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Er ist nicht inxfere Sache, diese Ausführungen aus ihre NichtiAeit hin Zu untersuchen: wir begnügen unS damit, sie tön Zcntrumswählern zu unterbreiten und zwar auch deshalb, weil bekanntlich in der Oeffentlichkeit g.chäsiige Angriffe gegen den Borsitzenden der preußischen Zentrumsfraktion, Geheimrat Porsch, erhoben worden sind, die nicht nur -er inneren Berechtigung entbehren, sondern
Aus dem Nachbargebiete.
* Gelnhausen, 2. Juli 1912. Beim Legen Wasserleitung nach dem Kreuter'schen Hause in Au wurde ein Massengrab aus der Zeit
Amt Geisa und Umgebung.
Tt. Geisa, 3. Juli 1912. Am kommenden Sonntag werden die beiden katholischen Arbeitervereine Buttlar und Geisa nachmittags um 4. Uhr in Buttlar auf dem „Fetsenkeller" ein gemeinsames Sommervergnügeu veranstalten. Da der Frlsen- keller ein beliebter Aufenthaltsort der Bewohner des Ulstertales ist, so ist auf eine starke Beteiligung zu rechnen.
Tt. Buttlar bei Geisa, 3. Juli 1912. Der erst seit ein paar Tagen im hiesigen Schacht beschäftigte Arbeiter Baleutm Abel aus Großentaft erlitt heute morgen einen Bl ul stürz. Der junge Mann wurde schleunigst ans Tageslicht befördert, doch hatten die Bemühungen des herbeigerufenen Arztes
«wägend über allen Richtungen lutoiratengefte wird -von selbst ver-
keinen Erfolg mehr. Der Verstorbene war rin kräftiger junger Mann von erst 25 Jahren. i
* Pserdsdorf (Rhön), 3. Juli 1912. Zum Ver-f kauf der in der hiesigen Flur gelegenen Eisen«! bahntrennstücke ist vom Gemeindevorstand in Vacha ein letzter Termin auf Freitag, den 5. Juli, nachmittags 2 Uhr, in der Rexrotschen Gastwirtschaft anberaumt.
* Harleshausen, 2. Juli 1912. Ein junger Fa« milienoater gab seinem vierjährigen und einem anderen elfjährige ' Mädchen einen Revolver, der noch zwei Patronen enthielt, zum Spielen und veranlaßte sogar das fremde Kind zum Schießen. (!) Dieses legte auf das Kleine an und schoß es vor den Augen des Vaters in die Stirn, sodaß es sofort zusammenbrach. In wilder Verzweiflung, das kleine Kind seinem Schicksal überlassend, rannte der Mann nun hinaus aufs Feld, wo er ohnmächtig zusammen« stürzte. Obgleich sofort ärztliche Hilfe zur Sielle war, starb das Kind nach einigen Stunden.
* Eisenach, 3. Juli 1912. Die am nächsten Sonntag und Montag stattfindende Rosenaus- stellung wird j:dem Garten- und Rosenfreund beachtenswerte und lehrreiche Fingerzeige bieten und zwar insofern, als mit derselben eine Vorführung von Lehrsortimenten verbunden fein wird. — Für die vom 13. bis 15. Juli hier geplante Bieuent wirtschaftliche Ausstellung der vereinigten Thüringer Landesbienenzuchwernne hat das Staatsministerium zu Meiningen zwei silberne und drei bronzene Staatsmedaillen gestiftet, die für die besten Ausstellungsobjekte aus dem Herzogtum Meiningen zur Prämiierung benutzt werden sollen.
auch in der Form kränkend und verletzend sind. Porsch wird als ein eitler Mann dargestellt, der nur ein Ziel verfolge: Verherrlichung feiner eigenen Person! Eine solche Art des Kampfes ist unerhört und unwahr, besonders wenn sie von Persönlichkeiten stammt, die hn Interesse der Zentrumspartei gar nichts oder blutwenig geleistet haben. Ein solcher Kampf ist wenig anständig. Man hat es bisher im katholischen Deutschland als selbstverständlich angesehen, daß die politischen Führer um der Sache willen arbeiten und so ist es auch. So soll es auch bleiben. Im Zentrum kennt man nur die volle Hingabe an die Sache und die Mtt- arbeit zur Förderung des Wohles der Gesamtheit; wer diesen Leitsätzen sich nicht fügen kann, mag seinen Stuhl außerhalb des Zentrunrs aufstellen.
