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Hul-aer W Zeitung

wochendeitage: „illustrierte Sonntagrzeitmlg

39. Jahrnaug

Fnlda, Mittwoch den 3. Juli 1912.

Erstes Blatt

M 149.

n ahm e des aus dem Abkonrmeu vom 4. November

Erscheint t«,ttch«r Ausnahme Itt Zo.w- «a-Zeierta-e Viertel- sSb-ttcherVe,«-'^reis ohne Srmaeklsh» und veftrLg«t»mKuldas«o meailZ»ärtz!56Mr.

Versntw. Sedaktem, «ar» rchn-te;

hervorgegcrngenen marokkanifcheu Protektoratsver­trages geendet. Die Regierung erzielte dabei eine ansehnliche Maiorität 460 Abgeordnete stimmten für, 79 gegen den Vertrag. — Der Annahme gingen zwei große Reden über die Marvkkopolitrk der fran­zösischen Regierung voraus. Bart Hou, der Vor­fitzende der Kommission für auswärtige Angelegen­heiten, und Ministerpräsident P o i n c a r 6 hielten warme Plaidoyers für diese Politik und bezeichneten den Protektoratsvertrag als die zweckmäßigste und vorteilhafteste Lösung des Marokkvproblems. Mini­sterpräsident PoincarS entwickelte dabei das Pro­gramm, dessen Durchführung der neue Resident in Marokko, General Lyautey, übernommen habe. In Marokko verfüge Frankreich gegenwärtig über Trup­pen, die sich im westlichen Marokko auf 32000 Mann und im algerisch-marokkanischen Grenzgebiet auf 11000 Mann beziffern. Frankreich werde den Sul­tan nicht beseitigen, habe aber das Recht, ihn zu einem protegieren Souverän zu machen. Man dürfe nicht erwarten, daß in Marokko wie mit einem Zauberschlag allgemeiner Frieden herrschen werde. Marokko sei ein unruhiges und wildes Land. Die Organisation des Protektorats werde die unvermeid­lichen Schwierigkeiten beseitigen. Das unternom­mene Werk sei ein langwieriges. Ueberstürzung wäre schädlich. Sodann erörterte Poincars ausfiihr-

oberung in Marokko vollziehen durch Achtung der Sitten und Gebräuche und der Religion der Musel­manen. Unsere moralische Macht muß sich aber auf eine stets bereite militärische Macht stützen." Die glatte Annahme des Vertrages mit so großer Mehrheit ist gar nicht überraschend; denn nur die alles vernein mden Sozialisten und einige radikale Querköpfe konnten sich den Wider­spruch gestatten gegen eine vollendete Tat­sache, die sich nur unter heilloser Schändung und Schädigung Frankreichs hätte rückgängig machen las­sen. Als die französische Volksvertretung s. Z. das mit Deutschland vereinbarte Marokko-Abkommen vom 4. November genehmigte, hatte sie sich auch schon für das Protektorat in Marokko ausgesprochen. Frankreich verfolgte ja mit der Abtretung des Kon­gostückes und den sonstigen Zugeständnissen keinen anderen Zweck, als sich freie Hand für die Pöuötra- tion des Scherifenreiches zu sichern.

Das ftanzösische Ministerium hat also ganz „korrekt" gehandelt als es dem Scherifen und seinem Machsen die Zwangsjacke des Protektorates über die Köpfe stülpte. Ob es aber klug gehandelt hat, ist eine andere Frage. Es scheint, als ob das übereilte Vorgehen den Franzosen eine Masse von Schwierigkeiten aufbürdet. Wer im Heißhun­ger sich über den Kartoffelkessel macht, ehe die Erd­äpfel gar gekocht sind, verdirbt sich den Magen. Man hätte lieber erst den Sultan und die Marokkaner allmählich gewöhnen sollen an die franzö­sische Herrschaft. Man hat die Abschließung des Vertrages überstürzt. Man hätte das Protektorat zunächst tatsächlich in Hebung setzen sollen, ehe man es in förmlichen Paragraphen zu Papier brachte.

