Einzelbild herunterladen
 

frfW kllrNch M Süsnapme Set Zo.m- uad Feiertage Vi-rtel- täkrliche? Beuta'preis otzite örinaertohn und «eftrLgeiorn Fulda sd- i»ie auswärts 1.5031t

Verantw. Aedattemr «ar! schütte;

fiirWAnzelgen: A. parzeLer m Fulda.

>.»»«

jv$ 148.

uldaer

Monatzbellage: „Zuldaer GeschZchtsblatter"

Lnzelgr«: ver Hat:» einst einlp Lslonel« zeile, 47 mm breit, testet lSpfg. Reklame«: ver Raum ei«« CelN nelzeil«, 74 mm breit, kostet 4S Pfg. »«wie. derhslange» Rabatt, Für Äffe«, u LurlunsÜ anzelgen 20 psg. extra.

LotatlourdruS u. Verlag ber Fuldaer AelieudruSerei t.Fuld« Fernsprecher Nr. »

Erstes Blatt.

Fulda, Dienstag den 2. Juli 1912.

39. Jahrgang.

o Die Novelle zum Strafgesetzbuch.

Am 5. Juli d. I. wird das Gesetz betreffend Aenderung des Strafgesetzbuches vom 19. Juni 1912 .dessen Wortlaut jetzt im Reichsanzeiger veröffentlicht worden ist, in Kraft treten (vergl. Nr. 143).

Die Notwendigkeit einer Reform des Strafgesetz­buches war seit langem als ein unabweisbares Be- dinfnis empfunden worden und fand in der debatte- losen Annahme der Novelle durch den Reichstag urib der nunmehr erfolgten Gutheißung durch den Bun­desrat seinen Ausdruck. Leider ist es nicht gelungen, das in vielen Teilen durchaus veraltete Strafgesetz­buch vollends zu reformieren. Um so begrüßens­werter ist es darum, daß durch die Novelle ein Teil der Härten wenigstens befertigt wird. Die veränderten wirtschaftlichen und sozialen Verhält­nisse haben es bisweilen schmerzlich empfinden las­sen, daß gerade von der Rechtspflege das Göthe'sche Wort: „Es erben sich Gesetz und Recht wie eine ewige Krankheit fort", bisweilen Berechtigung hat Die durch die Novelle gebrachten wichtigsten Ab­änderungen der Strafbestimmungen beziehen sich hauptsächlich auf Diebstahl, Unterschla­gung und Betrug, für welche Delikte zum Teil erheblich mildere Strafen als bisher festgesetzt wor­den sind. Gerade bei diesen Vergehen waren die Richter infolge der alten gesetzlichen Bestimrmrngen oft genötigt,' weit härtere Strafen zu verhängen, als dem Volks- und Rechtsempfinden entsprach. Da­her auch die ständige Unzufriedenheit über manche offenbar zu harte Urteile, wodurch das Ansehen der Richter und der staatlichen Autorität überhaupt nicht unerheblich litten.

