Einzelbild herunterladen
 

ttfaem tagnd e*t Utisitof!** der Som« HittSeiettege. Viertel« sSbrttchervezinss^preis »l;nt Veinserlohn rind veM-elomMbafo- wie auwo&rts 1-50 Mt verantw. »etzMenrr

LaNZchrtttr, für die Anzeigen:

A.parzeller tii 5«lda.

»MM» »er »«i ttner etwfp.C*leiel« teile, 47 em »rett, kosten 5pfz. Reüaimt ver Baam einer Cole# ntljeile, 74 mm bretfc kostet 4» pfg. BeiWiN drrhslungen HabatiL Kür Äfferi« u. Lu»runft. ««zeige» 20 psg. cxtrL

Ho tattonobr«« h. vertag der Kaida« Lekiendkackerei uZutdq Lerasprecher Vr. »

SB

j 153. Erstes Blatt.

Fulda, Montag

Nach der Kaiserbegegnung.

Kaiser Wilhelm ist von Baltischport zurück« und stattet vor Antritt seiner Rordlandreise einmal der Kaiserin in Potsdam einen eintägigen ab, während sich der Reich Skanzler noch mige Tage in Rußland aushalten wird. Die Kaiser» “8e m i>em kleine« estländischen Hafen haben damit vyc j&nbt erreicht. Hebe* da- Ergebnis wird jetzt amtlich gemeldet:

Di, Begegnung Seiner Majestät deS Kaiser, and Xontgl mit Seiner Majestät dem Kaiser von Rußland tr*/* .ei"e!t besonder, herzlichen Lharakter unb bildete einen neuen Beweis für die Freund« fchaftSdeziehnngen, welche die beide« Herrsch« fett langen Jahren verbinden. Der »edankenan,« att# biese« Anlaß »wischen den in der Begrün« Ihrer Majestäten befindlichen Staate ^^.L’L.,Wctt£|efUnbW ** «-ab ans, neu« den 5S btibtM ^dera bestchenoo«

^^ad-tle«. Dtepolittscho« Aussprachen, bte sich nuf sämtlich. Xe,e8f,«ge« «streckten, habe» beidersetl, die «eberwagn», befeSt^,

X „Extratouren."

Diesen Ausdruck hat Fürst Bülow in das politische Wörterbuch gebracht. Er meinte, Deutsch­land brauche nicht gleich einen roten Kopf zu be­kommen, wenn daS verbündete Italien mal eine Extratour mit Frankreich oder England tanze.

Augenblicklich gestattet sich Rußland eine Extratour. In Frankreich gibt es aber viele Leute, denen darob der Kopf rot wird, und auch die ver­schworenen Feinde Deutschlands in England und Zubehör sehen mit Mißbehagen nach Baltischport.

Gute Miene zu dem Spiel am Balttschport macht die offiziöse Londoner.Westminster Gazette^, indem sie ausführt: Die Begegnung der beiden Kaiser biete ein gute, Beispiel für bte Behauptung Bülow», daß eine Gruppierung der Machte m Bündnissen und Ententen vereinbar fet tnit den freundlichsten Beziehungen putschen dm Mitgliedern verschiedener Gruppen. Da, englische Blatt wirft sogar noch die Frage auf, warum nicht auf ahn« kicher Grundlage ei« gleiche, gutes Einvernehmen zwischen England und Deutschland be- stehen sollte. „

