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einmal

Wird mut der Termin der Giltig'eiisdauer der Scheine eingeschränkt und dürfen sie nicht mehr für Zölle auf Kaffee und Pe­troleum in Zahlung ge­geben werden, so ändert ba3 fast gar nichts. Die ganze Maßnahme ist Sand in die Augen der Wähler. (.Lechz. Volksztg' 262, 11. Novbr. 1911.)

Vor der Abänderung der Einfuhrfcheinordnung:

Die Getreide-Einfuhr» scheme werden in der langen Frist von 6 Monaten nur mit etwa 2 Prozent Diskont überall in Zahlung genommen, da sie bequem zur Begleichung aller möglichen Zölle, z. B. auch für Kaviar, Kaffee und Petroleum usw. verwandt werden können. Dieser letztere Zustand be­steht in vollem Umfang erst feit 1902 (Original Fett­druck), und feit dieser Zeit haben sich die Miß­stände eingestellt. (.Rhein. Ztg.' 131, 9. Juni 1909.)

Um die gewollte allge­meine Preissteigerung um die Höhe des Zolles zu er­langen, wurde auch die teuflische Bestim­mung getroffen, daß auf den Schein nicht dasselbe Produkt eingejührt zu wer­den brauche, worauf er ausgestellt wurde, sondern daß dafür auch andere Ge­treidearten und besonders Kaffee und V etro- leu m frei eingeführt wer­den können. (,Niederrhein. Arbeiier-Ztg.' 235, 7. Nov. 1911.)

Daß die Einfuhrscheine für Getreide in weitem Umsange zur Begleichung von Zollge'ällen auf ganz anders Waren verwandt worden sind, weist die Statistik gleichfalls nach. In den ersten acht Monaten des Jahres 1908 z. B. wurden zur Begleichung von Zoll fürKaffee und Petroleum rund 4,7 Mill. Mark verwandt. Daß dabei eine starke Schädi­gung der Reichskaffe statt- rndet, kann unmöglich ge­leugnet werden. (Fkhein. Ztg.' 131, 9. Ium 1909.)

ben sie sich bekehrt, wie haben sie ihre zeitweilige Ver- trriing gesühnt! Sie waren gefallen, aber sie sind ausgestanden und sind rastlos vorangeschritten, und das Versäumte haben sie wahrlich eingeholt. Darum wollen wir auch nicht verzagen ob unserer Schwach, heit und unseren Fehlern. Wer noch den ernsten Willen hat, sich zu besiern, der kann noch gut wer- den. Zu Fürsten im Reiche Gottes werden wir es nicht bringen, aber rechtschaffene Christenmenschen! können wir immer noch werden, wenn wir uns einen kräftigen inneren Stoß geben. Petrus ging hinaus und weinte bitterlich; das erste ist die Reue. Und Petrus sprach. Herr, was willst du, daß ich tun soll!^ Das zweite ist der Vorsatz. Dann suche in der Festigkeit dem Felsenntann Petrus, in dem Eifer und der Arbeitsfreudigkeit dem rastlosen Pau­lus nachzuahmen. —

Run darf aber am Feste der Apostel eine Mah­nung nicht ausbleiben: das apostolische Zeitalter fft noch nicht abgeschlossen; es ist noch nicht die ganze' Welt für das^ Christentum gewonnen; auch heute: noch müssen Sendboten hinausgehen, um zu predi-j gen, wie Petrus vor den versammelten Juden und Paulus vor den Griechen in Athen. Die Mis­sionen bilden die Fortsetzung des Werkes, das die Apostel vor fast 2000 Jahren begonnen haben, und im Grunde genommen ist es wirklich beschämend^ für die Christenheit, daß sie inzwischen in der Erobe- rung der Welt für das Kreuz nicht weiter gekommen ist. Jeder kann mitwirken, daß das Versäumte nach- gcholt werde. Bei der modernen Geldwirtschaft ist auch das Werk des Heiles wesentlich abhängig von den finanziellen Hllfsmstteln. Die rechte» Personen werden sich schon finden, wenn nur das nötige Geld da ist für die Reisekosten, die Unter-' haltungskosten. die Einrichtungskosten der Missionen.! Dazu kann jeder sein Scherflein beitragen, und et wird es auch tun, wenn er die große« HeiliIenseste- dieser Woche mit etwas Nachdenk«» begcm-f gen hat. i-, , .