Mit Genugtuung wird es in allen Volkskreisen anfgenommen werden, daß durch die Novelle für eine Reihe von Vergehen fürderhin neben der früher allein zuläsfigen Gefängnisstrafe, oder sogar an Stelle derselben, Geldstrafe verhängt werden kann. Dies ist beispielsweise der Fall bei der widerrecht­lichen Nötigung zu Amtshandlungen, beim Siegel- und Arre st buch und bei der Ver­letzung der Abfperrmaßregeln bei Krankheiten und Viehseuchen. In § 264a werden die Strafbestimmun gen für aus Not begangenen Be­trug, bei dem es sich um geringwertige Gegen­stände handelt, dahin gemikdert, daß nur Geldstrafe bis zu 300 Mark oder Gefängnis bis zu drei Mo- naten verhängt werden und die Verfolgung nur auf Antrag, dessen Zurücknahme jedoch zulässig ist, ein- treten soll. In dieser Bestimmung liegt ein sehr großer Fortschritt, denn es steht Wohl zu hoffen, daß nunmehr die kleinen aus Rot begangenen Dieb­stähle (Notdiebstahl und Mundraub) und Be­trügereien in weit geringerem Maße als bis­her vor das Forum des Gerichts gebracht werden. Die Befiirchtung, dich eine gar zu weitherzige Aus­legung der Begriffe „Rott' und „geringfügige Gegenstände" Platz greifen werde, und daß die Stellung des Strafantrages infolge der damtt ver­bundenen Unannehmlichkeiten in Zukunft in der­artigen Fällen ganz unterbleiben wird, ist wohl nicht Si teilen. Freudig begrüßen wird man auch die endernng feer früheren Bestimmungen über den Hausfriedensbruch, weswegen fürderhin auch in allen Fällen Strafantrag gestellt werden mutz der ebenfalls widerruflich ist. Eine besonders Wohltuende Bestimmung wird als § 223a Absatz 2 tzingestelll, worin Jugendlichen und wegen Gebrechlichkeit oder Krankhett wehrlosen Personen, die der Fürsorge unterstellt find, gegen Körperver­letzung mittels grausamer oder boshafter Behand­lung seitens der Eltern, Vormünder, Lehrer, Lehr- herren, Anstaltsbeamten usw. nachdrücklicher Schutz gewährt wird.

Es ist ohne weiteres klar, daß erst die Hand­habung des Gesetzes, das durch feine dehnbaren Be­griffe einer engen oder weitherzigen Auslegung wei­ten Spielraum läßt, den mehr oder minder großen Segen der Novelle bartun wird. Wir dürfen aber in 'unseren deutschen Richterstand das Vertrauen setzen, daß er es an sozialem Verständnis für die Noten des Volkes, besonders der unteren Schichten, nicht fehlen lassen wird. Im allgemeinen ist der eingeschlagene Weg, der den Richtern in der Aus­legung der Gesetze größere Frcfheit beläßt, zu be­grüßen und es wäre zu wünschen, daß auch die Re­form des ganzen Strafgesetzbuches fich von diesem Gedanken leiten lassen möge.

Deutsches Deich.

, ** Berlin, 1. Juli 1912. Der Kaiser trat

Montag vom Bahnhof Wildpark aus die Reise nach Danzig an. Das Befinden dec Kaiserin hat sich in len letzten Tagen ganz erheblich gebessert, so daß sie zum erstenmal nach langer Zeit einen viertelstün­digen Ausritt unternehmen tonnte.— D-r Reichs- ranzler empfing gestern den kafferlichen Statt­halter von Elsaß-Lothringen, Grafen Wedel. — Als Nachfolger des von seinem Berner Posten scheiden­den Gesandten von Bülow, eines Bruders des früheren Reichskanzlers, ist der Gesandte Frechen Konrad v. Romberg ausersehen und wird dem­nächst nach Bern gehen. — Dec Generalfeldmar­schall und Inspekteur der 3. Armeeinspektion von Bock und Pol ach wird int Herbst dieses Jahres infolge vorgerückten Alters in den Ruhestand treten. Als sein Nachfolger ist der Kommandierende Gene­ral des 13. Armeekorps (König!. Württembergifches) Herzog Albrecht von Württemberg in Aussicht genommen. Der Herzog, der der katho- lischen Linie des württembergischen Herrscherhaufes angehört, ist der präsumptive Thronfolger, da der jetzige König kinderws ist und der noch lebende Bater des Herzogs, Herzog Philipp von Württem­berg, im 74. Lebensjahre steht und für die Thron­folge nicht mehr in Betracht kommt. Der Herzog ist Könial. Preußischer General der Kavallerie. — Der öffentliche Betrieb auf der d e utfch o ft afri­kanischen Mittellandbahn ist am Mon- Jtag bis Tabora, das ist eine Strecke von 848 Kilo­

meter ab Daressalam, von der ostafrikanischen Eisenbahngesellschast übernommen toorben.

