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M 151.

Zreitag den 5. 3nli (912.

39. Iahrgasg.

• Ttsldacr W Zeitung *

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2. Blatt.

vruck «nd Verlag der $«lbaer Arttenkruckerek in Fulda.

Im zuletzt genannten Staate

A

Washington

Virginia Georgia

Einwohner: 1141990 2061612 2 609121

Katholiken: 90000 76000 17 240

KathoOtm: 2 788076 1381212' 1447 400 1616920 583000 556 703 412 973 255000 126033

Nach diesen Verhältnissen niüssen wir die Lei­stungen und. Erfolge der nordamerikanischen Katho­liken beurteilen, insbesondere auch ihre literarische und politische Lage, die im Catholik Direktory in etwa berührt wird durch ein genaues Verzeichnis aller katholischen Zeitungen und Zeitschriften. 320 katholische Zeitungen und Zeitschriften werden nam­haft gemacht, darunter nur 6 Zeitungen, die täg­lich, 4 die halbwöchentlich und 129 die wöchentlich erscheinen, fast alle übrigen monatlich. 228 werden in englischer Sprache herausgegeben, 45 in deutscher, 2 in englischer und deutscher, 15 in polnischer, 10 in böhmischer, je 6 in französischer und italienischer, je 2 in slovakischer und slovenischer, je eine in hollän­discher, spanischer, ungarischer und Indianer- Sprache. Diese Verschiedenheit der Sprachen läßt uns ahnen, mit welchen Schwierigkeiten die Seel­sorge zu kämpfen hat. Daher auch die verschieden- arügsten religiösen Orden und Kongregationen aus aller Herren Länder, die im freien Amerika sich zu- sammenftnden. The Catholic Directory zählt 66 männliche und 163 weibliche Orden und Genossen­schaften auf.

Hiermit sind nur einige Proben aus dem groß­artigen amerikanisch >n Jahrbuche geboten, das seine Angaben nach den Berichten der bischöflichen Kanz­leien zusammengestellt hat. Ein vorzügliches alpha­betisches Ortsverzeichnis und ein besonderes Na­mensverzeichnis des gesamten Klerus erhöhen den Wert und Nutzen des Directory, das in Europa sei­nesgleichen nicht findet.

New Dort Massachusetts Illinois Pennsylvania Louisiana Wisconsin Konntet cut Rohde Island New-Hampshire

„Davon ist keine Rede, aber — er gehört ja meinem Vater! Und der wird mir ihn niemals übergeben!"

„Sollst ihn doch haben, Baldwin! — Und nun wollen wir nicht länger Hinterm Busch halten. —- Schieß' los mit der Wahrheit, alter Waldbär!" wandte er sich an den Förster. „Ich will inzwischen Deiner Fran „guten Dag" sagen und sehen, ob in Deinem Keller noch ein trinkbarer Tropfen zu fin­den ist."

„Ich verstehe den Doktor nicht!" sagte Baldwin überrascht.

„Na ja", knurrte der Förster. „Der Grobian! Jetzt sill ich wieder die Suppe auslöffeln. Aber einmal mußt Du es doch wissen, Baldwin! Also — wir beide, der Doktor und ich — wir haben Deinem Vater den Rabenhof mit allein Feld rings­um bis zum Herrenwald um 10 000 Mark abgekauft und suchen nun quasi einen Pächter. Das heißt — wir möchten ihn am liebsten gleich wieder ws sein. Darum überlassen wir ihn Dir um die be­sagte Kaufsumme — wenn Du willst!"

_ „Ob ich will!" rief Baldwin und ergriff des Försters Hände. „Mit taufen!) Freuden! Aber wo- her soll ich so viel Geld nehmen?"