Wir brauchen uns aber nicht darüber zu grämen, wenn die Franzosen durch die lleberhastung ihren Sultan in Verlegenheit und sich selbst in die Nesieln gesetzt haben. Jnl Gegenteil gereicht es uns zur Genugtuung, daß die Dinge so verlaufen, wie wir es uns bei den Verhandlungen im vorigen Jahr ge­dacht haben. Als gewisse „alldeutsche" Eiferer dar­über jammerten, daß Deutschland das „reiche und schöne Land" den Franzosen ausliefere, ohne sich selbst eine südwestliche Portion von dieser verlocken­den Torts zu nehmen, da wurde ja von den bedäch­tigen Politikern sofort auf die furchtbaren Schwierigkeiten einer Okkupation dieses un­ruhigen Landes hingewiesen.

Mögllchkeit für eine Verständigung erblicken und auch gegenüber der heutigen Erklärung der Regie­rung daran festhalten — dies umso mehr, als ein­mal die Lehrergehälter damit eine angemeffene Er­höhung erfahren und andererseits auch den Wunsch einer Freunde nach Nichtbelastung der Landge­meinden durch die Erhöhung der Lehrergehälter da­mit Rechnung getragen wird. Die weitere Debole wurde auf morgen vertagt.

leu", sagte PoincarS, „in Marokko trotz des blutigen Aufstandes von Fez keine Politik der Repressalien verfolgen. Wir wollen die mit unserer Macht zu vereinbarende Milde üben und die moralische Er-

Ät Die Annahme des marokkanische» Protektoratsvertrags.

Die Marokkodebatte in der franz. Depwt irr­te n kämm er hat, wie schon gemeldet, mit der An-

Monatsb-iiag-: „gulöaer SeschichtrbMer"

Deutsches Reich.

* Berlin, 2. Juli 1912. Da der Reichstag eine Anzahl neuer Bestimmungen in die Brannt wein­st euervorlage hineingebracht hat, mußten die bestehenden Ausführnngsbestimmungen eine voll­ständige Umarbeitung erfahren. Die zuständigen Bundesralsausschüffe sind nun mit der Ausarbeitung der Ausführungsvorschriften beschästigt. — Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht die Verleihung des erblichen Adels an den Vizeadmira. Capelle, Direktor des Verwaltungsdeparlenients des Reichs- rnarineamtS, und an den ständigen Sekretär der Akademie der Wiffenschaften, Wirklichen Geheimen Oberregierungsrat Prof. Dr. Auwers.

)( Dir Berwirklnhung der neuen Herrrsvorlage. Das letzte Armee-Verordnungsblatt enthält alle die Verfügungen, die infolge der vom Reichstage be­willigten Neuformationen notwendig sind. Ihr In­halt ist zum größten Teil bereits bekannt.

Neu errichtet werden u. a. eine Armee-Inspektion — die siebente — in Saarbrücken und zwei Armee­korps — das 20. und 21. — mit dem Sitz der General, lommandos des 20. Armeekorps in Allenstein und des 21. in S a a r b r ü ck e n. D:e Infanterie-Regimenter des 20. Armeekorps erhalten hellblaue Schulterklappen, die beim 21. Armeekorps hellgrüne Schulterklappen. Die Standorte der neuen 41. und 42. Divisionsstäbe sind Deulsch-Eylan und Saarburg, während sich der Sitz der 2. Fußarlillerie-Jnspekkion in Straßburg i. E. und der der Pionier.Jnspektion, der vierten, m Thorn befinden wird. Drill» Bataillone mitTmittterem Etat werden elf an der Zahl bei den Infanterie-Regimentern Nr. 148, 143, 155, 180, 161, 163, 166, 173, 174, 175 und 176 errichtet, ebenso 6 Aeldarlillerie-Regimenter zu zwei Abteilungen mit je drei fahrenden Batterien, drei Fußartillerie-Regimenter yi je zwei Bataillonen, darunter ein thüringisches Fußarlillerie-Regiment Nr. 19, (das jedenfalls nach Nlederzwelnen in Garnison kommt) und ein Lehr-Regiment bet Fnßartilierle^chietzschule, zwei Pionier-Balatöoue, je ein Scheinnxrserzug bet

X Die Kaiserbegeannng

in den finischen Schären regt natürlich Betrachtungen über die hochpolitische Lage an, aber sie bestätigt auch wieder die alte Wahrheit, baj Prcffe und Publikum über die Vor­gänge in der auswärtigen Politik viel weniger informiert sind, als über die innerpolitischen Ange-

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tagsmiuisterS.