)( Deutschland und England. In England ist man zurzeit besonbers auffällig bemüht, die Deutschen von der freundlichen Gesinnung der Engländer gegenüber ihren deutschen Vettern zn überzeugen. Das liberal-ministerielle ,Daily Chromeltt spricht sich in einem Leitartikel optimistisch über die deutsch- englischen Beziehungen aus. Die Bemühungen Lord Halbanes feien nicht vergebens gewesen, und die Ankunft des Freiherrn Marschall v. Bieberstein be­rechtige zu neuen Hoffnungen. Dar Blatt glaubt, daß die Beziehungen sich beffetn werden, weil bas Ziel den wirklichen Richtungen bet Entwickelung der beiden Länder entspricht. Als industrielle, handels­treibende und exportierende Nationen stehen Deutsch­land und England an der Spitze Europas und haben enorme Jntereffen gemein, und im Vergleich damit sind die Gründe für ihren Antagonismus unbedeutend. — Wie schön wäre er, wenn das die allgemein herrschende Ansicht der Engländer wäre!

4- Zolltarif und Handelsverträge. Der Zentral­verband Deutscher Industrieller hat der Regierung zur nächsten Zoll- und Handelspolitik schon aus­führliche Denkschriften eingereicht. Wie der Zen- lralverband, ist auch eine Reihe anderer Verbände bemüht, reiches Material für die Neugestaltung der Zoll- und Handelspolitik beizubringen. Wie eine Nachrichtenstelle erfährt, kommen für die Regierung in erster Linie die Produktionsstatistischen Arbeiten in Betracht, die ein Bild über die Bedeutung und Entwicklung verschiedener Produktionszweige geben sollen. Mit besonderem Jntereffe werden natürlich die Vorarbeiten für die Neugestaltung des Zoll­tarifs verfolgt. Es soll als ausgeschlossen gelten, daß der jetzige Zolltarif einer wesentlichen Um­gestaltung unterworfen werde; in der Hauptsache handle es sich lediglich um Abänderungen von Einzel­heiten, Ergänzungen und bessere Formulierungen. Bei der Gestaltung des Zolltariss wird besondere Rücksicht auf die neuen Handelsverträge zu nehmen sein, da im Jahre 1917 die meisten bisherigen Tarifverträge ablanfen. Wie in den übrigen be­teiligten Staaten muß auch das Deutsche Reich mit der Wahrscheinlichkeit veränderter Bestimmungen in denselben rechnen. D»e Vorbereitungen für die neuen Handelsverträge müssen natürlich eher unter­nommen werden, als bis man mit den Vorarbeiten für den Zolltarif zu Ende ist; die allgemeinen dabei in Betracht kommenden Gesichtspunkte werden schon früher geklärt werden können. Die Vorbereitungen für die Neugestaltung der Zoll- und Handelspolitik find schon so weit gediehen, daß man bereits vom nächsten Jahre ab wieder auf umfangreiche zoll- unb handelspolitische Erörterungen zwischen der Regierung und Männern der Praxis rechnen kann.

** Zur Bekämpfung der Lebkiismittelteuernug sind Erhebungen über die Maßnahmen der deutschen Städte vorgenommen worden, die ergeben, daß ins­gesamt 78 Städte sich genötigt gesehen haben, Vorkehrungen zur Linderung der Teuerung zu treffen. Zumeist wurde ans die Versorgung der Bevölkerung mit Seefischen Bedacht genommen. Aus der regel­mäßigen Veröffentlichung der Groß- und Klein­handelspreise hat sich ergeben, daß die Preise durch den Zwischenhandel ungeheuer in die Höhe geschraubt wurden, während der Landwirt verhältnismäßig sehr geringe Preise für seine Waren erzielte. Die hohen Fleischpreise sind den Erhebungen zufolge nur durch die hohen Zwischenverdienste beim Groß- und Kleinhandel entstanden.