„Dn. brauchst keinen Pfennig, Baldl! — Das Geld lassen wir als erste Hypothek auf dem Hof stehen, zehn, zwanzig Jahr — so lang Du willst! Dafür zahlst Du vier Prozent — und zur ersten Einrichtung strecken wir Dir gern noch ein paar Tausend vor. Das heißt, der Doktor tut das! Der hat Geld wie Heu! Dem kommt's auf ein paar braune Lappen nicht an. Bei dem mußt Du Dich bedanken." —

Baldwin suhlte, wie es heiß in ihm emporquoll. Seine Augen wurden feucht. Er schämte sich der Tränen nicht und sagte mit bebender Stimme: „Ihr guten, lieben Menschen! — Wie soll ich Euch nur danken? Erst habt ihr mir das Leben gerettet — und nun schenkt ihr nur. eine Heimat! — Habt ihr denn wirklich so viel Ziertrauen zu mir. daß ihr mtt so viel Geld anvertraut?" —.■

. Im zuletzt genannten Staate gibt es nur eine Diözese, die nach der Seelenzahl zwar klein ist, aber an, Ausdehnung ganz Süddeutschland einschließlich Elsaß-Lothringen noch weit übertrifft. Der Staat Montana ist bedeutend größer wie das Königreich Preußen, hat aber nur zwei Diözesen mit 85 000 Katholiken, also nicht so viel Katholiken, wie manche rheinische oder westfalische Großstadt schon allein aufweift.

Deutsches Nelch.

* Tie deutsche Schrift im Heere. Durch einen besonderen Erlaß hat der Kommandierende General des Gardekorps, Gen. d. Inf. von Löwenfeld, den Offizierkorps sämtlicher ihm unterstellten Truppen­teile die Anwendung der lateinischen Schrift in dienstlichen Schreiben untersagt. »Auslän­dische Sitte und Art werden," so heißt cs in dem Erlaß, „schon viel zu sehr in Deutschland nach­geahmt, als daß nun auch noch die deutsche Schrift preisgeoeden werden darf."

— Die „gelben Gewerkschaften", oder wie sie sich nennen, die „vaterländischen", „königstreuen" oder „nationalen" Arbeitervereine hielten in den letzten Tagen in E s s en ihren diesjährigen Bundestag ab- In der dem großindustriellen Kapitalismus nahe- tehenden Presse ist von dieser Tagung viel Aufhe­bens gemacht worden. Nach den Berichten über die Verhandlungen will die „gelbe" Bewegung große Fortschritte gemacht haben. Dem Hauptausschuß na­tionaler Arbeiterverbände, dem Kartell der „gelben" Vereinigungen verschiedenster Schattierung, sollen gegenwärtig insgesamt 150 000 Mitglieder an ge­lassen sein, gegen 130 000 in 1911 und 106 000 in 1910. Für das Vorjahr wird ein Gesamwermögen von 900 000 Mk. angegeben, das jetzt eine Million überschritten habe, zum größten Teil jedoch in Wohl- ährtseinrichtungen angelegt sei. Wenn auch die angegebenen Ziffern mit Vorsicht aufzunehmen sind, insbesonder mit Rücksicht auf die Art und Weise, wie die 'Mitglieder für „gelbe" Vereine gewonnen werden, so ist dennoch nicht zu verkennen, daß diese Bewegung sich anschickt, größere Arbeiter­massen in ihren Kreis zu ziehen. Das ist be­dauerlich, denn mit allen sozialpolitisch Weiterbli- ckcnden muß man in den „gelben" Bestrebungen nicht nur eine verfehlte, sondern eine gefähr­liche Bewegung erblicken, weil sie in ihren letzten Konsequenzen nicht den vorgeblichen wirtschaftsftied- lichen Zwecken, sondern den zersetzenden Kräften des

Statistik der katholischen Kirche in den Bereinigten Staaten.

Von P. Jordauus, 0. P.

Die neue Ausgabe des „Official Catholic Direc­tory (Newyork 1912, Kennedy und Sons) kann emen gewissen Neid in uns deutschen Katholiken Wecken. Können wir jenem Werke etwas Aehnliches an die Seite stellen? Wenn wir erfahren wollen, ob in der Stadt N. ein katholisches Gymnasium ist, oder wo ein uns bekannter Priester der Diözese Ermland angestellt ist, ob die Stadt N. ein Waisenhaus hat, welche Ordensleute in N. wirken, ob in N. eine ka­tholische Zeitung erscheint, wie viele von katholischen Ordensleuten geleitete Schulen es in der Schweiz gibt, da bedürfen wir eines ganzen Apparates von Nachschlagewerken und Schematismen, um in etwa Auskunft zu erhalten. Oft finden wir aber nur An­gaben für das Jähr 1909 und 1910, sodaß wir noch auf briefliche Erkundigungen angewiesen sind.

