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M 143.

»ienstag de« 25. 3uul 19(2.

39. Jahrgang.

* 7uItlatt W Leitung •

2. Blatt

vruck und Verlag der Zxldaer AetteudniStUk iw 8«lda.

= Taft oder Roosevelt?

Dir Aussichten Tafts, als Sieger bei der Präsidentenwahl hervorzugehen, sind trotz seines Er- folges auf dem republikanischen Nationalkonvent überaus zweifelhaft. Die Republikaner geben selbst zu, daß die Wahl Tafts zum Präsidenten kaum wahrscheinlich ist.

unabhängig sein in der Versorgung des Volkes mit emem der wichtigsten Nahrungsmittel. Schon mit Rücksicht auf Konflikte mit dem Auslande müsse dies angestrebt werden.

Diese Worte, wie sie ähnlich von uns schon wiederholt geäußert worden sind, bekunden eine ver­nünftige Einsicht Insbesondere ist hier wieder ein­mal klar gezeigt, was eZ mit einer weitern Grenz­öffnung für die Vieheinfuhr aus sich hat. Vom Auslande haben wir bitterwenig zu erwarten. Um den Preis einer möglichen Verseuchung brauchen wir hier keine gefährlichen Versuche zu mache». Sobald unserer Landwirtschaft der für die Produktion erforderliche Schutz entzogen wird, wird die Viehproduktion auch zurückgehen. Wahrscheinliche Verseuchung und Rückgang der Viehproduklion wäre für uns die Bescherung ge­wesen, wenn die freisinnig - sozialdemokratischen Forderungen erfüllt worden wären. Infolge der Abweisung dieser Forderungen dagegen ist es unserer Landwirtschaft gelungen, in normalen Jahren 95 Prozent des deutschen Fleisch- bedarss durch eigne Produktion zu decken. Daher heißt für uns auch künftig die Parole: Erhaltung und Stärkung unserer heiniischen Pro­duktion,, wenn auch gegen den freisinnig-sozialdemo- kratischen Klüngel, der unsere Lebensmittelversorgung ausis schlimmste gefährdet.

A«r Uirche und Schule.

* Rom, 12. Juni 1912. Der Papst hat, wie kürzlich gemeldet wurde, an die Bischöfe Süd­amerikas eine Enzyklika gerichtet, um sie auf die trostlose Lage der Indianer aufmerksam zu machen. In vielen Gebieten Südamerikas befin­den sich diese Eingeborenen in traurigen moralische« und materiellen Verhältnissen. Der Heilige Vater ersucht nun die Bischöfe, sie sollten alles tun, um die Regierungen der südamerikanischen Staaten in ihre« Bemühungen um das Wohl dieser Indianer nach- drücklich zu unterstützen. Die Enzyklika ist ein« Folge der Spezialmission, die der Papst vor einem Jahre in die Jndiavergebiete Südamerikas entsandt hatte. Der Papst wählte als seinen Vertrauens­mann damals einen gelehrten Franziskaner, der durch Urwälder und Prärien vorwärts zu den Wil­den drang, um an Ort und Stelle zu sehen, wie ihr

und Muskeln und einen Brustkasten wie ein Gaul! Und Bauernblut, weißt, das ist nicht so leicht umzu­bringen —"

Er schrieb das Rezept gab dre nöligen Verhal­tungsmaßregeln an und empfahl sich. Der Förster begleitete ihn zur Türe. „Man sollte es doch dem Wildhofer zu wissen tun, daß sein Sohn hier krank liegt," meinte er.

„Möchtest ihn gerne los sein, den Baldwin, Du?" rief der Doktor grimmig.

„Wer sagt denn das, Du alter Kampfhahn!" er­widerte der Förster. „Die Wildhoferleute müsse« doch wissen, wie es steht. Daß er bei mir gute Pflege hat, darauf kannst Du Gift nehmen."

