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59. Zahrgaug. agäSSgA, W

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3. Blatt.

vr«<k Mit» Verlag der Krldaer rlttlrndntckrrel

in Znlda.

X Die Spioneuserrche.

Keine Woche vergeht, in der nicht über entlarvte Spione berichtet wird. Wie viele Spione mögen noch unrntdeckti hr unsauberes Handwerk ausüben? Jedenfalls darf man annehmen, daß wir mit einem ganzen Netze von Ausholern und Verrätern überzo­gen sind, sodaß die Wachsamkeit aller Bürger geboten ist. Die Polizei allein genügt nicht. Jeder Deutsche, der je in die Lage kommen sollte, von einer Spio­nage etwas zu wittern, muß mithelfen, um dem ge­fährlichen Treiben dieser Gesellen ein Ende zu be­reiten.

Man betrachtet in vielen Kreisen diese gehäufte Spionage als einen Vorboten kriegerischer Verwicklungen, indem man sagt, daß nur vor großen Kriegen solche Veranstaltungen getroffen würden; mitten im Frieden hätten sie keinen Zweck. Dies: Auffassung ist falsch und schief; es liegt derzeit kein besonderer Grund zu solchen Befürchtungen vor. Die nächste Ursache der zunehmenden Spionage ist vielmehr darin zu erblicken, daß heute die T e ch n i k sehr schnell voranschreitet; wer einen Vorsprung von zwei Jahren hat, der ist kaum mehr einzuholen, namentlich im Flottenbau und im Waf­fenwesen. Darum sitzen die Spione tote Heuschrecken an der Wasserkante herum. Freilich muffen wir uns gegen diese ungebetenen Gäste schützen. Die heutigen Gesetze sind strenge anzuwenden, man darf nie auf Festungshaft erkennen, fondern sperre die Spione stets ins Zuchthaus. Wer durch seine Tätigkeit das Vaterland gefährdet, hat solche Straf: zu gewärtigen; der muß auch der bürgerlichen Ehrenrechte verlustig gehen, unter Polizeiaufsicht ge­stellt werden und fein Vermögen muß eiugezogen werden. Es wird den Beifall des ganzen Volkes fin­den, wenn die schärfsten Strafen angewandt wer­den. Darum keine Begnadigung mehr, auch nicht fremder Offiziere; dies wirkt geradezu aufmunternd für Spione. Die Behörden dürfen solche Urteile nie zur Begnadigung vorlegen; das wäre ein Fehl­griff. Mait lasse b:n Spionen auch nicht zu viel Freiheit bei der Abbüßung der Straft; sie sollen vielmehr mit Schrecken an den Kerker denken. Wenn unser Volk jährlich Hunderte von Millionen Mark für seinen Schutz ausgibt, dann soll jeder Verräter auch entsprechend gestraft werden; das erheischt die Gerechtigkeit.

Reichsgericht, werde hart!

Deutsches Reich.

*♦ Ministerpräsident ton Hertlmg für die Erb- schastssteuer. Wie die „Tägl. Rundschau" gehört haben will,

„ist von der bayerischen Regierung ei» Widerstand gegen die Erbschaftssteuer nicht mehr zu ermatten. Es darf vielmehr nach Aeußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten Freiherrn v. Hertlmg angenommen werben, daß Bayern im Bundesräte für die Erbanfallsteuer stimmen wird, wenn der Reichs­kanzler sich entschließen sollte, einen Entwurf über die Erbanfallsteuer vorzulegen. Der Bundesrat wird bei seinem Wiederzusammentritt Anfang September den Entwurf des Reichsschatzamtes vorstnden und sogleich in seine Beratung eintreten. Voraussichtlich dürfte im Laufe des Septembers eine Zusammenkunft der bundes­staatlichen Minister in Berlin stattstnden, um zu den Vorschlägen des Reichsschatzamtes Stellung zu nehmen".