Der katholische Amerikaner findet alle statisti­schen Angaben seiner Kirche, ihrer Diener und Ein- richtungen in dem genannten „Official Catholic Di­rectory", das ihm di; erwünschte Auskunft gibt nicht nur für die Vereinigten Staaten, sondern auch für Alaska, die Philippinen, Kuba, Kanada, Neufund­land, Irland, England, Schottland und Wales.

Die Hierarchie der ganzen katholischen Kirche, d. h. ein genaues Verzeichnis des hohen Kardinals- Kollegiums und der römischen Kurie leitet das Werk ein. Darauf folgt eine allgemeine Uebersicht über die Hierarchie der Vereinigten Staaten, und dann folgen für jede der 14 Erzdiözesen und der 83 Bis- tümer alle nur erwünschten Einzelangaben. Neben solchen über die Diözesanverwaltung und den Pfarr­klerus erhalten wir die genaue Adresse jedes Prie­sters; bei jeder Pfarrei lesen wir die Anzahl der Kirchen und Kapellen, der höheren Knaben- und Mädchenschulen, der katholischen Pfarrschulen, der Gewerbe- und Industrieschulen der Waisen- und Armenhäuser, der Taubstummenanstalten und an­derer Einrichtungen der katholischen Charitas. Bei jeder Schule und Anstalt sindet man den Namen des Leiters, die genaue Zahl der Schüler, der Kran­ken, der Waisen usw. Die in jeder Diözese tätigen Orden nebst ihren Niederlassungen, deren Zweck, ihre Vorgesetzten, nichts ist vergessen worden.

Die Gesamtübersicht gibt uns recht interessante Zahlen betreffs der Entwicklung und Bedeutung der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten. Sad- liers Cath. Directory schätzte 1881 die Zahl der Ka­tholiken auf 6 315 210, die vorliegende Ausgabe des Directory zählt 15 015 569 Katholiken, die sich also seit 30 Jähren um fast 9 Millionen vermehrt haben. Die Vereinigten Staaten zählten 1910 zusammen 92 228 831 Einwohner. Bei der Zerrissenheit der prot. Sekten bilden die Katholiken die größte Re­ligionsgemeinschaft der U. S. A. 17 491 Priester, darunter 4495 Ordenspriester, sind in Kirche und Schule tätig. Es gibt 13 939 Kirchen, darunter 9256 Pfarrkirchen. Für den Nachwuchs des Priesterstan­des sorgen 83 Priesterseminare mit 6006 Kandi­daten.

Das katholische Schulwesen hat sich sehr erfreu­lich entwickelt. Neven 227 Kollegs für Knaben und 701 Akademies (höhere Schulen) für Mädchen gibt es 5119 Psarrschulen. In diesen drei Arten von Schulen werden 1 333 786 Kinder unterrichtet. Die Kosten für alle konfessionellen Schulen müssen die Katholiken selbst tragen, ohne von den allgemeinen Beiträgen für die Staatsschulen befreit zu fein. Außerdem liegt den Katholiken die Last, ob, die Mit­tel für den Unterhalt der Geistlichen, für die Er­bauung und Unterhaltung der kirchlichen Gebäude aufzubringen. Alle Anerkennung dem Opsermute unserer Glaubensgenossen jenseits des Meeres.

In einigen Staaten ist die Zahl der Katholiken recht beträchtlich im Verhältnis zur Bevölkerung:

* Ein Loch in der „roten" Theorie.

Mit einem fürchterlichen Ernste verweisen die Gegner unserer Schutzzollpolitik fortwährend auf die Preis st eigerungen des landwirtschaftlichen Grund und Bodens.

