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taall* mH Lurnahm« der §o.m- »itb Keierlage. vtertel- jShrttchesvezuaipreir »hne Srinaulohn und SestellgrlomZuldaf»- wie auswärts 1.50 Ult

Verantw. Redatteurr «arl Schütte; ISrM Anzeigen:

3. parzeller «n Zulda.

Zeitung

Monat-b-ilage: „Mdaer GeschichirbMer"

Sä$ef5«$ Der «Mitt einer tief». Seleieb teilt, 47 ms »rttt, kostet lSPfg. Reflonoi: ver Raum einer 4ete» nelzeile. 74 na breit, to?et 40 Pfa- Bei ®iei derhoinnge» Rebelt, $ftr ©fiert* a AieknnD' anrersen 20 p?g. «xtr«.

Rotationsbta« u. verleg bet Reibaet Aettenbrackere^Znttch Fernsprecher ltt.»

Jahrgang.

Fulda, Donnerstag den 4. Juli 1912.

Erstes Blatt

jV» 150.

fcfretär Dr. Sols scheint mit dieser Erklärung sich toeifer, als angemessen war, herdorgewagt zu haben; den Reichstag wird di: Negierung so leicht nicht umstimmen, denn hier handelt es sich um eine prin­zipielle Frage, in der es kein „Umstimmen" gibt.

* Tas denlsche Truppendriachrment in China. Die Unsicherheit der politische? Verhältnisse in China Hal sich im Laufe der letzter» Monate nicht gebessert. Wie die ,Post' erfährt, wird die Zurückziehung eines Teiles des verstärkten Teuppenderachements, das sich zurzeit in China zum Schutz der deutschen Interessen befindet, nickt, wie ursprünglich vorgesehen, im August möglich sein. Da ein großer Teil de. Truppen im Septeniber nach Beendigung der aktiven Dienst­zeit entlassen werden muß, we den Ersatzmann- schäften in zwei Transporten Anfang und Ende Iu i ds. Js. die Heimat verlassen. Tas verstärkte Truppendetachement muß in seiner vollen Stärke, 500 Mann, vorläufig länger draußen belassen werden, es kann daher seine Führung nicht mehr, wie bisher, provisorisch geregelt, nebenamt-ich in den Händen eines Hauptmanns liegen, sondern wird einem Major übertragen.

<P Darmstadt, 3. Juli 1912. In der hessischen Zweiten Kammer wurde die Beratung über die Besoldungsreform fortgesetzt. Der frei­sinnige Abg. H-e n r i ch erklärte, seine Freunde be­harrten nach wie vor auf dem Boden der Ausschuß- beschlüsse, sie behielten sich vor, demnächst mit einem Vorschlag auf Einführung einer Deszendentensteuer an das Haus heranzutreten. Abg. Ulrich (Soz.) meinte, wenn der Abg. Molthan bis jetzt den an­gekündigten Zentrumsantrag auf Schonung der kleineren Einkommen bei der bevorstehenden Steuer­

haben. Aber zur Zeit handelt es sich nur um die eine Frage der Präsidentschaftskandidatur, und gerade darin haben die beiden Flügel der Partei sich verständigt. Es war das Glück der demokra­tischen Partei, daß sie ihren Kongreß erst nach dem republikanischen Kongreß abhielt. Nachdem in Chicago der Zwiespalt zwischen den Taftleutcn und den Roosevellleuten zu Tage getreten war, lag die richtige Taktik der Demokralen auf der flachen Hand. Da bei der Präsidentenwahl die relative Stimmen- Mehrheit entscheidet, also eine Stichwahl nicht statt- findet, so galt es einfach einen Kandibalen zu nominieren, der geeignet erschien, mehr Stimmen auf sich zu vereinigen, als Taft für sich allein und Roosevelt für sich allein zu erwarten hatten. Da Roosevelt mit der Gründung seiner neuen fort­schrittlichen" und trustseindlichen Partei auf Zuzug von dem linken demokratischen Flügel spekuliert, so mußte der Kandidat gerade aus der radikalen Rich­tung genommen werden und über jeden Verdacht der Abhängigkeit von den Trusts und den Groß, kapitalisten überhaupt erhaben sein. Darum kämpfte denn Bryan, der alte Führer der demokralischcn Partei, mit ungeheuerem Eifer uud zähester Aus­dauer gegen Champ Clark, den Vertrauensmann der Neivyorker Geschästspolitiker, weil er klar er­kennt, daß die Kandidatur dieses Mannes e ne ganze Menge von radikalen Demokraten zu der neuen Partei Roosevelts hinüberlreibcn würde. Und wenn schließlich Clark und seine Anhänger klein beigaben, lo war das gewiß aus die Erkenntnis zurückzuführen, vaß die Partei bas Rennen überhaupt nur mit Wilson gewinnen könne.

