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Retatteiskret «. Verla- der gelbe« Letienkruckerel u§ulkqj Lerusprecher Br. *

M 145. Erstes Blatt.

Fulda, Donnerstag den 27. Juni 1912.

39. Jahrgang.

stauten. Im weiteren erging er sich in längeren, die Ausführungen früherer Zentrumsr ebner erqän-

-ungen früherer Zentrumsredner erqäm zenden Darlegungen über den BolkSschullehrer-Drei-

Was der bayerische Landtag sich alles biete« lasse« mutz.

d München, 28. Juni 1912.

In der bayerischen Abgeordnetenkauuner folgt ein Ausbruch der linkSliberal-sozialistischen Erbitte- rung auf den andern. Je näher der Hochsommer kommt, desto heftiger wird die Wut der Linken über ihre totale Ohnmacht, und aus ihrer wert- und wir- kungslosen Kritik wird eine maßlose, verbitternde Hetze gegm Zentrum, Katholizismus und alle-, waS damit zusammenhängt.

Am TienStag gab es eine längere Debatte über die Schulfrage, in der dir Liberalen sich ja als „Fachleute" fühlen. Abg. Held (Ztr.) verteidigte in längerer Rede die christliche Auffaflung vom Schulideal. Er verteidigte die Beibehaltung der Äon« feflionsschule und der Rechte der Eltern auf ihre Kinder sowie die Recht; des Staates u n d der Kirche auf dir Kinder. Die geistliche Schulaufsicht sei ga­rantiert durch die Verfassung, auch bei den Prote­

ererlaß, über daS Lehrergesetz, Lehreraufbesirrung »nd polemisierte gegen die liberalen Redner Bühler und Schubert in Fragen: „Lehrer und Sozialde­mokratie", bayerischer Episkopat und bayerischer Lehrerverein (Konflikt 1910). Anscheinend hatten die liberalen Redner, die in der Debatte zunächst gespro- chrn halten, ihre Sache nicht gut gemacht; denn zur Beantwortung der Heldschen Rede nahm sogar der liberale Herr und Meister, Se. Mchtigkeit Dr. Mülle r-Hof, höchstselbst das Wort. Er bekämpfte die Beibehaltung der Konfessionsschulen und der geistlichen Schulaufsicht in fanatischer Redeweise und griff den Kultusminister und Justizminister heftig an wegen der Maßregeln, die gegen zwei Pfälzer Lehrer ergriffen wurden, die einer sozialdemokrati­schen Versammlung angüvohnt hatten. Er bedauert, daß der Staat für die Lehrer kein Geld habe, Wohl aber für die Konfefsionalifierung des Schulwesens. Weiter polemisierte er gegen die Zentrumsredner wegen des Konfliktes zwischen den bayerischen Leh­rern und Bischöfen und forderte alle „Richtklerika­len" zum Kampf gegen „dieses System" auf.