In Bezug auf die baltische Zusammenkunft gilt also auch das fliegende Wort: Es geht etwas vor, inan weiß nur nicht: .was?* Wir können aber ganz ruhig abwarten, ob und wie sich das Rätsel lösen wird. Denn soweit die hochpolitifche Lage dem pro­fanen und unbewaffneten Auge sichtbar ist, nimmt sie sich für Deutschland recht günstig aus.

Wenn die Kaiserbegegnung eine weitere Annähe­rung zwischen Rußland und Deutschland zuwege bringen sollte, so wäre uns das natürlich sehr er­wünscht. Sollte aber kein Fortschritt zu erzielen sein, so würden wir mit der Fortdauer des bis­herigen Verhältniffes auch schon zufrieden sein können. Denn seit dem Rücktritt des ränkesüchtigen Ministers Iswolski und dem Antrittsbesuch feines Nachfolgers Sasonov in Potsdam hat sich die aus­wärtige Politik Rußlands von der deutschfeindlichen Einseitigkeit freigemacht und den »Draht nach Berlin" wiederhergestellt. Richt etwa unter Preis- gebung des Bündnisses mit Frankreich oder der Freundschaft mit England; das konnte man nicht erwarten und also auch nicht verlangen. Sondern einfach dadurch, daß das offizielle Rußland sich von der unbedingten Gefolgschaft der erklärten Feinde Deutschlands loslöste und die »freie Hand" ,tn den Beziehungen zu seinem Rachbarstaaie zurück­gewann. Das hat uns in den letzte« zwei Jahren genügt und genügt auch noch heute.

Ilm so mehr, als die Angriffslust Frank­reichs und Englands zur Zeit beträchtlich ab­geschwächt ist. Frankreich hat mit dem Danaer­geschenk Marokko gegenwärtig mehr als genug zu tun. Ob die englische Regierung im vorigen Herbst wirklich zum Losschlagen bereit war, mag dahingestellt bleiben; jetzt ist sie es offenbar nicht mehr. Ihre Sorgfalt ist vollstä idig dem weiteren Ausbau der brilischen Flotte gewidmet, und mährend sie ans gewaltigem Respett vor der jungen deutschen Flotte ihre Seestreu kräste in der Nordsee konzentriert, hat sie die schärssten Angriffe roe, en Preisgabe de- Mittelmeeres und Gefährdung des Weges nach Indien zu bestehen. Der Zeitpunkt, der eine Ver­nichtung der deutschen Flotte im Keime möglich erscheinen ließ, ist vorübergegangen; alle (Sin* kreisungskünste des Königs Eduard haben nicht vermocht, eine der Festlandsmacht zum Angriff auf Deutschland zu veranlassen. Jetzt wird sich erst recht niemand finden, der die englischen Kastanien au8 dem deutschen Feuer holen möchte.

Unsere Zuversicht ro.rb noch besonders gestärkt durch die gleichzeitige Verstärkung der Wehr­macht in Deutschland und in Oesterreich- Ungarn. Die Heere-reform in den beiden ver­bündeten mitteleuropäischen Kaiserreichen wird nicht bloß auf die französische Chauvinisten, sondern auch auf die russischen Ränkeschmiede einen heil­samen, ernüchternden Einfluß ausüben.