„Bitt' ich mir auch aus, Alter! — UebrigenS — den Gang zum Wildhof kannst Dir sparen. Ich denk mir, daß der Baldwin die Jnselgret und di« Hanne auf den Wildhof gebracht hat, weil sonst kein anderer Unterschlupf da ist. Da muß ich nun auf Umwegen hinkutschieren und nach der Gret sehen. Lang treibt sie's ja nicht mehr. Aber meine Pflicht will ich wenigstens tun und nach ihr schauen und ihr die Schmerzen stillen, daß ihr das Sterben ein bißchen leichter wird. Ob Du dann nachher wie­der sagst, ich sei da, um den Kirchhof zu bevölkern« das ist mir egal! — Daraus mach ich mir eine« Pfifferling! — Und wenn ich glücklich auf den Wild«. Hof komme und nicht vorher den Hals breche auf de« jammervollen Wegen, dann will ich auch ausrichten, daß der Baldwin im Forsthnuse einstweilen gebov gen ist. Und jetzt — b'hüt Dich Gott!"

Er nickte kurz und ging.

„Grobian!" schalt ihm der Förster nach. „Wst ist's denn heute abend mit einem Tawk im golde. nen Hirsch?"

„Nichts ist's!" rief der Doktor zurück. „Hab keine Zeit! —• Schlag Deinen Tarock allein ea Waldbär! —"

Gegen Abend lag Baldwin im Fieber und sprach wirre Dinge —- vom Streit mit fernem Vater, von seiner Liebe zu Hanne, von Ruin und vom Rabe» Hof ...

Mortstssuna folatJ

t Kopf brannte wie Feuer, bald Frost, daß ihm die Zähne klapper- legende Hitze durch seinen Körver.

A Die sozialdemokratische Presse im Gewerkschaftsstreit.

Nichts ist mehr geeignet, die Charakterlosigkeit her sozialdemokratischen Presse so klar darzutun, wie hie Haltung, die sie in den vergangenen Wochen !zum Gewerkschaftsstreit im katholischen Lager, na- stnentlich gegenüber den christlichen Gewerkschaften, «eingenommen hat.

Als Baldwin den Wildhof verließ, suchte er einen Weg ins Dorf. Hunger und Durst quälten ihn und seine Kleider lagen ihm naß und eiskalt am Lerbe. Sein Kopf brannte wie ~ ~

schüttelte ihn der F " ' ' teu bald jagte fliegende Hitze durch seinen Körper.

Er lief immerzu auf dem Hügelrücken hin, der das Tal begrenzte und ging eine halbe Stunde fluß­aufwärts über eine hohe Bogendrücke, die zu den ienfettigen Hügeln hinüberführte. Nun eilte er wie- dir flußabwärts, dem Dorfe zu, und kam zu dem hochgelegenen Forsthaus, an dessen Freitreppe er zu- jtMimenbrach.

Eines hat der republikanische Parteitag vo» Chicago aber jedenfalls ziemlich klar erwiesen: eS geht ein Zug der Neuorientierung durch das ameri­kanische Parteiwesen, durch den die historischen, seit dem Bürgerkrieg bestehenden alten zwei Parteien arg erschüttert werden. Ob auch in der demokrati­schen Partei Neigung für Roosevelt vorhanden ist wird die kommende Konventswoche der Demokraten zeigen, die in Baltimore stattfindet. Bolle Klarheit werden aber selbst kaum die Augusttage von Denver bringen, in denen Roosevelt selbst Heerschau halten wird.

So wird Wohl erst int November das Volk selbst entscheiden, ob es Roosevelt, den Mann der „neuen Volkspartei", wieder an der Spitze will, oder ob es seiner Künste müde ist.

Ausland.

