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M 125.

Sreitaj »en 51. Mal 1912.

59. Jahrgang.

* Tulaer M Leitung

2. Blatt.

Bruck und Verlag der Fuldaer Aetiendruckerel m Zuida.

Katholischer Lehrertag in Erfurt.

C. Erfurt, 29. Mai 1912.

In der dritten Sertreterversnmmlu»,, die Dienstag morgen 7 Uhr begann, wurde Herr Kamp durch geheime Wahl einftimmtg zum Vorsitzenden imedergewähit.

Um 9,39 Uhr hielt der Herr Bischof von Pader­born ein Pontifikalamt. Nach demselben sand die Hauptbersammiun, im prächtig geschmückten, von Blumen reich verzierten Kaijeriaal statt. Eine Reihe von Telegrammen war an gekommen. An erster Stelle verlas Herr Kam» das Telegramm, in welchem her Kaiser dem Berband seinen Dank jür den Ausdruck treuer E gebenheil spendet. Herr Kamp begrüßt« herzlich die enchienenen Ehrengäsie, besonders den Herrn Bischof Dr. Schulte, den Herrn Regierungspräsi­denten v. Fidler, den Herrn Oberregierungsral Sewald, den Herrn Regterungs- und Schulrat Gsrlach, den terrn Odrrbürger «erster Dr. Schmitt, den Herrn tadtverordneleuvorUeher Dr. Ludwig, den Herrn Stadtschulrat Dr. Gatzche u. a. Nun begrüßte der Herr Bischof die Bersammlung. Gr sei mit größter Freud« erschienen. Er rechn« sich selbst zur Lehrerschaft. Die Zugehörigkeit zum katholischen Lehrerverband sei ein Glaubensbekenntnis. Der katholische Lehrerverband sei ein Hauplsörderer der Erneuerung in Ehristo Jesu. Er erteilte darauf der Vermmmluug seinen Segen. Herr Regierungspräsi­dent v. Fidler begrüßte ebensalls herzlich die Ber­sammlung. Ihm schloß sich an Herr Oberbürger­meister Dr. Schmitt. Nun hielt Herr Universilätspro- fefsor Dr. Spahn seinen Vortrag über „Konfessio­nelle Schule und nationale Erziehung". Der Vortrag wird bald im Druck erscheinen. Die philosophisch - historisch - theologische Behandlung der Frage war von außerordentlicher Klarheit und Wissen­schaftlichkeit. Herr Spahn kommt zu dem Ergebnis, daß nur nationale und konfessionelle Erziehung zum Segen eine- Volker gereichen kann. Eine Nation, d:r das konfessionelle Prinzip abftreife, sei zum Sterben verurteilt. Herr Rektor Rheinländer-Hagen refe­rierte über »Die soziale Stellung des Lehrer­stand eS in der Gegenwart". Seit Wiederaufrichlung des Reiches sei eine Besserung eingelrelen. Doch sei die sozial« Log» de» LehrerS heute noch sehr beklagens­wert. Die Eingliederung d«S Stande- sowohl seitens deS Volke-, der Presse, namentlich aber der Behörde, entsprech« nicht der Bedeutung des Lehrerslandes. Die Eeminarien müßten höher klassifiziert werden, entsprechend ihrer wifsenschastltchen Leistungen. DaS Seminar müsse zum Besuche der Hochschule berechtigen. Eine aus­reichende Besoldung müsse dem Lehrer daS Tuchen nach aufreibenden Nebenbeschafttgungen erletzen. Die Lchul- aufsicht-stellen bi» zum vortragenden Rat im Mini­sterium müßten dem Stande frei werden. Die Lehrer- K solle sich selbst eine höhere Bewertung erkämpfen