? Natürlich fällt es diesen Leuten im Traume nicht ein, den wahren Ursachen dieser Preis­steigerungen nachzugehen und die zahlreichen ver­schiedenen Gründe zu untersuchen, die hier zusam­men wirken. Mit verblüffender Selbstverständlich­keit wird einfach auch für die Bodenpreissteigerun­gen der alte, ewige Sündenbock, der Z o l l, einzig und allein verantwortlich gemacht. Höchst seltsam ist es auch, daß genau dieselben Leute sich keineswegs über die Hohen Bodenpreissteigerungen in städtischen und industriellen Gegenden aufregen. Im Gegen­teil sagt man hier: die Steigerung des Grund- und Bodenwertes ist für eine gesunde Entwicklung des Staatslebens notwendig und selbswerständlich, denn sobald sich ein Heruntergehen dieser Werte zeigt, so bedeutet das nicht nur ein Heruntergeheu der Wohl­habenheit, sondern auch der wirijchaftl. Bedeutung der betr. Stadt oder Gegend. Warum will man 'diesen Maßstab nicht auch für die Landwirtschaft •gelten lassen? Ueberdies vollzieht sich die Boden- ipreissteigerung in den Städten in ganz anderer, •stärkerer, sprunghafter, ja unberechtigt spekulativer Meise. Die landwirtschaftliche Bodenrente ist zum großen Teil erarbeitet; der Landwirt muß sich die Verzinsung des Geldes, das im Gute steckt, erst durch Arbeit herausholen, während der städtische Wertzuwachs meist ein Unverdienter" ist. Jene besorgten Herren wissen allerdings nichts davon, welch kolossale Kapital- und Arbeitsanfweiidungen unsere Landwirte in den letzten Jahrzehnten zur Verbesserung ihres Betriebs gemacht haben, wie viele Milliarden in Ackermeliorationen, Ent- und Bewässerungsanlagen, Düngungs-, Ge­bäude-, Gerätefonds usw. angelegt worden sind. Sollten diese kolossalen Aufwendungen und Ver- befferungen denn nicht auch im Preise zum Aus­druck kommen?

Höchst interessant ist nun die neueste Meldung, die aus Argentinier: zu diesem Kapitel berich­tet wird. JJür die argentinische Provinz Cordoba berichtet nämlich das dortige statistische Amt von .einer ganz erheblichen Steigerung der beim Verkauf von landwirtschaftlichem Boden erreichten Preise. In dem kurzen Zeitraum von 1905 bis 1910 stieg der durchschnittliche Verkaufspreis pro Hektar von 16,25 auf 68,75 Pechs (1 Pechs ---- etwa 1,80 Mk.), hat sich also mehr als vervierfacht. Dies diene als Beispiel dasür, daß die Steigerung der Bodenpreise eine so allgemeine Erscheinung ist wie die der Lebensmittelpreise und mit der Wirtschaftspolitik gar nichts zu tun hat. Argentinien ist ja auch eines der bedeutendsten Ausfuhrländer in landwirt­schaftlichen Erzeugnissen und hat gar keine Schutz­zollpolitik, wie wir sie in Deutschland haben. Cor­doba hat zwar große landwirtschaftliche Fortschritte, aber auch steigende Verschuldung aufzuweisen. Das neueste statistifche Jahrbuch der Provinz stellt eine hypothekarische Belastung für 1211700 Hektar Wirtschaftsland mit 45153 500 Pesas fest. Dem Verkehrswert von 68% Pesas pro Hektar steht dem­nach eine Belastung von 37% Pesas, d. i. also von 54 Prozent gegenüber. Die Verschuldung braucht indes nicht imluer als ein schädliches Zeichen ange­sehen zu werden. Selbst der Sozialist Kautsky schrieb damals in dec „Neuen Zeit" (1900, 430), daß gerade in den bessern Zeiten die Hypotheken­schulden am meisten stiegen. Dies rührt eben da­her, daß die Landwirte in aufstrebender Zeit zu weitem Meliorationszwecken neue Betriebskapita­lien aufnehmm und an legen.' Diesen Kapitalauf­wand wollen sie nachher aber auch natürlich bezahlt haben. So steigen also die Bodenpreise selbst auch tn Argentinien.

Bisher behaupteten die Freihändler immer, ge­rade der hohe Bodenpreis in Deutschland mache unsere Landwirtschaft gegenüber der ausländischen konkurrenzunfähig. Was aber würden sie nun Jagen, wo ihnen nachgewiesen, daß sogar in Argen­tinien, auf besten Lebensmittelzufuhr . sie immer Öe Hoffnungen gesetzt, die Bodenpreise in den n fünf Jahren so gewaltig gestiegen sind?