Gewiß, wenn die Engländer trotz ihrer doppelten Entente mit Deutschland eine Extratour tanzen wollen, so werden wir ihnen keinen Korb geben. Die Mission des Lord Haldane in diesem Frühjahr sah schon nach einer Vorbereitung dazu aus. Die Sache ist eben inzwischen nicht weiter gediehen, und die Optimisten wagen höchstens zu hoffen, daß unse r neuer Botschafter Frhr. v. Marschall die Extratour in Gang bringe« werde. In den den ts ch e n Ab­sichten oder Interessen liegt kein Hindernis für ein gleich gutes Verhältnis zu England wie zu Ruß­land. Aber es hat sich noch im vorigen Sommer mit erschrecklicher Deutlichkeit gezeigt, daß England doch etne etwa, andere Stellung zu Deutschland einnimmt, als Rußland. Unser russischer Nachbar hat uns in die marokkanische Suppe gespuckt. Er stritt unseren kolomalpolttischen und Handelsbe­strebungen nicht in den Weg. Er denkt auch nicht über bte Vernichtung unserer Flotte nach. Ruß­land stellt sich zur Zeit in den Beziehungen zu Deutschland auf den einfachen Standpunkt: Leben und lebe« lassen! Wen« die Engländer sich entschließen, uns ungestört leben zu lassen, so können wir ihnen ungeachtet ihrer sämtlichen Ententen recht kräftig die Hand schütteln.

2)en Franzosen wird es freilich schwerer, sich mit der Extratour ihres Verbündeten in Pots­dam und in Baltischport abzufinden. Für sie hat das Bündnis mit Rußland ja nur den einen Sinn und Zweck drr Revanche. Sie wollen die Hoff­nung nicht fahren lasten, daß eines Tages doch die Rechnung von 1871 revidiert werde, und zu einem Rachekriege genügt ihnen nicht die Freundschaft Englands, sondern sie brauchen unbedingt die Bei­hilfe ter kontinentalen Großmacht Rußlands. Es gehört also nach französischer Auffassung zum Wesen des Bündnisses, daß Rußland in Oppo- stion zu Deutschland steht. Mit allen sonstigen Mächten darf Rußland sich aufExtratouren einlassen; nur mst Deutschland darf es nicht flirten, wenn nicht das Herz von Marianne zerrissen werden soll. Daher verstehen wir den Aerger der Franzosen und wissen die Selbstbeherrschung zu würdigen, die sich zur Zeit die besseren Zeitungen in Frankreich auf« erlegen. Zu ihrer Beschwichtigung trägt beträchtlich die bevorstehende Reise Poineare's nach Ruß­land bet Die Vertretung Frankreichs wird gewiß höchst glänzend empfangen und umfeiert werden; dadurch wick> der Eindruck von Baltischport auf die Masten toieber ausgeglichen werden. Die theatra­lische Aufmachung braucht uns aber nicht zu küm­mern. Wir rechnen keineswegs auf eine Erschütte­rung deS russisch-französischen Bündnisses, sondern find schon gufrieben, wenn Rußland aus die un­ruhige und abenteuerliche Politik Iswolskh's endgtltig verzichtet und in den gemessenen Bahnen Leibt, die es seit Sasonow's Antritt eingehal- tm hat

Der Ausdruck „Extratour" war seinerzeit im Hinblick auf Italien geprägt worden. Was Italien augenblicklich leistet, ist weniger eine Extratour, als ein verwegener Solotanz. Ita­lien gehört zum Dreibund, ist aber weder ein b e - quem et, noch «n sicherer Kamerad. Zum Glück sind wir nicht auf bte Hilfe Italiens derartig angewiesen, wie Frankreich auf die Hilfe Rußlands. Daher lasten uns die Sonderbewegungen der ita­lienische« Politik ziemlich kalt. Worauf es uns entkommt, das ist die Solidarität von Deu 1 schIand und Oesterreich So lange bte unerfchüttert ist, betrachten wir das Hin und Her 6er übrigen hohen Politik als Extratouren, die für ben Augenblick interessant, aber nicht von durch­schlagender Bedeutung' sind.

des allgemeinen Friedens dauernd von der höchsten Be­deutung bleibt, die wechselseitige, auf gegenseitigem Vertrauen beruhende Fü hlungnahme aufrecht zuerhallen. Es konnte sich weder um neue Ab­machungen handeln, da hierzu ein besonderer An- laß nicht vorlag, noch auch darum, irgend welche Aeuderungen in der Gruppierung der euro­päischen Mächte herbeizusühren, deren Wert für die Aufrechterhaltung deS Gleichgewichts und des Friedens sich bereits erprobt hat Die Begegnung von Baltisch- port kamt daher mit vollem Recht allenthalben mit Genugtuung begrübt werden; während sie einer­seits die feste und dauernde Freundschaft zwischen Deutschland und Rußland bezeugt, bedeutet sie anderer­seits auch einen beredten Ausdruck der friedlichen Grundrichtungen, welch« die Politik beider Reich« in gleichem Maße bestimmen.