Pflichttreue, Zusammenschluß, Weiterbildung, iwltesfürchtigen und kaisertreuen Wandel, selbstloses Wirken in Vereinen, namentlich sür die Jugend. An­passung an gesellschaftlich« Formen, Fühlung mit dem Bolte und Kollegialität. Großer Beifall lohnte auch diesen Redner sür sein« sachlichen, begeisterten Aus­führungen. Hierauf fand ein Festessen statt, an dem mehrere hundert Lehrer und etwa 80 Ehrengäste teil» nahmen. Damit hatte der ofstziell« Teil fein Ende erreicht. — Di« nächst« Versammlung findet 1914 in

Mit Rücksicht auf den außerordentlich umfang­reichen Stoff mußten Montag und Dienstag fünf Eonderversammlungeu stattstnden. lieber die zwei ersten Souderversammlungen haben wir bereits berichtet.

In der dritten Sonderversammlune sprach Herr Pfarrer Fallenberg au» Herchm an der Sieg über „Jugendschriftenbewegung und Kultur­leben." Die vorzüglichen Ausführungen führten zu folgendem Ergebnis: Der Verband wünscht, baß die Seminarien eint gründliche wissenschaftliche literarische Bildung gewähren. Bei Beranftallung wissenichafi- licher Kurse soll die literarische Bildung mehr berück­sichtigt werden. Dem Studium der Jugendleklüre ist dauernd eingehende Aufmerksamkeit zu widmen. Die Tätigkeit De» Lehrer» richtet sich vorwiegend auf die Psychologie de» Lehrer».

In der vierten Tonderverfammlung sprach Dom- pf eurer und Domkapitular Nuss ez Eichstätt) über Echulbibel oder biblische Beschichte. Gegen die Biblische Beschichte sprechen als Befahren der subjektiven Darstellung, Entfernung von der Wahrheit, Verzerrung in» Märchenhafte und der Umstand, daß Mit Ende der Schulzeit bi« Biblisch« Beschicht« beiseite «wird. Für dieselbe sprechen der Anschluß an nolicheu Anschauung»- und Sprachkrei», sie wird Achter ein Liedlingrbuch der Kinder. Gegen die Schulbibel spricht, daß sie dem Kind« zu „trocken" er­

scheint und sich dadurch eine Entmutigung tüt- Lehr er und Schüler «tnstellrn tarnt Für dieselbe tvruln aber das Hervortreieu der Autorität des goMichen!u,ories, die Einsührung in das Verständnis der Vollbibel und damit Gewinnnng eines sicheren Führers in Len Ge­fahren des Glauben-.lebens. Die mit gespannter Aut- «erksamkeit horchenden zahlreichen Zuhörer zollten dem Redner reichen, wohlverdienten Beifall. — lieber Kirchenmusik und Lehrerschaft hielt Velar Hatzfeld (Friedrichslohra) einen lehrreichen Vortrag. Er wies darauf hm, daß seit etwa anderthalb Jahr­zehnten eine fortschreitende Entfremdung zwischen Kirchenmusik und längerer Lehre.schast sich bemeU. ar mache. Diese Erscheinung erbär- sich ganz natürlich aus der Entwicklung der Voltsschale, in der die Fächer reinen Willens zum Schaden der anderen Disziplinen immer mehr in den Vordergrund treten. Eine Aende- rung könne nur dann erfolgen, wenn die ethische Be­deutung der Gemüsswerte in der Schätzung der Päda­gogen wiederum steigt. Wird in Präparant e und Seminar wieder eine vertiefte musikalisch: Bildung er­strebt, so wirs von selbst die alle Liede zur Kirchen- nmsik wieder aujkeimen.