Am Mittwoch kam die Erregung, die sich in den letzten Tagen angesammelt hatte, bei der Beratung des Etats des MmisteriumS des Innern zur Explo­sion. Zunächst bekämpfte Abg. Götz (Ztr.) die schauerlichen Auswüchse der Prostitution und der Echmutzkunst, die sich besonders in München ekel­haft arffdrängen. Dann begeisterte sich Abg. Cas- jelmann, der liberale Führer, für die Leichen- berbrennung, und dann kam der Sozialdemokrat Segitz, und mit chm eine Sturmszene. Segitz beschwerte sich über die Richtbestäitgung sozialdemokratisch gesinnter Bürgermeister durch die Regierung. Der frühere Minister des Innern habe von einem grundsätzlichen Ausschluß der Sozial­demokraten vom Bürgermeisteramt immer abge­sehen. Der Minister hatte also zweifellos mchr Achtung und Respekt vor dem Gesetz als sein Nach­folger Herr v .Soden. Der Vizepräsident Frank rief auf die letzte Aeußerung hin den Redner.zur Ordnung und wiederholte diesen Ordnungsruf, als Segitz weiterhin von einem glatten „Verfas­sungsbruch des Ministers" sprach. Unter kolossalem Lärm und vielfachen Zwischen­rufen — ein sozialdemokratischer Abgeordneter rief nach der Feuerwehr — schimpfte der Genosse, der offenbar den Krach provozieren wollte, in w a h r e m Gasseutone auf die Regierung, gegen die er unter dem Beisallsgejohle seiner Ge- sinnungsgenosien roter und rötlicher Färbung die minderwertigsten und albernsten Witzversuche rich­tete. Alt Segitz seinen Borwurf von neuem wieder­holte, wurde chm das Wort entzogen. Darob wieder große Auflegung bei der ganzen Linken. Der Vizepräsident Frank ließ sich aber nicht aus der Fas- snng bringen. Um aber die günstige Gelegenheit tu einem tüchtigen Spektakel nicht vorübergehen zu kasssen, schickten die Genossen noch chre Idealfigur, Herrn Isidor S ü ß h e i m, vor, der in zynischem Tone em Zusammenstoß zu erreichen suchte. Er «ahm den Vorwurf seines Kollegen Segitz wieder auf und hielt ihn „im Namen der sozialdemokra­tischen Fraktion" aufrecht. Dadurch zog auch dieser Rü>ner sich einen Ordnungsruf zu. Der Lärm und der Spektakel der rotbunten Ge- fellschaft wurde von Minute zu Minute größer, so daß es nur nach längeren Bemühungen dem Prä­sidenten gelang, sich einigermaßen verständlich zu machen. Schließlich appellierte Abg. Segitz gegen den Ordnungsruf an das Haus. Man hoffte näm- sich die Rechte in der Minderheit. Nachdem die Abstimmung durch Erheben von den Sitzen zu einem zweifelhaften Ergebnis geführt, wurde zur namentlichen Abstimmung geschritten. Dabei billigten die Rechte und die konservativen Bauernbündler mit 54 Stimmen die Handlungs­weise des Präsidenten, während die Linke mit 42 Stimmen (Liberale und Sozialdemokraten) sich da- gegen aussprachen. Drohend nahm die Linke die verdiente Niederlage hin. Darauf ging die Debatte in ruhigen Bahnen Wester, bis kurz nach 2 Uhr Ver­tagung eintrat.

ES ist, wie bemerkt sei, da» erste größere Schiff, das durch Motore, nicht durch Dampfkraft getrieben wird. — Wirklicher Geheimrat Köpke, Abtetlungsdirigent für daS höhere llnterrichtswesen im preußischen Kultusministerium tritt noch im Laufe dieses Monats in den Ruhestand. Er wurde im Jahr« 1890 in daS Kultusministerium berufen, wo er nmimehr 22 Jahre die Angelegenheiten des höheren Schul­wesens bearbeitet. Im Jahre 1908 wurde er Ab» teilungsdirigent.

+ DaS Verfahren gegen Borchardt «nd Leinert. Wie schon telegraphisch mitgeteilt, ist di« Haupt­oerhandlung gegen die Abgg. Borchardt und Leinert auf den 8. Juli vor der ersten Straf­kammer deS Landgerichts I Berlin anberaumt. Zu der Hauptverhandlung hat die Staatsanwaltschaft den natioualliberalen Abg. Dr. Schifferer geladen, während beffett Rede Borchardt bekanntlich den Skandal machte. Die Anklageschrift besagt,

daß Herr Borchardt hinreichend verdächtig sei, .aus einem abgeschlossenen, zum öffentlichen Dienste bestimmten Raum, in dem er ohne BesugniS verweilte, auf die Aufforderung des Berechtigten sich nicht entfernt zu haben und in diesen Raum widerrechtlich einge­drungen zu fein/ Außerdem werden beide.Genoffen' beschuldigt, den Schutzleuten, „welche zur Vollstreckung von Befehlen und Anordnungen der Verwaltungs­behörden gerufen sind, in der rechtmäßigen Ausübung ihres Amtes durch Gewalt Widerstand geleistet zu haben."