Freiheitskriege vor 100 Jahren aufgedeckt, wurden außer den zum Teil gut erhaltenen Skeletten, Uniformstücke und Waffen gesunden.
Ltterarffches.
Im Verlage von Theod. Thomas in Leipzhz erschienen:
Der gestirnte Himmel. Gemeinverständliche Dar
legung der Grundlchren der Astronomie. Von
Deutsches Reich.
v> Gelegentlich der Annahme des Protektoraisvirtrages über Marokko durch die französische Kammer kann es die alldeutsche Presse nicht unterlassen, wieder einmal die deutsche Diplomatie in Grund und Boden zu verdammen, die sranzösischeDiplomatie aber in den Himmel zu erheben. Wie man das tun kann angesichts der Erfahrungen, die Frankreich jetzt in Marokko macht, ist geradezu unverständliev. Wohl uns, daß wir nicht die „Ehrenpflicht" auf den Schultern haben, einen Zipfel von Marokko mit riesigen Mitt- und Geidop crn zu erobern! In der französischen Kammer hat Herr James bete ts den bedenklichen Warnunasruf erhoben, daß die Macht und Sicherheit des Vaterlandes in Europa gefährdet werde durch die starken Truppensensungen nach Afrika, die dauernd notwendig sein würden. Herr PoincarS konnte die Dauer der militärischen Krastanstreugung nicht bestreiten, half sich aber im übrigen mit der billigen Phrase, daß Herr Liautcy, der neue Machthaber in Marokko, seine Anforderungen schon mit der Sicherheit des Mutterland s in Einklang bringen werde. Das k a n n er gar nicht, wenn er fern nächstes Ziel, die Eroberung von Marokko, zielbewußt durchführen will. Frankreich hat nicht Rekruten genug, um zu gleicher Zeit ein unsre chendes Heer in Marokko und ein ebenbürtiges Heer in Europa zu bitden und zu müerhalten. Deshalb ist es für den Frieden in Europa ein- Vorteil, wenn der Frieden in Marokko sich so schlecht sichern läßt. Dieses Ergebnis des Abkommens vom 4. November o. I. darf man nicht aus den Augen lassen, wenn man den „mageren Vergleich" richtig würdigen will. Wir können den Franzosen an der marokkanischen Tafel den Gruß zurnsen: „Mahlz-it!"
Seltsame Zug-ndbildmig. Es ist schon wiederholt daraus hingewlcsen worden, welch' sonderbare Mittel die Sozialdemokratie benutzt, um die Jugendlichen für sich einzufangen und in ihrer Art zu erziehen. Zu diesen Lock- und Erziehungsmitteln gehörten auch schon mal von der Sozialdemokratie veranstaltete „Nachttouren" für die Jugendlichen, für Männlein und Weitstem. Man hatte aber er- wartet, daß diese „Nachttvuren" bald ein Ende hätten, nachdem sie von allen Seiten als grober Un- für und als höchst sonderbares Erziehungsmittel gekennzeichnet worden waren. Indes heißt es nun wieder in der sozialdemokratischen ,Franks. Volks- ftimme' (Nr. 146):
„Eine Nachttour der Arbeiterjugend. Die Arbeiterjugend unternahm nm Samstag abend eine Nachl- lour aus den Feldderg. lieber hundert Jugendliche, darunter auch eine Anzahl M ädchen, beteiligten sich daran. Recht angenehm beinertt wurde die Teilnahme mehrerer Erwachsener. Die Beteciigung wie auch der prächtige Verlauf der Tour werden dem Jugendausichuh wohl Veranlassung geben, derartige Wanderungen in kürzeren Zeitabschnitten zu wiederholen.-
Also dieser Unfug soll demnächst in verstärkter Ausiage Wiederaufleben! Menu Vater und Mutter den Schlaf des Gerechten fchlasen, dann machen der Herr Sohn oder das Fräulein Tochter, kaum der Schule entwachsen, gemeinsam mit zahlreichen anderen hoffnungsvollen Kindern Mondschein-Nacht- partien unter verehrlicher Leitung des „Jugendaus- schusses". Wirklich eine seltsame Jugendbildung und Jugenderziehung!
