Einzelbild herunterladen
 

".V" BI.

»lenst«) «e« i (. 3u.il ,»,r . »9. Kchrgaug.

2. Blatt.

£>ru;f und Perlaj oer suioatr Xcfünlrutftref in Znlda.

—u- 'J-kWJCEa

Rur Gberhessen u den heff. Aeintern

vermischter.

Linie Paris-Nantes.

Anftreicharbeiten, Pflasterung des Schultores und ähnliches.

7. Gutachten über die Revision des Gaswerks. Dieser schon wiederholt auf der Tagesordnung stehende Punkt wurde abermals vertagt, da gewünscht wird, daß der Oberbürgermeister und der Gaswerks­direktor bei der Besprechung anwesend sind.

8. Vereinbarung der Verbrauchssteuer von Obstwein mit der Weingrvßhandlung Bert« Sohn. Die Steuer wird auf 91,17 Mk. jährlich heraufgesetzt. Der Ver­brauch war nämlich in den letzten drei Jahren erheb­lich gegen früher gestiegen, obwohl die Abgabe ent­sprechend dem früher erheblich geringeren Verbrauche nur 39,78 Mk. betrug. Im letzten Jahre hätte ent­sprechend dem erzielten Verbrauche eigentlich 104 Mk. bezahlt werden müssen. Diese Höhe des Apfelwein­konsums ist jedoch nach Ansicht des Stv. Kircher außergewöhnlich und auf die gewaltige Hitze des vori- gen Sommers und den dadurch hervorgerufenen gro­ßen Obstwein-Durst zurückzuführen. Sie soll deshalb der Steuerberechnung nicht zu Grunde gelegt werden.

Schluß der öffentlichen Sitzung 10 Uhr.

sönlichen Gott geben. — Die gemeinsame Kommu­nion wurde, da Peter und Paul auf einen Sams­tag fällt, auf Sonntag den 30. Juni festgelegt, so­daß jeder, ohne etwas zu versäumen, zur Beichte gehen kann. Die Versammlung wurde ferner mit den: Besuche des neuen Kuratus von Bermbach Herrn Ticke und des Herrn Kuratus Schumann aus Vacha beehrt.

und Kindertrompeten geblasen, bis es der Milliardär schließlich satt batte und die Rednerbühne räumte.

* Eine unsinnige Wette mußte ein Arbeiter in Pirmasens in der bayerischen Pfalz mit dem Leben büßen. Er wettete, daß er einen Weg, zu dem man sonst sechs Stunden braucht, in zwei Stunden zurückzul-gen vermöge. Er gewann die Wette, starb aber einige Stunden später.

* Der Milliardär Carnegie von Studenten auS« gepfiffen. In der Universität zu Aberdeen (Schott- land) hielt Carnegie vorgestern seine Antrittsrede als Ehrendoktor, zu welchem Amt er unlängst er­koren worden. Er wollte der studierenden Jugend allerlei guten Rat geben, der von dieser aber mit so .geräuschvollem Beifall* ausgenommen wurde, daß nur wenig zu verstehen war. Die Studenten zerschlugen nicht weniger als 120 Stühle und bom« bardierten einander mit den Trümmern. Kanonen-

* Z« einem Torsloch ertrunken. In Bober s« berg bei Guben in Schlesien ertranken zwei von den Eltern aufs Feld gesandte Kinder in einem tiefen Torfloch, woraus sie Wasser zmn Gießen schöpften.