Ter Antrag der beiden Angeschuldtgien auf Er­öffnung der Voruntersuchung wird abgelehnt. Die Strafkammer ist der Meinung, daß keine erheblichen Gründe vorliegen, aus denen die Voruntersuchung zur Vorbereitung ihrer Verteidigung erforderlich erscheint. Selbstverständlich ist der /Vorwärts' der Ansicht, die Staatsanwaltschaft bekunde eine auf­fällige Eile, und in treuer Gefolgschaft stimmt ihm daS ,Berliner Tageblatt' zu. Unsere Ansicht nach ist der Tatbestand im Falle Borchardt-Leinert so einfach und geklärt, daß die Justizbehörden wirklich nicht anders konnten, als den Antrag auf Eröffnung der Voruntersuchung abzulehnen. Wir wissen wirk­lich nicht, weshalb der .Vorwärts' sich beschwert über die ,auffällige Eile", wo er doch selber erklärt, aus politischen Gründen könne ihm dieser Eifer nur hochwillkommen sein. Man kann höchstens Veran- laffung zu der Vermutung haben, daß die angeschul- digteir .Genossen" auf eine Verschleppung der An­gelegenheit infolge ihrer Strafanzeige gegen die Polizei gehofft haben und sich nun etwas enttäuscht sehen.

* Zum Kapitel der Parität und Toleranz ins­besondere der Gleichheit vor dem Gesetze wird der „Germ." geschrieben: Wie bekannt, haben vor kur­zem evangelische Bundesblätter ä. la Tägl. Rund­schau das Vorgehen der Berliner Polizei, welche evangelische Damen aus ihrem Heim in k a- tholischen Schwesternhäusern hinaus­warf, damit zu rechtfertigen gesucht: es sei den Schwestern die behördliche Erlaubnis zu ihrer Nie- derlassung nur unter der Bedingung erteilt worden, daß sie ihre charitative Tätigkeit nur an Katholiken ausüben dürften. Somit seien sie ruchlose Gesetzes­übertreterinnen geworden, als sie evangelische Da­men, die kein passendes Unterkommen fanden, auf Ansuchen Wohnung im Schwesternhause vermiete­ten.- Eine ähnliche Berufung auf das „Gesetz" lasen wir auch vor einigen Jahren, als ein preußischer katholischer Pfarrer in Braunschweig ein Kind auf Bitten der Eltern in Todesgefahr taufte ohne mini­sterielle Erlaubnis, und dafür auf eine Denunziation hin vom Gerichte verurteilt wurde. Man muß also annehmen, daß auf der Seite, wo solche Entrüstung über die Gesetzesübertretungen von Katholiken zur Schau getragen wird, der allerloyalste Gehorsam gegen Gesetz und Obrigkeit herrsche. Nun sindet sich aber eine ungemein pikante Notiz in dem Jah­resberichte der katholischen l. Pfarrei in Chem­nitz (veröffentlicht im Bonifatins-Blatt Nr. 6). Dort heißt es aus dem Jahre 1911: „58 Katholiken wurden lutherisch beerdigt, darunter 37, ohne daß die betreffenden protestantischen Pfarrämter ihrer gesetzlichen Anzcigsverpflichtung nachgekommen wä­ren. Ei! ei! „Siebeuunddreißig Fälle in einer katholischen Pfarrei in einem einzigen Jahre! Sollte das nicht „systematische Gesetzesüber­tretung" sein? Wollte nicht die „Tägliche Rund­schau" sieber hiergegen losziehen, als gegen jene Schwestern, die unter dem Drange des realen Le­bens schikanöse Spitzfindigkeiten" der Bürokratie außer acht gelassen haben. Und was sagt denn eigentlich die evcmgelisch-bündlerische und die libe­rale Presse zu dem vor einigen Tage» in den Zei­tungen besprochenen Erlaß des Oberpräsidenten der Rheinprovin^ daß in der überwiegend katholischen Großstadt Saarbrücken die gesetzlichen Bestim­mungen bezüglich des Allerheiligm-Festes nicht ein­gehalten zu werden brauchten? Anscheinend findet sie alles in schönster Ordnung. Man verarge es deshalb uns Katholiken nicht, wenn wir uns die Ueberzeugung bilden, daß alle Gesetz-, die uns glei­ches Recht mit den Protestanten geben, nicht gehal­ten zu toerben brauchten, dagegen alle, die uns Handschellen und Fußeisen anlegen, aufs Genaueste ausgeführt werden. Es lebe die Parität und die Toleranz!