Nach der Abänderung der Einfuhrfcheinordnung:

Kein Mensch wird wohl ernstlich zu be­haupten wagen, daß die Herabsetzung der Zeit, in der die Emfuhrscheine als Zoll in Zahlung ge­geben werden können, auch nur die Verwertung eines einzigen Einfuhrscheins ver­hindern könnte. Den gleichen Wert hat der zweite Teil der Neuordnung, daß bei der Einfuhr von Kaffee und Petroleum die beim Ex­port von Getreide erteilten Einfuhrscheine nicht mehr verwertbar sein sollen. (Mein. Ztg.' 15. Nov. 1911.)

Wirtschaftlich ist die Ab­änderung der Einfuhr­scheinordnung Hum­bug; sie ändert an dem Frevel der Getreideliedes­gaben nichts, aber gar nichts. (,Nieberrh. Arb.- Ztg.' 271, 20. Nov. 1911.)

freien Einfuhr von Kaffee und Petroleum verwandt würden. Atrch trage die lange Geltungsdauer der Etnfuhrscheine dazu bei. die Wiedereinfuhr von Ge- treide hinauszuschieben und die Preise in spekulati­ver Absicht in die Höhe zu treiben. Als man diese Heiden Bestimmungen aufhob bezw. einschränkte, hieß es in der sozialdemokratischen Presse genau umge- kehrt wie früher: „Diese Maßnahme fei nur eine Augenverblendung für die ganz Dummen." Wir haben diese Manöver bereits früher gekennzeichnet, müffen indes nochmals darauf zurückkommen, weil neuerdings wieder ein Artikel durch die sozialdemo­kratische Presse läuft. Da heißt es z. B.: „Daß nun die Herabsetzung der Geltungsdauer der Ein­fuhrscheine von sechs auf drei Monate (in Verbin­dung mit der gleichzeitigen Aufhebung der Verwen­dungsmöglichkeit der Scheine für Kaffee- und Pe­troleumeinfuhr) etwas an den Dingen geändert hat, ist ein glatter Schwindel!" Ja, warum haben die guten Sozialdemokraten denn früher immer das ge­rade Gegenteil behauptet? Da die sozialdemokra­tische Presie indes anscheinend stark an Gedächtnis­schwäche leidet, wollen wir ihrem Erinnerungsver­mögen kurz durch die nachfolgende Gegenüberstel­lung etwas aushelfen:

Unpolitische Zeitkäufe.

N. Berlin, 20. Juni 1912.

(Nachdruck verboten.)

Sommer-Son nenwende! In die Zeit der läng- steit Tage und der Hellen Nälle fallen sehr viele Na­menstage. Alle, die von Johannes ihren männlichen oder weiblichen Vornamen ableiten, haben bereits am 24. Juni ihren Festtag gehabt. Zum 29. kom­men die Peters und Pauls au die Reihe. Ich grmnliere den einen nachträglich und den anderen rechtzeitig mit dem Wunsche, daß sie chrem schönen Namen stets Ehre machen mögen.

Erst feiern wir den Vorläufer Christi, dann die beiden _ hervorragendsten Sendboten des Herrn. Erst den Wegebereiter, dann die unermüd­lichen Wanderer und Wegeerwetterer.

0 Hanne s, die Gnade Gottes! Wie mannig- r2 ■ s. Umgestaltungen hat sich dieser Name in den verschiedenen Zeiten und Sprachen gefallen lasse« ,in. beweis für feine außerordentliche Volkstümlichkeit. Jede Sprache hat ihn sich ange­paßt: in der Kinderstube wurde er mundgerecht ge­macht. Wenn wir „Hänschen" sagen, so mutzt uns das ganz„ deutsch an, als ob es ein urgermanischer Name wäre. Es ist kein Mangel an Mrerbietung gegen den großen Heiligen, sondern einfach eine Folge der außerordentlichen Verbreitung dieses Vor­namens, wenn das Volk seine Lieblingssiguren auf der urwüchsigen Bühne Hänneschen oder Hans ge­tauft hat. Die Träger des Namens brauche« sich vlcht „hänseln" zu lasien, denn ihr Patron hatte un­ter allen heiligen Menschenkindern den erhabenen Vorzug, daß er schon vor seiner Geburt der Erlö- fungsgnade teilhaftig mürbe. Durch seine unwan­delbare Treue hat er sich dankbar bewiesen. Und wie rührend ist die Bescheidenheit und Demut, die er mit seinem opferfreudigen Pflichteifer verbindet. Er will nichts sein, als die Stimme einet untergeordneten Herolds; er hält sich für unwürdig, die Schuhriemen de- Kommeudeu aufjulofeu^ auch da«« «och, als