** 19 Monate Republik und bereits drei Mi­ni st e r i e n. Das ist die Bilanz der portugiesische« Umsturzpartei. In der kurzen Spanne Zeit hat die portugiesische Republik zwei Minffterien verbraucht und allem Anscheine nach dürfte dem neugebildeten Kabinett Duarte Saite infolge der fortgesetzten Jn- triguen eine noch kürzere Lebensdauer beschiedm sein. Das neue Ministerium ist ein Abklatsch sei­nes Vorgängers. Wie dieses ist es ein republikani­sches Koalitions- und Konzeiitralisationsministe- rinm, in welchem die „Gemäßigten" wieder die Oberhand habem Im früheren Kabinett saßen vier gemäßigte und drei Radikale. Das gleiche Verhält­nis sehen wir im neuen Ministerium. Die Radika­len entfalten aber bereits jetzt eine heftige Cam­pagne, um das gemäßigte Kabinett zu Fall zu brin­gen. Der Erfolg der Gemäßigten drückt sich auch darin aus, daß sie das Reffort des Innern in Be­sitz nahmen. Jeder, der nur Einigermaßen mit der Politik des Landes vertraut ist, weiß, daß dieses Portefeuille das wichtigste ist, da der Minister des Innern die ganze Gewalt im Lande in seinen Hän­den vereinigt. Gerade auf dieses Portefeuille hatten die R a d i k a l en gehofft Jetzt da sie sich getäuscht sehen, ist mit Sicherheit zu erwarten, daß sie alles aufbieten werden, um das Kabinett z u st ü r- 8 eit, und das umsomehr, als die Dinge ohnehin nicht nach- ihrem Geschmack gehen. So hat die zweite Kammer den Antrag auf Aufhebung der Portugiesi­schen Gesandtschaft beim Vatikan nur mit drei Stim­men Mehrheit angenommen, und der Minister des Aeußeren hat den völligen Abbruch der diplomati­schen Beziehungen zwischen Lissabon und dem Heist» gen Stuhl bekämpft. Nun ist bor_ einigen Tagen Vesconcello, der frühere Ministerpräsident, als Mi­nister des Aeußern in die neue Regierung eingetre­ten, und der Senat, der von dem ultraradikalen Ma- chado beherrscht wird, hat sich bisher nicht bereit ge­funden, den Kammerbeschluß der Gesandtschaft beim Vatikan zu ratifizieren. Insbesondere mit dem neuen Ministerpräsidenten sind die Radikalen unzu­frieden, weil er als Finanzminsster im Kabinette Chagas für einen Friedensschluß mit der Kirche und für ein neues Konkordat eingetreten war. Da bet Einfluß der Radikalen in den Cortes noch immer ausschlaggebend ist, so dürfte der Sturz des dritte« Ministeriums der Republik nicht lange mehr aus sich' warte» lassen.

Daß der Nationalkonvent Taft zum offiziellen Kandidaten ausgerufen hat, bedeutet nur soviel, daß die eiserne Maschine der „Bosses", der Partei­machthaber, hinter denen diesmal noch der ganze Regierungsapparat und das ungeheure Vermögen der Trusts stehen, jeden Widerstand gegen ihn in Grund und Boden „gewalzt" hat. Auch die Zahlen der Nominationsabstimmung selbst beweisen nichts, weil eine große Anzahl Delegierter schon vor der letzten Abstimmung abgereist war und sich die Mehrzahl der Rooseveltianer überhaupt schließlich jeder Abstimmung enthielt.

Roosevelt hat auf diesen Akt hin den Austritt aus der republikanischen Partei erklärt. Der Par­teikonvent, eine rein private Angelegenheit der Wäh­lermassen, die nichts mit irgendeiner staatlichen Einrichtung zu tun hat, wird nun im November den dann an die Urne tretenden Urwählern als den offiziellen Kandidaten den nominierten Taft Vorschlägen. Diese Nominierung von Partei wegen geschieht, um einer Zersplitterung der Wählerstim­men vorzubeugen. Auf der von der Regierung vor der Wahl an die Wahlberechtigten verschickten Wählerliste kann aber jeder Name eingetragen wer­den, der von einer gewissen Anzahl von Proponenten ausgestellt worden ist. Wenn also Roosevelt von einem eigenen Konvente spricht, so bedeutet das, daß seine zu einer eigenen Partei konstituierten An­hänger ihn offiziell auf eigene Faust aufstellen wer­den und die Regierung ihn somit auf die allgemeine Kandidatenliste stellen muß. *

Diese neue Partei, die Roosevelt-Partei, gibt sich als die des wahren Forischrftts im Gegensatz zu dem alten Stock der Republikaner, der von ihr als als konservativ gebrandmarkt wird. Sie gibt sich als Schlachtruferin des Volkes selbst aus. Mit ihr geht vor allem dec Westen, während Taft's Hauptstock im Konvent von den Delegierten der Südstaaten gebildet wurde, die meist käuflich sind — durch Stellen oder Geld —, darum aber auch eine Schar ziemlich unsicherer Kanwnisten bilden. Die größte restliche Mehrzahl der übrigen republikanischen Par­teidelegierten von Chicago soll übrigens, wie be­hauptet wird, tatsächlich für Roosevelt sein und nur durch die „Bosses" zur Nomination Tafts gezwun­gen worden fein.

bart auf der Oberlippe — die Burgk. „Was wünscht der Herr Fächer?" sprach sie mit tiefem, rauhigem Stimmklang.