* Südwestafrlkanischr Fragen hat der Staatssekre­tär int Reichs«Kolonialamte Dr. Sols bei seiner Anwesenheit in Lüder.tzbucht mit der dortigen Mnenkammer verhandelt. Darüber wird tele-

Deutsches Reich.

/ r Berlin, 26. Juni 1912. Der Kaiser, der '»odj vor Kiel weilt, besuchte gestern abend nach der Abendraiel auf der Hodenzollern noch das von seinen Sühnen im Kaiserlichen Iacht-Klub veran­staltete Ballfest. Nachmittags hoben der Prinz und die Prinzessin Heinrich im königlichen Garten ein Gartenfest gegeben. Von Bord des dänischen Motorschiffe« Fionia sandte der Kaiser «w den König Christian von Dänemark ein Funkentelegramm, in dem er ihm Glückwünsche zu -der vortrefflichen Leistung der dänischen Technik sandte. Da« Schiff bedeute einen ganz neuen Abschnitt im Schiffsbau.

graphiert: „Dr. Solf, der deutsche Kolonial-Staas- sekretär, merite in der Konferenz mit der Vereini­gung der Minenbesitzer, daß beffere Beziehungen zu der Union von Südafrika sowohl politisch als kom­merziell sehr wünschenswert seien. Auf die Arbeiter­frage eingehend, befürwortete er die Einfuhr chinesischer KuliS." — Dieser Schluß bedarf wohl noch der Bestätigung; denn mancher wird das für ein Unglück für die Kolonien halten.

4- „Ein katholischer Geistlicher gegen die Raffen» schanke." Unter dieser Ueberschrift bringt die „Post" (Nr. 295) die Nachricht aus Deutsch-Sübwest-Aflika, daß ein im Bezirk Rehoboth ansässiger Deutsche ein Bastarkmädchkn, mit dem er ein Verhältnis hatte.

geheiratet habe, und sich durch den katholischen Prä- selten von Krolokowsky trauen ließ. Der Deutsche erhielt nun von dem zuständigen Bezirksamt et» Schreiben mit der Aufforderung, sich scheiden zu lassen, widrigenfalls seine Ausweisung er­folgen werde. Im Landesrate sei man sich in der Verurteilung der gesetzwidrigen Handlungsweise des Präfekten einig gewesen. Der Präsekt von Kro- lowsky selber habe sich als Gegner der Mischehe» bekannt; er habe die Trauung nur vollzogen, um das Gewissen seines Beichtkindes, das seit längerer Zeit mit dem Bastardmädchen zusammen lebt, zu erleichtern. „Der Präfekt von Krolokowsky", so fol­gert nun die Post, befindet sich deruach in entschiede­nem Gegensatz zu der im Reichstage vom Zentrum mit vielem Nachdruck vertretenen Auffaffung, wo­nach eine Ehe zwischen Schwarze» und Weißen durchaus den Anschauungen der Kirche entspräche, und deshalb anstandslos zu gestatte» und zu voll­ziehen sei." — Die „Post" verwirrt hier die Be­griffe. Die Haltung des katholischen Präfekten war korrekt, soweit die kirchliche Seite in Frage kommt. Die Behauptung der „Post", der Präfekt von Krolo­kowsky befinde sich in eutschiedenem Gegensatz zu der vom Zentrum im Reichstag vertretene» Auf­fassung, ist Unsinn. Auch das Zentrum wünscht zwischen Weißen und Schwarzen keine Mischehen. Die Zentrumsredner, die im Reichstage über die Mischehenfrage gesprochen haben, haben dies mit allem Nachdruck betont Aber, wenn einmal einer schon die „Nassenschande" in des Wortes eigentlicher Bedeutung begangen hat, sich mit einem Negermad- chen einzulassen, bann soll ihm auch nichts in den Weg gelegt werben, wenn er bie Konsequenzen dar­aus zieht, und sich trauen lassen will. Die „Post" begrüßt das „entschiedene Vorgehen" des Deziris­amts mit „aufrichtiger Genugtuung". Wollte die die „Post" konsequent sein, dann hätte das Bezirks­amt einen schweren Tadel verdient, weil es den Naffenschänder nicht unter allen Umstande» aus­gewiesen hat. Oder will die „Post" nur das als Rassenschanbe bezeichnen, daß der Deutsche das illi- getime Verhältnis zu einem nach kirchlicher An­schauung legitimen umzuwandeln wünschte? Es gibt ja allerdings Leute, in deren Augen eine Misch­ehe zwischen einem Weißen und Schwarzen ein schweres Verbrechen ist, im Vergleich zu ’f.iem säuernden illigetimen Verhältnis.