Sie haben wirklich Pech mit ihren kühnen Be­hauptungen, unsere armen Freihändler!

Radikalismus zugute kommen wird. Es ist gründ» falsch, wenn man glaubt, mit den der „gelben" Be» wegung zugrunde liegenden Ideen könne insbeson­dere der Sozialdemokratie wirksam begegnet werden. In unserer heutigen kapitalistischen Wirt­schaftsstruktur, namentlich in der Großindustrie, wo alle persönlichen Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeiter den rein geschäftlichen Weichen mußten, wird der patriarchalische Charakter des Arbeitsver­hältnisses mehr und mehr eine Unmöglichkeit. Das heutige industrielle Arbeitsverhältnis mit seiner fort, schreitenden Arbeitsteilung erzeugt im einzelnen Ar­beiter ein Gefühl der Hülslosigkeit gegenüber dem Arbeitgeber. Eine Aufmunterung bietet ihm, kann ihm nur bieten die freie, selbständige Arbeiterorgani­sation, die ihnt sein Standesbewußtsein weckt, sein Selbstgefühl und seine Selbstachtung toiebergibt Hier fühlt er sich als wichtiges und nützliches Glied eines großen Ganzen, als mitgestaltender Faktor, hier wächst der Arbeiter über seinen engen Gesichts­kreis hinaus. Nur auf diesem Boden kann eine hochwertige Arbeiterschaft mit der notwendigen In- telligenz und Fachbildung gedeihen, die unsere deutsche Industrie für ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmärkte unumgänglich notwendig hat. Die „Köln. Ztg.", die sich zum Anwalt der „gelben" Bestrebungen gemacht hat, geht vollständig sehl, wenn sie (Nr. 746) die angeblichen 150 000 Mit­glieder der „gelben" Bewegung als Beweis dafür ins Feld führt, daß es heute nicht mehr aussichtslos sei, das Verhältnis vom Arbeitnehmer zum Arbeit­geher unter Ausschaltung des Arbeitskampfes zu regeln. Wie viele von den Mitgliedern der „gelben" Vereine mögen über diese äußerst schwierige Frage wohl einmal ernstlich uachgedacht haben? Die überwältigende Mehrzahl von ihnen gehört den. „gel­ben" Vereinen an, weil es von oben gern gesehen, gewünscht ober mehr oder minder deutlich ver­langt wird, ferner weil ihnen Sonder vor­teile versprochen werden. Alles andere liegt außerhalb ihres Gesichtskreises. Im Wahlkreis Esten, wo die Gelben in 30 Zechenvereinen über 6000 Mitglieder verfügen, haben bei der letzten Reichstagswahl nicht wenige „gelbe" Werkvereinler bei der Stichwahl sich nicht nur neutral Verhalten, . sondern für den Sozialdemokraten gegen den bürgerlichen Kandidaten gestimmt, wie aus dem Stimmenverhältnis der einzelnen Wahlbezirke her­vorgeht. Das paßt schlecht zu der angeblichen natio­nalen Zuverlässigkeit der gelben Vereine, mit der ihre Gönner und Protektoren stets operieren. Es ist und bleibt ein Versuch mit untauglichen Mit­teln, wenn man mit künstlichen Organffationsgebil- den wie den „gelben" Vereinen der Sozialdemokra­tie Schranken errichten will. In Wirklichkeit ist dieser Gedanke auch nicht die treibende Kraft zur Gründung dieser Bewegung gewesen; sie verdankt chr Dasein vielmehr kapitalistischen Interessen, vor­nehmlich der Großindustrie. Die „gelben" Vereine wurden von Unternehmern oder ihren Beauftragten ins Leben gerufen, um gegen die selbständige Arbei­terbewegung ausgespielt zu werden. Andere Gründe haben auch polnische Nebenzwecke damit verbunden. In Augsburg, im Saargebiet haben politische Wah­len nach der Richtung hin eine deutliche Sprache geredet. Insoweit greift die gelbe Bewegung auch direkt ins politische Leben ein, und wie dir Erfahrungstatsachen gelehrt haben, fft der Zen­trumspartei in den gelben Strömungen ein neuer, ziemlich fanatischer Gegner erstanden.

