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JW 126.

Dienstag den 4. 3nni 19(2. r». Iahrg«,,.

* Tuldaer w Zeitung *

2. Blatt

vrnck «ab Verlag der Z«lbaer ActiendruSerel in Znida.

[] Ein Kntturkampfsvorstotz?

In verschiedenen Blätter wird „tiefsinnig" die Frage erörtert, warum und zu welchem Zweck angeb­lich in der letzten Polengesetzdebatte im Abgeordne­tenhause der Zentrumsabg. Marx so scharf gegen denLandwirtschaftsminister vorgegangen sei. Auch der alte Ränkeschmied Frhr. v. Zedlitz-Neukirch, der gern Leute hinter dem Ofen sucht, bemüht sich, die Ent­deckung geheimnisvoller Triebkräfte und verschmitzter Absichten hinter dem „Kulturkampfvorstoß" des Zen­trums zu entdecken. Und doch ist die richtige Erklä­rung des Vorganges mit Fausthandschuhen zu grei­fen: das Zentrum hat sich aufgebäumt gegen eine ungerechte Behandlung; es hat sich g e w e h r t gegen einen sehr empfindlichen Borstoß vom Ministertische her.

Daran ist nichts auffallend oder rätselhaft. Wohl aber wäre es auffallend und rätselhaft gewesen, wenn der Abg. Marx und seine Freunde die brüske Er­klärung über die Zurücksetzung der katholischen Be­werber bei den Ansiedlungen "schweigend hingenom- men und also diese Protestantisieruna des Ostens als „Staatsnotwendigkeit" anerkannt hätten. Ebenso war es ganz natürlich und selbstverständlich, daß bei dieser Gelegenheit sich der bekannte Ausspruch un­seres verewigten Vorkämpfers v. Schorlemer-Alst auf die Zunge drängte — jener Ausspruch von der Protestantisierung unter der Firma der Germanisic- rung, der durch die Erklärung des Landwirtschafts- niinisters in aller Form und Feierlichkeit als zutref­fend anerkannt worden war. Ferner war es natür­lich, daß der Minister v. Schorlemer-Lieser es unan- genehni empfand, als gezeigt wurde, wie einst sein unvergeßlicher Vater als ein Unrecht und ein Hebel das bekämpft hat, was der Sohn jetzt als „Staatsnotwendigkeit" proklamiert. Wenn nun der Sohn in dieser unbequemen Lage durch eine voll- ständig unrichtige Darstellung der Vorgänge von 1893 sich am Zentrum zu rächen sucht, so wollen wir darüber nicht weiter zu Gericht sitzen, sondern nur feststellen, daß eine derartige Entgegnung, die weder sachlich korrekt war noch den Kernpunkt des Streites traf, natürlich die Stimmung und die Ge­gensätze weiter verschärfen müßte.

Wir heben das nicht deshalb hervor, weil wir eine Verteidigung unserer Freunde im Parlamente für notwendig halten, sondern nur, um an diesem „Schulbeispiel" klar zu stellen, wie sehr unsere Nach­barn und Gegner die, einfachsten und natürlichsten Lebensäußerungen von unserer Seite, die ganz selbst­verständliche Abwehr von Angriffen auf unsere Gleichberechtigung, unsere Ueberzeugungen und un­sere Interessen durch künstliche Mißdeutung und An­dichtung von Hintergedanken und Nebenzwecken ver- dächtrgundgehäs si g zumachenbestrebt sind. Wir sollen uns nicht wie der Wurm krüm­men dürfen, auch wenn wir get:eten werden. Wenn man die disparrtätische Verwendung von Staats- geldern zu Ungunsten des Katholizismus als preu- sische Staatsregel hinstellt, so sollen wir uns chweigend verbeugen, und wenn die ewig ich wiederholenden Nachforderungen von Geld- und Machtmitteln zur Bekämpfung des Polentums die Verwerflichkeit und zugleich die Berfchltheit des ha- katistischen Kulturkampfs immer klarer erweisen, so sollen wir unsere Wahrnehmungen und unsere Be- sorgnisie im stillen Herzen begraben. Denn wenn wir sagen, was das Gewissen uns eingibt, so sind wir boshafte „Friedensstörer", „Ränkeschmiede", „Macht­spekulanten" usw.