Bryon hat durch seine erfolgreiche Taktik in Baltimore nicht bloß dem dicken Taft die letzten Aussichten verdorben, sondern auch den kühnen Plä­nen R o o s e ve l t s einen Riegel vorgeschoben. Man darf gespannt darauf sein, was Roosevelt jetzt auf der Gründungsversammlung seiner neuen Partei anfangen wird, nachdem ihm der erhoffte Zuzug vom linken Flügel der Demokratie abgeschnitten worden ist.

Wenn nun wirklich die Präsidentschaft an die seit 16 Jahren im Schatten stehenden Demokraten fällt ,so wird die nächste Folge ein großer Beam- tenwechsel sein. In Amerika gehört die Beute dein Sieger, lieber die weiteren politischen Folgen des demokratischen Wahlsieges werden in der Presse bereits weitgreifende Betrachtungen an* gestellt und vielfach der Abbruch des Schutzzolltarifs und die Einstellung der Rüstungen prophezeit. In dieser Hinsicht ist aber Vorsicht anzuratm. Der Prä- sident in den Vereinigten Staaten ist der Chef der Erekutivgewalt und besitzt auch ein beschränktes Veto gegenüber den gesetzgebenden Körperschaften. Aber er ist keineswegs allmächtig. Die politische Entwick­lung hängt wesentlich von der Mehrheit in beiden Parlamenten ab. Das Volkshaus hat freilich zur Zeit eine demokratisch: Mehrheit, aber der Senat noch nicht. Wenn man an die Einschränkung der Hochschutrzollpolitik geht, so werden sich sehr mächtige Einflüsse' zugunsten der Erhaltung der bisherigen Wirtschaftspolitik geltend machen. Von der Kriegs­erklärung gegen die Trusts bis zur Wiederherstellung des Freihandels ist noch ein weiter Weg. Und wenn man' auf die Friedensliebe der nordamerikanischen Demokraten rechnet, so ist der Hinweis am Platze, daß die englischen Liberalen stets als Friedens­schwärmer und Rüstungsgegner gegolten haben, aber seit der Uebernahme der Macht und der Verantwort­lichkeit in dem Flottenbau ihre Gegenpartei noch zu übertrumpfen suchen

In Amerika wird auf amerikanische Ma­nier Politik gemacht. Die deutsch: Wahrscheinlich­keitsrechnung versagt demgegenüber manchmal. Wer sich von Illusionen frechält, bewahrt sich vor Ent­täuschungen. Es kommt manchmal anders, wie man denkt.

rX Die Präsidentenwahl in Nord­amerika.

Dadurch, daß die demokratische Partei sich auf Wilson als ihren Präsidentschaftskandidaten ge- einigt hat, bat sie einen großen Vorsvrung erhalten und sich vielleicht die Türen zu dem Einzug in das Weiße Daus geöffnet. Man darf, wie wir schon gestern barlegten, mit einiger Wahrscheinlichkeit er­warten, daß diesmal das oberste Amt in den Ver- einigtenStaaten von den seit 16 Jahren herrschenden Republikanern auf die Demo traten übergehen wird. Die einige Partei wird über di« gespaltene mQttei triumphieren. “ 'v