Aus Oberhessen u. den Hess. Remtern.
* Marburg, 3. Juli 1912. Eine gestern im Restaurant Geißler abgehaltene außerordenlliche Generalversammlung, die wegen Beratung über einen Antrag auf Erhöhung der Beiträge der Kreis-Krankenkasse einberufen war, hat diesen Antrag abgelehnt.
* llirchhain,3. 7 Ui 1912. Ein von dem Kriegerfest in Langenstein zurückkehrender hiesiger Händler wurde in der Nacht zum Montag gegen 11 Uhr von einigen jungen Burschen aufgehalten und durch Schläge schwer mißhandelt, desgleichen fein das Gespann führender Sohn. Die Täter sind der Polizei angezeigt. — Bei den Arbeiten der Bahnstrecke Kirchhain-Gemünden ist ein Arbeiter auf noch nicht aufgeklärte Weise den hohen BöscbungS« dämm hinuntergestürzt, wobei er schwer verletzt liegen blieb. Erst nach Stunden sand man ihn und schaffte ihn nach Rauschenberg und von da nach Marburg in die Klinik. \
* Frankenberg, 2. Juli 1912. Die Verletzungen, welche dem Gastwirt Frese in Höringhausen durch den Flaschenbierhändler Schüttler mit einem Meffer beigebracht wurden, waren derart, daß der Tod inzwischen eingetreten ist.
* Homberg, 3. Juli 1912. Nach der bevorstehenden Eröffnung der Bahn Hersfeld-Schenklengsfeld werden zwei dort überflüssig werdende P o st a u t os hier stationiert werden, um bei zunächst viermaliger Fahrt täglich den Verkehr zwischen Homberg und Wabern zu vermitteln, fobäfj Post und Postillon auch auf dieser Strecke bald verschwinden
* Treysa, 3. Juli 1912. Der 63 jährige Auszüger D. auS Wasenberg verirrte sich nachts auf dem Feldwege nach Niedergrenzebach und geriet in die Schwalm, wo er später als Leiche gefunden wurde.
* Gilserberg, 3. Juli 1912. Ein älterer Mann, welcher als Handwerksbursche im Dorf bettelte, entwendete in dem Augenblick, als ihm ein Bauer eine Gabe holte, dessen Ahr und entfernte sich. Ein Gendarm nahm die Verfolgung des Flüchtlings auf. Es gelang ihm, diesen im nächsten Dorf zu verhaften und in daS Gefängnis nach Treysa abzuliefern.
Liberale Helden!
Kennen Sic Sivkovich? — Nein! == Sie find rückständig! Swkovich ist der liberale Kandidat in Hageuow, der dort soeben mit Hilfe der Roten einen leichten Sieg errang. Er wird in der liberalen Presse als besonders unabhängiger Politiker gefeiert, offenbar weil er die fozialdemokrati- scheu Stichwahlbediugungeir unterschrieben hat. Das Perl. Tagebl." fügt die Charakteristik eines Helden hinzu, indem sie schreibt:
„Herr Sivkovich ist den meisten von uns noch un- bekannt, wir wissen nur, daß er den Schulkindern des Siädtchens Lübtheen Unterricht erteilt, und im übrigen wird er sehr verschieden ab gemalt. Aber eines wenig- stens steht doch fest: er vertritt m dem Kampfe gegen den Konservativen Pauli ein großes Prinzip. Vielleicht — ivir kennen ihn nicht — hat Sivlovich nicht all die Talente und manche Fehler Roosevelts, aber er hat den großen Vorzug, eine Idee zu repräsentieren, mehr als er nur selber zu sein, Roosevelt ist ein pomphastes Knnipsticr ober wie er versichert, ein Elch. Sivkovich in Lütheen Ist, in der Theorie wenigstens ein Held."