Die ,Nordd. Allg. Ztg.' schreibt:

In dem Geist, wie sie geplant war, ist die Kaiser­zusammenkunst vor Baltisch «Port verlaufen. Schöne Tage ungetrübten Beisammenseins wurden unserem Kaiser durch die Gastfreundschaft des Kaisers Nikolaus in den russischen Gewässern bereitet. Sie verliefen tu herzlichem verwandtschaftlichem Verkehr zwischen den Mitgliedern der beiden Herrscherhäuser und boten Gelegenheit zu offener und vertrauensvoller Besprechung der politischen Fragen durch die Monarchen und ihre Minister. Ueberraschungen sollten dabei nicht vorbereitet werden. Der Wert der Aussprache liegt darin, daß sich auf beiden Seiten der Wille gefestigt hat, dauernd« Fühlung zwischen Deutschland und Rußland tn den großen Tagesfragen zur Wahrung deS europäischen Friedens zu unterhalten.

AbschiÄ» und Heimkehr.

W Baltischport, 7. Juli 1912. Freitag abend war Tafel an Bord der „Hohenzollern". Danach fanden kinematographische Vorführungen statt, bei denen ganze Szenen von der Nordlandsreise des Kaisers 1911 und der diesjährigen Mittclmeerreise gezeigt wurden. Alsdann hielten die Majestäten Cercle ab, wobei die Monarchen miteinander eine angeregte Unterhaltung flogen und wobei der Zar von Rußland den Reichskanzler, wie schon am msten Tage, abermals in ein längeres Gespräch zog. Sams­tag war die Abschiedsfrühstückstafel an Bord der „Standard". Nach der Tafel ging die „Hohenzol­lern" mit den Begleitschiffen in See nach Swine- münde, wo die Ankunft Sonntag abend erfolgte. Von dort reiste b'tr Kaiser sofort mit der Bahn weiter. Er traf Sonntag abend 11.6 Uhr an der Station Wildpark ein und begab sich ins Neue Palais.

Der Reichskanzler in Petersburg.

* Petersburg, 7. Juli 1912. Der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, der Botschafter Graf Pourtalös, der russische Ministerpräsident Kokowzew und der Minister des Aeußern Sasonow sind heute morgen hicr eingetroffen. Der Reichskanzler wohnt bis zum Mittwoch in der deutschen Botschaft.

Deutsches Reich.

♦♦ Berlin, 7. Juli 1912. Prinz Eitel.Fried« rich beging am Sonntag seinen 29. Geburtstag. — HandelSmmister Sydow stattete am Samstag vormittag der Städtcausstcllung in Düsseldorf einen Besuch ab.

— Staatsminister a. D. Hobrecht f- Der frühere Oberbürgermeister und spatere Finanzmini­ster, Ehreribürger von Berlin, Arthur Hobrecht, tft in Groß-Lichterfelde bei Berlin im Alter von 88 Jahren gestorben. — Hobrecht wurde im Jahre 1863, damals Hilfsarbeiter im Ministerium des In- nern, zum Oberbürgermeister von Breslau gewählt. Nenn Jahre später wurde er Stadtoberhaupt von Berlin. Nach dem Rücktritt des Finanzministers Camphausen trat Hobrecht am 26. März 1876 in besten Stelle, schied jedoch wegen Differenzen mit dem Fürsten Bismarck bereits im Juli 1879 wieder aus bem Ministerium. Im Herbst 1879 wurde Hob­recht von dem Wahlkreis Preußisch-Stargardt in das Abgeordnetenhaus und 1881 für Marienwerder in den Reichstag gewählt, wo er zu den Führern der nationalliberalen Partei gehörte. 1893 wurde er nicht wiedergewählt.