Aehnlich ergeht es uns bei der Abwehr der B e r- Solgungsmaßregeln, die gegen die Jesu- ten im Schwange sind. Was ist natürlicher, als baß wir das kränkende Unrecht, welches einem ka­tholischen Orden, der Ehre des Katholizismus, den religiös-sittlichen Jnteresien und unsern Grund­sätzen von Parität, Freiheit und Recht zugefügt wird, zu beseitigen oder wenigstens möglichst abzu­mildern suchen? Aber jede Bestrebung in dieser Richtung wird als „ultramontane Anmaßung, Machtprobe usw." verschrien. So wird es ja auch als „römische Propaganda" bezeichnet und bekämpft, wenn die Katholiken für ihre Glaubensgenosien, die durch die moderne Freizügigkeit in die Diaspora geraten, die nötigen Kirchen und Seelsorger beschaf­fen wollen.

Wir vermissen nicht allein das Wohlwollen, son­dern auch das einfachste Verständnis für unsere

Ansichten und Bestrebungen. Bon der Gleichberech­tigung unseres Bekenntnisses und von der gleich­mäßigen Behandlung der Zentrumspartei ist man leider in Preußen-Deutschland noch weit entfernt. Um so notwendiger ist für die verkannte Minderheit die Eintracht und die Festigkeit

Amt Geisa und Umgebung.

Ä Geisa, 3. Juni 1912. Am Sonntag, den 2. Juni, tagte der landwirtschaftliche Ver­ein im Saale des Gasthofes „zum Stern". Die Ver­sammlung war von auswärts weit besser besucht als von Geisa. Herr Direktor Dr. L a n d b e ck hielt einen lehrreichen Vortrag über Düngung, ein Thema, das gerade hier so recht am Platze war. Es ist deshalb sehr zu bedauern, daß so viele, die es gerade anging, durch Abwesenheit glanzten.

* Martinroda b. Vacha, 3. Juni 1912. Der Landwirt und Bürgermeister-Stellvertreter Siuwn Limburg hier hat seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Limburg klagte in letzter Zeit viel über nervöse Beschwerden.

* Oechsen, 3. Juni 1912. Die Gewerkschafts­versammlung Heiligenmühle bewilligte die zum wei­teren Ausbau des Werkes erforderlichen Betriebs­mittel und zwar in Gestalt einer Zubuße von 1000 Mark auf den Kux. Zurzeit hat der Schacht Heiligen­mühle eine Teufe von 450 Meter und der Schacht Mariengart eine solche von 350 Meter Da die Ab- teufarbeiten ohne Unterbrechung fortschreiten kön­nen, dürfte int Schacht Mariengart der Plattendolo­mit voraussichtlich zuerst angeschlagen und durchteuft werden und danach diese Arbeiten im Schacht Hei­ligenmühle folgen. Man hofft, keine zu großen Wasserschwierigkeiten dort bewältigen zu müssen.

* Kieselbach, 3. Juni 1912. Mit dem 1. Juli d. I. wird unsere Gemeinde ein eigenes Stan­desamt erhalten. Bisher war Kieseibach dem Standesanitsbezirk Dorndorf angegliedert. Die in der nahen Umgebung von Kieselbach emporblühende Industrie hat dem Orte im Laufe der letzten Jahre aber eine solche Einwohnerzahl gebracht, daß die Errichtung eines eigenen Standesamtes eine Not­wendigkeit geworden ist.

* Gerstungen, 3. Juni 1912. Im vorigen Jahre wurde hier von der Aktien-Gesellschaft Klosterziegelei Eisenach-Gerstungen eine den modernsten Errungen­schaften entsprechende Ziegelei großen Stiles er­richtet. Die Einrichtungen sind jetzt nahezu soweit vollendet, daß der Export in größerem Umfang aus­genommen worden ist. Das hier vorgesttndene Ton­material ist eines der besten in Mitteldeutschland. An das Elektrizitätswerk der Ziegelei ist unser gan­zer Ort auch mit seiner Straßenbeleuchtung ange­schlossen und den Einwohnern damit Gelegenheit ge­geben worden, die elektrische Energie für Licht- und Kraftzwecke zu benutzen.

Au§ Oberheffen 11 den hesi. Aemiern.

