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jreltaz den 28. 3uul (912.
39. Jahrgang.
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Jean Jacques Rousseau»
Handwerker, die den Truppen folgten, der Bäcker, | kannten, und endlich trat der blutdürstige Unglaube Fleischer-Schneider, Schuster und anderer, so kom- auf in der Revolution. In der Tat ist Rousseau
der direkte Vater der französischen Revolution und
wir aus die Gesamtsumme von 608 000 Mann,
* Bor hundert Jahren. Napoleon ovf dem Wege nach Nntzkand.
(Ende Juni 1912.)
Von Chr. H.
Hauslehrer, Notenschreiber, Schriftsteller; versuchte sich auch als Deklamator, Schauspieler, Operndichter und ■— auf der Flugmaschine, die freilich da- mals nicht solche Erfolge aufzuweijen vermochte wie in unserm 20. Jahrhundert.
Gänzlicher Mangel au Selbstzucht und eine ungemessene Eitelkeit ließen Rousseau nirgends lange aushalten. So lebte er bald in der Schweiz, bald in Paris, zeitwellig auch in England und zuletzt seit 1767, von Wahnvorstellungen umhergetrieben, an verschiedenen Orten Frankreichs, bis er am 2. Juli 1778 zu Ermenonville, arm und mit sich und den Menschen in Zwiespalt verstarb. Sein angeblicher Selbstmord ist unbewiesen.
Nur auf einem Gebiete kann man Rousseau uneingeschränkten Beifall zollen: auf dem der Pflanzenkunde und Naturbeschreibung. Seine herrlichen Schilderungen der Schönheiten der Narur waren die Veranlassung, daß die Engländer, feilte Werke in der Hand, die Stätten besuchten, wo feine Romane spielen. Bon Rousseau her datiert bei den Engländern die Gewohnheit der Schweiz rrreisen, die seitdem auch bei anderen Nationen, nicht zum wenigsten der deutschen, sich eingebürgert hat, "
ihm die Blüte der jungen Männer Europas ihr „Vive l'E-mpereur!" zu; hätten sie nur einige Tage in die Zukunft gesehen, sie hätten besser gerufen: „Morituri te salutant", die dem Tode Geweihen grüßen Dich."
Der berühmte Schlachtenmaler Albert Adam schildert uns als Augenzeuge den Marsch der ersten Tage also: Unter den jämmerlichsten Verhältnissen verweilten wir den 29. und 30. Juni zu Plloui, einem elenden Orte mit armen hölzernen Häusern und abgedeckten Dächern. Zwei Tage fiel der Regen unaufhörlich in Strömen: Wahrhaft peinlich waren die Märsche der Truppen anzusehen, btt ohne Unterbrechung Piloni durchzogen. Mühsam und langsam schleppten sich die Kolonm» der Infanterie auf den vom Regen erweichten, fast grundlosen Straßen einher. Die schon damals oft schlecht ernährten Soldaten fühlten sich von Müdigkeit und der Last ihres Gepäckes erdrückt. Im Lager diente ihnen die durchnäßte Erde al? Ruhestätte und der Himmel als ihr Gezeit. Tausende von Pferden wurden oft in einer Nacht weggerafft."
Wen» es so an den Ufern des Riemen stand, was war dann erst zur Winterszeit im Innern Rußlands zu erwarten?
Napoleon hatte während der Vorbereitungen zum groß«, Kriege einmal zu Narbonne gesagt: „Alles ist (für diesen Feldzug) also weise kombiniert, die Hand Gottes jedoch ausgenommen, die man immer Vorbehalten muß, die, tote ich denke, mir nicht fehlen soll." Auch hierin hat er sich verrechnet. Seine Herrschsucht hatte chn zutoell gettieben. Seine Kombinationen stimmten nicht. Die Hand Gottes, das ist der Segen Gottes, fehlte ihm,
"Nachtwandler mit Fähigkeiten ausgestattet sei, die er im Wachzustande nicht besitze, ist übrigens falsch. Der Ursprung dieser Ansicht ist darin zu suchen, daß der Nachtwandler im somnambulen Zustande ost Handlungen begeht, die er im Wachzustand nur deshalb nicht ausfühtt, weil sie sinnlos sind. Ich brauche ja nur an die vielerörterten Kletterpartien der Nachtwandler zu erinnern. Daß er gefährliche Wege anscheinend spielend zurücklegt, liegt lediglich daran, daß er die Gefahr, in welcher er sich befindet, nicht überblickt, und anderseits wieder dadurch, daß sein Bewußtsein stark eingeengt ist, nicht von seiner Umgebung abgelenkt wird.