Da soll man noch ernst bleiben, besonders dann, wenn dasselbe „Berl. Tagebl." sich unmittelbar darauf über den Personenkultus im Zentrum entrüstet. Eine ganz „unbekannte Größe", vielleicht in einem volkspartnlichen Kegelklub der erste Mann, unterwirft sich den roten Stichwahlbedingungen und er ist ein — Held geworden. Was Swkovich „der Held in der Theorie" politisch leisten wird, muß man abwarteu und kann die politische Welt auch ruhig abwarteii, ohne daß die Richtlinie der Politik auch nur ein wenig geändert werden muß. Aber so sind liberale Helden mit überreichen Vorschußlorbeeren. Wir freuen uns, daß es im Zentrum nicht so der Fall ist, sondern daß es hier nur die uneigennützige Arbeit ist, die zur Anerkennung führt, daß gerade bei uns weder Geburt noch Berus das Vorrecht haben, sondern allein persönliche Tüchtigkeit. Wer anderes behauptet, der kennt entweder die Verhältnisse nicht oder will sic nicht kennen, weil seine eigene Bemühungen auf öffentliches Lob sich nicht erfüllt haben.
Aber auch die N at i o n a II i beraten haben ihre Helden: eine Zeitlang war es Strefemanu, der viel gefeiert worden ist, heute ist es Basser- mann, dem die Altliberalen aber stark mitspielen. Soeben („Tag" Nr. 149) schreibt sogar Prof. Met- }ier, ein eifriger Parteigänger der Jungliberalen, ehr offenherzig: „Auf dem Parteitage der Natio- nalliberaleu wurde, das kann wohl nicht bestritten werden, etwas Komödie gespielt". Das stimmt. Die Parteibagssitzung verfuhr nach dem Kasseler Muster. Auch in Berlin sollte die natürlich „jubelnd" aufgenommrne große Rede Bassermanns den Kern und die darin ausgesprochenen programkua- tischeu Darlegungen sollten die Richtlinien für die künftige nationallibcrale Parteipolitik bilden. Nun wird aber aus der Partei heraus dem Abg. Basser« mann vorgeworfen, feine Führerschaft habe sich je länger je mchr in selbstherrlichem Sinne entwickelt. So schreibt ein Parteimitglied aus Nordwestdeutschland der „Süddeutschen Nationalliberalen Korrespondenz" (Nr. 49):
„DaS hat Herr Bassermatm u. a. wieder auf dem jüngstigeu Berliner Parteitag vom 12. Mai d. IS. bewiesen. Wie troff es hort teils wehleidig schmollend, teils trutzig zürnend von seinen beredten Lippen, wenn . er Klage erhob gegen die ihm ans der Panel ge- ' wordenen — fetb'stoersiändlich „persönliche" — Gegnerschaft! Ich aber meine, wer selbst nicht zurückhält mit scharfer Kritik, soll nicht zu empfindlich sein, zumal im pMlllchen Leben, nro nun einmal mit harten Sinnen gemahlen wird. Mü dem allen will ich keineswegs das Gedächtnis an Bassermanns frühere Verdienste
* Frankfurt, 3. Juli 1912. Ein Schiffsjunge, der vom Ufer auf sein Schiff springen wollte, stürzte in den Mrin und ertrank. Ferner ertrank em Monteur, der von der Honsellbrücke im Osthafen ins Wasser gefallen war.