. Ju Frankreich bemüht man sich augen­blicklich, ein neues Wahlsystem, nämlich das dec Verhältniswahlen, Änzuführen. Zwischen den De­putierten und der Regierung besteht in dieser Frage keme Einmütigkeit. Die Regierung befürchtet nicht mtt Unrecht, daß die Wahlreform, wie sie von der Riehrzahl der Deputierten gewollt wird, auch eine Venvaltungsreform im Gefolge haben muß. Nickt unbeträchtlich geschädigt wird auch das wirtschaft- lcche Leben Frankreichs durch den schon geraume Zeit wahrenden Seemannsstreik, der in fast allen größeren französischen Häfen ausgebrochen ist und einen allgemeinen Charakter angenommen hat.

Das Marokko-Abenteuer Frankreichs )at bisher 140 Millionen Mark geastet. Nirmnt man an, daß die nächsten Jahre die Erhöhung die­ser Summe auf 200 Millionen Mark bringen tKr- den und diese 200 Btillwnen Mark als geschäftliches Anlagekapital angesehen würden, so mußte Frank­reichs Staatskafle aus diesem allen Revolutions­lande mindestens 12 Millionen an Steuern usw. ziehen. Das wird vielleicht nach einem Mensche«, alter möglich fein, vorher nicht. Wir Deutschen können diese unangenehme Entwickelung diesnurl mtt trockenem Auge ansehen, und wer dabei die Schadenfreude Nicht unterdrücken kann, der braucht sich nicht einmal zu schämen.

?ie Italiener haben in T r i p o l i s mit Klima- schwiengkeiten zu kämpfen. Die heftigen Vorstöße

Herr Pastor Rieffenberg aus Ohlsdorf eind 45tebt0t über das Thema: »Die Freude d«S toami gelifchen Christen". Solch ein« Predigt vor Mit^ Mieden! des Evangelischen Bundes hat uns gefreut,^ Endlich einmal keine KampfeSpredigt gegen Rom? Aber wir hatten uns getäuscht, nicht zu unser«»/ Aerger, sondern zu unserer Erheiterung.

J®,.Redner, macht den Grmrv,ug alles menschlichen Weiens aus. Anders sagen' un,e^e " Alllbrüdrr. Sie weisen überall

auf das Glend der Welt hin. Merkt Ihr nicht, wie überall die Traurigkeit sich mehrt? Man könnte darauf Hinweisen, daß das niedere kaiholische Volk sehr vergnügungssüchtig sei. Doch das ist nur Scheiü und daraus kommt es nicht an, sondern auf di« Lehr«! Die verkörperte Seelenangst spricht aus dem Mienen der katholischen Schwestern und Geistlichen. . .1 den ^acholischen gesellen sich dir Philosophen bei Pessimismus. Was sollen wir nun zu diesen Lehre« sagen. Ja, wenn wir kein Evangelium hätten, men» • S ufcht gelebt hätte, dann hätten unsere

katholischen Bruder und jene Philosophen recht! We» auf sich allein gestellt ist, müßte sich der nicht immer auf der Flucht vor Gott befinden? Den Glauben auf die Vergebung der Sünden haben wir Jesu zu veÄ danken . sGlauben denn die Katholiken nicht an di«f Vergebung der Sunden durch die Genugtuung Christi»

2. den Weg zu dieser beseligenden Ge«

wißheit wieder eröffnet zu haben, ist das Verdienst Marti« Luthers".