Die Veröandsleitung hat ben klugen Gedan'en gehabt, d>e so schön verlaufene Tagung mit einem EUernabeu» zu beschließen. In die heuere und frohgemute Stimmung brachten zwei Vor­träge den ernsten Einschlag. Zunächst sprach Lehrer Krug (Düren) übtr das Thema: Haus und Schule im Dienste der Wehrkraft des Volles. Einen sehr zeitgemäßen Vortrag hielt sodann Lehrer Kos ch at e Kl. Tschansch- über die Li ist- und Schattenseiten des Klnemaiographen. In seiner gegenwärtigen skrupellos gewinnsüchtigen Ausnützung ist b r Kinematograph eine grobe Gefahr für Volk und Jug.ud. Die meisten Kmovorführungen bilden ein Verderbnis für Leib und Seele des Kindes. Die schlechte Lust der Kinos schadet der Lunge, das Flimmern der Bilder verdirbt die Augen. Die Vorführungen bieten meist Schund, ohne geistig bildenden Wen. Die Kinos sind geiährlicher als der Schund in schlechten Büchern, weil sie die geistige Vorstellung durch lebensvolle sinnliche Dar­stellung zum größten Verderben der Kinder unterstützen. Der Kampf gegen die entarteten KmoS ist zum Schutze der Jugend und im Interesse der Volkssittllchlett Ehrenpflicht der Eltern, Lehrer, Aufsichtsbehörden und des Staates.

Der Elternabend bildete einen würdig-n Abschluß der arbeitsreichen, ober auch segensreichen Tagung des lath. Lehrerveibandes. Eme freundlichere Ausnahme, als Erfurt dem Verband geboten Hal, wäre kaum möglich gewesen. Man kann den Wunsch mancher Lehrer, daß der nächste Verbandstag wiederum tm schönen, freundlichen Erfurt stattstnden möge, recht wohl verstehen. Die kurzen Aufenthaltstage in der prächtigen Thüringer Stadt haben die katholischen Leh. er, die aus allen Gauen des Vaterlandes hierher gekommen sind, Land und Leute liebgeromnen gelehrt. Der morgige Tag soll dazu bestimmt sein, den Ersgrter Gästen der Stadt und des thüringischen Landes Schön­heiten näher zu bringen. Danach ist eine Sonderfahrt zur Wartburg, der wunderbaren Stätte des segensreichen Wirken» der hl. Elisabeth, geplant.

Amt Geisa und Umgebung.

* Dermbach, 30. Mai 1912. Der Plan einer Automobilverbindung zwischen Dermbach, Roßdorf und Wernshausen ist nach der „Dorfztg." wegen der zu hohen Kosten fallen gelassen worden. — Die Aushebung der Rekruten im 4. Verwaltungsbezirk beginnt am 11. Juni und dauert bis zum 13. Juni dieses JahreS. Gesuche um Zu­teilung zu bestimmten Regimentern sind am Aus- Hebungstage selbst unter Angabe der Gründe anzu­bringen.

* Neidhartshausen, 30. Mai 1912. Wie erinner­lich, hatte der frühere Gastwirt Endter gegen das vom Schwurgerichte Eisenach gefällte Urteil, wonach er wegen Brandstiftung zu 3 Jahren Zuchthaus und 600 Mark Geldstrafe verurteilt war, Be­rufung eingelegt. Tas Reichsgericht hat jedoch di« eingelegte Berufung als unbegründet zurückge- wiesen.

* Wenigentaft, 30. Mai 1912. Die gesamten Arbeiten zur Erneuerung des ca. 43 Meter langen, 2,5 Meter weiten und 2,0 Meter hohen gewölbten BahndurchlafseS in Klm. 17,5 der Strecke Hünfeld-Wenigentaft sollen in einem Lose vergeben werden. Angebotsunterlagen können auf d-m Kgl. Eisenbahnbetriebsamt Hersfeld bezogen n e den.