Fritzlar, 9. Juni 1912. Nunmehr ist die ^^".a/liationsfrage und die Deckungsfrage dennrtlv entschieden. Leider geht es nicht ohne Anziehung der Steuerschraube, und um die Hausbesitzer, die auch noch die Kosten der Hausan- schluste zu tragen haben, nicht einseitig zu belasten, beschloß die Stadtverordnetenversammlung, von den Hausbesitzern 2 Prozent des Nutzungswertes und von allen selbständigen Personen 10 Proz. Zuschlag r» dem bisherigen Steuersoll der Kommuualabgabe zu erheben. Außerdem wird unser elektrisches.Licht, und zwar rückwirkend vom 1. April 1912 an teurer werden. Bisher zahlte man für Lichtzwecke ca. 36 Pfennig pro Kilowattstunde, nunmehr sollen aber 45 Pfg. erhoben werden. Mit dem Bau der Kana­lisation, an die sich dann auch die für viele Straßen so notwendige Neupflasterung anschließrn wird, soll noch in diesem Jahre begonnen werden.

* Neber 400 Jahre auf demselben Gute ansäsiig, ein Fall, der einzig dasteht, ist die Arbeiterfamilie Spaunencrebs im Gute Gallingen in Barten- stein in Ostpreußen. Die Familie hat während dieser Zeit der dortigen Gutsherrschaft, den Grafen zu Eulenburg, gedient.

* Ziegenhain, 9. Juni 1912. Wie alljährlich, ging auch die heutige Salatkirmes unter gro­ßer Beteiligung aus allen Teilen der Schwalm vor ich. Zahlreiche Fremde wohnten denk Volksfeste bei, das vom besten Wetter begünstigt wurde.

* Marburg, 9. Juni 1912 Die vom landwirt- chaftlichen Kreisverein Marburg ins Leben geru­fene Bewegung zugunsten des alten Kurhes- i s ch : n Rassepferdes, das früher der Kur-

Aus der Wort zu einem Hoch auf unfern Großherzog Wil- ’ Helm Ernst, dessen Geburtstag ja unmittelbar'bevor- stand. Sodann hielt Herr Kavlan Schn einen längeren Vortrag über das Thema: Gibt es einen persönlichen Gott? In gemeinverständlicher Weise führte er den aufmerksamen Zuhörern die verschie­denen Gottesbeweise und zugleich die Entgegnungen der Gottesleugner vor Augen, um immer wieder zu deni Schluß zu kommen: ja, es muß.einen per-

* Eine Gasexplosion erfolgte in der städtischen [ Gasanstalt in Lauban (Schlesien). Fünf Personen । wurden teils schwer, teils leicht verletzt; unter den ! Verletzten befindet sich auch der Direktor der Gas­anstalt. Die Ursache der Explosion wird auf aus- strömendes Gas zurückgefübrl.

* * Eine polnische Großbank mit 5 Millionen Mark Kapital soll in Berlin gegründet werden. Eine Gruppe polnischer Kapitalisten und Bankfach­leute hat einen bezüglichen Beschluß gefaßt.

* In exhitztcm Zustande ein Glas kaltes Wasser zu trinken, diese Unvorsichtigkeit beging ein Guts­arbeiter in Golzow (Brandenburg). Schon nach wenigen Minuten stellte sich ein starkes Unbehagen bei dem Arbeiter ein. Aerztliche Hilfe vermochte nichts mehr auszurichten, und in der folgenden Nacht st a r b der Mann.

Stadtverordneten-versa nillunz

△' Fu lda, 11. Juni 1912.

-in der gestrigen Sitzung der Stadwerordneten- berpimmlung nahmen 23 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magistrat war durch den ersten Beigeord- neien Halbleib vertreten. Außerdem war Stadt- probator Wohlgemuth anwesend. Den Vorsitz führte nach längerer Abwesenheit zum erstenmale luieber Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Gegenbau r.