* München, 26 Juni 1912. Prinz Rudolf von Bayern, der drei Jahre alte dritte Sohn des Prinzen Rupprecht, des künftigen Königs, ist heute nach» mitta; nach dreitägigem Kranksein an der Zacker- kraukheit gestorben.

Ausland.

* Politische Brandstifter sollen de» Brand des Dampfers „Königin Elisabeth" auf der Donau, bei dem 25 Menschen ihr Leben einbüßten, angelegt ha­ben, um in den Besitz wichtiger Staatspapiere, die der bulgarische General Sarawoff mit sich führte, zu gelangen. So fchwindelt man jetzt der Mitwelt vor, itm den frivolen Leichtsinn der Schiffahrtsgesell­schaft zu vertuschen. Es heißt da: Obwohl von den Verbrechern zur rascheren Ausbreitung des Feuers Schwefel gestreut war, gelang es dem General, mit den Papieren als erster bas brennenbe Schiff zu ver­lassen. Bei ber Katastrophe sprangen brei serbische Passagiere, ein russischer Stubent unb eine russische Dame, ohne bas Hrrablassen ber Boote abzuwarten, ins Wasser uub suchten sich schwimmenb zu retten. Alan vermutet in ihnen bie Brandstifter. — Offen­bar hätten die „Brandstifter" ihr Ziel auch auf. an­derem Wege viel leichter erreichen können.

** Da werde» Weiber zu Hyänen! Kaum sind die beiden rabiatesten Führerinnen der Suffragetten, die neulich wegen Einschlagens von Fenstern usw. zu neun Monaten Gefängnis verurteilt wurde», entlassen worden, weil sie den Hungerstreik ausübten zu sterben drohten, da geht der Unfug schon wieder los. Am Dienstag abend kam ein Stimmweib aus Brighton, Miß Jsabell Irvine, mit einer Einlaß­karte iu den Wandelgang des Parlaments. Kaum hatte der Schutzmann sie passieren kaffen, als sie einen Hammer hervorzog und auf b.e Fenster­scheiben einschlug- Die Suffragette wurde sofort festgenommen und abgeführt. Als nachmittags der Vororlzug von Tunbridge Wlels in den Viktoria- Bahnhof einlief, fand man, daß in sechs verschie­denen Abteilungen dieKupeefenster zerschlagen, die Fensterriemen abgeschnitten unb die Sitze zer­schnitten worden waren. Im Innern hatte man Plakate befestigt: „Wotes for women" und „Wir verlangen bie Abschaffung bet zwangsweise» Fütte­rung". Gegenwärtig sitzen noch 70 von den Fenster­stürmern hinter Schloß und Riegel, und wenn auch diese mit ihrem Hungerstreik erfolgreich sein werden, wird auch der letzte Teil der liebenswürdige» Holden bald e Haffen sein.