* Dönges, 30. Mai 1912. Der dritte Pfingsttag ist für die liebe Jugend unseres Dörfchens ein Freu­dentag, den sie das ganze Jahr hindurch herbei- sehltt. Da veranstaltet fte das „2 aubmcinn - chen", d. h. ein Kind wird in frisches Buchenlaub gehüllt und an einem Seil wie ein Bär durch den Ort geführt. Die Kameraden begleiten es mit alten Blechbüchsen und Geräten und tragen einen mit bunten Bändern und Kränzen gezierten Maibaum von Haus zu Haus. Jedesmal wird tüchtig Lärm gemacht, wozu das „Laubmännchen" tanzen muß, und als Dank der Leute empfängt die luftige Schar einige Eier oder auch Geld. Ist jeder im Dorf an die Reihe gekommen, so wird ein Teil der Eier ge­kocht, für den Erlös „der verkauften" wird Getränk gekauft, und nun feiert die fröhliche Jugend mit Musik und Gesang „Laubmännchen-Schmaus".

Aus Gberheffen u. den Hess. Remtern.

△ Marburg, 30. Mai 1912. Kürzlich beschäf­tigte sich, wie damals berichtet, in Ebsdorf unter dem Vorsitz des Landrats v. Löwenstein zu Löwen- stein eine große Versammlung Kreiseingesesfenet mit der Frage der Elektrizitätsversorgung des Kreises. Es wurde damals beschlossen, einem Anerbieten der Gießener, Zentrale näher zu treten. Unter der Hand ist man aber auch hier in Marburg, nachoem die Straßenbahn ein­gerichtet war, wieder ret Frage näher getreten, das städtische Elektrizitätswerk zu einer Ueberlandzen- ttale einzurichtrn. Ein in einer gestern abend ab« gehaltenen Stadtverord letensitzung gestellter Antrag, für die diesbezüglichen Vorarbeiten die Mittel zu bewilligen, fand nnfttmmtge Annahme. Bei der sehr regen Aussprache wiesen alle Redner darauf hin, daß für die Versorgung der Landorte mit Elek­trizität nur Marburg in Betracht kommen dürfe.

* Marburg, 30. Mai 1912. Die freien Innungen sür das Schmiede-, Schlosser- und Klempner-Hand­werk, sowie das Schneider-Handwerk in den länd­lichen Gemeinden des AmtSgerichts-Bezirks Marburg haben die Errichtung von Zwangsinnungen be it ragt.

* Ziegenhain, 30. Mai 19! 2 Einen schrecklichen Tod erlitt der im 65. Lebensjahre stehende Ludwig Bernhardt auf Dornänr Immichenhain. Zwei junge feurige Pferoe wurden wild und gingen durch. Bern Hardt kam zu Fall und geriet vor die Räder, sodaß sie ihm den Brustkorb emdrückten Nach einer halben Stunde trat der Tod ein.

* F.aukenbrrg, 30. Mai 1912. Bei der Richtung eines Neubaues in Roda stand der Zimmermann Nolte-Rosenthal mit seinem Bruder auf einem Brett. Dieses brach mitten durch und beide stürzten drei Stockwerk ab in die Tiefe. Während der letztere sich noch glücklich an einem Balken im Abitur; festhaltev konnte und ohne Schaden davonkam, erlitt ersterer einen linken Oberfchenkelbruch und schwere innere Verletzungen und mußte zur Klinik nach Marburg ge-chafft werden.

)-) Schröck, 29. Mai 1912. Am zweiten und dritten Pfingstfeiertag feierte der hiesige, im Jahre 1893 gegründete Gesangverein.Cacilia" sein 19jähriges Bestehen. Die auswärtigen Brudervereine, Die zahlreich Der Einladung zu diesem Feste gefolgt waren, wurden von schmucken Rettern vor dem Torfe empfangen und nach dem Festplatz am Wittels- berger Weg geleitet. Hier nahm der gewaltige Festzug Ausstellung und bewegte sich durch die mit Ehrenpforten reich geschmückten Straßen des Dorfes. An den Festplatz zurückgekehrt, hielt der Vorstand des Vereins, der Maurer Herr Joseph Schmitt, eine begeisterte Ansprache. Nun brachten die ein­zelnen Vereine ihre Lieder zum Vortrag. Auf den offiziellen Teil folote ein itimi ungsvollcs Veronüoen.