Der Ausdruck „Nachtwandeln" ist insofern schlecht gewählt, als die Anfälle absolut nicht nur des Nachts austreten, denn sie wurden in verschiedenen Fällen auch am Hellen Tage beobachtet, wie dies aus einem Beispiel hervorgeht, das ich hier anführen möchte.
Nenterghem erzählt von einem nahezu achtzigjährigen Doktor der Medizin, der so rüstig war, daß er noch seine Prafts ausüben konnte. Eines Tages wurde »r durch eine Hebamme im Nachmittagsschlaf gestört und gebeten, einer Frau beizustehen. Der Doktor besann sich nicht lange, packte die nötigen Instrumente zusammen und folgte der Hebamme nach dem Hause der Patientin. Dort vollführte er eine künstliche Entbindung, welche durch dir Lage der Sache geboten war. Das Kind tarn übrigens scheintot zur Well und wurde nur durch die sehr anstrengeuden ärztliche» Maßnahmen des alten Doktors zum Leben zurückgerufen. Sein Heimweg fühtte chn durch strömenden Regen. _ Zu Hause angekommen, setzte er sein Mittagsschläfchen fort. Als er dann später erwachte, fragte er, ob er denn nicht zu einer Entbindung gerufen worden sei, „es ist mir als wie ein Traum". Bald daraus schlief er wieder ein; nachdem er aus diesem Schlafe wieder erwacht war, war die Erinnerung an seine ärztliche Tätigkeit bei der Frau völlig vergessen.
Despine erzählt von einem Nachtwandler, drr in seinen Anfällen stets von leinem .Geliw nahm uns
487 000 Pferden, 1372 Geschützen." Das größte i«nb glänzendste Heer, wie es die Welt vor Napoleon nie gesehen, denn die Vergleiche mit Attlla, den -Kreuzzügen und den Napoleonscharen sind völlig verfehlt: das Jahr 1812 hat diese kriegerischen Züge weit übertroffen.
Warum zog Napoleon gegen Rußland? Eine unersättliche Eroberungsgier war die nie ruhende Leidenschaft Napoleons. Seine Machtgelüste ließen sich nicht befriedigen. Er, der seine ganze Umgebung beherrschte, hatte die Zügel über jene Leidenschaft verloren. Er wollte das letzte Bollwerk festländischer Selbständigkeit niederringen. Rußland hatte sich Napoleons Machtgebot entzogen und die Kontinentalsperre gegen England m seinem Lande aufgehoben. Das war eine arge Durchkreuzung der Pläne Napoleons, der in unvermeidlicher Konsequenz seiner Politll zum Schwerte gegen den bis- herigen Freund greifen mußte, wenn nicht seine weiteren Hoffnungen scheitern sollten. Wohin zielten diese Hoffnungen? Sie zielten auf viele Dinge zu gleicher Zett: eine Ueberfahrt nach England, nach Egypten, eine Fahtt nach Sizilien, das noch nicht erobert war, nach Cadix, nach Irland, um die katholischen Irländer von dem englischen Joch zu be- freten. Das war viel. Herr von ganz Europa zu werden, Weltbeherrscher, sein Reich an die Stelle des meerbeherrschenden Englands zu setzen, ein Alexander der Große zu werden, das war das Ziel seines Stolzes. Ueber Moskau führte chn der Weg nach Indien. Bereits hatte er zwei Generale nach Persien gesandt. „Ich habe die Karte und den Zustand der Länder studiert, die zu durchschretten sind, um nach Eriwan (in Armenien) zu kommen und von Tiflis (im Kaukasus) zu den englischen Besitzungen in Indien. Nehmen Sie an, Moskau sei genommen, Rußland gestürzt, der Zar versöhnt . .: nun sagen Sie mir, ob es für eine große Armee von Franzosen und chre von Tiflis abmarschieren- den Hilfstrnppen nicht möglich sei, bis zum Ganges zu gelangen . . -. Hierdurch aber wurde Frankreich mit dem nämlichen Schlage die Unabhängigkeit des Abendlandes und die Freiheit der Meere erobert haben." So äußerte sich der Kaiser vor seinem Vertrauten Narbonne.