** Der Neichstagsabgeordnete Bachmeier, Vertreter fee» Wahlkreises Pfarrkirchen in Niederbayern, ist gestorben. Er gehörte dem bayerischen Bauernbund an, hatte sich aber im Reichstag keiner Partei an­geschloffen. Er hat dem Reichstag von 1893 bis 1906 angehört, für feie Neuwahl 1907 aber kein Mandat angenommen. In diesem Jahre ließ er sich wieder als Kandidat aufstellen und siegte mit 9882 bauerubündlerischeu Stimmen gegen 7722 Zentrums- und 1228 sozialdemokratischen Stimmen.

(*) Wir kläglich die Art ist, der sich Liberale bisweilen bedienen, um einen polit scheu Gegner zn bekämpfen, geht ans einer Notiz der,Donauzeitung^ hervor. Zu Schwandorf in Bayern wurde eine liberale Versammlung abgehalten, in welcher sich ein Zentrumsanhänger in Ermangelung von Papier Notizen auf einige" Bierfilz« machte und diese nachher mitnahm. Liberal sich nennende Personen, denen es wohl unbequem war, daß ein politischer Gegner fich über ihre Versammlungen Notizen machte, erstatteten darauf gegen den Zentrumsmann Anzeige wegen Diebstahls. In der bayerischen Großblockpreffe, bemerkt hierzu mit Recht die ,Kreuz- zeitungh die fönst immer so eifrig hinter jeder Kleinigkeit her ist, vermißt man bisher jede Kritik dieser kläglichen Kampsesweise, ja, sie gebt in ihrer schonenden Rücksicht so weit, daß sie diese traurige Handlungsweise vollkommen tot schweigt.

Ausland.

* Der österreichische Ackerbauminister t Der Ackerbauminister Albm B r a f, ein bekannter tsche­chischer Nationalökonom, ist am Montag in Rostock bei Prag plötzlich gestorben, während in Prag auf ferm Sokolkougretz das Palacki-Denkmal eMhüllt wurde. Braf war seit längerer Zeit herzleidend. Als Polttiker und Gelehrter hat er sich auch bei den Deutschen stets lebhafter Werffchätzuug erfreut.

** Die italienische Wahlresorm ist nun auch vom Senat genehmigt worden, nachdem die Kammer sie schon in den ersten Maitagen angenommen hatte. Der König hat sie beftätrgt. Die Wahlvorlage tauchte zuerst als unbeftimmte Andeutung in der Thronrede zu Beginn der Legislattkrperwde auf. Giolitü schob aber damals die Reform auf die lange Bank. Aus dieser Ursache erschien sie Sonnino ge­eignet, seinem Regierungsprogramm Vorzüge zu verleihen. Als Sonnino schon nach drei Monaten wieder Weichen mußte, nahm Lnzzatti die Wahlre­form in fein Programm auf. Sie wurde die Hand­

habe zu seinem Sturze; denn Giolitti selbst, der nach freiwilliger Zurückgezogenheit die Zügel von neuem an sich zu nehmen begehrte, lief seinem Platzhatter den Rang ab, indem er, um die Sozialisten auf seine Seite zu bringen, noch erheblich radikalere Bestim­mungen in den Entwurf einfügte.

Dieser, nun Gesetz geworden, verleiht 6412 000 Italienern Wahlberechtigung auf Grund des vollen­deten 30. Lebensjahres. Dazu kommen noch 1 289 000 solcher Wähler, die bei geringerem Le­bensalter auf Grund anderer Eigenschaften oder Lei­stungen das Wahlrecht erhalten. Dazu gehört die Ableistung des Militärdienstes.

** Annahme deS Marokko - Protektorats. Die französische Kamm er nahm den Proteltoratsoertrag betreffend Marokko mit 460 gegen 79 Stimmen an.