1. Mitteilung Eingängen. Der Oratorienver- kin Cacilia hat ein Schreiben an die Stadtverord-

Bon den wenigen Sätzen, die von der Rede Carnegie? Gchö c fanden, sei hier erwähnt: „Trinkt nichts, bis ihr Millionäre geworden seid; raucht nicht, den» es ist Unsinn, eine Quantität Rauch in den Mund e.uzuziehen, nur um sie sofort wieder auszublasen; es ist auch geschmacklos. „Es sei", so führte Carnegie weiter aus, „mancherlei gegen eine Ein­kommensteuer, dir man zu Lebzeiten zahlen müsse, einzuwenden, nichts aber dagegen, wenn der Staat die Hälfte der gesammelten Schätze eines toten Millionärs für sich beanspruche.* Außerdem gab der Ehrendoktor den Studenten seine Meinung über eine Reform der Rechtschreibung des Englischen zum besten, die noch mehr Aristo? erregte, als war er gegen das Rauchen und Trinkm gesagt hatte.

Amt Seisa und Umgebung.

;; Geisa, IC. Juni 1912. In der am Sonntag, I den 9. Juni staitgefundcnen Generalversammlung des Spar- und Borschußvereins Geisa, wurde an Stelle des freiwillig ausscheidenden Herrn Rektor Klug der Kaufmann Herr August Günther von hier zum Kassierer gewählt.

!.' Geisa, 10. Juni 1912. In der Bischöflichen Lateinschule wurde heute der Geburtstag Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs von Sachsen, Wilhelm Ernst, festlich begangen. 'Musik­vorträge der Laleinschulkapelle wechietten ab mit gemeinsamen Liedern und entsprechenden Dekla­mationen. Tie Festrede hielt Lateinlehrer Traut I über das Thema: Die Beteiligung ecr weiinarischen Soldaten an den Feldzügen in den Jahren 1806, 1807 und 1809. Gerade im Jahre 1809 haben sich bekanntlich die Soldaten des weimarischen Bataillons in der nach ihnen benannten „Sachsen- klemme" in Tirol großen Ruhm erworben.

<? Geisa, 10. Juni 1912. Aus dem Gauturu- fe ft in Philippstal gelang es dem hiesigen Turn­verein, den 2„ 7., 14., 15. und 16. Preis für sich jn erringen. Unser noch junger Verein kann mit diesem Ergebnis sehr zufrieden fein.

— Dermbach, 11. Juni 1912. Aus Anlaß des großher.ogl. G.bnrtstages w rrde verliehen das All­gemeine Ehrenzeichen in Silber dem Bürgermeister Johann Adam Arnold in Oechsen und dem Ge- meinderechnung-sn'r.r Magnus Schreiber i > Schleid. Tas Kr<eger-Ehren'renz erhielten Schuh- machermeister Georg Löser in Stadtlengsfeld und Privatier Johann Ludwig Ritz in Geisa.

* Dermbach, 10. Juni 1912 Hier fand am Samstag eine sog. Eisenbahn-Konferenz statt. Es waren eine Anzahl Vertreter von Gemeinden und industriellen Unternehmungen uuv. eingeladen, um die Wunsche auszuspreä en bezüglich einer Ver­besserung der Vtrkehrsverhältnsise auf der Felda- bahn. Von den verschiedensten Seiten wurde be- sonders eine Vermehrung der r erion nzüge, sowie besiere Anschlüsse an die Häuptlingen gewünscht. Von Seiten der Vertreter der Eftcn' ahndlreklion wurde daun audi wohlwollende Berücksichtigung der vorgetragenen Wünfckc nach Möglichkeit versprochen.

# Buttlar, 10 Juni 1912. Am gestrigen Sonntag hielt dec hiesige kathol. Männer­und Arbeiterverein hn Saale des Gasthau­ses zum „goldenen Engel" eine gutbesuchte Ver­sammlung ab. Auch eine Abordnung des Arbeiter-

* Eisenbahnabteile für „Nichtsprecher", d. h. für solche Reisende, die auf der Fahrt von Mtrei- seuden nicht angesprochen werden wollen, will die französische W e st b a h n vom 15. Juni d. I.