♦ Treysa, 30. Mai 1912. Der von Nauheim aus verfolgte E in b r e ch e r, der sich, wie gemeldet, mit seiner „Braut" hie: eingemieUt hatte, ist von dem hiesigen Polizeisergeanten Bechtel auf dem Bahn­hofe in Hannover tn dem Augenblicke verhaftet worden, als er einen nach Hamburg abgehenden Zug besteigen wollte. Er nannte sich Dr. Werner, heißt aber in Wirklichkeit August Weiß, ist 21 Jahre alt und stammt aus Rohrbach bei Gießen. Er führte

zwei mft wertvollen Gegenständen gefüllte Koffer bei sich und hatte schon vieles in Kassel versetzt. Seine Braut erkrankte im hiesigen GerichtsgefängmS an Blutsturz und wurde deshalb in das Kranken­haus der Anstalt „Hephata" übersührt.

Handel nud Industrie.

* Berlin, 30. Mai 1912. Die Stimmung an der Börse war am Donnerstag wenig zuversichtlich, obwohl neue anregende Momente ans der Industrie vorlagen. Tie anfänglich« verhältnismäßig fest« Haltung verkehrte sich bald ins Gegenteil. Den Grund bilden Bemerkungen des Reichsbankpräst« Demen in der Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank über die Geldmarltlage.

Verzeichnis der Neuanschaffungen brr Landes» bibliolhek ja Fulda im Etatsjahr 1911.

(Die Bibliothek leiht ihre Werke an jedermann in Fulda und außerhalb Fuldas unentgeltlich aus.)

(Schluß.)

XI. Allgemeine Wtssenschastskunde. Bücherwesen.

Bibliograph e der deutschen Zeitschriften-Lileratur. Hg. von * Dietrich. 8. 4°. — Bd. 27 u. 28, 19)1.

Blätter für Volksbibliotheken und Leiehallen. Hg. von A. Graesel. L. 8». — Jahrg. 12, 1911.

Brandl, K.: Untere Schrift. Gott. 1911. 8».

Centralblatt für Bibltolhekswelen hg. von Schwenk«. L. 8°. — Vd. 28, 1911 u. Beih. 39.

Centralblatt, Literarckches, für Deutfchland fnebstr Schöne Ltteraturf. Hg. Ed. Zarncke. L. 4°. — Jahrg. 62, 1911.

Hinrichs Halbjahrskatalog der im deutfchen Buch- banbet et|cbienenen Bücher. L. 8°. — Fortsetzuna 225-26. 1911.

Hochland, Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und K-mfi. Hrsg v. K. Muth. Münch, und Kempten. 8°. — Jahrg VIII, 2-IX 1. 1911—12.

Kayser, 6ar. G.: Vollständiges Büch«r-Lert» ton ... Bo. 35 n. 36. L. 1911. 4».

Kultur, Die, der Gegenwart. Hrsg, von Pank Hinneberg 8. 8°. — T. II, 2, t. 1911.

Lehmann, P.: Johannes Sicbardus u. die von ihm benutzen Bibliotheken . . . Münch 1912. 8».

Ma<aulay: Critiral and historical Essay«. VoL 1—4. Lond. 1877. 8°.

Mitteilungen des Oesterreich. Vereins für Biblio-i thckswefen. Jg. 10, H. 8 [betr. die Fuld. Bibliotbekl.! Wien 1906. 8°. *1

Real - Lexikon, Französisch«», hrSg. voni Kloepoer. Bo. 1—3. L. 1897—99. 8°.

Real-Lexikon, En gleiches, Hrsg, von Kl-epper.f Bd. 1-2. L. 1897—99. 8°.

Schlagwort-Katalog. Verzeichnis der Bücher und 8anstarten m sachlicher Anordnung beerb, v. Karl Georg su. a.s Bd. VI, 2. Hann. 1910 8».