Diese Behauptungen sind falsch: 1. hat Bayern und sein Ministerpräsident zu der Frage der Be­sitzsteuer noch gar keine Stellung genommen; es wurde nur der Antrag Bafsermann-Erzberger von ihm angenommen; 2. ist es ganz ungewiß, ob Preu­ßen die Erbschastssteiter im Bundesrat beantragen toirb; 3. wird das Reichsschatzamt im September noch gar keinen Entwurf vorlegen; 4. wird eine Zusammenkunft der einzelstaatlichen Minister im September nicht stattfinden. Man sieht also, wie derzeit die Enten aufflattern und wie kühn die Phantasien dieser Leute sind.

c7 München, 5. Juli 1912 In der bayerischen Kammer kam gestern Kultusminister Dr. Knil- l i n g auf die Angriffe gegen die geistliche Schul­aufsicht zurück. Gegenüber dem Abg. Dr. Müller (Hof)-Meiningen stellte er ft st, daß die Verfassung die geistliche Schulaufsicht nidrt geschaffen, sondern borgefitnbcn habe. Für die Protestanten fei sie im § 6 des Protestantenedikts verfassungsmäßig festge­legt worden. Dies: Garantie für die konfessionelle Minderheit sei geschaffen worden, während man die Festlegung für den katholischen Volksteil nicht für notwendig hielt. Es sei aber selbstverständlich, daß die Einrichtung für beide Konfessionen in gleicher Weise bestehe. Die Rechtsgrundlage war vor der Verfassung vorhanden, und den Katholiken kann etwas nicht entzogen werden, was für die Prote­stanten verfassungsmäßig gesichert ist. Daran an­schließend rechtfertigte der Minister den „Kirchen- zwang" damit, daß die Schule nicht nur eine Unter­richts-, sondern auch eine Erziehungsaufgabe habe.

zu der in erster Linie die religiös: Erziehung gehört. Dann rechtfertigte der illlinister seinen Erlaß gegen die Agitation des Guttemplerordens an den Schu­len, wobei er die maßlosen Angriffe auf ihn seitens der liberalen Press: zurückwies und kategorisch er­klärte, daß er sich durch keinerlei Angriffe von seiner Ueberzeugung abbringen lassen werde. Was an Verzerrung und Entstellung geleistet worden sei, überschreite alle Grenzen und sei ein bedauerlicher Beweis dafür, wie im politischen Kampf: der Maß­stab für eine objektive Würdigung immer mehr ab­handen komme. Seine Wichtigkeit, der Abg. M ü l- l e r (Hof)-Meiningen, hatte immer noch nicht genug. Er wollte dem Minister beweisen, daß er doch recht hätte. Es hätte sich jemand ein Verdienst um den Abg. Müller erwerben können, wenn er ihm geraten hätte, zu schweigen, aber entweder fand sich niemand, oder seine Bemühungen waren umsonst. Das, was der Minister gesagt hatte, konnte aber alle Recht­haberei nicht erschüttern. Am auffälligsten war die große Unklngheit, mit der Dr. Müller bic Herüber­nahme der geistlichen Schulaufsicht aus dem Prote­stantenedikt für den katholischen Volksteil bekämpfte. Schon diese Formulierung zeigt, daß er die Sache nicht kapiert, aber daß er so gar kein Verständnis zeigt für die Parität, für die er sonst zu schwärmen scheint, war sehr interessant. ,

Aus dem Nachbargebiete.

* Hann.-Miindeo, 5. Juli 1912. Mit dem Bau der Diemeltalsperre wird es jetzt Ernst. Das königliche Talsperrenbauamt in Helminghausen macht bekannt, daß auf die Ausschreibung bet Vau- arbeiten 14 Angebote eingelaufen sind. Die Tal­sperre wird erbaut bei dem Dorfe Helminghausen, hart an der Grenze zwischen Waldeck und Westfalen. Die Diemelialsperre wird in einer landschaftlich ent­zückenden Gegend entstehen. Das obere Dieweltal ist trotz seiner Schönheiten noch wenig bekannt. Die Diemel entspringt auf dem 770 Meter hohen, zum Waldcckcr Uplanb gehörenden Hohen Pön, durch­fließt bann die vom Waloecker Gebiet unrfchlossene preußische Enklave Eimelrod und tritt bald daraus auf westfälisches Gebiet. Nachdem sie die Hopeke ausgenommen hat, nähert sie sich wieder bet ival» deckschen Grenze bald hinter Marsberg, und dort soll bann bei dem wa'deckschen Dorfe Helminghausen die Sperre gebaut werden. '