Köstlich, unsere Schwestern und Priester die „verkörperte Seelenangst'! — Der ve ehrte Redner hat das offenbar in Romane« so qeltien.1 Da wird s wohl stimmen. Die Priester und Ordens, stauen der wirklichen Welt sind freilich glücklichere- fröhlichere Leute; hoffentlich macht Pastor Rieffen« *?.r9 Bekanntschaft mit einigen von itjnenJ

Vielleicht ist er alsdann nicht wenig verblüfft ob all der Heiterkeit, die er in diesen Kreisen fuibetj Ubir empfehlen dem Herrn Pfarrer auch das herr^ ltche, aus einem ebenso ernst wie froh g sitimmte» H^en herausgeschriebene Büchlein des jetzigen Bischofs von Rottenburg, v. Keppler: »Mehr Freude". Das wird seine evangelische Freude, so; groß sie auch ist, noch erhöhen, trotzdem es gan» katholisch tft

der letzten Woche« zur Beschleunigung des Krieges sind daher zu verstehen, aber die Türke« und Araber haben jenseits des Mittelmeeres unschätzbare Bun­desgenossen, das sind die Wüste und die Hitze. Beide verhindern, daß die viele« Siege der Italiener die­sen irgend etwas nützen. Außerdem sehe« die Schilderungen von türkffcher Seite über die einzel­nen Treffe« gerade nicht nach italienische« Siege« aus. Neuerdings ist wieder die Rede von Vorstößen der Italiener gegen weitere türkische Inseln; sogar vom Festlande war die Rede. Das Festland wird den Italienern aber doch wohl als zu gefährlicher Bode« erscheinen; di: krampfhafte« Versuche, die Albanier mobil zu mache«, sind zum guten Teil ge­scheitert. Das Volk ist wirtschaftlich durch die lan­gen Kämpfe des vorige« Jahres zu weit zurückge­kommen, als daß nicht eine derbe Ernüchterung ein­getreten wäre, und die italienischen Aufmunte­rungsgelder werden wohl in den Taschen der allezeit geldbedürftigen Häuptlinge verschwunden sein. Die offizielle Türkei wahrt nach außen hin chre Würde. Die Art und Weise, wie sie durch eine scharfe Pro- klamation den Quertreibereien in Albanien und den kriegerischen Gelüste« der montenegrinischen Unver- antwortlich! eit ein schnelles und sicheres Ende machte, konnte wirklich imponiere«.

In Persien liegen wieder Anzeichen bevor- stehender neuer Stürme vor. Der Regent hat seine werte Persönlichkeit in Europa in Sicherheit ge­bracht und überläßt „fein" Land seinem Schicksale. Schon tauchte wieder das Gerücht von neuen Wie­dereroberungsversuchen durch den abgesetzten Schah auf. Für die Europäs: ist außerordentlich wenig zu erkennen. Man weiß nur sicher, daß der eng- lffche und ruffische Einfluß schnell weiter wächst."

Die Beruhigung Chinas ist noch nicht ge­lungen; man kann die Soldaten nicht bezahlen, die die Revolutionsarbeit geleistet haben.

In de« Bereinigten Staate« Nord- Amerikas ist der Kampf um die Präsidentschaft in ein neues Stadium eingetreten. Der republi­kanische Nationalkonvent in Chicago hat zu einer Spaltung der republikanischen Partei geführt. Den Anhängern Tafts, die den ganzen Regierungsappa­rat und das gewaltige Trustvermögen hinter sich hatten, ist es gelungen, ihrem Kandidaten zum Siege zu verhelfen; Roosevelt, der in Chicago seine erste Niederlage erlitten hat, hat sich darauf von sei­nen Anhängern zum unabhängigen Präsidentschafts­kandidaten nominieren lassen und hat gleichzeitig eine neue fortschrittliche Partei ins Lebe« gerufen. Augenblicklich tagt in Baltimore der demokratische Bertretertrg, auf dem es gleichfalls schon zu Un­stimmigkeiten gekommen ist, ohne daß jedoch die Erbitterung und das wildwestartige Benähmen der Republikaner in Chicago in de« Kampf hineing:- tragen wird. Der Ausfall der allgemeinen Wahl im November bleibt unter diesen Umstanden nach wie vor ungewiß.