* Danzig, 2. Ju'u 1912. Auf der Fahrt nach Rntzland ist der Kaiser Dienstag früh in Danzig eingetroffen. In Begleitung des Kaisers befanden sich Prinz Adalbert und Prinzessin Viktoria Luise. Zum Empfange war die Kronprinzessin in der Uni­form ihres Dragoner-Regiments erschienen. Die Fürstlichkeiten begaben sich mit Gefolge nach dem großen Exerzierplatz bei Lang fuhr. Tort wohnte der Kaiser der Parade und dem Exerzieren des 1. Leidhusaren-Regiments bei und nahm darauf den Vorbeimarsch der gesamten Truppen der Garnison Danzig entgegen. Gegen 2 Uhr traf der Kaiser in Neufahrwasker ein und nahm auf der „Hohen- 8ollem* Wohnung. Bald nach 6 Uhr traf der Reichskanzler in Begleitung des Legationsrats Grasen Mirdach-Harff und des Adjutanten Frhrn. v. Seel ein. Vorher war der russische General­major Tatischew angelangt. Sämtliche Herren «ahmen auf der „Hohenzollern* Quartier.

Ausland.

** Luxemburg. Am letzten Sonntag wurde auf allen Kanzeln der Diözese ein Hirtenbrief ver­lesen, der sich mit der Schulsrage befaßt. Der Bischof erklärt darin, daß das neue Schulgesetz, wenn es auch einen gewissen pädagogischen Fort­schritt bedeute, i.i religiöser Hinsicht ganz wesentliche und bedenkende Verschlechterungen bringe und Be­stimmungen enthalte, welche für die kirchliche Be­hörde unannehmbar und unausführbar fei. :i. Die Gefahr sei um so größer, als infolge des Staats­monopols und des Schulzwanges die Eikern gezwungen feien, ihre Kinder in die Skaatsschuke zu schicken, einerlei ob sie dort zu guten Katholiken erzooen oder von zarter Jugend an vom Zweifel und Unglauben angefreffen würden. Der Bischof erinnert bann die Eltern an ihre große Verant­wortlichkeit und weift nach, daß eine unchristliche Erziehung für Kirch: und Staat verderblich ist. Dann heißt es:

„Seit den neuesten Erklärungen auf dem inter­nationalen Freimaursrkongreß zu Rom am20.November 1911, wo auch das Luxemburger Land vertreten war, wird niemand mehr ableugnen können, daß der Zweck der Freimaurerei darin beliebt, den Katholizismus zu vernichten und sich selbst an die Stelle der Kirche Christi zu setzen; und ferner daß die Zer- störung der Throne zum Programm der Loge gehört. Rühmte sich doch auf diesem Kongreß der Großmeister der portugiesiichen Frermauerei, daß sie deshalb in so kurzer Zeit den Thron und die Altäre stürzen, die Ordensleute vertreiben und das Gewissen des portugiesischen Bolkes emanzipieren, d t;. gottlos machen konnten, weil sie durch tangiährige Propaganda Die Schuten en tchriftlich t, den Laienunterrickt und die Laienerziehung, d. h. den Unterricht und di« Erziehung ohne Gott im Lande verbreitet hatten.*

* Konferenz deutscher und englischer Gefchästsleute in London. Im kommenden Monat werden sich deutsche und englische Kaufleute in London zu einer Konferenz vereinigen, durch die sie eine Annäherung der beiden Länder zu fördern gedenken. Mehrer« wichtige Vorschläge werden zur Debatte gestellt mer> den, die von großer Bedeutung fern können und die von beiden Regierungen gebilligt werden dürsten.

* Tie wilden Weiber von London Haden den Premierminister Asquith gezwungen, sein Erscheinen bei einem ihm zu Ehren geplanten Empfange im Rational - Liberal - Klub, dem größten und einfluß­reichsten Klub Englands, abzusagen. Ungewöhnlich viele Damen hatten sich zu diesem Empfange Karten verschafft, und der Klub-Ausschuß hatte bestimmte Rachr.chten über eine gegen Asquith geplante hand­greifliche Kundgebung erhalten.

* Serbien. Der Minister des Innern, Marku» Triskowitsch, wurde zum Ministerpräsidenten ernannt.