A Marburg, 3. Juni 1912. Die Zahl der Studierenden in diesem Sotitmersemefter be­tragt 2303, einschließlich 127 Frauen. Unter Hin­zurechnung von 37 Männern und 8 grauen, welche zum Hören der Vorlesungen berechtigt sind, stellt sich die Gesamtzahl der Universitätsbesucher auf 2347. Von den Immatrikulierten studieren 194 Männer und 2 Frauen Theologie, 398 Männer Jura, 444 Männer und 21 Frauen Medizin, 1139 Männer und 104 Frauen Philosophie. Im letzten Winter betrug die Zahl der Immatrikulierten 1927 und im vorigen Sommer 2274. — Den Privatdozenten der medizi­nischen Fakultät der hiesigen Universität Dr. Bruns und Dr. Hübner wurde der Professorentitel ver­liehen.

* Frankenberg, 2. Juni 1912. Im nahen Wil­lersdorf war ein junger Mann damit beschäftigt, die Balken eines Neubaues zu ^reichen. Als er gerade, auf einer Leiter stehend, im 2. Stockwerk strich, brach eine Sprosse und er stürzte in die Tiefe, unglücklicher­weise in einen Lattenzaun. Dem Unglücklichen dran­gen zwei Latten in die Brust.

vermischte;.

* Als eine Seltenheit kann cs bezeickmet werden, daß jetzt schon im Sauerlande mit der Heu­

ernte stellenweise begonnen wird. Die für die Wiesen günsttgr Witterung hat den besten Schnitt außergewöhnlich früh zur Reife gebracht.

* Ein Pulverstampfwerk in die Lust geflogen Bei Oehringen (Württemberg) explodierte das Stampfwerk der Pulverfabrik Adolzfurt. Das Ge­bäude ist zerstört. Menschen sind nicht getötet worden.

* An vergifteten Speisen gestorben. In H o st a u in Böhmen, wo kürzlich zwei Personen nach dem Genuß arsenikhaltiger Speisen gestorben sind, er­krankten wiederum vier Personen der Familie des Wirtschaftsbesitzers Pechtold nach dem Genuß arse­nikhaltiger Speisen. Zwei der Erkrankten sind be­reits gestorben.

Handel und Industrie.

* Berlin, 3. Juni 1912. Auch am Montag hielt bei der Börie die schwankende Haltung der Vorwoche an. Die Ursache dafür erblickt man in den Arbeiterbewegungen, besonders des Auslandes. Ansätze zu einer festeren Haltung ließ die Nachricht vom belgischen Markte über Ermäßigung der Aus­fuhrpreise für Bleche nicht hochkommen.

Märkte.