<P Darmstadt, 4. Juli 1912. Die Zweite Kammer beendete heute die Beratung der B e- amten- und Lehrerbesoldungsvor- läge. 9lbg. Wolf (Bbd.) schilderte die traurige Sage der breiten Maste der Steuerzahler, die meist in einer weniger günstigen Lage als die Beamten und Lehrer sind. Die Stimmung der Bevölkerung richte sich insbesondere gegen die weitergehenden Wünsche der Lehrer. Vielleicht boten die Vorschläge des Finanzausschusses eine geeignete Unterlage für ein» Verständigung, falls die Deckungsfrage in be­friedigender Weise gelost werde. Er hosfe zuverficht, sich auf eine Verständigung im Interesse der Beam­tenschaft und im Interesse des Staates. Damit schloß dir Generaldebatte und das Haus trat in die Einzelberatung der Besoldungsvorlage, bei der eS noch zu einem kurzen Wortgefecht zwischen verschie­denen Fraktionsrednern kam. Hierauf wurde zur Abstimmung geschritten. Die Anträge der S o«

Anderseits sind die Katholiken in manchen Staa­ten sehr in der Minderheit:

Woche bereits den ersten Ausgang in den Garten machen konnte, und nach einer werteren Woche ging er zum ersten Mal ins Dorf — in die Kirche und dann hinaus auf den Friedhof. Dort traf er mit Hanne zusammen; aber es war jetzt nicht Zeit, von Liebe zu reden; dazu war die Stunde zu ernst. Sie reichten sich über dem Grabe der alten Gret die Hände und sagten sich: „Wir halten zusammen fürs Leben!" Das war ihre Verlobung. —

Und dann ging jedes voll froher Zuversicht nach Hause.

Baldwin litt es nun nicht länger im Forsthause. Er wollte einen Posten als Verwalter auf einem großen Gut suchen und sagte dieses dem Förster. Dieser lächelte so recht verschmitzt und sagte: „Ich habe nichts einzuwenden, wenn Du gehen willst, Baldwin. Meine Mädel kommen nächstens in Fe­rien und auch mein Sohn kehrt heim. Da wird es mit dem Raum ein wenig knapv her gehen. Aber deswegen sag' ich nicht: Geh'! Vielmehr muh erst der Dokwr seine Meinung sagen, ob Du überhauvt gehen darfst!"

Als der Doktor am andern Mittag kam, trug ihm Baldwin seinen Plan vor. Der Doktor rieb sich seine Platte, schnaubte ein wenig, putzte seinen Kneifer und wechselte einen verständnisvollen Blick mit dem Förster. Dann sagte er: ,H>ast recht, Baldwin! Arbeit muß der Mensch haben! Und! was Deine Gesundheit anlangt, die ist nun so West berg teilt, daß Du meinetwegen schon morgen Holzknecht werden kannst. Aber warum willst Du denn fort von hier? Gefällt es Dir nicht?"

„Ich möchte ja am liebsten hier bleiben; aber es geht nicht. Ich kann mich doch nicht als Knecht verdingen —- und überdies bin ich meinem Vater stets ein Dorn im Auge. Es bleibt mir nichts an­deres übrig, als daß ich gehe."

, „Hm, hm", brummte der Doktor, „teb meine fast, ich weiß 'was Gescheiteres. Wie wäre es, wenn Du hier ein Hosgut übernehmen würdest, z. B. — den Rabenhof?"

„Ten — den Raben—Hof?" stammelte Baldwin „Nun, paßt er Dir etwa nicht?"

Euuvodner: 9113614 3 366416 5638591 7 665111 1656 388 2 333860 1114756 542 610 430572

"^Sauernbluf.

31] Roman von Felix Nabor.

Er fühlte es nur zu deutlich, daß man ihn für emen toten Mann hielt; mit feinem Bauernkönig- tam war es zu Ende. Ec kam sich vor wie ein löaum, der einsam auf freiem Felde steht; sobald man die Axt an ihn legt, entfliegen alle Vögel, die bisher tn feinem Schatten gewohnt haben. Seit er arm geworden war, hatte er auch keine Freunde me?r: Das schmerzte bitter, doch war er zu stolz, um sich dies anmerken zu lassen.