* Die Sltssragettes in England sind gegenwärtig wieder sehr unternehmungslustig, aber das Publikum fängt an, sich dagegen zu wehren: Bei einer Ver­sammlung von »Wahlweibern" in Pakenham in der Grafschaft Suffolk kam es zu bösartigen Un­ruhen. Die Menge wollte die Agitatorin Mrs. Drum- monfe nicht zu Wort« kommen lasten. Es wurden Steine auf fern Wagen geworfen, der als Redner­tribüne diente, und die Menge erhob ein gewaltige» Geschrei, sobald die Rednerin den Mund öffnete Eine Stuude lang versuchte Frau Drummond ver­geblich, sich Gehör zu verschaffen. Mehrmals über­wältigte die Menge die Wache haltende Polizei und versuchte, den Wagen umzuwersin. Schließlich mußte die Rednerin das Feld räumen.

** Die sozialdemokratische Wahlrechtsbewegnng in Belgien. Die letzten Wahlen in Belgien haben die Sozialdemokraten nicht, wie sie gehofft halten, ans Ruder gebracht, folglich muß das Wahlrecht schlecht fein und muß so abgeändert werden, daß die katho­lische Kammermehrheit vernichtet werden kann. Durch den gestern mitgeteilten Beschluß des außer­ordentlichen sozialdemokratischen Parteitages wird nun die Ungewißheit der innerpolitischen Sage noch vergrößert. Die Parteileitung hatte diesen Kongreß nur einberufen, um die aus Aerger über beit Aus­gang der Wahlen'ins Leben gerufene unüberlegte Streilbewegung im Industriegebiet wieder zu unter­drücken. Dieser Zweck ist zum Teil dadurch er­reicht, daß die Frage bis zum November vertagt wurde. Die sozialistischen Deputierte» ntfiffen nun gemäß dem Beschluß des Parteitages im November den Antrag auf Verfassungsänderung einbrmgen, wie ihn die belgische Verfassung vorschrerbt, denn feie Kammer kann nur diese Verfassungsänderung im allgemeinen beschließen. Falls der Antrag an­genommen würde, müßte feie Umgestallnug" des Wahlrechts euer neuen Kammer überlassen werden, die auf Grund neuer Wahlen zustande kommen muß. Ob diese Kammer dann allerdings im Sinne des aügemänen und gleichen Wahlrechts handeln wird, steht sehr in Frage. Jedenfalls ist der politische Generalstreik bis auf weiteres hinaus­geschoben.

** Portugal. Nach einer Blättermeldung aus Lissabon versuchten die Monarchisten bei Bar- cellos in Nordportugal eine Erhebung. Truppen schritten ein und mußten von der Waffe Gebrauch machen, wobei mehrere Personen erschossen und verletzt wurden. — Nach anderen Meldungen scheint Der Streit seinen Ausgang von einer ganz gewöhn­lichen Wirtshausprügelei genommen zu haben.

** Der serbische Minisiripräsivent Miioivanowitsch ist am Montag nach kurzer Krankheit gestorben. Er war lange Jahre hindurch feer Leiter der aus­wärtigen Politik seines Vaterlandes. Während der Bolkankrise in den Jal;rerl ISud 09 war er der Träger feer österreichserndlichen Politik, die damals beinahe zum Kriege mit der Donaumonarchie ge­führt hätte. Später^ als dank feem festen Zusammen- balt Deutschlands mit seinem Bundesgerroffeu die Kriegsgefahr beseitigt war, lenkte auch Milcmowitsch ein. Er versuchte das Verhältnis Serbiens zu Oesterreich zu bessern und feen Abschluß eines Handelsvertrags anzubahnen.

** Der demokratische Konvent in Ballimore. Die Kandidatcufrage ist immer noch ungelöst. Montag vormittag um 11 Ufer (amerikanische Zeit) wurde in den Abstimmungen fortgefahren. Bryan, der fortschrittliche Führer der Demokraten, schlug dem Konvent einen Kompromiß vor, indem er ausführte, daß Clark, del konservative Kandidat, milden Holsen laufe und sich mit Hunden hetzen lasse. Bei der 28. Abstimmung im demokratischen Nationalkonvent erhielten Clark 468, Wilson 437 Stimmen. 29 Dele­gierte Marshalls gingen zu Wilson über.