% Tas Inkrafttreten der Bersicherungsgesetze. Wie wir in Berliner Blättern lesen, wirb die Veröffent­lichung der gesetzlichen Bestimmungen über die Un« fall- und Krankenversicherung bereits im nächsten Reichsgesetzblatte erfolgen, nachdem bet Kaiser den Vorlagen seine Unterschrift gegeben hat. Als Zeit­punkt für das Inkrafttreten der Unfallversicherung ist der 1. Januar 1913 festgesetzt, während die Krankenversicherung, wie wir bereits mitteilten, erst am 1. Januar 1914 ht Wirksamkeit treten soll.

♦ Keine Beschwerde gegen Frhr«. » d. Goltz. Ver­schiedene italienische und auch deutsche Blätter hatten gemeldet, daß die italienische Regierung in Berlin förmlich Beschwerde gegen Generalseidmarschall Freiherr« v. d. Goltz, wegen beste« auch von un­erwähnten Artikel in der,N. Fr. Pr.' erhoben hätte. Die ,Frankf. Ztg.' glaubt feststellen zu dürfen, daß diese Meldung nicht ben Tatsachen entspricht. Wenn in freundschaftlichen, diplomatischen Unterhaltungen die Angelegenheit berührt worden sein sollte, so würde man deutscherseits wohl nicht verfehlt haben, auf die Ausschreitungen hinzuweisen, die gegen Deutschland auch heute noch in der italienischen Presse verübt werden und mit denen der durchaus ruhige und sachliche Artikel des Frhr« v. b. Goltz nicht zu vergleichen ist.

(*) Stuttgart, 7. Juli 1912. Mit dem Abschluß de» Wahlabkommens zwischen Volksparteller und National!iberalep in Württemberg ist es noch nicht»! Die nationalliberalen und volk-parteilichen Herren, die al» „Vertrauensmänner" bas Abkom­men in Stuttgart am grünen Tisch zusammen be­rieten, haben zu wenig mit den Verhältnissen brau» tz»n im Land gerechnet. Der nationalliberale Par» teiauSfchuß hatte die Delegierten nach Stuttgart be» der voll-parteiliche Abschluß hat juzwi-

ben 8. Juli 1912.

39. Jahrgang.

schen getagt. Allein das bereits abgeschlossene Abkom­men fand die Genehmigung der nationalliberalen Parteiinstanzen nicht; es müssen also beide Par­teien in neue Verhandlungen eintreten. Die loka­len Verhältnisse und Strömungen waren eben stär­ker, als die Parteileitungen glauben möchten, man kann über sie nicht einfach hinweggehen, wenn nicht das ganze Abkommen scheitern soll. In Ludwigs­burg-Stadt z. B. sind bereits zwei liberale Kandida­ten ausgestellt. Auch in Heidenheim und Tübingen- Amt sind beide liberale Parteien schon mit eigenen Kandidaten ausgetreten. Die rechtsstehenden Natio­nalliberalen erwarten von einem Wahlabkommen mit der ins sozialdemokratische Lager hinüber lieb­äugelnden Volkspartei nichts. Sie sind nicht mit Unrecht der Ansicht, daß die nationalliberale Partei wieder mal von der Volkspartei übers Ohr gehauen werden soll. Da die Volkspartei aber ihre Felle nicht gern davonschwimmen sehen möchte, droht sie der widerspenstigen nationalliberalen Partei. Der „Be­obachter" schreibt nämlich, die Nationalliberalen dürfen sich nicht mehr lange überlegen, sonst werden die volksparteil. Bezirksorganisationen in ihren Be­zirken mit der Aufstellung von Kandidaten beginnen, ohne auf die Nationalliberalen Rücksicht zu nehmen.

Ausland.

** Der italienische sozialistische Parteitag hat in Reggio begonnen. Es wird dort der Gegensatz zwischen der radikalen und der gemäßigten Richtung zum Austrag kommen, wie er in der Frage der Stellung der Partei zum Kriege und zum Kabinett ausbrach.