* Die meuternden Albanesen. Von Konstantinopel sind Truppen nach der Gegend von Monastir und Resna abgegangen, angeblich um die unbot­mäßigen albanestichen Offiziere und Soldaten zu Paaren zu treiben, wenn diese nicht bald klein bei­geben; doch sind diese Truppensendungen höchstens als Demonstration aufzufaffen zur Unterflützung der Verhandlungen, die mit Aufsässigen gepflogen werden. An bewaffnete Zusammenstöße zwischen den regierungstreuen und den treulos gewordenen Soldaten rft schwerlich zu denken. Es steht für das gegenwärtige Regime in der Türkei zu viel dabei auf dem Spiele. Dementsprechend beschloß denn auch ein sechsstündiger türkischer Minister- rat auf die Vorstellungen des Kriegsministers Mahmud Schewket Pascha hin, zunächst das Ergeb­nis der gütlichen Schritte bei den flüchtigen Offizieren abzuwarten. Die Antwort kann kaum vor Donnerstag eintreffen, da die Verbindungen mit Monastir und dem Innern des Landes unter­brochen sind. Wie „Sabah* meldet, haben die Meuterer selbst das Verlangen, mit der Regierung zu unterhandeln.

** Tas jüdamerikanifche ABC. Der Plan eines Bündnisses Argentiniens, Braftliens und Chiles — das züdamerikanische A B C — bat sich tu aller- neuester Zeit seiner Ausführung genähert. L ie drei Staaten tönnen fchon heute zusammen 500000 gut bewaffnete Soldaten m's Feld führen und ne ver­fügen über 10—12 der größten Schlachtschiffe nebst mehr als 20 Panzerkreuzern.

♦♦ Wikfon Präsidentschaftskandidat.

Die Abstimmungskomödre auf dem demokra­tischen Konvent in Baltimore ist auch am Montag und Dienstag unenttoegt fortgesetzt worden. Die Stimmenzahl für den fortschrittlichen Kandidaten Wilson stieg mH jeder Abstimmung langsam von 460 auf 477, 479 und 499; hier blieb sie jedoch vom 38. bis zum 4L Wahlgang stehen, um dann bei der 42. Abstimmung wieder aus 494 zurückzugehen. Entsprechend sank die Wahlzifser für den als Freund der Trustmagnaten gekennzeich­neten Clark von 455 auf 447, 425, 424, bis sie zuletzt wieder auf 430 stieg. Daneben erhielte« Underwood, Fotz und Harmon immer noch ihre 101—106 bezw. 26—29 Stimmen. Endlich bei der 46. Abstimmung wurde die erforderliche Zweidrit­telmehrheit für einen Kandidaten erzielt. Als Wilson 990 Stimmen und Clark 84 Stim­men erhalten hatte, beantragte Senator Stone, bii Nomination entsprechend dem Herkommen ein­stimmig zu vollziehen, was dann unter großen Demonstrationen für Wilson, in die all« Anwesen­den einstimmten, auch geschah. Clark und Uude»- wood hatten ihre Delegierten von der Verpflichtung, für sie zu stimme«, entbunden.

zehn Pionier-Bataillonen, ein Telegraphen-Bataillon, : eine Fliegertruppe, zwei Train-Bataillone und zwei , Halbinvaliden-Abteilungen. Durch die Königliche Order, ■ die am 1. Oktober 1912 in Kraft tritt, wird endlich . bestimmt, daß die Löhnung der Mannschaften — des j Friedensstandes und der Unteroffiziere und Mannschaften — des Beurlaubtenstandes ebenso rote das Geld der Osfiziere und oberen Militärbeamten usro. während der Hebungen erhöht werden.

-i- Dr. Sols in Südwest. Kolonialstaatssekretär Dr. Solf bereift zurzeit Südwestafrika. In den letzten Tagen berührte er Bethanien, wo die Klein­siedlungen besichtigt wurden, bann Ketmannshoop, wo die Bevölkerung und die Sckutztruppen zum Empfang erschienen waren. Dort erfolgte die feier­liche Grundsteinlegung zum Johanniterkrankenhaus.