(:) ««öueburg, 9. Juni 1912. Bürgermeister Schwalm aus Steina hielt am Freitag abend in der Greib'schen Gastwirtschaft einen Vortrag über Viehzucht und Landwirtschaft, speziell für die hiesigen Verhältnisse. Herr Schwalm ist feit vielen Wochen als Bonüeur in unserer Gemarkung tätig, hat also Gelegenheit gehakt, die einschlägigen Zuftänd« aus eigener Anschauung kennen zu leimen, und konnte den Landwirten aus dem Schatze reich.r Erfahrungen recht wertvolle Ratschläge erteilen, stur Hebung der hier noch recht rückständigen Rind« Viehzucht forderte er vor allem eine besiere Auf­zucht der Kälber und empfahl den „Kälbertränker^, der de« mit der landläufigen Entwöhnung der junge« Tiere verbundenen Verdauungs- und Ent- ivicktungsstörungen vorbeuge und sich somit vorzüg­lich rentiere. Des weiteren wies er darauf hm, wie die äußerst günstigen Weideverhältnisse Amöne- burgs zur Heranziehung eines kräftigen, nutz- und leistungsfähigen Rindviehstandes zu gestalten seien, insbesondere betonte er den großen Vorteil einer Dauerweide für Jungvieh, und zu diesem Zwecke di, Einfriedigung einer möglichst großen Fläche und deren richtige Behandlung durch Bewässerung und Düngung. Bcj den in dieser Richtung hier äußerst günstigen Verhältnissen sei es ein schwerer Fehler, I den darin liegenden Vorteil aus dem Ange zu ver­lieren. Ein weiteres, besonderes Kapitel widmete Redner der Wiesen behänd lung, die als Unter­lage zur Rindviehzucht zunächst in Betracht komme, belebte übet geeignete Düngung nach Boden und tlllUHUti. llllt vvll »twll,„lcut.

Lage, uaer Vorteile und Anwendung der Wiesenegge I schlüge und andere Feuerwerke wurden entzündet und über noch vieles, waS die Landwirtschaft der > ---»— -.ur-r™ .. _ om-n?—

Neuzeit von einer rationellen Wielenkultur fordern müsse. Auch Zeit und Art der Feldbestellung, dem hiesigen Boden angepaßt, die großen Vorteile der Sämaschine, der rentabelsten aller landwirtschast- lichen Maschinen, nnd die Beeggung der neuen Saat wurde eingehend behandelt als d^s, was zur Ertragssteigerung des Ackerbodens wesentlich und in hohem Maße betrage. Bürgermeister Schwalm, der auf dem einschlägigen Gebiete nicht nur ein Theoretiker von reichem Wissen, sondern auch — und vor allem — ein erfahrener Praktiker auf eignem Betriebe ist, hat sich durch seinen Vorlrac, den Tank AmönKrurgs erworben. Sache der hiesigen Land- wirte ist es nunmehr, die von rhm erhaltenen Aus- chlnsse, Winke und Ratschläge entsprechend zu ver­werten.

hessischen Kavallerie so prächtiges Material lieferte, zieht immer weitere Kreise. Nachdem die letzte Sitzung der Landwirtschaftskammer zu Kassel einen Antrag des hiesigen landwirtschaftlichen Vereins, beim Dillenburger Landgestüt einige gute Warm­bluthengste zu belassen, ablehnte, ist diese Forderung in der letzten Sitzung des genannten Vereins erneut gestellt worden, und in Guntershauseu beschäftigte sich eine zahlreich besuchte Versammlung hessischer, . , -»•--■-------. «-- — v-

und waldeckischer Pserdezüchter mit dieser Frage. I n'n ■ . Namentlich handelt es sich um tue

Gs wurde schließlich beschlossen, eine Vereinigung t",<> ',nT’a,k rn,t‘,a blm Pferde^üchtern sämtlicher Kreise Kurhesiens und des Fürstentums Waldeck zu gründen, welche die Aufgabe hat, neben den Kaltblütern auch das hessische -Warmblutpferd weiter zu züchten. Gegen den erwähnten Kammerbeschluß soll energisch Front gemacht nnd die Angelegenheit dem Minister für Landwirtschaft unterbreitet werden.