„Welch ein Mann," setzt Narbonne bei, „wo ist die Grenze dieses Genies? Was für Ideen, was für Träume." Narbonne ließ es nicht an Gegenvorstellungen fehlen, ober alles umsonst. „Der Entschluß des Kaisers ist entschieden gefaßt," bemerkt er zuletzt, „seine sophistischen Gründe, seine gigantischen Hoffnungen sind in fernem Geiste ein gestochen . . . Man hält sich die Hand vor die Augen und fragt sich, ob die Logik eines solchen Mannes nicht die Wahrheit und ob fein Ehrgeiz nicht das Vorgefühl seiner Zukunft ift.- Der Genius des großen Korsen beherrschte und verblendete seine ganze Umgebung.
Aber Napoleon hatte sich verrechnet. Sein Unternehmen ist mißlungen, nicht weil es an der Führung fehlte, nicht weil seine militärische Kraft z» gering war, sondern weil es chm unmöglich war, mit den damaligen Mitteln der Technik die gewaltigen Entfernungen des russischen Kolosses beherrschen zu können. Woher Lebensmittel nehmen in den menschenarmen Gebieten?
Nur Fine ununterbrochene, schnelle und durch nichts gehinderte Proviantbeförderung konnte ein erfolgreiches Vordringen der großen Armee ermöglichen. Wo waren die Straßen, die dazu geeignet toaren*^ Dir wenigen Straßen mit ihren unendlichen Entfernungen waren in jämmerlichem Zustande. Die mit vieler Mühe beschafften Wagen haßten wohl für gut unterhaltene Straßen, aber nicht für die Wege Lithauens, in bereit Morast die mäber versanken ober die Wagen umstürzten. Ob Napoleon wohl in Lithauen noch im Ernste an Bersten und Indien dachte?
. . Am 25. Juni überschritt das ganze Heer den Vtemen. Stolz, siegesfreudig besichtigte Napoleon «ne vorbeiziebenden Kolonnen. Hoffnungsfroh ries
r C - . Tas Nachtwandeln.
. Von Dr. Carmers.
In dem Nachtwandeln begegnen wir einem der seltsamsten Phänomene auf dem Gebiete des krankhaft verändetteu Seelenlebens. Wtt rechnen eS zu den sogenannten Dämmerzuständen.
Daraus geht schon hervor, daß eine gewisse nervös» Veranlagung die Grundbedingung zu seinem Zustandekommen ist. Der gesunde Mensch bewegt meist kein Glied seines Körpers, während er träumt, wenn auch mitunter schwere Träume auftreten, die uns aufstöhnen lasse»; Träume, in welchen wir die Beine bewegen oder mit den Armen um uns schlagen. Der Nachtwandler fft so sehr von plastischen Traumen umgeben und empfängt zugleich so starke Antriebe durch die Traumhandlung, baß er — ich möchte sagen — aktiv in das Traumgeschehnis ein» tritt. Er verläßt die Ruhestatt, irrt durch die Zimmer, klettert zu schwindligen Höhen, führt die Rolle, die sein Traumbild ihm vorgaukelt, in Wahrheit aus.
Der Lehrer der Philosophie an der Universität Pavia, Professor Soave, berichtet den höchst interessanten Fall eines nachtwandelnden Apothekers.
Der Apotheker Castelli, ein in Pavia sehr angesehener Mann, der sich durch eine Reihe von Erfindungen aus chemischem Gebiete verdient gemacht hat, ward s-chr häufig von Anfällen des Nachtwandelns befalle». In diesem Zustand erhob er sich oft des Nachts, „heizte die Oefen, brachte die Destilliergefäße, Retorten, Kolben usw. an ihre Stelle und machte seine Experimente mit einer Umsicht und Gewandtheit, die er wachend vielleicht nicht besessen hätte. Er behandelte die gefährlichsten Substanzen, die heftigsten Gifte, ohne daß ihm je der geringste Unfall zugestoßen wäre."