♦* Ter Zarewitsch. Die .Darmstädter Zeitung' ist von der kaiserlich russischen Gesandtschaft er­mächtigt, das Gerücht von einer angeblichen tuber- kulöfen Erkrankung des russischen Thronfolgers als vollständig unbegründet unb ber Wahrheit nicht entsprechend zu dementieren.

Aus Rirche und Schule.

wb. Mainz, 27. Juni 1912. (Tel.) Der Dom­kapitular und Generalvikar der Diözese Mainz, Dr. Franz Engelhardt, päpstlicher Hausprälat, ist gestern abend 10 Uhr im Aller von 64 Jahren an einem Herzschlage plötzlich gestorben.

* Koblenz, 26. Juni 1912. Wegen wiederholt vorgetommener Schwindelei n warnt das bischöfliche Generalvikariat vor orientalischen Sollet» kanten, die sich gewöhnlich füt katholische Geist« liche des orientalischen Ritus ausgäben und Urkun­den in einer oriertalifchen Sprache, mit allerlei Siegeln versehen, vorzeigte», die sehr häufig gefälscht seien. Das erhaltene Geld verwenden d ese Sammler für sich selbst.

Lokaler.

Fulda, den 27. Juni 1912,

* Schutz ben heimatlichen Kulturdenkmälern!

Der Oberpräsident unserer Provinz erläßt fol- gende Bekanntmachung: Die für die Denkmalpflegr gültigen Gesetze und BerwalMngsvorschrifte» wer­den, wie die Erfahrung ergibt, vielfach nicht b e a cht e t. Diese Nichtbeachtung, die in vielen Fal­len lediglich auf Unkenntnis zurückzuführen ist, hat bereits zahlreiche Denkmale beschädigt und die Ver­nichtung erheblicher Vermögenswerte veranlaßt. All« Eigentümer und Verweser der in öffentlichem Be­sitz stehenden Denkmalwerte (Bauwerke, Kunstgv- genjtänbe vergangener Kulturepochen, insbesondere auch Kirchengeräte und kirchliche Ausstattungsstück« sowie geschichtliche Merkwürdigkeiten) werden daher erneut auf die Pflicht genauer Beachtung der bie Denkmalpflege bett. Gesetze und Berwaltungsvor- schristen hingewiesen. Dabei bleibt insbesonbere zu beachten, baß in jebem einzelnen Falle bie gesetzlich vorgeschriebene vorherige Genehmigung der berufenen Aufsichtsbehörde erwirkt werden muß. Namentlich ist die Frage einer Einholung der Ge­nehmigung zu prüfen in den Fällen der Veräuße­rung, Vernichtung und Veränderung, gleichviel oh Gebäude ober mit Gebäuden fest verbundene oder bewegliche Gegenstände in Betracht kommen, und gleichviel, ob die Gebäude oder Gegenstände im In­ventar der Baudenkmäler aufgeführt sind ober nicht.

Es wird empfohlen, bei alle» einschlägige» Ber- waltungsmaßnahmen möglichst frühzeitig, in ber Regel durch Vermittelung der zuständigen Aufsichts­behörde, sich einer gutachtlichen Beratung durch dm Bezirkskonservator zn bedienen. Der sachverständig« Rat des Bezirkskonservators steht auch privaten Besitzern von Denkmalwerten, denen besonders ans Herz gelegt wird, sich vor einer Verschleuderung wertvollen Familienbesitzes (Truhen, Zin »gegen- stände, alte Bilder, altes Porzellan n. a. m. sorg­sam zu hüten, in gleichem Maße wie den Behack« unb öffentlichen Körperschaften unentgeltlich zur Verfügung.

❖ Preußische BijchofSkonferenz. Wie wir höre«, findet die diesjährige BlschofSkonferenz in der erste« Woche des August h er statt. Als Tag de» Beginn» ist der 7. August, an welchem Tag« die Verhand­lungen um 5 Uhr nachmittag» beginnen sollen, in Aussicht genommen.