3. GaSwerkttassen-Rechnung für bas Jahr 1910. Aus dem vom Gaswerksdirektor zu der Rechnung er­statteten Bericht geht hervor, daß der Gasabsatz wei­terhin gestiegen ist. Aach Ansicht des Direktors wäre »er Absatz noch größer gewesen, wenn ihm, dem Di­rektor, von feiten der GaS- und Wassertverkskomrnis- sion erheblichere Mittel zur Verfügung gestellt worden wären. Gegen diese Kritik der Tätigkeit der Kommis­sion erheben mehrere Stadtverordnete Widerspruch. Erster Beigeordneter Halbkeib nimmt gleichfalls die Kommission in Schutz, würdigt die Sckwierigkeiien ihrer Arbeit, vor allem in Hinsicht auf den Verkauf der angehäuftrn Kokimengen. Die Debatte wurde barm abgebrochen, da Rechnung und Bericht iwch nicht der gemeinsamen Gas- und Wasserwerkskommission borgelegen haben. Die Rechnung und der Bericht wer­den an diese Kommission verwiesen.

4. Sparkasftn-Rechmmg für das Jahr 1910. Die Rechnung, die geprüft und richtig befunden worden ist, schließt mit einem Betriebsgewinn von 29 080 Mk. ab. Der Magistrat beantragt, diese Summe dem am Ende des Berichtjahres 918 000 Mk. betragenden Reserve­fonds zuzuweisen. Diesem Antrag wird zugestimmt r>nd, dem Rechnungsführer Entlastung erteilt. ,----------a ----..... _„vtvllwuq vvs> <ltucue,,

o. Beschaffung S-kier Registrier-Apparnte für elek- Vereins St. Joseph aus Geisa war mit ihrem

rarasn ?*, V*.

Gefahr verknüpfter Besuch der Wasfermesserschämte m ^tgen' 9ro&e Interesse der Gersaer

nötig ist, sollen noch zwei fernregistrierende Apparate . re.in °em jungen, aufstrebenden Bruderver- angeschafft werden, mit deren Hilfe eine bequeme I cin„ ,ln. Buttlar nimmt. Nach Erledigung des ge- Kontrolle vom Wasserwerks-Direktionsgebäude aus er-1 schäftlichen Teiles folgte ein patriotisches Lied, folgen kann. Die Apparate sollen von Siemens u- Hierauf ergriff der Präses, Hr. Pfarrer Klitsch, das Halske für je 500 Mk. geliefert werden. Au: der1 <“--L — ------ - - - - - -- ' ’------

Versammlung heraus wird gewünscht, daß Kosten­anschläge für die in jener Summe nicht einbegriffene Ausführung der Leitung und Montage verlangt wer­den; schlreßlich aber wird darauf verzichtet. Die ver­langten Summen werden bewilligt.

6. Etats-Überschreitungen um 1107 Mk., die bei den Umbauten in der alten Kaserne entstanden siitd, wer­den debattelos bewilligt. Die Ueberschreitungen sind veranlaßt u. a. durch allgemeine Verteuerung der

neicuversammlung gerichwt, worin er für die Ehren­gabe von 500 Mk aus Anlaß feines 75jährigen'Be­stehens und für die rege Anteilnahme an dem Feste herzlich dankt und gleichzeitig mitteilt, daß trotz der großen, Einnahmen ein Defizit entstanden sei. — sOuit einer Hanauer Buchhandlung ist ein Buch zur SJeiiujjung gestellt worden, das die Minderwertigkeit staouscher Polizeiorgane dartun soll.