** lieber de« neuen Ausbruch von Katholtkenhaß in Irland wird noch gemeldet:

W. London, 6. Juli 1912. In der hauptsächlich von Protestanten bewohnten irländischen Stadt Bel­fast, wo schon seit einiger Zeit Demonstrationen gegen die Katholiken stattfinden und katholische Arbeiter aus den Fabriken vertrieben werden, zogen in der vergangenen Nacht 4000 Mann aus dem unionistischen Klub, die durch Parteigänger auf 10000 verstärkt wurden, durch das katholische Viertel, be­schädigten die Geschäfte der Katholiken, warfen die Fenster der katholischen Schule, der katholischen Kirche, des Pfarrhauses und einer nationalistischen Zeitung ein. Die Polizei war machtlos. Die katholischen Arbeiter, die im Laufe der Woche aus den Fabriken vertrieben worden waren, und sich gestern ihren Lohn abholen wollten, wurden angegriffen und mißhandelt.

Berichte von anderer Seite stellen die Sache be­denklicher dar. So berichtet der ,Berl. Lok.-Anz.':

London, 6. Juli 1912. Die Feindseligkeiten der Orangem en in Belfast gegen katholische Arbeiter nehmen einen besorgniserregenden Charakter an. Die Behörden treffen Maßnahmen, um die Katholiken durch Militär schützen zu lassen. Die größte Schiffsbaugesell­schaft in Belfast „Harland and Wolff' macht bekannt, daß sie die Werke schließen werde, wenn die Unverträg­lichkeiten nicht eingestellt werden. Freitag abend marschierten etwa 4000 Orangemen mit vier Musikkapellen durch die Stadt Belfast und ver­übten Gewalttaten aller Art. Als der Zug den Mittelpunkt der Stadt erreicht hatte, war er zehntausend Mann stark, und die Polizei konnte sich ihm nicht widersetzen. Läden und Werkstätten, die Katholiken gehörten, wurden erbrochen und ge­plündert, und in manchen Fällen wurden die Waren einfach zerstört. In Donnegal Street wurden sämtliche Häuser übel mitge« n o Minen. Namentlich hatten es die fanatischen Massen auf das Bureau einer nationalistischen Zeitung, eine katholische Schule und die Kathedrale abgesehen. Kein Fenster in diesen Gebäuden blieb ganz. Kon­ditoreien, Wirtschaften und Fleischerläden, deren ziem­lich viel in dieser Gegend sind, wurden voll­ständig geleert. In Antrim Road und Duneairn Gardens wurden alle Fenster eingcworfeu. Der Aufruhr dauerte lange bis nach Mitternacht. Viele große Werke haben bedeutenden Schaden erlitten. So wurden in den Sirocco-Werken alle Modelle und Gußformen zerstört. Auch aus anderen Orten in Ulster Country wird von Gewalttaten der Orangemen gegen Katholiken berichtet. In Lisburn wurden die auf einem Ausflugs begriffenen Schüler und Schüler­innen eines katholischen Institut- gesteinigt.

Das Blatt bemerkt dazu: „Es braucht kaum be­merkt zu werden, daß alle diese Gewalttätigkeiten auf das Treiben politischer Agenten gegen „Homerule" zurückzuführen sind." — Diese Erscheinungen sind sehr bedenklich. Sie zeigen, mit welchen Mitteln die englischen Großkapitalisten, die den ganzen irischen Grund und Boden in Händen haben, die Einführung der Selbstverwaltung in Irland und damit die Durchführung einer gesunden Bodenpolitik auf der grünen Insel zu verhindern suchen.