Noch immer fuhr er mit seinen edlen Rappen ®orf, ohne einzukehren, trug den Kopf Hoch und suchte IN der Stadt bei Wein und Spiel zu vergessmi, daß dre Rache hinter ihm herschritt und mn Richter ihn auf Schritt und Tritt befolgte

^ie Frucht war lange, ehe sie reifte, verpfändet worden, und er mußte den Verlust nun dadurch Hecken daß er fein Vieh und seine Rosse verkaufte; heimlich, am späten Abend oder in der frühesten Morgendämmerung, wurden Rinder und Pferde paarweise weggeführt. Nur die beiden Rappen be- ’ ; er, um wenigstens äußerlich den alten Glanz aufrecht zu erhalten. 8

®ie Knechte und Mägde kündigten und wurden von ihm im Zorne auf der Stelle weggejagt. Es wurde emfam auf dem Wildhofe - nur der alte E’ibUr'* bsteben zurück und hielten treu ju ihrer Herrschaft.

wurde immer wortkarger und JrnftCt breln‘ Regine hatte immer beripemte Augen und war voller Sorgen. Sie wußte, daß es schlimm stand, aber die Wahrheit n-cht. Der Bauer hatte ihr gesagt, daß ftmtlrch- Hypotheken tn festen Händen und gekün- dtgt feien, aber von der Rache seines Bruders schwieg «r. wagte ntcht, darnach zu fragen, sie beklagte auch iw« ist den Verlust des bedeutenden Vermögens, das [h mit tn die Ehe gebracht hatte; sie wunderte sich ng darüber, wie ein so reicher und großer Be­sitz fc Krschuldet fein konnte, und sie betrauert’

vor allem den Zwiespalt in der Familie. Gerne hätte sie den Verlust ihres Vermögens verschmerzt, wenn nur Friede zivischen ihrem Gatten und ihrem Sohne gewesen wäre. Aber davon wollte der Bauer nichts wissen. Baldwins 9lame durste in feiner Anwesenheit nicht genannt werden, und ihr verbot er es bei seinem Zorne, den Kranken auch nur ein einziges Mal zu besuchen.

Ev vermittelte immer noch zwischen dem Wild­hof und dem Försterhaus. Das war ihr wenigstens ein Trost: zu wissen, daß Baldwin außer Gefahr war und daß es ihm besser ging.

Am elften Tage der Krankheit stellte sich eine heftige Krisis ein, und der Doktor wich nicht von Baldwins Seite. Der Förster ging auf Filzpantof­feln durchs Haus, und von feinen Leuten durfte sich keines rühren. Manchmal schlürfte er zur Kranken­stube, öffnete leise die Tür und streckte den Kopf hinein, indem er den Doktor mit einem fragenden Blicke anschaute Doch dieser schüttelte immer nur den Kopf und dann ging der Förster bekümmert.

Aber am Abend, gegen 7 Uhr, fing Baldwin heftig zu fiebern an; er phantasierte laut und schlug mit den Armen um sich, als müßte er einen mäch­tigen Feind von sich abwehren. Der Dokwr rief den Förster herbei, und beide mußten all ihre Kraft aufbieten, um den Fiebernden zu bezwingen. Eine halbe Stunde dauerte dieser Kampf, dann ermattete der Kranke. Sein Gesicht glühte, der Schweiß brach aus allen seinen Poren, lief ihm wie ein Bächlein von der Stirne, sein Atem wurde freier und bann sank er in einen tiefen, festen Schlaf.

Der Doktor deckte ihn sorgsam zu, rieb sich die Hände und sagte: „So, Alterchen, jetzt ist er ge­rettet! — Die Krisis ist glücklich verlaufen, nun setzt die Genesung ein, und bei der Riesennatur dieses Bauernkerls möchf ich wetten, daß er in vier Wochen schon hinter'm Pflug steht! Jetzt will ich aber schnell nach Hause rind es der Hanne mit­teilen, daß ihr Liebster außer Gefahr ist. Die ver­geht oor Angst und Sorge!"

Der Doktor behielt Recht. Baldwins Genesung machte so rasche Fortschritte, daß er nach einer