* Rotenburg a. d. F., 3. Juli 1912. Auf der Braacher Straße werden am 4. Juli Walzarbeiten vorgenommen, die allgemeine Aufmerksamkeit erregen dürsten. Es wich dort bei der Herstellung einer neuen Straßendecke nach dem Kiton- verfahren von Dr. F. Rasching in Ludwigs- Hasen a. Rh. gleich Teer mit emgewalzt. Kiton ist Teer in wasserlöslicher Form; es wird in der Nähe der Baustelle mit Wasser gemischt und dieses Riton» wasser wird dann beim Straßenbau anstelle des sonst gebrauchten reinen Wassers benutzt. Im übrigen ist das Straßenwalzverfahren genau so wie früher. Trocknet die fertige Straße später aus, so roirö damit das Kitou unlöslich, und man hat dann einen'durch und durch mit Teer getränkten Straßenoberbau, der natürlich auch beim stärksten Regenwetter keine Feuchtigkeit mehr aufnimmt, der sich daher unter dem Verkehr nur unbedeutend abnutzt und infolgedessen auch wenig staubt. Der Haupl- vorteil des Kitonverfahrens vor der üblichen Art, Teerstraßen (Teermakadam) zu bauen, soll sein, daß es erlaubt, den Teer bei Gegenwart von Wasser in den Straßenbau zu bringen, daß es daher auch bei Regenwetter angewendet werden kann.
* Göttingen, 3. Juli 1912. Nachdem erst vor kurzem gegen einen Göuinger Rechtsanwalt ein Strafverfahren wegen Untreue eingeleitet worden ist, kommt d e Kunde von der Einleitung eines ehrengerichtlichen Verfahrens gegen einen anderen Göttinger Rechtsanwalt. Bei diesem Verfahren handelt e8 sich um Differenzen des betreffenden Anwaltes mit einem Kollegen, die in einem Nachtcasv zum Austrag gekommen sind und mit Tätlichkeiten endeten.
♦ Friedberg, 2. IM 1912. Die Großherzogliche Zentralstelle für die Gewerbe beabsichtigt, noch im Laufe dies-s Sommers bei genügender Beteiligung an der Gewerbeschule zu Friedberg einen elektrotechnischen Fachkursus zu veranstalten.
* Wiesbaden, 3. Juli 1912. In den letzten Tagen berichteten Berliner und andere Blätter, die Stadt Wiesbaden werde das Jagdschloß Platte von der großherzoglich luxemburgischen Finanzkammer in Biebrich erwerben zu dem Zweck, an diesem höchst gelegenen Punkt über der Stadt ein Schloß für den Kaiser zu erbauen. Es trifft nun allerdings zu, daß von luxemburgischer Sette der Stadtverwaltung dieses alte, als fürstliches Wohngebäude längst nicht mehr in Frage kommende Jagdschloß zum Kauf angeboten worden ist. Unwahrscheinlich aber ist, daß die Stadt Wiesbaden das umfangreiche Objekt für den hohen Preis —es werden zwei Millionen Mark gefordert — erwirbt.
* Duderstadt, 2. Juli 1912. Bei dem gestern abend niedergehenden schweren Gewitter wurde in Bartolfelde bei Osterhagen in seiner Wohnung der Besenbinder Blanke vom Blitze erschlagen.
abgeschmächt oder ausgelöscht wissen. Er mag menet« halbe« yetroft auch weiterhin Parteiführer hieben! Ader er zeige sich, wie gesagt, weniger empfindlich g^en Andersdenkende, er hatte nicht grundsätzlich nut z« einer der Parte-».chtungen, sondern schwebe wohlwollend und gerecht ab, “ — und die Autokrater
JV» 150.
vomerstay den 4 3u1i 1912.
39. laugang.
* fuldaer
Zeitung
vruü und Verlag der Sulbaer Actlendmäerel in Lnlöa.
Storno» von FÄixÄabor.
sich
(Foetschuny felgt) '
„Am schwarzen Kamin, Da stehet mein Lieber, Und geh' ich vorüber, Die Bälge dann sausen, Die Flammen aufbrausen Und lodern um ihn —"
Spruchs und rannte davon, Tränen ht den schönen Schwarzaugen.
die Brust- ob diese ein Ambos und seine Fäuste Hämmer wären. „Recht hat's, das Everl!" sprach
'zr. „Ein Ochs bin ich, der Man muß 's Eisen schmieden und das hab ich vergesse«, te
Sie hatte die Hügelhöhe erreicht, wandte um und blickte hinab ins Dorf. Brach da nicht
Ev warf sich der guten Frau an den Hals und schluchzt;: „Aber Mullerl, liebs Mutterl, was denkst Du denn von mir?"