Allerdings bestehen bei den Demokraten auch sachliche und persönliche Gegensätze in Hülle und Fülle, wie die hitzigen Verhandlungen und die 46 Lpstimmungen m Baltimore deutlich genug gezeigt

erhöhung nicht 'eingebracht habe, so scheine hier ein Ilmfall des Zentrums vorzuliegen; sollte der An­trag aber ein gebracht werden, so werde er mit sei­nen Freunden der schwarzen Fahne folgen. Abg. Tr. Münch intl.) schilderte die traurige Lage der akademisch gebildeten Beamten, die auch nach An­nahme der Regierungsvorschläge noch weit hinter ihren preußischen Kollegen zurückstehen. Diese Be­handlung treibe die tüchtigen Kräfte aus dem Land und schaffe verderbliche Folgen in Bezug aus die qualitative Bewertung der hessischen Beamtenschaft. Geh. Rat Dr. Becker erklärte, nut der „Alles- oder Nichtspolitik" des freisinnigen Redners komme man nicht weiter. Die Regierung hoffe nach wie vor, daß ein Einverständnis mit den Mehrheitspar­teien erzielt werde. In einer persönlichen Bemer­kung stellt Abg. M o l t h an fest, daß von einem Um­fall der Zentrumsfraktion in der Frage der stärkeren steuerlichen Belastung der größeren Einkommen nicht die Rede sei. Der Antrag sei um deswillen noch nicht gestellt, weil die Frage der Steuer­erhöhung erst in zwei oder drei Jahren auf der Tagesordnurlg stehe. Die Beratung wird hierauf auf morgen vertagt. — Der Zweiten Kammer ging heut: eine Regierungsvorlage betr. den Bau einer Rheinbrüäe und Verbindungsbahn von Rü- desheim (Geisenheim) nach Sarmsheim zu. Die Brücke dient vor allem strategischen Zwecken. Die gesamten Kosten betragen 9 8663 000 Mark. Hier­von zahlt Hessen 2 018 000 Mk., Preußen 2 133000 Mark und das Reich den Rest. Gegen das Projekt herrscht in Rheinhessen eine starke Agitation, weil keine einzige hessische Station von der geplanten Bahn berührt wird und man von der Umführung des Verkehrs über Rüdeshnm-Wiesbaden eine Schädigung hessischer Interessen befürchtet.

wird offiz iös geschrieben:

Man darf die Beftirchtungen eines Generalstreikes a's übertrieben aufeben. Denn einmal ist durch die Vertagung des Inkrafttretens des zweiten Buches der ReichLversicherungsordnung, der Krankenversicherung, auf den 1. Januar 1614 der unmittelbare Anlaß zu einer Kraftprobe zwischen Aerzten und Kassen befeitUt. Dann aber spricht auch eine andere Erwägung dafür, daß der Weg der Verständigung sowohl im Inte­resse der Kaffen wie auch der Aerzte liegt. Die im Entwurf der Reichsversicherungsordnung vorgesehenen Vertragsausschüffe zur Regelung der Bestehungen zwischen Aerzten und Kassen sind allerdings in das Gesetz nicht ausgenommen. Es ist also den Kranken­kassen überlassen geblieben, ob sie die freie oder be­schränkte Arstwahl etnfübren oder Kassenärzte anstelle» wollen. Die Rticksver icherungsordnung hat ober eine Bestimmung ausgenommen, nach der eine Krankenkasse, bet welcher die ärz t liche Versorgung dadurch gefährdet ist, daß sie keinen Vertrag zu angemessenen Bedingungen mit einet ausreichenden Zahl vmr Aerzten schließen kann, oder daß die Aerzte den Vertrag nicht einhallen, vom Oberversicherungsamt ermächtigt werden, statt der Krankenpftege und der ärztlichen Behandlung eine bare Leistung bis zu '/» ihres Kranken­geldes zu gewähren. Obwohl nun diese Bestimmung unter normalen Berhältniffen auch erst mit dem Jahre 1914 in Kraft treten würde, besteht doch die Möglich­keit, diese Bestimmung gesondert durch kaiserliche Order schon jetzt in Kraft zu setzen. Würden also durch irgend welche Maßnahmen der.Aerzte die Krankenkassen außer Staude gesetzt, ihren Mitgliedern ärztliche Fürsorge zu gewähren, so wäre damit zu rechne», daß i diese Bestimmung der Retchsuersicherungsordnung in Straft gesetzt wird, wodurch dann an die Stelle Bet ärztlichen Versorgung das erhöhte Kranken­geld tritt. Ein solcher Ersatz ist allerdings sür eine geordnete Kranlenpsiene wenig erwünscht, er liegt jedoch ebensowenig im Jntereffe der Aerzte, weil naturgemäß das gewährte erhöhte Krankengeld nur zu einem Bruch­teil für ärztliche Dienst« verwendet würde. Solche Er, wägungen berechtigen zu der Hoffnung, daß es zwischen Aerzten und Kaffen zu einer Verständigung kommt, die alle Kampfmittel überflüfsig macht."