Aus Mrche und Schule.

*** Priester-Exerzitien. Die Priest erexerzüien im Bischöflichen Priefterseminar werden in diesem Jahre wiederum in zwei Abteilungen abgehallen. Die erste Abteilung beginnt am Montag den 19. August, nachmittags 6 Uhr und schließt am Freitag, den 23. August, vormttlags 10 Uhr. Die zweite Abteilung beginnt amMontag, feen 26. A u gu ft, nachmittags 6 Uhr und schließt am Freitag, den 30. August, vormittags 10 Uhr.

totales.

Fulda, den 2. Juli 1912, □ Landrat Springorum zum Regierungsrat in Wiesbaden befördert.

Herr Landrat Springorum in Fulda ist durch Allerhöchsten Erlaß vom 26. Juni ds. I. zum Oberregierungsrate bei der königl. Re­gierung in Wiesbaden befördert und gleichzeitig vom Herrn Minister des Innern zum Direktor des neugebildeten kgl. Oberversicherungs­amtes für den Regierungsbezirk Wiesbaden und zum ständigen Stellvertreter des Rrgierungspräst- denten im Vorsitze dieser Behörde ernannt worden.

Die Nachricht von dem bevorstehenden Weg­gänge des Herrn Landrats Springorum wird tm ganzen Kreise mit aufrichtigem und lebhastem Be­dauern aufgenommen werden. Gewiß wird man sich mit dem Beförderten freuen übet die Hohr Wertschätzung feiner Wirksamkeit, die in dieser Er-' Nennung zum Ausdruck kommt, aber für den Kreis bedeutet es einen schweren Verlust, wenn sein erster Beamter, der 9 Jahre hindurch, immer und überall und unverdrossen das Wohl des Kreises zu befördern bestrebt gewesen ist, der in der steten Fürsorge für die Kreiseingeseffenen restlos aufgegangen ist, ui b in feer Sorge für ihr Wohl feine schönste Beamten­pflicht erblickt hat, ihm genommen werden soll.