„®a faß an, der Bub ist krank und muß ins Bett! He, Du — nicht so derb! Das ist kein Kar- tofeflsack! Ein bißchen vorsichtig! Und hübsch lang­sam, so!"

Sie trugen den Besinnungslosen ins Haus, wo ihnen die Försterin entgegenkam. „Richt' schnell das Bett im Gastzimmer zurecht, Anna," sagte der Forster, „und schick' den Knecht zum Doktor, der soll auf der Stelle ins Forsthaus kommen."

Die Försterin nickte und ging rasch davon. Als dann Baldwin in den weißen Kissen lag, schrie der Förster mit einer Stimme, welche hätte Tote erwe­cken können: „Burgl, geh' in die Küche, mach' Glüh­wein! Aber ein bißchen rasch, kannst morgen wieder ausschnaufen!"

Brummend erwiderte die Magd: „Der Herr Förstner braucht net so zu brüllen — ich hör' alle­weil noch gut!"

„Altes Schaf!" murmelte der Förster, „mit Dei­nem Gehör wird's alle Tage schlimmer!"

Im Gehen wandte sich Burgl halb um und fragte: „Was hat jetzt der Herr Förstner g’fagt?"

Dieser legte die Hände wie ein Sprachrohr an de« Mund und rief: „Glühwein! Glühwein! alte Kanone!"

Sie nickte mit dem mächtigen Kopse und ging. Nach einer Viertelstunde kam sie wieder und trug einen mächtigen Humpen in den Händen, dem ein süß duftender Dampf entflieg.

' Drotz seiner Angst um den Kranken mußte der Facher lachen. „Ja, Burgl — bist nicht gescheit? Das reicht ja für drei Männer! Der Baldwin braucht ein einziges Glas!"

,^ch hab' halt g’meint, es sei für de« Herrn Förstner," sagte Burgl. „Und weil der Herr Först- ner halt alleweil so 'n höllischen Durst hat. nachher hab' ich den großen Humpen g’füHtr

Auf diese zarte Anspielung reagierte der Förster nicht. Er nahm ihr den Humpen ab, füllte ein Glas

stensührer" auf einmal „schlapp" und „feige". Die sozialdemokratische Presse glaubt, die Führer der christlichen Gewerkschaften so etwas scharf machen zu können. Daneben spekuliert!

V i e r t e P h a s e: Der Vorstand hält es nicht für nötig, einen Kongreß abzuhalten, und präzisiert noch einmal in aller Bestimmtheit feine Stellung. Die in Hildesheim versammelten Bischöfe teilen dem Verbände der katholischen Arbeitervereine West­deutschlands mit, „daß die Gewerkschaftsangelegen­heit in ernste und wohlwollende Beratung genom­men" sei. In der katholischen Tagespresse tritt Waffenstillstand ein. Die rote Presse ist außer sich vor Wut. Nun sollen all die Auseinandersetzungen aufhören, die Rubrik „Born christ-katholischen Kriegsschauplatz", die die „Genossen" so schön vom eigenen Parteistan! abgelenkt hatte, flöten gehen! Unfaßlich! Und jetzt erst recht mitleiderregendes Hin- und Herrennen und possierliches Gehopse im sozialdemokratischen Blätterwald. Jetzt werden die­selben „Christenführer", die man vor wenigen Ta­gen noch als „Rebellen" gegen den hl. Vater hinge- stellt, mit Vorwürfen überhäuft. Sie hätten keine Courage, beschränkten sich in vorsichtiger Mäßigung, chr Beschluß wäre Mehlbrei mit Paprikaphrasen, sie duckten sich. Zwischen hinein kommen aber noch Stimmen, die den Anschluß verpaßt und noch im alten Ton weiterleiern, die Köln-M.-Gladbacher reden „rabiate Töne" und wollten den hl. Vater ihren Lehrmeinungen unterordnen. Man ver­gleiche den „Vorwärts" vom 21. Juni und die „Bergarbeiter-Zeitung" vom 22. Juni. Größere Gegensätze sind nicht denkbar. Und indes sich das Kölner Sozialistenblättchen vom 21. Juni abmüht, die christlichen Gewerkschaften als ratlos, hilfe­suchend und als unterlegen hinzustsllen, versichert uns ihre Kollegin von Düsseldorf der entgegenge­setzten Auffassung. —