)( Ter polnische Abg. Pfarrer Kapitza, der aus der polnischen Fraktion ausgetreten ist, wurde nun vom polnischen Wahlkomitee in Oppeln auf­gefordert, sein Mandat in die Hände der Wähler zurückzugeben. Pfarrer Kapitza hat diesem Ersuchen stattgegcben und sein Mandat niedergelegt.

* Ausübung des Wahlrechts zur Handelskammer durch Frauen. Der Ausschuß des deutschen Hande s- tages hat sich dafür ausgesprochen, daß den Frauen, die Inhaber im Handelsregister eingetragener Firmen sind und im übrigen den Anforderungen bezüglich der Teilnahme an den Handelskammerwahlen ent­sprechen, die Ausübung deS Wahlrechts in eigener Person, nicht wie bisher durch Prokuristen, zuge- standen wird.

)( Der Borchardt-Leinert-Prozeß. Die Verhand­lung gegen die Abg. Borchardt und Leinert, zu der Termin vor der Strafkammer auf den 8. Juli fest­gesetzt worden war, ist wegen Erkrankung des Abg. Borchardt vertagt worden und soll nun erst nach den Gerichtsserlen am 26. September statt- finden.

♦ Schwarz-weitze Mischehen in den deutschen Schutzgebieten sind bekanntlich vom Reichstage in der letzten Session als zulässig erklärt worden. Die Regierung scheint aber diesem Beschlüsse keine Folge geben zu wollen. Wie nämlich aus Swakop- mund gemeldet wird, hat der Staatssekretär Dr. Solf dort auf die Ansprache des Landesratsmit- glicdes Sievers, der mitteilte, daß der Bezirksrat von Rchoboth und die Reichsbehörden gegen die Mischehen von Weißen mit den eingeborenen Farbi­gen seien, erwidert, die Regierung hasse den Reichs­tag umzustimmen, der Bundesrat werd: der Re­solution des Reichstags keine Folge geben; es sei a u s g e s ch l o s s en, daß die Anerkennung der Mischehen jemals Gesetz werde. — Staats-

Deulscher Reich.

; Die Zwei-Kaiser-Begegnung.

Zar Nikolaus ist gestern vormittag mit seiner Familie in dem kleinen estländischen Hasenstädtchen Ballischport am Finnischen Meerbusen ringe« troffen, auf besten Höhe heute die erste Begegnung mit dem Deulschen Kaiser stallsinden wird. Kaiser Wilhelm ist gestern früh in Begleitung des Kreuzers.Mollke" u. des Tepeschenbooles „Sleipuer" auf der Jacht „Hohenzoll ni" von Danzig nach Battilchporl abgefahren, wo er heute r ormiltag um 10 Uhr erwartet wird. Der deutfche Botschafter in Pelersbura, Graf Pourtaltzs, ist gestern vor ihm auf der Jacht des an der Entrevue gleichfalls teil- nehmenden russischen Marineniimstels Grtgorowitsch dort angelommen.

Für den Empfang des Deutschen Kaiser» bei der Begegnung mit dem Zaren ist unter der Leitung dcs Zaren eine besonders glanzvoll« Festord- nung ausgearbeitet worden. Da der Zar einer Einladung Kaiser Wilhelms, den deutschen Kreuzer „Moltke" zu besichtigen, Folge leisten wird, so wird mit einer Ausdehnung des Aufenthalts der beiden Kaiser bis zum 6. Juli gerechnet.