* Monarchistische Unruhen in Portugal. In der Näh» von Fase im Distrikt Braga ist e- tn ben ländlichen Ortschaften Moreira und Vinho zu monarchistisch en Unruhen gekommen Truppen und Maschinengewehre gingen in einem Sonderzuge von Oporto ab; sie machten aber unterwegs wieder Halt, da die Unruhen bereits unterdrückt waren. Es scheint, daß bte Bewegung sich auch auf andere Ortschaften im Norden erstreckt. ES werden zahlreiche Verhaftungen vorge­nommen. Auf der Straße zwischen Monforte und Orens« ist gestern ein Automobil mit 90 Mauser­gewehre«, 80 Mauserbajonetten sowie 19000 scharfen Patronen ungehalten worden. — 150 portugiesische Monarchisten überschritten in der Nacht zum Sonntag den Minho und griffen Va­lencia an, wurden aber mit einem Verlust von drei Toten und mehreren Verwundeten zurückgeschlagen. 80 Monarchisten, die über bte internationale Brücke über den Minho zurückgehrn wollten, mußten sich bitt spanischen Behöredn ergeben. Andere, die durch Schwimmen entkommen wollten, hatten dasselbe Schicksal

* Türkei. Aus dem türkischen Hexenkessel kom­men sehr aufregende Meldungen: Nach Berichten au- Konstantinopel hat sich die albanesische Militärver­schwörung auf einen großen Teil der europäischen Türkei au-gcdehnt. Der Mailänder „Serolo" ver­breitet btt allerdings noch unbestätigte Nachricht von einer Meuterei der türkischen Infanteristen der Davdchrellen-Gamiion, Sollte die Nachricht sich

bestätigen, so befände sich die Türkei in einer überaus bedenklichen Lage, denn die Dardanellen sind das Einfallstor in die Hauptstadt, und von der erfolg­reichen Verteidigung dieser Position gegen feindliche Angriffe hängt das Schicksal des osmanischen Rei­ches ab.

Lokales.

Fulda, den 8. Juli 1912.

! Auszeichnung. Archivrat Dr. Joseph Rübsam zu Regensburg, eilt geborener Fuldaer, wurde in diesen Tagen zum Mitglied berSacieti storic» Lombarda in Mailand erwählt.

jdj AuS ben katholischen Vereinen. Der St. Josephsverei« kathol. Arbeiter erhielt gestern abend nach längerer Verwaisung in der Person des Herrn Domkaplans Dr. Müller einen neuen Präses. Der Diözesanpräses der kathol. Arbeitervereine der Diözese Fulda, Herr Dom­kapitular Herbener, stellte den zahlreich erschienenen Mitgliedern de« neuen Arbeiterpräses vor. Er gab den Gefühlen der Trauer und Wehmut der Mit­glieder Ausdruck über den Weggang des letzten Präses Alsheimer, der rote kein anderer um den Josephsverei» sich verdient gemacht habe. Diese- Gefühl der Trauer schwinde nun, da der Verein den Präses erhalten habe, den er si ch selbst wünschte. Möge der neue Präses in seinem neuen Amt viel Freude haben und den Verein zu roertcrem Blühen und Wachsen bringen, das war bet Wunsch des Herrn Diözesanpräses. In seiner Vegi Übung gelobte der Vizepräses Herr Reith dem neu n Präse- allezeit festes Zusammenhalten der Mitglieder. Der neue Arbeiterpräses Herr Domkaplan Dr. Müller beton'«, daß er allen mit einem offenen Herzen entgegenkomme, er wolle stets jedem Mit­glied« mit Rat und Tat zur Seite stehen, allen sich dienstbar erweisen. Möge Gott seinen Segen dazu geben. Der Josephsverei» sei in der ganzen Diözese als gutgeleiteter Arbeiterverein bekannt. Weil auf der Jugend die Zukunft liege, wolle er besonder- der Jugendabteilung des Vereins seine ganze Kraft widmen. Die Worte wurden sehr beifällig aufge­nommen. Den übrigen Teil bei Abends füllten Lieder und Vorträge aus, auch erfreute die unter Leitung des Herr» Lehrer? Kalb stehende Gesang S« abteilung die Versammlung durch gut roiebergegebene Männerchöre. — Dei JünglingSverei« bet Dompfarrei hat ebenfalls einen neuen Präses erhalten. Anstelle des von hier versetzten Herrn Domkaplans Rippert wurde zum Leiter de- Jugendverein- Herr Domkaplan Möller ernannt — Die beide« Jugendvereine der Dom« und Stadtpfarrei zogen gestern mittag mit ihrer Musikkapelle und Trommlerkorp ach dem Peters« berg, um den dortige« Jüngliugsoerein gelegent­lich der Aufnahme neuer Mitglieder zu besuchen. Rach dem feierlichen kirchlichen Akte, bei dem Herr Stadtkaplan Börsting die Festpredigt hielt, zogen die Vereine durch daS Dorf und bann zum Saale des Schwesternhauses. Dort vergnügten sich die Jünglinge bei Kaffee und Kuchen, Theaterspiel, Gesang und Musikvorträgen auf das vortrefflichste. Um */i9 Uhr zogen die beiden Vereine unter Musik» klang wieder in die Stadt ein.