In diesem somnambulen Zustande war er imstande, auch die schwierigsten Rezepte richtig zu dosieren, wie er den» auch die Arbeiten erledigte, mit denen er Tags zuvor nicht fertig geworden war. Er vergaß nie, nach Beendigung feiner Arbeit die Oesen zu löschen und alles wieder an Ort und Stelle zurückzulegen, wohin es ordnungsgemäß gehörte. Hierauf suchte er wieder fein Bett auf und schlief ruhig bis zum nächsten Morgen. Er hatte natürlich ttn Wachzustand keine Ahnung von dem, was er im somnambule» Zustand vollbracht hatte.
Einen wetteren interessant»» Fall von einem nachtwandelnden Apotheker berichtet Dr. Esquirol, der genau wie Castelle des Nachts sein Bett verließ, um seine Arbeiten im Laboratorium fortzusetzen. Ein Arzt, der sich speziell für diese» Fall interessierte, stellte verschiedene Versuche mit dem Somnambulen an. So legte er ihm, um seine Urteilskraft zu prüfen, ein Rezept auf feinen Arbeitstisch, das folgenden Wortlaut hatte: „Aetzsublimat 2 Gros, destilliertes Wasser 4 Unzen; auf einmal zu nehmen." Aber der nachtwandelnde Apotheker unterließ es, dieses Rezept herzustellen, denn er wußte trotz seines schlafähnlichen Zustandes ganz genau, daß er ein solches Rezept niemanden verabfolgen durfte, das in so konzentrierter Form ein solch schweres Gift enthielt.
Die allgemein verbreitet» Annahme, daß der
Zu seinem ADjahrigen Geburtstag, 28. Juni 1712, Von Paul vom Wilddach.
Eick französischer Schriftsteller bemerkt einmal (Graf von Toqueville: Histoire philosophique), der Unglaube hab» in Frankreich vier Stadien durchlaufen: zuerft kam der liederliche Unglaube, der der Regentschaft; dann der spöttische Unglaube, welcher Voltaire als fein Haupt anerkannte; zunächst folgte der dogmatische, zu welchem Rousseau und die übrigen Philosophen des 18. Jahrhunderts sich be-
all der Greuel, die nut ihr verbunden waren. Die Lieberlichkett der bevorzugten Stände, besonders des Abels, und der Spott Voltaires, welche die Fundamente der gesellschaftlichen Ordnung sett der außer- ordentlich glanzvollen Regierung Ludwig XIV. auf« tiefste erschüttert hatte», waren doch nicht so in die breiten Massen gedrungen. Mit ihren gedrechselten Phrasen hatten sie sich nur an die sogen. Gebildeten gewandt, und diese hätte» »och lange auf Kosten des gedrückten und ausgesogenen Volkes ihr Schlem- merleben fortsetzen können, wenn nicht Rousseau, der Mann mit der glühenden Phantasie, der voll strömenden, glühenden Sprache und der blendenden Kunst der Sophistik die brüten Massen in Bewegung gebracht hätte, bis der gewaltige Abgrund sich auftat und die leichtfertigen Tänzer verschlang.
Rousseau war es, den Marat und Rodespierre bet ihre» Bluttaten immer im Munde führten. Und wirklich: welche durch die Jahrhunderte geheiligte Wahrheit der Zivilisation hätte« Rousseau nicht auf den Kopf zu stellen verstanden, indem er cm gewisse Auswüchse anknüpfte, sie übertrieb, de» guten Kern der Sache verdeckte und bann eine Theorie aufstellte, die notgedrungen zur Revolution treiben mußte? So ist er bis heute, bewußte ober unbewußt, ber wirkliche Philosoph aller Kommunisten geworben.