)( Gastwirtekamuinn. Im Reichsamt des Innern fand eine Gastwirtekonftrenz statt, ander die Vertreter des Deutfchen Gastwirtcverbandes und des Bundes deutscher Gastwirte teilnahmen. Es handelte sich um eine Erörterung der Frage, ob die Errichtung besonderer Gastwirtckammern angezeigt ist. Tie erwähnten Verbände, die sich 'neuerdings zu einem Reichsverband vereinigt haben, streben dieses Ziel an, während die Reichsregierung einen ablehnenden Standpunkt einnimmt. Auch andere Gastwirleverbände nehmen in der Frage der offi- ziellen Gastwirtcverlretung eine reservierte Haltung ein; sie glauben, dieses Ziel schon durch einen fach- gemäßen Ausbau der Gastwirtevertretung in den Handelskammern erreichen zu können.

(*) Zum Zwist im nationülhberalcn Lager. Im hessischen Nationalliberalismus hat sich ein Vor­gang abgespielt, der allgemeine Beachtung verdient. Der jungliberale Verein in Darmstadt hatte be­schlossen, der von den linksstehenden hessischen Na- tionalliberaken gegründeten „freien politischen Ver­einigung* beizutreten. Auf der Vereinsversamm­lung, die über diesen Schritt beriet, waren auch der Vorsitzende der nationalliberalen hessischen Landes­purtei, Dr. Osann, und ein weiteres Vorstands­mitglied der Landespartci anwesend, die entschieden Widerspruch gegen den Eintritt in die freie Vereinigung erhoben. Da sie aber nicht durch­drangen, erklärten sie mit vier weiteren Mitgliedern ihren Austritt aus dem jungliberalen Verein. Um diese Linksentwicklung eines Teiles des hessischen Nationaliberalismus hat sich insbesondere Finanz­rat Baugel-Darmstadt „verdient" aemacht, der auch als der Führer des liberalen Bauernbundes gilt. „Der Bauernzersplitterungsbund", bemerkt dazu die »Deutsche Tageszeitung' (Nr. 923), „der bei den Reichstagswahlen bekanntlich mit dem land- wirtschastsfeindlichcn Freisinn eng zusammenging, sieht es also auch hier als seine Ausgabe an, den Liberalismus noch weiter rach links zu drängen und den offenen Gegnern eines starken Landwirt- schastsschutzes das Heft in die Hände zu spielen*.

□ Gegen dir Aufhebung des Jesuiteu gefetz S faßte die Kreistynvde Wittenberg eine Kundgebung, nach der sie als die „berufene Hüterin der Erbschaft der Reformation* die bestimmte und dringende Er­wartung ausspricht, daß die gesetzgebenden Ver­tretungen des deutschen Reiches wie des preußischen Staates allen Versuchen auf Aushebung oder ander­weitige Aenderung des Jesuitengesehes im Interesse des dadurch bedrohten konfessionellen Friedens em entschiedenes und festes „Nein" entgegensetzen werden. — Was Luther wohl sagen würde, wenn er sähe, wie kleinmütig jene, die sein „Erbe zu hüten* be- xufen sein wollen, sich vor einer kleinen Hanr>.>. ! Jesuiten fürchten! Vielleicht würden sie ihn aut: mit dein Mut trösten, mit dem sie den 41 a Millionen Sozialdemotraten gegenüberstehen, die in ihrer nm mittelbaren Nähe — keineswegs aber in der Nähe Der Jesuiten — immer zahlreicher werden.

X Em Mangel an evangelischen Theologen macht sich, wie berichtet wird, in einzelnen Regiecmigs- bezirken Preußens bemerkbar. Aehnliches meldet jetzt die .Köln. Zeitung' aus Württemberg:

„In Württemberg ist die Neigung zum Stadium der evangelischen Theologie so gering, daß sich zum erstenmal nicht einmal so viele Bewerber zur Ausnahme in das Tübinger Stift meldeten, wie dort Frei­stellen sind, obwohl diese Slistung für volle vier Jahre, und im Falle des Mrlitärdienstes für fünf Jahre, unentgeltlich Kost und Wohnung gewahrt."