* AuS dem Ohmtal, 5. Juli 1912. Für beu Futtermangel des vorigen JahreS bietet das dies­jährige mehr wie vollen Ersatz. Eine solche reich« Heuernte hat es in den letzten 25 Jahren nicht gegeben. Selbst die trockensten Bergwiefen werfen reichen Ertrag ab.

• Alzey, 5. Juli 1912. Ein junger Mann im Aller von 30 Jahren wurde hier plötzlich von hoch­gradiger Tobsucht befallen und wütete auf dem Friedhöfe in entsetzlicher Weise. Ter Unglück­liche riß eine ganze Anzahl wertvoller Grabdenk­mäler um und demolierte viele davon vollständig. Dann rannte et mit dem Kopse gegen die Grab­steine, sodaß er sich blutig schlug. Als er auch im Leichenhause sein Zerstörungswerk fortgesetzt und bereits den darin stehenden Ofen zerstört hatten, wurde et von Polizeibeamten nach hartem Kampfe überwältigt und gefesselt nach der LanbesirrenanstaÜ verbracht. __________

Handel mib Industrie.

* Berlin, 5. Juli 1912. Die heute lebhaftere Spekulation ist mit der Kaiser-Zusammenkunft, den guten Ernte-Aussichten und der allgemeinen Geld­erleichterung zu erklären. Eine glänzende Verfassung zeigte heute die Petersburger Börse, ebenso bet Kassa­markt.

Für die Zamhesi-MWon

gingen bei uns ein: Uebertrag 81.— Mk.

M. I. in Fulda........... ■ 10,— Mk.

Summa 91.— Mk.

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Weitere Gaben werben gerne entgegen genommen.

Msu verlange

Preisliste

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kOPEL^

£ Der Kampf gegen den Tod.

Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen, das chußteu schon die ältesten Völker. So nahm man denn das Sterben als ein notwendiges liebel hin. Aber mit dem Altern und seinen häßlichen Folgeer- scheinungen wollte man sich nicht ohne weiteres ab­finden. Dagegen mußte es ein Mittel geben. Alchi­misten suchtm während früherer Jahrhunderte in dunklen Gewölben neben bem Stein bet Weisen den Born, der ewige Jugend verleihen sollte. Irgendwo, in sagenhaften Landen, so ging die Mär im Mittel- alter, gab es Mühlen, in denen namentlich alt: Weiber wieder jung g:mahlen werden konnten. Auch bet Besitz gewisser Blumen und Steine vermocht: bem Alter zu wehren. Aber alle wurden alt und alle starben, selbst dann noch, als Weise und — Schwind­let die Welt mit ihren Schriften: „Die Kunst, ein hohes, glückliches Alter zu erreichen" und ähnlichen Traktätchen beschenkt hatten. Heut: hat sich sogar die ernste Wissenschaft mit der Frage der Abwehr des Alterns besaßt. Sell geraumer Zeit ist es nament­lich der Direktor des Pasteurschen Instituts zu Pa­ris, Professor Metschnikoff, der sich die Beant­wortung dieser Frage zur Lebensaufgabe gemacht hat. Auf Grund langjähriger Forschungen, die er bi einer großen Anzahl von Schriften veröffentlicht hat, glaubt er die Ursache des Alterns in gewissen Mikroben, also ganz kleinen Lebewesen, gesunden zu haben, die sich im Dickdarm des Menschen bllden. Zeitlebens besteht in bem engen Raum ein Kampf zwischen Gut und Schlecht; und wenn nun die schlechten Elemente, unter denen hauptsächlich ein gewisses Indol und Phenol zu fürchten sein sollen, die Oberhand gewinnen, so treten, mag der Mensch auch durchaus nicht einverstanden sein, lang­sam aber sicher die Alterserscheinungen, wie körper­licher Verfall und dergleichen ein. Erst in diesen Tagen hat Professor Meffchnikoff vor ber Pariser Akademie der Wissenschaft:n seine neuesten diesbe­züglichen Entdeckungen klargelegt und — tröstet euch alle, namentlich ihr schönen Frauen, die ihr nichts so sehr, als das Aftern fürchtet — er hat auch Erfolg in dem Kampfe versprochen. Dem Dickdarm soll die Möglichkeit der Zuckerbildung verschafft werden; denn auf Zucker sind bi: beiden jugendfeindlichen Hauptattentäter nicht geeicht. Zucker läßt sie altern und abfterben. Natürlich toirb die Zuckerbildung ebenfalls durch einen Bazillus verursacht und dieser Bazillus toirb der Darmflora des Hundes entnom­men. Er heißt Glykobakter. Dieser Glyko- bakter hat bei Ratten, denen er zuerst probeweise verabreicht wurde, wirklich das Indol und Phenol bezwungen. Nach den gelungenen Versuchen wur­den natürlich auch Menschen der Altersbakterien be­raubt, und auch hier wurde 'eine Abnahme der Gifte wahrgenommen. Metschnikoff setzt nun hoffnungs­freudig die Versuche mit dem neuen Lebenselexier fort. Aber allzu hoch wollen wir unsere Hoffnungen hoch nicht spannen. Gelingt es auch wirklich, einige Beschwerden des Alters zu erleichtern, der kö rp er- l i ch e Verfall wird sich doch nicht aufhal­ten lassen. Das bedingt schon unsere Ernährungs­weise und — unser Skelett.

Dieses Skelett besteht in der Haupffache aus phosphorsaurem und etwas kohlensaurem Kalk. Um es aufzubauen, muffen wir von frühester Jugend an diese und andere mineralische Stoffe dem Körper mit der Nahrung zufuhren. Nun wächst aber unser Kör­per nur eine Zeitlang, gewöhnlich bis in die zwan­ziger Jahre; die Nahrung mit den unorganischen Stoffen bleibt aber bis an das Lebensende dieselbe. Die Stoffe werden dann nicht mehr zum Aufbau verwendet, denn der ist abgeschlossen und zu Ergän­

zungen ist nur sehr wenig nötig, sie werden also ein­fach abgesetzt, und zwar in den Zellen der Knochen- getoebe und in den Arterien. Sowohl die Knochen, als auch die Arterien, und damit Nieren, Leber und Gehirn, werden dadurch s P r öd e und brüchig. Es ist klar, daß di: Darmgifte in solch einem verkalkten Organismus leichter Verletzungen und damit kör­perlichen Verfall herbeiführen. Die eigentliche Ur- fache des Alterns bildet also doch wohl unser Skelett; benn durch dieses toirb die Art unserer Nahrung be­dingt. Einen starken Einfluß hat aber auch die Le­bensweise. Die aus der Nahrung gezogenen Säfte werden mit dem Blutstrom durch Sen Körper ge­führt und an die einzelnen zu nährenden Organe abgegeben. Mineralien und Salze, die keine Auf­nahme mehr finden können, werden dabei in d:n schon bezeichneten Tellen abgesetzt; teilweise schtoim- men sie weiter und nur ein ganz geringer Prozent­satz wird wieder ausgeschieden. Der Blutkreislauf toirb aber durch die Herztätigkeit geregelt. Wird das Herz durch'irgendwelche äußere Einflüsse, wie Aufregung und dergleichen zu schnellerer Tätig­keit veranlaßt, so fließt das Blut schneller durch die Adern, es schlägt schneller an die Wände derselben und die Folge ist, daß sich große Mengen unzuträg­licher Stoffe an ihnen abscheiden. Unser heutiges hastendes Erwerbs-, mehr aber noch unser ausgear- teies Vergnügungsleben bieten Veranlassung genug zur Beeinträchtigung dec normalen Herztätigkeit. Daher kommt es auch, daß man in unserer Zeit so schnell altert; namentlich ist dies bei schwer berufs­tätigen, mehr ober noch bei ausschweifenden und la­sterhaften Menschen der Fall.