5 Berlin, 3. Juli 1912. Die Nordlandreis« deS Kaisers wird voraussichtlich einen kleinen Auf­schub erfahren, da der Kaiser nach seiner Rückkehr von Rußland noch einmal d.r Kaiserin in Potsdam einen Befuch abstatten wkll. Damit hängt eS wohl zusammen, daß die Abreise der Kaiserin nach Wilhelmshöhe um einige Tage verschoben worden ist. — Eine Berliner Korreipondenz schreibt vsfiztös: Von Graz aus wird erneut das Gerücht kolportiert, daß die nächste Zeit die-Verlobung zweier Mit- glreder des Cumberlandes und de» HauseS Hohenzollern bringen werde. ES verdient kaum der besonderen Erwähnung, daß daS Gerücht durch die Aufwärmung an Wahrscheinlichkeit nichts ge­wonnen hat. — Zu gleicher Zeit tische» verschiedene Blätter ein neues Verlobungsgerücht auf, danach soll angeblich bei der Zusammenkunft des Kaisers mit dem Zarenpaar die Verlobung des Prinzen

Ausland.

* Eine Spaltung in der Christlichsozialen Vrr- elnigung in Oesterreich? Bei der Frage über bie Abstimmung, betreffend einen Antrag Tonffchik, der die Einstellung von 17 Millionen für die unteren Staatsbediensteten in das Budget verlangt, ist es in der Christlichsozialen Vereinigung des Abgeord­netenhauses zu Meinungsverschiedenheiten gekom­men, deren vorläufiges Ergebnis war, daß eine Reihe von Abgeordneten aus der Vereinigung aus­getreten sind, da sie sich gegenüber dem Klubbv- schluß die Freiheit wahren wolle», für dir Zuwen­dung der 17 Millionen zu stimme». Die Regierung hatte erklärt, ohne Schaffung neuer Mittel d»e Ein­stellung dieses Betrages ms Budget nicht annehmen zu können, nnb diesem Standpunkt glaubte die Klubmehrheft Rechnung tragen zu sollen. Sollte es, so schreibt bie „Reichspost", wirklich zu bet Spaltung kommen, welche bie erfolgte Anstrittsan- melbttng anzeigt, so wäre bies ein herber Schlag für das ganze christliche Oesterreich, benn bie Solidari­tät im tbristlichsofialen Reichsratsklub war bisher die Bürgschaft der wichtigsten Erfolge. Der Wieder- eintritt der genannten Abgeordneten als Hospitan­ten (der inzwischen angemeldet ist) ist kein ausrei­ch ender Ersatz für die verlorene Einheit. ES nützt nichts zu rechten, wer Recht und irrer Unrecht hat, die Hauptsache ist, daß der praktische Erfolg ht der Sache — die Herrenhauskmnmiffiou hat sich g e ge » den Antrag Tomfchik ausgesprochen und besten Auf­nahme in das Budget ist praktifch ausgeschloffen —» in keinem Verhältnis zu dem Nachteile steht, bet aus dem Verlust ber bisherigen festen Solibarrtat des christlichsozialen Neichsratsklubs sich ergebe» m ** Wahlreform und Kinderarmut in Frankreich. Die Kinderarmut Frankreichs spielt auch in die Wahl­reform hineim In der von der Regierung vertei­digten Vorlage wird bestimmt, daß je 70,000 Ein­wohner einen Abgeordneten wählen sollen. Abg. Magilot beantragte nun, nicht die Zahl der Em« wohner, sondern die der eingeschriebenen Wahl«» zugrunde zu legen und für je 22,500 der leiteten einen Vertreter zu bestellen. Der Zweck dieses An» träges war die Verminderung der Abgeordnete», deren Zahl gegenwärtig 591 beträgt. Ministerpräsi­dent Poincarö bekämpfte diesen Antrag mit der Begründung, daß man die Bevölkerung nicht zur Vermehrung ihrer Nachkommenschaft aufmunter», wenn man die Kinderarmen, Kinderlosen odev über­haupt die unverheirateten Männer begünstige, da­gegen die Kopfzahl kinderreicher Familien vernach»

Adalbert von Preußen mit der ältesten Tochter des Zarenpaares, Großfürstin Olga Nikolajewna erfolgen. Die Großfürstin steht im 17. Lebensjahre. Prinz Adalbert, der drille Sohn des Kaiserpaares wird am 14. Juli 28 Jabre alt.