Für den.Evangeluchen Bund eröffnet sich da tin ungemein 0ro&£§ Gebiet der Betätigung, deffen Bearbeitung für den Protestantismus viel wichtiger ist als der Kampf „gegen Rom", der weiter doch keinen Erfolg haben kann, als daß er die Volksseele vergiftet und den konfessionellen Frieden untergräbt.

<f Darmstadt, 2. Juli 1912. Die Zweite Kam­mer begann heute die zweite Lesung der Bram- teu- und Lehrerbesoldungsvorlage. Bor Eintritt in di: Tagesordnung gab der Präsident dem Bedauern Ausdruck, dah Ministerpräsident Dr. Ewald durch Erkrankung an den wichtigen Ver­handlungen teilzunehnnm verhindert sei. Finanz- Minister Dr. Braun legte die Stellung der Re­gierung zu den Beschlüffen des Finanzausschusses dar. Kekauntlich weichen diese sowohl in der D nkungsfrage als auch in der Frage der Schulden­tilgung von den Regierungsvorschlägen ab. Der Minister erklärte, daß die Regierung von ihrem früheren Standpunkt nicht abweiche und deshalb die Vorschläge des Finanzausschusses zurückweise. Für eine weitere Erhöhung der Lehr ergrhäl ter sei eine Deckung nicht vorlaräen und die Vorschläge des Finanzausschusses stellten bie Finanzlage des Lan­des noch mehr auf die schwankenden Eisenbahn­ern nahmen. Aus finanz- und steuerpolitischen Gründen will die Regierung deshalb zu weiteren Nachgabeu sich nicht bereit finden; gleichwohl hoffe er noch auf eine Verständigung. Nach einem Zu- sammenstotz zwischen dem Vertreter der Regierung, Geh. Rat Dr. Becker und dem Präsidenten des Hauses, Köhler, der dem Regierungsvertreter eine Rüge erteilte, weil er sich in einigen spötti­schen Bemerkungen über die Tätigkeit der Kammer erging und von einem Mangel an Vertrauen zu derselben in abfälliger Weife sprach, erklärte Mbg. M o l t h a n (Ztr.) namens seiner Freunde, datz fr? ' in den Vorschlägen des- Finanzausschusses die einzige

legenheiten.

Die beiden Kaiser nehmen zu der Zusammen­kunft bei Baltisch-Port die leitenden Mlnister mit; eS liegt also aus der Hand, daß man sich nicht auf den Austausch von allgemeinen Höflichkeits- und Freundschaftsverstcherungen beschränken, sondern m geschäftliche Verhandlungen eintreten will. Aber welche Fragen stehen auf der Tagesordnung? Die paar Eingeweihten fagen nichts, und ihr Amts­geheimnis ist auch wohl begründet. Denn diplomatische Verhandlungen zwischen zwei Staaten, die nicht von vornherein einig in ihren Ansichten und solidarisch in ihren Interessen sind, sondern erst die mittete Linie suchen müssen, können nur bei einer vertrau- lich en Aussprache und unter Ausschluß vorgängiger „Festlegung* in der Oeffenttichkeit zum Erfolge führen. Darum wird die hohe Politik niemals in der regelrechten „demokratischen* Manier geführt werden, sondern stets etwas autokratische Formeii an ne hmen; auch ht den Ländern mit parlamen< ________7.____— --------- r _ . ,

torischem Regierungssystem, indem dort ein ziel- I hch bie wirtschaftlichen und kulturellen Aufgaben, die Gewußter Minister das Volk vor vollendet« Tat- Frankreich in Marokko zu erfüllen habe. „Wir wol- sachen stellt, die man hinterher nach Belieben tritt» - - • - ™ "

fieren, aber nicht aus der Welt schaffen kann. In einem monarchischen Staatswesen, wie dem unsrigen, überläßt man gern und mit Vertrauen die Leitung der hohen Politik der Krone und ihren verantwortlichen Beratern, da die „Erbweishert*, die sich nm die feststehende Autorität kristallisiert, eine beffere Gewähr für Bedächtigkeit und Stetig­keit gibt, als das Genie eüies republikanischen Ein-