Vernunftgemäße Lebensweise, viel G e m ü s >: und Früchte, wenigAlkohol und Kaffee, dabei viel Bewegung in frischer Luft, können uns vor den allzufrühen Folgen bes Alterns bewahren. Aber trotz des vielversprechen­den Lebenselexiers des Herrn Professors Metschni- koff wird die Menschheit nie ganz dem Alter mit feinen mehr oder weniger unangenehmen und häß­lichen Begleiterscheinungen entgehen. Am besten ist es, das Altern als eine chronisch: Krankheit zu betrachten, die schon mit uns gebaren und groß wird. Solange wir dieser Krankheit keinen Vorschub leisten, macht sie sich nur wenig bemerkbar. Kommt sie aber wirklich unabwendbar — und einmal muß es ja sein — zum Durchbruch, dann muß eben, toi: über manches ander: Gebrechen, die Hoffnung auf ein Jenseits, ein heiterer Sinn und ein junges Herz, hinweghelfen. Wer die hat und bewahrt, ist besser daran als ein anderer mit hundert zweifelhaf­ten Lebenselixieren.

(*) Das Problem der Mondkrater.

Durch ein kleines Fernrohr gesehen, effcheint der Mond wie eine feingedrehte Elfenbeinkugel, die be­sonders in den helleren Partien mit winzigen an Pockennarben erinnernden Ringelchen besät ist. Bei starker Vergrößerung errät man unschwer die eigentliche Natur dieser merkwürdigen Gebilde: es sind Gebirge, ringförmige Wälle, die ein dunkles, kreisrundes Tal einschließen. Aus der Mitte des letzteren ragt gewöhnlich ein vereinzelter Berg in das helft Sonnenlicht hinein. Bei einigen ganz großen Wallebenen fehlt ber Zentralberg, ebenso bei der Unzahl kleiner, napfähnlicher Erhöhungen.

Seit den Tagen Galileis beschäftigen sich die Mondbeobachter mit der Entzifferung dieser eigen­artigen Gebilde. Durch Vergleiche mit ähnlichen Erscheinungen unserer Erdoberfläche suchte man der Lösung näher zu kommen, und da die Gchsel unserer Vulkane vielfach kreisförmig, so vermutete man in den Mondringen erloschene Vulkane. Allein ob­gleich diese Erklärung viele Anhänger zählte und der Name „Mondkrater" sich längst eingebürgert hat, standen doch große Schwierigkeiten entgegen, nicht nur wegen der ungeheueren Verschiedenheit der^ Dimensionen, sondern auch wegen vieler Ab.

weichungen in der Ausgestaltung, und in der wei­teren Ausführung der Erklärung ist manches ent­schieden Unhaltbare vorgebracht worden. Gerad: in neuerer Zeit sind daher andere Deutungsversuch: hervorgetreten, und es mochten Zweifel entstehen, ob die Kratertheorie überhaupt noch aufrecht erhal­ten toerben könne.