In seinem Discourg sur les arts et les Sciences beantwortete er die Frage, ob Kunst und Wissenschaft die Sitten hebe», in verneinendem Sinne und erhttlt, allerdings haupffächlich für die glänzende Form der Darstellung, von der Akademie in Dijon den ersten Preis. Seine Schrift über den Ursprung und die Ursache» der Ungleichheit unter den Menschen kam, wen» auch nicht wöttlich, so doch dem Sinne nach, zu dem Schluß, daß das Eigentum Diebstahl sei und am besten alles Privateigentum abgeschafft würde. Das Werk vom Gesellschaftsvertrag (contrat social) stellte die Lehre auf, daß alle obrigkeitliche Gewalt durch freiet Uebereinfommen aller Einzelnen den Behörden übertragen worben sei — also folgerichtig^auch toieber abgenommen werden könne. Teilweise beistimmen kann man Rousseau, wenn er in seinem „Emile" für bie Erziehung der Kinder das Zurückkehren zur Natur predigt; freilich tat er das in so übertriebener Weise, daß sein Freund Bottaire selbst gestand, man fühle sich bei der Lektüre des Buches versucht, auf allen Vieren zu krieche». Tatsache ist es, daß durch dies Buch viele vornehme Damen seiner Zett sich veranlaßt sahen, sich wieder ihrer Kuder etwas besser an» zunehmen. Rousseau selbst frellich richtete sich so wenig nach seinen Lehren, daß er seine fünf Kinder von ber Dienstmagd Thsröse Levasseur, bie er nach 25jährigem Zusammenleben heiratete, in bas Fin- belhaus brachte, unb zwar bie beiben ersten bavon in so leichtfertiger Weise, baß er sie selbst später unter anberen Kindern nicht mehr herausfinden konnte.
Zum Teil erklären sich die gewaltigen Wider- spruche in bem Leben dieses Mannes aus seiner sehr mangelhaften Erziehung. Seine Mutter hatte bei feiner Geburt das Leben lassen müssen, und der Vater, ein nicht ungeschickter Uhrmacher, leitete bie Erziehung so, daß der begabte Junge beretts mit 6 Jahren lesen konnte, aber auch mit dem Vater ganze Nächte hindurch hinter den seichtesten Romanen saß, bis sie das Zwitschern der Schwalben aus ihren Träumen weckte. Später las er bie griechischen unb römischen Schriftsteller, besonders den Plutarch, unb lebte sich so in die klassisch-republikanischen Gedanken ein, daß er bei ber Lektüre bet Sage von Mucius Särvola selbst einmal bie Hanb ins Feuer streckte. Als Lehrling zu einem Kupfer- siecher gegeben, würbe er durch einen gewissenlosen Gesellen zum Stehlen für sich und andere an geleitet. Er entlief als 15jähriger der Lehre, trat auf Wunsch der Madame de Warens, einer Konvertitin, die sich seiner angenommen hatte und die später seine Geliebte wurde, ohne Ueberzeugung zur katholischen Kirche über, von der er jedoch später wieder zum Colvinismus zurückkehrte; führte dazwischen ein zweijähriges Ämdstreicherleben, war später bald
Am ^9. Mai 1812 in der Frühe hatte Napoleon Dresden verlassen. Er tooUte an der Spitze seiner gewaltigen Kriegsmacht den Erfolg der letzten Friebensverhandlungen mtt Rußland erwarten. Noch am 20., Mai hatte et feinen Gesandten in Petersburg mit direkten Weisungen an den Zaren beauftragt. War es ihm vielleicht nicht Ernst mtt seinen Kriegsrüstungen gewesen?
Das ganze Jahr 1811 war mit Rüstungen erfüllt gewesen. Die Generale mußten bet ihren Korps bleiben, um sie für alle Wendungen des Kampfes einzuüben. Kein General wußte einen Feldzug besser vorzubereiten als Navoleon. An alles dachte er. Er sorgte »amtlich auch für Wagen, um die Lebensmittel nachzuführen und organisierte die Fuhrleute militärisch. Er erfand eine eigene Art Wagen, die mtt ihren drei Ochsen Massen von Mehl hinter ihren Bataillonen führten. Nicht überall konnte man auf Mühlen rechnen. Darum wurde statt Getreide Mehl in Fässer mitgeführt. Um die nötigen Backöfen sogleich zu haben, wurden Maurer und Bäcker in die Arbettergrupven ein geordnet, auch Zimmerleute. Er ließ hundert Boote Herrichten, um sogleich Material zu Schiffbrücken zu haben, oder in Booten über bie Flüsse setzen zu können. Von Neapel bis zur Nord- und Ostsee zogen auf allen Straßen die Bataillone und Schwadronen, um dem ftanzösischen Adler zu folgen.