Veröffentlichungen der Gutenberg» Gesell­schaft zu Meuiz. Mainz. 4». — Bd. 8—9 u. 10—11. 1011.

Zeitschriften- Adre tzbuch, Sperling». Ausg. 47.191% Stuttj. [1911] 8°.

X. Fuldensien.

Bau- und Kuastdenkmälrr Thüringen». H. 37 kBerwattungsbezirk Dermbach) beerb, von Voß. Jena 1911. 8».

Fulda. Holzschnitt aus Münster. Deutsch. Aus«, um 1550. 40,5X22. Qu. 2».

Fulda. Der Dom. Hildburgh. Bibliogr. Jnstit. Stich 30X19. Qu. 4».

Fulda. Bchliothek u. Priesterseminar. H. Mer» del. Darmstadt: Lang« 25X16, (um 1850 .

Geschichtsblätter, Fuldaer, Hrsg, von Richter. Jg. 9. Fulda 1910. 8°.

Heimarbeit, Die, im rh«in-mei«ischen Wird» scheftsgebiet. [Darin euch die Rhön.l Bd. 2. Jene 1911. 8°.

Iller, ®.i Alt-Fulda. 12 Federzeichnungen. Marb. |1911], Qu. 4».

König, H.: Portait. Nach Photogr. auf Stein gez. von H. Bodmer. 2®.

Meißner, A. (I.: Portrait. Stich von Schreyer nach toem. von A. Graff. 8°.

Meißner, A. G.: Portrait. Stich, nnbez. 8».

Neuenberg bet Fulda. H. Merz del. Darmstadt: Lange 26X15. (um 1850.)

Reinhardt, C. F.: Geschichte de» Pfarrdorfe» Hnndsseld. Hammelburg 1909. 8*.

„Es ist wie im Märchen", dachte Hanne und fing die milchweißen Blüten in ihrer hohlen Hand auf. —

Scheuern und Stallungen zeigten sich klaffende Risse, große, häßliche Stellen, von denen der Mauerverputz abgefallen und nicht wieder erneuert worden war — Zeichen beginnenden Verfalles! Das Hofgebäude aber prangte in tadelloser Sauberkeft und schaute mit seinem spitzen Giebeldach stolz ins Land hinaus — ein Wahrzeichen alter, trutziger Bauernherrlichkeit!

Alles Land ringsum war dem Wildhofer zu eigen, all die Felder und Wiesen, so weit das Äuge reichte, — bis hinaus zu dem dunklen Wald, der den Hori­zont begrenzte und die- Bauern königreich wie ein hoher schwarzer Wall einschloß. Der ,Herrenwald" mit fernen Taufenden von Hochstämmen war der Stolz des Besitzers, um den er von Hunderten be- neidet wurde.

Als Baldwins Blick all diese bäuerlichen Herr­lichkeiten sah, erglänzten seine Augen voll Stolz, aber der Gedanke an seinen Vater setzt« diesem stürmi- schrn Freudengrfühl einen raschen Dämpser aus.

i Der stolze Mann fühlte sich immer und überall al» den Herrn und saß wie ein kleiner Fürst auf fernem Hofe. Die Bauern im Tal und seine Dienst- boten behandelte er wie Vasallen und Knechte, und selbst sein Weib und sein Sohn standen in diesem Ab- hangrgkeitsverhältnis. Nie hatte Baldwin den Weg zum Herzen seiner Vater» finden könne», so sehr er sich auch Mühe gab, und Zärtlichkeiten, wie sie andere Kinder als Zeichen elterlicher Liebe erhalten, empfangen: immer blieb in ihn) das Gefühl der Furcht gegenüber feinem Vater.