„Rur Lieb's und Gut's, Everl! — Und schau, weil ich Dich so lieb hab, als wenn ich Deine Wirkliche Mutter wär, darum muß ich Dich mahnen, daß Du net vom Rechten Weg abkommst. Die Lieb ist was Schönes und was Heiliges — aber ohne Sund' muß sie sein! Dann ist sie 's Paradies! Aber wenn die Lieb zur Leidenschaft wird oder gar sich ivcgwirft in den Schmutz, dann ist sie die Hüll' aiff Erden."
Ev drückte Frau Raines Hände an ihren Mund und rief: „Mutterle, liebs, guts Mutterle — das versprech' ich Dir auf Ehr und Seligkeit: ich mach Dir gewiß keine Schänd! — Ich will mir 's Paradies erhalten und mein Weißes Kränzlein net zer- pflü'cken." i
Am andern Abend aber war diese Weiche Stimmung herflogen und der Hanns bekam eine gepsef- ferte Strafrede. „Du grundschlechter Mensch, Du frecher", fuhr sie ihn an, „wenn Du Dich nochmal unterstehst, so was zu tun, nachher kriegst aber eürs ins Gesicht, daß Dir Hören und Sehen vergeht."
„Ja, was hab ich denn ums Hnnmelswillen getan^ rief Hanns.
„Sell weißt schon selber, Du —! Meinst, ich sei vielleicht so eine, dis sich mir nichE, dir nichts abküssen läßt? — Du frecher Mensch, Du! G'swhlen hast mir einen Kuß! — Und wenn Du glaubst, daß das grab sein muß, dann kannst wenigstens Dein' rußigen Schnabel putzen, 2h Du ein Mädel küssen tust. Grad schämen muß man sich —"
„Aber Everl, wenn ich Dich doch so gern hab!"
„Grrn hin, gern her! — wir zwei sind fertig miteinander!"
hab! Ans Herz hätt' ich sie nehmen rnnd sagen sollen: „Schau, Everl — ich hab' Dich gar so viel lieb, daß mich 's Lebe« ohne Dich mmmer freut! —« Willst mein' liebes Wsiberl werden, Everl?"
Er hielt mit seinem Gehämmer inne und kraule sich daS Haar. „Sapperwtt, sapverlott — da hab' ich jetzt den Zug verpaßt uttb hab 's ?dachs:hen! — Aber wart nur, Schützer!, beim nächsten Zug, da bin ich g'schciter! — Da laß ich'S Glück net vorbeifahren, da halt- ich's fest sür mein Leben! — Und dann wird der rußige Schmied so sauber gewaschen sein, daß Du Deine Helle Freud' an ihm hast!" —
Er lachte, reckte die Arni: und trat in die Schmiede und an den Amboß. _ Gleich darauf erklang sein lautes, freudiges Gehämmer so eifrig, alt sei er daran, sein Glück zu schmieden!---
Achtes Kapitell _
Auf dem Wildhoße herrschte eine Woche lang Ruhe, und der Bauer glaubte schon, sein Bruder habe ihm nur gedroht. Aber er täuschte sich. Es war die Ruhe vor dem Sturme, und bald erkannt« er, daß „Mister Henry" das Wert seiner Rache be- gönnen hatte.
Von allen Seiten liefen Forderungen ein, und zwar in so kurzem, drohendem Tone, daß er früh-r jeden, der ihm so gekommen wäre, zum Hause hin- ausgeworfen hätte. Jetzt mutzte er diese Grobheiten ruhig einstecken — und zahlen, wenn er nicht vor's Gericht gezerrt werden sollte. Ehe eine weiter« Woche um war, hatte er kaum noch dreitausend Taler hon der Summe, die ihm der Doktor und der Förster ausbezahlt hatten. Dabei war er nicht imstande, auch nur «ine einzige Hypothek zu lösche«. Er war über Nacht ein armer Mann geworden!
roter Feuerschein aus der offenen Tür? — Klangen nicht laute Hammcrfchläge durch den stillen Wend? — Ev lachte und nickt; und dachte: „Er bessert sich doch — er ist bei der Arbeit!"