Schluß: Eine heillose Konfussion in der sozial­demokratischen Presse. Die Charakterlosen sind der Lächerlichkeit verfallen.

# Die Frage rrnserer Fleisch- verforgrmg

ist, wie berichtet, auf dem 35. Deutschen Fleischer- Verbandstag, der in der vergangenen Woche in Trier stattsand, eingehend behandelt worden. Der Deutsche Fleischerverband ist im allgemeinen für die Emsuhr von lebendem Vieh, aber gegen die Einfuhr von ausländischem Fleisch. Aus dem Be- richte der ,Allgemeinen Fteifcher-Zeifting' heben wir als besonders bemerkenswert die nachstehenden Aus­führungen auf der Verbandstagung hervor:

Referent Reichstags ibg. Leube (Hamburg) führt aus: In ganz Europa sei großer Rinder­mangel. Die Länder Europas, die siüher an uns Rinder abgaben, sind dazu heule nicht mehr in der Lage. Schweden und Norwegen lönnien nur eine ge­ringe Rindecausfuhr leisten. Aus Dänemark be'ämen wir bereits an Rindern, was es davon übrig hat. Rußland könne auch wegen seiner veterinären Verhält­nisse nicht in Betracht kommen. Man müsse sich des­halb über See umsehen. Kanada sei in Bezug aui Viehhaltung kein Land der Zukunst. Die Oeffnung für die Einfuhr von Rindvieh aus den Vereinigte» Staaten von Amerika würbe nach den dortigen ver­änderten Verhältnissen nur eine geringe Wir­kung haben. Aus Argentinien sei die Rtndviehein- uhr wegen der Texassiebergefahr nicht ge- tattet. Unter solchen Umständen' sei die Forderung der erleichterten ober vermehrten Fleischeinfuhr immer lauter geworden.

. Diese Ausführungen über die Möglichkeit der Vieheinfuhr sind fßr uns doppelt interessant, weil der Deutsche Fleischerverband sonst, wie erwähnt, di« Einfuhr von lebendem Vieh begünstigt, liebet die Einfuhr von ausländischem Gefrierfleisch heißt es dann weiter in dem Verhandlungsbericht:

Koch (Heidelbergs berichtete über die Schweizer Versuche mit dem Gefrierfleisch, die er selbst an Ort und Stelle studiert habe. Das Gefrierfleisch sei allerdings dort billiger zu haben als das andere Fleisch, aber cä sei auch viel weniger wert. Gutes Fleisch koste in der Schweiz soviel wie bei uns. Anderseits )abe die übermäßige Einfuhr des geringwertigen Ge­rierfleisches die Schweizer Landwirtschaft dazu gebracht, noch weniger an Schlachtvieh zu produzieren als bisher. Das wurde auch bei uns der Fall sein, und davor nüßten wir uns hüten. Der deutschen Landwirtschaft et es sehr wohl möglich, das nötige Vieh zu produzieren. Deutschland müsse möglichst