Herr Landrat Springorum ist in der Tat, seitdem er Anfang November 1903 das Landrall- amt in Walvbroel, wo er lange Jahre verdienstlich gewirkt hatte, mit feem Landratsamte in Fulda ver­tauscht hat, .immerbar bestrebt gewesen, all« Zweige der Verwaltung fees Kreises zu fördern und fein Streben ist von reichem Erfolge gekrönt gewesen. Namentlich hat er allen auf die Hebung des Wohl­standes der Kreiseingeseffenen gerichteten Bestrebungen seine Fürsorge angedeihen taffen. Entsprechen!) dem überwiegend landwirtschaftlichen Charakter des Kreises galt sein besonderes Jntereffe der Saufe« wirtschaft und Viehzucht Ireilenden Bevölkerung. Hier hat er es sich namentlich angelegen sein lassen, eine feer grundlegenden Vorbedingungen für feen Fortschritt feer Landwirtschaft, der Zusammenlegung der Grundstücke, durchzuftihreu. Hiermit in Ver­bindung steht der Ausbau und fei« Verbesserung feer Landwege, für die er sich besonders besorgt zeigte. Sein unausgesetztes Bestreben war dahin gettdjiet, jeder Gemeinde Telephon, Wasserleitung und elek­trisches Licht und Kraft zu verschaffen. SBer in dieser Beziehung die jetzigen Verhältnisfe in unserem Kreise mit den Verhältmffen vor etwa 10 Jahren vergleicht, ist erstaunt über die Fortschritte, die hier gemacht worden sind, überall begegnet er der ordnen­den, helfenden und fördernden Hanfe des Landrats. Sein Programm auf diesem Gebiete hat er zu einem großen Teile schon in die Tat umsetzcn können, noch vor feer Verwirklichung steht fein großzügiger Plan feer Errichtung eines Gruppenwasterwerles und die Beschaffung billiger eleftrischer Kraft für den ganzen Kreis. Zu großem Dank ist dem scheidenden Landrat bet westliche Teil des Kreises verpflichtet, diesen bisher etwas vernachlässigte« Teil durch eine Vogels berg bahn zu erschließen, darauf war von Anfang an sein Streben unab­lässig gerichtet. Das Ziel ist ja jetzt auch so weit gesichert, daß mit feem Bau im Herbst begonnen werden Tann. Bekannt ist, wie Herr Landrat Springorum den lanfewirtschaftlicheu Ausstellungen, als hervorragenden Gelegenheiten, feer Land­wirtschaft in allen ihren Zweigen Belehrung und Anregung zuteil werden zu lassen, leb- Haftes Interesse zuwaudte mtfe sie energisch förderte. Jnsbesoubere die letzte Ausstellung in Fnlda im Herbste 1909 hat in ihm einen geschickten, unermüdlichen urfe selbstlose« Organisator geiunbeu. Ihr Erfolg ist in bei Hauptsache sein Verdienst. Hervorgehoben zu werden verdient noch, daß durch ferne Mitwirkung auf feem Lande eine Reihe neuer schmucker Schulbauten ent­standen ist und daß eine große Anzahl neuer Schul­stellen errichtet werden konnten. Die wachsenden Ausgaben für feie immer größer werdenden Bedürf' misse der Gemeinden hat er durch die Erwirkung von Staatszuschüffen zu verringern sich bemüht. Nimmt man alles zusammen, bann kann man aller­dings mit einem Redner der letzten Landwirtschaft­lichen Ausstellung in Fnlda ansrusen: Glücklich preisen soll fich ein Kreis, feer einen solchen Landrat an btt Spitze hat! Auch in persönlicher Beziehung ist Herr Landrat Springorum fern Kreiseingeseffenen lieb und wert geworden. Er ist überall geachtet als «in Mann von strenger Unparteilichkeit und hohem Gerechtigkeitssinn, dabei von liebens­würdigem Entgegentommen gegen jedermann. Wer immer, ob Hoch oder Niedrig, sich mit einem Anliegen ihm nahte, er hat ihm, soweit das möglich war, Rat und Hilfe zuteil werden lasten. Seine Beamten verlieren in ihm einen humanen fürsor- genben Vorgesetzten, der in jeder Beziehung für ihr Wohl bemüht gewesen ist. Seine Beziehungen zu den verschiedenen Konfessionen sind stets die besten gewesen. In kirchenpolittschen Fragen bewies er eine anerkennenswerte Vorurteilslosigkeit. Die Ka­tholiken des Kreises haben allen Anlatz, mtt Dank auf seine amtliche Wirksamkeit zurückzublicken, da er, obwohl selbst dem evangelischen Bekenntnisse an» gehörend, in den Angelegenheiten der katholischen Kirche stets großes Verständnis und Wohlwollen an den Tag gelegt hat. Der Presse, um auch das nicht zu vergessen, hat Herr Landrat immer das liebens­würdigste Entgegenkommen gezeigt.

Ein lauterer Charakter, ein umsichttger unver­drossener Arbeiter,, ein musterhafter Beamter und Vorgesetzter, feesten Herzensbedürfnis der Dienst im Wohle-der seiner Sorge Auvertrauten war, scheidet von uns. Der Kreis wird das, was 'er getan und was er ihm gewesen, nicht vergeffen.

Wie wir erfahren, wird Herr Landrat Springo­rum das Landratsamt in Fulda noch bis zur Er­ledigung seiner hiesigen Dienstgeschäfie verwalten. Seine Uebersiedelung nach Wiesbaden kann sich noch bis zum Oktober hinziehen.

Unsere postabsnnenten

MU"» erhalten mit der heutigen Nummer die bereits angekündigte Rhöukarte. An neu hinzutretende Bezieher wird nach Einsendung der BiertelsahrSquittung bit O* Rhönkarte kostenlos nachgeliefert.