Tas Interesse für diese Frage ließ einen ge­lehrten deutschen Missionär, als er im August 1911 von Kalifornien nach Japan reifte, den Weg durch den Hawaii-Archipel wählen, um auf der vulkan- reichen Hauptinsel Beobachtungen anzustellen. Es war der Jesuitenpater Fritz Hillig, der diese seine Reise in mehreren von ihm 1912 veröffent­lichten Aussätzen beschrieben hat und nun auch das wissenschaftliche Hauptergebnis niederlegt in einem kurzen aber gehalwollen Beitrag zum Juliheft der „Stimmen aus Maria-Laach" (Freiburg, Herder). „Da, in Hawaii", "schreibt er, „erweitert sich unser Begriff „Vulkan". Neben dem Znckerhut aus vul­kanischer Asche und dem abgesprengten Tnsfkegel begegnet uns der Lavaring des Halemaumau und der gewaltige Einstnrzkrater Kilcmea. Die Haupt­elemente zu einer Theorie der Mondkrater liegen nicht nur als Resultat, sondern in ihrem lebendigen Wirken vor. . . . Hier steht es geschrieben, ganz klein ober deutlich, dasselbe, was droben an unserem Satelliten in Lapidarschrist eingegraben ist. Die Hauptzüge des (vorher mit lebendiger Ausführlich­keit) beschriebenen Vorganges können wir an den Hawaiischen Kratern ablesen: das Steigen und Fallen der flüssigen Lava, die Hebung und Senkung der Kratergegend, die Bildung des Erstarrungs­ringes aus Schollen und überrinnender Lava, die Aushöhlung des Kraierbeckens durch Schmelzung, seitlicher Austritt von Lavaströmen rsid Vefftärkung des äußeren Abhangs. Nur die Dimensionen stim­men nicht, und hier liegt eine Schwierigkeit. Ilm die Höhe der Mondwälle zu 'erklären, müßte man annehmen, daß die Lava bis nahe an die höchsten Spitzen gestiegen sei. Riesenbecken, die in einzigen Fällen über 100 Kilometer breit und mehrere Kilo­meter tief waren, müßten sich bis zum lieberlaufen füllen. Das klingt beinahe unglaublich. Da ist uns nun aber zum Glück ein stummer Zeuge am Monde selbst erstanden, ein Krater, zum Ueberslie- ßen voll, zu Steh! erstarrt. Der Krater „Wargen- tin" ist einer der kleinsten nicht; sein Durchmesser beträgt '87 Kilometer. . . Die Höhe des Ringes bezeichnet den Höhepunkt vulkanischer Tätigkeit."

Aus den MiMonen in China (Ost Schantuug.)

Einem Briese des hochw. P. Morandus Gäng 0- F. M. von der Thüring. Franziskanerordenspro­vinz (Fulda) aus Tschifu in Ostschantung an einen seiner Milbrüder im Kloster zu Salmünster ent­nehmen wir folgendes:

Tie Revolution ist tatsächlich lange noch nicht zu Ende, der Friede noch nicht hergestellt; ja die Uebergangszeit ist gewissermaßen schlimmer als der Krieg selber, denn die neuen Herrschaften müssen sich erst in ihrem Regftrungsfefsel festsetzen, ehe sie daran denken können, dem üppig wuchernden Räu- beruntoefen steuern zu können.

Tatsächlich knistert und flüstert cs in allen Ecken; hin und wieder bläst ein Windstoß die Asche weg und die Flammen des Auftuhrs lodern plötzlich lichterloh. Bor zwölf Tagen brach die Sette der Zebang (eine Boxerart) im Distrikt Poschan aus ihrem Schlupfwinkel hervor und verbrannte einen ganzen Marktflecken. Sie haben noch eine ganze Reihe von Ortschaften auf ihrer Brandliste; dar­unter auch die katholische Mission von Posckan, welche unserem p. Joh. Damascenus Jesacher (aus Tirol) untersteht.

Es zirkulieren zur Zeit dunkle Gerüchte von einer Gegenrevolution, die sich im Stillen vorbereite und cs auf die Ausrottung der Europäer abaefeben

habe. Sicherlich wird das Heer der alten Man­darine, welch: ihre eigene Existenz verloren, nicht müßig sein, sondern ihre geldbringenden Stellungen wieder zu erobern suchen.