2. Rechnungsprüfung, Stadtkassep.-Nechrrnng für bas 3<tijr 1910. Es ist im Rechnungsjahre 1910=11 erfreu» licherweife ein Ueberschuß erzielt worden, was vor allem auf die höhere Steuer der Eifenbahnverwaltnng zurückzuführen ist. Ter lieberfckuß beträgt in der ordentlichen Verwaltung 43 904 Mk. Dieser lieber» schuß soll auf den Etat der außerordentlichen Verwal­tung des Jahres 1912 übertragen werden. Bezüglich >:r für den Plan der Errichtung einer Bade-! an st alt am Fulda-Mühlgraben wichtigen Frage, ob die Cellulose-Fabrik in Koh!Haus ihre 9(6= Läster auch in diesen Graben leiten dürfe, teilt der Magistratsvertreter mit, daß der Oberbürgermeister der ziemlich verzwickten Sache großes Interesse widme und in Kassel diese Angelegenheit in der nächsten Woche eifrig betreiben werde. Eine schleunige Erledigung der Wasserfrage sei jedoch kaum zu erwarten, weshalb man auch mit einer baldigen Ausführung der Badean- galt nicht rechnen könne, lieber die augenblickliche I erunreinigung der alten Fulda wird unter Betonung I der Notwendigkeit einer geeigneten Badegelegenheit don verschiedenen Seiten heftige Beschwerde geführt. I Rach übereinstimmender Wahrnehmung des Beigeord-1 Meten und mehrerer Stadtverordneten war am Sonn-1 tag das Wasser schwarz wie Tinte und weithin mit dickem Schaum bedeckt. Die Badegelegenheit im Ro- senlad werde daurch jedeni verleidet. Wer in das Was- I ser steige, komme als Mohr oder wenigstens als Mu­latte wieder heraus. Ein Antrag des Stv. Kircher,! gegebenen Falles i»» Zivilstreitverfahren gegen die Wasser-Verunreinigung durch die Cellulose-Fabrik borzugehen, findet fast einstimmige Annahme. — | Der Magistrat soll aufgefordert werden, . eine Vor­lage bezüglich des schon seit Jahren geplanten Bedürfnishä uS chens am Franzosenwäldchen dorzulegen. -— Die einzelnen Rechnungen werden schließlich genehmigt und dem Rechnungsführer Ent- ilastung erteilt.

WcruernöLut.

H) Roman von Felix Nabor.

Sie nicktr und schluckte die aufquellenden Tränen hinab. „Der Doktor sagt, es sei Blutvergiftung, And er konnte für nichts stehm." Sie deutete nach der austoßeudeu Kammer. „Er hat ihr ein Schlaf- ItttHel gegeben, daß sie wenigstens die Schmerzen nicht so spnrt. Aber helfen tut das nicht viel, und mein armes Mütterlein"--

Da brach ihr die Stimme, und sie toeiwte leise vor sich hin. Baldwin legte seine Hand auf ihre zuckende Schulter und sagte mit leiser, liebevoller Stimme. „Dtußt nicht weinen, Hanne! Der Dok­tor kann sich and) einmal irren, und vielleicht wird es doch wieder besser. Schau, schon mancher ist auf den Tod krank gewesen unb ist mit Gottes Hilfe wieder gesund geworden. Das kann auch bei Dei­ner Mutter zwtreffen."

Sie schüttelte den blonden Kopf und wischte die Tränen hinweg. „Ich hin voll schlimmer Ahnung, Baldwin! — Solch eine Angst ist in mir, daß ich's gar nicht sagen kann. Und so schwer und traurig ist's mir im Gemüt, wie wenn es einen Abschied fftr immer gäbe! — Ach Gott, wenn meine Diutter bann bin ich ganz allein, bann hab' ich keinen Menschen mehr auf bei ganzen Welt. Was sang ich beun nur an? — Was fang ich an? - Ich weiß nur ja net zu helfen."