Deutsches Reich.

m. Die griesgrämigen Katholiken. Auf der Sommer­versammlung des Hamburgischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes hielt nach dem Bericht des .Hamburger Generalanzeigers' vom 11. Juni d. I.

vor siegreichen Feldherrn und großen Eroberern, ob­schon diese Helden längst nicht so gewaltigen Ein­fluß auf die Weltgestaltung ausgeübt haben, wie die Apostel. Und werde« nicht alle Leistungen der viel­gepriesenen Genies wetthi« ausgewogen durch die Taffache, daß der einfache Fischer vom See Gene- zarcth und der Teppichwirker von Tarsus aus der heidnischen Welt eine christliche Welt gemacht haben! Sie haben freilich die ungeheure Umwälzung der ganzen menschlichen Kullur nicht selbst bis zu Ende durchführen können, weil dazu ein Lebensalt w überhaupt nicht ausreichen kann. Aber sie haben den Grund gelegt in einem wunderbar großen Um­fange und mit einer noch wunderbareren Festigkeit, so daß ihre Nachfolger mit wachsendem Ergebnis weiterbauen konnten trotz aller Schicksalsschläge, die durch den Unverstand der Massen und die Bosheit der Mächtigen zeitweilig über das Riesenwerk der Erneuerung des Angesichts der Erde hereinbrachen. Aiich der ungläubige Geschichtsforscher, der Gerechtigkeit und Einsicht hat, muß staunend sich ver­beugen vor de-n Blut, der Tatkraft und der Geschick- llchkeit, welche diese Helden der friedlichen Welt­eroberung bewiesen haben. Die 2ßelt, welche zum einen Teil in raffinierte Genußsucht, zum anderen Teil in stumpfsinnige Roheit versuit/en war, — diese heidnische Welt für di; Religion des Kreuzes zu getotnnen, das war die schwerste Aufgabe, die je aus Erden gestellt worden, und die Apostel haben sie doch gelöst — als Werkzeuge eines Höheren, aber doch als überaus tüchtige, des höchsten Ruhmes würdige Werkzeuge.

In einem Punkte haben die beiden Apoftel- fürsten eine Berührung, die sür uns arme, schwache Menschenkinder tröstlich fft. Sie waren zu dem Höch­sten berufen, obschon sie nicht ohne Sünd' und Fehl waren. Petrus, der den Fels des Glaubens bil­den sollte und auch gebildet hat, mußte sei« Leben lang die schwache Stunde in der Leidensnacht be­reuen, als er in der Angst den Herrn verriet. Und Paulus war einst als Saulus der Verfolger der Christ« uewes«. Sie hatte« gefehlt; aber wie ha-

wochen-Rundschau.

f:] Fulda, 28. Juni 1912.

Die hochsommerliche Stille hält un8 umfangen. Die Reichstagsersatzwahl in Hagenow um das Mandat des konservativen Abg. Pauli-Potsdam kann einen ausgiebigen Stoff für die Unterhaltung nicht liefern. Der Streit um die christlichen Gewerk­schaften ist aus der Tagespresse verbannt und bildet nicht mehr die Quelle großer Aufregung. Der wiederaufglimmende Brand im nationallibe­ralen Sager läßt nicht gerade viel erwarten. So geht das liebliche Raten der Zeitungen über die Ab­sichten bei der Zusammenkunft des Kaisers mit dem Zaren in den finnischen Schären an. Wenn !s nach der Meinung verschiedener Zeitungen geht, dann werden dort alle schwebenden Probleme der Weltgeschichte gelöst werden. Ob diese Zusammen- kunft nun zu einer Vermittelung im italienisch- türkischen Kriege führen wird, ist natürlich ungewiß; sicher ist, daß seit der Aera Ssasanow in der russi- schen Regierung ein erheblich deutschfreundlicherer Wind weht als, in der Zeit, da der alte Deutschen- Hasser Iswolski das russische Auswärtige Amt lei­tete. Die Annahme des riesenhaften russischen Flot- tenprogramms, das gleich mit anderthalb Milliarden wirtschaftet, ist kein Gegenbeweis. Nur insofern kön­nen wir diese ungeheuerlichen Rüstungen bedauern, als darin wieder ein Ansporn für die übrigen Mächte, auch Deuffchland, liegt, ihre Flotte stärker und schneller zu vermehren; denn rs gibt in Ruß­land eine außerordentlich starke deutschfeindliche Gruppe, die die Hetze gegen Deutschland als gesell­schaftliche« Sport betreibt. Leider ist diese Gruppe unverantwortlicher Wichtigtuer nicht so machtlos, als daß sie nicht eines Tages wieder ans Ruder kommen könnte. Da Frankreichs Revanchelust nicht schläft, fft diese innere Verfassung des russischen politischen Körpers gerade nicht übermäßig erfreu­lich für uns und ebenso wenig die riesenhafte Ver­mehrung der Flotte.