** Neuorientierung der Parteiverhältnisse im Reichstage? Nachdem der erste mecklenburgische Wahlkreis von den Konservativen jüngst an den Freisinn übergegangen ist, glaubt die linksliberale Presse von einer Neuorientierung der Parteiverhält­nisse im Reichstag insofern sprechen zu dürfen, als ob nun eine Mehrheit der Linken gesichert sei. Dem gegenüber macht die „Deutsche Tagesztg." (Nr. 331) darauf aufmerksam, daß den Konserva­tiven in Bälde wahrscheinlich Gelegenheit gegeben ist, die Scharte von Hagenow-Grevesmühlen wieder cmszuwetzen. Es handelt sich hier um das Mandat in I e r r ch o w, das wiederholt im konservativen Besitz gewesen ist. Bei den Januarwahlen siegte dort der Sozialdemokrat Haupt, aber nur mit einer Mehrheit von 7 Stimmen, über den konservativen Kandidaten. Die Wahl ist angefochten und die Ermittlungen, die auf Beschluß der Wahlprü­fungskommission des Reichstags angestellt wurden, haben eine Berechtigung der von konservativer Seite erhobenen Beschwerden ergeben. „Daß überdies", so schreibt die „Deutsche Tagesztg.", „trotz der Siv- kovichschen Wahl die Mehrheitsverhältnisie im Reichstage unklar und schwankend bleiben, ergibt sich weiter daraus, daß auch das Mandat des jung­liberalen Abg. K o e l s ch (Baden) von der Wahl- Prüfungskommission des Reichstages beanstandet worden ist. Herr Ko-lsch hat nur mit 8 Stimmen über den gegnerischen Zentrumskandidaten gesiegt, und wenn man den Bericht der Wahlprüfungskom­mission sorgsam durchlieft, erscheint die Kassierung deS Mandats in greisbare Stäbe gerückt, und der Sieg des Zentrums, das seit 1890 diesen Wahlkreis behauptet hat, nicht unwahrscheinlich."

** Stell ein ärztlicher Generalstreik gegenüber den Krankenkassen bevor? Aus vermiedenen Verlaut­barungen der im Leipziger Verbände organi­sierten Aerzteschast, in denen den Ortsoer- bäuben ein geschlossenes Vorgehen gegenüber ben Krankenkassen empfohlen wird, ist die Befürchtung entlauben, daß noch tu biesem Sommer ein allge- meiner Aerz testreik gegenüber den Kranken- k assen au -brechen werbe. Mit Rücksicht hierauf

d „konservative, Nativnalliverate und Zentrum.

In ber Presse wirb augenblicklich wieder das Verhältnis bes Zentrums zu ben Konservativen einer- und ben Nationalliberalen andererseits aus- $f^ie Erörterung knüpft an eine SRebc an, bie bei Zentrumsabg. Marx in Mülheim (Rfts gehal- wn hat unb worin er angeblich mit auffallender Scbarse sestgestellt haben sollte, daß bas Verhältnis zwischen Z e n t r u m unb K o n, e r v a t r v e n sich v e r s ch l e ch t e r t habe. Abg Marx hat sich kemes- weas m diesem Sinne ausaespochen, er hat erklärt, das Verhältnis zu ben Konservativen sei unser- seits genau b a s s e l b e Wie früher: in Weltcmfchau- ungSftagen gingen beibe Parteien m sehr vielen Fällen zusammen. Zu bedauern sei nur, baß bie Hetze bes Evangelischen Bundes oft nicht ohne Ein­fluß auf bie Konservativen geblieben sei. Wir wutz- ent nicht, was gegen diese Ausführungen emzuwen- den fft Indessen ist es uns ganz erwünscht, bay sie den Anlaß geboten haben, einmal das Verhält­nis der bürgerlichen Parteien zu einander zu er­örtern. Wenn derartige Erörterungen aus allen Seiten mit der nötigen Ruhe unb Sachlichkeit ge­führt werden, so können sie nur zur Klärung der Lage beitragen. Und eine, solche Klärung haben wir heute nötiger denn je. Wir müssen Klarheit darüber haben, ivelche Parteien im Reichstage ge­meinsam mit der Regierung zu positiver A r be i t bereit sind, Klarheit aber auch darüber, tote diese Parteien, die sich in unserer Volksvertretung zu positiver Arbeit zusammenfinden, sich draußen im Laude zu einander stellen. Es geht nicht an daß man hier zusammenwirkt und dort denen in'bie Hände spielt, bie diese positive Arbeit mit allen Mitteln zu erschweren oder gar zu verhindern suchen. So selbstverständlich ist das eigentlich, daß mau es überhaupt nicht zu erwähnen brauchte, wäre nicht infolge unserer unerquicklichen parteipolitischen Lage so ost dagegen verstoßen worden.