1 Frankfurter amtliche Notierungen der Biebmarkt preise vom 3. Juni 1912. Auftrieb: 1348 Rinder cinichließlich 00 österreichische-, darunter 531 Ochsen, 56 Bullen, 761 Färsen und Kühe, 0 Freffer 301 Kälber, 170 Schafe, 2703 Schweine. Preise, für 1 Zentner: Rinder: A. Ochsen: a. vollfleischige, ausgrmästete höchsten Schlachtmertes höchstens 7 Fahre alt fLebendgewichls 53—59 Mark, sSchlachtgewichts f 5—100 M„ die noch nicht gezogen haben (ungejodit) sLobendgewichls 00—00 M., sSchlachtgewichts 00-00 Mark, b. junge fleischige nicht ausgemäflete und ältere ausgemästetesLebendgew.s 49—52 M., sSchlachtg.s 89—95 M., c. matzig genährte junge, gut genährte ältere sLebendgew.s 46 -48 Di., sSchlachtgew.s 85—89 Mark, d. gering genährte jeden Alters sLebendgew.s 00—00 M., sSchlachtgew.s 00— 00 M. B. Bullen: a. vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes sLebendgew.s 48--50 M., sSchlachtgewichts 80—83 M., «. pollüeischige jüngere sLebendgewichts 43—46 Mark, sSchlachtgew.s 71—76 Di., c. mäßig genährte jünaere und gut genährte ältere sLebendgewicki' OO 00 M., sSchlachtgew.s 00-00 M., d. gering genährte sLebdgew.s 00-60 M., sSchlachtgew.s 00 - 00 M. C. Färsen und Kühe: a. vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schtgchtwertes sLebendgewichts 47—50 M., sSchlachigew.s 81—90 M-, b. vollfleischige, ausgemästele Kühe höchsten Echlachlwertes bis zu 7 Fahren sSdgew.s 45—49M, sSchlachtgewls 84—88 M., c. 1) wenig gut mtroirtelte Färsen sLebendgew.s 43—46 M., sSchlachtg.s 83—88 M., do. 2) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe [iiebenbgero] 39-44 M., sSck'Iachlgew.s 72—82 M., d. mäßig genährte Kühe u. Zärsen sLcbendg.s 34—38 M., sSchlachtg.s 68 —76 M., <•. gering genährte Kühe und Färsen sLebendgew.s 2t -28 Mk-, sSchlachtgew.s 55-64 M. 10. Gering genährtes Jungvieh «Fresser) sLebendgew.s 00—00 M., sSchlachtg.s |G0- 00 5Ui. Kälber: a. Doppelender fernste Mast sLebendgew.s 00 — 00 M., sSchlachtgew.s 00—00 M, b. feinste Mast- sVollmilchmasts und beste Saugkälber sLebendgew.s 00-00 M., sSchiachtgew s 000 - 000 M., . mittlere Mast, und gute Saugkälber sLebendgew.s 60 - 65 M., sSchlachtgew.s 10’—110 M., d. geringe Sauglälber sLebendgew.s 54 -59 M., sSchlachtgew s 92 — 160, e) gelinge Saugkälber sLgw.s 00- 00, sSchlackt- gew.s60—00M. Schafe: ä. Wetdemastschafe: a.Mast- tümmer und jüngere Mafthämmel sLebendgew.s 41—00 Mk., sSchlachtgew.s 86—00 M., b. ältere Masthämmel und gut genährte Schafe sLebendgewichts 03- 00 M.. sSchlachtgew.s 00—60 M., c. mäßig genährte Hammel und Schafe Merz-Schafe sLebendgewichts 00 - 00 M., Schlachlgwichts 00—00 Mark, d. Marfchschafe oder viieoeruiigsjchale sLebendgew.s 00—00 M. sSchlacht­gew.s 00-00M. 13. Stallmastlchafe: 00. Sch weine: a. vollflkifchige Schweine von 80—100 kg Lebendgewicht sLcdei.ogew.s 57 59 M, sSchlachtgew.s 73—75 M., i>. vollfleiichige Schweine bis 80 kg Lebendgewicht sLebkndgeiv.s 56 58 311., sSchlachtgew.s 72-74 M., c. vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht sLedenvgew s 58-60 M., sSchlachtgew.s 73-75 M., d. volifleijchige Schweine von 120—150 kg Lebend. aew. sLebendgew.s 58—60 M., sSchlachtg.s 73 bis 75 Mart, e. Fettfchiveine über 150 kg Lebendgewicht sLebdgew.s 00— 00 M., sEchlachtgw.s 00 — 00 Mark, t. unreine Sauen und geschnittene Eber sLebendgew.s 00— 00 M., sSchlachtgewichts 00 —00 M. — Der Nindermarlt wird bei regem Handel nahezu geräumt. Kälber werden bei lebhaftem, Schafe bei ruhigem Ge- lchäftsgang ausmfauft. Der Schweinemarkl verlief rege; er wird nicht ganz geräumt.

Ordnung

der Zronleichnamsprozesfion zu Zrilda

Donnerstag den 6. Juni 1912.