Die Sozialdemokratie wartet seit einem Jahr­zehnt sehnlichst auf den Untergang der christlichen ^Gewerkschaften. Vergebens. Es gelang nicht, sie lot zu streicheln, tot zu verleumden, tot zu streiken Junb auch nicht, sie tot zu terrorisieren. Schon vor iheun Jahren sah der sozialdemokratische Bergarbei- ckerredakteur Hu« die christlichen Gewerkschaften „auf ®fi> letzten Krücken einherhumpeln". Mittlerweile Hai die Zahl ihrer Mitglieder ständig zugenommen. Also daneben prophezeit. Die Sozialdemokratie in Partei und Gewerkschaft hat in der Zeit keine Ge- flegenheft unbenutzt vorübergehen lassen, die ihr ge­eignet schien, die christliche Gewerkschaftsbewegung }u schädige«. Sie hat sich jederzeit und mit jed- vedem Gegner dieser verhaßten „Christen", einerlei fluf welchem sozialen Boden er stand, verbündet, ©er Feldzug mochte noch so schmachvoll und so bla- Inabel fein, die „Genossen" waren mit von der Par- £ie. Ritterlichkeit steht ja nicht im Buch der Hoffen« Kämpferischen Ethik, nicht einmal das Wort Anstand. Icur kleine und gemeine Rachsucht. Die hat die sozialdemokratische Presse in den letzten Wochen Sausgelebt". Dabei gingen freilich Logik, Konse- uenz, Verstand zum Kuckuck. Da nämlich die Eift- jfvickelung der Streitangelegenheft die sozialdemokra­tische Presse jeden Augenblick vor andere Situationen stellte, meist vor solche, auf die sie gar nicht gefaßt jvar, mußte sie einmal so, dann wieder fo, dann wieder andersherum schreiben. Ein Gefasel, ein Gestolper, ein grenzenlos lächerliches Hin- und Her- Pehopfe. Sehen wir zu:

. Erste Phase: Kaum waren die Pfingstkund- !Hebungen heraus, da verkündete die sozialdemokra- ische Presse mit wildem Geschrei: „Rom hat ge- prochen. Die christlichen Gewerkschaften sind zum lod verurteilt. Verwirrung und Auflösung" »erricht bei ihnen. Die „Christenführer" sind „asch- ahl und „ihre Knie schlottern". Vom Pas : aber üebete diese sozialdemokratische Presse als von dem

Manne in Rom, der am liebsten jegliche selbstän­dige Regelung der katholischen Arbeiter zur Verbes- Ierung ihrer irdisch materiellen Lage im Keime er« ticken möchte." Die Kirche sei „eben ein Sttitz- mnkt des Kapftalismus". — Diese Darstellung »atte offenbar den Zweck, d i e Verwirrung zu schaf- en, die die sozialdemokratische Presse gerne gesehen lütte, und die — nicht da war.

Zweite Phase: Der Vorstand des Gesamt- derbandeS der christlichen Gewerkschaften hatte seine Erklärung erlassen; die gesamte öffentliche Meinung begrüßte sie. Die Entwickelung ging den umgekehr­ten Weg, wie _ die Sozialdemokratie vermutet hatte. Die roten Blätter waren paff. Und flugs wurde der Karren herumgeworsen. Jetzt erschienen Ar­tikel unter dem Titel „Sturmlauf gegen den Papst". Man denke sich: die sozialdemokratischen Blätter, die jahraus, jahrein Gift und Galle fpeien gegen Religion, Kirche, Papsttum, Geistlichkeit, setzten heuchlerisch auseinander, wie „respektlos und unge­horsam" doch diese christlichen Gewerkschaftsführer gegen den Helligen Vater in Rom handelten. „Re- vellen" wären sie. Es zeige sich, daß sie „niemals kirchlich gesinnt" gewesen, daß sie „nur so getan" hätten. — Der Zweck dieser Hebung war, die Aufstachelung der Gegner und Denunzierung der christlichen Gewerkschaften, auf daß doch dos eintre­ten möchte, was die sozialdemokratische Presse so sehnlichst erwartet und bereits al» Tatsache behan- dest hatte: Eine Verurteilung der christlichen Ge­werkschaften.