;; Eine bemerkenswerte Auszeichnung wurde dem um das Fuldaer MusiNeben hochverdienten Musik« direktor Gottfried Leber zuteil. Gestern erschien Herr Landrat Springormn, begleitet von meuteren Vorstandsmitgliedern de» OratoriumSvereinS „ES- ciUa", in der Wohnung deS Herrn Leber, um ihm daS Dekret seiner Ernennung zmn königl. preuß. Musikdirektor zu überdringen. Herr Dr. Schneider sprach im Name» der „Cäcilia" dem also von allerhöchster Stelle ausgezeichneten Diri» genten herzliche Glückwünsche auS. Auch der Männergesangverein „Winfridia", deffen Diri­gent Musikdirektor Leber gleichfalls ist, brachte »ar Abend Herrn Leder eine herzliche Ovation dar. In den musikalischen Kreisen unserer Stadt wird die Herrn Leder zuteil gewordene seltene, sehr ehren­volle Auszeichnung mit großer Freude veiqeichntt werden.

i! Bei de« Krankenkaffenwahle«, Arbeitnehmer, mürben die Abteilungen 4, 5, 6, 9 imd 10 mit den Vertretern des sozialen AusschufleS, bie Abteilungen 1, 7 und 8 mit ben Kandidaten der gegnerisch«« Liste besetzt. Für bie Abteilungen 2 und 3 war« einheitliche Kandidaten aufgefteUt.

(?) Steuersatz des Fiskus. Nach Maßgabe der Vorschrift im § 44 des Kommunal-Abgabengesetzes vom 14. Juli 1893 ist für ine für das Steuerjahr 1912 erfolgende Heranziehung des StaatsftSkuS zur Gemeinde^Einkommenfteuer ufw. daS Rriueinkou»- men aus fiskalische» Domänen und Forste« für das Etatsjähr 1912 in der Provinz Hessen- Nassau auf 134,4 Prozent des Grundsteuerreiuertr», ges festgesetzt worden.

△ Sine Fangprämie für Kreuzotter», in Höh« von 50 Pfg. für das getötete Stück, wird auch tii diesem Jahre von dem KreisauSschuß de» Kreises Fulda gezahlt.

* Zum kgl. Gesanginspektor für die höhere« Knabenschulen, Gymnasien und Seminare der Pro­vinz Hessen-Nassau wurde Prof. Thiel i« Berlin ernannt.

□ Höchste Zeit wirb es für diejenigen, di« noch Versicherungsmarken für daSJahr 1911 in die Jnvalidenkarten einzukleben haben; denn mit Ablauf des 30. Juni d. Js. hört der Verkauf von alten Verficherungsmarkeu bei der Post auf. Säumige müssen von dem Zeitpunkt« ab die fehlen­den Marken bei der Landesversicherungsanstalt ent­nehmen. Diese Abnahme ist mit Unkosten und kann mit mancherlei Unannehmlichkeiten verknüpft sein.

[) Grober Unfug wurde in der vergangenen Nacht von angetrunkenen jungen Leuten der „besseren" Gesellschaft verübt. Am Standesamt riffen sie bas Schild ob, nachdem sie die Nägel herausgenommen. Vom evangelischen Pfarrhause entfernten die Nacht­schwärmer bie Namensschilber der Geistlichen und warfen sie in die gegenüberliegenden Gärten.

Elngebrocheu wurde in ber Nacht zum Mitt­woch in das zur Aufbewahrung bienenbe Häuschen auf dem Sportplätze der Bleiche. Das an der Tür« befindliche schwere Schloß wurde zertrümmert. Aus dem Raum des Fuldaer Fußdallvereink wurde ein Test der Spielgeräte gestohlen, während die übrige» Sachen, wie der Inhalt des Sanitätskastens usw., nmhergestreut wurden. Man ist den Tätern bereits auf der Spur.

er. Die Heidelbeere« find reif. Scharenweise ziehen jetzt Erwachsene und Kinder hinaus in den Wald, um diese beliebte Frucht rinzusammeln und zu de» verschiedenen Zwecken zn verwerten. Es soll ein» außerordentlich ertragreiche Ernt« in diesem Jahr«