„Ptußt nicht verzweifeln," tröstete Valbwin bic Sinne, welche unter ber Wucht bes Schmerzes säst zusammenorach^„Jch bin doch auch noch da, Hanne! Ich verlaß Dich nicht." ~

,r lächelte sie unter Tränen und hob das blaffe Gesicht zu ihm empor, daß er erst jetzt so recht fah, wie schon sie tn ihrem Schmerze war. , r u ~~m nj?- unb f° gut zu mir!" sagte

? weißt ja gar nicht, wie

«lucküch ich bin weil Du gar so aut zu mir bist. Aber schau. Du dacht da-iatcht so offen zeigen, sonst konnte man es leicht falsch auslegen. Ich bin ein

armes Mädchen und hab nichts als meine Ehr' — Die will ich mir r-in bewahren, da soll kein Flecken dran jein' — Und sieh, wenn Du öfter in uuser Haustein kommst, da werden die Leute viel­leicht L-chlimmes denken — und das sollen sie nicht, Baldwin! — Wegen mir ist's schließlich nicht, aber wegen Dtr! — Dir soll keiner 'was Böses nachsa- gen.Du mußt ganz rein dastehen, ganz makellos! — lcud darum ist es besser, wenn — wenn Du — nicht mehr — zu uns — kommst."

Das Hang wie der Weheschrei eines todwunden Herzens, das sein Liebstes zu verlieren fürchtet.

Baldwin erbebte bei diesem zitternden Herzens- SS' er' "luas sagst Du da? — Ich

soll nuht mehr kommen? — Das kann Dein Ernst nicht fein! — Da ist doch nichts Unrechtes dabei,

'ch hereinschaue, wie es Deiner Mutter geht!

Das ist doch Christenpflicht." 9 4

"■xfa, ^llich, Baldwin! — Aber die Leute wer- Dauben, daß Du nur wegen meiner ™ tter„Iommft ete werden sagen —" Eine heiße Glutwelle ergoß sich über ihr Gesicht, und hilflos könnende an' °^ne bie rechten Wort: finden zu

Bawwin sah, wie ein Heller Liebesstrahl aus ihrem Herzen hervorbrach und ihm leuchtete. Ein (ubelndes Glucksgefühl durchrieselte ihn. Er beugte >'ch »wer ihr schönes Gesicht und sagte innig: „Wenn f° haben sie gar nicht so un- recht, Hanne. —- ^awohl, ich komm' auch wegen Dir, weil tch meine Freude an Dir habe, wftl mir so wohl ist tn Deiner Nähe, weil ich Dich gern bab Du liebes, liebes Mädel Du!" ° 9 '

Hanne schrie in fteudigem Schrecken leise auf. „Baldwin — das sollst Du nicht sagen' -L Du sollst nicht Dein Spiel treiben mit einem armen Mädchen."

„Tu ich denn das, Hanne? — Ich mein es doch ehrlich mit Dir —“

Wieder klang ein leiser Schrei von ihren Lip­pen. „Baldwin — das kann nicht sein! — Du bist des reichen, stolzen Wildhofers Sohn —r und ich bie Tochtw der armen Gret!"

„Was liegt mir an Reichtum ober Armuki" rwf Baldwin. „Glücklich will ich fein! — Dich will ich zum Weibe haben, Hanne, weil Du das schönste und beste Mädchen int ganzen Tal bist, und weil ich Mch lieb hab' ach, so unsäglick) lieb!"

Wonne und Schmerz jagten sich in Hannes Brust wie Fieberhitze und Frostschau:r. „Baldwin," stammelte sie, „ist denn das wahr?"

Statt ihr Antwort zu geben, beugte er sich über ihr Gesicht, nahm sie an feine Brust und küßte den roten, zitternden Rtund. „Hanne", flüsterte er dann, „sag mir — hast auch Du mich gern?"