Es ist nicht'das Parteiinteresse, das im Zen­trum den Wunsch auslöst, daß bie National- liberalen mehr als bisher — ganz haben sie die Fühlung ja nie verloren — den Anschluß an die Rechte und bie Mitte des Reichstags finden. Es ist vielmehr die Sorge darum, daß der Reichstag auch weiterhin zu ersprießlicher Arbeit fähig bleibt. Wir haben im Reichstage nicht nur eine 110 Man» starke sozialdemokratische Opposition, wir haben auch einen Freisinn, der sich vollständig in das Schlepptau dieser Opposition begeben hat,, und da hängt es nicht zuletzt von den Nation allibe­rat e n ab, ob diese Oppsition die Oberhand bekom­men soll, oder die Parteien, bie bisher bie Arbeit Geleistet haben. Es ist aber nicht zuletzt auch bie Sarge um die Zukunst unb das Vaterland. Soll die rote Flut noch weiter so ansteigen, wie bei bett legten Reichstagstoahlen? Soll der radikale Geist der Negation immer weitere Volkskreise erfassen? DaS ist es doch schließlich, worum sich der Kamps beute dreht urtb das Zentrum würde seine Pslicht, die ihm als natioualbiirgerliche Partei obliegt, ver­letzen, wollte es den Nationalliberalen gegenüber dieselbe Taktik eiuschlagerr, tote man sie ihm gegen­über zu Zeiten des Biilotoblockes verfolgte.

Das Zentrum toüufcht nichts dringlicher, als daß bie Reihen ber bürgerlichen P^ar- leie n, bie gegen ben Umsturz entschieden Front zu machen gewillt ftnb, möglichst verstärkt wer­ben, unb deshalb wünscht es auch, daß die National- liberalen in diese Phalar eintreten. Selbstverständ­lich hat das zur Voraussetzung, daß das zeitweilig recht gespannte Verhältnis zwischen ben beiden Par­teien sich bessert. So weit es auf das Zentrum anfontmt, wird hier nichts verabsäumt werben. Bei ben letzten Reichstagstoahlen hat bas Zentrum gezeigt, baß es ihm wirklich um die Sache, nicht etwa lediglich um parteipolitische Vorteile zu tun war, als es in Duisburg, in Pforzheim, in Wiesbaden nt;b an manchen anderen Orten den nationalliberalen Kandidaten gegen ben Kandidaten der Umsturz­partei herausschlug. Es scheint auch, als ob man auf nationalliberaler Seite allmählich einsehen wurde, daß ein vereintes Schlagen besser ist, als sich gegenseitig bekämpfen, wovon doch nur der lachende Dritte, bie Sozialdemokratie, ben Vorteil hat.

Auf der rechtsstehenden Seite hat man es bis­weilen so ausgefaßt, als ob diese vorn nationalen Standpunkt aus so erwünschte Annäherung zwischen ben Nationalliberalen unb bent Zentrum von einer Linksentwickelung bes Zentrums begleitet sei. Diese Ansicht fft schon ost zurückgewiesen worden. Eine Annäherung zwischen dem rechts­stehenden Liberalismus und dem Zentrum darf, bas ist doch eigentlich selbstverständlich, nicht von einer Verstimmung zwischen dem Zentrum und der R e ch t e n begleitet sein.

Zentrum, Konservative unb Nationalliberale haben Jahrzehnte lang die Arbeitsmehrheit im Reichstage gebildet. Das wird auch in Zukunst so sein müssen. ____