A. Reihenfolge der Prozession.

1. Volksschulen.

2. Erste Musikkapelle (inmitten der Schul­jugend). . '

3. Lrnenm und Oberlyzeum.

4. Kongregation der Englischen Fräulein.

5. Handwerksschule bejro. Fortbildungsschule.

6. Musikkapelle des kathol. JünglingSvereins.

7. Katholischer Jünglingsverein der Dompfarrei.

8. Katholischer Jugendverein der Stadtpfarret.

9. Katholischer Gesellen-Berein.

10. St. Josephs-Verein.

11. Winfridia.

12. Meister- und Männer-Verein.

13. Dritte Musikkapelle.

14. Katholischer Kaufmännischer Verein.

15. Die Marianische Männersodalität mit Fahne und daran anschließend die Bürger.

16. Lehrer-Seminar.

17. Oberrealschule.

18. Gymnasium; in dessen Mitte

19. Vierte Musikkapelle (zur Begleitung der lateinischen Gesänge).

20. Weißgekleidete Mädchen.

21. Barmherzige Schwestern.

22. Barmherzige Brüder.

23. Konvent der PP. Franziskaner.

24. Das Priester-Seminar und der übrige Klerus.

25. Der Hochw. Herr Bischof mit dem San*- ttssimum.

26. Die H onoratioren.

27. Marianische Jungfrauen-Kongregatio«,

28. Fünfte Musikkapelle.

29. Dienstmädchen-Kongregation.

30. Arbeiterinnen-Kongregation.

31. Jungfrauen und Frauen.

B. Bemerkungen.

1. Nach dem Paternoster des Bischöflichen Hoch­amtes stellen sich auf dreimalige« Anschlag mit der Osanna und auf die gleichzeitige Aufforderung der Ordner die einzelnen Gruppen in der unter ä. be­zeichneten Reihenfolge auf und fetze« stch sofort i« Bewegung. WF* Sämtliche Gruppen, Ordensleute und Klerus ausgenommen, werden ersucht, nicht zwei und zwei, sondern vier und vier z« gehe«, damit die Länge der Prozession vermindert und, namentlich auch im Interesse des Gesanges ein besserer Zusammen­hang erzielt werde.

2. Das Zeichen zum Sttllstehe« an den 4 Altäre« sowie das Zeichen zum Weitergehe« wird mit dem Meßglöckchen der Stadtpfarrkirche gegeben. Man bittet dringend, dieses Zeichen sofort zu beachten.

3. Bei Rückkehr zum Dom ziehen nur die Gruppen von Nr. 16 an (Lehrerseminar usw.) in den Dom. Die Fahnenträger der Vereine mit ihren Begleitern mögen am Schlüsse der Prozession vor dem Lehrerseminar in den Dom mit einziehen und rechts und links vor der Kommunionbank Aufstellung nehmen. Die übrige« Gruppen (Nr. 1—15) bilden Spalier auf dem Domplatz und warten dort den letzten Segen mit dem Aller­heiligsten ab. Aus den Augenblick deS Segen» machen die städtischen Beamten in Uniform aufmerksam. Dan« erst löst sich die Versammlung auf.

C. Reihenfolge der Gesänge für das Volk.

1. Vom Dom zum ersten Altar: Nr. 91: „Aus, Zion preisr deinen König".

2. Vom ersten zum zweiten Altar: Nr. 92: „Deinem Heiland, Deinem Lehret.

8. Vom zweiten zum dritten Altar: Nr. 99: „Kommt und lobet ohne End'".

4. Vom dritten zmn vierten Mar: Nr. 103: „D Gottes ero get Sohn".

5. Vom vierten Altar zum Dom: Nr 85: „Großer Gott, wir loben Dich".

DaS Domkapitel.

Sitte Panne ist ein kleiner Uebel,

i

vergleicht man sie mit den Scherereien, die einem aus einer ernsten Erkältung erwachsen, wie sie bei einer Autofahrt immer möglich ist. Man sollte darum immer auch eine Schachtel FayS Schier Sodener Mineral-Pastillen mitnehmen, wenn man zu einer Autofahrt rüstet. Die Pastille» halten die Schleimhäute geschmeidig, beuge« Affektionen vor und schützen gegen die immense Gefahr, die der Staub immer bedeutet. Man bekommt Fays Sodener in allen Apotheken, Dro­gerien re. für 85 Psg. pro Schachtel.

MctuernöLul.

6] Roman von Felix Nabor.

„Er ist schwer wie Blei und brennt wie Feuer," sagte die Gret und erzählte ihm, daß sie etwas ge­stochen habe; aber sie wisse nicht, ob es ein Insekt oder eine Natter gewesen sei.

Baldwin faßte den Stuhl mitsamt der Kranken, trug ihn an den Tisch, bettete den Arm darauf und umwand ihn über dem Handgelenk so fest mit einem Tuch, daß der Frau fast übel wurde. Ihr Kopf sank in die Lehne zurück, ein schwerer Seufzer ent­rang sich chren Lippen und der Schweiß stand auf ihrer Stirne.

„Mein Gott, sie ftirbt!" rief Hanne und fing an zu schluchzen.

„Es ist nur Schwache," sagte Baldwin. „Geh' rasch ins Dors! Hole eine Flasche Wein!"

Und als Hanne zögerte und ihn ratlos anblickte, dachte er: „Ach, die Armen! Sie haben nicht ein­mal so viel Geld, um eine Flasche Wein bezahlen zu können!" Er drückte Hanne einen Taler in die Hand: Sauf, Hanne! Hole Wein! Das Leben Deiner Mutter hängt davon ab!"

Da warf Hanne rasch ein Tuch über und eilte davon.

Baldwin wusch das Gesicht und die Schläfen der alten Frau, flößte ihr Wasser ein und fand in der Küche ein langes, fingerdickes Seil, das er an einem Haken in der Decke befestigte. In die Schlinge legte er den kranken Arm, daß er hoch lag und nur wenig Blut zu der Wunde gelangen konnte; er war über­zeugt, daß es sich um Vergiftung durch Natternbiß handle.

Nun öffnete Gret die Augen. „Ist Euch besser?" fragte er.

Sie nickte. „Ja! —- Und auch die Schmerzen haben nachgelassen. Aber sag' mir, Baldwin: Hat — hat Dein Vater — Dich zu mir geschickt?"

Baldwin war erstaunt über chre hastige Frage und ihren angstvollen Blick. „Nein", sagte er, „dte Ev hat es mir gesagt " ,

Der Blick der alten Frau schien zu erlöschen, die hirtfällige Gestalt sank in sich zusammen; teilnahms­los, mit geschlossenen Augen, lag sie da und weinte heimliche Tränen in sich hinein.

Die Frage der Frau gab Baldwin zu denken. Warum erkundigte sie sich nach seinem Vater? — Sie tat ihm leid. Ihre vergrämten Züge sprachen von 9tot und Kummer. Was mochte sie gelitten haben bis zu dem Tage, wo ihr Haar bleichte, daß es weiß wie Schnee auf dem gebeugten Scheitel lag?

Er war froh, als Hanne zurückkehrte. Sie flöß­ten der kranken Frau Wein ein, und Baldwin riet, dies während der Nacht noch öfter zu wiederholen. Er versprach, am folgenden Tage den Arzt zu schicken und ging nach einem leisen Gute-Nacht-Grnß.

Hanne leuchtete ihm zur Treppe. Draußen fing sie zu weinen an. „Du bist so gut", sagte sie, und chre schönen, mit Tränen gefüllten Augen sahen chn dankbar an.

Er legte seine Hand auf ihren goldigen Scheitel, wie man es einem weinenden Kinde tut, das man beruhigen will. Ihm war dabei so eigen zu Mute, so froh und freudig, daß er hätte jauchzen mögen; eine heiße Zärtlichkeit für das hilflose Mädchen er­füllte ihn und trieb ihm liebe, gute Worte auf die Lippen.

Hanne lauschte voll heimlischer Wonne seinen Worten, und bei der Berührung seiner Hand ging es wie ein warmer Strom durch ihren Körper, "und ihr Herz begann rascher zu schlagen. Und so wohl war ihr und so hell erschien chr das Leben und die ganze Welt, als scheine ihr ein lichtes Sternlein ins Herz hinein. In aufwallender Freude und Dank­barkeit ergriff sie Baldwins Hand und zog sie an ch« Lippen, ehe er es zu hindern vermochte. „Ich danke Dir für alles!" flüsterte sie und huschte wie ein verscheuchtes Vögelein zurück ins Haus.

Langsam ging Baldwin heimwärts; immer wie­der drückte er die Hand, die Hanne geküßt hatte, an seinen Mund. Ein unsägliches Glücksgefühl schwellte chm die Brust, und alle zehn Schritte blieb er im Mondschern stehen und blickte lächelnd zurück nach dem weißen Häuschen, das ihm viel zu klein schien,.

um einen so herrlichen Schatz in seinen Mauern zu bergen.