Wie groß war 1812 die gegen Rußland an« rücfenbe militärische Macht Napoleons? A. Pfister hat in einem Werke die Berechnung gemacht: „Wenn wir alle aufgebotenen Truppen rechnen, die in Schlachtlinie stehenden und die rückwärtigen, die Ersatzregimenter, Marschregimenter, die in Lichauen neu aufgefteUten Truppentelle, die Ingenieure, Sie Belagerungs- und Brückenparks, die Bataillone der ‘
nach einem Versteck brachte. Allmählich entdeckst er —- natürlich im Wachzustand« --- daß sei» ®eD> betrat immer weniger wurde . , . Er konnte sich nicht erkläre», wohin das Geld geraten sei» soll« und glaubte schließlich, daß er von seiner Magd bestohlen werde. Er entließ auS diesen Gründen au<S ya3 Mädchen. Da verwundete er sich eines Nachts? tm Anfall an einer Glasscherbe, die auf dem Tisches lag. Am nächsten Morgen entdeckte -er die Wund» an seinem Fuß, ohne baß er natürlich gewußt hättet wo er sich biefelbe zugezogen hatte . . . Die Scherb« auf dem Tisch brachte ihn endlich auf die richtig^ Spur, denn über dem Tisch befand sich ein Wand» breti, auf welchem er die fehlenden Geldstücke bis auf de» letzten Pfennig wieder vorfand.
Ein mir nahestehender Herr löste als Schäle» eine mathematische Aufgabe, während er sich ist einem Anfall des Nachtwandelns befand. Merkwürü bigertoeife war die betreffende Aufgabe ausnehmend! schwer unb von keinem Schüler der Klasse vorher! gelöst worden, ja sogar der Mathematikprofessor war zu keiner befriedigenden Löstmg gekommen. Derj betreffende Schüler war allerdings ein vorzügliche» Mathematiker. Die Aufgabe hatte ihn am Tag« zuvor sehr beschäftigt, und als er sich zu Bett legte,! dachte er noch immer daran, wie er zu einem Resull tat gelangen könne. Das mathematische Problems spielte dann in seine Träume hinüber und beherrscht«! so einseitig seine Traumphantasie, daß er schließlich' die Lösung der Aufgabe fand. Sicherlich hatte der! traumhafte Zustand dadurch das Wunder gewirkt, daß er ohne bie hemmenden Vorstellungen ausgetreten war, bie im wachen Zustand die Lösung de» Problems erschwerten. Jmmerhrn ist die Tatsache merkwürdig genug, um hier Erwähnung zu finden.! Ein ganz ähnliches Beispiel erzählt übrigens auch Professor van Swiudm von einem Amsterdamer! Studenten. Bei der Lösung dieser Aufgabe hatte? der Student ein ganz verblüffend einfaches Versah-! rett angewendet, dessen man sich vorher nicht bedient hatte. Daß übrigens auch vorhandene künstlerisch« Fähigkeiten ttn somnambulen Zustande entfallet werden können, ersehen wir daraus, daß Lafontaine seine Fabel, „Die beiden Tauben" als Nachtwandlev niedergeschrieben hat.
Die Annahme, daß das Nachiwattdeln durch den Mond hervorgerufen werde ist falsch. Daß das Mondlicht unter Umständen reizend auf den Sehnerv des Schlafenden einwirken und so einen Anfall auslöfen kann, soll nicht bestritten werden. Aber wir haben ja bereits oben betont, daß das Nachtwandeln von keiner Tageszett abhängig ist. Eine Reihe von Fällen zeigt uns weiterhin, daß auch in stockfinsteren Nächten Anfälle von Nachtwandeln verzeichnet werden könnten.