Dritte Phase: Es steht eine Sitzung des Vorstandes des Gesamwerbandes der christlichen Gewerkschaften an, die darüber Beschluß zu fassen hat, ob ein außerordentlicher Kongreß von nöteu sei. Die sozialdemokrattsche Presse zerbricht sich den Kopf darüber, was da Wohl beschlossen werden könnte. Sie findet, am besten wäre ein recht radi­kaler Beschluß, das könnte den „Christen" den größ- ' ten Schaden bringen. Also schreibt Schmock wieder- um anders herum. Jetzt ist die Haltung der „Chri-

Der Förster Oßwaldt, ein hagerer Herr mit grauem Bart, stand auf dem Balkon und betrachtete durch das Perspektiv die gelben, schäumenden Was­ser, die das Tal in einen See verwandelt hatten. So gewahrte er Baldwin nicht, und erst als er einen dumpfen Fall vernahm, wandte er sich um und sah den Daliegenden. Schnell eilte er hinab, und als er Baldwin erkannte, rief er: „Ja, Mensch, was ist Dir nur? Bist Du vor Schwäche zusarnmengebro- ch'fn, oder bist Du krank? Bist ein Mordskerl, Bald­win! Dss ganze Dorf hats gesehen, wir Du die zwei armen Weiber ans dem Jnselhäuschen gerettet hast! Ja, das macht Dir keiner nach, Du junger Held! Hast es gehört, wie Dir die Seut# rugejauchzt und »Hurra!" und „Bravo!" gerufen haben?"

Aber Baldwin sah und hörte nichts. Da erfaßte den Förster jäher Schrecken. Er suchte Baldwin aufzurichten, aber dieser lag regungslos und schwer wie Blei auf den Stufen. Da steckte er zwei Finger in den Mund und stteß einen gellenden Pfiff aus.

Schwer und gewichttg, pustend und schnaubend, kam es durch den Oehrn dahzr, ein Weib so groß und stark wie ein Kürassier, mit rotem Gesicht, «ei- >ten Aeuglein und einem schönen, schwarzen Schiiurr-

mit Wein und versuchte denselben dem Kranken löffelweise einzuflößen.

Die Burgl aber glaubte, der Humpen sei über» Sig; sie nahm ihn liebvoll in ihre Arme, trug ihn ie Küche und schlürfte mit verklärtem Gesicht den heißen, süßen Trank.

Kurze Zeit darauf hastete der kleine, dicke Dok­tor Haller heran, stürmte in die Krankenstube und rief, als er den Förster kerngesund auf dem Sessel sitzen sah: „Ja, alter Freund, was ist denn das? Jetzt hab' ich gemeint, Dich hat der Schlag getroffen — oder so was Aehnliches und bin gerannt wie ein

„Bruderherz," erwiderte der Förster, „mich be­kommst noch nicht unt-r's Messer! Weißt, ich bin nn Wald ausgewachsen und zäh wie die Hagenbuche. Mußt Dich also noch ein bißchen gedulden, Du Gro­bian! Aber schau, da hat's ein junges Menschenle­ben niedergeworfen — und schad' wär's, wenn es zugrund' ging."

„Der Baldwin? — Der Wildhofer?" rief der Doktor, riß den goldenen Kneifer von der Nase und beugte sich über den Kranken. „Für den wär's fteilich schad, wenn der Sensenmann über ihn körn'! — Was der heut da drüben im Jnselhäuschen getan hat, das ist einfach brillant! Ach was sag ich: helden­haft ist's, herrlich! — Auf den Buben kann das ganze Dorf stolz sein! —"

„Dann machst ihn halt bald wieder gesund, daß man chm den Lorbeerkranz auffetzen kann," sagte der Förster.

„Halt gefälligst Deinen Schnabel, alter Wald­kauz," brummte der Doktor, klopfte und horchte an dem Kranken herum und machte ein bedenllicbes Gesicht. „Da ist die schönste Lungenentzündung im Anzug," sagte er, „und zwar ein ganz schwerer Fall —"

„Er wird doch nicht —"

„Wenn's überhaupt möglich ist, dann reiß ich ihn heraus! Gefahr ist freilich immer dabei, aber wenn nichts weiteres dazukommt, hoff' ich ihn zu retten. Kräftig ist er ja — schau nur: Knochen

WcnrernöMt

23] Roman von Felix Nabor. Sechstes Kapitel.

Die demokratische Partei, die seit Cleveland keinen Präsidentschaftskandidaten durch­gebracht hat, sieht als lachende Dritte dem Streit zu. Doch beginnen sich auch hier Spaltungen zu zeigen, deren Tragweite allerdings vorläufig noch nicht gut abzusehen ist.