Da lächelte sie so süß, daß es ihm wie Sonnen­schein ins Herz drang. „O Baldwin," sagte sie, „wie magst Du nur fragen? — Und als ich Dich nach langer Trennung wieder sah, da jubilierte alles in mir, da flog Dir mein Herz entgegen."

„Es ist wunderbar," sagte Baldwin, „genau so ist's auch mir geschehen! Ach, Hanne, mein lieber, lieber Schatz, wie glücklich bin ich!"

Das übermächtige Glück machte sie verstummen, die Stube ward zu klein für den Reichtum an Liebe, den sie sich entgegenbrachten. Da traten sie hinaus tn den Abend, unter das grüne Laubdach des 9iuß- battmes, der seine Aeste und Zweige schützend über die Liebenden ausspannte.

Das weihe Mondlicht riefelte wie ein feiner Silberregen auf sie nieder, unb sie blickten sinnend in die milde Sommernacht hinaus. Hanne fühlte sich geborgen in seinem starken Arm; jetzt war sie nicht mehr allein und verlassen, sondern hatte eine feste StHtze in dem Mann: gefunden, den sie liebte. Voll Bewunderung und Liebe blickte sie zu ihm auf, und es kam aus tiefstem Herzen, als sie sagte: ,,£) Du — Du! — So wie Dich, so gibt's keinen mehr'"

„Und so lieb und so brav wie meine Hanne, so ist keine mehr auf der ganzen Welt!" entgegnete Baldwin.

Er verschloß ihr den Mund mit einem Kusse, legte ihr Gesicht an seine Brust unb streichelte zärt­lich ihr blonbes, leuchtenbes Haar. So verharrten

i'5 fturnmem, seligem Glücke, eng oneinanber ge­schmiegt, als ob bie Hanb bes Schicksals sie zusam- mengeschmiebet hätte.

Als brinnen Hannes Mutter zu stöhnen ansing, riß sich Hanne los. „Ach Gott, bie Mutter!" rief fte. „Wir haben sie über unserem Glücke vergessen?

„Sollen wir vor sie hintret-u unb es ihr sagen?" fragte Balbwin.

„Nein, nein," wehrte Hanne ängstlich ab, „jetzt nodj nicht! Ich kann es ja noch gar nicht fassen —। laß mir Zeit, Balbwin."

„Wie Du willst, Hanne! — Aber ob offen ober heimlich: Ich stehe fest zu Dir tn Freud und Leid, tn Not und Sorge! Das darfst Du mir glauben."

„Ich glaube es Dir, Baldwin! — Weil Du ein ernster, starker und treuer Mann bist, auf den man bauen kann wie auf einen Felsen. Und was auch kommen mag: Ich verzage nicht und bleib Dir treu! — Und nun, mein Liebster, — gute Nacht."

„Gute Nacht! — Gott segne Dich und mich und unsere Liebe!" —

Hanne trat rasch in das Haus, und der Riegel knarrte Baldwin ging langsam durch die laue Som­mernacht. Er war wie berauscht von seinem gro­ßen Glücke; ihm war, als hätte er jungen, starken, süßen Wein getrunken.

Er liebte zum ersten mal, liebte mit einer Kraft und Tiefe, wie es nur starken, unverdorbenen Na­turen eigen ist. Und er wußte, daß diese Liebe sein ganzes Leben ausfüllen, daß sie nie erlöschen würde. Darum fürchtete er sich auch vor den Kämpfen nicht, die ihm bevorstanden; zr war gefeit gegen alle An­griffe und Versuchungen, die an den reifen Mann herantreten: feine Liebe war der goldene Schild, der feine Brust beschützte. —

Der folgende Tag war ein Sonntag. Nachdem Baldwin seiner Pflicht als Christ genügt hatte, machte er gleich nach dem Mittageflen einen Gang hinaus in den Hochwald, den er oit jetzt noch nicht besichtigt hatte.

LFortfetzung folgt,; _