In O e st e r r e i ch - U n g a r n ist die so lange Jahre hindurch heiß umstrittene Wehrvorlage vom ungarischen Magnatenhaus genehmigt worden. In dem Gewalfftreich des Präsidenten Tisza sah das Haus weder eine Gesetzes- noch Berfaffungsver- letzung, sondern nut eine Hausordnungswidrigkeit, bie durch die Notwendigkeit der Niederzwingung bet Obstruktion bedingt war. Im österreichischen Ab- georbnetenhause wurden die wichtigsten Teile der Wehrvorlage mit dn: verfassungsmäßigen zweibrtt- telt Mehrheit ebenfalls angenommen. Durch die Verabschiedung in dieser Vorlage kommt die öster­reichisch-ungarische Armee -ein gut Stück weiter. Der Rekrutenkontingent wird durch das neue Gesetz von 108 000 auf 156 000 Mann erhöht. Durch die Ver­stärkung feiner militärischen Macht wird Oesterreich- Unqarn für uns ein noch werwolletet Bundesge-

* Scheinheilige Pharisäer.

Mit verblüffender Keckhett versteht es die So­zialdemokratie, unter ihren blindgläubigen Nachläu- fern wegen irgendeiner Frag- eine Hetze zu entfa­chen. Auffallend bleibt dabei nur, daß die bedau­ernswerten Opfer der sozialdemokratischen „Aufklä- rung" gar nicht merken, daß die Obergenossen ihre Hetze mtt den widerspruchsvollsten Be­gründungen betreiben. Wird nämlich der Sozialde- mokratie eines ihrer wurmstichigen Agitationsmittel entzweigeschlagen, so behauptet sie am nächsten Tage mit der größten Ungeniertheit das genaue Gegen- teil von dem, was sie vorher mit Begeisterung als einzig richtig vertreten hatte.

Ein Musterbeispiel für diese liebliche Agitations- nethode bot die Aufhebung der Brann twein- 3tebeSga6e. Vorher wurde diese Liebesgabe tagtäglich fürchterlich verdonnert als „schamloser Beutezug auf die Taschen des Volkes". Als man nun an bie, Aufhebung dieser Liebesgabe ging, nannte man diese Aushebung ebenfalls „'einen neuen unverschämten Raubzug auf Kosten der Kousumen- wt—\ dasselbe köstliche Spiel konnte man bei der nMitberung ber Einfuhrfcheinord n ung beobachten. Vorher hieß es, das Einfuhrscheinsyst-m verursache eine Entblößung des deutschen Marktes von Getreide, weil die Einfuhrscheine nicht zur zoll- freien Wiedereinfuhr von Getreide, sondern zur zoll-

seine Predigt und sei« Beispiel ihn in ganz Juda berühmt gemacht hatte. In feiner einfachen Klei- Ä™ einfacheren Ernährung ist Johannes das Muster ber Abstinenz und das Vorbild für bie Itrenge Ordensenthaltsamkeit geworden. Er wollte nur Diener und Dulder sein, und gerade deshalb fft er zu ben höchsten Ehren in ber Christenheit aller Zungen und aller Zeiten gelangt.