Hk. Durchlochte Stempelmarkei» für statistische An­meldescheine. Es waren Zweifel darüber entstanden, ob die Verwendung durchlochter Slempelmarken nuf ben statistischen Anmeldescheinen zulässig seien. Der Minister für Handel und Gewerbe hat nunmehr mitgeteilt, daß gegen die Verwendung von statistischen Stempelmarken, die zur Verhütung von Markendieb­stählen durchlocht st b, keine Siebenten bestehen, so­fern sie als echt unb noch nicht gebraucht kenntlich sind.

'QT, Postscheckverkehr. Um den Bewohnern de- platten Landes die Benutzung des Postscheck­verkehrs weiter zu erleichtern, hat daS Reichs-Post­amt angeorbnet, daß einzelne Z chlkartenformulare, die bisher nur an den Schaltern der Postämter unb Postagenturen unentgeltlich verabfolgt wurden, da, wo em Bedürfnis dafür vorliegt, auch bei den Post« Hilfsstellen und durch die LandbriestrSger kostenfrei an da- Publikum abgegeben werden.

= Eine wichtige Erfindung. Ingenieur Ferd. Schneider, Fulda, der Erfinder der Methode zur Einführung der „drahtlosen Einheitszeit", hat der „Umschau" zufolge, eine neue Erfinduiig auf dem Gebiete der drahtlosen Telegraphie zum Patent angemeldet. Sie soll ermöglichen, drahtlose Tele­gramme auf die größten Reichweiten durch de« Morseschreiber automatisch zu fixieren. Auf große Reichweiten kann die Aufnahme drahtloser Tele­gramme zurzeit nur durch Abhöre» im Telephon geschehen.

0 Geschädigte werden gesucht! In einer beim Landgericht in Elberfeld anhängigen Strafsache gegen Artur Ortmann wegen Betrugs ist ermittelt worden, daß der Beschuldigte in hiesige» Zeitungen eine Anzeige veröffentlicht folgende» Inhalts: »Wer schriftlichen Nebenverdienst sucht, schreib« an Versandhaus, Postlagernd Dortmund, ober auch an Versandhaus Ortmann." Es sind dem An ge­schuldigten darauf eine große Menge von Briefen zugegangen, deren Absender um näher« Angabe« zu der Anzeige baten. Er hat darauf an eine An­zahl dieser Absender geschrieben, er bäte um Zu­sendung von zwei Mk., bann würde ihnen Material zmn Abressenschreiben zugche«. Ein« Anzahl der Personen, welche diesen Brief erhielten, haben auch b;e zwei Mark eingeschickt. Personen, bie nun von Ortmann zur Zahlung wm zwei Mk. ersucht worden sind ober welche zwei Mark fogaX eingeschickt haben, werden aufgefvrdert, sich beide« Polizei umgehend zu melden.

§ Festgensmmen wurde gestern durch bi« Polizei ein junger Mann, der im April ). I. feinen <6U«ni in Böhmen durchgebrannt war und sich als 8'tgeln» Arbeiter beschäftigen ließ. Papier« hatte der Fest, genommene nicht bei sich. ___

<f> Die Fuldaer Sieger beim SentaW« Bebra, über da- wir ü» anderer Stelle beruhten«