Tie Republik schafft viele Soldaten an, um einer eventuellen Reaktion wirksam entgegentreten zu können. Tschiftl steckt voll Militär, mehr als es ertragen kann. Man glaubt sich schier nach Metz verletzt; nur sieht hier alles viel verlotterter ans. Man bemüht sich zwar modernisiert zu wer­den; man hat auch schon Fortschritte gemacht, toe- nigstens im Aeußeren. Zu einem tüchtigen Krieger gehört aber noch so manches andere, was den hie­sigen Elementen abgeht, Schulbildung, Gesittung, Treue usto. Nichtsdestoweniger glaube ich nicht, daß das alte Kaisertum noch irgend welche Stoß­kraft besitzt, die ihm Aussicht auf Erfolg verleihen könnte.

NB- An Christi Himmelfahrt wurden hier (vor dem ehemaligen Pesthospital) sechs Soldaten er­schossen, weil "sie in d:r Uniform der Republik unter ihren Kameraden für den Kaiser Propaganda zu machen suchten.

Zur Zeit ist unter dem neuen Regime eine ge­wisse Sympathie für die Missionen und das Chri­stentum nicht zu verkennen, während früher die kaiserlichen Mandarine trotz aller Toleranzphrasen versteckte Religions- und Fremdenhasser waren. Doch setzen auch jetzt noch manche, die vorläufig in! ihrer Stellung verblieben, jene ihre antichristliche Taktik fort. Und was unserem Missionswerk selbst, noch in der nächsten Zukunft beschiede» fein wird, läßt sich zur Zeit noch nicht Voraussagen. Ueber- lassen wir deshalb diese unsichere Zukunft der gött­lichen Vorsehung; sie wird alles zum Besten lenken, und sollte auch Chinas Boden noch mehr des Mar« tyrerbftltes bedürfen. Einstweilen bitte ich um Dein und Deiner Mitbrüder frommes Gebet. , 1

Allerlei >

— Die Kunst der Rede. Wir leben im Zeitalter des Redens! Was wird doch heutzutage alles ge­redet! Zu welch ästthetischen Meisterwerken werden di: winzigen 25 Laute des Alphabets oft zusammen­gesetzt, aber auch zu welchen saft- und kraftlosen, limonadenmatten Gedankenempfindungen. Von Trivialitäten unb Hetzereien ganz zu schweigen. Wer nicht zu reden versteht, der redet gewöhnlich am meisten, am liebsten. Mancher glaubt, nur durch die Quantität der Wort: zu wirken, ein anderer macht nur wenige Satze mit einigen Pointen, mit einigen Schlagern und gewinnt alle Herzen und Sinne. Wie oft verläßt man einen Vortrag mit dem Gefühle: weniger wäre mehr gewesen. Die Menschen können jetzt vieles, sehr vieles, aber gut zu reden verstehen die wenigsten. Sie denken gor nicht daran, daß das Reden eine Kunst ist! Man gehe in die Familie, was wird da nicht alles geschwatzt und gesprochen von früh bis abends, anstatt daß Vater oder Mutter kurz und bestimmt die Erziehung der Kinder regeln. Man geh: ins Parlament, gehe in Versammlungen — ach, die vielen zwecklosen Worte! Wer flimmert sich hier um die Ethik der Polemik? Im alten Athen, sagt Treitschke, ging der Schön­heitssinn so weit, daß ein Redner sich durch einen einzigen Verstoß dem öffentlichen Hohngelächter preisgab! Dos ist jetzt anders. Wer einigermaßen fließend sprechen kann,' düntt sich schon ein geborener Redner. Aber es gehört doch wohl noch etwas mehr dazu! Das wissen sehr genau auch die Geschäftsrei­senden; sie nehmen die Menschen, wie sie si: für ihre Zwecke haben wollen. Jeder verlangt eine andere Kunst der Rede. Im allgemeinen sind wir ja auch jetzt noch für motorisches Blendwerk, für die kunst­volle Form sehr empfänglich, aber doch auch wieder zu kritifch, als daß wir, nicht ein feines Empfinden für den rednerischen I n h al t hätten. Und in dieser Beziehung qualitativ mehr zu leisten als quantita» üb, das ist ein Kunststücks • xati«