Haupffächlich jugendliche Personen werden bottti Nachtwandeln betroffen. Eine Heilung von diesem Leiden fft nur dckdurch möglich, daß man die nervös« Grundkrankheit beseitigt. Vielfach verschwinden allerdings die somnambulen Zustände vollständig, während die Grundkrankheit bestehen bleiben kann und sich an Stelle der zurückgetretenen somnambulen; Anfälle durch ein anderes Symptom äußert.
Allerlei.
“ Fori mit den Wadenstrümpfen! Es gibt mancherlei recht verderbliche „Moden", zu ihnen gehört das Tragen von Wadenstrümpfen seitens ber Kinder. Die Kinder sind ja meistenteils entzückt davon, unb auch bie lieben Mütter sind stolz darauf, wenn ihre Kinder so schön modern-vornehm einherspringen. Die Wadenstrümpfe kamen auf, weil man der Ansicht war, daß dadurch die Kinder^ abgehärtet würden. Diese Ansicht ist aber gänzlich falsch. Durch Entblößung nur einzelner Körperteile läßt sich keine vernünftige Abhärtung erzielen! Durch Wadensttümpfe wird viel eher da» Gegenteil von dem erreicht, was matt bezweckt! Di« Kinder neigen zu Erkältung des Darmes und der Blase, Leiden, bie vielfach nur durch eine Erkältung der Beine herbeigeführt werden. Will man die Kinder abhärten, so muß das systematisch geschehen, auch muß ber ganze Körper gleichmäßig abgehärtet werben, tn jetziger Zeit am besten durch Luft- und Wasser- bezw. Schwimmbäder ober durch tägliche Ganzwaschungen. Jede Gewalttur ist dabei vom Uebel. Wadenstrümpfe sind aber auch deshalb nicht zu empfehlen, weil sich auf die nackte Haut viel leichter Insekten' niederlassen, deren Stick nicht immer angenehm ist. Auch Verletzungen durch Herumstreifen im Garten und Wald durch Hinfallen usw., können bei Wadenstrümpfe» gefährlicher werde» al» sonst. Es gibt jetzt billige Florstrümpfe zu kaufen, üe jedenfalls nicht so nachteilig sind wie Waden- trümpfe unb auch gewiß eleganter aussehen. Fort also mtt ber Unsitte ber Wadenstrümpfe! ef.
— Unkraut. Wer hinaus aus» Land geht, wird sich gewiß ftenen über das mannigfache Grün, daS ihn überall umgibt An Landstraße», Feldwege»,! Waldrändern zeigt sich eine üppige, rotlbe Vegetation, oft herrlich geformte Pflanzen und Pflänzchen, mit bunten Blüten versehen, und selbst in den Feldern und Gärten mitten unter Kulturpflanzen tauchen sie auf; hier allerdings nichts weniger al3 Freude bereitend. Gar manche», waS der Städter vielleicht zu den „schönen Blumen" rechnet, ist den Landleuten da draußen vergißt und gehört zu dem Untraut, den unliebsame» Gewächsen, weil dies« das Gedeihen der Kulturpflanzen beeinträchtigen, indem sie ihnen Raum, Luft, Licht und Nahrung wegnehmen oder doch schmälern. Man teilt daS Unkraut ein in Samen- und Wurzel-Unkraut Zu bett ersteren gehört bet größte Teil alles Unkrautes; es sind immer nur em» ober zweijährige Pflanzen, so daß eine Fortpflanzung ohne Samenerzeugung unmöglich wäre. Die Samenerzeugung ist den» auch eine ganz ungeheure: eine einzige Pflanz« z. B. vom Ackersenf hat 6000, Spitzwegerich 16 000, weiße Wucherblume 26000, wilde Möhre 110000, Kamille sogar 310000 Samen usw. Auch ber Hederich, das Kreuzkraut, die Quecke, ber Schachtel, Halm, die Distel, der Huflattich, die Kornrade unb Kornblume gehören zu dem unliebsamste» Uatiaut
M.
— Kennzeichen. „Der Baron raucht Zehnpfennig, zigarren — da scheint er wieder Geld zu haben r — „U »gekehrt! Er raucht doch sonst nwc Zigarre» zu fünfzig Pfennig daS Stück!" — „Ja. d« pumpt et — die billigen bezahlt er." ., "i '