Petrus, der Felsernncmn, und P a u l u s, ber Ene, werden am 29. Juni zusammen als bie Apostelfursten gefeiert. Peter und Paul — das klmgt uns von Jugend an als eine Einheit in ben Cbren und im Herzen. Wie apostolische Zwil- lTtnr9e-.^a5er bie Zwei, die in dem großen Werk so ersolgrerch zusammen arbeiteten, waren von ver­schiedener Begabung, von verschiedenem Charakter, auch verschiede« in her Art ihrer Berufung und Vor­bildung. Petrus, der ruhige, bedächtige Ordner und Letter, Paulus der bewegliche, heißblütige Stürmer und (£ruberer._ Jener hält das Zepter in der festen H"ud, dieser führt das Schwert mit nervigem Arme. Petrus war voni Herrn ans ber Mitte der Jünger ausdrücklich auf den Posten des Oberhirten berufen worden. Paulus war erst nachträglich durch eine« besonderen Gnadenruf in die Reche'der Apostel ent­sandt worden, und wenn er zum Range des Apoftel- fürsten aufgestiegen ist, so verdankt er das seiner ungeheuren Tatkraft, feinen überragenden Verdien­sten. Petrus war in den drei Jahren der Lehr- tatigkett des Herrn langsam erzogen worden für feine erhabene Stellung, — vorn einfachen Fischer zum Oberhaupt der werdenden Weltreligion. Die Umwandlung des Saulus zum Paulus erfolgte plötzlich, mit wunderbarer Schnelligkeit. Er brachte eine Fülle von Bildung und Geisteskraft bereits mit, da er in feinem Wirken für das Pharisäertum viel gelernt und sich geschult hatte. Die beiden Persön- lichkeiten ergänzten sich in ihren verschiedenen Tem- peramenten und Anlage« vortrefflich. Wenn man ihre Erfolge vom natürlichen Standpuntt au8 betrautet, so muß man bedauern, daß die well- lichr Geschichtsschreibung ihnen oft nicht gerecht loird. Da wird oft massenhaft.Weihrauch Verbrannt

TaS ist nur eine kleine ; taugen

wenigen Zeitungen. Aber diese Leine Blutenlese roirb genügen, um das scheinheilige Phari­säertum der Sozialdemokratie wieder treffend zu kennzeichnen.

volkswirtschaftliches und Soziales.

== Die beschleunigte Durchführung bet Kranken­versicherung nach der unten Reichsversicherunas- orbnung bezweckt ein Erlaß der Preußischen Regi> rung, der kürzlich an bie Regierungspräsidenten er-i gangen fft. Ma« hat in Preußen mit den Vorbe­reitungen zur Durchführung der Krankenversiche­rung so lange gezögert, weil erst bie Neuorganisation der Behörden durchgeführt werden sollte. Di« Oberversicherungsämter und Versicherungsämter werden ihre Tätigkett am 1. Juli 1912 aufnehmen) Neben de« Stadt- und Landkreisen, die Berfiche- runggämter erhalten, sollen noch VersicherungS- amter bei nicht kreisfreien Gemeinden, bie eine« entfachenden Antrag gestellt ■ tb zur Uebernahme ber Geschäfte nach ihrem Umfang unb ihrer Verfas­sung geeignet erscheinen, gebildet werden. Die Be- Zeichnung dieser Gemeinden steht für Preußen noch aus. Nach dem Erlaffe ber Minister für HandA und Gewerbe und für Landwirtschaft soll jetzt zu­nächst mit der Errichtung der Landkranken, kaf en und allgemeinen Ortskranken- taffen vorgegangen werden. Ihre Bildung stellt di: erste Etappe in den Organisationsarbeiteii bar;* denn die bestehenden Ortskrankenkaffen sowie bie* bestehenden Betriebs- und Junungskrankenkassen können erst zugelassen werden, wenn die Zahl der Mitglieder und die Leistungen der Landkrankenkas- sen und allgemeinen Ortskrankenkaffen feststehen) Nach Anordnung der Minister soll die Zahl der nach RBO. dem Versicherungszwange unterliegenden Personen ermittelt werden, um voraussichtlich bie Mitgliederzahl der Landkrankenkassen und allgemein ne« Ortskrankenkassen festzustellen: Stichtag toax der 15. Juni d. I. Vor allem kommen die land­wirtschaftlichen Arbeiter, die unständig Beschäftigten^ die Hausgewerbetreibenden und bie Dienstboten da­bei m Frage. Da für chre Versicherung außer­ordentlich viele Verschiedenheiten vorgesehen oder zugelassen sind, so wird die Abfassung der Satzungen große Schwierigkeiten bieten. Für die Organisation der Landkrankenkassen kommt auch in Betracht, daß

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Zrektag den 28. Jnni (912.

3». Jahrgang.

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