Da er noch keinen Schlaf verspürte, wanderte er im Mondschein weiter. Nach einer Viertelstunde kam er an der Mühle vorbei, die lustig klapperte, und nach weiteren zehn Minuten lag die „Herr- gotts-Rttch-Kapelle" vor chm, ein langgestreckter Ban mit Weißen Mauern, einem schwarzen Ziegel­dach und einem niederen Zwiebelturm, der wie ein stummer Wächter im Tale stand. Die schmalen Fenster, auf denen der rote Widerschein der Ampel lag, die Tag und Nacht vor dem Gnadenbilde brannte, leuchteten wie goldene Augen in die 'Nacht hinaus und grüßten den späten Wanderer.

Vom Dorfe her verkündet die Kirchenuhr die zehnte Stunde, da machte sich Baldwin auf den Heimweg. Er trat leise durch das Hostor, traute Cäsar, der halblaut knurrte, den Kopf und machte noch einen Nundgang um das Haus. Da gewahrte er zu seinem Staunen, daß in der Knechtestube noch Licht brannte, und zugleich drang der Schall von Stimmen an sein Ohr. Rasch trat er an das Fen­ster, das nur lose geschlossen war, und vor Zorn blieb ihm zunächst das Wort in der Kehle stecken.

Um den Tisch saßen die Knechte und ein paar Taglöhner, hatten die qualmenden Pfeifen im Munde und die vollen Maßkrüge vor sich und spielten Karten. Dichter Tabakrauch füllte die Stube; in der Ecke lag auf einem Stuhl ein Faß Bier, an dem der Kuhjunge eben einen Krug füllte. Erst versorgte er sich mit einem tüchtigen Schluck, dann füllte er nach und setzte den Krug mit einem genialen Schwung, der einem Oberkellner Ehre gemacht haben würde, vor Fritz, den Großknecht. „Proscht!"

n Der Großknecht lachte, leerte den Krug zur Hälfte und rief: „Schön haben's wir doch auf dem Wilohof, was? — Wie die Vögel im Hanffeld leben wir." Und mit seiner dröhnenden Baßstimme fing er zu singen an:

So leben wir, so leben wir,

So lebe« wir alle Ta—age! —»>

Sein Nachbar mahnte ihn: „Schrei net so! Wenn's der Alte hört. Sax'n nochmal, das gab' ein schönes Donnerwetter!"

Fritz, der schon halb betrunken war, machte eine verächtliche Bewegung mit der Hand. „Ach der!" sagte er. „Der hört nix! Der sitzt bis elfe im Wirtshaus und sauft! Und der Junge, pah, auf den pfeif' ich! Der soll mir nur kommen! Dem will ich Mores lehren! —"

Baldwin ballte die Fäuste, und der Zorn fuhr ihm in die Glieder. Das war ja eine schöne Wirt­schaft! — Und diesen Menschen war Hab und Gut des Wildhofes anbertraut? —-

Er besann sich nicht lange. Mit einem Schwung saß er auf der Fensterbank, mit einem Sprunge stand er in der Stube.

Die Männer schrien auf, als ob eine Kugel ein» geschlagen hätte. Die Karten entfielen ihren Hän­den, die Pfeifen schlugen klappernd auf den Tisch. Alle sprangen aus, drückten sich an die Wand und suchten zu entkommen; der Kuhjunge riß einen Maßkrug vom Tisch und flüchtete heulend hinter den Ofen, wo er sich zähneklappernd verkroch. Nur der Oberknecht blieb sitzen und starrte Baldwin frech ins Gesicht.

„Was ist denn das für eine Schweinewirtschaft!" fing Baldwin zu Wettern an. „Um neune gehört Ihr zu Bett, damit Ihr am Morgen ausgeschlafcn habt und um sechs Uhr bei der Arbeit seid. Statt dessen zecht Ihr bis elfe und habt dann am anderen Tag schwere Köpfe und keine Lust zur Strbeit. Das kommt Wohl öfters vor, was?"

Sie senkten schuldbewußt die Köpfe. -- Da wußte Baldwin, woran er war. „Wer hat diese- Faß Bier auffegen lassen?" fragte er streng.

„Fritz hat es bezahlt", erklang es. Die Leute waren offenbar froh, die Schuld von sich abwälzen zu können.

„Memmen!" rief der Oberknecht verächtlich und spuckte aus. Und dann richtete er seine glitzerigen Acuglein, die deutlich seine Trunkenheit verrieten, boshaft auf Baldwin und trotzte: „Was geht's H)ich an, wenn ich ein Faß Bier bezahle?" (F. f.)