Unten tut Tal sah er Sensen blitzen und gewahrte, tote Ev ihr Tuch gleich einer Fahne schwang. Hanne folgte ein wenig zaghaft ihrem Beispiel. Ihr blon­des Haar glanzte wie gesponnenes Goll», ihre weiße Stirne leuchtete wie ein Lilienblatt. Da packte ihn wieder die tolle Lebensfreude; er schwenkte den Hut grüßte die beiden mit einem hellen Jauchzer und ging mit raschen Schritten der Heimat zu. __

Vom Dorse her klang die Besperglocke. Da ruhte die Arbeit eine Weile. Ev und Hanne setzten sich unter den dichtbelaubten Holderbusch am Feldrain, und ein Regen von silberweißen Blütensternchen' ging über sie nieder, so oft sie die überhangenden Zweige streiften.

„Die Silbersternlein {allen," sagte Ev, „das be­deutet Glück!"

Auch als Baldwtn zum Jüngling heranwuchs, änderte sich dteses Verhältnis nicht; Widerstand oder eigene Meinung waren aus dem Wildhof unbekannt, des Hofbauern Wille war hier oberstes Gesetz.

Selbst nach der MUitärzeit blieb Baldwin fiir seinen Vater nur der „$ub , und ohne chn erst zu tagen, ob er auch Lust dazu habe, schickte er ihn aus die Landwirtschaftliche Schule, indem et ihm dabei den stolzen Rat gab: „Vergiß nie, daß Du ein Wild- Hofer bist! Di« Wildhoser sind überall di« ersten!"

Drese Gedanken bewegten Baldwin, als er ztvi- schen den Feldern hürschritt. Seine Hand griff nach d«n Halmen, und Hr erjchrah iöeim leisesten Druck

zerbrachen die Aehren in seiner Hand — die Frucht war überreif und mußte sofort geschlagen werden, wenn nicht großer Schaden entstehen sollte.

Und bei dieser Entdeckung schärfte sich sein Blick; er sah, wie schlecht hier gewirtschaftet wurde, er er­kannte, daß da- Auge des Herrn sehlte: die Aecker loaren schlecht gepflügt und zu wenig gedüngt wor­den; die Furchen liefen krumm, große Flächen im Feld waren au-gebrannt, eine Masse von Mohnftau- den machte sich breit, Kornblumen wucherten zu Tausenden zwischen den Halmen, und am Boden krochen breit und behaglich dichtvecschlungene Schma­rotzerpflanzen hin. —

Baldwin ward von Sorge erfüllt. Stand es so um den Hof? — Dann war es Zeit, mit dem Vater ein ernstes Wort zu reden. Und hatte er selber nicht zwei starke Arme zum Zugreifen? — Wenn es in den letzten Jahren rückwärts gegangen war, so wollte er mit seiner frischen Kraft einspringen, und e8 mußte vorwärt- gehen! Auch in ihm brauste das starke, stolze und heiße Bauernblitt, daS ein (Erb­teil der Wildhoser war, und lieber hätte er den letz, ten Tropfen desselben hingegeben, als daß der Hos zurückging oder gar verloren wat! Da hieß eS kämp. fea bis zum letzten Atemzug und arbeiten toie ein Roß! Oder wie ein Riese!

Mft diesem Vorsatz betrat Baldwin den Hofiaum. Da war noch alles wie früher. Der Brunnen streckte seinen hölzernen Arm hoch in die Luft empor, die Hühner gackerten auf der Dunglage zur Rechten, die Tauben faßen auf dem Brnnnentrog, und Geranien und Gelbveigelein blühten auf den Fensterbänken. Täsar, bet Hofhund, fuhr wie toll aus seiner Hütte, ttß und zerrte an sinnet .Kette, sprang an Baldwin empor, al» dieser ihm nahe kam und gab in lauten Heultonen seiner Freude Ausdruck.