Dann klang es nicht mehr schüchtern und zaghaft, sondern laut und jauchzend von ihren Lippen: „Ich hör' meinen Schatz! —"
Utth zwei Tage später, als Ev abends auf den Wildhof zurückkehrte, hatte sie richtig ein schwarzes Ringlein um ihr rotes Schnäbelchen, und Frau Regine mußte trotz allen Ungemachs, das auf ihr und ihrem Hatffe lastete, lächeln. ,Ja, Everl", fragt; sie, „haft Du am End' gar den Ofen küßt?"
Da wurde Ev feuerrot und stotterte und rieb sich den Mund und wusch auch das letzte Stäubchen hinweg. Wer dann stand sie in der Ecke, hielt die Schürze Vvrs Gesicht und weinte.
Frau Regine legte ihren Arm um sie und sagte: „Schau, Everl, brauchst Dich net zu schämen, weil's Feuer bei Dir zum Dach 'nauSschlagt. Weißt, das kommt über em jedes von uns einmal im Leben — die Lieb! — Und das ist eine schöne Zett, da hebt alles in einem zu blühe« an wie im Frühjahr. Und wenn man seine Lieb' allzeit recht rem und recht heilig hält, schau, Everl — dann ist die Lieb niemals ein« Schänd', sondern die größte Freud! Und das bisselchen Ruß auf Dün'm Mäulchen, das tut uichts, das läßt sich wieder wegwaschen. Aber ein Schmutzfleck auf der Ehr und auf der Tugend eines Mädchens, schau, das ist nimmer wegzubringen, das mich eins sein Leben lang tragen. Und gelt, Kind, liebes, so was tust mir net an! Dein weißes Kränz- lem im Haar, Wat hältst Dir sauber, gtitf"
Mit dem Zusammenbruch seiner Hauses sank
Der Schmied schlug sich mit beiden Fäusten mrf ”
SRnrft nfä nh WofoX 91mlm8 1.1h feine Kaufte unterwürfig gegrußthatten wenn «durchs A>oq ging, blutten ihn fetzt höhnisch an oder wichen chm aus, und im Wirtshaus« gab et spitze Red« Wtl rücksichtslose Fragen. *
Als aber am dritten Abend die Ev wieder vor- beikam, da strahlte fein ganzes Gesicht und fein Mund lief tote «in Mühlrad. Tie Ev versicherte Ihm, os bös habe sie es nicht gemeint, und er sollte ihre Rede nicht gar zu tief zu Herzen nehmen. Und ols sie das vom Herzen herunter hatte, ward' ihr ffelber leichter und sie Plcuidertc so freundlich mit
Hamrs, datz sie darüber fast bett Krankenbesuch bet 93alb vergaß. Rafth kam sie dieser ihrer Pflicht nacy und stand dann noch eine geschlagene Viertelstunde bei der Schmiede. ä
Aus dem Heimweg — aber erst ate sie das Dorf längst hinter sich hatte — sang sie dann vor Bhin, aber so leise, daß es nicht einmal die Äril- hören konnten, die int Grase zirpten:
„Ich hör' meinen Schatz! Den Hammer er schivingek, Das rauschet, das klinget, Das dringt in die Weite Wie Glockengeläuts ,
Durch Gaffen und Platz! —" Dann sprang sie aber rasch hinter einen Busch, denn es nahten Schritte — es war der Wildhofer, der zur Schenke ging.
»Jesus, Maria", dachte sie, „er wird mich doch nicht gehört haben."
Aber der Wildhofer hatte an anderes zu denken, üls an das Lied eines kleinen, dummen Mädels. Mr bohrte seine Augen in den Boden und feine Ge- banfen jagten sich hinter seiner ehernen Stirne wie gluheiide Rosse! — Kein Wunder auch; es ging bet ihm um Hails und Hof, ums Leben! —-
Als er vorüber war, trat Ev auf die Straße und setzte ihren Weg fort. Und kaum, daß sie hundert Schritte gemacht hatte, fing sie auch schon wieder an zu singen. Diesmal ttang es schon ein totaifl lautet und kecker: