kriegt! — Ja, was fang ich denn an, was fang ich an?"

Drr Wildhofer zuckte die Schultern, ohne Ant, wort zn geben, und trommelte mit den Fingern auf den Fensterscheiben.

Der Stein« blinzelte zu dem riesenhafte» Man« hinüber, und fast sche» klang seine Frage: «Du, ich hab' da eine Glock'» läuten Horen — ja, eS geht eät so kurioses G'red um im Land — ja, üfs den» wahr, daß — daß D« be« Herrenwald verkauft hast — und 's Vi:ch — und d' Rösser?" -

IgortjetwM folg^