Der Lärm rief die Mutter herbei. Die Aermek aufgestülpt und di« weiße Schürz« borgebunbtn, weil ne eben beim Kuchen backen war. trat sie unter die Türe. Al» sie den Kommenden erkannte, stieß sie einen lauten Freudenschrei aus, der alle Liebe und Sehnsucht, welche sie in den endlosen drei Jahren für den fernen Sohn aufgespeichert hatte, m sich

Mft jedem Schritte, den Baldwin machte, schmei­chelte sich ihm die Heimat mefjr ins Herz hinein. Voll Wonne atmete er den kräftigen Erdgcruch, der wie heißer Brodern von den Feldern aufstieg. Er ließ die glatten, glitzernden Aehren durch seine Fin­ger gierten; zitternd, wie vor Freude bebend, beugten sie ihre Häupter und schnellten dann in schlankem Bogen wieder empor zu ihrer stolzen Höhe.

Die Frucht stand hier so hoch, daß ihm die Halme bis an ine Schultern reichten, und der schmale Fuh- toeg, der sich durch das Halmenmeer wand, war so oichr verwachsen, daß Baldwin wie nur mit Mühe burchkommen konnte. Run war aber die Hügelhöhe erreicht, und vor ihm lag der Wildhof, seine Heimat. Das hohe tote Ziegeldach leuchtete zwischen den Punkten Wettertcmnen hervor, breit und stolz lag der stattliche Hos auf der Höhe — vorn, die ganze Breite des werten HofraumeS flankierend, öaS Wohnhau». fest, und rückwärts bte Wirtschaftsgebäude. An

WarrerrEQrt

8} _ Roman von Felix Nabor.

„Mutter! Mutter!" schrie Baldwin, eilte ihr ent­gegen, riß sie an seine Brust und küßte ihren grauen Scheitel und ihre blaffen Wangen. „Da tat ich, Mutter!" —

All seine kindliche Liebe, alle zärtliche Verehrung, die er fiir sie hegte, schüttete ec über sie aus und machte sie glücklich! — Denn die stille, blaffe Frau hatte neben ihrem stolzen, erzgepanzerten Gatten nie das Glück befunden, nach dem sie sich sehnte, ihr Wea war mühsam und öde. Aber die Liebe zu ihrem Sohne verklärte ihr Dasein, und seine heiße, stür­mische Liebe warf Sonnenschein in ihr Leben und auf den dornigen Pfad, den sie au der Seite ihres herrfchsüchtigen Gatten gin^.

Ihr Mutterherz, das sich jahrelang in heißem Schmerze nach Bcüdwin gesehnt hatte, begann zu fauchzen und zu jubeln, weil sie ihn nun wieder bet sich hatte, weil er wieder Sonne in thr Leben hinein, trug. All die bitter» Tränen, die sie in einsamen Nachten um ihn vergossen hatte, waren vergessen^ und daS Leben war nun wieder schon und wert!

Sie schaute immer wieder bewundernd an ihm empor, weil er doch so stattlich und vornehm toar, und streichelte zärtlich feine Hand. „Wie froh bi» ich, daß ich Dich wieder habe! — Wie oft habe ich an- Dich gedacht! — Nun ist alles gut, alles!"

Jcht vergrämte- Sorgengesicht blühte förmlich auf, ihre vorn Weinen müden Angen leuchteten, be­kamen neuen Glanz. — Wie im Triumphe sühtte fi< ihn in das Haus, öffnete die Türe und sagte: „Sei willkommen, mein liebet Bub! — Und nun mit Gatt — tritt ein!"

Baldwin trat in die große, niedere, getäfelt» Bauernstube und sah auf den ersten Blick, daß hiev alle- noch war wie ehedem. Kein Schrank war nut Nagelbrerte gerückt, jede- Bild hing an seinem tra­ditionellen Platze, und die alte Schwarzwälderi» tiefte laut und vernehmlich zum Willkomm. Im „Herrgottswinkel" reichte das große geschnitzte Kruzi­fix bis zu der verräucherte» Seele, das vertrocknet Weihbüschel stak hinter dem Christuskürper, und dft Fliegen summten vor den breiten Fenster» mit de» kleine» Scheiben.

kFoftsetzuna folgt)